VroniPlag Wiki

This Wiki is best viewed in Firefox with Adblock plus extension.

MEHR ERFAHREN

VroniPlag Wiki
Forum: Übersicht > Spezielle Zitierweise bei Juristen?
Im Forum ist kein Raum für persönliche Angriffe: VP:KPA. Alle Beiträge im Forum sind Meinungsäußerungen der jeweils Beitragenden und deshalb zu signieren (vier Tilden an das Ende des Beitrags setzen: ~~~~). Weitere Tipps zum Forum finden sich unter VP:Forum, Hinweise zur Moderation unter VP:Moderation.

Der Anfang[]

Liebe klugen Köpfe von VroniPlag,

ich bräuchte mal Eure Hilfe. Nach der Lektüre mehrerer Ratgeber zum korrekten Zitieren in der juristischen Wissenschaft ist mir immer noch nicht klar geworden, ob es in der juristischen Wissenschaft erlaubt ist, dass...

(1) ... Gesetzestexte im Fließtext einer Qualifikationsschrift (etwa: Dissertation) weitestgehend wörtlich abgeschrieben werden, die Quellenangaben in Fußnoten und/oder im Fließtext selbst erfolgen, aber keine Anführungszeichen gesetzt werden.

(2) ... juristische Sekundärliteratur, wenn sie ihrerseits Sachverhalte nahe am Gesetzeswortlaut referiert, weitgehend wörtlich abgeschrieben werden kann, wobei auch hier die Quellenangabe in Fußnoten erfolgt, aber keine Anführungszeichen gesetzt werden. Bitte seht Euch mal die folgenden beiden Beispiele an. Der erste Textvergleich ist ein Beispiel für (1), der zweite ein Beispiel für (2).

Erster Vergleich:

Gesetzestext: § 101. Luftverkehrsunternehmen sind Unternehmen zur Beförderung von Personen und Sachen im gewerblichen Luftverkehr mit Luftfahrzeugen, die hiefür 1. eine Betriebsgenehmigung gemäß der Verordnung (EWG) Nr. 2407/92 des Rates vom 23. Juli 1992 über die Erteilung von Betriebsgenehmigungen an Luftfahrtunternehmen, CELEX Nr. 392R2407, ABL. Nr. L 240, S 1, (Luftfahrtunternehmen), oder 2. eine Beförderungsbewilligung und eine Betriebsaufnahmebewilligung gemäß den §§ 104 ff. (Luftbeförderungsunternehmen) besitzen.

Dissertation: Luftverkehrsunternehmen im Sinne des § 101 LFG1 sind Unternehmen zur Beförderung von Personen und Sachen im gewerblichen Luftverkehr mit Luftfahrzeugen, die hierfür entweder gemäß § 101 Z 1 LFG eine Betriebsgenehmigung gemäß der Verordnung (EWG) Nr 2407/922 des Rates vom 23. Juli 1992 über die Erteilung von Betriebsgenehmigungen an Luftfahrtunternehmen (Luftfahrtunternehmen), oder gemäß § 101 Z 2 LFG eine Beförderungsbewilligung und eine Betriebsaufnahmebewilligung gemäß den §§ 104 ff (Luftbeförderungsunternehmen) besitzen.

Zweiter Vergleich:

Original: Betriebe und Unternehmen sind Sachen im Rechtssinne. Davon zu unterscheiden ist der Unternehmensträger (= Unternehmer), das ist jene (natürliche oder juristische) Person oder Personenmehrheit, in deren Eigentum das Unternehmen steht. Quelle: "Allgemeines Verwaltungsrecht", Adamovich/Funk

Dissertation: Unternehmen sind (Gesamt-) Sachen im Rechtssinn. Davon zu unterscheiden ist der Unternehmer, eigentlich der Unternehmensträger. Das ist jene (natürliche oder juristische) Person oder Personenmehrheit, in deren Eigentum das Unternehmen steht.14 (Mit Fußnote zum Original.)

Wie seht Ihr die Beispiele? LG Antiplag01 14:56, 15. Aug. 2011 (UTC)


Hallo Antiplag01,

im geschilderten zweiten Fall Adamovich/Funk liegt ein Lehrbuch vor. Lehrbücher sind beim juristischen Zitieren keine sogenannte Besonderheit. Sollte Fußnote 14 von Adamovich/Funk auf ein Original verweisen, muss vom Promovierenden auf das Original zurückgegriffen werden, ansonsten muss dies als Zitat aus zweiter Hand gekennzeichnet werden. Allerdings bin ich kein Jurist. Vielleicht gibt es ja weitere Meinungen dazu. LG Goalgetter 15:58, 15. Aug. 2011 (UTC)


Deine Frage beantworte ich mit JA! Das machen sogar die Prof`s so. (SG)


Gesetzestexte besitzen keine geistige Schöpfungshöhe :) aber die Quelle muss angegeben werden. Am besten zitiert man sie vielleicht eingerückt und kursiv? Übernahmen aus dem Lehrbuch sind da etwas anders. Gehe zur Quelle und sehe nach, ob der Lehrbuch evtl. identisch abgeschrieben hat, falsch verstanden hat, oder die Quelle gar nicht existiert. Das ist schon sehr interessant, die Recherche! WiseWoman 19:10, 15. Aug. 2011 (UTC)


Generell: Lehrbücher/Sekundärliteratur lassen sich durch ein "zitiert nach" einfügen / besser aber direkt zum Original gehen. Achte auch auf die Einführung der Fußnote. Ein "(XY) entsprechend...." ist deutlich besser als ein "vgl." --79.250.242.168 19:35, 15. Aug. 2011 (UTC)


Es geht weiter[]

Erste Frage: ja, zweite Frage: nein. Ersteres ist unter Jurist(inn)en so verbreitet, dass man es wirklich nicht als Plagiat werten kann. Ich halte das selbst für nicht richtig und auch für etwas respektlos gegenüber dem Gesetzgeber, dass man seine Worte scheinbar beliebig austauschen kann. Wörtliche Zitate aus Lehrbüchern muss man dagegen selbst dann als solche kennzeichnen, wenn sie Gesetzestexte paraphrasieren. Eine weitere Grauzone in der juristischen Praxis sind Gerichtsurteile. Hier schreiben leider die Gerichte selbst aus ihren eigenen Urteilen und denen anderer Gerichte sehr häufig ab, ohne wörtliche Zitate als solche zu kennzeichnen, manchmal wird sogar die Quelle und sehr oft die ursprüngliche Quelle (das erste Urteil, in dem dieser Text vorkommt) nicht benannt. Das wird vom Schrifttum kopiert, legitimerweise natürlich nur mit Verweis auf ein Urteil, wo das annähernd auch so steht. Auch hier halte ich es für richtig, wörtliche Zitate grundsätzlich zu kennzeichnen. Die Praxis, die Anführungszeichen weg zu lassen, ist aber so verbreitet, dass man das wohl solange nicht als Plagiat werten kann, als aus dem Zusammenhang erkenntlich wird, dass man Urteile wiedergibt. PlagProf:-) 20:50, 15. Aug. 2011 (UTC)


Liebe WiseWoman, lieber PlagProf:-), liebe weitere Mitdiskutanten, und nun haben wir den Salat. Ich habe diese Anfrage natürlich auch an sieben Juristen geschickt - und dies erst, nachdem ich keine klaren diesbezüglichen Regeln gefunden habe. Der erste, der mir geantwortet hat, Autor eines Studienbehelfs zum Thema korrektes Zitieren in den juristischen Wissenschaften, schrieb mir: "[...] m.E. ist in beiden Fällen völlig richtig zitiert; es wäre sogar unüblich, in diesen Fällen Anführungszeichen zu setzen. [...] Wird Literatur oder Rechtsprechung zitiert, sind Anführungszeichen ebenfalls unüblich. Im Gegenteil zeigen Anführungszeichen, dass es gerade auf den Wortlaut besonders ankommt. In der Regel geht es aber mehr um den Gedanken, den jemand anderes schon gehabt hat. Die beiden Beispiele zeigen - finde ich - sehr gut, wie man einen solchen Text formulieren kann. Also: absolut Usus, auf keinen Fall Plagiat." Ich gestehe, diese Situation erwartet zu haben, und da muss ich jetzt wohl durch. Solche Situationen regen einerseits den Forschergeist an, aber ich gestehe auch, sie nicht besonders zu mögen. Es ist so, wie wenn Arzt A sagt "gutartig" und Arzt B sagt "bösartig" (mit der Konsequenz in der Medizin, dass mir A ein langes Leben wünscht und B mir sagen könnte, dass ich noch sechs Monate vor mir habe). Wolfgang Löwer sagte erst unlängst im Interview auf Zeit-online: "In jedem Lehrbuch zum korrekten wissenschaftlichen Arbeiten steht, dass wörtliche Zitate mit Anführungszeichen kenntlich zu machen sind. Das gilt auch für einzelne Sätze, ja für Halbsätze. Ich habe das extra noch einmal in zehn Anleitungsbüchern nachschauen lassen." Habe ich auch getan, vielleicht nicht in zehn, aber in vieren. Also: Da habe ich mich gefreut! Aber ich habe womöglich nach heutigem Erkenntnisstand übersehen, dass man einschränken muss: "... mit der einen Ausnahme, wenn Juristen Gesetzestexte referieren." Oder auch noch: "... und mit der zweiten Ausnahme, wenn Juristen Standardliteratur referieren, die sich ihrerseits stark an Gesetzestexten orientiert." Und bald kommen dann die ersten Naturwissenschaftler: "... und mit der dritten Ausnahme, wenn der state of the art der Forschung referiert wird." Usw. Usf. - Was dann? LG Antiplag01 21:07, 15. Aug. 2011 (UTC)


Auch viele juristische Promotionsordnungen verlangen von Doktorand(inn)en die Versicherung, alle wörtliche Zitate als solche gekennzeichnet zu haben, ohne derartige Ausnahmen zu erlauben. Ein solcher Usus müsste sich dagegen rechtfertigen. Die erste wiedergegebene Antwort scheint mir also schwer tragbar. Von der letzten Antwort geht mir schon Ausnahme 2 zu weit, ist wohl im dunklen Bereich der Grauzone. Ausnahme 3 geht entschieden zu weit. PlagProf:-) 21:22, 15. Aug. 2011 (UTC)


"Das Rechte Maß"

Liebe Gemeinde,

ich bin seit mehreren Jahren wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem juristischen Lehrstuhl und schreibe derzeit noch an meiner Dissertation. Naturgemäß ist das Thema hier für mich von Relevanz; auch um zu vermeiden, trotz redlichen Verhaltens nach Veröffentlichung meiner Dissertation hier an falschen Maßstäben gemessen zu werden.

Der Maßstab wissenschaftlicher Arbeitsweise bestimmt sich durch den Konsens der Vertreter der Disziplin. Dabei ist klar, dass Konsens allenfalls über den Rahmen herrscht, nicht hingegen über Details. Dazu gehört ferner, die Quelle aus der die Regeln entnommen werden, richtig einzuordnen. Wenn ein Kollege in der JA oder JUS (wie hier zitiert) zum wissenschaftlichen Arbeiten publiziert sollte bedacht werden, dass es sich dabei um Ausbildungszeitschriften handelt. Adressat sind somit Studenten. Gleiches gilt für Zitierfibeln des Dekanats, diese haben aber (lokale) Rechtsetzungswirkung. Was für Naturwissenschaftler richtig ist, ist für Musiker meist irrelevant. Es gibt Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede der Disziplinen.

