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Diese Zusammenstellung basiert auf Befunden einer laufenden Plagiatsanalyse (Stand: 2020-04-09) – es handelt sich insofern nicht um einen abschließenden Bericht. Zur weiteren Meinungsbildung wird daher empfohlen, den jeweiligen Stand der Analyse auf der Seite http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Cbr zum Vergleich heranzuziehen.

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Dissertation von Claudia Breuer: Europäische Integration und grenzüberschreitende Zusammenarbeit – Konsens oder Konflikt? Das Beispiel EUREGIO

Inauguraldissertation zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Sozialwissenschaft. Gutachter: Prof. Dr. Uwe Andersen, PD Dr. Rainer Bovermann. Tag der mündlichen Prüfung: 13.02.2002. Veröffentlicht: 30.10.2002.
→ Nachweis: Deutsche Nationalbibliothek
→ Nachweis: UB Bochum
Neue Presse, 20.11.2021: "Ex-Vize-Präsidentin der Leibniz-Fachhochschule verliert Doktortitel "

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169 Seiten mit Plagiatstext

Seiten mit weniger als 50% Plagiatstext

26 Seiten: 024 058 059 120 178 057 074 159 111 182 181 038 119 142 112 033 040 039 042 061 072 034 032 036 075 076

Seiten mit 50%-75% Plagiatstext

20 Seiten: 114 026 027 134 121 008 130 063 183 041 116 023 029 160 123 185 180 179 089 099

Seiten mit mehr als 75% Plagiatstext

123 Seiten: 189 011 013 107 015 017 019 020 113 012 132 022 014 025 043 060 064 079 066 068 135 169 054 124 133 056 084 122 108 009 010 052 044 077 109 105 129 078 156 167 126 125 087 143 151 136 158 152 153 154 155 161 188 173 172 016 083 081 080 021 082 127 137 187 186 184 018 174 177 176 175 171 170 128 138 139 140 141 144 157 162 163 164 165 166 168 069 070 071 085 086 065 067 117 118 106 104 103 030 031 053 055 037 088 090 091 092 093 094 095 096 101 102 100 098 097 050 049 051 045 046 047 048

Kapitelübersicht

  • Die Dissertation enthält zahlreiche wörtliche und sinngemäße Textübernahmen, welche nicht als solche kenntlich gemacht sind. Die folgende Übersicht bildet das Inhaltsverzeichnis der Arbeit ab. Bisher (Stand der Analyse: 31. August 2020) als betroffen festgestellte Seiten wurden zu den jeweiligen Synopsen verlinkt und Kapitel, deren Haupttext sich teilweise als vollständig oder nahezu vollständig übernommen erwiesen hat, entsprechend markiert (siehe Klammervermerke):
  • ABBILDUNGS-, DARSTELLUNGS- UND KARTENVERZEICHNIS [4]
  • ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS [5]
  • 1.1 Europäische Integration und Regionalismus – Antagonismus oder zwei Seiten einer Medaille? 13, 14, 15, 16, 17 – [vollständig]
  • 1.2 Politischer Regionalismus im internationalen Kontext 17, 18, 19, 20, 21
  • 1.3 Spezifizierung der Fragestellung und Gliederung der Arbeit 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27
  • 2. BEGRIFF, WESEN UND ENTWICKLUNG VON REGIONALISMUS [27]
  • 2.1 Der theoretisch konzeptionelle Rahmen von Regionalismus 29, 30, 31, 32, 33, 34, 36, 37, 38
  • 2.2 Politisch-institutioneller Kontext: Kompetenzverteilung im dezentralisierten Einheitsstaat und regionalisierten Staat 38
  • 2.2.1 Entscheidungsprozesse im politischen System 39, 40, 41, 42
  • 2.2.2 Territoriale Untergliederung und Kompetenzverteilung 43, 44, 45, 46 – [vollständig]
  • 2.2.3 Kompetenzen regionaler Institutionen 46, 47, 48, 49 – [vollständig]
  • 2.2.4 Spezifika der regionalen politischen Kultur 49, 50, 51, 52 – [vollständig]
  • 2.3 Regionaler Nationalismus im Vergleich 52, 53, 54, 55, 56, 57
  • 2.3.1 Historische Autonomie, nationale Integration und territorial management 58, 59
  • 2.3.2 Regionale Identität 60, 61
  • 2.3.3 Der europäische Bezug in der regionalistischen Argumentation 63 – [vollständig]
  • 2.4 Regionale Interessenvertretung auf europäischer Ebene 63, 64
  • 2.4.1 Europarat 64, 65 – [vollständig (größtenteils wörtlich)]
  • 2.4.1.1 Das Europäische Rahmenübereinkommen über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften 65, 66 – [vollständig]
  • 2.4.1.2 Die Europäische Charta der kommunalen Selbstverwaltung 66, 67, 68 – [vollständig]
  • 2.4.2 Europäische Union und Europäisches Parlament 68, 69, 70, 71, 72 – [nahezu vollständig (wörtlich) (exkl. letzte 3 Sätze)]
  • 2.4.3 Modalitäten zur Umsetzung des INTERREG IIIA-Programms in der EUREGIO 74
  • 2.4.3.1 Das Subsidiaritätsprinzip in der Europäischen Union 75
  • 2.4.3.2 Die Substanz des Subsidiaritätsprinzips 75, 76
  • 2.4.3.3 Konzeptionelle und funktionale Konsequenzen der Anwendung des Subsidiaritätsprinzips auf die EU-Regionalpolitik 77, 78, 79 – [nahezu vollständig (exkl. 3 Sätze)]
  • 2.5 Zwischenfazit: Bedeutungsgewinn der Region? 79, 80 – [vollständig]
  • 2.5.1 Veränderung der Logiken regionalpolitischer Interessenvertretung 80, 81 – [vollständig]
  • 2.5.2 Interessen und Institutionen im spezifischen Kontext 81, 82, 83, 84 – [vollständig]
  • 3. GRENZÜBERSCHREITENDE ZUSAMMENARBEIT IN EUROPA 84, 85 – [nahezu vollständig (exkl. letzter Satz)]
  • 3.1 Entstehung und Entwicklung [86]
  • 3.1.1 Die Anfänge 86, 87 – [nahezu vollständig (exkl. 2 Sätze)]
  • 3.1.2 Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im theoretischen Kontext 87, 88, 89, 90 – [großteils (exkl. 5 Sätze)]
  • 3.1.3 Grenzüberschreitenden [sic] Zusammenarbeit aus dem boundary view 91 – [nahezu vollständig (exkl. erste 1,5 Sätze)]
  • 3.1.4 Grenzüberschreitenden [sic] Zusammenarbeit aus dem border area view 91, 92, 93, 94, 95 – [vollständig]
  • 3.1.5 Grenzüberschreitende Zusammenarbeit aus dem bottom-up regionalism view 95, 96 – [vollständig]
  • 3.1.6 Begriffsbestimmung von ‚Grenze’ und GZA 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102 – [größtenteils]
  • 3.1.7 Von der Region zur Grenzregion 102, 103, 104, 105 – [vollständig]
  • 3.1.8 Von der Grenzregion zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit 105, 106 – [vollständig]
  • 3.1.9 Inhaltliche und strategische Ziele grenzüberschreitender Zusammenarbeit 106, 107 – [vollständig]
  • 3.2 EUREGIO: Historisch-politisches Profil einer Grenzregion 107, 108, 109
  • 3.2.1 Städtische Verknüpfungen [111]
  • 3.2.2 Das Städtedreieck 111, 112, 113, 114
  • 3.3 Die kommunale Arbeitsgemeinschaft EUREGIO [116]
  • 3.3.1 Beginn einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit 116, 117 – [vollständig]
  • 3.3.2 Grenzüberschreitende Organisationsstruktur 117, 118 – [vollständig]
  • 3.3.2.1 Rechtsform und administrative Ebene 118 – [vollständig]
  • 3.3.2.2 Organe 119, 120, 121
  • 3.3.2.3 Finanzierung 122, 123 – [nahezu vollständig (exkl. 1 Satz)]
  • 3.4 Gegenwärtiger Stand der Entwicklung und Ausblick 123, 124
  • 4. UNTERSUCHUNGSANSATZ UND OPERATIONALISIERUNG 125, 126, 127 – [vollständig]
  • 4.1 Untersuchungsdesign [127]
  • 4.1.1 Untersuchungsziele 127, 128, 129 – [nahezu vollständig (exkl. 2 Sätze)]
  • 4.1.2 Datenerhebung 130, 132, 133, 134
  • 4.2 Auswertung 134, 135, 136 – [nahezu vollständig (exkl. 2 Sätze)]
  • 5. ‘EUREGIONALE-POSITIONEN’ ZUR POLITISCHEN DEZENTRALISIERUNG 136, 137 – [vollständig]
  • 5.1 ‘Institutioneller Konservatismus’ als fallübergreifendes Grundmuster 137, 138, 139, 140 – [nahezu vollständig (exkl. 2 Sätze und 2 "[Gespräch]"-Zitate)]
  • 5.2 Qualitative Aspekte der Einflusslogik 140, 141, 142
  • 5.2.1 Regionales strategisch-politisches Netzwerk in der Analyse 142, 143, 144 – [größtenteils (exkl. 1 Satz und 4 "[Gespräch]"-Zitate)]
  • 5.2.2 Institutionalisierte regionale Zusammenarbeit [145]
  • 5.3 Kooperationen und Interaktionsbarrieren der EUREGIO [145]
  • 5.3.1 Katalysatoren für Kooperation [146]
  • 5.3.2 Kooperation durch Institutionalisierung [149]
  • 5.4 Funktionalität: Ist die regionale Ebene besser zur Problembearbeitung geeignet? 151, 152, 153, 154, 155, 156 – [nahezu vollständig (exkl. 1 "[Gespräch]"-Zitat)]
  • 5.4.1 Differenzierte Wahrnehmung des Funktionalitätsarguments 156, 157 – [größtenteils (exkl. 3 "[Gespräch]"-Zitate)]
  • 5.4.2 Die Wirtschaftskraft der EUREGIO als Kriterium der Funktionalität 157, 158, 159
  • 5.5 Regionaler politisch-kultureller Kontext [160]
  • 5.5.1 Bewertung politischer Akteure und ordnungspolitischer Denkmuster 160, 161, 162 – [größtenteils (exkl. 3 Sätze)]
  • 5.5.2 Regionale Identität und Kultur 162, 163
  • 5.6 Regionalisierung im europäischen Kontext 163, 164 – [größtenteils (exkl. 1 Satz und 2 "[Gespräch]"-Zitate)]
  • 5.6.1 Wahrnehmung der EU als Mehrebenensystem und Leitbild „Europa der Regionen“ 164, 165 – [größtenteils (exkl. 2 "[Gespräch]"-Zitate)]
  • 5.6.2 Die Funktionalität regionaler Institutionen in der EU 165, 166, 167 – [größtenteils (exkl. 2 "[Gespräch]"-Zitate)]
  • 5.6.3 Einflusslogiken und Interessenvertretung auf europäischer Ebene 167, 168, 169 – [vollständig]
  • 5.6.4 Die EUREGIO als politische Stärkung der EU? 169, 170 – [nahezu vollständig (exkl. 1 "[Gespräch]"-Zitat)]
  • 5.7 Fazit: Handlungssicherheit: Institutionelle Veränderungen gleich unkal-kulierbare [sic] Konsequenzen? 170, 171, 172, 173, 173 – [vollständig]
  • 6. GRENZÜBERSCHREITENDE UND INTERREGIONALE KONSTRUKTIONSBEDINGUNGEN IN EINEM ‚EUROPA DER REGIONEN’. EINE UNTERSUCHUNG ZUM EUROPÄISCHEN INTEGRATIONS-PROZESS: ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182 – [großteils]
  • 6.1 Zum Verhältnis von Regionalismus und europäischer Integration 182, 183, 184, 185, 186
  • 6.2 Perspektiven sowie weitere Anwendungsbereiche 186, 187, 188 – [nahezu vollständig (exkl. 1 Satz)]
  • LITERATURVERZEICHNIS [190]
  • ANHANG [213].

Herausragende Quellen

  • Lange (1998): Mit 85 Fragmenten auf ebenso vielen Seiten (bzw. 46,7 %) des Haupttextes fällt die 1998 unter dem Titel Zwischen Regionalismus und europäischer Integration. Wirtschaftsinteressen in regionalistischen Konflikten veröffentlichte Mannheimer Dissertation von Niels Lange als Hauptquelle auf. Sie wird in der untersuchten Arbeit nirgends genannt.
    Die Übernahmen daraus erfolgen großteils ganzseitig sowie in hohem Maße wortlautnah bis -identisch, wobei es zu Anpassungen der inhaltlichen Bezüge kommt: Während sich die Quelle mit der Haltung von Unternehmensverbänden zu regionalistischen Bestrebungen anhand der Fälle Schottland, Wales, Katalonien und Galizien beschäftigt, werden die daraus übernommenen Ausführungen dem Thema der untersuchten Dissertation entsprechend kurzerhand auf Deutschland und die Niederlande bzw. die EUREGIO "umgemünzt".

In ähnlicher Weise werden auch die folgenden drei Quellen verwendet:

  • Raich (1995): Auf 25 Textseiten bedient sich die Verfasserin bei dieser Quelle. Große Textblöcke entnimmt sie auf S. 22-26, 64-69 sowie 116-124. Die Quelle wird im Literaturverzeichnis angeführt und in drei Fragmenten benannt (Bauernopfer), allerdings nur peripher (einmal im Rahmen einer Literaturaufzählung, zweimal mit "Vgl."). Nicht erwähnt wird die Quelle in den 22 anderen Fragmenten (Komplettplagiate und Verschleierungen).
  • Schmitt-Egner (1998): Insbesondere die Seiten 87-107 und damit fast das gesamte Kapitel 3.1 werden nahezu geschlossen dieser Quelle entnommen.
  • Student (2000): Aus dieser Quelle stammen 18 gar nicht oder unzulänglich gekennzeichnete Fragmente, darunter ein langer Textblock auf S. 68-72.

Strukturplagiat

  • Neben den Formulierungen übernimmt die Verfasserin auch erhebliche Teile der Struktur ihrer Arbeit von Lange (1998). Nachstehend seien diese Parallelen anhand des Kapitels 5 demonstriert:
Cbr 2002 Lange 1998
5. ‘EUREGIONALE-POSITIONEN’ ZUR POLITISCHEN DEZENTRALISIERUNG 136 4 Positionen zu politischer Dezentralisierung 151
5.1 ‘Institutioneller Konservatismus’ als fallübergreifendes Grundmuster 137 4.1 "Institutioneller Konservatismus" als fallübergreifendes Grundmuster 152
5.2 Qualitative Aspekte der Einflusslogik 140 4.2 Qualitative Aspekte der Einflußlogik 154
5.2.1 Regionales strategisch-politisches Netzwerk in der Analyse 142 4.2.1 Exkurs: Leitbild "regionales Netzwerk" (UK) 156
5.2.2 Institutionalisierte regionale Zusammenarbeit 145
5.3 Kooperationen und Interaktionsbarrieren der EUREGIO 145
5.3.1 Katalysatoren für Kooperation 146
5.3.2 Kooperation durch Institutionalisierung 149
5.4 Funktionalität: Ist die regionale Ebene besser zur Problembearbeitung geeignet? 151 4.3 Funktionalität: "Mehr Staat" gleich "mehr Regionalisierung"? 158
5.4.1 Differenzierte Wahrnehmung des Funktionalitätsarguments 156 4.4 Differenzierte Wahrnehmung des "Funktionalitätsarguments" 164
4.4.1 Akteursspezifische und territoriale Interessen 165
5.4.2 Die Wirtschaftskraft der EUREGIO als Kriterium der Funktionalität 157 4.4.2 Die Wirtschaftskraft der Region als Kriterium der Funktionalität 167
5.5 Regionaler politisch-kultureller Kontext 160 4.5 Regionaler politisch-kultureller Kontext 168
5.5.1 Bewertung politischer Akteure und ordnungspolitischer Denkmuster 160 4.5.1 Bewertung politischer Akteure und ordnungspolitische Denkmuster 168
4.5.2 Perzeption des regionalen Nationalismus 171
5.5.2 Regionale Identität und Kultur 162 4.5.3 Regionale Identität und Kultur 174
5.6 Regionalisierung im europäischen Kontext 163 4.6 Regionalisierung im europäischen Kontext 175
5.6.1 Wahrnehmung der EU als Mehrebenensystem und Leitbild „Europa der Regionen“ 164 4.6.1 Perzeption der EU als Mehrebenensystem und Leitbild "Europa der Regionen" 176
5.6.2 Die Funktionalität regionaler Institutionen in der EU 165 4.6.2 Die Funktionalität regionaler Institutionen in der EU 179
5.6.3 Einflusslogiken und Interessenvertretung auf europäischer Ebene 167 4.6.3 Einflußlogik und Interessenvertretung auf europäischer Ebene 180
5.6.4 Die EUREGIO als politische Stärkung der EU? 169 4.6.4 Die EU als "externes Unterstützungssystem"? 182
5.7 Fazit: Handlungssicherheit: Institutionelle Veränderungen gleich unkalkulierbare Konsequenzen? 170 4.7 Fazit: Institutionelle Arrangements und Handlungssicherheit als Filter des "Funktionalitätsarguments" 184

Erfundene Interviews?

  • Die untersuchte Dissertation enthält zahlreiche wörtliche Zitate sowie weitere Aussagen, die von Gesprächspartnern stammen sollen. Allerdings lassen Textvergleiche die Integrität auch dieser Passagen fragwürdig erscheinen, da sich hier ebenfalls teilweise Parallelen mit der Hauptübernahmequelle Lange (1998) (s.u.) finden.
  • Die S. 223-226 enthalten eine "Liste der Interviewpartner" sowie die Angabe, dass "insgesamt 44 Intensiv-Interviews geführt" wurden und dies "im Wesentlichen im zweiten Halbjahr 2000" geschah.
  • Zu den Gesprächspartnern äußert sich die Verfasserin auf S. 129 f. und führt auf S. 133 f. aus:
    "Um zu verhindern, dass die Gesprächspartner aus Angst vor ‚diplomatischen Verwicklungen’ auf bestimmte Aussagen verzichten, wurden den Gesprächspartnern vor dem Interview zudem Anonymität zugesichert. Aus diesem Grund sind alle aus den Gesprächen stammenden Hinweise und Zitate lediglich als ‚Gespräch’ nachgewiesen."
  • Insgesamt findet sich in der Arbeit die Referenz "[Gespräch]" 81-mal (sowohl für als wörtlich gekennzeichnete Zitate wie weitere Aussagen), eine Variante mit Fußnotennachweis kommt einmal vor (S. 138). Von "Gesprächspartner[n]" ist 45-mal, von "Gesprächsteilnehmer[n]" 16-mal und von "Gespräche[n]" 19-mal die Rede.
  • Bei den Inhalten zu 15 "[Gespräch]"-Referenzen auf insg. 8 Seiten finden sich - teilweise selbst für als wörtlich gekennzeichnete Aussagen - Parallelen mit Anpassungen bis zu vollständigen Übereinstimmungen:
  • Cbr: "Die EUREGIO sei ein „großer Vorteil gegenüber anderen regionalen Institutionen“.411
    ----
    411 Zitat aus einem Gespräch."
    [...]
    "Daher wird auf deutscher sowie auf niederländischer Seiten betont, dass jede Veränderung des Status quo langsam vonstatten gehen müsse [Gespräch]. Man brauche einen langsamen Übergangsprozess, „um das Vertrauen zu sichern“ [Gespräch]."
  • Lange 1998: "Das Scottish Office, so beispielsweise der Direktor von CBI Scotland, sei ein "großer Vorteil gegenüber englischen Regionen" (S-1). [...]
    Daher wird von allen Seiten betont, daß jede Veränderung des Status quo langsam vonstatten gehen müsse. Man brauche einen langsamen Übergangsprozeß, "um das Vertrauen zu sichern" (S-7)."
  • Cbr: "Die Problemlösungen kämen heute von der regionalen Ebene und nicht mehr aus dem fernen Berlin, Den Haag oder gar Brüssel [Gespräch]. [...]
    „Wenn man nicht nach Berlin muss, um so besser“ [Gespräch]. Neben der räumlichen und politischen Nähe „zur Chefetage“ [Gespräch] macht sich besonders im deutschen Teil der EUREGIO das negative Image der zentralstaatlichen Bürokratie bemerkbar. [...]
    Was man hat, will man behalten: „Never change a winning team“ [Gespräch]; [...]"
  • Lange 1998: "Die Problemlösungen kämen heute aus Barcelona, nicht mehr aus dem fernen Madrid (C-4). [...]
    "Wenn man nicht nach Madrid muß, um so besser" (C-5). Neben der räumlichen und politischen Nähe der Generalität macht sich besonders in Katalonien das negative Image der zentralstaatlichen Bürokratie bemerkbar. [...]
    Was man hat, will man behalten: "Never change a winning team" (S-12); [...]"
  • Cbr: "Der Staat und vor allem die europäische Ebene habe in zu vielen Bereichen Zuständigkeiten behalten, was ineffizient sei und zu viel koste, Reibungsverluste und Doppelarbeit mit sich bringe und den Entscheidungsprozess verlangsame [Gespräch]."
  • Lange 1998: "Der Zentralstaat habe in zu vielen Bereichen Zuständigkeiten behalten, was ineffizient sei und zu viel koste, Reibungsverluste mit sich bringe und den Entscheidungsprozeß verlangsame."
  • Cbr: "Auf den ersten flüchtigen Blick spricht die Überschneidung der Standpunkte dafür: Die Dezentralisierungsgegner in den Niederlanden betonen diese Auffassung [Gespräch]."
  • Lange 1998: "Auf den ersten Blick spricht die Überschneidung der Positionen dafür: Die Devolutionsgegner in Großbritannien betonen überwiegend ihre Ablehnung der Labour Party, die in Schottland und Wales über eine deutliche Mehrheit verfügt."
  • Cbr: "Gleichzeitig beklagen Akteure das allgemeine Desinteresse der Mitgliedschaft an politischen Themen und sogar die EUREGIO-Arbeit: „Es kann passieren, dass man einen Fragebogen an alle Mitgliedskörperschaften schickt und keinen einzigen zurückbekommt. Wir wollten eine Studie über den Sektor machen, haben aber keine Antwort bekommen [...]“ [Gespräch]."
  • Lange 1998: "Gleichzeitig beklagen die Verbandsvertreter das allgemeine Desinteresse der Mitgliedschaft an politischen Themen und sogar der Verbandsarbeit: "Es kann passieren, daß man einen Fragebogen an alle Mitgliedsfirmen schickt und keinen einzigen zurückbekommt. Wir wollten eine Studie über den Sektor machen, haben aber keine Antworten bekommen..." (G-4)."
  • Cbr: "Auch die Kollegen in Deutschland betonen, dass bei aller Sympathie für den ‚Regionalismus’ die Mitglieder doch in erster Linie regionale Akteure seien [Gespräch] [...]
    Die Interessen von für die regionale Politik und Wirtschaft wichtigen Sektoren seien hier zugunsten anderer geopfert worden [Gespräch]. [...]
    Unabhängig von der Situation der eigenen Institution sind alle Gesprächspartner der Auffassung, die EUREGIO habe vom Integrationsprozess profitiert und sei „als Region in Europa“ [Gespräch] wettbewerbsfähig."
  • Lange 1998: "Auch die Kollegen in Katalonien betonen, daß bei aller Sympathie für den "Katalanismus" die Mitglieder doch in erster Linie Unternehmer seien. [...]
    Die Interessen von für die regionale Wirtschaft wichtigen Sektoren seien hier zugunsten anderer geopfert worden. [...]
    Unabhängig von der Situation der eigenen Branche sind alle der Auffassung, Katalonien habe vom Integrationsprozeß profitiert und sei in Europa wettbewerbsfähig."
  • Cbr: "Außerdem verhindere die problematische Haltung der Bundesregierung die Ansiedlung europäischer Institutionen im eigenen Land [Gespräch]."
  • Lange 1998: "Außerdem verhindere die problematische Haltung der Regierung die Ansiedlung europäischer Institutionen im eigenen Land (S-5)."
  • Cbr: "Auf der anderen Seite wird aus dem europäischen Integrationsprozess eine Notwendigkeit verbesserter regionaler Interessenvertretung abgeleitet, die auch einer Stärkung der EUREGIO bedürfe [Gespräch]."
  • Lange 1998: "Zum anderen wird aus dem europäischen Integrationsprozeß eine Notwendigkeit verbesserter regionaler Interessenvertretung abgeleitet, die auch einer Stärkung regionaler Institutionen bedürfe."

Fragwürdige Prozentangaben

  • Im Kapitel 5 gibt die Verfasserin zahlreiche Prozentwerte (teilweise mit einer Nachkommastelle) an, die die Zustimmung oder Ablehnung bestimmter Sachaussagen und -positionen seitens ihrer Gesprächspartner quantifizieren sollen. In der "Liste der Interviewpartner" (S. 223-226) führt sie 44 Gesprächsteilnehmer auf, von denen (den Namen, Orts- und Funktionsangaben nach) 37 Deutsche und 7 Niederländer sind.
  • Sofern es sich hierbei um die Gesamtheit der Gesprächspartner handelt und sich die Prozentangaben darauf beziehen, erscheinen etliche willkürlich gewählt bzw. rechnerisch nicht stimmig. Hierzu einige Beispiele (bei denen am Ende in Klammern jeweils Prozentwerte ergänzt wurden, die bei einer Rundung eher zu erwarten wären, da näher an "glatten" Personenzahlen liegend):
  • Seite 136:
  • "[78% der Gesprächsteilnehmer]" – 78 % von 44 = 34,3 Personen (bei 77,5 % wären es 34,1)
  • "[88% der niederländischen Gesprächsteilnehmer]" – 88 % von 7 = 6,16 Personen (bei 87 % wären es 6,06)
  • Seite 138:
  • "[53,5% der Interviewpartner [...] ]" – 53,5 % von 44 = 23,54 Personen (bei 52,5 % wären es 23,1)
  • "[nur 2% der niederländischen Gesprächspartner]" – 2 % von 7 = 0,14 Personen (um auf eine Person zu kommen, hätten es 14,3 % sein müssen)
  • Seite 139:
  • "[ [...] stimmen die niederländischen Interviewpartner aus ihrer Perspektive zu; 54%]" – 54 % von 7 = 3,78 Personen (bei 56,5 % wären es 3,95)
  • "[9,5% der deutschen Gesprächsteilnehmer]" – 9,5 % von 37 = 3,51 Personen
  • Seite 157:
  • "[79,5% der niederländischen Interviewpartner]" – 79,5 % von 7 = 5,56 Personen (bei 85,5% wären es 5,98)
  • Seite 170:
  • "[immerhin 6% aller Gesprächsteilnehmer]" – 6 % von 44 = 2,64 Personen (7 % wären 3,08).

