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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Albert Wirz
Titel    Duala: koloniale Herrschaft und städtische Raumordnung
Zeitschrift    Ethnologica Helvetica
Sammlung    Un nouveau regard sur la ville. Contributions à l'ethnologie urbaine
Herausgeber    Micheline Centlivres-Demont
Ort    Bern
Jahr    1982
Nummer    6
Seiten    41-59
DOI    https://doi.org/10.5169/seals-1007708
URL    https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=tsa-001%3A1982%3A6#5 - https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=tsa-001%3A1982%3A6%3A%3A217 (PDF)

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    10


Fragmente der Quelle:
[1.] Analyse:Aea/Fragment 032 02 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2024-08-25 21:24:11 Schumann
Aea, Fragment, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, Wirz 1982, ZuSichten

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
No
Untersuchte Arbeit:
Seite: 32, Zeilen: 2-7
Quelle: Wirz 1982
Seite(n): 53, 54, Zeilen: 53: 9 ff.; 54: 1 ff.
Die Duala werden gewöhnlich als segmentäre Gesellschaft bezeichnet, weil sich Verwandtschaftsorganisation und politische Ordnung in großem Maße entsprachen. Dennoch ist eine Reihe von sozialen Konfliktlinien auszumachen, die zwischen Älteren und Jüngeren, Männern und Frauen und vor allem zwischen Freien und Sklaven verliefen. [Seite 53]


Im Unterschied dazu war die Gesellschaft der Duala jedoch ganz anders, nämlich segmentär strukturiert. Es handelt sich bei den Duala um eine jener Stammesgesellschaften, in denen sich Verwandtschaftsorganisation und politische Ordnung weitgehend entsprechen.

[Seite 54]

Die wichtigsten - doch keineswegs die einzigen - Konfliktlinien verliefen zwischen Alten und sozial abhängigen Jungen einerseits, zwischen Männern und Frauen anderseits sowie schliesslich zwischen Freien (wonja) und Unfreien oder Sklaven (mukon).

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

[Fragm. ist sichtungsfähig, Parallelvergl. mit anderen Wirz-Publ. - außer Wirz 1980 - wäre trotzdem noch sinnvoll]

Sichter
(Schumann)


[2.] Analyse:Aea/Fragment 042 27 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2024-08-25 21:31:56 Schumann
Aea, Fragment, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, Wirz 1982, ZuSichten

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
No
Untersuchte Arbeit:
Seite: 42, Zeilen: 27-39
Quelle: Wirz 1982
Seite(n): 53, 54, Zeilen: 53: letzte 2 Zeilen; 54: 1, 5 ff.
Soziale Oppositionen kamen in der räumlichen Ordnung der Duala-Dörfer symbolisch zum Ausdruck. Diese war geprägt von der Spannung zwischen der Wasserfront als dem Zentrum des Handels und damit als Quelle des Reichtums und Zugang zum Lebenselement der für die Duala-Kosmologie zentralen Flußgötter auf der einen Seite, und der zum Binnenland und zum Busch gelegenen Dorfgrenze auf der anderen Seite. Während die Chefs auf leicht erhöhtem Terrain am Flußufer wohnten (ndongo), waren die Sklaven als Menschen ohne Ahnen und ohne Verwandtschaft großenteils in speziellen Sklavendörfern jenseits der Dorfgrenze angesiedelt (koto). Ihre soziale Randstellung fand eine Entsprechung in der peripheren Lage ihrer Wohnsitze. Selbst auf der Ebene des Einzelgehöfts (éboko) spiegelte sich die entsprechende Hierarchisierung des Raumes wider, indem die Front den Männern, der Hof den Frauen und der Hinterhof den Sklaven zu-[geordnet wurde.] [Seite 53]


Das aber hängt damit zusammen, dass auch die Duala-Gesellschaft soziale Oppositionen kannte, die ihrerseits im traditionellen Sied-

[Seite 54]

lungsmuster symbolisch zum Ausdruck kamen12. [...] Die räumliche Ordnung der Duala-Dörfer aber war geprägt von der Spannung zwischen der Wasserfront als dem Zentrum des Handels und damit als Quelle des Reichtums sowie als Zugang zum Lebenselement der für die Duala-Kosmologie zentralen Flussgötter (mengu) auf der einen Seite und der zum Binnenland und zum Busch hin gelegenen Dorfgrenze auf der andern Seite. Während die Chefs zum Flussufer hin wohnten, waren die Sklaven als Leute ohne Ahnen und ohne Verwandtschaft grossenteils in eigenen Sklavendörfern jenseits der Dorfgrenzen angesiedelt. Ihre soziale Randstellung fand eine Entsprechung in der peripheren Lage ihrer Wohnsitze. Selbst auf der Ebene des Einzelgehöfts (éboko) findet man eine entsprechende Hierarchisierung des Raums, indem die Front den Männern, der Hof den Frauen und der Hinterhof schliesslich den Sklaven zugeordnet wurde.


12 Das folgende nach Balandier 1975.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

(Der hier ausgelassene Satze von S. 54 der Quelle dient inhaltlich als Quelle bei Fragment 032 02.)