Das ist aus zwei Gründen von Bedeutung. Erstens. Die Wiedergabe der vom Autor dargestellten Regeln stellt möglicherweise den Konsens dar, möglicherweise aber auch nicht. Vielfach wird der Autor - was ja legitim ist - einen eigenen Betrag zur Regelfortbildung leisten wollen. Dann aber spricht er von Details, die solange nicht allgemeinverbindlich sein können bis sie zum Konsens erhoben werden.

Der zweite Punkt betrifft den Adressaten. Wer in der JA publiziert, hat den Studenten im Blick. Gefordert ist also eine knappe Wiedergabe, im Sinne eines Leitfadens "Wenn ich es so mache mache ich es sicher nicht falsch". Das bedeutet aber nicht im Umkehrschluss, dass dies die einzig redliche Art wissenschaftlichen Schreiben im Fach Rechtswissenschaft wäre.

Die Regeln für Studienarbeiten unterscheiden sich indes von den Regeln wissenschaftlichen Arbeitens. Diese wiederum von denen einer Habilitation. In ganz anderen Kategorien muss ein Richter denken.

Ein Richter schreibt "Im Namen des Volkes". Folglich müssen seine Urteile vom Volk, mindestens jedoch von den Parteien auch verstanden werden. Daher finden sich in Prozessen vor einem Kollegialgericht (wo also Anwaltszwang herrscht) eine ziseliertere Sprache als beim Amtsgericht. Denn es ist der Rechtsanwalt berufen, seinem Mandanten das Urteil notfalls zu erklären.

Ein Student lernt. Er hat genug damit zu tun, das Recht anzuwenden. Von 1000 Studenten die ein Jurastudium beginnen erreichen am Ende gerade mal 180 das zweite Staatsexamen. Beim Leherstaatsexamen sind es ca. 760. Der Student muss also grobe Richtlinien haben (die notwendig einfach aber ungenau sind).

Ein Wissenschaftler dagegen weiß ganz genau, wann er unlauter handelt. Einer Zitierfibel bedarf es da nicht. Das Unrechtbewusstsein ist angeboren. Aber erst mit der Erfahrung weiß man genau wo die Grenze zwischen Recht und Unrecht ist. Mir z.B. kann niemand erzählen, das Guttenberg seine Arbeit selbst geschrieben hat. Denn dann hätte er nicht behauptet, nur Fehler gemacht zu haben. Ihm ist nur später aufgefallen, dass sein Ghostwriter abgeschrieben hat. P.S. Ich halte Guttenberg nicht für einen Wissenschaftler.

Mein Fazit ist. Messe mit dem rechten Maß. Wie immer gilt bei der Auslegung von Regeln. Es kommt nicht auf den Wortlaut, sondern den Geist der Regel an. Das ist die Schwierigkeit. Und deshalb gibt es Juristen. "Klare Regeln gibt es nicht, nur gute". Letzteres ist ein Selbstzitat, oder auch nicht.

P.S.: Für Nichtjuristen: Konsens in der Rechtswissenschaft ist, dass der Gesetzeswortlaut - der ja allen beteiligten bekannt ist - eines Zitats in einer Fußnote nie bedarf sondern in den Satz eingebaut wird, sofern notwendig. Bsp.: "Gem. § 433 II BGB kann der Verkäufer vom Käufer den Kaufpreis verlangen". Konsens ist fernen: Allgemeingültiges und offensichtliches wird gar nicht zitiert. "Die Voraussetzungen der Analogie, planwidrige Regelungslücke und vergleichbare Interessenslage liegen vor." Rechtsprechung wird grundsätzlich (grundsätzlich bedeutet bei Juristen stets es gibt Ausnahmen) nur mit einem Pauschalzitat zitiert, d.h. ohne Anführungszeichen, auch wenn Teile wörtlich wiedergegeben werden. Ständige Rechtsprechung kann gänzlich ohne Zitat angegeben werden, denn jeder kennt sie/weiß wo er sie finden kann. Bei Literatur ist es gebräuchlich, auch wörtliche Zitatteile ohne Anführungszeichen (aber mit Quellenanbage) zu zitieren. Dabei kommt es wieder auf den Geist an. Wer fremdes Gedankengut übernimmt, verwendendet oder auch nur darstellt muss angeben woher er es hat. Anführungszeichen sind zwingend nur dann zu verwenden, wenn ein Textkorpus als solcher übernommen wird oder es auf den Wortlaut ankommt.

So das war der Konsens. Das heißt nicht, dass anderes nicht auch richtig sein kann. Aber wer sich an den Grundsatz hält "Ehre wem Ehre gebührt", der handelt lege artis in der (deutschen) juristischen Welt.

7 Juristen 8 Meinungen[]

7 Juristen 8 Meinungen ... die DFG ist da aber recht klar: http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/download/empfehlung_wiss_praxis_0198.pdf : die Ergebnisse vollständig und nachvollziehbar beschreiben, eigene und fremde Vorarbeiten vollständig und korrekt nachweisen (Zitate) Auch wenn Gesetzestexte nicht unbedingt in Zitate zu setzen sind, sind Paraphrasen davon meiner Meinung nach ganz klar zu kennzeichnen. WiseWoman 21:31, 15. Aug. 2011 (UTC)


Zu (1): Es ist meines Erachtens eine juristische Selbstverständlichkeit, dass ich die Norm auch im Fließtext wörtlich wiedergebe. Nehmen wir an ich untersuche § 101 Abs. 1 LFG darauf, ob auch ein Drachenfliegerverleih ein Luftverkehrsunternehmen ist. Dann kommt es im Rahmen der klassischen juristischen Methodenlehre zu allererst auf die grammatikalische Auslegung, oder anders ausgedrückt auf die Wortlautauslegung an. D.h. ich untersuche den Tatbestand der Norm entsprechend dessen exakten Wortlaut, ob der allgemeine Sprachgebrauch oder der besondere Sprachgebrauch des Gesetzes auch den Drachenfliegerverleih umfasst. Es ist zwingend, dass ich hierbei mit den gesetzlichen Tatbestandsmerkmalen arbeite und nicht mit Paraphrasen. Im Übrigen, wie oder weshalb sollte man Gesetzestext zitieren? Wessen Urheberrecht verletze ich, wenn ich eine Norm unter Verwendung deren Wortlauts zusammenfasse? Meiner Erinnerung nach gibt es eine Standardregel im wissenschaftlichen Arbeiten bei Juristen: Gesetzesangaben gehören in den Text und nicht in die Fußnote. D.h. ich formuliere: "Gemäß § 101 Abs. 1 LFG sind Luftverkehrsunternehmen solche, die ..." oder aber "Luftverkehrsunternehmen sind solche, die ... (§ 101 Abs. 1 LFG)." So ist es auch in der Zitirfibel für Juristen zu finden, obgleich mir das Buch gerade nicht vorliegt und ich demnach nicht die entsprechenden Seitenzahl liefern kann. Wenn ich Euch richtig verstehe, empfehlt ihr nach Darstellung des Gesetzestextes den Urheber zu kennzeichnen?!? Dann müsste man hinter jede Bundesregelung den deutschen Bundestag unter Angabe der entsprechenden Verkündung im BGBl. und ggf. noch unter Angabe der BT-Drucks. kennzeichnen? VG Ost


Danke für Eure bisherigen Kommentare. Aber niemand hat bislang in seiner Antwort konkret aus juristischer Methodenliteratur zitiert. Das soll kein Vorwurf sein! VroniPlag ist ja kein Bürgerbüro und keine offizielle Auskunftsbehörde. Ich hatte nur gehofft, dass hier jemand die Frage liest, der selbst juristische Methodenliteratur zur Hand hat und das glasklar beantworten kann. Mittlerweile habe ich die Informationen zu beiden Fragen erhalten. Ich hoffe, mein Forumsbeitrag und die Antworten gehören nun nicht in die Kategorie "Elternforum" - "Hilfe, mein Kind hat Pickel!" Vielen Dank! LG Antiplag01 13:43, 16. Aug. 2011 (UTC)


Ich bin ganz einer Meinung mit WiseWoman, dass die genannten DFG-Maßstäbe in der Rechtswissenschaft genauso gelten wie für andere Wissenschaften. Bei der Übernahme von Gesetzestexten und Gerichtsentscheidungen stellt sich also vor allem die Frage, wann sich, gerade angesichts des manchmal laxen Usus, auch ohne Anführungszeichen aus dem Kontext ergibt, dass es sich um eine enge Paraphrase oder gar wörtliche Übernahme handelt. Wenn ein Satz anfängt mit "Gemäß § 101 Abs. 1 LFG" oder "Nach gefestigter höchstrichterlicher Rechtsprechung ..." sind enge Paraphrasen oder wörtliche Wiedergaben zu erwarten. Aber auch wenn der Fließtext selbst auf die Quelle nicht Bezug nimmt, werden viele Jurist(inn)en aus der Kombination mit einer Fußnote zu einem BGH-Urteil schließen, dass hier möglicherweise eine bekannte Formulierung des Richterrechts wiedergegeben wird. Hier wird es problematisch, weil es sich genauso gut um eine lose Paraphrase oder Reinterpretation handeln könnte. Das gilt um so mehr, wenn der Fließtext auf eine gesetzliche Vorschrift verweist, die Fußnote aber auf ein Urteil. In solchen Fällen sollte man durch Anführungszeichen und entsprechende Verweise klar stellen, was aus welcher Quelle stammt. Gänzlich unakzeptabel und mit den DFG-Maßstäben schwerlich vereinbar wird es für mich, wenn behauptete Positionen von Gesetz oder Rechtsprechung nur mit Literatur belegt und dabei wörtliche Übernahmen nicht offen gelegt oder vermeintliche Belege ungeprüft übernommen werden. Wer sich dafür interessiert, kann hier ab S. 24 weitere kritische Ausführungen über den Umgang mit Rechtsprechung als Quelle und die damit verbundenen Gefahren nachlesen. PlagProf:-) 15:06, 16. Aug. 2011 (UTC)


Jura-Professoren[]

Dass selbst Jura-Professoren (nahezu) wörtliche Zitat häufig ohne An- und Abführungszeichen, jedoch durch eine Fußnote - eingeleitet ohne "s." oder "vgl." - belegen, kann mit folgendem Beispiel dokumentiert werden. Bei Wolffgang/Hendricks/Merz in Polizei- und Ordnungsrecht Nordrhein-Westfalen, 3. Aufl., München 2011 wird man fündig: "Verwaltungsvollstreckung ist die zwangsweise Durchsetzung öffentlich-rechtlicher Verpflichtungen durch eine Behörde in einem verwaltungseignen Verfahren." (im Original ohne An- und Abführungszeichen, jedoch mit Fußnote "Maurer, AllgVerwR, § 20 Rn. 1.") Bei Maurer heißt es: "Unter Verwaltungsvollstreckung ist die zwangsweise Durchsetzung öffentlich-rechtlicher Verpflichtungen des Bürgers oder eines sonstigen Rechtssubjekts durch die Behörde in einem verwaltungseigenen Verfahren zu verstehen." Zwar wurde dieses Zitat leicht umgestellt, andere wurden enger, d. h. zumteil wortwörtlich so übenommen. Im Übrigen ist der Mitautor Wolffgang Universitätsprofessor und Doktor, sowie derzeit Dekan der Juristenfakultät in Münster. Er hätte somit nach Ansicht von Prof. Löwer hier ein Plagiat beganngen, den Zitierregeln dürften auch einem Jura-Prof. aus Münster bekannt sein. (SG)