Andere Beobachtungen

  • Das Literaturverzeichnis (S. 190-212) enthält 576 Einträge. Die Analyse der Dissertation zeigt indes, dass diese größtenteils aus lediglich 4 Quellen (siehe "Herausragende Quellen") kompiliert wurde (154 von 207 Plagiatsfragmenten); auf die anderen festgestellten und dokumentierten Quellen entfallen jeweils nur wenige Fragmente.
  • 12 der 30 bisher festgestellten Übernahmequellen werden in der Arbeit nirgends genannt.
  • Im Lebenslauf (S. 231) finden sich zur Entstehungszeit der Arbeit die Angaben:
  • "seit März 1999  Bearbeitung der Dissertation"
  • "Dezember 2001  Abgabe der Dissertation"'.
  • Auf Seite 232 der untersuchten Arbeit findet sich folgender Text:
    "Ich versichere, daß ich die eingereichte Dissertation ohne fremde Hilfe verfaßt und andere als die in ihr angegebene Literatur nicht benutzt habe und daß alle ganz oder annähernd übernommenen Textstellen sowie verwendetet [sic] Grafiken, Tabellen und Auswertungsprogramme kenntlich gemacht sind; außerdem versichere ich, daß die Abhandlung in dieser oder ähnlicher Form noch nicht anderweitig als Promotionsleistung vorgelegt und bewertet wurde."
  • Hinweis: Die Verfasserin verwendet vorzugsweise eckige Klammern - "[" 926-mal, "]" 924-mal; ferner 6 "(" und 17 ")" runde Klammern. Eckige Klammern markieren im VroniPlag Wiki auch ausgelassenene bzw. dokumentierte, aber nicht mitgezählte Textteile, zudem Sätze, die durch den Seitenumbruch unterbrochen werden sowie "[sic]"-Vermerke. Das kann die Lektüre der Dokumentation erschweren..

Statistik

  • Es sind bislang 217 gesichtete Fragmente dokumentiert, die als Plagiat eingestuft wurden. Bei 200 von diesen handelt es sich um Übernahmen ohne Verweis auf die Quelle („Verschleierungen“ oder „Komplettplagiate“). Bei 17 Fragmenten ist die Quelle zwar angegeben, die Übernahme jedoch nicht ausreichend gekennzeichnet („Bauernopfer“).
  • Die untersuchte Arbeit hat 182 Seiten im Hauptteil. Auf 169 dieser Seiten wurden bislang Plagiate dokumentiert, was einem Anteil von 92.9 % entspricht.
    Die 182 Seiten lassen sich bezüglich des Textanteils, der als Plagiat eingestuft ist, wie folgt einordnen:
Plagiatsanteil Anzahl Seiten
keine Plagiate dokumentiert 13
0 % - 50 % Plagiatsanteil 26
50 % - 75 % Plagiatsanteil 20
75 % - 100 % Plagiatsanteil 123
Ausgehend von dieser Aufstellung lässt sich abschätzen, wieviel Text der untersuchten Arbeit gegenwärtig als plagiiert dokumentiert ist: Es sind, konservativ geschätzt, rund 70 % des Textes im Hauptteil der Arbeit.
  • In der Dokumentation werden technisch bedingt auch die Quellen
als Plagiatsquellen mitgezählt, obwohl aus diesen nur Fragmente der Kategorie „Keine Wertung“ vorhanden sind. Insgesamt gibt es somit statt 31 lediglich 29 Quellen, aus denen als Plagiat gesichtete Fragmente vorliegen.

Illustration

Folgende Grafik illustriert das Ausmaß und die Verteilung der dokumentierten Fundstellen. Die Farben bezeichnen den diagnostizierten Plagiatstyp:
(grau=Komplettplagiat, rot=Verschleierung, gelb=Bauernopfer)

Cbr col.png

Die Nichtlesbarkeit des Textes ist aus urheberrechtlichen Gründen beabsichtigt.

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Anmerkung: Die Grafik repräsentiert den Analysestand vom 9. April 2020.

Cbr col Lange 1998.png

violett = ungekennzeichnete Übernahmen aus der Hauptquelle Lange (1998); siehe dazu weiter oben bei "Herausragende Quellen".

Definition von Plagiatkategorien

Die hier verwendeten Plagiatkategorien basieren auf den Ausarbeitungen von Weber-Wulff / Wohnsdorf (2006): Strategien der Plagiatsbekämpfung. Eine vollständige Beschreibung der Kategorien findet sich im VroniPlag-Wiki. Die Plagiatkategorien sind im Einzelnen:

Übersetzungsplagiat

Ein Übersetzungsplagiat entsteht durch wörtliche Übersetzung aus einem fremdsprachlichen Text. Natürlich lässt hier die Qualität der Übersetzung einen mehr oder weniger großen Interpretationsspielraum. Fremdsprachen lassen sich zudem höchst selten mit mathematischer Präzision übersetzen, so dass jede Übersetzung eine eigene Interpretation darstellt. Zur Abgrenzung zwischen Paraphrase und Kopie bei Übersetzungen gibt es ein Diskussionsforum.

Komplettplagiat

Text, der wörtlich aus einer Quelle ohne Quellenangabe übernommen wurde.

Verschleierung

Text, der erkennbar aus fremder Quelle stammt, jedoch umformuliert und weder als Paraphrase noch als Zitat gekennzeichnet wurde.

Bauernopfer

Text, dessen Quelle ausgewiesen ist, der jedoch ohne Kenntlichmachung einer wörtlichen oder sinngemäßen Übernahme kopiert wurde.

Quellen nach Fragmentart

Die folgende Tabelle schlüsselt alle gesichteten Fragmente zeilenweise nach Quellen und spaltenweise nach Plagiatskategorien auf.

Nr. Quelle ÜP KP VS BO KW Frag Dubl
1. Lange 1998     85     85  
2. Fischer 1998     3     3  
3. Kreft-Kettermann 1998     2     2  
4. Boden 1994     1     1  
5. Raich 1995   2 20 3 1 26 1
6. Schröder 2001     3     3  
7. Siedschlag 1997     2   1 3  
8. Meuser Nagel 1991     1 2   3  
9. Lepzsy 1999     1     1  
10. Nölke 2000     2     2  
11. Deiters 1998     1     1  
12. Dekker Aspeslagh 1999     6     6  
13. Schmitt-Egner 1998     16 9   25  
14. Brunn Schmitt-Egner 1998     2     2  
15. Diekmann 1998   1 2     3  
16. Student 2000   8 10     18  
17. te Velde 1999     4     4  
18. Calliess 1996     2 1   3  
19. Beck 1997     1     1  
20. Jouve Négrier 1998     2     2  
21. Erbe 1994     1     1  
22. Axelrod 1988         1 1  
23. Calliess 1994     1     1  
24. Calliess 1997     1     1  
25. Masala 1999     3     3  
26. Battisti 1987     1 1   2  
27. Schulz 1998     1     1  
28. Weidenfeld 1999     4     4  
29. Kleinfeld 2000         1 1 1
30. Sundhaussen 1993     1     1  
31. Kleinfeld 1997     10 1   11  

Fragmentübersicht

217 gesichtete, geschützte Fragmente

FragmentSeiteArbeitZeileArbeitQuelleSeiteQuelleZeileQuelleTypus
Cbr/Fragment 008 0282-3, 10-17, 29-30Weidenfeld 199922, 23, 2422: 24 f.; 23: 34 ff.; 24: 3 f., 15 f.Verschleierung
Cbr/Fragment 008 0383-10Schröder 200171. Sp., Z. 3 ff., Z. 23 ff., Z. 54 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 008 17817-25Sundhaussen 19932030 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 009 0191-3, 9-12, 18-28, 32-37Schröder 200171. Sp. vorletzter Absatz; 2. Sp. letzter Absatz; 3. Sp. zweiter AbsatzVerschleierung
Cbr/Fragment 009 0393-9, 12-17, 28-32Weidenfeld 199924, 25, 2624: 24 ff.; 25: 6 ff., 41 ff.; 26: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 010 01101-13, 16-19, 21-29Schröder 200173. Sp., drittletzter Absatz ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 010 291029-33Weidenfeld 19994112 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 011 07117-18Siedschlag 1997192 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 011 10511105-108Lange 19982513 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 011 191119-32Student 2000206 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 012 01121-3, 8-10Raich 1995207 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 012 03123-8Student 20001613 ff.KomplettPlagiat
Cbr/Fragment 012 111211-16, 22-39Lange 19987, 27, 70, 71, 747: 5 ff.; 27: 38 ff; 70: letzter Absatz; 71: 1; 74: 6 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 013 01131-2, 4-8Lange 199815, 28, 7415: 2 f.; 28: 1 ff.; 74: 15 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 013 09139-29Beck 1997153 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 013 291329-32Jouve Négrier 1998332 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 014 01141-3Jouve Négrier 1998336 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 014 04144 ff. (bis Seitenende), 111-112Lange 199815, 16, 1715: 4 ff., 16: 4-12, 17 ff., 17: 1Verschleierung
Cbr/Fragment 015 01151-24Lange 199816, 1716: 37 ff. 17: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 016 01161 ff. (komplett)Lange 199817, 1817: 24 ff.; 18: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 017 01171 ff. (komplett)Lange 199818, 1918: 13 ff.; 19: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 018 01181 ff. (komplett)Lange 199819, 2019: 8 ff.; 20: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 019 01191 ff. (komplett)Lange 1998201 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 020 01201 ff. (komplett)Lange 199820, 2120: letzter Absatz; 21: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 021 01211-25, 28-31Lange 199821, 22, 2521: 26 ff.; 22: 1 ff.; 25: 8 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 022 01221-5, 6-8Student 200015, 1615: letzte Textzeile; 16: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 022 08228-27, 35-37Raich 199518, 1918: 21 ff.; 19: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 023 01231-6, 14-22Raich 199519, 2019: 13 ff., 21 ff.; 20: 1 ff., 16 ff.BauernOpfer
Cbr/Fragment 023 10423104-108Student 2000179 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 024 02242-10Raich 19952019 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 024 322432-39Lange 1998719 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 025 01251-4, 7-21Lange 199820, 2620: 35 ff.; 26: 5 ff., 24 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 025 212521-24, 27-35Raich 1995211 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 026 01261-11, 23-27Raich 19952110 ff. und letzter AbsatzVerschleierung
Cbr/Fragment 026 112611-17, 27-28, 32-39Lange 199826, 2726: letzter Absatz; 27: 14 ff., 19 ff., 27 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 027 02272-18, 25-29Lange 199827, 28, 75, 76, 77, 7827: 11 ff.; 28: 1 ff.; 75: 9 ff.; 76: 31 ff., 42; 77: 1; 78: 19 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 029 04294-9, 11-22Siedschlag 1997160, 161, 171160: letzte drei Zeilen; 161: 1 ff.; 171: 9 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 030 01301-10, 11-24Masala 1999901, 902901: 23 ff.; 902: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 031 01311 ff. (komplett)Masala 1999902, 903902: 16 ff.; 903: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 032 01321-5Masala 1999903, 904903: 22 ff.; 904: 1Verschleierung
Cbr/Fragment 033 223322-28Erbe 1994361. TextabsatzVerschleierung
Cbr/Fragment 034 05345-9Schulz 199814517 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 036 233623-33, 105-110Schmitt-Egner 199850, 5150: vorletzter Absatz; 51: 2 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 037 01371 ff. (komplett)Schmitt-Egner 199851, 5251: 2 ff.; 52: 1 ff.BauernOpfer
Cbr/Fragment 038 01381-5Schmitt-Egner 19985212 ff.BauernOpfer
Cbr/Fragment 038 113811-13, 23Lange 199880letzter AbsatzVerschleierung
Cbr/Fragment 039 243924-36Student 20001114 ff., 14 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 040 324032-36Student 200011121 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 041 01411-11, 22-32Student 2000111, 112, 113, 114111: letzte Zeilen; 112: 1 ff.; 113: letzter Absatz; 114: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 041 324132-34Kleinfeld 19973148 ff., 17 f.Verschleierung
Cbr/Fragment 042 01421-4Student 20001159 ff.KomplettPlagiat
Cbr/Fragment 043 104310-14Lange 19988220 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 043 10143101-124Raich 1995158, 160, 161158: 18 ff.; 160: 20 ff.; 161: 1 f.BauernOpfer
Cbr/Fragment 043 144314-23Kleinfeld 1997314letzter AbsatzVerschleierung
Cbr/Fragment 044 01441-8, 19-28Kleinfeld 1997314, 315, 323314: 42 ff.; 315: 1 f.; 323: 4 ff.BauernOpfer
Cbr/Fragment 044 09449-18Lepzsy 1999358, 359358: 15 ff.; 359: 8 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 044 10144101-116Student 20001168 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 045 01451 ff. (komplett)Kleinfeld 1997323, 327, 328, 329323: 12 ff., 20 ff.; 327: letzter Absatz; 328: 1 ff.; 329: 3 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 046 01461 ff. (komplett)Kleinfeld 1997315, 316, 329329: 13 ff.; 315: letzter Absatz; 316: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 047 01471 ff. (komplett)Kleinfeld 1997316, 329, 330316: 14 ff.; 329: letzter Absatz; 330: 1 ff., 14 ff., 24 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 048 01481 ff. (komplett)Kleinfeld 1997316, 317, 326, 327, 330316: letzter Absatz; 317: 1 ff.; 326: letzter Absatz; 327: 1 ff.; 330: 26 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 049 01491 ff. (komplett)Kleinfeld 1997317, 318, 320, 321317: 21 ff.; 318: 5 ff., 16 ff., 25 ff., 39 ff.; 320: 29 ff., 36 ff.; 321: 1Verschleierung
Cbr/Fragment 050 01501 ff. (komplett)Kleinfeld 1997320, 321, 328320: 32 ff., 48 ff.; 321: 1 ff.; 328: 10 ff., 15 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 051 01511 ff. (komplett)Kleinfeld 1997328, 330, 331328: 32 ff.; 330: 39 ff.; 331: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 052 01521-26Kleinfeld 1997331, 332331: 20 ff.; 332: 10 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 052 10152101-106, 110-111Dekker Aspeslagh 199926, 2726: 15 ff.; 27: 1Verschleierung
Cbr/Fragment 053 02532-28te Velde 1999304, 305, 308304: 12 ff.; 305: 2 ff.; 308: 5 ff., 20 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 054 01541-22, 24-26te Velde 1999308, 309, 311308: letzte 2 Zeilen; 309: 1, 6 f., 13 ff.; 311: 5 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 054 10754107-116Dekker Aspeslagh 199917, 1917: 17 ff.; 19: 3 f.Verschleierung
Cbr/Fragment 055 07557-35te Velde 1999311, 312, 315311: 25 ff.; 312: 10 ff.; 315: 8 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 056 01561-5, 6-26te Velde 1999315, 316, 317315: 22 ff.; 316: 1 ff.; 317: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 056 275627-35Dekker Aspeslagh 199915, 1615: 20 ff.; letzte 2 Zeilen, 16: 1 ff., letzter AbsatzVerschleierung
Cbr/Fragment 057 01571-6, 101-103Dekker Aspeslagh 199916, 1716: letzter Absatz, 17: 1, 101 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 058 195819-23Boden 19941492 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 059 325932-34Lange 1998122, 123122: letzte Zeile; 123: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 060 01601, 36-37Lange 19981234 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 060 02602-35Weidenfeld 199920, 21, 2220: letzter Absatz; 21: 5 ff.; 22: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 061 01611-13, 16-17Lange 19981237 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 063 01631-24Lange 1998104, 143, 144, 145104: 5 ff.; 143: 1 ff.; 144: 27 ff.; 145: letzter AbsatzVerschleierung
Cbr/Fragment 063 10163101-102Dekker Aspeslagh 19999letzter AbsatzVerschleierung
Cbr/Fragment 064 01641-11Lange 1998104, 105104: 17 f., 20 ff.; 105: 11 f., 26 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 064 146414-19Raich 1995315 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 065 01651 ff. (komplett)Raich 199531, 32, 3331: 21 ff.; 32: 1 ff.; 33: 1 ff.KomplettPlagiat
Cbr/Fragment 066 01661-2, 23-33Raich 199533, 34, 3733: 13 ff.; 34: 4 ff.; 37: 4 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 066 02662-26Student 200091, 9291: 7 ff.; 92: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 067 01671 ff. (komplett)Raich 199537, 38, 39, 4037: 16 ff.; 38: 1 ff.; 39: 16 ff.; 40: 11 ff.KomplettPlagiat
Cbr/Fragment 068 01681-20Raich 199540, 4140, 18 ff.; 41: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 068 226822-35Student 20009312 ff.KomplettPlagiat
Cbr/Fragment 069 01691 ff. (komplett)Student 200093, 9493: letzter Absatz; 94: 1 ff.KomplettPlagiat
Cbr/Fragment 070 01701 ff. (komplett)Student 200094, 9594: 21 ff.; 95: 1 ff.KomplettPlagiat
Cbr/Fragment 071 01711 ff. (komplett)Student 200095, 9695: 19 ff.; 96: 1 ff.KomplettPlagiat
Cbr/Fragment 072 01721-6Student 20009621 ff.KomplettPlagiat
Cbr/Fragment 074 107410-13Student 200096, 9796: letzter Absatz; 97: 1KomplettPlagiat
Cbr/Fragment 074 137413-20Raich 19955911 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 075 197519-30Battisti 1987205, 209205: letzter Absatz; 209: 14 ff.BauernOpfer
Cbr/Fragment 076 01761-13Battisti 19872104 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 077 03773-8Calliess 1997891li. Sp., letzter AbsatzVerschleierung
Cbr/Fragment 077 117711-32Calliess 1996523, 524523: 6 ff.; 524: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 078 01781-5, 12-20, 23-34Calliess 1996524, 525, 542524: 2 ff., 21 ff.; 525: 1 ff.; 542: 14 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 078 05785-12Calliess 199417710 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 079 01791-12Calliess 199654218 ff.BauernOpfer
Cbr/Fragment 079 137913 ff. (bis Seitenende)Lange 19986512 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 080 01801 ff. (komplett)Lange 199866, 6766: 1 ff.; 67: 1 ff.; 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 081 01811 ff. (komplett)Lange 199867, 6867: 13 ff.; 68: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 082 01821 ff. (komplett)Lange 199868, 6968: 10 ff.; 69: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 083 01831 ff. (komplett)Lange 199869, 7069: 8 ff.; 70: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 084 01841-34Lange 199870, 7170: 5 ff.; 71: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 085 01851-28Student 200077, 8077: 13 ff.; 80: 6 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 086 01861-2, 4-27, 29-32Brunn Schmitt-Egner 19988, 9, 108: 23 ff.; 9: 1 ff.; 10: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 087 01871-28Brunn Schmitt-Egner 19989, 10, 11, 20, 219: letzte 2 Zeilen; 10: 1 ff.; 11: 8 f.; 20: letzter Absatz; 21: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 087 288728-33Schmitt-Egner 1998271. TextabsatzVerschleierung
Cbr/Fragment 088 01881 ff. (komplett)Schmitt-Egner 199827, 2827: 9 ff.; 28: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 089 01891-5, 17-25, 101-108, 114-117, 120-123Schmitt-Egner 199828, 29, 3028: 26 ff.; 29: 1 ff.; 30: 3 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 090 01901 ff. (komplett)Schmitt-Egner 199830, 3130: 8 ff.; 31: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 091 05915-35Schmitt-Egner 199831, 3231: 15 ff.; 32: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 092 01921 ff. (komplett)Schmitt-Egner 199832, 3332: 18 ff.; 33: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 093 01931 ff. (komplett)Schmitt-Egner 199833, 3433: 21 ff.; 34: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 094 01941 ff. (komplett)Schmitt-Egner 199834, 35, 3634: letzter Absatz; 35: 1 ff.; 36: 1Verschleierung
Cbr/Fragment 095 01951 ff. (komplett)Schmitt-Egner 199836, 3736: 1 ff.; 37: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 096 01961-30, 33-34Schmitt-Egner 199837, 3837: 7 ff.; 38: 3 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 097 01971-4, 7-34Schmitt-Egner 199838, 39, 4038: 30 ff.; 39: 1 ff.; 40: 8 ff.BauernOpfer
Cbr/Fragment 098 03983-6, 8-17, 19-23, 25-33Schmitt-Egner 199842, 43, 4542: letzter Absatz; 43: 3 ff.; 44: 16 ff.; 45: 1 ff.BauernOpfer
Cbr/Fragment 099 1199Abb. 4, 11-23Schmitt-Egner 199844, 52, 5444: 24 ff.; 52: 23 ff.; 54: 1 ff.BauernOpfer
Cbr/Fragment 100 011001 ff. (komplett)Schmitt-Egner 199854, 5554: 2 ff.; 55: 1 ff.BauernOpfer
Cbr/Fragment 101 011011 ff. (komplett)Schmitt-Egner 199855, 56, 5755: 16 ff.; 56: 1 ff.; 57: 1 f., 6 ff.BauernOpfer
Cbr/Fragment 102 011021 ff. (komplett)Schmitt-Egner 199857, 5857: 3 ff.; 58: 1 ff.;BauernOpfer
Cbr/Fragment 103 011031 ff. (komplett)Schmitt-Egner 199858, 59, 6058: 24 ff.; 59: 22 ff.; 60: 3 ff.BauernOpfer
Cbr/Fragment 104 011041 ff. (komplett)Schmitt-Egner 199860, 6160: 11 ff.; 61: 12 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 105 011051 ff. (komplett)Schmitt-Egner 199861, 63, 6461: 35 ff.; 63: 1 ff.; 64: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 105 104105104-110Student 2000745 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 106 011061 ff. (komplett)Schmitt-Egner 199863, 64, 67, 68, 7663: letzte Zeile; 64: 1 ff.; 67: letzter Absatz; 68: 1 ff.; 76: 13 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 107 011071-4Schmitt-Egner 19987622 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 107 051075-14, 17-22, 109-113Raich 19951381 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 108 011081 ff. (bis Seitenende)Raich 1995138, 139138: 19 ff.; 139: 6 ff., 15 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 109 011091-24Raich 1995139, 140139: 15 ff., 24 ff.; 140: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 111 2611126-31Fischer 1998122r.Sp., 30 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 112 2111221-24, 29-33Fischer 1998122, 123122: r.Sp.: 39 ff.; 123: l.Sp.: 10 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 112 2411224-28, 108-110Deiters 199811li.Sp.: letzte vier Zeilen; re.Sp.: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 113 011131-7, 22-39Kreft-Kettermann 199863, 6563: linke Sp., 2. Absatz; 65: linke Sp., 1. und 3. AbsatzVerschleierung
Cbr/Fragment 113 071137-16Fischer 1998123l.Sp., letzter AbsatzVerschleierung
Cbr/Fragment 114 011141-10Kreft-Kettermann 199865l.Sp., 45 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 116 1511615 ff. (bis Seitenende)Raich 1995141, 142141: 8 ff.; 142: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 117 011171 ff. (komplett)Raich 1995142, 143142: 5 ff.; 143: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 118 011181-33Raich 1995143, 144, 145143: 19 ff.; 144: 2 ff.; 145: 1Verschleierung
Cbr/Fragment 119 031193-10Raich 19951453 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 120 3012030-37Raich 1995149, 150149: 25 ff.; 150: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 121 011211-11, 107-117Raich 1995150, 151150: 4 ff.; 151: 10 f.Verschleierung
Cbr/Fragment 122 011221-5, 7-13Raich 199515113 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 123 011231-7, 9-14, 25-28, 30-31, 104-107, 112Raich 1995151, 152, 161151: 27 ff.; 152: 1 ff.; 161: 4 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 124 011241-11, 14-24, 101-102Raich 1995161, 162161: 21 ff.; 162: 1 ff., 23 ff.BauernOpfer
Cbr/Fragment 124 2812428-35Schmitt-Egner 1998779 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 125 011251 ff. (komplett)Lange 1998716 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 126 011261 ff. (komplett)Lange 199872, 7372: 1 ff.; 73: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 127 011271 ff. (komplett)Lange 199873, 7473: 9 ff.; 74: 2 ff.;Verschleierung
Cbr/Fragment 128 011281-33Lange 199874, 7574: 16 ff.; 75: 9 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 129 021292-9, 10 ff. (bis Seitenende)Lange 199875, 8675: letzte 2 Zeilen; 76: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 129 109129109-110Diekmann 199837518 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 130 021302-6, 8-13Dekker Aspeslagh 1999538 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 130 1313013-23Diekmann 1998376, 377376: letzte 2 Zeilen; 377: 1 ff., 35 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 132 071327-11, 24 ff. (bis Seitenende)Lange 199876, 7776: 31 ff.; 77: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 132 1113211-23Meuser Nagel 1991451, 452, 453451: letzter Absatz; 452: 3 ff.; 453: 8 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 133 011331-38Lange 199877, 7877: 10 ff.; 78: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 134 091349-13Diekmann 1998374vorletzter AbsatzKomplettPlagiat
Cbr/Fragment 134 1313413-22Lange 19987819 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 134 2213422 ff. (bis Seitenende)Meuser Nagel 1991455, 456455: dritter Absatz; 456: 1; zweiter Absatz; 457: zweiter AbsatzBauernOpfer
Cbr/Fragment 135 011351-9, 106-107Meuser Nagel 1991457, 461457: 3 ff., 18 ff.; 461: 5 ff.BauernOpfer
Cbr/Fragment 135 1013510-16, 17-34Lange 199878, 7978: 27 ff.; 79: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 136 011361-14, 20-35Lange 199879, 15179: 14 ff.; 151: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 137 011371 ff. (komplett)Lange 1998151, 152151: 20 ff.; 152: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 138 011381-20, 22-38Lange 1998152, 153152: 21 ff.; 153: 1 ff., 25 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 139 021392-15, 16-21, 23-40Lange 1998153, 154153: 35 ff.; 154: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 140 011401-17, 19-37Lange 1998154, 155154: 29 ff.; 155: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 141 011411-31Lange 1998155, 156155: 23 ff.; 156: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 142 2214222-30, 31-37Lange 199815613 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 143 011431-3, 4-7, 9-13, 16-23, 25-32Lange 1998156, 157156: 25 ff.; 157: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 143 2314323-25, 101-110Nölke 2000332, 334, 336332: 2 ff.; 334: 11 ff.; 336: 21 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 144 011441 ff. (komplett)Lange 19981579 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 151 051515-7, 8 ff. (bis Seitenende)Lange 19981582 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 152 011521 ff. (komplett)Lange 1998158, 159158: 30 ff.; 159: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 153 011531 ff. (komplett)Lange 1998160, 161160: Abbildungen; 161: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 154 011541 ff. (komplett)Lange 1998161, 162161: 19 ff.; 162: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 155 011551 ff. (komplett)Lange 1998162, 163, 164162: 10 ff.; 163: Abb..; 164: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 156 011561 ff. (komplett)Lange 1998164, 165164: 5 ff.; 165: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 157 011571-4, 8-19, 21-27, 30-38Lange 1998165, 167165: 6 ff.; 167: 18 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 158 011581, 3-5.5-23, 24-34.35-37, 39-40Lange 1998167, 168167: 24 ff.; 168: 6 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 159 011591-5Lange 199816825 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 160 011601-17Lange 1998168, 169168: 33 ff.; 169: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 161 011611 ff. (komplett)Lange 1998169, 170, 171169: 18 ff.; 170: 1 ff.; 171: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 162 011621-19, 20 ff. (bis Seitenende)Lange 1998171, 174171: 12 ff.; 174: 9 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 163 011631-3, 5-15, 23-38Lange 1998174, 175, 176174: 27 ff.; 175: 15 ff.; 176: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 164 031643-23, 25-37Lange 19981763 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 165 051655-13, 17 ff. (bis Seitenende)Lange 1998177, 178, 179177: letzter Absatz; 178: 1 ff.; 179: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 166 011661-17, 21-28, 30-40Lange 1998179, 180179: 5 ff.; 180: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 167 011671 ff. (komplett)Lange 1998180, 181180: 3 ff.; 181: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 168 011681 ff. (komplett)Lange 1998181, 182181: 9 ff., 16 ff.; 182: 1 ff., 16 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 169 011691 ff. (komplett)Lange 1998182, 183182: 21 ff.; 183: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 169 101169101-103Nölke 200034924 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 170 031703-31, 33-37Lange 1998183, 184183: 22 ff.; 184: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 171 011711 ff. (komplett)Lange 1998184, 185184: 17 ff.; 185: 3 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 172 011721 ff. (komplett)Lange 1998185, 186185: 25 ff.; 186: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 173 011731 ff. (komplett)Lange 1998186, 187186: 27 ff.; 187: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 174 011741 ff. (komplett)Lange 1998187, 188187: 20 ff.; 188: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 175 011751-24, 28-40Lange 1998188, 189188: 28 ff.; 189: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 176 011761 ff. (komplett)Lange 1998189, 190189: 25 ff.; 190: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 177 021772-15, 17-40Lange 1998190, 191190: 29 ff.; 191: 1 f.Verschleierung
Cbr/Fragment 178 011781-16Lange 199819123 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 179 1117911-12, 13-22, 24-38Lange 1998191, 192191: letzte Zeile; 192: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 180 011801-3, 6-14, 18-29, 34-36Lange 1998192, 193192: 31 ff.; 193: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 181 011811-6, 12-36, 38-40Lange 1998193, 194193: 25 ff.; 194: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 182 011821-5, 22-33Lange 199819419 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 183 1818318-36Lange 1998194, 195194: letzter Absatz; 195: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 184 011841 ff. (komplett)Lange 1998195, 196195: 17 ff.; 196: 3 ff., 13 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 185 011851-4, 8-31Lange 1998196, 197196: 26 ff.; 197: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 186 081868-37Lange 1998197, 198197: 16 ff.; 198: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 187 011871-6, 9 ff. (bis Seitenende), 101-103Lange 1998198, 199198: 8 ff.; 199: 1 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 188 011881 ff. (komplett)Lange 19981994 ff.Verschleierung
Cbr/Fragment 189 011891 ff. (komplett)Lange 1998199, 200199: 38 ff.; 200: 1 ff.Verschleierung

Textfragmente

Anmerkung zur Farbhinterlegung

Die Farbhinterlegung dient ausschließlich der leichteren Orientierung des Lesers im Text. Das Vorliegen einer wörtlichen, abgewandelten oder sinngemäßen Übernahme erschließt sich durch den Text.