[Fragm. ist sichtungsfähig, Parallelvergl. mit anderen Wirz-Publ. - außer Wirz 1980 - wäre trotzdem noch sinnvoll]

Sichter
(Schumann)


[3.] Analyse:Aea/Fragment 106 16 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2024-08-25 21:35:00 Schumann
Aea, Fragment, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, Wirz 1982, ZuSichten

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
No
Untersuchte Arbeit:
Seite: 106, Zeilen: 16-24
Quelle: Wirz 1982
Seite(n): 41, Zeilen: 4 ff., 12 ff.
Eines der kennzeichnenden Strukturmerkmale vieler Großstädte des heutigen Afrika ist die Trennung zwischen einer mit allen Annehmlichkeiten ausgestatteten, dünn besiedelten "weißen" oder "modernen" Stadt und einem überbevölkerten, unterversorgten "schwarzen" Teil. Die Ursache für diese dualistische Struktur liegt unzweifelhaft in der Stadtplanungspolitik der Kolonialperiode. Eine Reihe von ethnologischen und soziologischen Arbeiten hat gezeigt, daß Siedlungsformen überall auf der Welt häufig die räumliche Projektion der sozialen, ökonomischen und politischen Organisation sowie der kulturellen Wertvorstellungen ihrer Bewohner sind.279

279 Vgl. z.B. Bernd Hamm, Einführung in die Siedlungssoziologie, München 1982. Spätestens seit Pierre Bourdieus bahnbrechenden Untersuchungen wissen wir, daß sich Herrschaftsverhältnisse im Raum spiegeln, daß wir in der räumlichen Ordnung eine gelebte Karte der Alltagswelt entdecken können. Vgl. seinen "Entwurf einer Theorie der Praxis, auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft" (Frankfurt/M. 1976 [frz. 1972]).

Eines der hervorstechendsten Merkmale der meisten Städte im heutigen Afrika ist die Trennung zwischen einem mit allen Annehmlichkeiten versehenen, nur dünn besiedelten "weissen" oder "modernen" und einem überbevölkerten, unterversorgten "schwarzen" Teil. Die Ursache für diese dualistische Struktur afrikanischer Städte ist unschwer in der Politik der Kolonialperiode auszumachen. [...] Demgegenüber haben ethnologische Arbeiten gezeigt, dass Siedlungsformen sehr oft die räumliche Projektion der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Organisation und letztlich auch der kulturellen Wertvorstellungen ihrer Einwohner sind.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

[Fragm. ist sichtungsfähig, Parallelvergl. mit anderen Wirz-Publ. - außer Wirz 1980 - wäre trotzdem noch sinnvoll]

Sichter
(Schumann)


[4.] Analyse:Aea/Fragment 107 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2024-08-25 23:20:27 Schumann
Aea, Fragment, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, Wirz 1982, ZuSichten

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
No
Untersuchte Arbeit:
Seite: 107, Zeilen: 1-3, 8-10, 11-14, 22-31
Quelle: Wirz 1982
Seite(n): 41, 44, 45, Zeilen: 41: 19 ff.; 44: 15 ff.; 45: 1 ff.
[Dabei wird sich zeigen, daß das "Segregationssyndrom" in unterschiedlichem Ausmaß überall in] Afrika die koloniale urbane Raumordnung bestimmte. Im Zentrum der Begründungen für diese Politik standen primär tropenhygienische Argumente im Zusammenhang mit der Malaria-Prophylaxe.280


[...] Um die Jahrhundertwende vollzog sich zudem eine nahezu revolutionäre Entwicklung in der tropenmedizinischen Forschung. [...] Noch am Ende des 19. Jahrhunderts hatte man angenommen, die Malaria-Fieber, welche Teile Afrikas zum "Grab des weißen Mannes" machten, seien durch giftige Ausdünstungen bestimmter Böden verursacht.282 [...]

Bakteriologische Untersuchungen hatten dann um 1900 ergeben, daß es sich bei der Malaria um eine parasitär verursachte Krankheit handelt und daß die das Fieber hervorrufenden Protozoen einen doppelten Entwicklungskreislauf haben, von denen sich der eine (ungeschlechtliche) im Brutkreislauf [sic] des Menschen, der andere (geschlechtliche) aber im Körper weiblicher Stechmücken der Gattung Anopheles vollzieht. Aus der Tatsache, daß die afrikanische Bevölkerung und vor allem Kinder wichtige Zwischenwirte für die Malaria-Erreger waren, schlossen die Forscher, daß der Kampf gegen die Malaria den Schutz der Gesunden vor menschlichen Zwischenwirten einschließen müsse, wenn er erfolgreich geführt werden wolle.


280 Eine wegweisende Untersuchung zu diesem Themenkomplex, vornehmlich am Beispiel Dehlis in Indien, war Anthony D. King, Colonial urban development. Culture, social power and environment, London 1976. Die folgenden Ausführungen basieren vor allem auf Curtin, Medical Knowledge; John W. Cell, Anglo-Indian Medical Theory and the Origins of Segregation in West Africa, in: AHR 91,2 (1991), 307-335; Daniel R. Headrick, The Tentacles of Progress. Technology Transfer in the Age of Imperialism, 1850-1940, Oxford/New York 1988, bes. Kap.5: Cities, Sanitation, and Segregation, 145-170; Robert Ross/Gerard J. Telkamp, Introduction, in: Dies. (Hg.), 22f.; Catherine Coquery-Vidrovitch, Ségrégation spatiale, ségrégation sociale?, in: CEA 25,3 (1985), 293f.

282 Vgl. Daniel R. Headrick, The Tools of Empire. Technology and European Imperialism in the Nineteenth Century, New York/Oxford 1981, Kap.3; Gordon Harrison, Mosquitos, Malaria and Man: A History of the Hostilities since 1880, London 1978.