Nicht das beste Beispiel, denn hier geht es um eine Standarddefinition. Diese Frage wurde schon in den folgenden zwei Foren diskutiert: Forum:Wikipedia_als_Quelle#Standard-Definitionen Forum:Umgang_mit_Standard-Definitionen PlagProf:-) 17:09, 16. Aug. 2011 (UTC)


Ach, die Zitierregeln gelten also in Abhängigkeit ihres Inhalts ?!? Ich poste dann mal weitere Beispiele der professoralen Zitierkultur, bei denen es sich nicht um Standarddefinitionen handelt. (SG)


Das klingt für mich schon zu relativierend. Am besten die beiden Diskussionen in Ruhe durchlesen. Es gibt einfach Grenzen der möglichen Variationen, in denen man den dritten Hauptsatz der Thermodynamik oder auch Verwaltungsvollstreckung definieren kann, und es ist nicht in jeder Arbeit zielführend, die Entwicklungsschritte in der Entwicklung sämtlicher verwendeter Definitionen zu reproduzieren. Hier ergibt sich oft erst aus dem Kontext, ob eine fremde geistige Leistung als eigene ausgegeben wird. Übrigens: Im Vergleich der Definitionen von Verwaltungsvollstreckung durch Maurer und durch Wolfgang/Hendricks/Merz erkennt man wörtliche Übernahmen von einmal fünf und einmal sechs zusammenhängenden Wörtern. Es gibt keine allgemein anerkannte Definition, ab wieviel zusammenhängend übernommenen Wörtern Anführungszeichen gesetzt werden. Häufig genannte Zahlen sind fünf, sechs und sieben. PlagProf:-) 17:57, 16. Aug. 2011 (UTC)


Andere Ansicht offenbar Prof. Löwer im o. g. Interview: "In jedem Lehrbuch zum korrekten wissenschaftlichen Arbeiten steht, dass wörtliche Zitate mit Anführungszeichen kenntlich zu machen sind. Das gilt auch für einzelne Sätze, ja für Halbsätze." Wenn das für Halbsätze gilt, dürften die Ausführungen im Wolffgang/Hendricks/Merz auch einen Verstoß gegen Zitiernormen darstellen, da Wortfetzen bzw. Halbsätze betroffen sind. Betonen möchte ich allerdings, dass ich die Auffassung von Prof. Löwer für nicht zutreffend halte. Anscheinend hat Prof. Löwer selbst nicht verstanden, wofür ein „vgl.“ steht. Er führt nämlich in seinem Zeit-Interview aus: „Weil diese Formulierung nichts erklärt. »Vergleiche« heißt: Lieber Leser, du kannst bei Professor X Weiteres zum Thema lesen. Wenn meine Studenten in einer juristischen Prüfungsarbeit »Vergleiche« schreiben, notiere ich am Rand immer: »Warum geben Sie mir Leseempfehlungen? Ich möchte Belege.«“ „Vgl.“ also eine Leseempfehlung anstatt eines Beleges? Dann verzichten sehr, sehr viele Professoren in ihren wissenschaftlichen Büchern, Aufsätzen, usw. scheinbar auf Belege und geben Leseempfehlungen. So auch Herr Präsident des BVerfG a. D. Prof. Dr. Dr. h. c. Papier (z. B.: Veranlassung und Verantwortung aus verfassungsrechtlicher Sicht; in: DVBl 4/2011, S. 189 - 252.) Herr Prof. Löwer sollte mal die Richtigkeit seiner Aussagen überdenken. (SG)


Als Faustregel ist das, was Herr Löwer gesagt hat, sicherlich richtig oder zumindest vertretbar. Was oben zum Gebrauch von "vgl." wiedergegeben ist, kommt mir bei aller didaktischen Absicht polemisch überspitzt vor. Der richtige Kern dieser Aussage ist: Man darf "vgl." nicht dort verwenden, wo man einen Gedanken oder eine Formulierung 1:1 übernimmt. Aber man kann und sollte manchmal sogar mit "vgl." zum Ausdruck bringen: Da hat jemand schon etwas Ähnliches, aber doch anderes gesagt. Von einem Interview kann man nicht eine erschöpfende Behandlung aller möglichen Detailfragen erwarten, wie zum Beispiel zum Umgang mit Standard-Definitionen. Und natürlich kann man auch Halbsätze plagiieren. Aber wenn der übernommene Halbsatz aus drei Wörtern besteht, würde ich es trotzdem nicht als Plagiat werten, wenn man zwar die Quelle benennt, aber keine Anführungszeichen setzt. PlagProf:-) 19:10, 16. Aug. 2011 (UTC)


Eine sehr interessante Diskussion! Nach der Rechtsprechung ist eine „wissenschaftliche Tiefe“ [1] erforderlich, damit die Zitierpflicht einsetzt und ein Plagiatsvorwurf erhoben werden kann. Es „sind nur solche Texte zu zitieren, welche wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.“ [2] Dieser Anspruch ist erst erfüllt, wenn eine „kritische Auseinandersetzung“ erfolgt. [3] „Die reine Darstellung der Rechtslage“ ist „noch keine wissenschaftliche Leistung“. [4] Dieses gilt auch für die kommentarlose Gegenüberstellung von Lösungen unterschiedlicher Rechtsordnungen. [5] Die Darstellung muss hierfür kritisch bewertet „und zu einzelnen Ansichten und Argumenten“ ist Stellung zu nehmen. [6] Die Widergabe im Sinne einer erläutenden Darstellung beinhaltet keinen kennzeichnungspflichtigen „Gedankengang“ und kann nicht den „Vorwurf des zitatfreien Übernehmens von Gedanken bzw. des Plagiierens begründen“. [7] Im Gegensatz zu Tatsachen handelt es sich bei Gedanken um die eigendynamische Weiterentwicklung von Tatsachen, basierend auf der inneren Gefühlslage, Geisteshaltung, Einstellung und Erfahrungen bzw. Wertungen eines Individuums. Gedanken kann auch ein Ergebnis bzw. Produkt des Denkprozesses in Form eines Urteils bezeichnen. Voraussetzung der Annahme eines Gedankens ist daher ein gewisser Transformationsprozess oder eine Bewertung Tatsache. Feststehende Regelungen für wörtliche Zitate gibt es nicht. So werden die Regelungen zu wörtlichen Zitaten bei Möllers und „freiwillige Zitierregeln“ besprochen, bei denen es kein „richtig oder falsch“ gebe. [1] Diese Regeln werden in der Wissenschaft „nicht als verbindlich angesehen“. [2] Wörtliche Textübernahmen ohne Kennzeichnung sind nicht per se unzulässig. [3] Der Bundesgerichtshof hat darauf hingewiesen, dass „bei gleichem Material und Thema und damit gleicher Fachsprache“ sich „zwangsläufig aus dem Gegenstand der Beschreibung Übereinstimmungen ergeben“. [4] „Es bleibt (...) nur ein verhältnismäßig geringer Freiraum für eine eigenschöpferische Darstellung und Formulierung; soll nicht die Möglichkeit einer nochmaligen wissenschaftlichen Beschreibung unzumutbar erschwert werden“. [5] Bei der reinen Schilderung von tatsächlichen Gegebenheiten gibt es kein Schutzbedürfnis. [6]

Zitate können (...) sehr oft auch überflüssig sein“. [1] Es gibt sogar Kennzeichnungsverbote.

Ergeben sich Voraussetzungen oder Rechtsfolgen bereits aus dem Gesetz, ist nur dieses zu zitieren“. [2] Insbesondere „das Ergebnis schlichter Gesetzessubsumtion“ ist nicht kennzeichnungspflichtig. [3] Zitate sind dann überflüssig. [4] Dieses liegt unter Berücksichtigung der Rechtsquellenlehre darin begründet, dass nur Gesetzestexte unmittelbare Bindungswirkung gegenüber dem Bürger entfalten. [5] Urteile entfalten Bindungswirkung zwischen den Parteien und können für andere Gerichtsentscheidungen eine Orientierungshilfe darstellen, so dass von einer mittelbaren Bindungswirkung gesprochen werden kann. Nur im Gesetz stehen die Voraussetzungen und Rechtsfolgen – nicht aber bei einem Autor, so dass es auch nicht dessen Gedanken sind.[6] Selbiges gilt für Inhalte eines Gerichtsurteils.

Behauptungen, die evident oder allgemein bekannt sind, müssen und dürfen nicht belegt werden. [1] „Evident ist ein Sachverhalt, der unmittelbar ohne besondere methodische Aneignung klar auf der Hand liegt“ [2].

Eine entsprechende Richtlinie hat auch die Universität Wien verabschiedet:
Auch ‚Überzitieren’ ist nicht zweckmäßig! Sogenanntes ‚Lehrbuchwissen’ (etwa gängige Definitionen) muss nicht extra zitiert werden, da man es als Basis-Wissen Ihrer wissenschaftlich gebildeten Leserschaft voraussetzen darf.“ [3]

Allgemeinwissen muss man nicht zitieren. Das betrifft nicht nur Aussagen wie ‚Der Tag hat 24 Stunden’ oder ‚Morgens geht die Sonne auf’. In einer Arbeit wie oben dürfen auch Fachinhalte vorausgesetzt werden. Wenn die Studentin die Kopenhagener Kriterien der EU und das Beitrittsverfahren in eigenen Worten erklärt, darf sie das zu fachlichem Allgemeinwissen erklären. Was das ist, hat sie im Studium gelernt. Zum Beispiel: Die Kopenhagener Kriterien bestimmen seit 1993 die Bedingungen für eine Vollmitgliedschaft in der EU. Das steht so oder ähnlich in -zig Quellen. Sie darf es dennoch ohne Beleg so schreiben.

Anders sieht es natürlich aus, wenn sie spezielle Definitionen, Positionen oder Interpretationen eines Autors wörtlich zitiert. Dann ist der Beleg unverzichtbar.

Aber wie erkennt die Studentin, wo die Grenze zwischen Allgemeinwissen und Nicht-Allgemeinwissen ist? Gar nicht so einfach. In Ordnung wäre der Verzicht durchaus bei einer Bewertung, die in der Fachwelt (soweit für die Studentin feststellbar) allgemein akzeptiert wird, z.B. so: Die Kopenhagener Kriterien gelten als kompliziert, sind für manche Länder schwer erfüllbar und für die EU schwierig zu überprüfen. (...)