Hinweis zur Zeilenzählung

Bei der Angabe einer Fundstelle wird alles, was Text enthält (außer Kopfzeile mit Seitenzahl), als Zeile gezählt, auch Überschriften. In der Regel werden aber Abbildungen, Tabellen, etc. inklusive deren Titel nicht mitgezählt. Die Zeilen der Fußnoten werden allerdings beginnend mit 101 durchnummeriert, z. B. 101 für die erste Fußnote der Seite.

217 gesichtete, geschützte Fragmente

[1.] Cbr/Fragment 008 02

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 8, Zeilen: 2-3, 10-17, 29-30
Quelle: Weidenfeld 1999
Seite(n): 22, 23, 24, Zeilen: 22: 24 f.; 23: 34 ff.; 24: 3 f., 15 f.
[1. Einleitung]

Durch alle Perioden hindurch markiert die Definition ‚Europa’ eine geographische und zugleich auch eine normative Größe. [...]

Die Art, wie diese Auseinandersetzungen ausgetragen werden, illustriert einen zentralen Charakterzug der europäischen Identität: Intensiver und freier als in anderen Kulturen treffen unterschiedliche Ideen aufeinander und sie ändern und erneuern sich in der intellektuellen Auseinandersetzung. In diesem „Dialog innerhalb der Vielfalt, der letztlich den Wandel bewirkt“, liegt der „Genius Europas“.1 Der Werdegang Europas wird elementar von der Spaltung der Christenheit in einen römisch-katholischen und einen byzantischen Teil beeinflusst. [...]

Der Erhalt der politischen und territorialen Vielfalt bleibt weiterhin Grundlage der Gestalt Europas.


1 Morin, E., Europa denken, Frankfurt/M. 1988, S. 128.

[Seite 22]

Durch alle Epochen hindurch markiert der Begriff Europa zugleich eine geographische und eine normative Größe.

[Seite 23]

Die Art, wie diese Auseinandersetzungen ausgetragen werden, illustriert einen zentralen Charakterzug der europäischen Identität: Intensiver und freier als in anderen Kulturen treten die konkurrierenden Ideen in einen Dialog miteinander, sie wandeln und erneuern sich in der intellektuellen Auseinandersetzung. In diesem »Dialog innerhalb der Vielfalt, der letztlich den Wandel bewirkt«, liegt der »Genius Europas«.5

[Seite 24]

Der Werdegang Europas wird dann elementar von der Spaltung der Christenheit in einen römisch-katholischen und einne [sic] protestantischen Teil beeinflußt. [...]

Der Erhalt der politischen und territorialen Vielfalt bleibt Grundlage der Gestalt Europas.

[Seite 47]

5 Morin, Edgar: Europa denken, Frankfurt a. M. 1988, S. 128.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[2.] Cbr/Fragment 008 03

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 8, Zeilen: 3-10
Quelle: Schröder 2001
Seite(n): 7, Zeilen: 1. Sp., Z. 3 ff., Z. 23 ff., Z. 54 ff.
Geographisch wird Europa als der westliche Teil der eurasischen Landmasse definiert. Der Begriff hat seinen Platz in der Selbstidentifikation und Interpretation derer, die sich Europäer nennen. Zu dieser Erklärung gehört immer auch die Abgrenzung gegen andere. Es ist allerdings ein Unterschied, ob die Abgrenzung blinder Überheblichkeit dient oder aber die Selbstdefinition das Anderssein anderer tolerieren kann.

Das zuerst bei Herodot [484 – 425 v. Chr.] auftretende Motiv Europa contra Asien, [sic] durchzieht die Geschichte Europas teilweise berechtigt, teilweise unberechtigt.

[...]

[...]2


2 Schröder, R., Einheit der Vielfalt. Europa – was ist das? in: FAZ vom 14.8.2001, S. 7.

Denn Europa wird definiert als der westliche Teil der eurasischen Landmasse.

[...]

Er hat seinen Ort in der Selbstidentifikation und Selbstdefinition derer, die sich Europäer nennen. Zur Selbstdefinition gehört immer auch die Abgrenzung gegen anderes, und zwar unvermeidlich, weil niemand und auch kein Volk alles nur mögliche zugleich oder nacheinander sein kann. Es ist allerdings ein Unterschied, ob die Abgrenzung blinder Selbstüberhebung dient oder, noch schlimmer, die Selbstdefinition über einen Erbfeind vollzieht – oder ob sie das Anderssein anderer erträgt, lateinisch tolerare.

[...]

Das zuerst bei Herodot auftretende Motiv Europa contra Asien durchzieht die Geschichte Europas, teils berechtigt, teils unberechtigt.

Anmerkungen

Die Quelle wird im letzten Absatz auf der Seite lediglich als Referenz für ein kurzes wörtliches Zitat genannt. Davor findet sich eine weitere Fußnote mit anderer Quellenreferenz, daher hier Kategorisierung unter "Verschleierung".


[3.] Cbr/Fragment 008 17

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 8, Zeilen: 17-25
Quelle: Sundhaussen 1993
Seite(n): 20, Zeilen: 30 ff.
Der eine Pol, die Institution der römischen Kirche, stand lange Zeit für die geistige Auseinandersetzung zwischen Kirche und Staat, für die Aufwertung des Individuums gegenüber der Gemeinschaft, für das römische Recht und schließlich für die Entwicklung des modernen Rationalismus. Der andere Pol, die byzantische Kirche, repräsentierte das orthodoxe Normen- und Wertsystem. Das Ideal der Übereinstimmung von Kirche und Staat war ebenso wichtig wie die Betonung der Gemeinschaft gegenüber dem Individuum. Als Konsequenz entwickelte sich im weströmischen Entwicklungsraum ein völlig neues, fortschrittlicheres Wirtschafts- und Gesellschaftssystem als im oströmischen Bereich[, was die Spaltung nach sozio-ökonomischen Kriterien nur noch vertiefte.] Das byzantinische Ideal der ›Harmonie‹ zwischen Kirche und Staat (plakativ als ›Cäsaropapismus‹ bezeichnet), die Betonung der Gemeinschaft gegenüber dem Individuum, die ausgeprägte Neigung zu Komtemplation [sic] und Mystik haben ein anderes Normen- und Wertesystem hervorgebracht als im Abendland, wo die jahrhundertelange Auseinandersetzung zwischen Kirche und Staat, die Aufwertung des Individuums und die Rezeption des römischen Rechts elementare Grundlagen für die Entwicklung des modernen Rationalismus und ein völlig neues Wirtschafts- und Gesellschaftssystem schufen.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Quelle.


[4.] Cbr/Fragment 009 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 9, Zeilen: 1-3, 9-12, 18-28, 32-37
Quelle: Schröder 2001
Seite(n): 7, Zeilen: 1. Sp. vorletzter Absatz; 2. Sp. letzter Absatz; 3. Sp. zweiter Absatz
Der Fortschrittsgedanke, dem die Geschichtsphilosophie Ausdruck verleiht, begründet einen kulturellen Vorrang, der zum Nährboden für einen imperialen Anspruch Europas wurde. [...]

Im Zuge der Einigung Westeuropas ist Europa zu einem Kulturbegriff geworden, mit dem Unterschied, dass die Selbstidentifikation nun eine Aufgabe ist, die einen wirklichen Vereinigungsprozess begleiten soll. [...] Bei den westeuropäischen Staaten spielte das Herodot-Motiv, Gefahr aus dem Osten, eine wichtige Rolle, bei anderen die gefühlsbetonte Vorstellung eines christlichen Abendlandes. In den politischen Prozessen aber hat sich die Aufklärungstradition durchgesetzt. Die Staaten, die sich in den europäischen und atlantischen Vereinigungen zusammengeschlossen haben, verlangen voneinander die Anerkennung der Menschenrechte, des Rechtsstaats und der Demokratie.

Seit 1989 hat sich die Situation noch einmal gewandelt: Das Herodot-Motiv hat seine Berechtigung verloren, denn es gibt keine Gefahr aus dem Osten mehr. Die mittelost- und osteuropäischen Länder streben selbst in die atlantischen und europäischen Vereinigungen. Sie wollen ordnungspolitisch ‚westlich’ sein. [...] Was aber verbindet uns als Europäer? Darüber gehen die Vorstellungen offenbar weit auseinander. Einige der ehemaligen Ostblock-Länder hofften, in ein christliches Abendland zurückzukehren, und stellten mit Verwunderung fest, dass der Westen so christlich gar nicht ist. Aber auch in den westlichen Ländern ist im Kern unklar, was Europäer verbindet. Existiert ein dauerhaft gültiger Bezug auf eine europäische Tradition – und auf welche?

Der Fortschrittsgedanke, dem die Geschichtsphilosophie Ausdruck verleiht, begründete einen kulturellen Vorrang, der zum Nährboden wurde für einen imperialen Anspruch Europas.

[...]

Im Zuge der Einigung Westeuropas ist Europa noch einmal ein Kulturbegriff geworden, mit dem Unterschied, daß die Selbstidentifikation nun eine Aufgabe ist, die einen wirklichen Vereinigungsprozeß begleiten soll. [...] Bei den einen spielte das Herodot-Motiv – Gefahr aus dem Osten – eine wichtige Rolle, bei anderen die romantische Vorstellung eines christlichen Abendlandes. In den politischen Prozessen aber hat sich die Aufklärungstradition durchgesetzt. Die Staaten, die sich in den europäischen und atlantischen Vereinigungen zusammengeschlossen haben, verlangen voneinander die Anerkennung der Menschenrechte, des Rechtsstaats, der Demokratie und der wettbewerbsorientierten, aber antimonopolistischen Marktwirtschaft.

Seit 1989 hat sich die Situation noch einmal verändert. Es gibt keine „Gefahr aus dem Osten“ mehr. Die mittelost- und osteuropäischen Länder streben selbst in die atlantischen und europäischen Vereinigungen. Sie wollen ordnungspolitisch westlich sein. Was aber verbindet uns als Europäer? Darüber gehen die Vorstellungen offenbar weit auseinander. Manche dieser Länder, besonders Polen, hofften, in ein christliches Abendland zurückzukehren, und stellen mit Erstaunen fest, daß der Westen so christlich gar nicht ist. [...]

Aber auch in den westlichen Ländern ist in einem tieferen Sinne unklar, was Europäer verbindet. Gibt es einen bleibend gültigen Bezug auf europäische Traditionen – und auf welche?

Anmerkungen

Die Quelle ist auf der vorherigen Seite als Beleg für ein wörtliches Zitat genannt.

Aus "Erstaunen" wird "Verwunderung", immerhin.


[5.] Cbr/Fragment 009 03

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 9, Zeilen: 3-9, 12-17, 28-32
Quelle: Weidenfeld 1999
Seite(n): 24, 25, 26, Zeilen: 24: 24 ff.; 25: 6 ff., 41 ff.; 26: 1 ff.
Vermehrter internationaler Warenaustausch, die Verbesserung von Verkehrs- und Kommunikationsmitteln sowie die Entstehung der Massenproduktion von Waren signalisieren die ökonomische Modernisierung. Parallel dazu erfolgt die politische Modernisierung, die in dem vielfältig territorial zersplitterten Europa die Nationalstaaten als dominierende politische Organisationsform entstehen lässt. Die Entwicklung von Nationalkulturen und Nationalstaaten, die die moderne europäische Geschichte prägt, ist als durchgehendes Formprinzip nur in Europa zu beobachten. [...] In diesem Kontext verlief die Verbindung von Territorium, politischem Ordnungssystem und Kultur in Europa nicht nach einem einheitlichen Muster: Zunächst ist Europa das Zentrum der politischen und wirtschaftlichen Welt. Nicht einmal ein halbes Jahrhundert später ist Europa aus der Zentrallage an die weltpolitische Peripherie abgedrängt. Nach zwei folgenschweren Weltkriegen verkommt Europa zu einem Puffer, in dem die inzwischen entstandenen Supermächte ihren Konflikt austragen. [...]

Die europäischen Völker spüren, dass sie aufeinander angewiesen sind; sie können sich der Beschäftigung mit ihren Nachbarn nicht entziehen – und sie suchen dennoch in der Unterscheidung von ihnen die eigene Identität. „Nur auf dem Umweg über das Vorhergegangene und das Fremde hat der Europäer Zugang zum Eigenen“.4


4 Brague, R., Europa. Eine exzentrische Identität, Frankfurt/M. 1993, S. 110.

[Seite 24]

Vermehrter internationaler Warenaustausch, die Verbesserung von Verkehrs- und Kommunikationsmitteln sowie die Entstehung der Massenproduktion von Waren signalisieren die ökonomische Modernisierung. Hand in Hand mit ihr geht die politische Modernisierung, die in dem vielfältig territorial zersplitterten Europa die Nationalstaaten als dominierende politische Organisationsform entstehen läßt. Die Entwicklung von Nationalkulturen und Nationalstaaten, die die moderne europäische Geschichte prägt, ist als durchgehendes Formprinzip nur in Europa zu beobachten. Gleichwohl verläuft diese Verbindung von Territorium, politischem Ordnungssystem und Kultur nicht in ganz Europa nach einem einheitlichen Muster.

[Seite 25]

Zunächst ist Europa das Zentrum der politischen und wirtschaftlichen Welt. Nicht einmal ein halbes Jahrhundert später ist Europa aus der Zentrallage an die weltpolitische Peripherie abgedrängt. Nach zwei tragischen Weltkriegen verkommt Europa zu einer geschundenen Region, in der die inzwischen entstandenen Supermächte ihren Konflikt austragen.

[...]

Die europäischen Völker spüren, daß sie aufeinander angewiesen sind; sie können sich der Beschäftigung mit ihren Nachbarn nicht entziehen - und sie suchen dennoch in der Unterscheidung von ihnen die eigene Identität. Erst in dieser dialekti-

[Seite 26]

sehen Auseinandersetzung entsteht das spezifisch »Europäische« der europäischen Identität: »Nur auf dem Umweg über das Vorhergegangene und das Fremde hat der Europäer Zugang zum Eigenen.«9

[Seite 47]

9 Brague, Rémi: Europa. Eine exzentrische Identität, Frankfurt a. M. 1993, S. 110.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[6.] Cbr/Fragment 010 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 10, Zeilen: 1-13, 16-19, 21-29
Quelle: Schröder 2001
Seite(n): 7, Zeilen: 3. Sp., drittletzter Absatz ff.
Eine Aufzählung des spezifisch Europäischen nach dem Kriterium universeller Bedeutung und Gültigkeit hat Max Weber in den Aufsätzen zur Religionssoziologie geliefert.5 Zu den wichtigsten Punkten zählen:6

• Wissenschaft, die wir auch heute noch als gültig anerkennen, existiert nur in Europa; d.h. mathematisch fundiert, rational beweisend und methodisch experimentierend.

• In der asiatischen Staatslehre existiert keine, [sic] mit der aristotelischen vergleichbare Systematik; d.h. die politische Theorie des Aristoteles beschreibt Vor- und Nachteile verschiedener Staatsformen, statt die eine richtige zu übernehmen.

• Für das römische Recht ist charakteristisch, dass es zwischen dem jus romanum und dem jus gentium unterscheidet. Das letztere beschreibt nicht das Völkerrecht, sondern das bei den Völkern übliche Recht, das auch in Rom praktiziert wird; zunächst für ansässige Ausländer, dann, der höheren Praktikabilität wegen, allgemein. D.h. das römische Recht hat dadurch eine hohe Verallgemeinerungsfähigkeit gewonnen.

[...]

• Wissenschaft; nur in Europa ist eine Technik entstanden, die auf Wissenschaft basiert. Die Verbindung von Wissenschaft und Technik wiederum hat zu einer einzigartigen Entfaltung der Wirtschaft beigetragen, was nachfolgend den sozialen Wandel befördert hat.

• [Nationalstaaten, [sic] unter der Idee des Selbstbestimmungsrechts der Nation [Volk] sind etwas spezifisch Europäisches.] Es hat noch nie ein zentralistisches europäisches Großreich gegeben, noch je eine Theokratie.

• Die politische Vielgestaltigkeit hat aber neben den Nationen noch weitere Gestalten hervorgebracht; neben der feudalen Herrschaft die Stadt, die Reichsunmittelbarkeit sowie die Konföderation. Die Polymorphie ist Voraussetzung für teilweise Autonomie und zunehmend aber auch Kooperation. Vielfach wird eine solche Beschreibung europäischer Singularitäten abgelehnt. Aber die Kritik des Eurozentrismus ist wieder selbst ein europäisches Motiv, nämlich ein Aspekt des abendländischen Gedankens der Gleichheit aller Menschen.


5 Vgl. Weber, M., Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie Bd.1, Tübingen 1920. Vorbemerkung.

6 Vgl. ebenda.

Eine nach wie vor beeindruckende Aufzählung des spezifisch Europäischen hat Max Weber in der Vorbemerkung zu den „Gesammelten Aufsätzen zur Religionssoziologie I“ (1920) geliefert, und zwar nach dem Kriterium universeller Bedeutung und Gültigkeit. [...]

„Nur im Okzident gibt es ,Wissenschaft‘ in dem Entwicklungsstadium, welches wir heute als ,gültig‘ anerkennen“, nämlich mathematisch fundiert, rational beweisend und methodisch experimentierend. [...]

Das heißt, die politische Theorie des Aristoteles bietet Alternativen und beschreibt Vor- und Nachteile verschiedener Staatsformen, statt die eine richtige hymnisch zu loben. [...]

[...] Für das römische Recht ist dagegen charakteristisch, daß es zwischen dem ius Romanum und dem ius gentium unterscheidet. Das letztere ist nicht das Völkerrecht, sondern das bei den (Mittelmeer-)Völkern übliche Recht, das auch in Rom praktiziert wird, zunächst für ansässige Ausländer, dann, der höheren Praktikabilität wegen, allgemein. Das römische Recht hat dadurch seine hohe Verallgemeinerungsfähigkeit gewonnen.

[...]

In Ergänzung zu Webers erstem Punkt „Wissenschaft“: Nur in Europa ist eine Technik entstanden, die auf Wissenschaft basiert. [...] Die Verbindung von Wissenschaft und Technik wiederum hat zu einer einzigartigen Entfaltung der Wirtschaft beigetragen, was dann den sozialen Wandel befördert hat.

[...] Es hat nie ein zentralistisches europäisches Großreich gegeben noch je eine Theokratie. Die politische Vielgestaltigkeit hat aber neben den nationes noch weitere Gestalten hervorgebracht: neben der feudalen Herrschaft die Stadt, die Reichsunmittelbarkeit, die Konföderation wie die Hanse oder die Schweiz. Diese Polymorphie ist die Voraussetzung für teilweise Autonomie und – in gewissen Grenzen – für eine sozusagen nicht beabsichtigte Toleranz.

[...]

Manche mögen eine solche Beschreibung europäischer Singularitäten als Eurozentrismus ablehnen. Ich wende ein: Die Kritik des Eurozentrismus ist selbst ein europäisches Motiv, nämlich eine Spielart des abendländischen Gedankens der Gleichheit aller Menschen.

Anmerkungen

Die Quelle ist zwei Seiten zuvor für ein wörtliches Zitat benannt. Zeichensetzungsfehler finden sich nur in den nicht übernommenen Passagen.


[7.] Cbr/Fragment 010 29

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 10, Zeilen: 29-33
Quelle: Weidenfeld 1999
Seite(n): 41, Zeilen: 12 ff.
Das Bewusstsein der Vielfalt geschichtlicher Teilidentitäten konstituiert die politische Kultur7 Europas. Diese vielfältigen Gemeinschaftsbezüge verhindern auch eine Verabsolutierung einzelner Ansprüche. In den zurückliegenden zehn Jahren hat die europäische Integration eine substantiell weitere Verdichtung erreicht.8

7 D.h. freier, ungehinderter Austausch, die Durchsetzung der Menschenrechte [Menschenrechtspolitik] und damit auch der Respekt vor der Selbstbestimmung der Völker und der Beteiligung aller Menschen an der Gestaltung ihres Schicksals, Schutz gegen den Anspruch totalitärer politischer und religiös-kultureller Kräfte, gegen kommerzielle Übermacht und den Missbrauch neuer Technologien, etwa im Medienbereich, und Minderheitenschutz. Vgl. Böll, W., Kulturpolitik, internationale, in: Nohlen, D., [Hrsg.], Lexikon der Politik, Boeckh, A., [Hrsg.], Internationale Beziehungen, Bd.6, S. 274.

8 Vgl. Hierzu ausführlich: Centrum für angewandte Politikforschung: Europa vor der Vollendung. International Bertelsmann Forum am 3.-4. Juli 1998 in Berlin sowie Weidenfeld, W., und Janning, J., Europa vor der [Vollendung. Der Qualitätssprung der Integration macht strategische Entscheidungen unausweichlich, in: FAZ vom 3.7.1998, S. 3.]

[Seite 41]

Das Bewußtsein der Vielfalt geschichteter Teilidentitäten konstituiert die politische Kultur Europas. Diese vielfältigen Gemeinschaftsbezüge verhindern auch eine Verabsolutierung einzelner Ansprüche. [...]

4.1 Die Zukunftsfähigkeit europäischer Solidarität

In den zurückliegenden zehn Jahren hat die europäische Integration eine substantielle weitere Verdichtung erreicht20: [...]

[Seite 48]

20 Vgl. hierzu ausführlich: Centrum für angewandte Politikforschung: Europa vor der Vollendung. International Bertelsmann Forum am 3.-4. Juli 1998 in Berlin, und Weidenfeld, Werner, und Josef Janning: Europa vor der Vollendung. Der Qualitätssprung der Integration macht strategische Entscheidungen unausweichlich, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 3. Juli 1998, S. 3.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[8.] Cbr/Fragment 011 07

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 11, Zeilen: 7-18
Quelle: Siedschlag 1997
Seite(n): 19, Zeilen: 2 ff.
In der nachfolgenden Arbeit wird die theoretische mit der empirischen Fragestellung verbunden [bzw. werden empirische Fragen vor dem Hintergrund theoretischer Aspekte erörtert]. Darin wird die These vertreten, dass sich gerade die Disziplin der Regionalforschung dauerhaft nicht eigenständig, sondern auch politisch relevant wird erhalten können, wenn sie sich als empirische Sozialwissenschaft versteht. Die regionalspezifische Forschung sollte vielmehr versuchen, durch geeignete Methoden regionale Phänomene und Kooperationen analytisch zu erfassen, zu erklären und zu prognostizieren. Darüber hinaus sollte dies keinem intellektuellen Selbstzweck dienen, sondern nach politisch-praktischer Relevanz streben. Die vorliegende Arbeit will deswegen trotz ihrer Zielsetzung einer doch verbreiteten theoretischen Bestandsaufnahme kein neues Zeitalter glänzender Großtheorie propagieren, sondern neue Diskussionsgrundlagen und Perspektiven eröffnen. Vorwort

Theoretische mit empirischen Fragen verbinden zu wollen (oder empirische Fragen vor dem Hintergrund theoretischer Konstrukte behandeln zu wollen), bringt einen Politologen eigentlich nach wie vor in Verruf: entweder wolle er sich wirklich theoretischen Erwägungen durch die Flucht in die Empirie entziehen oder besitze nicht die nötige Leidenschaft, um wirklich detaillierte Fallstudien durchzuführen, so daß er dabei gerne ins Theoretisieren verfalle. Indes wird hier die kühne These vertreten, daß sich gerade die Disziplin Internationale Politik dauerhaft nur sowohl theoretisch eigenständig als auch politisch relevant erhalten können wird, wenn sie sich als empirische Sozialwissenschaft versteht, die weder irgendwelche episodischen narratives erzählen noch selbstgefällige armchair philosophy betreiben will. Vielmehr sollte sie versuchen, durch geeignete Spezialmethoden internationale Phänomene analytisch zu erfassen, erklären und zu prognostizieren, diesen konzeptuellen Rahmen aber stets an die politische Wirklichkeit rückzubinden und im Licht sei es analytischer oder historischer Erfahrung permanent zu evaluieren und gegebenenfalls zu revidieren. Und darüber hinaus sollte all dies keinem intellektualistischen Selbstzweck dienen, sondern nach politisch-praktischer Relevanz streben.

Die vorliegende Studie will deswegen trotz ihrer Zielsetzung einer doch recht breiten theoretischen Bestandsaufnahme auch nicht heimlich ein neues Zeitalter glänzender Großtheorie propagieren, sondern vielmehr neue Diskussionsgrundlagen und -perspektiven eröffnen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[9.] Cbr/Fragment 011 105

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 11, Zeilen: 105-108
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 25, Zeilen: 13 ff.

10 Durch die Einbeziehung der Interessen dieser Akteure soll gleichzeitig der verbreitete, ‚funktionalistische Kurzschluss’ überwunden werden, allein die ‚funktionale Überlegenheit’ regionaler Institutionen führe zur Etablierung eines Europas der Regionen. Nur dann, wenn sie Eingang in die Interessenperzeption von Akteuren findet, wird sie zum handlungsrelevanten Faktor.

