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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
202.73.53.22
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 163, Zeilen: 23-36
Quelle: Steinkamp 1991
Seite(n): 259; 260, Zeilen: 259: re. Sp. 34 ff.; 260: li. Sp. 4 ff., 41 ff.
Kohn geht davon aus, daß Wertvorstellungen, Gesellschaftbilder und Persönlichkeitmerkmale von Menschen eine Funktion ihrer Stellung in der Sozialstruktur sind. Als bedeutendste Dimension der Sozialstruktur sieht er die hierarchische Ordnung sozialer Schichten an, die aus der unterschiedlichen Verteilung von Macht, Privilegien und Ansehen resultiert. Die Schichtzugehörigkeit bringt, so Kohn, systematisch unterschiedliche Lebensbedingungen hervor, die die Vorstellung der Menschen über ihre gesellschaftliche Wirklichkeit tiefgehend beeinflussen. Je nach Höhe der gesellschaftlichen Position können eigene Entscheidungen und Handlungen durchgesetzt werden oder auch nicht. Selbstbestimmung, als Ausdruck des Handelns auf der Grundlage des eigenen Ich-Urteils, Aufgeschlossenheit, moralische Standards persönlich zu verantworten, ist nach Kohn nur möglich, wenn die realen Lebensbedingungen eigene Handlungsfreiheit lassen. Da in der Industriegesellschaft der sechziger Jahre, in der dieser Ansatz entstand, der Beruf eine zentrale Rolle im Leben der Menschen spielte, geht Kohn davon aus. [sic] daß die Berufsbedingungen, die die Ausübung von Selbstbestimmung [fördern oder hemmen, nicht nur Einfluß auf die Vorstellungen der Menschen von der Arbeit und ihrer Rolle in der Arbeit haben, sondern auch auf ihre Sicht von der Welt, ihrem Selbst sowie die Erziehung ihrer Kinder.] [Seite 259]

Sämtlichen Untersuchungen Kohns unterliegt die basale Annahme, daß Attitüden wie Wertvorstellungen, Ideologien, Gesellschaftsbilder, aber auch Persönlichkeitseigenschaften von Menschen einschl. ihrer (von Situationsbedingungen abhängigen) „Umsetzung“ in Verhalten eine Funktion ihrer Stellung in der Sozialstruktur ist (Steinkamp 1983, 105). Ihre bedeutsamste Dimension ist für Kohn die hierarchische Ordnung sozialer Schichten, die aus einer differentiellen Verteilung von Macht, Privilegien und Ansehen resultiert (Kohn 1981, 204). „Die Schichtzugehörigkeit ist für das menschliche Verhalten von Bedeutung, weil sie systematisch unterschiedliche Lebensbedingungen mit sich bringt, welche die Ansichten der Menschen über ihre gesellschaftliche Wirklichkeit tiefgehend beeinflussen. Das Wesen der höheren gesellschaftlichen Position besteht darin, daß die eigenen Entscheidungen und Handlungen durchgesetzt werden können;

[Seite 260]

[...] Selbstbestimmung — d. h. zu handeln auf der Grundlage des eigenen Urteils, zu achten auf die innere Dynamik sowie auf die äußeren Konsequenzen, aufgeschlossen zu sein, anderen zu vertrauen, persönlich verantwortete moralische Standards zu haben — ist nur dann möglich, wenn die realen Lebensbedingungen einige [sic] Handlungsfreiheit lassen und wenn das Gefühl der Kontrolle über das eigene Schicksal begründet ist. [...]“ (Kohn 1981, 203).

[...]

„In der Industriegesellschaft, in der der Beruf eine zentrale Rolle im Leben der Menschen spielt, machen sich die Berufsbedingungen, die die Ausübung von Selbstbestimmung fördern oder hemmen, allmählich in den Absichten der Menschen nicht nur von der Arbeit und ihrer Rolle bei der Arbeit, sondern auch von der Welt und vom Selbst bemerkbar. [...]“ (Kohn 1981, 217).


[Literaturverzeichnis S. 669]

Kohn, M.L. (1981). Persönlichkeit, Beruf und soziale Schichtung. Stuttgart: Klett-Cotta.

[Literaturverzeichnis S. 708]

Steinkamp, G. (1983). Auf der Suche nach den sozialstrukturellen Bedingungen sozialen Handelns: Melvin L. Kohn. Zeitschrift für Sozialisationsforschung und Erziehungsoziologie [sic], 3 (1), 105-116.

Anmerkungen

Die Quelle wird nicht genannt.

Bei Kohn (1981) heißt es auf S. 204 im angeführten Zusammenhang:
"Das Phänomen, mit dem ich mich befasse, die hierarchische Verteilung von Macht, Privilegien und Ansehen, bestimmt ein System sozialer Schichtung."
Die Ausdrücke "bedeutsamste" bzw. "bedeutendste Dimension" und "hierarchische Ordnung sozialer Schichten" finden sich dem Wortlaut nach dort nicht; auch ist an der von Steinkamp (1991) angegebenen Stelle nicht von einer "differentiellen" bzw. "unterschiedlichen", sondern einer "hierarchische[n] Verteilung" die Rede.

Der erste Satz dieses Fragments findet sich bereits in erweiterter Form in Fragment 109 03.

Für die letzten drei Sätze des Fragments könnte man zu Gunsten der Verf.in zwar argumentieren, dass sie – wenn auch sehr wortnah und ohne Erwähnung des Titels – lediglich Inhalte aus Kohn (1981), der ihr vorliegt, referiert, die auch von Steinkamp wörtlich zitiert werden; andererseits macht die Synopse aber deutlich, dass sie hier dessen Kohn-Rezeption übernimmt. Einzig die abschließende Ergänzung "sowie die Erziehung ihrer Kinder" stammt von ihr selbst.

Sichter
(202.73.53.22) Schumann