Wenn es um Allgemeinwissen geht, stellt sich auch häufig die Frage, ob man aus Lexika zitieren soll. Kommt drauf an. Lexika sind als Bücher in jedem Fall zitierfähig, aber nicht unbedingt zitierwürdig. Kleinere Universallexika für den Hausgebrauch bieten vor allem Allgemeinwissen – siehe oben. Große Enzyklopädien und Fachlexika hingegen beinhalten teilweise lange Aufsätze mit Spezialinformationen.“ [4]

Insbesondere in Dissertation kann ein größerer Wissensanteil als bekannt vorausgesetzt werden, als in anderen Prüfungsarbeiten oder wissenschaftlichen Aufsätzen. [1] So handelt es sich beispielsweise bei der reinen, nicht wertenden Darstellung des Inhaltes eines Gerichtsurteils um etwas evidentes, da erst eine systematische Zusammenstellung unterschiedlicher Gerichtsurteile und Literaturstimmen in Bezug auf ein Themenkomplex eine geistige Leistung darstellen kann. [2] An die Darstellung von Tatsachen ist noch keine Argumentation geknüpft. [3] Daher kann man sagen, dass es bei den Juristen schon Besonderheiten gibt! 90.4.225.94 19:21, 18. Aug. 2011 (UTC)

Interessant zu lesen, leider trotz riesigem Fußnotenapparat ein Beispiel dafür, wie man nicht belegen sollte. Die ersten zwei Sätze fassen angeblich die Position der Rechtsprechung zusammen. Tun sie aber nicht. Urteile werden nämlich bestenfalls aus zweiter Hand, vielleicht dritter oder vierter Hand nach der Literatur zitiert. In dem mit "vgl" angegebenen Urteil in der ersten Fußnote steht so ziemlich das Gegenteil von dem Behaupteten. Zitat (diesmal wirklich aus Hess VGH, 20.06.1989, 6 UE 2779/88)
Schon die nicht kenntlich gemachte Wiedergabe von Textteilen aus dem Aufsatz von Gasteyer, mit denen der Inhalt von Gerichtsentscheidungen und von Stellungnahmen im Schrifttum dargestellt wird, ist ein Täuschungsversuch. Ein nicht unwesentlicher Teil der wissenschaftlichen Leistung des Prüflings besteht in der korrekten Wiedergabe von in Gerichtsentscheidungen und Fachliteratur vertretenen Auffassungen, soweit diese zur Bearbeitung der Prüfungsaufgabe erforderlich ist. Schon die richtige Darstellung stellt häufig eine eigene geistige Leistung des Prüflings dar. Wer -- wie der Kläger -- diese Darstellung wörtlich aus einem Aufsatz übernimmt, ohne die Übernahme kenntlich zu machen, erweckt den Eindruck, er habe diese geistige Leistung erbracht.
Dem würde ich hinzufügen: Dasselbe gilt für die ungeprüfte Übernahme von Quellenverweisen, die andere Leute zusammengestellt haben. Ich habe keine Zeit, den ganzen Rest nachzuprüfen, und eigentlich auch keine Lust.
PlagProf:-) 19:52, 18. Aug. 2011 (UTC)

[1] Krüper, ZJS 3/2011, 198 (202)
[2] vgl. Hessischer VGH, Beschluss v. 20.06.1989 – 6 UE 2779/88, Juris Rdn. 7 = DVBl. 1989, S. 1277 ff.
[3] Pilniok, JuS 2009, 394 (395).


[1] Möllers, JuS 2002, S. 828, 829. „Allgemeingut“, vgl. VG Ansbach, Beschluss v. 14.04.2011 – AN 2 E 11.00726, Juris Rdn. 25. Ferner, Picot, Richtlinien zur Gestaltung einer wissenschaftlichen Arbeit, S. 6, www.iom.bwl.uni-muenchen.de/lehre/pruefungen/tewiarb.pdf; Institut für Produktionsmanagement Department Informationsverarbeitung & Prozessmanagement Wirtschaftsuniversität Wien, Hinweise für die Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten: Seminar-, Bachelor- und Diplomarbeit, S. 4 [1]; Jerger, Abschlussarbeiten am Lehrstuhl für Internationale und Monetäre Ökonomik, S. 17 [2]; Fernuniversität Hagen, Hinweis für die Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten, S.6, [3]; Lorenz, Richtlinien für die Gestaltung von Seminararbeiten S. 5, [4]; Mißler-Behr, Richtlinien für die Gestaltung von Wissenschaftlichen Arbeiten, S. 7, [5];
[2] Wiki, Evidenz.
[3] Universität Wien, Wozu zitieren?, 23.09.2010, [6].
[4] Althaus, Allgemeinwissen in der Arbeit - zitieren oder nicht?, Wissenschaftiches Arbeiten, Studentische Forschung, Lernen und Lehre, 25.05.2011, [7]


[1] Möllers, JuS 2002, 828 (829). [2] Möllers, JuS 2002, 828 (829). [3] LG Hamburg, Urteil v. 21.01.2011 – 324 O 358/10, Beck RS 2011, 09473. [4] Möllers, Juristische Arbeitstechniken und wissenschaftliches Arbeiten, 5. Aufl., München 2010, S. 136. [5] Möllers, Juristische Arbeitstechniken und wissenschaftliches Arbeiten, 5. Aufl., München 2010, S. 48. [6] LG Hamburg, Urteil v. 21.01.2011 – 324 O 358/10, Beck RS 2011, 09473.


[1] Möllers, Juristische Arbeitstechniken und wissenschaftliches Arbeiten, 5. Aufl., München 2010, S. 137. [2] Möllers, Juristische Arbeitstechniken und wissenschaftliches Arbeiten, 5. Aufl., München 2010, S. 137. [3] „(...) in der Regel“, Pilniok, JuS 2009, 394 (395). [4] BGH, Urteil v. 21.11.1980 – I ZR 106/78, Juris Rdn. 42 = MDR 1981, 641 ff. [5] BGH, Urteil v. 21.11.1980 – I ZR 106/78, Juris Rdn. 42 = MDR 1981, 641 ff. [6] Schmidt-Aßmann, NVwZ 1998, 1225 (1229).


[1] VG Berlin, Urteil v. 25.06.2009 – 3 A 319.05, Juris Rdn. 54. [2] Möllers, Juristische Arbeitstechniken und wissenschaftliches Arbeiten, 5. Aufl., München 2010, S. 143. [3] Möllers, Juristische Arbeitstechniken und wissenschaftliches Arbeiten, 5. Aufl., München 2010, S. 93. [4] Möllers, Juristische Arbeitstechniken und wissenschaftliches Arbeiten, 5. Aufl., München 2010, S. 85. [5] Möllers, Juristische Arbeitstechniken und wissenschaftliches Arbeiten, 5. Aufl., München 2010, S. 85. [6] Möllers, Juristische Arbeitstechniken und wissenschaftliches Arbeiten, 5. Aufl., München 2010, S. 85. [7] LG Hamburg, Urteil v. 21.01.2011 – 324 O 358/10, Beck RS 2011, 09473.


Weitere Diskussion[]

@PlagProf Wäre schon schön, wenn Sie sich mal mit anderen Gedanken auseinandersetzen wurden. Hat was mit wissenschaftlicher Redlichkeit zu tun.

@90.4.225.94 Die Zusammenfassung ist doch sehr gelungen!

@PlagProf Ich verstehe nicht, warum der Hess VGH nun noch mal zitiert wird (ohne genauere Bezeichnung der Seitenzahl). Es ist doch klar, dass der Hess VGH auch noch andere Dinge angesprochen hat. Und das von Ihnen zitierte wurde durch 90.4.225.94 angesprochen: "So handelt es sich beispielsweise bei der reinen, nicht wertenden Darstellung des Inhaltes eines Gerichtsurteils um etwas evidentes, da erst eine systematische Zusammenstellung unterschiedlicher Gerichtsurteile und Literaturstimmen in Bezug auf ein Themenkomplex eine geistige Leistung darstellen kann.[2]"

188.108.182.43 19:06, 21. Aug. 2011 (UTC)

Benutzer(in) 90.4.225.94 macht eingangs zwei Aussagen zur Rechtsprechung. Die habe entschieden, man müsse nur bei solchen Texten wörtliche Zitate ausweisen, die eine gewisse wissenschaftliche Tiefe erreichten. Sofern keine kritische Auseinandersetzung erfolge, fehle auch die Tiefe. Also müsse man Zitate ohne kritische Auseinandersetzung nicht kennzeichen. Das wird mit zwei Fußnoten belegt. Von denen verweist aber keine primär auf Rechtsprechung, sondern beide auf Literatur. Das ist der erste Fehler: Aussagen der Rechtsprechung muss man mit Rechtsprechung belegen.
Und wenn man in derr "vgl"-Rechtsprechung nachliest, steht dort etwas völlig anderes. Die bloße Darstellung von Meinungen andere - Rechtsprechung oder Literatur - ist nach dem angegebenen Urteil eine Leistung. Wer so etwas übernimmt und nicht kennzeichnet, begeht gleichzeitig ein Plagiat und einen Täuschungsversuch (die Entscheidung betraf eine als "ungenügend" bewertete Prüfungsleistung, die Plagiate enthielt).
Ich dachte, ich hätte mich damit verständlich mit der Meinung von 90.4.225.94 auseinandergesetzt und mich auch wissenschaftlich redlicher verhalten. Auch der von Ihnen zuletzt zitierte Satz ("So handelt...") steht im diamentralen Gegensatz zu dem, was der Hessische VGH sagt: Das ist nicht evident, sodern eine Leistung, we es ohne Kenntlichmachung als Zitat verwendet, plagiiert und täuscht.
Vielleicht lesen Sie alles noch einmal in Ruhe durch?
PlagProf:-) 19:29, 21. Aug. 2011 (UTC)
---------
Die gesamte Rechtsprechung setzt eine gewisse Schöpfungstiefe voraus, damit von einem Plagiat gesprochen werden kann. "Gedanken", "Argumente", "Ideen" müssen plagiiert werden und eben nicht evidentes. Es ist erlaubt, wörtlich von einem Autor abzuschreiben, der über ein Urteil oder ein Gesetzestext referiert ohne diesen zu kennzeichnen. Das hat gerade das LG Hamburg in der Auseinandersetzung Rieble ./. Greger bestätigt. Nach der Rechtsquellenlehre dürfen gerade keine Autoren für Gesetze oder Urteile zitiert werden, da die Bindungswirkung nur vom Gesetz oder Urteil (und nicht von dem Autor, der darüber berichtet) ausgeht.
Verboten ist es nach dem Hess VGH - der im Übrigen eine Hausarbeit zu beurteilen hatte, bei der ganz andere Leistungen abgefordert werden -, zu einem gewissen Themenkomplex die gesamte Rechtsprechung und Literatur von einem Dritten zu übernehmen, da die systematische Zusammenstellung von Rechtsprechung und Literaturstimmen in der Regel eine Schöpfungstiefe ausweist. Und genau das stellt der Hessiche VGH fest. Es wäre hilfreich, wenn man sich zunächst mal Gedanken macht, wie eigentlich die Spielregeln sind, bevor Leute an den Pranger gestellt werden. Da merkt man nämlich, dass die Spielregeln eine sehr große Grauzone haben. Daher fordert die DFG von den Universitäten, zu definieren, wie die Spielregeln genau sind - Zitierregeln, Definition des Plagiates etc.
Aber das Bürgerforum stellt ja gar nicht fest, ob Plagiate vorliegen. Jedenfalls dann nicht, wenn es um die wirklich schwierigen Fragen geht, die auch eine inhaltliche Bewertung von Fragmenten erfordern. Das machen ja die Universitäten. Es geht ja nur um die Dokumentation. Wovon aber? Dass bei einer geisteswissenschaftlichen Arbeit 99% der Ideen und Gedanken nicht vom Autor stammen? Das ist ja ein ganz neue Erkenntnis!
188.108.182.43 19:53, 21. Aug. 2011 (UTC)
Zu Hamburg hätte ich gern ein Urteil, zum Nachlesen. Dann würde ich noch gerne wissen, welche anderen Leistungen bei einer Hausarbeit abgefordert werden im Vergleich zu einer Dissertation (Darf man bei einer Hausarbeit z.B. weniger genau arbeiten? Dass eine Dissertation eine größere wissenschaftliche Tiefe erreichen sollte, setze ich hier voraus). Ansonsten kann ich nirgends einen Pranger entdecken, vielleicht gibst du mir einen Tipp, wo der zu finden ist. :)
Den letzten Absatz solltest du nochmals überdenken, denn es wird sehr wohl festgestellt, ob ein Plagiat vorliegt, und das anhand einfacher Kriterien. Was bringt eine inhaltliche Bewertung, wenn eindeutig zu erkennen ist, dass die Textstellen identisch sind, ohne dass die Quelle angegeben ist? Dann bewertet man doch inhaltlich die Originalquelle und nicht den Autor der Dissertation. Was genau hier dokumentiert ist, kann man sehr einfach ersehen, wenn man denn möchte (Kleiner Tipp: Textfragmente in einer Dissertation, die identisch/sehr ähnlich zu bereits vorhandener Literatur sind, ohne Bezug auf diese zu nehmen). Zum Standard einer geisteswissenschaftlichen (Doktor-)Arbeit gehört es, die Quellen der Ideen und Gedanken ordentlich zu kennzeichnen. So tritt auch kein Missverständnis auf, wer nun Autor welchen Gedankens ist. Seltsamerweise schaffen die meisten Geisteswissenschaftler, diese Anforderungen zu erfüllen. Sotho Tal Ker 22:04, 21. Aug. 2011 (UTC)
******