Durch die Einbeziehung der Interessen relevanter Akteure soll gleichzeitig der verbreitete funktionalistische Kurzschluß überwunden werden, allein die "funktionale Überlegenheit" regionaler Institutionen führe zur Etablierung eines "Europas der Regionen". Nur dann, wenn sie Eingang in die Interessenperzeption von Akteuren findet, wird sie zum handlungsrelevanten Faktor.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[10.] Cbr/Fragment 011 19

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 11, Zeilen: 19-32
Quelle: Student 2000
Seite(n): 20, Zeilen: 6 ff.
Die Untersuchung stützt sich deshalb auf unterschiedliches wissenschaftliches Material, dass [sic] vor dem Hintergrund der Theorie analysiert werden soll: Hierzu zählt zunächst einmal die zugängliche Literatur. D.h. Arbeiten über die Thematik der europäischen Integration und Region. Ein weiterer Teil der Literatur besteht aus den von der EUREGIO veröffentlichten Jahresberichten, Projektberichten und Studien, aber auch aus Gesetzen und Verordnungen. Eine weitere Kategorie beinhaltet zahlreiche unveröffentlichte Materialen [sic], wie Protokolle aus Sitzungen der verschiedenen Organe der EUREGIO, interne Stellungnahmen, Tätigkeitsberichte sowie Referentenentwürfe. Schließlich basiert die Arbeit zu einem großen Teil auf Intensiv-Interviews. Aufgrund der wichtigen Funktion der Akteure vor Ort im Konzept der endogenen Entwicklungspotentiale handelt es sich hierbei um Personen in Schlüsselpositionen aus den verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Bereichen und Ebenen: Europa, Bund, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie den involvierten niederländischen Provincies und Gemeinden. Darüber hinaus wurden jedoch auch zahlreiche externe relevante Akteure der EUREGIO befragt.10

10 Durch die Einbeziehung der Interessen dieser Akteure soll gleichzeitig der verbreitete, ‚funktionalistische Kurzschluss’ überwunden werden, allein die ‚funktionale Überlegenheit’ regionaler Institutionen führe zur Etablierung eines Europas der Regionen. Nur dann, wenn sie Eingang in die Interessenperzeption von Akteuren findet, wird sie zum handlungsrelevanten Faktor.

Die Arbeit stützt sich deshalb auf verschiedene Typen empirischen Materials: Hierzu zählt zunächst einmal die zugängliche Literatur, die vor allem aus den von den Kooperationen veröffentlichten Jahresberichten, Projektberichten und Studien, aber auch aus Gesetzen und Verordnungen besteht. Eine zweite Kategorie beinhaltet zahlreiche unveröffentlichte Materialien wie Protokolle aus Sitzungen der verschiedenen Organe beider Kooperationen, interne Stellungnahmen, Sachstands- und Tätigkeitsberichte sowie Referentenentwürfe. Schließlich basiert die Arbeit zu einem großen Teil auf Interviews. Aufgrund der wichtigen Funktion der Akteure vor Ort im Konzept der endogenen Entwicklungspotentiale handelt es sich hierbei um Schlüsselpersonen aus den verschiedenen Bereichen und Ebenen der untersuchten Kooperationen. Darüber hinaus wurden jedoch auch zentrale Akteure außerhalb der Region, beispielsweise bei der Europäischen Kommission, befragt.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Der Text in Fußnote 10 stammt aus Lange 1998, siehe Fragment 011 105.


[11.] Cbr/Fragment 012 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 12, Zeilen: 1-3, 8-10
Quelle: Raich 1995
Seite(n): 20, Zeilen: 7 ff.
[Das Ziel der Arbeit ist es, anhand einer detaillierten Darstellung der Entstehungsbedingungen, Rechtsformen, Organisationsstrukturen und Ziele sowie der verschiedenen] Akteure und Kooperationsbereiche dieser Arbeitsformen einen Einblick in die Bedingungen von staatsgrenzenübergreifenden Formen der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit auf subnationaler Ebene zu geben. [...] Überdies soll gezeigt werden, mit welchen Problemen die EUREGIO konfrontiert bzw. in welchen Fällen sie die Grenzen ihrer Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit erreicht. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es deshalb, anhand einer detaillierten Darstellung der unterschiedlichen Entstehungsbedingungen, Rechtsformen, Organisationsstrukturen und Ziele sowie der verschiedenen Akteure und Kooperationsbereiche dieser Kooperationsformen einen Einblick in die Funktionsweisen von Staatsgrenzen übergreifenden Formen der Zusammenarbeit auf subnationaler Ebene zu geben. Überdies soll gezeigt werden, mit welchen Problemen Kooperationsformen dieser Art konfrontiert werden und welche Ansätze zur Lösung von solchen Problemen unternommen werden können bzw. in welchen Fällen sie die Grenzen ihrer Handlungs- und Problemlösungsfähigkeit erreichen.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.


[12.] Cbr/Fragment 012 03

KomplettPlagiat
Untersuchte Arbeit:
Seite: 12, Zeilen: 3-8
Quelle: Student 2000
Seite(n): 16, Zeilen: 13 ff.
Vielleicht bieten grenzüberschreitende Kooperationen durch Strategien und Erfahrungen in kleineren Räumen sowie durch eine bottom-up-Integration auch so etwas wie ein Experimentierfeld und Leitbild für den europäischen Integrationsprozess, der als top-down-Integration in Form des Binnenmarktes oder der Währungsunion zunehmend an Akzeptanz bei den Bürgern verliert. Vielleicht bieten grenzüberschreitende Kooperationen durch Strategien und Erfahrungen in kleineren Räumen sowie durch eine bottom-up-Integration auch so etwas wie ein Experimentierfeld und Leitbild für den europäischen Integrationsprozeß, der als top-down-Integration in Form des Binnenmarktes oder der Währungsunion zunehmend an Akzeptanz bei den Bürgern verliert.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.


[13.] Cbr/Fragment 012 11

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 12, Zeilen: 11-16, 22-39
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 7, 27, 70, 71, 74, Zeilen: 7: 5 ff.; 27: 38 ff; 70: letzter Absatz; 71: 1; 74: 6 ff.
Ausgangspunkt ist die Untersuchung der Frage, inwieweit sich unter dem Eindruck der europäischen Integration die Einstellung regionaler Akteure zu einer Stärkung der EUREGIO verändern. So zählte die regionale Ebene bisher zu den vehementesten Gegnern des politischen Regionalismus, fürchtete sie doch vor allem einen „Verlust an Macht, Geld und Einfluss“ [Gespräch]. Die genannten Veränderungen sollten Anlass genug sein, diese Position zu überdenken. [...] Die Analyse dient der Überprüfung und Beantwortung der gestellten Fragen und soll weitergehende theoretische Schlussfolgerungen darüber zulassen, unter welchen Bedingungen im Kontext der europäischen Integration regionalistische Interessen entstehen können. Denn die historischen Hintergründe der regionalistischen Bestrebungen sind für die Positionsbildung der befragten Akteure aber auch unabhängig von der Einbettung in andere gesellschaftliche Auseinandersetzungen von Bedeutung. Auf der einen Seite trägt eine starke Polarisierung des territorialen Konflikts dazu bei, dass mit Regionalismus ein höherer Grad an Unsicherheit verbunden wird, so dass die Skepsis gegenüber seinen Zielsetzungen wächst. Auf der anderen Seite bestimmt eine ausgeprägte regionalspezifische Identität politische Loyalitäten und die Wahrnehmung der Legitimität politischer Herrschaft. Ziel der empirischen Untersuchung ist es, zu einer ‘Theorie begrenzter Reichweite’ darüber zu gelangen, welche Bedingungen sich wie auf die Positionsbildung von EUREGIO-Akteuren zu Forderungen nach politischer Dezentralisierung auswirken. Zum einen soll festgestellt werden, ob sich in der EUREGIO tatsächlich eine Veränderung ihrer Position zu politischer Dezentralisierung abzeichnet. Die Untersuchungsfrage lautet demnach, aus welchen Gründen die Vertreter der ausgewählten Region welche Position zu den im jeweiligen regionalen Kontext erhobenen Forderungen nach politischer Dezentralisierung vertreten. Diese kann und soll [jedoch nicht auf die Dichotomie ‘dafür-dagegen’ beschränkt werden, sondern der Vielfalt der real vorhandenen Optionen Rechnung tragen.] [Seite 7]

Vorwort

[...] Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Frage, inwieweit sich unter dem Eindruck globaler wirtschaftlicher Restrukturierungsprozesse, vor allem aber der europäischen Integration, die Positionen organisierter Wirtschaftsinteressen zu regionalistischen Bestrebungen verändern. Die Privatwirtschaft gehörte bisher zu den vehementesten Gegnern des politischen Regionalismus, fürchtete man doch vor allem eine Fragmentierung von Märkten. Die genannten Veränderungen sollten Anlaß genug sein, diese Position zu überdenken.

[Seite 27]

Die Analyse dient der Überprüfung der Hypothesen und soll weitergehende theoretische Schlußfolgerungen darüber zulassen, unter welchen Bedingungen im Kontext der europäischen Integration strategische Koalitionen zwischen wirtschaftlichen und regionalistischen Interessen entstehen können.

[Seite 70]

Die historischen Hintergründe der regionalistischen Bestrebungen sind für die Positionsbildung aber auch unabhängig von der Einbettung in andere gesellschaftliche Auseinandersetzungen von Bedeutung. Zum einen trägt eine starke Polarisierung des territorialen Konflikts dazu bei, daß mit Regionalismus ein höherer Grad an Unsicherheit verbunden wird, so daß die Skepsis gegenüber seinen Zielsetzungen wächst. Auf der anderen Seite bestimmt eine ausgeprägte regionalspezifische kulturelle bzw. nationale Identität politische Loyalitäten und die Perzeption der Legitimität politischer Herr-

[Seite 71]

schaft.

[Seite 74]

2.6 Untersuchungsdesign

2.6.1 Untersuchungsziele

Ziel der empirischen Untersuchung ist es, zu einer "Theorie begrenzter Reichweite" darüber zu gelangen, welche Bedingungen sich wie auf die Positionsbildung von Unternehmerverbänden zu Forderungen nach politischer Dezentralisierung auswirken. Zum einen soll festgestellt werden, ob sich in den ausgewählten Regionen tatsächlich eine Veränderung ihrer Positionen zu politischer Dezentralisierung abzeichnet. [...] Die Untersuchungsfrage lautet demnach, aus welchen Gründen die Vertreter der ausgewählten Unternehmerverbände welche Position zu den im jeweiligen regionalen Kontext erhobenen Forderungen nach politischer Dezentralisierung vertreten. Diese kann und soll jedoch nicht auf die Dichotomie "dafür-dagegen" beschränkt werden, sondern der Vielfalt der real vorhandenen Optionen Rechnung tragen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[14.] Cbr/Fragment 013 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 13, Zeilen: 1-2, 4-8
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 15, 28, 74, Zeilen: 15: 2 f.; 28: 1 ff.; 74: 15 ff.
[Diese kann und soll] jedoch nicht auf die Dichotomie ‘dafür-dagegen’ beschränkt werden, sondern der Vielfalt der real vorhandenen Optionen Rechnung tragen.

[Den letzten Gliederungspunkt bildet die Zusammenfassung der Ergebnisse.] Abschließend sollen die daraus erwachsenden Konsequenzen für den weiteren Integrationsprozess und der Beitrag der Untersuchung zum Verständnis des Verhältnisses von Regionalismus und europäischer Integration dargestellt werden.

1.1 Europäische Integration und Regionalismus – Antagonismus oder zwei Seiten einer Medaille?

[Seite 74]

Diese kann und soll jedoch nicht auf die Dichotomie "dafür-dagegen" beschränkt werden, sondern der Vielfalt der real vorhandenen Optionen Rechnung tragen.

[Seite 28]

Ferner sollen hier die daraus erwachsenden Konsequenzen für den weiteren Integrationsprozeß und der Beitrag der Untersuchung zum Verständnis des Verhältnisses von Regionalismus und europäischer Integration erörtert sowie weitere Forschungsperspektiven aufgezeigt werden.

[Seite 15]

1 Einleitung

1.1 Europäische Integration und Regionalismus - Antagonismus oder zwei Seiten einer Medaille?

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[15.] Cbr/Fragment 013 09

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 13, Zeilen: 9-29
Quelle: Beck 1997
Seite(n): 15, Zeilen: 3 ff.
Der Prozess der europäischen Integration ist neben der Etablierung supranationaler Rechts-, Regierungs- und Verwaltungsstrukturen charakterisiert durch einen erheblichen Veränderungsdruck innerhalb der politisch-administrativen Systeme der einzelnen Mitgliedstaaten der Gemeinschaft. Dieser Druck manifestiert sich über die Auswirkungen auf die jeweiligen rechtlichen, gouvernementalen, administrativen oder instrumentellen Strukturen der nationalen Ebene hinaus auch auf subnationaler und regionaler Ebene. Hier ist der Integrationsprozess unter drei Gesichtspunkten zu analysieren: Zum einen kann die Umsetzung supranationalen Rechts in nationales Recht eigenständige Kompetenzbereiche tangieren oder bestehende Handlungsspielräume einschränken.11 Auf der anderen Seite eröffnen sich neue Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Politikformulierung für die EU-Ebene, was ein Erfordernis nach stärkerer Interessenaggregation und -artikulation in vertikaler Hinsicht mit sich bringt.12 Zum dritten entsteht durch die Verwirklichung des Binnenmarktprogramms und die dadurch induzierten ökonomischen, ökologischen und sozialen Veränderungen innerhalb der EU generell eine wachsende horizontale Konkurrenz um Entwicklungschancen [Standortattraktivität, Innovationspotential, Infrastruktur usw.] zwischen den Gebietskörperschaften der subnationalen Ebene der Mitgliedstaaten selbst, wie auch in internationaler Hinsicht. In der Folge dieser drei Entwicklungslinien lassen sich in jüngerer Zeit neben einer verstärkten Präsenz auf EU-Ebene und dem wachsenden Grad an Kooperation zwischen einzelnen subnationalen Gebietskörperschaften auf der dritten Ebene neue Muster der Kooperation identifizieren.

11 Vgl. Jochimsen, R., Europäische Regionalpolitik: Autonomieverlust für die Regionen? in: Neumann, L., F. [Hrsg.]: Europa konkret. Zehn Beiträge zur Gestaltung des EG-Binnenmarktes, Baden-Baden, 1990, S. 155ff.

12 Vgl. Benz, A., Regionen als Machtfaktor in Europa?, in: Verwaltungsarchiv [VerwArch], 1993, S. 328ff. sowie Engel, C., Regionen in der Europäischen Gemeinschaft: Eine integrationspolitische Rollensuche, in: Integration 1/1991, S. 91ff.

Einleitung

1. Erkenntnisinteresse und Fragestellung

Der Prozeß der europäischen Integration ist neben der Etablierung supranationaler Rechts-, Regierungs- und Verwaltungsstrukturen charakterisiert durch einen erheblichen Veränderungsdruck innerhalb der politisch-administrativen Systeme der einzelnen Mitgliedstaaten der Gemeinschaft. Dieser Druck manifestiert sich über die Auswirkungen auf die jeweiligen rechtlichen, gouvernementalen, administrativen oder instrumentellen Strukturen der nationalen Ebene hinaus zunehmend auch auf subnationaler, regionaler und lokaler Ebene. Hier führt der Integrationsprozeß zu einer dreifachen Betroffenheit. Zum einen kann die Umsetzung supranationalen Rechts in nationales Recht eigenständige Kompetenzbereiche tangieren oder bestehende Handlungsspielräume einschränken1. Zum anderen eröffnen sich neue Möglichkeiten der Einflußnahme auf die Politikformulierung auf EG-Ebene, was ein Erfordernis nach stärkerer Interessenaggregation und -artikulation in vertikaler Hinsicht mit sich bringt2. Zum dritten entsteht durch die Verwirklichung des Binnenmarktprogramms und die dadurch induzierten ökonomischen3, ökologischen4 und sozialen5 Veränderungen innerhalb der EG generell eine wachsende horizontale Konkurrenz um Entwicklungschancen (Standortattraktivität, Innovationspotential, Infrastruktur etc.)6 zwischen den Gebietskörperschaften der subnationalen Ebene der Mitgliedstaaten selbst, wie auch in internationaler Hinsicht7.

In der Folge dieser drei Entwicklungslinien lassen sich in jüngerer Zeit neben einer verstärkten Präsenz auf EG-Ebene8 und dem wachsenden Grad an Kooperation zwischen einzelnen subnationalen Gebietskörperschaften9 auf der „dritten Ebene“10 auch auf der regionalen Ebene neue Muster der Kooperation identifizieren.


1 Vgl. etwa Jochimsen 1990

2 Vgl. Benz 1993d; Engel 1991

3 Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften 1991b; Müller/Zimmermann 1993; Pallarz 1991

4 Vgl. Task Force Environment and the Internal Market 1992

5 Vgl. etwa Kuhn 1995; Walwei/Werner 1993

6 Vgl. hierzu etwa Blotevogel 1991

7 Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften 1991a

8 Vgl. Zumschlinge 1989; Fastenrath 1990: Gebauer 1993; Kroh 1990

9 Vgl. nur Franzmeyer 1991.

10 Vgl. Bullmann 1994; Scharpf 1989

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Referenzen werden mitübernommen.


[16.] Cbr/Fragment 013 29

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 13, Zeilen: 29-32
Quelle: Jouve Négrier 1998
Seite(n): 33, Zeilen: 2 ff.
Namentlich durch die Institutionalisierung gemeinschaftlicher Handlungsnormen in der europäischen Politik wie der Subsidiarität, der Partnerschaft13, der Programmplanung und der Addition wird Akteuren auf regionaler Ebene ein neuer Zugang zur europäischen Politik eröffnet. Der Kompetenzbereich und Handlungs-[spielraum dieser Strategien wird bei der Formulierung und Umsetzung von Politik zudem dadurch beträchtlich erweitert, dass in Mitgliedstaaten institutionelle Reformen mit dem Ziel der Regionalisierung und Dezentralisierung durchgeführt werden.]

13 Das Prinzip der Partnerschaft beinhaltet zwei Aspekte: Als erstes die vertikale Partnerschaft, bei der die nationalen, regionalen und lokalen Ebenen auf beiden Seiten der Grenze beteiligt sind. Darüber hinaus die horizontale Partnerschaft zwischen Partnern beiderseits der Grenze. Vgl. AGEG [Hrsg.], Praktisches Handbuch zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, 2. Auflage, Gronau 1997, S. 4.

Namentlich durch die Institutionalisierung gemeinschaftlicher Handlungsnormen in der europäischen Politik wie die der Subsidiarität, der ‘Partnerschaft’, der Programmplanung und der Additionalität wurde Akteuren auf regionaler und lokaler Ebene ein neuer Zugang zur europäischen Politik eröffnet. Der Kompetenzbereich und Handlungspielraum dieser Akteure wurde bei der Formulierung und Umsetzung von Politik zudem dadurch beträchtlich erweitert, daß in einigen Mitgliedstaaten im Laufe der 80er Jahre institutionellere Formen mit dem Ziel der Regionalisierung und Dezentralisierung durchgeführt wurden (Balme u.a. 1995).
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[17.] Cbr/Fragment 014 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 14, Zeilen: 1-3
Quelle: Jouve Négrier 1998
Seite(n): 33, Zeilen: 6 ff.
[Der Kompetenzbereich und Handlungs-]spielraum dieser Strategien wird bei der Formulierung und Umsetzung von Politik zudem dadurch beträchtlich erweitert, dass in Mitgliedstaaten institutionelle Reformen mit dem Ziel der Regionalisierung und Dezentralisierung durchgeführt werden. Der Kompetenzbereich und Handlungspielraum dieser Akteure wurde bei der Formulierung und Umsetzung von Politik zudem dadurch beträchtlich erweitert, daß in einigen Mitgliedstaaten im Laufe der 80er Jahre institutionellere Formen mit dem Ziel der Regionalisierung und Dezentralisierung durchgeführt wurden (Balme u.a. 1995).
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Fortsetzung von der Vorseite.


[18.] Cbr/Fragment 014 04

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Untersuchte Arbeit:
Seite: 14, Zeilen: 4 ff. (bis Seitenende), 111-112
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 15, 16, 17, Zeilen: 15: 4 ff., 16: 4-12, 17 ff., 17: 1
Im Kontext des europäischen Integrationsprozesses gewinnt mit dem politischen Regionalismus eine auf den ersten Blick gegenläufige Tendenz an Bedeutung.14 Diese Gleichzeitigkeit der Entwicklungen speziell in den neunziger Jahren ist kein neues Phänomen. Schon der Aufschwung regionalistischer Bewegungen in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren, der sich u.a. in Wahlerfolgen regional orientierter Parteien dokumentierte, fand in den westeuropäischen Fällen parallel zu Fortschritten im europäischen Integrationsprozess statt. Neu ist hingegen der in regionalistischer Programmatik hergestellte explizite Bezug zur Europäischen Integration, der sich im Konzept der ‚Independence in Europe’ ausdrückt. Regionalisten betrachten die europäische Einigung offensichtlich als Chance zur Verwirklichung ihrer Ziele. Die Frage, inwieweit diese Erwartungen realistisch sind, oder ob nicht der Kampf um politische Dezentralisierung bestehender Nationalstaaten angesichts der europäischen Integration zum Anachronismus wird oder gar einen Antagonismus zu diesem darstellt, war Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen und wesentliche Anregung für diese Arbeit. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach dem Einfluss der europäischen Integration auf die Chancen der Umsetzung regionalistischer Zielsetzungen.

In den achtziger Jahren wurde die Parallelität zentripetaler und zentrifugaler Tendenzen noch häufig als überraschend betrachtet und damit zur Grundlage für eine breite politikwissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Thema. Mittlerweile zählt dieser Befund für die wissenschaftliche Diskussion, speziell im Kontext der Auseinandersetzung mit dem europäischen Integrationsprozess, schon fast zu den Trivialitäten. In der Tat finden hier „Regionen in Europa“15 seit Mitte der achtziger Jahre eine umfassende Beachtung. Allerdings liegt angesichts ihrer großen Heterogenität [Größe, verfassungsmäßiger Status etc.] keine einheitliche Definition dessen vor, was als ‚Region’ verstanden werden soll. Als kleinster gemeinsamer Nenner gilt die der „größten subnationalen territorialen Einheiten“16. Das verstärkte wissenschaftliche Interessen an Regionen dokumentiert sich u.a. in einer Fülle von Literatur und der Gründung neuer Forschungszusammenhänge.17 Dabei sind es vor allem Debatten über die aktuelle und [zukünftige Form der Europäischen Union als „Mehrebenensystem“18 oder das Europa der Regionen19, in welchen supranationale Integration und die Dezentralisierung politischer Macht in den existierenden Nationalstaaten im Zusammenhang behandelt werden.]


14 Regionale politische Integration bezeichnet einen Prozess, bei dem Staaten freiwillig gemeinsame Institutionen schaffen und weiterentwickeln, die es in zunehmenden Maße gestatten, innerstaatliche Entscheidungen der beteiligten Staaten vorherzusagen, oder denen vermehrt Entscheidungskompetenzen überlassen werden, wobei der bezüglich dieses Sachverhalts in einem gegebenen Zeitpunkt herrschende Zustand den Grad der Integration anzeigt. Definition in Anlehnung an: Zimmerling, R., Externe Einflüsse auf die Integration von Staaten. Zur politikwissenschaftlichen Theorie regionaler Zusammenschlüsse. Freiburg i.B., 1991, S. 55.

15 Vgl. Renzsch, W., Deutsche Länder und europäische Integration. Kompetenzverluste und neue Handlungschancen in einem „Europa der Regionen“, in: Aus Politik und Zeitgeschichte [ApuZ], B28/1990. S. 28-39.

16 Bullmann, U., Regionen im Integrationsprozeß der Europäischen Union, in: ders. [Hrsg.], Die Politik der dritten Ebene. Regionen im Europa der Union, Baden-Baden 1994, S. 18.

17 So wurden 1994 z.B. sowohl eine ‚ECPR Standing Group on Regionalism’ als auch eine ‚Arbeitsgemeinschaft der DVPW’ zum Thema ‚Regionen’ institutionalisiert.


18 Vgl. Hooghe, L., Subnational Mobilisation in the European Union, in: West European Politics, Jg. 18, No. 3/1995, p. 175-198. sowie Jachtenfuchs, M. und Kohler-Koch, B., Regieren im dynamischen Mehrebenensystem, in: dies. [Hrsg.], Europäische Integration, Opladen 1996, S. 15-44.

19 In der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion ist die Existenz des europäische Mehrebenesystem unbestritten. Daher ist es gerechtfertigt von einem ‚Europa braucht die Regionen’ zu sprechen.

[Seite 15]

Parallel zu den jüngsten Fortschritten im europäischen Integrationsprozeß erlebt mit dem politischen Regionalismus eine auf den ersten Blick gegenläufige Tendenz einen neuen Aufschwung.

[Seite 16]

Diese für die neunziger Jahre zu konstatierende Gleichzeitigkeit der beiden Entwicklungen ist kein neues Phänomen. Schon der Aufschwung regionalistischer Bewegungen in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren, der sich u.a. in Wahlerfolgen regionalistischer Parteien manifestierte, fand in den westeuropäischen Fällen parallel zu Fortschritten im europäischen Integrationsprozeß statt. Neu ist hingegen der in regionalistischer Programmatik hergestellte explizite Bezug zur Europäischen Integration, der sich im Konzept der "Independence in Europe" der Scottish National Party (SNP) oder dem Slogan der italienischen Lega Lombarda "Lombardei - schon immer Europa" (Uesseler 1992: 342) ausdrückt. [...] Regionalisten betrachten die europäische Einigung offensichtlich als Chance zur Verwirklichung ihrer Ziele. Die Frage, inwieweit diese Erwartung realistisch ist, oder ob nicht der Kampf um politische Dezentralisierung bestehender Nationalstaaten angesichts der europäischen Integration zum Anachronismus wird oder gar einen Antagonismus zu dieser darstellt, war Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen und wesentliche Anregung für diese Arbeit. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach dem Einfluß der europäischen Integration auf die Chancen der Umsetzung regionalistischer Zielsetzungen.

In den achtziger Jahren wurde die Parallelität zentripetaler und zentrifugaler Tendenzen noch häufig als "überraschend" betrachtet und damit zum Ausgangspunkt für eine breitere politikwissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Thema (vgl. Keating/Jones 1985; Gerdes 1985: 81-105; Schulz 1993). Mittlerweile zählt dieser Befund für die wissenschaftliche Diskussion, speziell im Kontext der Auseinandersetzung mit dem europäischen Integrationsprozeß, fast schon zu den Gemeinplätzen. In der Tat finden hier "Regionen in Europa" seit Mitte der achtziger Jahre eine umfassendere Beachtung. Allerdings liegt angesichts ihrer großen Heterogenität (Größe, verfassungsmäßiger Status etc.) keine einheitliche Definition dessen vor, was als "Region" verstanden werden soll. Als kleinster gemeinsame Nenner gilt die der "größten subnationalen territorialen Einheiten" (Bullmann 1994b: 18).4 Das verstärkte akademische Interesse an Regionen manifestiert sich u.a. in einer Fülle von Literatur und der Gründung neuer Forschungszusammenhänge5. Dabei sind es vor allem Debatten über die aktuelle und zukünftige Form der Europäischen Union als "Mehrebenensystem" (Hooghe 1995; Jachtenfuchs/Kohler-Koch 1996a) oder "Europa der Regionen", in welchen supranationale Integration und die Dezentralisierung politischer Macht in den existierenden


4 Vgl. auch Hrbek/Weyand 1994: 15-19. Hier wird der (geographisch abgrenzbaren) Region gleichzeitig eine kulturelle, historische und/oder ökonomische Homogenität zugeschrieben.