[Seite 41]


Es sei hier namentlich an die Arbeit des deutschen Geografen Karl Vorläufer [sic] über Dar es Salaam und an Anthony D. Kings wegweisende Untersuchung über Delhi in Indien erinnert. Im folgenden soll nun am Beispiel der Hafenstadt Duala in der deutschen Kolonie Kamerun (1884-1914) dargelegt werden, wie eng städtische Raumordnung und koloniale Situation miteinander verknüpft sind.

[Seite 44]

Im Zentrum der offiziellen Begründungen standen freilich andere, nämlich tropenhygienische Argumente im Zusammenhang mit der Malaria-Prophylaxe.

Malaria war damals die wohl gefürchtetste Tropenkrankheit. Ihretwegen stand Westafrika im Ruf, das Grab des weissen Mannes zu sein.

[Seite 45]

Dieser Ratschlag stand in Einklang mit dem neuesten Stand der tropenmedizinischen Forschung, die gerade hinsichtlich der Malaria-Aetiologie um die Jahrhundertwende zu revolutionären Erkenntnissen gelangt war.

Noch zu Ende des 19. Jahrhunderts nämlich hatte man allgemein angenommen, die Malaria-Fieber, denen so viele in Afrika zum Opfer fielen, seien durch giftige Ausdünstungen bestimmter Böden verursacht. Bakteriologische Untersuchungen hatten dann aber ergeben, dass es sich bei der Malaria um eine parasitär verursachte Krankheit handelt und dass die die Fieber verursachenden Protozoen einen doppelten Entwicklungskreislauf haben, von denen sich der eine (ungeschlechtliche) im Blutkreislauf der Menschen, der andere (geschlechtliche) aber im Körper weiblicher Stechmücken der Gattung Anopheles vollzieht. Aus der Tatsache, dass die afrikanische Bevölkerung und namentlich die Kinder wichtige Zwischenwirte für die Malaria-Erreger waren und gefährliche Infektionsherde darstellten, folgerten die Forscher, dass der Kampf gegen die Malaria den Schutz der Gesunden vor menschlichen Zwischenwirten einschliessen müsse, wenn er erfolgreich geführt werden wolle.

Anmerkungen

Die Seite enthält zwar drei Fußnoten mit zahlreichen (fremdsprachigen) Quellenangaben, doch keinen Hinweis auf die eigentliche (deutschsprachige) Quelle, aus der - nach unten zunehmend wörtlich - übernommen wurde.

Die Behauptung in Fn. 280, "Die folgenden Ausführungen basieren vor allem auf" mit Auflistung von 5 Literaturangaben, erscheint vor diesem Hintergrund wissenschaftsethisch besonders fragwürdig.

Sichter
(Schumann)


[5.] Analyse:Aea/Fragment 108 02 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2024-08-25 21:14:40 Schumann
Aea, Fragment, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, Wirz 1982, ZuSichten

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
No
Untersuchte Arbeit:
Seite: 108, Zeilen: 2-9
Quelle: Wirz 1982
Seite(n): 46, Zeilen: 12 ff.
Der Paradigma-Wechsel in der medizinischen Forschung ging einher mit einem Wandel der Werte im zeitgenössischen europäischen Denken. Nach der Jahrhundertwende ging es nicht mehr um das Meiden bestimmter Naturräume, sondern um das Meiden bestimmter Menschengruppen. Der wissenschaftliche Rat der Ärzte implizierte das Aussperren der wirklichen wie der angeblichen Keimträger aus der Gruppe der Gesunden. Die Dichotomie gesund-krank entsprach dabei der auf der Rassenlehre der Zeit basierenden vermeintlichen Dichotomie Europäer-Afrikaner. [Wirz hat diese Entwicklung folgendermaßen beschrieben: "Die Tragik der Geschichte will es, daß zu dem Zeitpunkt, als eine wissenschaftliche Revolution erstmals eine rationale Malaria-Bekämpfung und -Prophylaxe möglich machte, im gesellschaftlichen Bereich rassistisches Herrendenken an die Stelle des früheren aufklärerischen Diskurses getreten war. Profitiert haben davon letztlich nur die Mücken."283

283 Albert Wirz, Malaria-Prophylaxe und kolonialer Städtebau: Fortschritt als Rückschritt?, in: Gesnerus 3/4 (1980), 222.]

Doch wenn der Segregationsvorschlag somit in der Tradition des aus der Zeit tropenmedizinischer Unschuld stammenden Ratschlags zum Meiden ungesunder Orte zu stehen scheint, so bestehen doch bedeutsame Unterschiede, die nicht nur den Paradigma-Wechsel in der medizinischen Forschung, sondern darüber hinaus den Wandel der Werte im zeitgenössischen europäischen Denken aufdecken. Nach der Jahrhundertwende ging es nicht mehr um das Meiden bestimmter Naturräume, sondern um das Meiden bestimmter Menschengruppen. Schlimmer noch: Wenn man sich früher mit dem Fernbleiben von möglichen Krankheitsherden zu schützen gesucht hatte, so bedeutete der wissenschaftlich fundierte Rat der Mediziner nun das Aussperren sowohl der wirklichen wie der möglichen Keimträger aus dem Verband der Gesunden, wobei die Dichotomie gesund-krank deckungsgleich war mit der in der Rassenlehre der Zeit begründeten vermeintlichen Dichotomie Europäer-Neger, die wiederum in der kolonialen Situation dem Gegensatzpaar Kolonisierende-Kolonisierte bzw. Herrscher und Beherrschte entsprach.
Anmerkungen

Für das gekennzeichnete wörtliche Zitat wird korrekt Wirz 1980 als Quelle angegeben (allerdings ist der Text fehlerhaft übertragen worden: der Verfasser ersetzt "Denkens" durch "Diskurs").