Was in Gesetzen oder Urteilen steht, ist unter Plagiatsgesichtspunkten nicht kennzeichnungspflichtig: „Ein Plagiat kann nicht aus einer Tatsachenbehauptung abgeleitet werden“ (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW), FAQ – Plagiate in der Hochschule Nr. 9, http://plagiat.htw-berlin.de/faq/plagiate-in-der-hochschule/) „Tatsachen zu beschreiben ist keine geistige Schöpfung.“ (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW), FAQ – Plagiate in der Hochschule Nr. 13, http://plagiat.htw-berlin.de/faq/plagiate-in-der-hochschule/.).

85.176.160.60 14:20, 22. Aug. 2011 (UTC)


Der angebliche Beleg für die beiden Zitate existiert nicht. Beide Zitate werden von Google so auch nirgendwo anders im Internet gefunden. Werden hier Zitate erfunden? Und natürlich kann man Tatsachenbehauptungen plagiieren. Wer eine Reihe von Ergebnissen aus einer empirischen Studie abkupfert, ohne die Quelle zu benennen, kopiert auch Tatsachenbehauptungen.
PlagProf:-) 19:06, 22. Aug. 2011 (UTC)
Wisewoman scheint die Spielregeln zu ändern: http://plagiat.htw-berlin.de/faq/ dort unter Hochschule standen die Zitate. Wäre schon hilfreich, wenn so etwas nicht einfach gelöscht wird.
85.176.160.60 07:50, 23. Aug. 2011 (UTC)
"Traue keinem Zitat, dass du nicht selbst aus dem Zusammenhang gerissen hast" (angeblich Johannes Rau, angeblich nach Winston Churchill: "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälsche hast"). Von Frau Weber-Wulff stammt eine etwas längere Fassung des zweiten oben genannten Satzes: "Tatsachen zu beschreiben (z. B. in Mathematik, Biologie, Physik) ist keine geistige Schöpfung und fällt damit nicht unter Urheberrecht!"[ http://www.mttcs.org:8008/Skripte/Ext/Tech/Ang/Didaktik/Stundenplan/Aktuelles/vortrag_weber_wulff] Aus diesem Zusammenhang ergibt sich: Wenn man Tatsachenbeschreibungen von anderen kopiert, ohne dies zu kennzeichnen, plagiiert man, aber man begeht keine Verletzung des Urheberrechts. PlagProf:-) 08:16, 23. Aug. 2011 (UTC)

Um auf das Thema dieses Forums zurückzukommen: Von den Plagiatsfällen, mit denen sich die Rechtsprechung bisher befasst hat, betreffen doch eine ganze Reihe rechtswissenschaftliche Arbeiten. Ist jemand schon auf ein Urteil gestoßen, in dem die Rechtsprechung anerkennt, dass in der Rechtswissenschaft andere Zitierregeln gelten als in den anderen Wissenschaften? Aber bitte keine erfundenen Urteile oder Zitate, oder Zitate aus zweiter, dritter oder vierter Hand. :-)

PlagProf:-) 19:50, 22. Aug. 2011 (UTC)

Verschwörungstheorien[]

Ai, wusst nicht, dass ich die Lufthohheit für Plagiatsdefinitionen habe. Ich habe diesen Fetzen immer als Antwort auf eine konkrete Frage gegeben, sie sind also bitte im Zusammenhang zu sehen. Und bevor die Verschwörungstheoreitker meinen, ich ändere die Spielregeln: meine Hilfskräfte haben netterweise WordPress auf den neuesten Stand gebracht, und der zickt mächtig. Ich kann die Seite anschauen, editieren, aber wenn ich die Seite aufrufe über URL bekomme ich ein 404. Work in progress.... WiseWoman 16:49, 23. Aug. 2011 (UTC)

Was ging voraus?[]

Zur Erinnerung: Guttenplag hat eine rechtswissenschaftliche Dissertation untersucht. Vroniplag begann mit einer weiteren juristischen Doktorarbeit (Saß), auch die dritte untersuchte Arbeit (Pröfrock) stammt aus der Rechtswissenschaft. Die Kategorien und Kriterien für Bewertung von Plagiaten auf Guttenplag und Vroniplag wurden also anhand juristischer Dissertationen entwickelt, natürlich in Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Plagiaten. Zwei weitere rechtswissenschaftliche Arbeiten sind seitdem auf Vroniplag untersucht worden (Brinkmann und Mw).

Meines Wissens hat sich bei diesen fünf Arbeiten und den insgesamt wohl über 1.000 dokumentierten Plagiats-Fragmenten trotz großer öffentlicher Aufmerksamkeit an keiner Stelle die Frage gestellt, ob ein Umgang mit Quellen, der in anderen Fachrichtungen als Plagiat gewertet würde, in der Rechtswissenschaft als zulässig gilt. PlagProf:-) 07:25, 24. Aug. 2011 (UTC)

Was folgt daraus?[]

Eine naheliegende Erklärung ist, dass es eine spezielle juristische Zitierweise nicht gibt. Quellen müssen genauso benannt werden. Zitate müssen grundsätzlich ebenso gekennzeichnet werden wie in anderen Fachrichtungen. Nur ergibt sich im juristischen Zusammenhang oft aus dem Text, dass eine primäre Rechtsquelle (Gesetz oder Rechtsprechung) wiedergegeben wird. In diesem Zusammenhang nehmen es Jurist(inn)en oft weniger genau, das wörtliche Zitat von einer Paraphrase klar abzugrenzen, so dass man alleine darauf einen Plagiatsvorwurf nicht stützen sollte. Die untersuchten Arbeiten sind aber nicht durch nachlässigen (oder zulässigen) Umgang mit primären Rechtsquellen aufgefallen, sondern durch systematisches Abschreiben von Sekundärquellen. PlagProf:-) 07:25, 24. Aug. 2011 (UTC)