5 So wurden 1994 z.B. sowohl eine ECPR Standing Group on Regionalism als auch eine Arbeitsgruppe der DVPW zum Thema "Regionen" ins Leben gerufen.

[Seite 17]

Nationalstaaten im Zusammenhang behandelt werden.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[19.] Cbr/Fragment 015 01

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Untersuchte Arbeit:
Seite: 15, Zeilen: 1-24
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 16, 17, Zeilen: 16: 37 ff. 17: 1 ff.
[Dabei sind es vor allem Debatten über die aktuelle und] zukünftige Form der Europäischen Union als „Mehrebenensystem“18 oder das Europa der Regionen19, in welchen supranationale Integration und die Dezentralisierung politischer Macht in den existierenden Nationalstaaten im Zusammenhang behandelt werden. Überwiegend geht es dabei allerdings weniger um politischen Regionalismus, wie er mit Forderungen nach mehr Autonomie oder staatlicher Unabhängigkeit verbunden ist. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Funktionalität der „dritten Ebene“20, ihre Bedeutung für den europäischen Integrationsprozess, interregionale Zusammenarbeit, mögliche Kooperation zwischen subnationalen Einheiten und der sich entwickelnden europäischen Ebene sowie die Organisation und Durchsetzung regionalen Interessen in der EU.21 Die Regionendiskussion auf der europäischen Ebene sowie in der Politik- und Wirtschaftswissenschaft ist mit zwei Zielsetzungen verknüpft: In wirtschaftlicher Hinsicht geht es vor allem um die im Zuge der Realisierung des Binnenmarktes erwartete Verschärfung regionaler Disparitäten, denen durch eine Verlagerung von Steuerungskompetenzen auf die subnationale Ebene und die Einbeziehung regionaler Institutionen entgegengewirkt werden soll.22 Politisch wird die Rolle von Regionen vornehmlich unter dem Aspekt der Bürgernähe angesichts zunehmender Zentralisierung diskutiert und damit eine Funktion für die Sicherung der Legitimität des europäischen politischen Systems gefordert.23 Die Hoffnung der Regionalisten stützen sich u.a. auf die in diesem Kontext festgestellte Aufwertung der subnationalen territorialen Einheiten seitens der EU. In den letzten Jahren lässt sich eine zunehmende Bereitschaft europäischer Institutionen, speziell des Europäischen Parlaments [EP] und der Kommission, zur Aufwertung und Einbindung regionaler Institutionen feststellen. Die Einrichtung des Ausschusses der Regionen [AdR]24 ermöglicht einen verbesserten Zugang regionaler Akteure zu europäischen Entscheidungsprozessen in regulativen wie distributiven Politikfeldern. Inwieweit dies auch [ein Mehr an Macht zur Folge hat, ist umstritten25;]

18 Vgl. Hooghe, L., Subnational Mobilisation in the European Union, in: West European Politics, Jg. 18, No. 3/1995, p. 175-198. sowie Jachtenfuchs, M. und Kohler-Koch, B., Regieren im dynamischen Mehrebenensystem, in: dies. [Hrsg.], Europäische Integration, Opladen 1996, S. 15-44.

19 In der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion ist die Existenz des europäische Mehrebenesystem unbestritten. Daher ist es gerechtfertigt von einem ‚Europa braucht die Regionen' zu sprechen.

20 Bullmann, Regionen, a.a.O., S. 15-44.

21 Vgl. Kohler-Koch, B., Regionen im Mehrebenensystem der EU, in: König, T., Rieger, E. und Schmitt, H., [Hrsg.], Das europäische Mehrebensystem, Frankfurt/M. und New York 1996, S. 203-237, sowie Kohler-Koch, B. [Hrsg.], Interaktive Politik in Europa. Regionen im Netzwerk der Integration, Opladen 1997.

22 Tömmel, I., System-Entwicklung und Politikgestaltung in der Europäischen Gemeinschaft am Beispiel der Regionalpolitik, in: Kreile, M. [Hrsg.], Die Integration Europas, PVS-Sonderheft 23, Opladen 1992, S. 185-209, sowie Marks, G., Structural Policy in the European Community, in: Sbragia, A., Euro-politics: Institution and Policymaking in the „New“ European Community, 1992, p. 191-224.

23 Vgl. Conzelmann, T., Europa der Regionen, in: Kohler-Koch, B. und Woyke, W., [Hrsg.], Wörterbuch der Politik Band 5: Die Europäische Union, München 1996, S.61-68, sowie Himmelmann, G., Europa der Regionen? Machtkampf unter dem Signum von Subsidiarität und Bürgernähe, in: Gegenwartskunde, Jg. 43, Nr. 3/1994, S. 309-319.

24 Der Ausschuss der Regionen ist ein beratendes Organ der Europäischen Union, der sich aus 220 Vertretern der lokalen und regionalen Gebietskörperschaften der Mitgliedstaaten der EU zusammensetzt. Der Ausschuss wurde durch den im November 1993 in Kraft getretenen Vertrag über die Europäische Union geschaffen [Maastrichter Vertrag, Art. 198]. Mit der Errichtung des AdR sollte gewährleistet werden, dass die dem Bürger am nächsten stehenden öffentlichen Körperschaften zu Vorschlägen der EU gehört werden, die für sie von unmittelbarem Interesse sind. Der AdR macht sich für die Wahrung des Subsidiaritätsprinzips stark. Die Mitglieder des AdR haben eine doppelte Funktion: Sie vertreten die Standpunkte der Gemeinden und Regionen zu Vorschlägen der Union gegenüber den europäischen Institutionen und sie informieren die Bürger über den europäischen Integrationsprozess. Deutschland hat 24 Mitglieder im Ausschuss der Regionen. Siehe hierzu auch die Darstellung 1 im Anhang.


25 Vgl. Bullmann, Regionen, a.a.O., S. 15-41.

[Seite 16]

Dabei sind es vor allem Debatten über die aktuelle und zukünftige Form der Europäischen Union als "Mehrebenensystem" (Hooghe 1995; Jachtenfuchs/Kohler-Koch 1996a) oder "Europa der Regionen", in welchen supranationale Integration und die Dezentralisierung politischer Macht in den existierenden

[Seite 17]

Nationalstaaten im Zusammenhang behandelt werden. Überwiegend geht es dabei allerdings weniger um politischen Regionalismus, wie er mit Forderungen nach mehr Autonomie oder staatlicher Unabhängigkeit verbunden ist. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Funktionalität der "dritten Ebene" (Bullmann 1994a), ihre Bedeutung für den europäischen Integrationsprozeß, interregionale Zusammenarbeit, mögliche Kooperation zwischen subnationalen Einheiten und der sich entwickelnden europäischen Ebene sowie die Organisation und Durchsetzung regionaler Interessen in der EU (Kohler-Koch 1996b; 1997a). Die Regionendiskussion auf der europäischen Ebene und in der Politik- und Wirtschaftswissenschaft ist mit zwei Zielsetzungen verknüpft: In wirtschaftlicher Hinsicht geht es vor allem um die im Zuge der Realisierung des Binnenmarktes erwartete Verschärfung regionaler Disparitäten, denen durch eine Verlagerung von Steuerungskompetenzen auf die subnationale Ebene und die Einbeziehung regionaler Institutionen entgegengewirkt werden soll (Tömmel 1992; Marks 1992, 1993). Politisch wird die Rolle von Regionen vornehmlich unter dem Aspekt der Bürgernähe angesichts zunehmender Zentralisierung diskutiert und ihr damit eine Funktion für die Sicherung der Legitimation des europäischen politischen Systems zugedacht (vgl. Conzelmann 1996; Himmelmann 1994).

Die Hoffnungen der Regionalisten stützen sich u.a. auf die in diesem Kontext festgestellte Aufwertung der subnationalen territorialen Einheiten seitens der EU. In den letzten Jahren läßt sich eine zunehmende Bereitschaft europäischer Organe, speziell des Europäischen Parlaments und der Kommission, zur Aufwertung und Einbindung regionaler Institutionen feststellen. Die Einrichtung des "Ausschusses der Regionen" läßt zumindest einen verbesserten Zugang regionaler Akteure zu europäischen Entscheidungsprozessen in regulativen wie distributiven Politikfeldern erwarten. Inwieweit dies auch ein Mehr an Einfluß zur Folge hat, ist umstritten (Bullmann 1994b; kontrovers Borras-Alomar/Christiansen/Rodriguez Pose 1994);

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[20.] Cbr/Fragment 016 01

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Untersuchte Arbeit:
Seite: 16, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 17, 18, Zeilen: 17: 24 ff.; 18: 1 ff.
[Inwieweit dies auch] ein Mehr an Macht zur Folge hat, ist umstritten25; offensichtlich wird von Seiten der genannten Einrichtungen der Europäischen Union ein solcher Zuwachs an Einfluss der regionalen Ebene beabsichtigt.26 Besonders deutlich wird diese Tendenz in der Entwicklung der Regionalpolitik seit der Neukonzeption im Jahr 1988 und dem in ihr verankerten Prinzip der Partnerschaft vor Ort. Dabei wird davon ausgegangen, dass regionale Probleme am besten unter Einbeziehung regionalen Problembewusstseins, ‚Entwicklungs-Know-How’ und Verantwortungsbewusstseins gelöst werden können.27 EU-Förderprogramme sollen von regionalen Institutionen umgesetzt und diese an Entscheidungen beteiligt werden.28 Die regionale Ebene wird so ‚von oben’ aufgewertet. Die Dezentralisierung von Kompetenzen und Aufgaben wird durch die EU gefördert.

Die solchen Innovationsanliegen explizit oder implizit zugrundeliegende Annahme der Funktionalität der regionalen Ebene wird mittlerweile auch in der Diskussion um das Europa der Regionen aufgegriffen. Allerdings hat dieses wenig neue Konzept und die Debatte darüber hinaus einen ambivalenten Charakter. Bereits in der Nachkriegszeit entstand die auf z.T. bis in das siebzehnte Jahrhundert zurückreichende, auf föderaltheoretischen Denktraditionen basierende „minoritäre Programmvokabel“29 als Gegenmodell zu de Gaulles ‚Europa der Vaterländer’. Die Wiederbelebung der Diskussion fand jedoch parallel zu den Fortschritten der europäischen Integration statt und ist in ihrem Kontext zu verstehen.30 Die ursprünglich normative Ausrichtung auf die ‚bessere’ [Friedens-]Ordnung wird damit um die Hervorhebung der funktionalen Bedeutung der subnationalen Ebene für die politische Steuerung gesellschaftlicher, vor allem ökonomischer Entwicklung erweitert. Dadurch verstärkt sich die „Sperrigkeit“31 dieses Konzeptes gegen eine unmissverständliche Definition und Zuordnung. Der Übergang zwischen wissenschaftlicher Betrachtung und normativer Argumentation bleibt fließend.32 Das Europa der Regionen ist ein gutes Beispiel dafür, wie Funktionalitätskriterien in politischen Auseinandersetzungen der Untermauerung normativer Argumentationen dienen. So wird die aktuelle Diskussion auf europäischer Ebene und in der Wissenschaft wiederum zum Ansatzpunkt für regionalistische Parteien, die sie zur Legitimation ihrer Forderungen und zur Wählermobilisierung nutzen.33 Insofern ist bei der Verwendung dieses Konzeptes Vorsicht geboten, zumindest aber muss deutlich gemacht werden, [inwieweit es als maßgebliche Programmvokabel gebraucht wird und wo sein dadurch letztlich eingeschränkter analytischer Gehalt liegt.]


25 Vgl. Bullmann, Regionen, a.a.O., S. 15-41.

26 Vgl. Anderson, P., The Invention of the Region 1945-1990, San Domenico, 1994, p. 11.

27 Bullmann, U. und Eißel, D., „Europa der Regionen“. Entwicklung und Perspektiven, in: Apuz, Nr. B20-21/1993, S. 4.

28 Vgl. Tömmel, System-Entwicklung, a.a.O., S. 199 und S. 203; sowie Leonardi, R. und Gramise, S., Conclusion: Sub-National Elites and the European Community, in: Regional Politics and Policy, Jg. 2, Nr. 1 und 2/1992, p. 266f.

29 Gerdes, D., Europa der Regionen, in: Nohlen, D., [Hrsg.], Piepers Wörterbuch zur Politikwissenschaft Band 2: Europäische Integration, München 1984, S. 58.

30 Vgl. Bullmann, Regionen, a.a.O., S. 19.

31 Conzelmann, Europa der Regionen, a.a.O., S. 61.

32 Vgl. Caciagli, M., Das Europa der Regionen: Regressive Utopie oder politische Perspektive?, in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, Jg. 1, Nr. 4/1990. S. 421-432.

33 Vgl. Borras-Alomar, S., et al [Eds.], Towards a ‘Europe of the Regions’? Visions and Reality from a Critical Perspective, in: Regional Politics and Policy, Jg. 4, Nr. 2, 1994, p. 1-27.

[Seite 17]

Inwieweit dies auch ein Mehr an Einfluß zur Folge hat, ist umstritten (Bullmann 1994b; kontrovers Borras-Alomar/Christiansen/Rodriguez Pose 1994); offensichtlich wird aber von seiten der genannten Institutionen der EU ein solcher Zuwachs an Einfluß der regionalen Ebene intendiert (Anderson 1994: 11). Besonders deutlich wird diese Tendenz in der Entwicklung der Regionalpolitik seit der Neukonzeption von 1988 und dem in ihr verankerten Prinzip der "Partnerschaft vor Ort". Dabei wird davon ausgegangen, daß regionale Probleme am besten unter Einbeziehung regionalen Problembewußtseins, "Entwicklungs-Know-Hows" und Verantwortungsbewußtseins gelöst werden können (Bullmann/Eißel 1993: 4). EG-Förderprogramme sollen von regionalen Institutionen umgesetzt und diese an Entscheidungen beteiligt werden (Tömmel 1992: 199, 203; Leonardi/Garmise 1992: 266f). Die regionale Ebene wird so "von oben" aufgewertet, die Dezentralisierung von Kompetenzen und Aufgaben durch die EU gefördert.

Die solchen Innovationsanliegen explizit oder implizit zugrundeliegende Annahme der Funktionalität der regionalen Ebene wird mittlerweile auch in der Diskussion um das "Europa der Regionen" aufgegriffen. Allerdings haben dieses wenig neue Konzept und die Debatte darüber einen ambivalenten Charakter. Bereits in der Nachkriegszeit entstand die auf z.T. bis in das siebzehnte Jahrhundert zurückreichenden föderalismustheoretischen Denktraditionen fußende "minoritäre Programmvokabel" (Gerdes 1984: 58) als Gegenmodell zu de Gaulles "Europa der Vaterländer". Die Wiederbelebung der Diskussion fand jedoch parallel zu den Fortschritten der europäischen Integra-

[Seite 18]

tion statt und muß in ihrem Kontext verstanden werden (Bullmann 1994b: 19). Die ursprünglich normative Ausrichtung auf die "bessere" (Friedens-) Ordnung wird damit um die Hervorhebung der funktionalen Bedeutung der subnationalen Ebene für die politische Steuerung gesellschaftlicher, vor allem ökonomischer Entwicklung erweitert. Dadurch verstärkt sich die "Sperrigkeit" (Conzelmann 1996: 61) dieses Konzeptes gegen eine eindeutige Definition und Zuordnung zusätzlich; der Übergang zwischen wissenschaftlicher Betrachtung und normativer Argumentation bleibt fließend (vgl. Caciagli 1990). Das "Europa der Regionen" ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie Funktionalitätskriterien in politischen Auseinandersetzungen der Untermauerung normativer Argumentationen dienen. So wird die aktuelle Diskussion auf europäischer Ebene und in der Wissenschaft wiederum zum Ansatzpunkt für regionalistische Parteien, die sie zur Legitimierung ihrer Forderungen und zur Wählermobilisierung nutzen (Borras-Alomar/Christiansen/Rodriguez Pose 1994: 1). Insofern ist bei der Verwendung dieses Konzeptes Vorsicht geboten, zumindest aber muß deutlich gemacht werden, inwieweit es als normativ aufgeladene Programmvokabel gebraucht wird und wo sein dadurch letztlich eingeschränkter analytischer Gehalt liegt.


Anderson, Perry (1994): The Invention of the Region 1945-1990, San Domenico.

Borras-Alomar, Susana/Christiansen, Thomas/Rodriguez Pose, Andres (1994): Towards a 'Europe of the Regions'? Visions and Reality from a Critical Perspective, in: Regional Politics and Policy, Jg. 4, Nr. 2, 1-27.

Bullmann, Udo (1994b): Regionen im Integrationsprozeß der Europäischen Union, in: ders. (Hg.), Die Politik der dritten Ebene. Regionen im Europa der Union, Baden-Baden, 15-41.

Bullmann, Udo/Eißel, Dieter (1993): "Europa der Regionen". Entwicklung und Perspektiven., in: Apuz, Nr. B 20-21/1993, 3-15.

Caciagli, Mario (1990): Das Europa der Regionen: Regressive Utopie oder politische Perspektive?, in: Österreichische Zeitschrift Für Politikwissenschaft, Jg. 19, Nr. 4, 421-432.

Conzelmann, Thomas (1996): Europa der Regionen, in: Kohler-Koch, Beate/Woyke, Wichard (Hg.), Wörterbuch der Politik Band 5: Die Europäische Union, München, 61-68.

Gerdes, Dirk (1984): Europa der Regionen, in: Nohlen, Dieter (Hg.), Pipers Wörterbuch zur Politikwissenschaft Band 2: Europäische Integration, München, 58-63.

Leonardi, Robert/Garmise, Shari (1992): Conclusions: Sub-National Elites and the European Community, in: Regional Politics and Policy, Jg. 2, Nr. 1&2, 247-274.

Tömmel, Ingeborg (1992): System-Entwicklung und Politikgestaltung in der Europäischen Gemeinschaft am Beispiel der Regionalpolitik, in: Kreile, Michael (Hg.), Die Integration Europas, PVS-Sonderheft 23, Opladen, 185-209.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Referenzen werden mitübernommen.


[21.] Cbr/Fragment 017 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 17, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 18, 19, Zeilen: 18: 13 ff.; 19: 1 ff.
[Insofern ist bei der Verwendung dieses Konzeptes Vorsicht geboten, zumindest aber muss deutlich gemacht werden,] inwieweit es als maßgebliche Programmvokabel gebraucht wird und wo sein dadurch letztlich eingeschränkter analytischer Gehalt liegt.

1.2 Politischer Regionalismus im internationalen Kontext

In der Ambivalenz des Europas der Regionen liegt der Ansatzpunkt dieser Arbeit sowie die Schnittstelle zwischen Begriff und dem Aspekt der Funktionalität der regionalen Ebene zu analysieren. In der Beschäftigung der neueren Regionenforschung mit der politischen Dezentralisierung existierender Nationalstaaten findet die Frage der Ausstattung der subnationalen Ebene mit adäquaten Steuerungsinstrumenten zunehmend Aufmerksamkeit. Vor dem Hintergrund der dadurch implizierten Hypothesen der Funktionalität politischer Steuerung auf regionaler Ebene soll es hier jedoch um die Erfolgschancen eines zunächst davon unabhängigen und bereits vor der jüngsten Debatte um das Europa der Regionen etablierten Regionalismus gehen. Im Gegensatz vor allem zur englischsprachigen Literatur, in welcher unter ‚regionalism’ sowohl politische Bestrebungen in subnationalen territorialen Einheiten nach [mehr] Autonomie [‚bottom-up-regionalism’] als auch vom Zentralstaat ausgehenden, rein administrative Dezentralisierungsmaßnahmen wie in Frankreich nach dem Jahr 1982 [„top-down-regionalism“]34, verstanden werden, soll hier, wie im deutschen Sprachgebrauch spätestens seit den siebziger Jahren üblich35, Regionalismus in Anlehnung an Gerdes als die „Politisierung des subnationalen territorialen Bezugsrahmens“36 definiert werden.37 Damit beschränkt sich die Verwendung auf Bestrebungen ‚von unten’, politische Macht vom Nationalstaat auf eine darunterliegende politische Ebene zu verlagern. Insofern unterscheidet sich dieser Gebrauch des Begriffs auch von seiner in der Disziplin der Internationalen Beziehungen verbreiteten Verwendung für supranationale regionale Blockbildung.38

Regionalismus wird als übergreifender Terminus für verschiedene Formen und Ausprägungen jener Bestrebungen verwandt, die ein breites Spektrum von Zielsetzungen verfolgen können. Diese reichen von Kompetenzverschiebungen auf die regionalen Ebene über die Etablierung einer Region als politisch definierte territoriale Einheit bis hin zur Herstellung ihrer vollen staatlichen Souveränität [Separatismus].39 Per Definition erhält [die Vokabel einen territorialen Bezug: Wo immer regionalistische Bewegungen Autonomie oder Unabhängigkeit fordern, gilt diese für ein abgegrenztes Territorium, das als ‚Stammland’ der betreffenden Bevölkerungsgruppe betrachtet wird.]


34 Keating, M., Europeanism and Regionalism, in: Jones, B., /ders. [Eds.], The European Union and the Regions, Oxford 1995, p. 2.

35 Vgl. Hrbek, R. und Weyand, S., Betrifft: Das Europa der Regionen, München 1994, S. 19.

36 Gerdes, D., Regionalismus als Soziale Bewegung. Westeuropa, Frankreich, Korsika: Vom Vergleich zur Kontextanalyse, Frankfurt/M. und New York 1985, S. 56.

37 Schulz definiert Regionalismus in diesem Sinne als „die Organisation [von Teilen] der Bevölkerung einer Region - genauer: einer aus geschichtlichen, kulturellen, wirtschaftlichen, politisch-administrativen oder ggf. naturräumlichen Gründen als homogen empfundenen Landschaft - für die Gestaltung derselben und die politische Vertretung der Interessen der autochtonen Bevölkerung nach außen, z.B. gegenüber dem Zentralstaat“; vgl. Schulz, M., Regionalismus und die Gestaltung Europas. Die konstitutionelle Bedeutung der Regionen im europäischen Drama zwischen Integration und Desintegration, Hamburg 1993, S. 26.

38 An dieser Stelle erfolgt eine sehr allgemeine Definition von Regionalismus. Für eine wissenschaftlich-theoretische Definition siehe Kap. 2.

39 Vgl. Sturm, R. und Schultz, R.-O., „Regionalismus“, in: Lexikon der Politik, [Hrsg.] Nohlen, D., Band 3: Die westlichen Länder, hergs. Schmidt, M., München 1992, S. 410-413; sowie Gerdes, D., Regionalismus in Westeuropa, in: Wehling, H.-G., [Hrsg.], Regionen und Regionalismus in Westeuropa, Stuttgart 1987, S. 17.

[Seite 18]

Insofern ist bei der Verwendung dieses Konzeptes Vorsicht geboten, zumindest aber muß deutlich gemacht werden, inwieweit es als normativ aufgeladene Programmvokabel gebraucht wird und wo sein dadurch letztlich eingeschränkter analytischer Gehalt liegt.

1.2 Politischer Regionalismus im internationalen Kontext

In der Ambivalenz des "Europas der Regionen" liegt der Ansatzpunkt dieser Arbeit, die Schnittstelle zwischen der "Programmvokabel" und dem Aspekt der Funktionalität der regionalen Ebene. In der Beschäftigung der neueren Regionenforschung mit der politischen Dezentralisierung existierender Nationalstaaten findet die Frage der Ausstattung der subnationalen Ebene mit adäquaten Steuerungsinstrumenten wachsende Aufmerksamkeit. Vor dem Hintergrund der dadurch implizierten Hypothese der Funktionalität politischer Steuerung auf regionaler Ebene soll es hier jedoch um die Erfolgschancen eines zunächst davon unabhängigen und bereits vor der jüngsten Debatte um das "Europa der Regionen" etablierten Regionalismus gehen. Im Gegensatz vor allem zur englischsprachigen Literatur, in welcher unter "regionalism" sowohl politische Bestrebungen in subnationalen territorialen Einheiten nach (mehr) Autonomie ("bottom-up-regionalism") als auch vom Zentralstaat ausgehende, rein administrative Dezentralisierungsmaßnahmen wie in Frankreich nach 1982 ("top-down-regionalism") verstanden werden (Keating 1995: 2), soll hier, wie im deutschen Sprachgebrauch spätestens seit den siebziger Jahren üblich (Hrbek/Weyand 1994: 19), Regionalismus in Anlehnung an Gerdes als die "Politisierung des subnationalen territorialen Bezugsrahmens" (1985: 56) definiert werden. 6 Damit beschränkt sich seine Verwendung auf Bestrebungen von unten, politische Macht vom Nationalstaat auf eine darunterliegende politische Ebene zu verlagern. Insofern unterscheidet sich dieser Gebrauch des Begriffs auch von seiner


6 Schulz definiert Regionalismus in diesem Sinne als "die Organisation (von Teilen) der Bevölkerung einer Region - genauer: einer aus geschichtlichen, kulturellen, wirtschaftlichen, politisch-administrativen oder ggf. naturräumlichen Gründen als homogen empfundenen Landschaft - für die Gestaltung derselben und die politische Vertretung der Interessen der autochtonen Bevölkerung nach außen, z.B. gegenüber dem Zentralstaat" (Schulz 1993: 26).

[Seite 19]

in der Disziplin der Internationalen Beziehungen verbreiteten Verwendung für supranationale regionale Blockbildung.

Regionalismus wird als übergreifender Terminus für verschiedene Formen und Ausprägungen solcher Bestrebungen gebraucht, die ein breites Spektrum von Zielsetzungen verfolgen können. Diese reichen von Kompetenzverschiebungen zur regionalen Ebene über die Etablierung einer Region als politisch verfaßte territoriale Einheit bis hin zur Herstellung ihrer vollen staatlichen Souveränität (Separatismus) (vgl. Sturm/Schultze 1992: 410-413; Gerdes 1987: 17). Per Definition enthält der Terminus einen territorialen Bezug: Wo immer regionalistische Bewegungen Autonomie oder Unabhängigkeit fordern, gilt diese für ein abgegrenztes Territorium, das als "Stammland" der betreffenden Bevölkerungsgruppe betrachtet wird.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Referenzen werden mitübernommen.


[22.] Cbr/Fragment 018 01

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Untersuchte Arbeit:
Seite: 18, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 19, 20, Zeilen: 19: 8 ff.; 20: 1 ff.
[Per Definition erhält] die Vokabel einen territorialen Bezug: Wo immer regionalistische Bewegungen Autonomie oder Unabhängigkeit fordern, gilt diese für ein abgegrenztes Territorium, das als ‚Stammland’ der betreffenden Bevölkerungsgruppe betrachtet wird. Da es sich bei diesen territorialen Einheiten um geographische Teile eines existierenden Nationalstaates handelt, beinhalten die Zielsetzungen des Regionalismus, wo auch immer sie sich auf der Skala zwischen Kompetenzgewinnen und Separatismus befinden, grundsätzlich eine territoriale Dezentralisierung politischer Macht.