Wirz 1980, S. 222, Z. 13 ff.:

"Die Tragik der Geschichte will es, daß zu dem Zeitpunkt, als eine wissenschaftliche Revolution erstmals eine rationale Malaria-Bekämpfung und -Prophylaxe möglich machte, im gesellschaftlichen Bereich rassistisches Herrendenken an die Stelle des früheren aufklärerischen Denkens getreten war. Profitiert haben davon letztlich nur die Mücken."

Im Vergleich erweist sich jedoch, dass der vorangehende Inhalt ebenfalls aus einer Wirz-Publikation stammt, was aber unausgewiesen bleibt: entweder diente Wirz 1982 oder Wirz 1980 als Vorlage.

Beide Wirz-Texte weisen für die hier dokumentierte Passage fast identische Parallelen auf, wobei Wirz 1980 (S. 226, Z. 13 ff.) allein aufgrund des wörtlichen Zitats naheliegend erscheint. Aufgrund einer kleinen Differenz - in der untersuchten Arbeit findet sich mit Wirz 1982 übereinstimmend die Formulierung "Paradigma-Wechsel in der medizinischen Forschung", während es bei Wirz 1982 "Paradigma-Wechsel in der Medizin" heißt - erscheint es geringfügig wahrscheinlicher, dass der Inhalt der dem Zitat vorangehenden vier Sätze aus Wirz 1982 übernommen wurde, weshalb eine Kategorisierung unter "Verschleierung" erfolgt.

Sollte dennoch Wirz 1980 als Quelle gedient haben, wäre das Fragment als "Bauernopfer" einzustufen.

Sichter
(Schumann)


[6.] Analyse:Aea/Fragment 111 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2024-08-25 22:44:54 Schumann
Aea, BauernOpfer, Fragment, SMWFragment, Schutzlevel, Wirz 1982, ZuSichten

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
No
Untersuchte Arbeit:
Seite: 111, Zeilen: 1-7, 12-31
Quelle: Wirz 1982
Seite(n): 52, 53, 54, 55, Zeilen: 52: 1 f., 6 ff., 25 ff.; 53: 1 ff., letzter Abs.; 54: 1
Abschließend stellt sich die Frage nach der Einordnung der europäischen Kolonialstadt-Konzepte in afrikanische Siedlungsmuster. Auch afrikanische Gesellschaften kannten selbstverständlich eine soziale Dimension der räumlichen Ordnung. Bei den Duala ist z.B. deutlich geworden, daß soziale Opposition im Siedlungsmuster symbolisch zum Ausdruck kam (vgl. Kap.2.3). In vielen vorkolonialen afrikanischen Städten hat es eine ethnische, häufig auch religiös und beruflich bestimmte Viertelbildung gegeben. [...] So beschreibt der arabische Geograph Al-Bakri im 11. Jahrhundert Kumbi-Saleh, die Hauptstadt des damals in hoher Blüte stehenden Ghana-Reichs, als eine Zwillingsstadt, wo die zugewanderten islamischen Händler vom eigentlichen Herrschaftssitz räumlich getrennt siedelten.292 Es wäre jedoch falsch, den kolonialen Ursprung der spezifischen Siedlungsstruktur moderner afrikanischer Städte mit dem Hinweis zu neutralisieren, daß "die Einteilung innerhalb der Siedlungen in abgegrenzte Wohnbezirke für bestimmte Rassen in Afrika recht alt und keine Erfindung der Kolonialverwaltung ist.".293 Die Kategorisierung der menschlichen Vielfalt nach sogenannten Rassen ist zweifelsohne eine Erfindung europäischen Denkens und den afrikanischen Kulturen fremd.294 Des weiteren handelte es sich bei den Städten des präkolonialen Afrika oft weniger um eine zentral verordnete als um eine relativ spontan gewachsene Viertelbildung. Hier waren es zudem nicht die Einheimischen, sondern die Fremden, die auf eigene Viertel an der Peripherie verwiesen wurden. Schließlich schloss die Gliederung der Städte nach ethnischen Kriterien nicht aus, daß alle Bewohner im zentralen Marktplatz mit der Moschee oder einem anderen Kultplatz und dem Herrschersitz ein gemeinsames, allen gleichermaßen zugängliches Zentrum hatten. Im Gegensatz zur rassisch segregierten Kolonialstadt gestattete diese Form der Gliederung durchaus ein gemeinsames Gesellschaftsleben.

292 Vgl. Richard W. Hull, African Cities and Towns before the European Conquest, New York 1976, 80f. Zu den späteren vorkolonialen Handelsstädten an der westafrikanischen Küste vgl. Catherine Coquery-Vidrovitch, Villes africaines anciennes: une civilisation mercantile prénégrière dans l'Ouest Africain, XVIe et XVIIe siècles, in: Annales ESC 46,6 (1991), 1389-1410. Vgl. für das Folgende vor allem Wirz, Duala.