Genau so ist es - diese Arbeiten haben hauptsächlich von Sekundärquellen entlehnt. Lustiger Punkt am Rande: ich habe die Arbeit von zu Guttenberg durch fünf Plagiats"erkennungs"systeme geschickt. Bei ein System wurde Plagiat gemeldet genau da, wo er absolut korrekt zitert hat: bei den Rechtsquellen, die er im Wortlaut wiedergab, in Anführungszeichen und mit Fundstelle. Wir müssen bei der Ausbildung ansetzen, und eine Kultur des Zitierens vorleben. WiseWoman 08:46, 24. Aug. 2011 (UTC)
Im Gutachten zur causa Gutenberg heißt es aber auch "ohne dass es darauf ankäme, ob jede einzelne weitere Stelle, die in der Öffentlichkeit als Plagiat gekennzeichnet ist, zwingend als solches zu qualifizieren ist" (S. 10), so dass deutlich wird, dass eben nicht alle von der Netzöffentlichkeit identifizierten Stellen als Plagiat gewertet werden können.
Das wird meines Erachtens daraus nicht deutlich. Es wird darauf hingewiesen, dass es keine Rolle spielt. Ich mutmaße, dass man damit den Anspruch, alle identifzierten Stellen verifiziert zu haben, ausschließen wollte. Martin Klicken 09:04, 25. Aug. 2011 (UTC)
Es kommt nämlich darauf an, ob
1. es es sich nur um Allgemeingut - wenn auch nur in bestimmten Fachkreisen - handelt, dann ist ein Zitat auch bei wörtlicher Übernahme, verboten (Stichwort: Evidenz). Dieses ist in der Regel bei einer Bestandsaufnahme der Fall, die keine Wertung oder Transformation von Tatsachen beinhaltet (Stichwort: Schöpfungstiefe). Für den Prüfer einer Dissertation ist die Kennzeichnung deswegen unerheblich, da die Darstellung evidenter Umstände ohnehin (ob mit oder ohne Zitat) nicht für das Bestehen einer Dissertation genügt, da ein wissenschaftlicher Fortschritt erforderlich ist.
2. ob der Inhalt eines Gesetzes oder eines Urteils zitiert wird oder über dieses berichtet wird, da dann nur die Primärquelle nach der Rechtsquellenlehre zitiert werden darf. Es darf also von einem Drittautor wörtlich abgeschrieben werden, der mitteilt, was in Urteil / Gesetz XY steht.
3. bei Punkt 1. und Punkt 2. ist es für den Prüfer einer Dissertation egal, ob der Text aus dem Urteil / dem Gesetz entnommen wurde oder von einem anderen Autoren abgeschrieben wurde. In jedem Fall ist doch klar, dass es sich nicht um eigene Gedanken des Promovenden, sondern um die des Gesetzgebers oder des Gerichtes handelt. Nicht erlaubt ist es natürlich von einem Autor die gesamte Auswertung der Rechtsprechung und Literatur zu einem Themenkomplex zu übernehmen und sich dessen Bewertungen ungekennzeichnet zu eigen zu machen.
193.194.136.76 16:50, 24. Aug. 2011 (UTC)
Gute wissenschaftliche Praxis verlangt, dass man Zitate aus zweiter Hand vermeidet. Dort, wo sie sich nicht vermeiden lassen, müssen sie als solche gekennzeichnet werden („… zitiert nach:“).
Wer nach Gründen dafür sucht, muss nicht weit schauen. In diesem Forum wurde aus zweiter oder dritter Hand auf Rechtsprechung verwiesen, die das genaue Gegenteil von der behaupteten Aussage belegt. Das vermeidet man, wenn man alle verwendeten Quellen selbst überprüft.
Die von 193.194.136.76 beispielshaft genannte Darlegung von Gesetz oder Rechtsprechung aus zweiter Hand entspricht deshalb nicht guter wissenschaftlicher Praxis.
Auch das Zitieren ist problematisch. Wird beispielsweise Rechtsprechung aus zweiter Hand nach der Literatur zitiert, was steht dann in der Fußnote? „BGH 1.1.2000, NJW 2000, 1000; Müller, S. 100“ gibt vor, man habe das Urteil selbst gelesen, und bei Müller finde man mehr dazu. Das ist unredlich. „Müller S. 100 unter Verweis auf BGH 1.1.2000, NJW 2000, 1000“ sieht schon besser aus, erweckt aber trotzdem den Eindruck, der Verfasser habe das Urteil selbst gelesen. "Müller, S. 100" ist nur dann korrekt, wenn der Text klarstellt, dass Müller an dieser Stelle die Rechtsprechung referiert - dann fragt man sich, warum der Beleg dafür nicht genannt wird. „BGH 1.1.2000, NJW 2000, 1000, zitiert nach Müller, S. 100“ wäre korrekt. Aber dann fragt sich der Leser zu Recht, warum der Verfasser das Urteil nicht selbst nachgelesen hat. Plagiator(inn)en vermeiden es deshalb zumeist, Zitate aus zweiter Hand als solche zu kennzeichnen.
Nächste Problem: Darf man sich darauf verlassen, dass Müller die Rechtsprechung richtig wiedergeben hat? Das wäre schon dann problematisch, wenn Müller das Zitat klar als solches gekennzeichnet hat, denn auch Müller kann ab und zu falsch kopieren. Noch problematischer wird es, wenn man Müller zugesteht, dass er bei der Wiedergabe der Rechtsprechung nicht exakt kennzeichnen muss, wo das Zitat endet und wo die Paraphrase anfängt. Denn die Art, wie Müller das Urteil liest und paraphrasiert, ist nicht zwangsläufig die einzig richtige. Das Urteil kann mehrdeutig sein. Müller kann es großzügig in eine Richtung lesen, die der Müllerschen Sichtweise besser entspricht. Schließlich kann die Wiedergabe bei Müller sogar mit dem Wortlaut des Urteils unvereinbar sein. Nehmen wir einmal an, Müller hat den einen oder anderen derartigen Fehler gemacht. Wer dann die Rechtsprechung aus zweiter Hand mit einem nicht als solchen gekennzeichneten wörtlichen Zitat aus Müller belegt wird, der plagiiert.
Dieses Risiko geht jeder ein, der ohne Not aus zweiter oder dritter Hand zitiert. Ich halte es daher für unverantwortlich, so etwas als akzeptable wissenschaftliche Praxis zu verkaufen.
Was für den jeweiligen Verfasser recht ist, ist außerdem für Müller billig. Dann darf auch Müller aus zweiter Hand zitieren. So wird über eine Rezeptionskette aus einem Zitat aus zweiter Hand eines aus dritter, vierter oder fünfter Hand. Das ist eine akademische Variante des Kindergeburtstags-Spiels „Stille Post“ – mit ganz ähnlichen Ergebnissen. (Diesen Vergleich habe ich auch schon einmal in gedruckter Form verwendet, die erneute Verwendung hier ist also kein Plagiat.)
PlagProf:-) 18:53, 24. Aug. 2011 (UTC)
Es geht nicht um wissenschaftliche Redlichkeit, sondern um den Versuch, den Terminus Plagiat näher zu definieren.
Natürlich ist es erforderlich, dass man prüft, ob Müller tatsächlich den Inhalt zutreffend wiedergegeben hat. Soweit Müller dann etwas a la stille Post verfremdet, ist Müller mit dieser Verfremdung als sein Gedanke zu zitieren. Es ist nach der Rechtsquellenlehre aber verboten, Literaturstimmen für Gesetze oder Urteile zu zitieren. Das hat was mit der Bindungswirkung der Rechtsquellen zu tun und nichts mit Primär- oder Sekundärquelle: Nur das Gesetz (nicht Müller) oder das Gerichtsurteil (nicht Müller) entfalten als Rechtsquellen Bindungswirkung. Müller kann soviel schreiben wie er will, es wird niemals als Rechtsquelle Bindungswirkung entfalten. Das bedeutet, dass bei Müller solange abgeschrieben werden kann, wie er den Inhalt des Urteils oder des Gesetzes objektiv zutreffend und nicht wertend wiedergibt.
Sekundärquelle meint eine Literaturquelle, die Müller, der als ersten einen Gedanken hatte (Primärquelle), zitiert. Dann darf nicht die Sekundärquelle zitiert werden, sondern es muss auf die Primärquelle zurückgegriffen werden. Das hat aber auch nichts mit Plagiieren zu tun, sondern mit wissenschaftlich redlichem Verhalten: Der Erstautor eines Gedankens ist durch ein Zitat zu würdigen.
Nicht zu verwechseln ist dieses aber mit einer Vorgehensweise, bei der zu einem Themenkomplex zusammengestellte Urteile und Literaturstimmen von einem Autoren abgeschrieben werden. Dann kann nämlich die Zusammenstellung bereits ein kennzeichnungspflichtige Schöpfungstiefe haben. Allerdings ist es bei den Juristen weit verbreitet, zu einem Thema in ein Standardlehrbuch oder einen Kommentar zu schauen um die Quellen, die dort von einem Dritten recherchiert wurden, zu verwenden; diese werden aber auch tatsächlich geprüft aber eben nicht selbständig recherchiert.. Es wird dann nicht gekennzeichnet, dass man die Quellen bei Autor Müller gefunden hat.
85.176.128.252 19:15, 24. Aug. 2011 (UTC)

Plagiatsbegriff im Fall AH unzulässig ausgedehnt?[]

Im heutigen Artikel des Hamburger Abendblattes lässt sich der Doktorvater von AH wie folgt wiedergeben:

Auch sein Doktorvater, Professor Martens, unterstützt ihn: "Im Kern ist die Doktorarbeit völlig eigenständig." Martens findet, dass der Plagiatsbegriff im Fall Heller unzulässig ausgedehnt wurde. "Die Fortschritte bei geisteswissenschaftlichen Fächern wie Jura bewegen sich im Millimeterbereich." Zu 90 Prozent arbeite man in Bereichen, die von anderen Wissenschaftlern schon erforscht wurden, die Eigenleistung könne deshalb gar nicht allzu groß sein. Eine Eigenleistung sei es auch schon, Gedanken anderer Wissenschaftler mit eigenen Worten wiederzugeben. "Auch im Fall Schavan stellt sich offensichtlich die Frage, wann zitiert werden muss und wann wegen eigener Formulierung ein Verweis auf die fremde Quelle ausreicht." Hinzu komme, dass sich Juristen eng an die Terminologie ihrer Disziplin halten müssten. "Die Gefahr, unter diesen Bedingungen unter Plagiatsverdacht zu geraten, ist groß", sagt Martens. (Hervorhebung von Dr. Simplicius).

Ich habe mich selbst nicht genauer mit dem Fall AH befasst, aber diese Darstellung kann ich kaum glauben. Ich könnte mir vorstellen, dass die Juristen unter den VP-Kollegen Einwände gegen diese Ansicht haben... Dr. Simplicius (Diskussion) 10:52, 24. Okt. 2012 (UTC)

Na, dann bin ich für die Einführung des "Dr. mm plag.". Vielleicht schreibe ich darüber mal eine mm-lange Arbeit, der Rest steht sicher schon irgendwo gechrieben, gibt bestimmt genug für ein paar hundert Seiten. -Hood (Diskussion) 12:14, 24. Okt. 2012 (UTC)
Der Ah hat genau eines nicht gemacht: Gedanken anderer Wissenschaftler in eigenen Worten wiedergegeben. Vielmehr wurde sehr oft wortwörtlich oder leicht angepasst übernommen, ohne dies ausreichend kenntlich zu machen. Für die Uni Hamburg ist die ganze Sache natürlich recht peinlich. Aber das wäre nicht das erste mal, dass die dortige Fakultät der Rechtswissenschaft nicht durch Professionalität glänzt: Wie war das nochmal mit der Dissertation von Ub? Das vorhandene Exemplar wurde an Ub nach Übersee versandt, dabei ging es wohl zufälligerweise auf dem Postweg verloren? Sotho Tal Ker (Diskussion) 15:43, 24. Okt. 2012 (UTC)

DFG-Regularien und fachspezifische Regeln[]

Guten Tag,

wenn ich als Jurist mir diese Diskussion ansehe, bin ich teilweise entsetzt darüber, was hier für Exzesse stattfinden. Ich habe nicht die Zeit, mich mit allem zu befassen, aber wenn hier teilweise behauptet wird, dass die wörtliche Wiedergabe des Gesetzestextes ohne Anführungszeichen oder Fußnote ein Plagiat sei, ist die Grenze des Vertretbaren definitiv überschritten. Kein Jurist zitiert so. Es kommt, liebe Gemeinde, sehr wohl darauf an, wie die Zitierstandards der Juristerei aussehen. Was die DFG-Regularien vorsehen ist zweitrangig gegenüber den spezielleren, fachspezifischen Regeln. Das wörtliche Zitieren des Gesetzestextes ist -vorsichtig formuliert- unüblich. In jedem Fall schlechter Stil. Es genügt im Text auf den betreffenden §Bezug zu nehmen (...gem. § 433 ist usw.). Nur dann, wenn es entscheidend auf eine bestimmte Formulierung oder ein einzelnes Wort ankommt, werden "" gesetzt.

Das Ganze wäre ja nur eine lustige Anekdote, aber ich sehe in dieser Diskussion etliche Beispiele wie dieses. Ich finde es höchst bedenklich, dass "Fachfremde" sich anmaßen, gängige Zitierregeln der Juristerei ohne Kenntnis der Hintergründe und ohne das zur Einordnung erforderliche Fachwissen über den Haufen werfen und teils schwere Anschuldigungen erheben. Der Punkt sei an Plagprof illustriert:"Hier schreiben leider die Gerichte selbst aus ihren eigenen Urteilen und denen anderer Gerichte sehr häufig ab, ohne wörtliche Zitate als solche zu kennzeichnen, manchmal wird sogar die Quelle und sehr oft die ursprüngliche Quelle (das erste Urteil, in dem dieser Text vorkommt) nicht benannt." Gerichte verfassen keine wissenschaftlichen Arbeiten. Sie sprechen Recht und zitieren daher nicht. Wenn ein Gericht einen wissenschaftlichen Beitrag leisten will (z.B. einer Meinung folgen), dann zitiert es hin und wieder auch mal. Das muss es aber nicht, und ein Plagiat liegt darin auch nicht. Im Übrigen haben meine juristischen Vorredner eigentlich alles gesagt, insbes. der Beitrag "Das Rechte Maß".

Daher meine Bitte an die Beteiligten: Schaut Euch die fachspezifischen Regeln an. Die entscheiden darüber, was ein Plagiat ist. Allzu oft scheinen hier willkürlich Zitierregeln festgelegt zu werden.

Ein Nachtrag sei noch erlaubt: Wer plagiiert, täuscht. Täuschung erfordert -verkürzt formuliert- den Vorsatz, bei Anderen einen Irrtum hervorzurufen (und zwar über die Urheberschaft). Wer sich an die fachspezifischen Regeln hält, erwartet, dass Fachkollegen diese Regeln kennen. Die Fremdurheberschaft ist den am fachwissenschaftlichen Diskurs Beteiligten klar. Selbst wenn also die Fachregeln etwa den DFG-Regularien widersprechen, hat der Verfasser nicht getäuscht. Er hatte schlicht keinen Vorsatz und hat nicht plagiiert. Das mag aus externer Sicht unsauber sein oder wie ein Plagiat aussehen, ist es aber nicht. Es mag wünschenswert sein, solche fachspezifischen Besonderheiten einzuebnen und die wissenschaftlichen Zitierregeln weiter anzugleichen (wie wohl von den DFG Regularien intendiert). Das kann sinnvoll sein. Alles was bisher geschrieben wurde, ist aber zwingend (!) weiter an den Fachregeln zu messen (Rechtsstaatsprinzip).