In den meisten und bedeutendsten Fällen von Regionalismus werden ethnisch-kulturelle Differenzierungen bzw. einem Teil der Bevölkerung zugeschriebene Merkmale zur Mobilisierung herangezogen.40 Die Definition solcher kollektiven Identitäten kann an frühere Autonomie und eine gemeinsame Geschichte, aber auch an sichtbaren Kriterien wie der Religionszugehörigkeit oder einer eigenen Sprache festgemacht werden. Damit soll nicht im Sinne der Forscher von einer elementaren Gegebenheit ethnischer Differenzierungen ausgegangen werden, die gleichsam ein ‚natürliches Konfliktpotential’ bilden. Diese auch als „new ethnics“[sic]41 bezeichneten Theoretiker, zu denen prominentesten Vertretern Geertz42, und Connor43 gehören, führen die Entstehung ethnischer Konflikte mehr oder weniger deterministisch auf die Beharrlichkeit ethnischer Differenzierungen zurück. Solchen Ansätzen und der darauf aufbauenden „Persistenzthese“,44 welche die [Wieder-]Entdeckung ethnisch-kultureller Zugehörigkeit dem ‚Ende der Ideologien’ und dem Aufbrechen klarer Klassen- und Schichtzugehörigkeiten zuschreibt45, wird von anderer Seite zu Recht entgegengehalten, dass ein solcher Ansatz der Komplexität und Konstruiertheit kollektiver Identitäten nicht gerecht wird.46 Hinzu kommt ein in der Statik seiner zentralen unabhängigen Variablen begründetes Erklärungsproblem, so dass er letztlich weder die Beharrlichkeit noch die Virulenz ethnischer Konflikte zu einem bestimmten Zeitpunkt erklären kann. Dennoch verfügen Vergemeinschaftungen, deren Zusammengehörigkeitsgefühl unabhängig von der Politisierung besteht, wie etwa ethnische Gruppen oder Religionsgemeinschaften, über [einen „Organisationsvorteil“47.]


40 Als Gegenbeispiele lassen sich die norditalienischen Ligen anfügen. Vgl. Schmidte, O., Politics of identity. Ethnicity, Territories, and the Political Opportunity Structure in Motern Italien Society, Sinzheim 1996. Es wird jedoch nicht bestritten, dass es sich bei ethnischen Zuordnungen und Abgrenzungen letztlich immer um Konstruktionen handelt. Der Unterschied liegt hier lediglich im [Nicht-]Vorhandensein offensichtlicher Differenzierungsmerkmale wie Sprache oder Religionszugehörigkeit.

41 Birch, A., H., Minority Nationalist Movements and Theories of Political Integration, in: World Politics, Jg. 30, Nr. 1/1978, p. 321 [sic].

42 Vgl. Geertz, C., The integrative Revolution. Primordial Sentiments and Civil Politics in the New States, in: ders. [Ed.], Old Societies and New States. The Quest for Modernty in Asia and Africa, London 1963, p. 105-157.

43 Connor, W., The Politics of Ethnonationalism, in: Journal of International Affairs, Jg. 27, Nr.1/1973, p. 1-21. sowie Connor, W., Elites and Ethnonationalism. The Case of Europe, in: Beramendi, J., et al [Eds.], Nationalism in Europe Past and Present, Vol. II, Santiago de Compostela 1994, p. 349-362.

44 Das ist die allgemeine Bezeichnung einer solchen Grundannahme: Es wird von einer Beständigkeit ethnischer Bindungen ausgegangen, ohne dass letztlich begründet wird, wie sie sich reproduzieren. Für eine umfassende Diskussion und Kritik siehe Gerdes, Regionalismus als Soziale Bewegung, a.a.O.

45 Vgl. Lijphart, A., Political Theories and the Explanation of Ethnic Conflict in the western World: falsified Predictions and Plausible Postdictions, in: Esmand, M. [Ed.], Ethnic Conflict in the Western Wolrd, Ithaca et al 1977, p. 60.

46 Vgl. z.B. Brass, P., Elite Competition and the Origins of Ethnic Nationalism, in: Beramendi, Nationalism, a.a.O., p. 111.


47 Pappi, F., U., Konfliktlinien, in: Lexikon der Politik, [Hrsg.] Nohlen, D., Band 3: Die westlichen Länder, [Hrsg.] Schmidt, M., München 1992, S. 196.

Per Definition enthält der Terminus einen territorialen Bezug: Wo immer regionalistische Bewegungen Autonomie oder Unabhängigkeit fordern, gilt diese für ein abgegrenztes Territorium, das als "Stammland" der betreffenden Bevölkerungsgruppe betrachtet wird. Da es sich bei diesen territorialen Einheiten um Teilgebiete eines existierenden Nationalstaates handelt, beinhalten die Zielsetzungen des Regionalismus, wo auch immer sie sich auf der Skala zwischen Kompetenzzugewinnen und Separatismus befinden, grundsätzlich eine territoriale Dezentralisierung politischer Macht.

In den meisten und bedeutendsten Fällen von Regionalismus werden ethnisch-kulturelle Differenzierungen bzw. einem Bevölkerungssegment zugeschriebene Merkmale zur Mobilisierung herangezogen.7 Die Definition solcher kollektiven Identitäten kann an vagen Erinnerungen an frühere Autonomie und eine "gemeinsame Geschichte", aber auch an sichtbaren Kriterien wie der Religionszugehörigkeit oder einer eigenen Sprache festgemacht werden. Damit soll nicht im Sinne der "Primordialisten" von einer elementaren Gegebenheit ethnischer Differenzierungen ausgegangen werden, die gleichsam ein "natürliches" Konfliktpotential bilden. Diese auch als "new ethnicists" (Birch 1978: 321 [sic]) bezeichneten Theoretiker, zu deren prominentesten Geertz (1963), Smith (1971; 1976) und Connor (1973; 1994) gehören, führen die Entstehung ethnischer Konflikte mehr oder weniger deterministisch auf die Persistenz ethnischer Differenzierungen zurück. Solchen Ansätzen und der darauf aufbauenden Persistenzthese8, welche die (Wieder-) Entdeckung ethnisch-kultureller Zugehörigkeit dem "Ende der Ideologien" und dem Aufbrechen klarer Klassen- und Schichtzugehörigkeiten zuschreibt (u.a. Lijphart 1977: 60), wird von anderer Seite zu Recht entgegengehalten, daß ein solcher Ansatz der Komplexität und Konstruiertheit kollektiver Identitäten nicht gerecht wird (vgl. z.B. Brass 1994: 111). Hinzu kommt ein in der Statik seiner zentralen unabhängigen Variablen begründetes Erklärungsproblem, so daß er letztlich weder die Persistenz noch die Virulenz ethnischer Konflikte zu einem bestimmten Zeitpunkt erklären kann.


7 Gegenbeispiele sind die kanadischen Prärieprovinzen und die norditalienischen Ligen. Während bei ersteren ethnische Unterschiede gar nicht erst bemüht werden, wirken sie bei letzteren, sofern sie überhaupt herangezogen werden, sehr künstlich (Vgl. Woods 1992; Ruzza/Schmidtke 1993; Schmidtke 1996). Damit soll nicht in Abrede gestellt werden, daß es sich bei ethnischen Zuordnungen und Abgrenzungen letztlich immer um Konstruktionen handelt. Der Unterschied liegt hier lediglich im (Nicht-) Vorhandensein offensichtlicher Differenzierungsmerkmale wie Sprache oder Religionszugehörigkeit.

8 So lautet die allgemeine Bezeichnung einer solchen Grundannahme: Es wird von einer Persistenz ethnischer Bindungen ausgegangen, ohne daß letztlich begründet wird, wie sie sich reproduzieren. Für eine umfassendere Diskussion und Kritik dieser Ansätze vgl. Ganter 1995.

[Seite 20]

Dennoch verfügen "Vergemeinschaftungen, deren Zusammengehörigkeitsgefühl unabhängig von der Politisierung besteht", wie etwa ethnische Gruppen oder Religionsgemeinschaften, über einen "Organisationsvorteil" (Pappi 1992: 196).

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Referenzen werden mitübernommen.


[23.] Cbr/Fragment 019 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 19, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 20, Zeilen: 1 ff.
[Dennoch verfügen Vergemeinschaftungen, deren Zusammengehörigkeitsgefühl unabhängig von der Politisierung besteht, wie etwa ethnische Gruppen oder Religionsgemeinschaften, über] einen „Organisationsvorteil“47. Ethnische Identitäten haben, wie die „situationists“48 betonen, eine instrumentelle Qualität. Ihre Inhalte können von Eliten, die um politische oder ökonomische Vorteile kämpfen, in politische Symbole umgesetzt und zur Mobilisierung genutzt werden.49 Einige Vertreter eines revidierten modernisierungstheoretischen Ansatzes – er war ursprünglich von einem Verschwinden ethnisch-kultureller Unterschiede im Zuge der Modernisierung ausgegangen – heben hier besonders die neuen Mittelschichten hervor. Diese im Zuge der Ausweitung der Bildungschancen gewachsenen [sic] Gruppe setzt auf die ethnische Identität als Mobilisierungspotential, weil sie im Aufbau eines eigenen Staatsapparates eine Verbesserung der eigenen Aufstiegsmöglichkeiten sehen [sic].50

In politischen Auseinandersetzungen wird der Begriff ethnische Identität vor allem dann explizit verwendet, wenn es um deren Anerkennung innerhalb eines Staates oder über Staatsgrenzen hinweg geht.51 Im Fall des Regionalismus wird nicht darauf, sondern oftmals auf eine eigene Nation bezug genommen. Dadurch wird über die ethnisch-kulturelle Identität hinaus eine politische Einheit konstruiert. Im Kontext moderner, territorial definierter Staatlichkeit schließt sich daran die Forderung nach Selbstbestimmung des so definierten Volkes an.52 Nicht nur seitens der Regionalisten selbst, sondern auch in der sozialwissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Phänomen wird der Begriff Regionalismus daher zumeist synonym mit ‚Nationalismus’ verwendet. Die Berufung auf eine kulturelle Identität ist in der Verwendung des Begriffs Nationalismus weitgehend vorausgesetzt. Der etwas hilflose Versuch der begrifflichen Beschreibung eines Nationalismus ohne Nationalstaat reichen von „Ethno-Nationalismus“53 über „Minderheitennationalismus“54 bis zu „Sub-Nationalismus“ oder „Mini-Nationalismus“55. Dadurch werden letztlich nur einzelner [sic] Aspekte oder Attribute der Trägergruppe hervorgehoben. In Fällen, in denen die Orientierung auf die Nation als Wert an sich ein wesentliches Motiv sich ethnisch definierender und abgrenzender Gruppen im Einsatz für ein Mehr an politischer Autonomie darstellt, kann durchaus von Nationalismus gesprochen werden.56

Wird im Kontext der europäischen Integration von einer wachsenden Bedeutung subnationaler territorialer Einheiten und ihrer Aufwertung seitens der EU gesprochen, so [stellt sich die Frage, inwieweit sich dadurch die Chancen solcher etablierter regionalistischer Bewegungen erhöhen, ihr Ziel einer Dezentralisierung politischer Macht zu erreichen.]


47 Pappi, F., U., Konfliktlinien, in: Lexikon der Politik, [Hrsg.] Nohlen, D., Band 3: Die westlichen Länder, [Hrsg.] Schmidt, M., München 1992, S. 196.

48 Keating, M., Regional Autonomy in the Changing State Order: A Framework of Analysis, in: Regional Politics and Policy, Jg. 2, Nr. 3/1992, p. 56.

49 Vgl. Gourevitch, P., The Reemergence of “Peripheral Nationalism”: Some Comparative Speculations on the Spatial Distribution of Political Leadership and Economic Growth, in: Comparative Studies in Society and History, Jg. 21, Nr. 3/1979, S. 321; sowie Brass, Elite Competition, a.a.O., p. 115f.

50 Premdas, R., Secessionist Movements in Comparative Perspective, in: ders. [Ed.], Secessionist Movements in Comparative Perspective, London 1990, p. 18f.

51 Calhoun, C., Nationalis and Ethnicity, in: Annual Review of Sociology, 19/1993, p. 235.

52 Vgl. Hobsbawm, E., Nation, State, Ethnicity, Religion: Transformations of Identity, in: Beramendi, Nationalism, a.a.O., p. 42.

53 Connor, The Politics of Ethnonationalism, a.a.O., p. 1-21.

54 Birch, Minority Nationalist Movements, a.a.O., p. 325-345.

55 Vgl. Snyder, L., Encyclopedia of Nationalism, Chicago und London 1990.

56 Vgl. Bredow, W., von, Nationalismus, in: Görlitz, A, und Prätorius, R. [Hrsg.], Handbuch Politikwissenschaft. Grundlagen – Forschungsstand – Perspektiven, Reinbek 1987, S. 319.

Dennoch verfügen "Vergemeinschaftungen, deren Zusammengehörigkeitsgefühl unabhängig von der Politisierung besteht", wie etwa ethnische Gruppen oder Religionsgemeinschaften, über einen "Organisationsvorteil" (Pappi 1992: 196). Ethnische Identitäten haben, wie die "situationists" (Keating 1992: 56) betonen, eine instrumentelle Qualität. Ihre Inhalte können von Eliten, die um politische oder ökonomische Vorteile kämpfen, in politische Symbole umgesetzt und zur Mobilisierung genutzt werden (Gourevitch 1979: 321; Brass 1994: 115f). Einige Vertreter der eines revidierten modernisierungstheoretischen Ansatzes - er war ursprünglich von einem Verschwinden ethnisch-kultureller Unterschiede im Zuge der Modernisierung ausgegangen - heben hier besonders die neuen Mittelschichten hervor. Diese im Zuge der Ausweitung der Bildungschancen gewachsene Gruppe setze auf die ethnische Identität als Mobilisierungspotential, weil sie im Aufbau eines eigenen Staatsapparates eine Verbesserung der eigenen Aufstiegsmöglichkeiten sehe (Premdas 1990: 18f).

In politischen Auseinandersetzungen wird der Begriff "ethnische Identität" vor allem dann explizit gebraucht, wenn es um deren Anerkennung innerhalb eines Staates oder über Staatsgrenzen hinweg geht (Calhoun 1993: 235). Im Fall des Regionalismus wird indes nicht darauf, sondern zumeist auf eine eigene Nation bezug genommen. Dadurch wird über die ethnisch-kulturelle Identität hinaus eine politische Einheit konstruiert. Im Kontext moderner, territorial definierter Staatlichkeit schließt sich daran die Forderung nach Selbstbestimmung des so definierten Volkes an (Hobsbawm 1994: 42; vgl. auch Schneckener 1997: 39). Nicht nur seitens der Regionalisten selbst, sondern auch in der sozialwissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Phänomen wird der Begriff Regionalismus daher zumeist synonym mit "Nationalismus" gebraucht. Der Rekurs auf eine kulturelle Identität ist in der Verwendung des Begriffs Nationalismus weitgehend vorausgesetzt. Die etwas hilflosen Versuche der begrifflichen Fassung eines Nationalismus ohne Nationalstaat reichen von "Ethno-Nationalismus" (Connor 1973) über "Minderheiten-Nationalismus" (Birch 1978) bis zu "Sub-Nationalismus" oder "Mini-Nationalismus" (Snyder 1990), wodurch letztlich nur einzelne Aspekte oder Attribute der Trägergruppe hervorgehoben werden sollen. Ohne Gefahr zu laufen, wie manche Nationalismusforscher die Binnenperspektive solcher Bewegungen zu übernehmen, kann in Fällen, in denen die Orientierung auf die Nation als Wert an sich ein wesentliches Motiv sich ethnisch definierender und abgrenzender Gruppen im Einsatz für ein Mehr an politischer Autonomie darstellt, durchaus von Nationalismus gesprochen werden (von Bredow 1987: 319)9.

Wenn also im Kontext der europäischen Integration von einer wachsenden Bedeutung subnationaler territorialer Einheiten und ihrer Aufwertung seitens der EU die Rede ist, so stellt sich die Frage, inwieweit sich dadurch die Chancen solcher etablierter regionalistischer Bewegungen erhöhen, ihr Ziel einer Dezentralisierung politischer Macht zu erreichen.


9 Insofern wird im folgenden häufig von schottischem, katalanischem etc. Nationalismus die Rede sein.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Referenzen werden mitübernommen.


[24.] Cbr/Fragment 020 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 20, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 20, 21, Zeilen: 20: letzter Absatz; 21: 1 ff.
[Wird im Kontext der europäischen Integration von einer wachsenden Bedeutung subnationaler territorialer Einheiten und ihrer Aufwertung seitens der EU gesprochen, so] stellt sich die Frage, inwieweit sich dadurch die Chancen solcher etablierter regionalistischer Bewegungen erhöhen, ihr Ziel einer Dezentralisierung politischer Macht zu erreichen. Es geht um einen nationalistisch motivierten Regionalismus, dessen Protagonisten sich des Organisationsvorteils einer ausgeprägten nationalen Identität der heimischen Bevölkerung in der jeweiligen Region bedienen. Die wesentlich normative Grundlage eines solchen regionalen Nationalismus ist die Forderung nach einem umfassenden „nationalen Selbstbestimmungsrecht“, das sowohl ökonomische und politische als auch kulturelle und „symbolische“ Forderungen nach sich zieht.57 Ob sich solche Zielsetzungen im Widerspruch zur Verlagerung regulativer und distributiver Kompetenzen von der nationalen auf die supranationale Ebene im Zuge der europäischen Integration befinden, hängt von ihren konkreten Inhalten und - im Fall von Separatismus - vom jeweiligen Verständnis nationaler Souveränität ab.58 Zentral ist dabei, inwieweit sie mit der Kompetenzverteilung im sich entwickelnden europäischen Mehrebenensystem kompatibel sind. Bei der Frage nach dem Einfluss der europäischen Integration auf die Erfolgschancen des Regionalismus geht es daher sowohl um die veränderten Kontextbedingungen als auch um die diesbezügliche Anpassungs- und Gestaltungsfähigkeit regionalistischer Bewegungen.

Die Veränderung des internationalen Umfelds wird in der Regionalismusforschung und – theorie zumeist als intervenierende Variable zur Erklärung der Virulenz regionalistischer Bestrebungen eingesetzt. Dabei werden die eigentlichen Ursachen für Regionalismus je nach Ansatz59 unterschiedlich gewichtet. Internationale Kooperation und Integration werden vor allem als regionalistische Mobilisierung erleichternd, da risikominimierend angesehen. Die Größe und Kohärenz eines Nationalstaates verlieren sowohl unter militärischen als auch unter ökonomischen Gesichtspunkten ihre funktionale Bedeutung. Angesichts der Dominanz der Supermächte und der Einbindung in Bündnissysteme während und nach dem Ost-West-Konflikt verliert die eigene militärische Stärke einzelner Staaten an Relevanz. Noch deutlicher wird sowohl in primordialistischen, als auch in rationalistischen und neomarxistischen Ansätzen der regionalistische Zielsetzungen förderliche Einfluss der Liberalisierung und Ausweitung des internationalen Handels [hervorgehoben.60]


57 Vgl. Keating, Regional Autonomy, a.a.O., p. 53. Der Autor unterscheidet „cultural, economic [social] and symbolic demands“; zu letzteren gehört z.B. die offizielle Anerkennung als eigene Nation oder Nationalität als solche.

58 Vgl. MacCormick, N., Souvereignty: Myth and Reality, in: Scottish Affairs, No.11/1995, p. 1-13.

59 Da es hier jedoch nicht um die grundsätzliche Erklärung regionalistischer Bestrebungen, sondern um die Veränderung ihrer Erfolgschancen im Kontext supranationaler Integration geht, kann auf eine umfassende Darstellung der einzelnen Ansätze verzichtet werden. Die Literaturlage ist unübersichtlich, da die begriffliche Heterogenität auch eine Fragmentierung der sozial-wissenschaftlichen Forschung wiederspiegelt [sic]. Neben der Regionalismusforschung, bei der die territoriale Dimension explizit enthalten ist, findet sich unter dem Etikett ‚ethnic conflict’ eine Fülle von Literatur, die sich mit der ethnischen Dimension regionalistischer Konflikte beschäftigt. Einen Überblick liefert hierzu Ganter, S., Ethnizität und ethnische Konflikte. Konzepte und theoretische Ansätze für eine vergleichende Analyse, Freiberg 1995. Beiträge aus der Nationalismusforschung und –theorie verwenden den Begriff ‚Nationalismus ohne Nationalstaat’. Vgl. Langewiesche, D., Nation, Nationalismus, Nationalstaat. Forschungsstand und Forschungsperspektiven in: Neue Politische Literatur, Jg. 15, Nr. 2/1995, S. 190-236. Die Grenzen der Debatten sind fließend.


60 Vgl. Gourevitch, The Reemergence, a.a.O., p. 320. und Hechter, M. und Levi, M., The Comparative Analysis of Ethnoregional Movements, in: Ethnic and Racial Studies, Jg. 2, Nr.3/1979, p. 271.

[Seite 20]

Wenn also im Kontext der europäischen Integration von einer wachsenden Bedeutung subnationaler territorialer Einheiten und ihrer Aufwertung seitens der EU die Rede ist, so stellt sich die Frage, inwieweit sich dadurch die Chancen solcher etablierter regionalistischer Bewegungen erhöhen, ihr Ziel einer Dezentralisierung politischer Macht zu erreichen. Es geht um einen nationalistisch motivierten Regionalismus, dessen Protagonisten sich des Organisationsvorteils einer ausgeprägten nationalen Identität der autochthonen Bevölkerung in der jeweiligen Region bedienen. Die wesentliche norma-

[Seite 21]

tive Grundlage eines solchen regionalen Nationalismus ist der Rekurs auf ein umfassendes "nationales Selbstbestimmungsrecht", das sowohl ökonomische und politische als auch kulturelle und "symbolische" Forderungen nach sich zieht.10 Ob sich solche Zielsetzungen im Widerspruch zur Verlagerung regulativer und distributiver Kompetenzen von der nationalen auf die supranationale Ebene im Zuge der europäischen Integration befinden, hängt von ihren konkreten Inhalten und - im Fall von Separatismus - vom jeweiligen Verständnis nationaler Souveränität ab (vgl. MacCormick 1995). Zentral ist dabei, inwieweit sie mit der Kompetenzverteilung im sich entwickelnden europäischen Mehrebenensystem kompatibel sind. Bei der Frage nach dem Einfluß der europäischen Integration auf die Erfolgschancen des Regionalismus geht es daher sowohl um die veränderten Kontextbedingungen als auch um die diesbezügliche Anpassungs- und Gestaltungsfähigkeit der regionalistischen Bewegungen.

Die Veränderung des internationalen Umfelds wird in der Regionalismusforschung und -theorie zumeist als intervenierende Variable zur Erklärung der Virulenz regionalistischer Bestrebungen herangezogen. Während dabei die "eigentlichen" Ursachen für Regionalismus je nach Ansatz11 unterschiedlich verortet werden, wird internationale Kooperation und Integration vor allem als regionalistische Mobilisierung erleichternd, da risikominimierend angesehen. Die Größe und Kohärenz eines Nationalstaates verliert sowohl unter militärischen als auch unter ökonomischen Gesichtspunkten ihre funktionale Bedeutung. Angesichts der Dominanz der Supermächte und der Einbindung in Bündnissysteme während und nach dem Ost-West-Konflikt verliert die eigene militärische Stärke einzelner Staaten an Relevanz. Noch deutlicher wird sowohl in primordialistischen, als auch in rationalistischen und neomarxistischen Ansätzen der regionalistischen Zielsetzungen förderliche Einfluß der Liberalisierung und Ausweitung des internationalen Handels hervorgehoben (vgl. u.a. Gourevitch 1979: 320; Hechter/Levi 1979: 271; Smith 1976: 27; Hobsbawm 1978: 50-53).


10 Keating (1992: 53) unterscheidet "cultural, economic (social) and symbolic demands"; zu letzteren gehört z.B. die offizielle Anerkennung als eigene Nation oder Nationalität als solche.

11 Da es hier jedoch nicht um die grundsätzliche Erklärung regionalistischer Bestrebungen, wie sie in der Regionalismusforschung versucht wird, sondern um die Veränderung ihrer Erfolgschancen im Kontext supranationaler Integration geht, kann auf eine umfassende Darstellung der einzelnen Ansätze verzichtet werden. Die Literaturlage ist unübersichtlich, da die begriffliche Heterogenität auch eine Fragmentierung der sozialwissenschaftlichen Forschung widerspiegelt. Neben der Regionalismusforschung, bei der die territoriale Dimension explizit enthalten ist, findet sich unter dem Label "ethnic conflict" eine Fülle von Literatur, die sich mit der ethnischen Dimension regionalistischer Konflikte beschäftigt (einen Überblick liefert hierzu Ganter 1995). Wieder andere Beiträge kommen aus der Nationalismusforschung und -theorie, wobei eben auch Nationalismus ohne Nationalstaat einbezogen wird (vgl. Langewiesche 1995; Beramendi/Máiz/Núñez 1994). Die Grenzen zwischen den Debatten sind fließend.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Referenzen werden mitübernommen.


[25.] Cbr/Fragment 021 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 21, Zeilen: 1-25, 28-31
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 21, 22, 25, Zeilen: 21: 26 ff.; 22: 1 ff.; 25: 8 ff.
Durch sie verliert der Nationalstaat im Rahmen umfassender Handelsabkommen und der Verbesserung des Zugangs zu auswärtigen Märkten, Kapital und Güter seine Schutzfunktion für den nationalen Markt. Gleichzeitig büßt er einen Großteil seiner Möglichkeiten zur Steuerung wirtschaftlicher Prozesse ein. Tatsächlich waren Befürchtungen, politische Dezentralisierung könne zu einer Fragmentierung des Marktes führen und somit negative ökonomische Auswirkungen mit sich bringen, in der Vergangenheit ein wesentliches Hindernis für regionalistische Mobilisierung.61 D.h. im Umkehrschluss identifiziert Meadwell ökonomische Öffnung als ein zentrales Anliegen vor allem separatistischer Bewegungen.62 Seiner Argumentation folgend eliminiert Marktintegration die mit einer Loslösung vom Nationalstaat verbundenen Kosten und damit das wichtigste Hindernis der Mobilisierung – vorausgesetzt, die regionale Wirtschaft kann von einer solchen Öffnung profitieren. Wirtschaftliche Integration wird nicht nur als Möglichkeit zur Beseitigung von Hindernissen gesehen. Sie kann darüber hinaus eine eigenständige Vertretung regionaler Interessen auf internationaler Ebene zwecks Verbesserung ihrer Position im internationalen Handel attraktiv erscheinen lassen.63 Im Rahmen der europäischen Integration kann staatliche Souveränität gleichzeitig unter funktionalen Gesichtspunkten wesentliche Anreize verlieren. Erhalten subnationale Einheiten hier tatsächlich einen größeren Einfluss, ist Souveränität nicht mehr unabdingbare Voraussetzung territorialer Interessenvertretung. Dies hängt aber wesentlich davon ab, wie weit die Aufwertung geht; bleibt die EU ein intergouvernementales Verhandlungssystem, kann es aus Sicht einiger Regionen durchaus sinnvoll erscheinen, „an horse-trading over financial transfers“64 und in Verhandlungen über regulative Politik als gleichberechtigtes Mitglied teilzunehmen.