293 So Manshard, 215.

294 Vgl. u.a. Robert Miles, Rassismus. Einführung in die Geschichte und Theorie eines Begriffs, Hamburg 1991, 93ff.

[Seite 51]


Nachdem nun die Zusammenhänge zwischen zeitgenössischen Wertvorstellungen, Herrschaftsinteressen und räumlicher Segregation aufgedeckt

[Seite 52]

sind, stellt sich natürlich auch die Frage nach der Einordnung der deutschen Kolonialstadt-Konzepte in afrikanische Siedlungsmuster. [...]

Der Freiburger Geograf Walter Manshard seinerseits sucht in seinem magistralen Buch über die Städte des tropischen Afrika den Hinweis auf den kolonialen Ursprung der spezifischen Siedlungsstruktur moderner afrikanischer Städte damit zu neutralisieren, dass "die Einteilung innerhalb der Siedlungen in abgegrenzte Wohnbezirke für bestimmte Rassen in Afrika recht alt und keine Erfindung der Kolonialverwaltung ist" (Manshard 1977: 215). Ganz abgesehen davon, dass die Kategorisierung der menschlichen Vielfalt nach sogenannten Rassen sehr wohl eine Erfindung europäischen Denkens und den afrikanischen Kulturen fremd ist, verschleiert die zitierte Aussage mehr, als dass sie erhellt. Es ist zwar nicht zu bestreiten, dass es in vielen präkolonialen afrikanischen Städten eine ethnische, oft auch religiös und beruflich bestimmte Viertelbildung gegeben hat. So beschreibt der arabische Geograf al-Bakri im 11. Jahrhundert Kumbi-Saleh, die Hauptstadt des damals in hoher Blüte stehenden Ghana-Reichs, als eine Zwillingsstadt, wo die zugewanderten islamischen Händler vom eigentlichen Herrschaftssitz räumlich getrennt siedelten10. [...]

[...] Zum einen handelt es sich hier oft weniger um eine zentral verordnete, als um eine natürlich gewachsene Viertelbildung. Zum andern waren es in diesen afrikanischen Städten nicht die Einheimischen, sondern die Fremden, die auf eigene Viertel an der Peripherie verwiesen wurden. Im weiteren schloss die Gliederung der Städte nach ethnischen Kriterien doch nicht aus, dass alle Bewohner

[Seite 53]

im zentralen Marktplatz mit der Moschee oder einem anderen Kultplatz und dem Herrschersitz ein gemeinsames, allen gleichermassen zugängliches Zentrum hatten, wie denn auch die genannte Gliederung keineswegs ein gemeinsames Gesellschaftsleben ausschloss, dies im Gegensatz zur rassisch segregierten Kolonialstadt.

[...]

Trotzdem hatten die Duala keine Mühe, die Bedeutung der erzwungenen Umsiedlung und allgemein die Sprache der kolonialen Raumordnung zu verstehen. Das aber hängt damit zusammen, dass auch die Duala-Gesellschaft soziale Oppositionen kannte, die ihrerseits im traditionellen Sied-

[Seite 54]

lungsmuster symbolisch zum Ausdruck kamen12.


10 Vgl. Hull 1976: 80f.

12 Das folgende nach Balandier 1975.

Anmerkungen

Die Quelle wird zwar am Ende von Fn. 292 genannt ("Vgl. für das Folgende vor allem Wirz, Duala."), doch lässt das nicht erkennen/erwarten, dass der Inhalt der Seite größtenteils daraus - und zudem in hohem Maße wörtlich - ungekennzeichnet übernommen wurde. Ein wörtliches Zitat wird dabei mitübernommen.

Sichter
(Schumann)


[7.] Analyse:Aea/Fragment 112 02 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2024-08-25 22:34:05 Schumann
Aea, Fragment, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, Wirz 1982, ZuSichten

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
No
Untersuchte Arbeit:
Seite: 112, Zeilen: 2-13, 16-20
Quelle: Wirz 1982
Seite(n): 44, 45, 46, 50, 55, Zeilen: 44: 10 ff.; 45: 20 f.; 46: 1 ff.; 50: 21 ff.; 55: letzter Absatz
Medizin und Rassismus, Wissenschaft und kulturelle Vorurteile reichten sich hier die Hand. Medizinische Überlegungen hatten zwar einen starken Einfluß auf die Siedlungspolitik und die Gestaltung der Städte in Afrika durch die europäischen Kolonialherren, doch spielten ebenso wirtschaftliche, politische und strategische Motive eine Rolle. Sie alle aber waren kulturell vermittelt, bestimmt durch die zeitgenössischen kulturellen Wertvorstellungen der Kolonisierenden. Die historische Bedeutung der kolonialen Stadtplanung liegt nicht zuletzt darin, daß die hier geschaffene Raumordnung den Blick der betroffenen Afrikaner für die diskriminierenden Aspekte der Fremdherrschaft schuf. Die damit zusammenhängenden Landkonflikte waren also Ausdruck des grundsätzlichen Konfliktes zwischen Kolonisierenden und Kolonisierten um ihre Position in der kolonialen Ordnung.

[...]

Die bereits erwähnte Verlegung des deutschen Gouvernments nach Buea 1901 stand ganz im Zeichen der oben beschriebenen Strategie der Europäer, Hill Stations anzulegen. Das am Kamerunberg gelegene Buea zeichnete sich vor allem durch seine Höhenlage aus, für die man die Verkehrsabgeschiedenheit offenbar bereitwillig in Kauf nahm.295


295 Bereits um 1840 hatte MacGregor Laird, der Promoter des Niger-Handels, die These vertreten, daß die Höhen des Kamerunberges ein moskito-sicherer Ort für Europäer-Siedlungen sei. Vgl. Curtin, Medical Knowledge, 595.