213.71.22.34 12:55, 24. Okt. 2012 (UTC)

Dann stelle ich einfach mal fest, dass die "Juristerei" eben nichts mit wissenschaftlichem Arbeiten zu tun hat. Wenn die Juristen ernst genommen werden wollen in der Wissenschaft (und das wollen sie anscheinend, sonst könnte man die Lehrstühle abschaffen und Dissertationen in Jura obsolet machen), dann sollten sich Juristen auch an die Regeln halten, die von der "Wissenschaftsgemeinde" - hier insbesondere von der DFG - vorgebeben werden.
Urteile dienen nicht dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn und durch das Verfassen von Urteilen erlangen Richter auch keine höhere wissenschaftliche Qualifikation. Eine Doktorarbeit hat aber genau diesen Zweck: Es soll neuer Erkenntnisgewinn zum jeweiligen Thema geschaffen werden und der jeweilige Verfasser erlangt dadurch einen akademischen Grad. Eine Dissertation ist eine wissenschaftliche Qualifikationsschrift. Für ordentliches sauberes wissenschaftliches Arbeiten bekommt man den Doktorgrad verliehen. Und genau deswegen sind die Formalia einzuhalten - insbesondere das Zitiergebot. Man kann eigentlich garnichts falsch machen, wenn man die recht einfachen Regeln befolgt.
Vorsatz oder Täuschungsabsicht kann durch eine reine Dokumentation von Textübereinstimmungen nicht belegt werden. Dafür sind die jeweiligen Kommissionen zuständig. In diesem Wiki wird dokumentiert, was nach den Kriterien der DFG nicht den wissenschaftlichen Standards entspricht. Das kann man als Jurist jetzt blöd finden, weil so die eigene Unwissenschaftlichkeit offenbart wird. Aber die Dokumentation stellt lediglich kommentierte Fakten dar. Sotho Tal Ker (Diskussion) 13:41, 24. Okt. 2012 (UTC)
@. Sotho Tal Ker
Ich bitte darum, sachlich zu bleiben. Nicht Sie legen die Zitierregeln fest, und wenn in der Juristerei mitunter (!) etwas anders zitiert wird, sagt das nichts über den Grad der Wissenschaftlichkeit aus. Mein Vorwurf ist: Wenn Sie vorhandene Arbeiten an dem messen, was Sie für wünschenswert halten, handeln Sie unredlich. Ob in der Juristerei zukünftig anders zitiert werden soll (z.B. komplett DFG-konform), darüber können Sie gern diskutieren. Ich bin da eher indifferent. Sie können aber nicht vorhandene Dissertationen an Ihren Wunsch-Standards messen. Der einzig taugliche und rechtlich zulässige Maßstab hierfür sind die bestehenden juristischen Zitierregeln. Das Bespiel des Zitierens von §§ illustriert die teil abweichenden Regeln recht deutlich.213.71.22.34 13:57, 24. Okt. 2012 (UTC)
(von oben hierher verschoben von Drhchc (Diskussion) 14:02, 24. Okt. 2012 (UTC))
Sehr geehrter Anonymous 213.71.22.34, bitte tragen Sie auch selbst mit Sachlichkeit bei. Hilfreich wäre aus meiner Sicht, wenn Sie auf die Vermutung unredlichen Handelns verzichten könnten und stattdessen einige Ihrer Behauptungen oben belegen würden. Zum Beispiel zur Behauptung, dass zu einer Täuschung ein Vorsatz nötig sei, meine ich gegenteilig lautende Entscheidungen gelesen zu haben. Können Sie diese Ihre Behauptung sachlich belegen? Martin Klicken (Diskussion) 14:56, 24. Okt. 2012 (UTC)
Anfügen möchte ich, dass ich meine, dass ein Plagiat bzw. eine Täuschung außerhalb juristischer Definitionen und Festlegungen schon objektivierbar ist. Für mich als Leser einer wissenschaftlichen Arbeit zählt dann weniger der innere Zustand des Verfassers beim Erstellen der Arbeit als viel mehr das Ergebnis: Muss der Betrachter den Eindruck gewinnen, dass plagiierte Teile vom Verfasser stammen, so liegt eine Täuschung über die Urheberschaft vor. Will man nun darauf abheben, das Plagiat ohne Täuschungsvorsatz erstellt zu haben, mithin überhaupt kein Plagiat, denn nach juristischer Definition gibt es kein objektivierbares Plagiat (richtig?), dann muss man sich aber vermutlich darauf verlegen, nachzuweisen, dass man sich über die Auswirkungen und Bedeutungen seiner Handlungen im Bezug auf das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit überhaupt nicht im Klaren war. Das hat ja damals Herr Guttenberg versucht. Hierzu ein Link: http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/guttenberg-affaere-der-ueberforderte-nicht-wissenschaftler-ohne-vorsatz/ Was daraus folgen würde, finde ich ehrlich gesagt wenig schmeichelhaft, denn es beschreibt ja einen schlimmen geistigen Zustand, in dem sich ein Mensch da befinden müsste. Dies wurde ja auch von Rechtsgelehrten wie z.B. Prof. Lepsius zurückgewiesen, ja sogar als "lächerlich" bzw. "absurd" bezeichnet, wenn ich mich recht erinnere. Martin Klicken (Diskussion) 15:17, 24. Okt. 2012 (UTC)
Nachtrag 2: Jetzt hab ich's glaube ich! Wenn Sie davon ausgehen, dass juristische Abschlussarbeiten ausschließlich von Juristen gelesen werden, und jeder weiß, dass darin potenziell alles abgeschrieben sein kann, dass man das nie weiß. Dann wäre eine Täuschung nicht möglich, und -rein juristisch- auch kein Plagiat, da ja sowieso niemand erwartet hat, einen selbst verfassten Text vorgelegt zu bekommen! Kein Getäuschter, keine Täuschung, kein Vorsatz, kein Plagiat. Martin Klicken (Diskussion) 15:28, 24. Okt. 2012 (UTC)
Einen einheitlichen Täuschungsbegriff kennt die Jurisprudenz -soweit mir bewusst ist- nicht. Mindestvoraussetzung ist aber immer, dass derjenige, der täuscht, auch bewusst gehandelt hat. Eine versehentliche oder irrtümliche Täuschung konnte ich weder den zivil- noch den strafrechtlichen Kategorien entnehmen. Das legt übrigens auch der Wortlaut nahe: Täuschen, stehlen, unterschlagen, betrügen, drohen etc. kann man nicht fahrlässig. Das geht nur bewusst. Zum Zivilrecht: Eine Täuschungshandlung kann begrifflich nur vorliegen, wenn der Täuschende beim Erklärenden bewusst einen Irrtum hervorrufen oder aufrechterhalten will. Er muss die Irrtumserregung bezwecken, insoweit also vorsätzlich handeln. Dieser Täuschungsvorsatz ist begriffsnotwendiger Bestandteil der Täuschungshandlung (Heidel/Hüßtege/Mansel/Noack, BGB | Allgemeiner Teil/EGBGB2. Auflage 2011, § 123 Rn 24 Jauernig/Jauernig, §123 Rn3, 7; vgl HK-BGB/Dörner, §123 Rn2; MüKo/Kramer, §123 Rn8; Medicus, BGB AT, Rn78Zum Strafrecht: BGH v. 26. 4. 2001 – 4 StR 439/00, BGHSt 47, 1 (5) = NJW 2001, 2187 (2189); BGH v. 5. 2. 1963 – 1 StR 533/62, BGHSt 18, 235 (237); Schneider, Anm. zu BGH v. 4. 12. 2003 – 5 StR 308/03, StV 2004, 537 (538f.) V.a. das BGH-Urteil vom 26. 4. 2001 ist lesenswert, weil hier die Täuschungsbegriffe der verschiedenen Fachsenate verglichen werden.
Verstehen Sie mich nicht falsch, es ist nicht mein Anliegen hier eine Diskussion über juristische Feinheiten vom Zaun zu brechen. Gleichwohl halte ich es für höchst bedenklich, jemandem eine Täuschung vorzuwerfen, der im Einklang mit akzeptierten Fachstandards gehandelt hat (sofern er/sie das hat). Auch wenn diese zu lax erscheinen mögen (oder auch sind) - das ist kein Vorwurf den Sie demjenigen machen können, der danach gehandelt hat. Dieser Aspekt scheint in der Debatte nicht Jedem bewusst zu sein. 213.71.22.34
Ich finde das "(sofern er/sie das hat)" den wesentlichen Aspekt. Ich glaube nicht, dass die hier dokumentierten Arbeiten "im Einklang mit akzeptierten Fachstandards" erstellt wurden. --Hindemith (Diskussion) 15:49, 24. Okt. 2012 (UTC)
@Hindemith
Das kann ich nicht beurteilen, ich habe nicht die Zeit, mir die Arbeiten anderer anzuschauen. Ich finde aber so manchen Beitrag in dieser Diskussion hier äußerst bedenklich, insbesondere weil sich aus der Gemengelage von fehlender Sachkenntnis und schneller Publizität rasch ein massenwirksamer Plagiatsvorwurf ergibt. Die Polemiken von Klicken und Sotho TalKer bestätigen diesen Eindruck. Schade.213.71.22.34 16:07, 24. Okt. 2012 (UTC)