1.3 Spezifizierung der Fragestellung und Gliederung der Arbeit

[...] Eine solche Untersuchung kann sowohl einen Beitrag zum besseren Verständnis der Erfolgschancen aktueller regionalistischer Bestrebungen als auch des Verhältnisses zentripetaler und zentrifugaler Tendenzen im Kontext der europäischen Integration leisten.


60 Vgl. Gourevitch, The Reemergence, a.a.O., p. 320. und Hechter, M. und Levi, M., The Comparative Analysis of Ethnoregional Movements, in: Ethnic and Racial Studies, Jg. 2, Nr.3/1979, p. 271.

61 Vgl. Pinard, M. and Hamilton, R., Motivation Dimensions in the Québec Independence Movement: A Test of a New Model, in: Research in Social Movements, Conflicts and Change, Jg. 9/1986, p. 225-280.

62 Meadwell, H., Cultural and Instrumental Approches to Ethnic Nationalism, in: Ethnic and Racial studies, Jg. 12, Nr. 3/1989, p. 323.

63 Vgl. Birch, Minority, a.a.O., p. 335.

64 Coombes, D., Europe and the Regions, in: Crick, B., National Identities. The Constitution of the United Kingdom, Oxford 1990, p. 149.

Durch sie verliert der Nationalstaat im Rahmen umfassender Handelsabkommen und der Verbesserung des Zugangs zu auswärtigen Märkten, Kapital und Gütern seine Schutzfunktion für den nationalen Markt. Gleichzeitig büßt er einen Großteil seiner Möglichkeiten der Steuerung wirtschaftlicher Prozesse ein. Tatsächlich waren Befürchtungen, politische Dezentralisierung könne zu einer Fragmentierung des Marktes führen und somit negative ökonomische Auswirkungen mit sich bringen, in der Vergangenheit ein wesentliches Hindernis für regionalistische Mobilisierung (vgl. z.B. Pinard/Hamilton 1986). Im Umkehrschluß identifiziert

[Seite 22]

(besonders pointiert) Meadwell ökonomische Öffnung als ein zentrales Anliegen vor allem separatistischer Bewegungen (1989: 323). Seiner Argumentation folgend eliminiert Marktintegration die mit einer Loslösung vom Nationalstaat verbundenen Kosten und damit das wichtigste Hindernis der Mobilisierung - vorausgesetzt, die regionale Wirtschaft kann von einer solchen Öffnung profitieren.

Wirtschaftliche Integration wird indes nicht nur als Möglichkeit zur Beseitigung von Hindernissen gesehen. Sie kann darüber hinaus eine eigenständige Vertretung regionaler Interessen auf internationaler Ebene zwecks Verbesserung ihrer Position im internationalen Handel attraktiv erscheinen lassen (Birch 1978: 335). Im Rahmen der europäischen Integration kann staatliche Souveränität gleichzeitig unter funktionalen Gesichtspunkten einige wesentliche Anreize verlieren. Erhalten subnationale Einheiten hier tatsächlich einen größeren Einfluß, ist Souveränität nicht mehr unabdingbare Voraussetzung territorialer Interessenvertretung. Dies hängt aber wesentlich davon ab, wie weit diese Aufwertung geht; bleibt die EU ein intergouvernementales Verhandlungssystem, kann es aus Sicht einiger Regionen durchaus sinnvoll erscheinen, an "horse-trading over financial transfers" (Coombes 1990: 149) und Verhandlungen über regulative Politik als gleichberechtigtes Mitglied teilzunehmen.

[Seite 25]

1.4 Spezifizierung der Fragestellung und Gliederung der Arbeit

Insofern kann eine Untersuchung möglicher Interessenkoalitionen zwischen politischem Regionalismus und organisierten Wirtschaftsinteressen sowohl einen Beitrag zum besseren Verständnis der Erfolgschancen aktueller regionalistischer Bestrebungen als auch des Verhältnisses zentripetaler und zentrifugaler Tendenzen im Kontext der europäischen Integration leisten.


Birch, Anthony H. (1978): Minority Nationalist Movements and Theories of Political Integration, in: World Politics, Jg. 30, Nr. 1, 325-345.

Coombes, David (1991): Europe and the Regions, in: Crick, Bernard, National Identities. The Constitution of the United Kingdom, Oxford, 134-150.

Meadwell, Hudson (1989): Cultural and Instrumental Approaches to Ethnic Nationalism, in: Ethnic and Racial Studies, Jg. 12, Nr. 3, 309-328.

Pinard, Maurice/Hamilton, Richard (1986): Motivational Dimensions in the Québec Independence Movement: A Test of a New Model, in: Research in Social Movements, Conflicts and Change, Jg. 9, 225-280.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Referenzen werden mitübernommen.


[26.] Cbr/Fragment 022 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 22, Zeilen: 1-5, 6-8
Quelle: Student 2000
Seite(n): 15, 16, Zeilen: 15: letzte Textzeile; 16: 1 ff.
[Sowohl die Ermittlung der] Potentiale als auch die Anregung von Projekten und die Gestaltung geeigneter Maßnahmen zu ihrer Entwicklung können nicht von einer nationalstaatlichen oder supranationalen Behörde, sondern nur von den regionalen Akteuren selbst geleistet werden, da sie über die größere Detailkenntnis von Problemen, Bedürfnissen und Besonderheiten verfügen. [D.h. notwendig ist eine Untersuchung über die Qualität der Kooperation.] Es stellt sich daher die Frage nach den Handlungsspielräumen regionaler Akteure. Können diese weitgehend selbständig ihre politischen Vorstellungen realisieren, und inwieweit sind sie abhängig von übergeordneten politischen Ebenen? [Seite 15]

Sowohl die Ermittlung der Potentiale als auch die Anregung von Projekten und die Ge-

[Seite 16]

staltung geeigneter Maßnahmen zu ihrer Entfaltung können demnach nicht von einer nationalstaatlichen oder supranationalen Behörde, sondern nur von den regionalen Akteuren selbst geleistet werden, da sie über die größte Detailkenntnis von Problemen, Bedürfnissen und Besonderheiten verfügen.14 Es stellt sich deshalb die Frage nach den Handlungsspielräumen regionaler Akteure. Können diese weitgehend selbständig ihre politischen Vorstellungen realisieren und inwieweit sind sie abhängig von den übergeordneten politischen Ebenen?


14 Vgl. Cuny, R. H. / Stauder, J.: Lokale und regionale Netzwerke, in: Wirtschaftsdienst, 1993/3, S. 150-157, hier: S. 152.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[27.] Cbr/Fragment 022 08

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 22, Zeilen: 8-27, 35-37
Quelle: Raich 1995
Seite(n): 18, 19, Zeilen: 18: 21 ff.; 19: 1 ff.
Die zentrale Fragestellung in diesem Kontext lautet: Auf welche Weise wirken grenzüberschreitende und interregionale Formen der Zusammenarbeit zwischen regionalen Gebietskörperschaften als im Integrationsprozess enthaltene, kleinräumige, funktionale Einheiten bzw. partielle Integrationsprozesse auf subnationaler Ebene - beispielhaft dargestellt an der EUREGIO? Welchen Beitrag können diese Einheiten zum Europäischen Integrationsprozess leisten? Welche Voraussetzungen sollten gegeben sein, um einen solchen Beitrag erzielen zu können? Welche Einflussfaktoren stehen bislang dem integrationshemmend entgegen, welche wirken integrationsfördernd? Relevant sind hier auch Fragen der Implementationsforschung.

Dabei liegt der Arbeit folgende These zugrunde: Angesichts der innerhalb des Europäischen Integrationsprozesses zu beobachtenden, scheinbar gegenläufigen Entwicklungstendenzen - Verlagerung von immer mehr Kompetenzen auf die supranationale Ebene versus Aufwertung der subnationalen Akteurseinheiten im supranationalen und nationalen Entscheidungsgefüge - ist die Stärkung der subnationalen Ebene und in diesem Zusammenhang die Aufwertung grenzüberschreitender und interregionaler Kooperationsformen dezentraler Gebietskörperschaften als wünschenswertes bzw. notwendiges Korrektiv vor Ort für die zunehmende Zentralisierungstendenz und Bürgerferne europäischer Politik zu betrachten. Dieses erhält durch die supranationale Integration zusätzlich Impulse. [...]

Zunächst soll jedoch die Fragestellung weiter differenziert werden: Grenzüberschreitende und interregionale Formen der Zusammenarbeit zwischen subnationalen Gebietskörperschaften haben sich gerade in jüngster Zeit in vielfältigen Ausprägungen innerhalb [der Europäischen Union gebildet:66 Einerseits auf der Grundlage der veränderten Rahmenbedingungen auf supranationaler bzw. partiell auch auf nationaler Ebene zugunsten derartiger Kooperationsbeziehungen sowie andererseits in Verbindung mit dem Wiederaufleben des Konzepts eines Europa der Regionen.]


66 Elementar für das Verständnis aller weiteren Überlegungen ist die Grundannahme, dass grenzüberschreitende Zusammenarbeit kein Selbstzweck ist, sondern von den beteiligten Regionen und Akteuren vor allem deshalb in Betracht gezogen wird, weil sie sich einen Nutzen davon versprechen.

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist dieses Netzwerk grenzüberschreitender und interregionaler Kooperationsformen zwischen dezentralen Gebietskörperschaften, das anhand von drei ausgewählten Fallbeispielen dargestellt und erläutert werden soll.

In diesem Zusammenhang lautet die zentrale Fragestellung: Auf welche Weise wirken grenzüberschreitende und interregionale Formen der Zusammenarbeit zwischen regionalen und lokalen Gebietskörperschaften als im Integrationsprozeß enthaltene, kleinräumige funktionale Einheiten bzw. partielle Integrationsprozesse auf subnationaler Ebene? Welchen Beitrag können diese Einheiten zum Europäischen Integrationsprozeß leisten? Welche Voraussetzungen sollten gegeben sein, um einen solchen Bei-

[Seite 19]

trag erbringen zu können? Welche Einflußfaktoren stehen dem bislang integrationshemmend entgegen, welche wirken integrationsfördernd?

Dabei liegt der Arbeit die folgende These zugrunde: Angesichts der innerhalb des Europäischen Integrationsprozesses zu beobachtenden, scheinbar gegenläufigen Entwicklungstendenzen - Verlagerung von immer mehr Kompetenzen auf die supranationale Ebene versus Aufwertung der subnationalen Akteurseinheiten im supranationalen und nationalen Entscheidungsgefüge - ist die Stärkung der subnationalen Ebene und in diesem Zusammenhang die Aufwertung grenzüberschreitender und interregionaler Kooperationsformen dezentraler Gebietskörperschaften als wünschenswertes bzw. notwendiges Korrektiv vor Ort für die zunehmende Zentralisierungstendenz und Bürgerferne europäischer Politik zu betrachten, das durch die supranationale Integration zusätzliche Impulse erhält.19

Grenzüberschreitende und interregionale Formen der Zusammenarbeit zwischen subnationalen Gebietskörperschaften haben sich gerade in jüngster Zeit - einerseits auf der Grundlage der veränderten Rahmenbedingungen auf supranationaler bzw. partiell auch auf nationaler Ebene zugunsten derartiger Kooperationsbeziehungen sowie andererseits in Verbindung mit dem Wiederaufleben des Konzepts eines "Europa der Regionen" - in vielfältigen Ausprägungen innerhalb der Europäischen Union gebildet.


19 In Anlehnung an Kohler-Koch, Beate: Die Zukunft der Staaten und Regionen in der EG, in: Universität Mannheim (Hrsg.): Baden-Württemberg-Kolloquium 1993 "Europa der Regionen - Modell für eine europäische Föderation", 15.-18. Februar 1993, (Tagungsband), Mannheim 1994, S. 39-57; Oschatz, Georg-Berndt: Normsetzung der Länder in einem Europa der Regionen: Gesetzgebung oder Satzungserlaß?, in: Zeitschrift für Gesetzgebung, 5. Jahrgang/1990, S. 14-23.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[28.] Cbr/Fragment 023 01

BauernOpfer
Untersuchte Arbeit:
Seite: 23, Zeilen: 1-6, 14-22
Quelle: Raich 1995
Seite(n): 19, 20, Zeilen: 19: 13 ff., 21 ff.; 20: 1 ff., 16 ff.
[Zunächst soll jedoch die Fragestellung weiter differenziert werden: Grenzüberschreitende und interregionale Formen der Zusammenarbeit zwischen subnationalen Gebietskörperschaften haben sich gerade in jüngster Zeit in vielfältigen Ausprägungen innerhalb] der Europäischen Union gebildet:66 Einerseits auf der Grundlage der veränderten Rahmenbedingungen auf supranationaler bzw. partiell auch auf nationaler Ebene zugunsten derartiger Kooperationsbeziehungen sowie andererseits in Verbindung mit dem Wiederaufleben des Konzepts eines Europa der Regionen. Diese Formen in ihrer Gesamtheit darzustellen, würde allerdings das Vorhaben dieser Arbeit bei weitem übersteigen. Aus diesem Grunde soll für die Arbeit nur die EUREGIO herangezogen werden.

[...] Ein weiteres Kriterium, die EUREGIO als Modellregion zu analysieren, bildet der Umstand, dass dieses Muster der Zusammenarbeit in der einschlägigen Literatur zwar sehr häufig als Modell für die grenzüberschreitenden bzw. interregionale Kooperation im Zusammenhang mit dem Europa der Regionen genannt wird, eine ausführliche deskriptive Bestandsaufnahme aber gerade in der neueren politikwissenschaftlichen Forschungsliteratur68 bislang noch nicht geleistet worden ist.69

Darüber hinaus liegt ein weiteres Erkenntnisinteresse dieser Arbeit in dem möglichen Modellcharakter der zu behandelnden Kooperationsformen sowie der Kohäsion der Organe innerhalb der EUREGIO selbst.


66 Elementar für das Verständnis aller weiteren Überlegungen ist die Grundannahme, dass grenzüberschreitende Zusammenarbeit kein Selbstzweck ist, sondern von den beteiligten Regionen und Akteuren vor allem deshalb in Betracht gezogen wird, weil sie sich einen Nutzen davon versprechen.

68 Bedingt durch die zunehmende Bedeutung, die die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in den letzten Jahren für die Grenzregionen erlangt hat, ist auch das Interesse von verschiedenen Disziplinen der Wissenschaft an diesem Thema stark angestiegen. Eine Auseinandersetzung mit der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit fand bisher in der Politik- und Verwaltungswissenschaft, der Geographie, der Rechtswissenschaft und - in sehr begrenztem Umfang – in der Ökonomie statt. Die meisten der bisher veröffentlichten Studien sind vor einem politik- und verwaltungswissenschaftlichen Hintergrund entstanden. Dazu zählen die Arbeiten von Müller-Schnegg, H., Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Bodenseeregion. Bestandsaufnahme und Einschätzung der Verflechtungen politisch-administrativer und organisierter politischer Gruppierungen, Hallstadt 1994; Groß, B. und Schmitt-Egner, P., Europas kooperierende Regionen. Rahmenbedingungen und Praxis transnationaler Zusammenarbeit deutscher Grenzregionen in Europa, Baden-Baden 1994; Raich, S., Grenzüberschreitende und interregionale Zusammenarbeit in einem ‚Europa der Regionen’. Dargestellt anhand der Fallbeispiele Großregion Saar-Lor-Lux, EUREGIO und ‚Vier Motoren für Europa’ – Ein Beitrag zum Europäischen Integrationsprozeß, Banden-Baden 1995; Beck, J., Netzwerke in der transnationalen Regionalpolitik: Rahmenbedingungen, Funktionsweisen, Folgen, Baden-Baden 1997 und Zollner Schepers, R., Grenzüberschreitende Zusammenarbeit am Oberrhein. Analyse der politischen Strukturen, Prozesse und Leistungen in grenzüberschreitenden Kooperationsorganen, Bamberg 1998.

69 Die wissenschaftliche Diskussion befasst sich immer noch überwiegend mit vorgefundenen nationalen Regionen und deren Stellung innerhalb der Europäischen Union. Die grenzüberschreitenden Kooperationen werden vernachlässigt. Müller-Graff führt diese Forschungslücke auf den Umstand zurück, dass selbst der EG-Vertrag bis 1997 nur die innerstaatlichen Gebietskörperschaften erwähnt und die Euroregionen unberücksichtigt lässt. Erst der Amsterdamer Vertrag erwähnt erstmals ausdrücklich die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, vgl. Müller-Graff, P.-C., Die europäischen Regionen in der Verfassung der EG, in: Integration 3/1997, S. 148.

Grenzüberschreitende und interregionale Formen der Zusammenarbeit zwischen subnationalen Gebietskörperschaften haben sich gerade in jüngster Zeit - einerseits auf der Grundlage der veränderten Rahmenbedingungen auf supranationaler bzw. partiell auch auf nationaler Ebene zugunsten derartiger Kooperationsbeziehungen sowie andererseits in Verbindung mit dem Wiederaufleben des Konzepts eines "Europa der Regionen" - in vielfältigen Ausprägungen innerhalb der Europäischen Union gebildet. Diese Kooperationsformen in ihrer Gesamtheit darzustellen, würde allerdings das Vorhaben dieser Arbeit bei weitem übersteigen.]

[...]

Aus diesem Grunde wurden für die vorliegende Arbeit drei grenzüberschreitende bzw. interregionale Formen der Zusammenarbeit auf regionaler und lokaler Ebene ausgewählt, die im folgenden exemplarisch vorgestellt und untersucht werden sollen.

[Seite 20]

Ein weiteres Kriterium bildete der Umstand, daß diese Formen der Zusammenarbeit im einschlägigen Schrifttum zwar sehr häufig als Modelle für die grenzüberschreitende bzw. interregionale Kooperation im Zusammenhang mit dem "Europa der Regionen” genannt werden,20 eine ausführliche deskriptive Bestandsaufnahme aber gerade in der neueren politikwissenschaftlichen Forschungsliteratur - soweit ersichtlich - bislang noch nicht geleistet worden ist.21

[...]

Darüber hinaus liegt ein weiteres Erkenntnisinteresse dieser Arbeit in dem möglichen Modellcharakter der zu behandelnden Kooperationsformen für bereits bestehende bzw. neu zu gründende, vergleichbare Formen der grenzüberschreitenden und interregionalen Zusammenarbeit. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, was sich auf der Grundlage der in dieser Arbeit zu leistenden, empirisch-analytischen Darstellung für die Ausgestaltung bzw. die Arbeitsweisen künftiger Kooperationsformen ableiten läßt, welche Strukturen und Elemente zum Vorbild genommen bzw. in modifizierter Form übernommen werden können, oder aber welche sich als gänzlich ungeeignet erweisen.


20 Vgl. statt vieler Hrbek, Rudolf: Bundesländer und Regionalismus in der EG, in: Magiera, Siegfried/Merten, Detlef (Hrsg.): Bundesländer und Europäische Gemeinschaft, Berlin 1988, S. 127-149; Müller-Brandeck-Bocquet, Gisela: Ein föderalistisches Europa? Zur Debatte über die Föderalisierung und Regionalisierung der zukünftigen Europäischen Politischen Union, in: APuZ, B 45/91, S. 13-25; Renzsch, Wolfgang: Deutsche Länder und europäische Integration. Kompetenzverluste und neue Handlungschancen in einem "Europa der Regionen", in: APuZ B 28/90 S 28-39.

21 Eine Analyse grenzüberschreitender Kooperationsformen - darunter die EUREGIO und die Großregion Saar-Lor-Lux - von Viktor Freiherr von Malchus mit dem Titel "Partnerschaft an europäischen Grenzen. Integration durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit" stammt aus dem Jahre 1975. Darüber hinaus beschäftigt sich die Rechtswissenschaft seit Jahren mit dem Phänomen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und in diesem Kontext mit der Großregion Saar-Lor-Lux und der EUREGIO. Vgl. u. a. Beyerlin, Ulrich: Rechtsprobleme der lokalen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, Berlin u. a. 1988; Bleicher, Ralf: Staatsgrenzen überschreitende Raumordnung und Landesplanung. Bestandsaufnahme, rechtliche Würdigung und Möglichkeiten der Fortentwicklung, Münster 1981; Oehm, Matthias: Rechtsprobleme Staatsgrenzen überschreitender interkommunaler Zusammenarbeit, Münster 1982.

Anmerkungen

Ein Hinweis auf die eigentliche Quelle findet sich in Fn. 68 im Rahmen einer Literaturaufzählung.

Dass aus dieser Quelle umfangreich Inhalt für den Haupttext entnommen wurde, lässt sich ebenso wie der großteils wörtliche Charakter dieser Übernahmen nicht erkennen.


[29.] Cbr/Fragment 023 104

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 23, Zeilen: 104-108
Quelle: Student 2000
Seite(n): 17, Zeilen: 9 ff.

67 Das EUREGIO-Gebiet gehört weder zu den großen High-Tech-Regionen, die vor Selbstvertrauen strotzend und vom Binnenmarkt profitierend nur in ausgewählten Bereichen, zumeist Forschung und Entwicklung, eine Notwendigkeit zur interregionalen Zusammenarbeit sehen. Darüber hinaus zählt es nicht zu den wirklich armen Regionen Europas, deren Situation sich auch unter gemeinsamer Ausnutzung ihrer Potentiale kaum, und wenn, dann nur sehr langfristig verbessern ließe.

Er gehört damit weder zu den großen High-Tech-Regionen, die vor Selbstvertrauen strotzend und vom Binnenmarkt profitierend nur in ausgewählten Bereichen, zumeist Forschung und Entwicklung, eine Notwendigkeit zur interregionalen Zusammenarbeit sehen. Noch zählt er zu den wirklich armen Regionen Europas, deren Situation sich auch unter Ausnutzung ihrer Potentiale kaum, und wenn, dann nur sehr langfristig verbessern ließe.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.


[30.] Cbr/Fragment 024 02

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 24, Zeilen: 2-10
Quelle: Raich 1995
Seite(n): 20, Zeilen: 19 ff.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, was sich auf der Grundlage der in dieser Arbeit zu leistenden, empirisch-analytischen Darstellung für die Ausgestaltung bzw. die Arbeitsweisen künftiger Kooperationsformen ableiten lässt. Welche Strukturen und Elemente können zum Vorbild genommen bzw. in modifizierter Form übernommen werden? Welche sind gänzlich ungeeignet? Im Sinne der Fragestellung ist es erforderlich, neben einer eingehenden Betrachtung der internen Strukturen der einzelnen Kooperationsformen auch die sie beeinflussenden Rahmenbedingungen auf supranationaler und nationaler Ebene näher zu beleuchten. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, was sich auf der Grundlage der in dieser Arbeit zu leistenden, empirisch-analytischen Darstellung für die Ausgestaltung bzw. die Arbeitsweisen künftiger Kooperationsformen ableiten läßt, welche Strukturen und Elemente zum Vorbild genommen bzw. in modifizierter Form übernommen werden können, oder aber welche sich als gänzlich ungeeignet erweisen. Dazu ist es erforderlich, neben einer eingehenden Betrachtung der internen Strukturen der einzelnen Kooperationsformen auch die sie beeinflussenden Rahmenbedingungen auf supranationaler und nationaler Ebene näher zu beleuchten.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[31.] Cbr/Fragment 024 32

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 24, Zeilen: 32-39
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 71, Zeilen: 9 ff.
• Die durch die globalen sozioökonomischen Entwicklungen und den europäischen Integrationsprozess bedingte Veränderung der Opportunitätsstrukturen - je nach Betroffenheit - führt bei regionalen Akteuren zu einem gesteigerten Interesse an einer Stärkung regionaler Institutionen. Gerade wenn es um politische Dezentralisierungsforderungen geht, sind für die Positionsbildung nicht alleine funktionale Gründe ausschlaggebend. Inwieweit wirken institutionelle Rahmenbedingungen als intervenierende Variablen, durch welche die Wahrnehmung und Ausbildung solcher funktionaler Interessen beeinflusst wird? Dabei wird von der Hypothese ausgegangen, daß die durch globale sozioökonomische Entwicklungen und den europäischen Integrationsprozeß bedingte Veränderung der Opportunitätsstrukturen - je nach Betroffenheit - bei bestimmten privatwirtschaftlichen Akteuren zu einem gesteigerten Interesse an einer Stärkung regionaler Institutionen führt. Gerade wenn es um politische Dezentralisierungsforderungen geht, sind für die Positionsbildung nicht allein funktionale Gründe ausschlaggebend. Vielmehr wirken die oben identifizierten institutionellen Rahmenbedingungen als intervenierende Variablen, durch welche die Wahrnehmung und Ausbildung solcher funktionaler Interessen beeinflußt wird.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[32.] Cbr/Fragment 025 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 25, Zeilen: 1-4, 7-21
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 20, 26, Zeilen: 20: 35 ff.; 26: 5 ff., 24 ff.
• Im Kontext der europäischen Integration wird von einer wachsenden Bedeutung subnationaler territorialer Einheiten und ihrer Aufwertung seitens der EU gesprochen. Inwieweit erhöhen sich dadurch die Chancen solcher etablierten regionalistischen Bewegungen, ihr Ziel einer Dezentralisierung politischer Macht zu realisieren?

[...] Abstrahiert man von dem konkreten Gesichtspunkt der politischen Dezentralisierung, geht es grundsätzlich um die Interessenbildung in bezug auf die institutionellen Veränderungsprozesse. Dieser Aspekt ist in den bisherigen sozialwissenschaftlichen Theorien über Akteursinteressen gegenüber öffentlichen Akteuren weitgehend ausgespart geblieben. Die theoretische Annäherung an die Fragestellung im Anschluss an das einleitende Kapitel muss daher einen Schritt vorher, bei der grundsätzlichen Interessenausrichtung korporativer Akteure gegenüber öffentlichen Institutionen ansetzen. Den konzeptionellen Rahmen bildet hier die Analyse aktueller neoinstitutionalistischer Theoriediskussionen der Kooperationsforschung. Diese liefern einige generelle Hypothesen über Interessen bezüglich der Veränderung institutioneller Anordnungen. Dabei geht es um die vorgeschaltete Grundannahme, der Nationalstaat büße im Zuge von Globalisierung70 und europäischer Integration einen Großteil seiner Fähigkeit zur Steuerung politischer und ökonomischer Prozesse ein. Dieser Aspekt wird in aktuellen politökonomischen Theoriediskussionen wesentlich differenzierter und grundlegender aufgearbeitet. Vor diesem Hintergrund können dann ausgehend von der Gesamtthematik - der Darstellung der grenzüberschreitenden und interregionalen Zusammenarbeit in Europa - die Begriffe Region, Europa der Regionen und Integration erläutert und für die Gesamtthematik dieser Arbeit bestimmbar werden.


70 Definition des Begriffs Globalisierung: „In dem Begriff Globalisierung wird die nicht zu bestreitende Intensivierung der weltweiten Vernetzung und Abhängigkeit gefaßt, der Bedeutungsverlust räumlicher Distanz, der sich primär in der weltweiten Verkehrs- und Informationsvernetzung äußert“. Vgl. Anderson, U., Kommunalpolitik im Umbruch, in: ders. [Hrsg.] Kommunalpolitik in Nordrhein-Westfalen im Umbruch, Sonderauflage für die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen, Köln u.a. 1998, S. 9.