[Seite 44, Z. 10 ff.]


Es spielten sowohl wirtschaftliche wie politische und strategische Motive eine Rolle. Sie alle aber waren kulturell vermittelt, bestimmt durch die zeitgenössischen kulturellen Wertvorstellungen der Kolonisierenden.

[Seite 45, Z. 20 f.]

Medizin und Rassismus, Wissenschaft und kulturelle Vorurteile reichten sich hier die Hand.

[...] Und ausgehend von der Annahme, dass Malaria und andere tropische Fieber klimatisch bedingt seien,

[Seite 46, Z. 1 ff.]

hatten sie auch damit begonnen, sogenannte Hill Stations anzulegen.5 Die Verlegung des deutschen Gouvernementssitzes von Duala nach Buea steht ganz in dieser in Britisch-Indien begründeten Tradition. Buea zeichnete sich ja vor allem durch seine Höhenlage aus, was zwar wegen häufiger Nebel und wegen der Verkehrsabgeschiedenheit ebenfalls Unannehmlichkeiten mit sich brachte.

[Seite 50, Z. 21 ff.]

Und die Herrschenden setzen alles daran, die vorgegebenen gesellschaftlichen Teilungen aufrecht zu erhalten. Dies gilt vornehmlich für die Beziehungen zwischen Kolonisierenden und Kolonisierten, die denn auch recht eigentlich bestimmend, weil antagonistisch sind.

[Seite 55, letzter Absatz]

Die historische Bedeutung der vorgestellten und mindestens teilweise durchgeführten kolonialen Stadtplanung liegt meines Erachtens darin, dass die kolonial geschaffene Raumordnung die hinter offiziellen Verlautbarungen versteckte Wirklichkeit der kolonialen Situation für jeden Besucher oder Einwohner unmittelbar erfahrbar machte.


5 Zu den Hill Stations ausführlich King 1976: Kap. 7.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Sichter
(Schumann)


[8.] Analyse:Aea/Fragment 120 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2024-08-25 22:22:06 Schumann
Aea, BauernOpfer, Fragment, SMWFragment, Schutzlevel, Wirz 1982, ZuSichten

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
No
Untersuchte Arbeit:
Seite: 120, Zeilen: 1-18, 21-27
Quelle: Wirz 1982
Seite(n): 48, 49, 50, Zeilen: 48: 23 ff.; 49: 1 ff.; 50: 21 ff.
[Eine rassisch segregierte Stadt schien das geeignete Mittel zu sein, einer die koloniale Herrschaft gefährdende Tendenz entgegenzuwirken: das durch das Zusammenleben von Schwarz und Weiß hervorgerufene Streben nach Gleichbehandlung bei den Afrikanern, welches zugleich aber die Grundlage der deutschen Fremdherrschaft zerstören mußte, die eben] eines möglichst großen Unterschiedes zwischen Kolonisierenden und Kolonisierten bedurfte.319 Zudem sollte die rassisch geteilte Stadt Tendenzen der Anpassung der Europäer an ihre Umgebung entgegenwirken, namentlich den Mischehen oder doch sexuellen Beziehungen einzelner Europäer zu einheimischen Frauen. Denn diese Verbindungen bedrohten ebenso wie das Streben der Duala nach Gleichberechtigung die Grundlage der Kolonialherrschaft: eine möglichst große soziale Distanz zwischen Herrschenden und Beherrschten. Die projektierte koloniale Stadtordnung sollte diese Distanz erneuern, indem sie das für die Deutschen "Fremde" - die Einheimischen - ausschloß und die Kolonialherren zum sozialen Zusammenschluß zwang, sei es durch die Mitnahme der deutschen Ehefrauen oder durch die Errichtung eines heimischen Vorbildern nachempfundenen Vereinslebens.320


In die gleiche Stoßrichtung wie die strikte Hierarchisierung der Sozialbeziehungen zielte auch die weitere Verankerung des Sozial- und Wohlstandsgefälles, das den Kolonisierenden leitende, den Kolonisierten dagegen dienende Funktionen zuwies. Die Afrikaner sollten vom Landbesitz in der ökonomischen Kernzone am Flußufer ausgeschlossen werden, um ihnen ein weiteres elementares Stück Eigenständigkeit in der Kolonialwirtschaft zu nehmen. [...]

Daß es den deutschen Behörden vordringlich keineswegs darum ging, die Malaria zu bekämpfen, läßt sich im übrigen noch an mehreren Beispielen ablesen: So sahen die Deutschen Mattenhäuser als elementare Infektionsgefahr an, propagierten diese Wohnform aber als einzig mögliche Behausung für die Duala. Die neuen Quartiere für die enteigneten Einheimischen lagen zudem in sumpfigen Überschwemmungsgebieten; die Übersiedelung wurde begonnen, noch ehe in den zugewiesenen Wohngebieten die notwendige Infrastruktur errichtet war.