Ich kann nicht sehen, wie aus vermeintlichen "Polemiken" ein massenwirksamer Plagiatsvorwurf entsteht. Vielmehr bin ich inhaltlich auf Ihre Argumentation eingegangen. Weiterhin halte ich die Äußerungen mancher Juristen derzeit für eher geeignet, die Wissenschaftlichkeit der Juristerei versehentlich ad absurdum zu führen. Zum Beispiel, wenn behauptet wird, Erkenntnisse juristischer Dissertationen seien immer höchstens nur Fortschritte im Millimeterbereich. Martin Klicken (Diskussion) 16:19, 24. Okt. 2012 (UTC)
@Klicken
Also bitte, so ziemlich jeder Beitrag meinerseits wird mit irgendwelchen unqualifizierten Bemerkungen abgetan. Eine Auswahl: "Dann stelle ich einfach mal fest, dass die "Juristerei" eben nichts mit wissenschaftlichem Arbeiten zu tun hat."
"Nachtrag 2: Jetzt hab ich's glaube ich! Wenn Sie davon ausgehen, dass juristische Abschlussarbeiten ausschließlich von Juristen gelesen werden, und jeder weiß, dass darin potenziell alles abgeschrieben sein kann, dass man das nie weiß."
"Sonst ist das einfach nur als unwissenschaftliche Faulheit zu bezeichnen, mehr nicht" Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Das erklärt auch, warum Sie in erster Linie nur untereinander diskutieren und Externe relativ schnell entnervt aufgeben. So werde ich es leider auch halten...213.71.22.34
Nun, ich gebe zu, dass ich die Verkürzung "ohne Täuschung/Vorsatz kein Plagiat" für anfechtbar halte. Sie werden sicher nicht von sich weisen wollen, dass auch Sie mit der Unterstellung von erfundenen "Wunsch"-Zitierregeln und unredlichem Handeln eine sehr selbstbewusste, vielleicht sogar polemische Position bezogen haben. Ich habe mir die Mühe gemacht, dennoch auch inhaltlich darauf einzugehen. Im Urteil unten, ich habe die Passage nicht extra hervorgehoben, wird ausdrücklich von "allgemein anerkannten Standards wissenschaftlichen Arbeitens" gesprochen. Wie vereinbaren Sie das mit Ihrem Standpunkt, es gölten fachspezifische Standards wissenschaftlichen Arbeitens, es gäbe also keine allgemein anerkannten Standards, so dass Juristen sich an diese auch nicht zu halten brauchen? Martin Klicken (Diskussion) 17:10, 24. Okt. 2012 (UTC)
Hallo. Hallo? Hallo... Komisch - aufgelegt. Martin Klicken (Diskussion) 23:53, 26. Okt. 2012 (UTC)
Also bitte! Kritik gerne, aber dann bitte begründet. Das Argument "Ich habe keine Zeit mir die Sachlage anzuschauen" ist in dem Sinne ein Strohmann. Bei der Dokumentation im Wiki wird konservativ gearbeitet. In die Juristensprache übersetzbar mit: "In dubio pro reo". Dass die Juristen es bei einigen Dingen mit dem Zitieren nicht so genau nehmen, wurde hier im Forum erörtert. Dass dies einige Leute (z.B. ich) nicht so gut finden, ebenfalls. Daraus zu schliessen, die im Wiki behandelten juristischen Dissertationen seien allesamt in Ordnung, weil hier "Wunsch"-Zitierregeln angelegt würden, entbehrt aber jeder Grundlage. Dazu müsste man sich allerdings eingelesen haben. Falls jeweils nur (und wirklich nur da) bei Gesetzestexten auf die Anwendung allgemeiner Zitierpraxis verzichtet wird, dann wird das trotzdem nicht als Plagiat gewertet, auch wenn es mMn. wissenschaftlich nicht in Ordnung ist. Es entspricht einfach nicht den wissenschaftlichen Zitiergeboten, nämlich Fremdes als Fremdes zu kennzeichnen.
Ob Vorsatz oder Täuschung - das kann die Dokumentation nicht zeigen. Das kann eigentlich niemand sagen. Keiner kann in die Köpfe der Plagiatoren gucken als diese ihre Arbeiten verfasst haben. Vielleicht dachte z.B. Baron G. wirklich, dass man im Übernehmen und leichten Abändern von Texten wissenschaftlich arbeitet? Was die Dokumentation allerdings zeigen kann sind Belege (Fragmente), bei denen gegen die allgemein gebräuchlichen Zitierregeln verstoßen wurde. Damit wird aber nicht impliziert, dass der Autor dies bewusst gemacht habe um zu täuschen. Dass er bewusst etwas übernommen hat ist unstrittig, denn unbewusst funktioniert das Übernehmen recht schlecht. Ob bewusst täuschend oder nur wissenschaftlich fahrlässig wird im Wiki nicht erörtert. Sotho Tal Ker (Diskussion) 18:31, 24. Okt. 2012 (UTC)
Es hat schon vielfach Diskussionen über den Begriff "Plagiat" im Forum gegeben und es gibt verschiedene Definitionen (Plagprof hatte mal einige beigesteuert, die Links müsste ich erst suchen). Es hat auch schon andere Leute gegeben, die meinten, man müsste sich an fachspezifischen Regeln orientieren. Andere Besucher wiederum meinten, man solle sich an der Promotionsordnung der jeweiligen Fakultät orientieren. Ich glaube nicht, dass man daran definieren kann, was ein Plagiat ist. Schon gar nicht, wenn man sich die unscharfen Vorgaben in Promotionsordnungen anschaut. Ob nun ein Plagiat unbedingt mit einer Täuschung Täuschungsabsicht, -vorsatz, was auch immer zu verbinden oder gleichzusetzten ist, ist wieder eine andere Frage. Ob das nach einer Fachrichtung oder Fakultät als wissenschaftles oder akademisches (auch hier ist zu unterscheiden) Fehlverhalten gedeutet wird, ist noch eine andere Frage. Was hier im Wiki geschieht, ist etwas anderes: Es werden Textähnlichkeiten aufgezeigt und kategorisiert. Die Kategorienamen mögen dem ein oder anderen wertend erscheinen, jedoch lassen sie sich weitgehend an objektiven Kriterein festmachen. Und dann gibt es durchaus schon gelegentlich Einwände, in denen auch fachspezifische Kriterien berücksichtigt werden. Dann werden die Textstellen ggf. unter "KeineWertung" (früher "verdächtig") oder "KeinPlagiat" kategorisiert. Wie sollte man es anders machen? -Hood (Diskussion) 16:12, 24. Okt. 2012 (UTC)
Zur Sache noch einmal: Herr Chatzimarkakis hat das prüfen lassen. Aus dem Urteil http://www.justiz.nrw.de/nrwe/ovgs/vg_koeln/j2012/6_K_6097_11urteil20120322.html:
"Damit habe er die Gutachter der Dissertation sowie die Prüfungskommission mit konkludenter wahrheitswidriger Erklärung über die Tatsache getäuscht, dass er die allgemein anerkannten Standards wissenschaftlichen Arbeitens nicht beachtet habe und die Arbeit wegen Plagiaten insoweit nicht auf einer vollständig selbständigen wissenschaftlichen Arbeit beruhe. Die Kenntlichmachung der Übernahme sei von der Angabe einer Quelle zu unterscheiden und setze die Verwendung von An- und Abführungszeichen oder vergleichbar eindeutiger Hinweiszeichen oder Kenntlichmachungen voraus, so dass der Leser erkennen könne, ob eigene Gedanken entwickelt, fremdes Gedankengut adaptiert oder unverändert wiedergegeben werde. Durch die vom Kläger gewählte Zitierweise werde nicht deutlich, wo ein Fremdtext beginne und wo er ende und was eigene Worte seien. Der Einsatz von Fußnoten erwecke den Eindruck, der dort angegebene Autor sei nur eine unterstützende Referenz für eigene Überlegungen des Verfassers der Dissertation."
und
"Auch der notwendige bedingte Täuschungsvorsatz sei gegeben. Dieser liege vor, wenn der Doktorand zumindest billigend in Kauf nehme, dass die vorgelegte Arbeit als vollständig eigenständige wissenschaftliche Arbeit begutachtet werde. "
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Gericht in irgendeinem der anderen Fälle, auch nicht bei einer juristischen Abschlussarbeit, zu einem anderen Ergebnis kommen wird. Bis jetzt ist das meines Wissens einheitlich. Mit Spannung erwarte ich die Entscheidung am 6. Dezember 2012 in der Sache Mathiopoulos und schaue auch gelegentlich noch beim VG Freiburg nach, wann denn der Text der Entscheidung in der Sache Saß vorliegt. Martin Klicken (Diskussion) 16:19, 24. Okt. 2012 (UTC)
Jeder Jurist kennt ja alle Gesetzestexte auswändig und weiss genau, wann deren Wiedergabe aufhört und die Interpretation des Autors anfängt. Die "Juristerei" möchte anscheinend nicht die vorgeschlagenen Zitierregeln der DFG nutzen sondern kocht lieber ihr eigenes Süppchen. Was ist so schwer daran zu sagen: Alles was ich von woanders wörtlich übernehme, ob aus Literatur oder Gesetzestext, setze ich in Anführungszeichen. Sonst ist das einfach nur als unwissenschaftliche Faulheit zu bezeichnen, mehr nicht. Allerdings: wie Hindemith angemerkt hat, werden solche Fachspezifika wie die besonderere Zitierweise von Gesetzen durchaus beachtet. Das ändert aber an meiner Meinung zu den Zitiergepflogenheiten nichts. Keine juristische Dissertation wird allein aufgrund von nichtzitiertem Gesetzestext öffentlich dokumentiert. Dazu benötigt es schon anderer Zitierfehler: Ungekennzeichnete oder nicht ausreichend gekennzeichnete Übernahmen aus Werken anderer Autoren. Oder gehören diese auch zu den gängigen Zitierweisen bei den Juristen? Sotho Tal Ker (Diskussion) 15:34, 24. Okt. 2012 (UTC)
Oben steht eine sehr lange Diskussion, ich kann mich auf sie also nicht im Detail beziehen. Ich gebe ihnen aber Recht, wenn sie sagen, dass ein "Plagiat" letztendlich an den fachspezifischen Gebräuchlichkeiten zu messen ist, auch wenn diese noch so schlecht, unwissenschaftlich oder verwirrend sein sollten -- das ist dann ein anderes Thema. Als einer der nicht-Juristen, die auch Plagiate in juristischen Arbeiten dokumentiert haben, möchte ich aber schon darauf hinweisen, dass fachspezifische Gebräuchlichkeiten durchaus beachtet wurden. Sie werden keine als Plagiat bezeichnete übernommene Gesetzestexte finden. Auch andere Grenzfälle habe ich immer sicherheitshalber mit den hier stark vertretenen Juristen diskutiert und bin immer von der Perspektive des Lesers ausgegangen: kann der Leser annehmen, dass gerade jemand anderes zu ihm spricht, oder muss er annehmen, dass er die Worte des Autors liest?
Wenn man jetzt im Zusammenhang mit dem Fall Ah (siehe Hamburger Abendblatt) lesen muss, dass in der Dokumentation des Falles Ah der "Plagiatsbegriff ... unzulässig ausgedehnt wurde", dann kann ich dazu nur sagen, dass alle Juristen, die ich dazu befragt habe, das ganz anders sehen. Und da wir die "Jura-ist-aber-ganz-speziell-Diskussion" schon einige Male im Forum hatten, wurde dieses Thema schon ausführlichst diskutiert.
Bottom-line: ich glaube man tut den Vroniplag-Dokumentationen Unrecht, wenn man pauschal annimmt, dass diese irgendwie von Fachfremden ohne Bezug auf die juristische Praxis erstellt wurden. Das stimmt so überhaupt nicht. --Hindemith (Diskussion) 14:00, 24. Okt. 2012 (UTC) + Edit --Hindemith (Diskussion) 15:01, 24. Okt. 2012 (UTC)
Wie Hindemith diskret andeutet: Unter den VroniPlaggern befinden sich einige Juristen. Ich gehöre auch dazu. Und was die juristischen fachspezifischen Gewohnheiten betrifft, liest man am besten in einschlägigen Werken nach. Ich verlasse mich hier auf die Autorität einer hier mittlerweile wohlbekannten Methodenlehre. Da heißt es:
"Zitate können zum einen aus einer wörtlichen Wiedergabe eines fremden Textes bestehen (sog. direktes Zitat). Ein wörtliches Zitat ist urheberrechtlich in einem durch den Zweck gebotenen Umfang zulässig (§51 UrhG), wenn eine entsprechende Quellenangabe erfolgt (§ 63 UrhG). Ein häufiger Fehler ist hier allerdings die bloße Verwendung der Fußnote „Vgl. Autor“. Dies genügt wissenschaftlichen Ansprüchen nicht. Das Zitat ist vielmehr im Text selbst in Anführungszeichen zu setzen und der zitierte Text buchstaben- bzw. zeichengetreu abzuschreiben." (Bernd Holznagel, Pascal Schumacher und Thorsten Ricke, Juristische Arbeitstechniken und Methoden, Seite 123.)
Weder bei der Dokumentation dieser Arbeit noch bei der Dokumentation der Dissertationen der beiden letztgenannten Autoren wurden offene Paraphrasen aus dem Gesetz oder aus der Rechtsprechung als Plagiate gewertet. Die befürchteten Exzesse haben also hier nicht stattgefunden. PlagProf:-) (Diskussion) 19:24, 24. Okt. 2012 (UTC)