319 So heißt es in der Denkschrift über die Forderung für Erwerb von Eingeborenenland in Duala und Verlegung eines Teils der Eingeborenen von Duala zum Etat 1911 (BAP R.Kol.Amt 4427, 13ff.): "Diese Trennung findet weiter ihre Berechtigung mit dem Gegensatz der weißen Rasse gegenüber der schwarzen. Sie muß aus diesem Gesichtspunkt heraus gebieterisch gefordert werden, um der Gefahr, in die die Engländer an der afrikanischen Westküste (cfr. Lagos, Sierra Leone, Calabar) hineingetreten sind und der wir gerade in Duala ziemlich nahe sind, rechtzeitig oder wenigstens solange wie möglich, zu entgehen, nämlich dem Ansetzen und Entwickeln zur sozialen und politischen Gleichstellung mit den Eingeborenen." Vgl. dazu Wirz, Duala; Andreas Eckert, Koloniale Stadtplanung und europäischer Rassismus: Die Enteignung der Duala, in: Wilfried Wagner (Hg.), Rassendiskriminierung, Kolonialpolitik und ethnisch-nationale Identität, Münster/Hamburg 1992, 206-216.

320 Vgl. Wirz, Duala. Vgl. ANY FA 1/329, 8-13: Vorbereitender Ausschuß zur Vorbereitung eines Gesellschaftshauses in Douala an Kaiserliches Gouvernement, 28.6.1913. Dieser Ausschuß, dem deutsche Unternehmer und Regierungsangestellte (inklusive Bezirksamtmann Röhm) angehörten, plante ein großes Gesellschaftshaus, verbunden mit Turnhalle, Schwimmhalle und Sportplätzen. Er rief alle auf, "die ein Interesse daran haben, daß die Europäer der Kolonie ihrem Beruf erhalten bleiben und nicht den durch Klima und mangelnde Unterhaltung veranlassten Verheerungen zum Opfer fallen, sondern sich zur Betätigung gemeinschaftlicher Ziele zusammenschließen," als Aktionäre dieses Unternehmens tätig zu werden.

[Seite 48]


Gemeint ist damit nichts anderes als die Anpassung des Einzelnen an seine Umgebung, was gerade in der Fremde Voraussetzung für sein Ueberleben ist, zugleich aber die Grundlage der Kolonialherrschaft untergraben musste. Denn diese beruhte, wie jede nicht-demokratische Ordnung, auf möglichst grosser sozialer Distanz zwischen Herrschenden und Beherrschten.

Exemplarisch für die Tendenz zur Anpassung waren die Mischehen oder doch die sexuellen Beziehungen einzelner Händler, Beamter und Offizie-

[Seite 49]

re mit einheimischen Frauen, die die Deutschen denn auch unter Aufbringung aller möglichen und unmöglichen Gründe bekämpften.

Es liegt auf der Hand, dass eine rassisch segregierte Stadt ein geeignetes Mittel war, diesen Tendenzen entgegenzuwirken, indem sie die Fremde ausschloss und die Kolonisierenden zum sozialen Zusammenschluss zwang, sei es durch die Intensivierung der gegenseitigen Kontakte, sei es durch die Mitnahme der deutschen Ehefrauen oder durch die Errichtung eines heimischen Vorbildern nachempfundenen Vereinslebens. In die gleiche Stossrichtung zielte die Verankerung eines Sozial- und Wohlstandsgefälles, das den Kolonisierenden leitende, den Kolonisierten aber dienende Funktionen zuwies. Nachdem die Deutschen zuvor schon die Duala aus dem besonders gewinnträchtigen Import-Export-Handel verdrängt hatten, setzte die Stadtplanung auch in dieser Beziehung einen Schlusspunkt, indem sie die Afrikaner vom Landbesitz in der wirtschaftlichen Kernzone längs des Flussufers ausschloss und ihnen damit jede eigenständige Rolle in der Kolonialwirtschaft verwehrte.

Die Doppelbödigkeit der zuvor zitierten Vormundschafts- und Schutzargumente wird im übrigen offensichtlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Deutschen gerade die nach traditionellen Baumustern errichteten Mattenhäuser als Infektionsgefahr einschätzten, die neu ausgeschiedenen Afrikanerquartiere zum Teil in sumpfigem Ueberschwemmungsgebiet lagen, mit der Umsiedlung begonnen wurde, noch bevor die nötige Infrastruktur (vor allem eine ausreichende Wasserversorgung) errichtet war, [...]

[Seite 50]

Und die Herrschenden setzen alles daran, die vorgegebenen gesellschaftlichen Teilungen aufrecht zu erhalten. Dies gilt vornehmlich für die Beziehungen zwischen Kolonisierenden und Kolonisierten, die denn auch recht eigentlich bestimmend, weil antagonistisch sind.

Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite.

Die Quelle ist zwar in den Fn. 319 (dort bezugnehmend auf ein in der Fn. enthaltenes wörtliches Zitat) und 320 - jeweils zum Vergleich und ohne Seitenangaben - genannt, doch bleibt unausgewiesen, dass der Inhalt fast der ganzen Seite daraus übernommen wurde, vor Fn. 320 geschieht das zudem mit einem besonders hohem Grad an Wörtlichkeit (Sequenz von 17 Wörtern).

Sichter
(Schumann)


[9.] Analyse:Aea/Fragment 121 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2024-08-25 21:56:45 Schumann
Aea, Fragment, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, Wirz 1982, ZuSichten

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
No
Untersuchte Arbeit:
Seite: 121, Zeilen: 1-4, 5-9, 24-32
Quelle: Wirz 1982
Seite(n): 51, 55, Zeilen: 51: 3 ff.; 55: 3 ff.
Die von den Deutschen angestrebte und in der Folge partiell realisierte städtebauliche Ordnung kann folglich als physische Projektion ihrer wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Interessen und Wertevorstellungen interpretiert werden. [...] Die verantwortlichen Kolonialbehörden suchten gleichwohl ihre Enteignungspläne funktionalistisch und mit Argumenten des damals gängigen Fortschrittsdiskurses zu begründen. Diesem im nachhinein als rassistisch erkenntlichen Diskurs mochten sich auch die in Douala ansässigen Europäer nicht verschließen. [...] Der Generalpräses der Basler Mission in Kamerun, Lutz, beispielsweise sprach 1913 vom Segen der geplanten Umsiedelung, weil sie das "unglückliche Neben- und Durcheinander von Weiss und Schwarz" überwinden helfe.326 Außerdem hegte er die Hoffung auf größere Erfolge der Missionierung der Duala, wenn sie aus "der engen Berührung mit den Weissen herauskommen, wenn wir sie besonders und gesondert hätten."327


Die betroffenen Duala-Grundbesitzer verfochten ihren Kampf gegen die Enteignungspläne vor allem mit wirtschaftlich-pekuniären sowie rechtlichen [Argumenten.328]


326 BM E. 2.38. Kamerun 1913 I, 52: Lutz an Öttli, 7.3.1913.

327 Ebd., 62: Lutz an Öttli, 22.8.1913.

[328 Vgl. dazu ausführlich Eckert, Die Duala; Rüger, Die Duala.]

[Seite 51]


Ein Vergleich mit der Stadtplanung für Duala macht deutlich, dass die von den Deutschen angestrebte und in der Folge teilweise verwirklichte städtebauliche Ordnung nichts anderes ist als die physische Projektion des eben skizzierten pluralen Gesellschaftsmodells, obwohl die Verantwortlichen ihre Pläne funktionalistisch und mit Argumenten des damals gängigen Fortschrittsdiskurses zu begründen suchten.

Die Ueberzeugungskraft dieses aus dem Nachhinein als rassistisch erkenntlichen Diskurses für die europäischen Zeitgenossen lässt sich daran ermessen, dass nicht einmal die Missionare sich ihm verschliessen mochten. So sprach der Generalpräses der Basler Mission in Kamerun Lutz 1913 vom Segen der geplanten Umsiedlung, weil sie das "unglückselige Neben- und Durcheinander von Weiss und Schwarz" überwinden helfe (Basler Mission Archiv, Kamerun 1913: Bd. 1, Nr. 52). Im Vordergrund der Argumentation von Lutz standen einmal mehr sanitarische Ueberlegungen. Zudem hegte er die Hoffnung auf grössere Erfolge bei der Missionierung der Duala, wenn sie aus der "engen Berührung mit den Weissen herauskommen, wenn wir sie besonders und gesondert hätten" (Ebd.: Bd. 1, Nr. 62).

[Seite 55]

Wenn die Duala in ihrem insgesamt vergeblichen Kampf gegen die deutschen Absichten auch vornehmlich mit wirtschaftlich-pekuniären sowie mit rechtlichen Argumenten gefochten haben, so haben sie, wie aus ihren Eingaben hervorgeht, das aus der eigenen Wertordnung erwachsende Sklavenargument keineswegs vergessen.15


15 Eingabe der Duala Häuptlinge an den Reichstag vom 8.3.1914 in: Denkschrift 1914.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Auch zwei wörtliche Zitate werden dabei mitübernommen; in einem (vor Fn. 326) ersetzt der Verfasser "unglückselige" durch "unglückliche".

Sichter
(Schumann)


[10.] Analyse:Aea/Fragment 123 04 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2024-08-25 21:42:53 Schumann
Aea, BauernOpfer, Fragment, SMWFragment, Schutzlevel, Wirz 1982, ZuSichten

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
No
Untersuchte Arbeit:
Seite: 123, Zeilen: 4-9
Quelle: Wirz 1982
Seite(n): 55, Zeilen: 20 ff.
Die Duala kleideten ihre Ablehnung der neuen Siedlungen an der Peripherie in Befürchtungen, die die Deutschen als "Aberglauben" abtaten. Missionare berichteten 1914 von einer unter den Duala zirkulierenden Weissagung, gemäß der einst Weiße kommen würden, um die Duala von ihren Wohnsitzen zu vertreiben. An den neuen Wohnsitzen werde dann ein großes Sterben ausbrechen.335

335 BM E.2.40, Kamerun 1913 III, 22: Jahresbericht Bonaku, Vöhringer, 25.4.1914; Vgl. auch BAP R.Kol.Amt 4430, 233ff.: Protokoll Besprechung Beschwerdepunkte der Duala, 2.5.1914; Wirz, Duala, 55.

Schliesslich gilt es darauf hinzuweisen, dass die Duala ihrerseits, nicht anders als die Europäer, auch noch ein im weitesten Sinne sanitarisches Argument ins Feld führten. Allerdings kleideten sie es nicht in die Sprache der Wissenschaft, sondern brachten es als Weissagung vor. Missionare berichteten 1914 von einer unter den Duala zirkulierenden Weissagung des Inhalts, es würden einst Weisse kommen, die die Duala von ihren Wohnsitzen vertreiben würden, und an den neuen Wohnsitzen werde dann ein grosses Sterben ausbrechen16!

16 Jahresbericht Bonaku, Vöhringer, 25.4.1914, in: Basler Missions-Archiv, Kamerun 1913, Bd. 3.

Anmerkungen

Die Quelle ist zwar - am Ende der Fn. - genannt, doch bleibt die Wörtlichkeit der Übernahme unausgewiesen: die beiden längsten Sequenzen umfassen 10 Wörter, in einem Fall handelt es sich um einen ganzen Satz.

Sichter
(Schumann)