Wenn also im Kontext der europäischen Integration von einer wachsenden Bedeutung subnationaler territorialer Einheiten und ihrer Aufwertung seitens der EU die Rede ist, so stellt sich die Frage, inwieweit sich dadurch die Chancen solcher etablierter regionalistischer Bewegungen erhöhen, ihr Ziel einer Dezentralisierung politischer Macht zu erreichen.

[Seite 26]

Abstrahiert man von dem konkreten Aspekt der politischen Dezentralisierung, geht es grundsätzlich um die Interessenbildung von Unternehmerverbänden in bezug auf institutionelle Veränderungsprozesse. Dieser Aspekt ist in der bisherigen Verbändeforschung und sozialwissenschaftlichen Theoriebildung über Akteursinteressen gegenüber öffentlichen Akteuren weitgehend ausgespart geblieben. Die theoretische Annäherung an die Fragestellung im nachfolgenden Kapitel muß daher einen Schritt vorher, bei der grundsätzlichen Interessenausrichtung korporativer Akteure gegenüber öffentlichen Institutionen ansetzen. Unter Heranziehung aktueller neoinstitutionalistischer Theoriediskussionen und Konzeptionen der Verbändeforschung sollen einige generelle Hypothesen über ihre Interessen bezüglich der Veränderung institutioneller Arrangements generiert werden.

[...] Dabei geht es zum einen um die vorgeschaltete Grundannahme, der Nationalstaat büße im Zuge von Globalisierung und europäischer Integration einen Großteil seiner Fähigkeit zur Steuerung ökonomischer Prozesse ein. Dieser Aspekt wird in aktuellen politökonomischen Theoriediskussionen wesentlich differenzierter und grundlegender aufgearbeitet. Vor diesem Hintergrund kann dann auch die Funktionalität kleinräumiger wirtschaftlicher Steuerung erörtert werden.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[33.] Cbr/Fragment 025 21

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 25, Zeilen: 21-24, 27-35
Quelle: Raich 1995
Seite(n): 21, Zeilen: 1 ff.
Vor diesem Hintergrund können dann ausgehend von der Gesamtthematik - der Darstellung der grenzüberschreitenden und interregionalen Zusammenarbeit in Europa - die Begriffe Region, Europa der Regionen und Integration erläutert und für die Gesamtthematik dieser Arbeit bestimmbar werden. [...]

[...] Dabei liegt der Schwerpunkt der Betrachtung auf den allgemeinen und [partiell vorhandenen] auswärtigen verfassungsrechtlichen Kompetenzen und der damit in unmittelbaren Zusammenhang stehender Finanzausstattung der in diesen Kooperationsformen involvierten deutschen Bundesländer und niederländischen Provinzen sowie auf deren im Zuge der jeweiligen nationalen Regionalisierungs- bzw. Dezentralisierungspolitik etablierten Stellung innerhalb des Gesamtstaates. Auch werden die in den Staaten auf [verfassungs-]rechtlicher Basis erfolgten Novellierungen zugunsten der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ihrer dezentralen Gebietskörperschaften mit ausländischen territorialen Einheiten dargestellt.

Ausgehend von der Gesamtthematik - der Darstellung der grenzüberschreitenden und interregionalen Zusammenarbeit in einem "Europa der Regionen" anhand der Fallbeispiele Großregion Saar-Lor-Lux, EUREGIO und "Vier Motoren für Europa” sowie des Beitrags dieser Kooperationsformen zum Europäischen Integrationsprozeß - sollen im ersten Hauptteil zunächst die Begriffe "Region", "Europa der Regionen" und "Integration", denen in der wissenschaftlichen Literatur ein z. T. recht unterschiedliches Verständnis zugrundeliegt, erläutert und für die Gesamtthematik dieser Arbeit operationalisierbar gemacht werden.

[...]

Dabei liegt der Schwerpunkt der Betrachtung auf den allgemeinen und (partiell vorhandenen) auswärtigen verfassungsrechtlichen Kompetenzen und der damit in unmittelbarem Zusammenhang stehenden Finanzausstattung der in diesen Kooperationsformen involvierten deutschen Bundesländer, spanischen Autonomen Gemeinschaften, italienischen Regionen, französischen Gebietskörperschaften und niederländischen Provinzen sowie auf deren im Zuge der jeweiligen nationalen Regionalisierungs- bzw. Dezentralisierungspolitik etablierten Stellung innerhalb des Gesamtstaates. Darüber hinaus werden die in einigen Staaten auf (verfassungs-)rechtlicher Basis erfolgten Novellierungen zugunsten der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ihrer dezentralen Gebietskörperschaften mit ausländischen territorialen Einheiten erläutert werden.

Im Anschluß an diese Ausführungen sollen in einem dritten Kapitel die für alle EU-Mitgliedstaaten geltenden institutionellen und rechtlichen Aspekte der grenzüberschreitenden und interregionalen Zusammenarbeit dargestellt werden, das bedeutet vor allem die Schwierigkeiten, denen sich diese Formen der Staatsgrenzen übergreifenden Kooperation gegenwärtig noch gegenübergestellt sehen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.


[34.] Cbr/Fragment 026 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 26, Zeilen: 1-11, 23-27
Quelle: Raich 1995
Seite(n): 21, Zeilen: 10 ff. und letzter Absatz
In einem weiteren Unterkapitel werden dann die Rahmenbedingungen auf supranationaler Ebene erklärt, d.h. die Maßnahmen, die bislang vom Europarat und der Europäischen Union zur Förderung der die Staatsgrenzen übergreifenden Zusammenarbeit auf subnationaler Ebene ergriffen worden sind. Dabei handelt es sich im Fall des Europarates um die Darstellung des Europäischen Rahmenübereinkommens über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften und der Europäischen Charta der kommunalen Selbstverwaltung sowie um die Analyse der Bedeutung beider Vertragswerke für die grenzüberschreitende Praxis.

Im Falle der Europäischen Union wird beispielhaft die Gemeinschaftsinitiative INTERREG sowie die Gemeinschaftscharta der Regionalisierung des Europäischen Parlaments analysiert. [...]

[...] Im Anschluss an diese Ausführungen sollen in einem weiteren Abschnitt dieses Kapitels die für die EU-Mitgliedstaaten geltenden institutionellen und rechtlichen Aspekte der interregionalen Zusammenarbeit dargestellt werden. Das sind vor allem die Schwierigkeiten, denen sich diese Formen der Staatsgrenzen übergreifenden Kooperationen gegenwärtig noch zu stellen haben.

Anschließend sollen im zweiten Hauptteil in einem ersten Kapitel die Rahmenbedingungen auf supranationaler Ebene veranschaulicht werden, d. h. die Maßnahmen, die bislang vom Europarat und der Europäischen Gemeinschaft zur Förderung der Staatsgrenzen übergreifenden Zusammenarbeit auf subnationaler Ebene ergriffen worden sind. Dabei handelt es sich im Falle des Europarates um die Darstellung des Europäischen Rahmenübereinkommens über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften und der Europäischen Charta der kommunalen Selbstverwaltung sowie um die Bedeutung beider Vertragswerke für die grenzüberschreitende Praxis.

Im Falle der Europäischen Gemeinschaft sind dies die Gemeinschaftsinitiative INTERREG und das EG-Pilotprojekt LACE im Rahmen der EG-Regionalpolitik, (mit Einschränkung) die Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV) sowie die Gemeinschaftscharta der Regionalisierung des Europäischen Parlaments.

[...]

Im Anschluß an diese Ausführungen sollen in einem dritten Kapitel die für alle EU-Mitgliedstaaten geltenden institutionellen und rechtlichen Aspekte der grenzüberschreitenden und interregionalen Zusammenarbeit dargestellt werden, das bedeutet vor allem die Schwierigkeiten, denen sich diese Formen der Staatsgrenzen übergreifenden Kooperation gegenwärtig noch gegenübergestellt sehen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.


[35.] Cbr/Fragment 026 11

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 26, Zeilen: 11-17, 27-28, 32-39
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 26, 27, Zeilen: 26: letzter Absatz; 27: 14 ff., 19 ff., 27 ff.
Im Sinne der übergreifenden Fragestellung dieser Arbeit muss bei dieser funktionalen Betrachtung zwischen allgemeinen und speziell mit dem europäischen Integrationsprozess verbundenen Aspekten unterschieden werden. Deren Bedeutung für die Funktionalität nationalstaatlicher und regionaler Steuerung ist insofern vielschichtiger, als mit ihnen nicht nur ein Verlust staatlicher Regulierungsinstrumente, sondern zumindest der Anspruch einhergeht, die Handlungsfähigkeit auf supranationaler Ebene wiederherzustellen.

[...] Damit wird gleichsam der Ansatz für die Erklärung der im nachfolgenden Kapitel präsentierten Untersuchungsergebnisse gelegt.

[...] Zum anderen dient dieses Kapitel über die Rekonstruktion der Ausgangssituation in der EUREGIO sowie der Auswertung der Sekundärliteratur einer ersten empirischen Bearbeitung der Untersuchungsfrage. Die Auswertung der durchgeführten Intensiv-Interviews mit regionalen Akteuren, deren Ergebnisse im nächsten Kapitel dargelegt werden, wird unter Einbeziehung dieses Kontextwissens vorgenommen. Vor diesem Hintergrund und unter Rückgriff auf die Theorien werden die erhobenen Informationen und Meinungsäußerungen analysiert.

Im Sinne der übergreifenden Fragestellung dieser Arbeit muß bei dieser funktionalen Betrachtung zwischen allgemeinen und speziell mit dem europäischen Integrationsprozeß verbundenen Aspekten unterschieden werden. Dessen Bedeutung für die Funktionalität nationalstaatlicher und regionaler Wirtschaftssteuerung ist insofern vielschichtiger, als daß mit ihm nicht nur ein Verlust staatlicher Steuerungsinstrumente, sondern zumindest der Anspruch einhergeht, die Handlungsfähigkeit auf supranationaler Ebene wiederherzustellen.

[Seite 27]

Über die Generierung fallspezifischer Hypothesen hinaus wird damit gleichsam der Grundstein für die Erklärung der im nachfolgenden Kapitel präsentierten Untersuchungsergebnisse gelegt. [...] Zum anderen dient dieses Kapitel über die Rekonstruktion der Ausgangssituation in den Regionen hinaus einer ersten empirischen Bearbeitung der Untersuchungsfrage. [...]

Die Auswertung der durchgeführten 35 Interviews mit Vertretern regionaler Wirtschaftsverbände, deren Ergebnisse im vierten Kapitel dargelegt werden, wird unter Einbeziehung dieses Kontextwissens vorgenommen. Vor diesem Hintergrund und unter Rückgriff auf die Hypothesen werden die erhobenen Informationen und Meinungsäußerungen analysiert.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[36.] Cbr/Fragment 027 02

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 27, Zeilen: 2-18, 25-29
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 27, 28, 75, 76, 77, 78, Zeilen: 27: 11 ff.; 28: 1 ff.; 75: 9 ff.; 76: 31 ff., 42; 77: 1; 78: 19 ff.
Bei der Analyse steht zunächst die konkrete Argumentation der Interviewpartner im Vordergrund: Welche Faktoren werden zur Begründung der jeweiligen Position zum Aspekt der politischer [sic] Dezentralisierung herangezogen? Darüber hinaus werden die Argumentationsmuster vor dem Hintergrund des vorhandenen Kontextwissens interpretiert. Für die Durchführung der Interviews ist ein umfangreicher Leitfaden erarbeitet worden. Denn dadurch ist bei gleichzeitiger Berücksichtigung des regional-spezifischen Kontexts die Vergleichbarkeit sichergestellt. Daher wird dieser zuerst fallübergreifend erstellt und dann am jeweiligen Kontext angepasst. Außerdem werden persönliche Positionen, Wahrnehmungen und konzeptionelle Vorstellungen abgefragt. Für die Datenerhebung wird ein Mittelweg zwischen standardisierter und offener Form gewählt. Zum einen müssen die Interviews offen genug sein, um die Begründungs- bzw. Argumentationszusammenhänge möglichst detailliert zu erfassen. Zum anderen setzt der vergleichende Charakter der Untersuchung die Möglichkeit der Standardisierung der Daten voraus.

Im nachfolgenden fünften Kapitel soll angesichts der Vielfalt der in Frage kommenden Interviewpartner die Fallauswahl begründet werden und in einem integrierten Vergleich sollen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgezeigt werden.

[...]

Den Abschluss im sechsten Kapitel bildet die Darstellung der daraus erwachsenden Konsequenzen für den weiteren Integrationsprozess. Welchen Beitrag die Untersuchung zum Verständnis des Verhältnisses von Regionalismus und europäischer Integration leisten kann, soll erörtert sowie weitere Forschungsperspektiven sollen aufgezeigt werden.

[Seite 75]

In der Analyse steht zunächst die konkrete Argumentation der Interviewpartner im Vordergrund: Welche Faktoren werden zur Begründung der jeweiligen Position zu politischer Dezentralisierung herangezogen? Darüber hinaus werden die Argumentationsmuster vor dem Hintergrund des vorhandenen Kontextwissens interpretiert.

[Seite 76]

Für die Durchführung der Interviews wurde ein umfangreicher Leitfaden erarbeitet, der zum einen alle Aspekte der unabhängigen und abhängigen Variablen einschließen sollte. Zum anderen sollte bei gleichzeitiger Berücksichtigung des regionalspezifischen Kontexts die Vergleichbarkeit sichergestellt werden. Daher wurde er zuerst fallüber- greifend erstellt und dann dem jeweiligen Kontext angepaßt (s. Anhang A 4.1). [...]

[...] Darüber hinaus werden persönliche Positionen,

[Seite 77]

Wahrnehmungen und konzeptionelle Vorstellungen abgefragt.

[Seite 78]

Damit wurde bei der Datenerhebung ein Mittelweg zwischen standardisierter und offener Form gewählt. Zum einen mußten die Interviews offen genug sein, um die Begründungs- bzw. Argumentationszusammenhänge möglichst detailliert zu erfassen. Zum anderen setzt der vergleichende Charakter der Untersuchung die Möglichkeit der Standardisierung der Daten voraus (Aufenanger 1991: 39; Köhler 1992: 321).

[Seite 27]

Angesichts der Vielfalt der in Frage kommenden Einflußfaktoren sollen hier in einem integrierten Vergleich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgezeigt und für die vergleichende Untersuchung fruchtbar gemacht werden.

[Seite 28]

Ferner sollen hier die daraus erwachsenden Konsequenzen für den weiteren Integrationsprozeß und der Beitrag der Untersuchung zum Verständnis des Verhältnisses von Regionalismus und europäischer Integration erörtert sowie weitere Forschungsperspektiven aufgezeigt werden.


Aufenanger, Stefan (1991): Qualitative Analyse semi-struktureller Interviews - Ein Werkstattbericht, in: Garz, Detlef/Kraimer, Klaus (Hg), Qualitativ-empirische Sozialforschung. Konzepte, Methoden, Analysen, Opladen, 35-59.

Köhler, Gabriele (1992): Methodik und Problematik einer mehrstufigen Expertenbefragung , in: Hoffmeyer-Zlotnik, Jürgen H. P., Analyse verbaler Daten: Über den Umgang mit qualitativen Daten, Opladen, 318-332.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[37.] Cbr/Fragment 029 04

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 29, Zeilen: 4-9, 11-22
Quelle: Siedschlag 1997
Seite(n): 160, 161, 171, Zeilen: 160: letzte drei Zeilen; 161: 1 ff.; 171: 9 ff.
Basierend auf rudimentären Einsichten über den Aufbau internationaler Ordnung, wie sie sich im strukturellen Realismus finden, geht der Keohane’sche Neoliberalismus von einer Institutionalisierungshypothese aus. Waltz führt in seiner „Theory of International Politics“ aus, dass Weltpolitik nicht „formal organisiert“, aber gleichwohl nicht „vollkommen ohne Institutionen und Ordnungsprinzipien“ sondern mit „Partikeln regierungsmäßiger Ordnung benetzt“ 80 ist. [Keohane interpretiert dies als Versuch, internationale Politik bis zu einem bestimmten Grad zu „institutionalisieren“.81]

Institutionalismus in seiner aktuellen Erscheinungsform [also genauer der Neoinstitutionalismus oder – dem vorherrschenden Sprachgebrauch entsprechend – der Neoliberalismus], sei er rationalistisch oder auch internationalistisch orientiert, tendiert dazu, sich im Gegensatz zum Realismus, den er gerne als Konfliktparadigma stilisiert, als Kooperationsparadigma darzustellen.82 Aber auch der Realismus hält eine Vielzahl politischer Kooperationsstrukturen für möglich und thematisiert sie. Beispielsweise Morgenthaus Axiom des Machtgleichgewichts über die allianztheoretischen Elementen ergänzende Reformulierung bei Waltz bis hin zu bei Gilpin auffindbaren Überlegungen zum Zusammenhang zwischen militärischen Allianzen und wirtschaftlicher Kooperation.83

Das Paradox des Institutionalismus besteht darin, dass er sich gegen den vor allem Waltz’schen Strukturalismus wendet, aber selbst letztlich ebenso strukturalistisch verfährt.


80 Vgl. Waltz, K., N., Theory of International Politics, Reading, M.A., 1979, p. 114.

[81 Vgl. Keohane, International Institutions and state Power, a.a.O., p. 1.]

82 Grieco, J., „Understanding the Problem of International Cooperation: The Limits of Neoliberal Institutionalism and the Future of Realist Theory”, in: Baldwin, D., A. [Ed.], Neorealism and Neoliberalism: The Contemporary Debate, New York 1993, p. 301-338.

83 Vgl. ebenda p. 302.

Unter Ausbau rudimentärer Einsichten über den Charakter internationaler Ordnung, wie sie sich im strukturellen Realismus finden, geht der Keohane'sche Neoliberalismus von einer Institu-

[Seite 161]

tionalisierungs-Hypothese aus. Waltz hatte in seiner Theory of International Politics an relativ versteckter Stelle ausgeführt, Weltpolitik sei zwar nicht ”formal organisiert”, aber gleichwohl nicht ”vollkommen ohne Institutionen und Ordnungsprinzipien”, sie sei sozusagen mit ”Partikeln regierungsmäßiger Ordnung benetzt”.31


31 Waltz (1979): 114.

[Seite 171]

Institutionalismus in seiner aktuellen Erscheinungsform (also genauer gesagt der Neoinstitutionalismus oder - dem vorherrschenden Sprachgebrauch entsprechend - der Neoliberalismus), sei er rationalistisch oder internationalistisch orientiert, tendiert wie schon mehrmals angesprochen dazu, sich im Gegensatz zum Realismus, den er gerne als Konfliktparadigma stilisiert, als Kooperationsparadigma darzustellen.99 Dabei darf aber nicht übersehen werden, daß auch der Realismus eine Vielzahl weltpolitischer Kooperationsstrukturen für möglich hält und theoretisch behandelt hat bzw. behandelt. Das fängt schon bei Morgenthaus Axiom des Machtgleichgewichts an und erstreckt sich über dessen strukturalistische und um allianztheoretische Elemente ergänzte Reformulierung bei Waltz bis hin zu bei Gilpin auffindbaren Überlegungen zum Zusammenhang zwischen militärischen Allianzen und wirtschaftlicher Kooperation.100

Das Paradox des Institutionalismus besteht darin, daß er sich zwar gegen den vor allem Waltz'schen Strukturalismus wendet, aber selbst letztlich ebenso strukturalistisch verfährt, wenn er die außenpolitische Infrastruktur als wichtige Voraussetzung und Begrenzungsnorm internationaler Kooperation weithin ausblendet.


99 Grieco (1993b).

100 Grieco (1993b): 302.


Waltz, Kenneth N. (1979). Theory of International Politics. New York u.a.: McGraw-Hill.

Grieco, Joseph M. (1993b). "Understanding the Problem of International Cooperation: The Limits of Neoliberal Institutionalism and the Future of Realist Theory". Neorealism and Neoliberalism: The Contemporary Debate. Hg. David A. Baldwin. New York: Columbia UP. 301-338.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[38.] Cbr/Fragment 030 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 30, Zeilen: 1-10, 11-24
Quelle: Masala 1999
Seite(n): 901, 902, Zeilen: 901: 23 ff.; 902: 1 ff.
Macht ist das regulierende Prinzip der zwischenstaatlichen Beziehungen.88 Zwischenstaatliche Kooperation wird unter diesen strukturellen Bedingungen in ihrer Intensität durch die „dominierende Logik“89 des Macht- und Sicherheitsdilemmas beschränkt, die Staaten dazu veranlasst, ihre relative Machtposition im internationalen System zu erhalten. Die Grenzen der Kooperation liegen dort, wo Staaten Gefahr laufen, ihre beschränkte Machtposition zu verschlechtern bzw. der Kooperationspartner seine relative Machtposition verbessert. Aus staatlicher Perspektive kann eine ungleiche Verteilung von relativen Kooperationsgewinnen zu einer Verschlechterung der eigenen Sicherheitslage führen; d.h. die Grundstruktur dieses Systems wirkt kooperationshemmend.

[Kooperationen sind trotzdem zu finden.] Diese auf Institutionen basierende Zusammenarbeit ist möglich, wenn eine als gleichmäßig wahrgenommene Verteilung der relativen Gewinne garantiert wird.90 Diese Situation tritt dann ein, wenn eine Hegemonialmacht91 die Gründung einer Institution betreibt oder wenn zwei oder mehr machtpolitisch annähernd gleich starke Partner sich auf dauerhafte und institutionalisierte Kooperationsbeziehungen einlassen. Die Partner handeln nicht aus altruistischen Motiven, sondern um die eigene relative Machtposition gegenüber anderen Staaten zu verbessern. Die reale Machtverteilung im internationalen System wird von Institutionen reflektiert.92

Darüber hinaus sind Institutionen keine reinen Instrumente nationalstaatlicher Politik, die lediglich dann Bedeutung erhalten, wenn sie der besseren Verfolgung ihrer Interessen oder gar deren Verschleierung dienen.93 Liberale Institutionalisten gehen wie Neorealisten davon aus, dass Staaten als die zentralen Akteure der internationalen Politik unter der Bedingung der struktureller [sic] Anarchie handeln und interagieren.94


88 An dieser Stelle sollen nicht die Machttechnologien diskutiert werden. „Die Regierung definiert ein diskursives Feld, innerhalb dessen die Ausübung der Macht ‚rationalisiert’ wird. Dies geschieht u.a. durch die Erarbeitung von Begriffen und Konzepten, der Spezifizierung von Gegenständen und Grenzen, durch die Bereitstellung von Argumenten und Begründungen etc. Auf diese Weise ist Regierung weder mit konkreten Inhalten noch mit einer bestimmten Methodik identisch, sondern bezeichnet eine Form der „Problematisierung“, das heißt sie definiert einen politisch-epistemologischen Raum, innerhalb dessen historische Probleme auftauchen [können] und bietet zugleich – möglicherweise konfligierende oder widersprüchliche – Lösungs- und Bearbeitungsstrategien für diese Probleme an“. vgl. Lemke, T., Neoliberalismus, Staat und Selbsttechnologien. Ein kritischer Überblick über die governmentality studies, in: Politische Vierteljahresschrift, 41. Jg. 1/2000, S. 32.

89 Vgl. Mearsheimer, J., J., The false promise of international Institutions, in: International Security 19, Nr. 3/1994/95, p. 9.

90 Vgl. Grieco, J., Cooperation among Nations, Ithaca, NY,1990, p. 47.

91 Triepel definiert Hegemonie in diesem Zusammenhang als Führung, die sich von Herrschaft unterscheidet: „Führung ist mehr als Einfluß, sie ist bestimmender Einfluß. Und sie ist umgekehrt keine Herrschaft. Im Gegenteil: Führung ist der ‚Gegenpol’ der Herrschaft. [...] Herrschaft hat in aller Regel ihren Ursprung in nackter Gewalt, und sie bedeutet die ständige Drohung mit Anwendung von Gewalt. Sie ist als solche vollkommen unabhängig von der Anerkennung des Unterworfenen. [...] Wir werden uns damit begnügen müssen, die Führung als diejenige Macht zu bezeichnen, die ein starkes Maß von Energie des Willens, aber nicht den Willen zur Herrschaft enthält. Führung ist energische, aber gebändigte Macht“, siehe Triepel, H., Die Hegemonie. Ein Buch von führenden Staaten, Aalen, 2. Aufl. 1963, S. 40.

92 Vgl. Mearsheimer, The false promise of intenrational Institutions, a.a.O., p. 13.

93 Vgl. Zelikow, P., The Mask of Institutions, in: Gordon, P., H., NATO’s Transformation. The Changing Shape of the Atlantic Alliance, Lanham, MD, u.a., 1997, p. 77-92.

94 Vgl. Axelrod, R. und Keohane, R., O., Achieving Cooperation under Anarchy. Strategies and Institutions, in: Kenneth, A. Oye [Hrsg.], Cooperation under Anarchy, Princeton 1986, p. 226.

Macht ist somit das regulierende Prinzip der zwischenstaatlichen Beziehungen. Zwischenstaatliche Kooperation wird unter diesen strukturellen Bedingungen in ihrer Intensität durch die »dominierende Logik« (Mearsheimer 1994/95: 9) des Macht- und Sicherheitsdilemmas beschränkt, die Staaten dazu veranlaßt, ihre relative Machtposition im internationalen System zu erhalten. Die Grenzen der Kooperation liegen somit dort, wo Staaten Gefahr laufen, ihre relative Machtposition zu verschlechtern bzw. der Kooperationspartner seine relative Machtposition verbessert. Ein Staat kann nicht ausschließen, daß die aus seiner Perspektive ungleiche Verteilung von relativen Kooperationsgewinnen nicht zu einer Verschlechterung der eigenen Sicherheitslage führt.

[...] Dauerhaft auf Institutionen basierende Kooperation ist dann möglich, wenn eine als gleichmäßig perzipierte Verteilung der relativen Gewinne garantiert wird (Grieco 1990: 47). Diese Situation

[Seite 902]

tritt dann ein, wenn eine Hegemonialmacht1 die Gründung einer Institution betreibt oder wenn zwei oder mehr machtpolitisch annähernd gleich starke Partner sich auf dauerhafte und institutionalisierte Kooperationsbeziehungen einlassen. Dies geschieht jedoch nicht aus Altruismus, sondern dient dazu, die eigene relative Machtposition gegenüber anderen Staaten zu verbessern. Institutionen spiegeln somit die reale Machtverteilung im internationalen System wider (Mearsheimer 1994/95: 13). [...]

Ebensowenig wird die Auffassung geteilt, daß Institutionen reine Instrumente nationalstaatlicher Politik sind, die lediglich dann eine Bedeutung für Staaten haben, wenn sie der besseren Verfolgung ihrer Interessen oder gar deren Verschleierung (Zelikow 1997) dienen. Wie die Neorealisten gehen auch liberale Institutionalisten davon aus, daß Staaten als die zentralen Akteure der internationalen Politik unter der Bedingung struktureller Anarchie agieren und interagieren (Axelrod/Keohane 1986: 226).


1 Hegemonie ist in diesem Zusammenhang - Triepel folgend - als Führung zu verstehen, die sich von Herrschaft unterscheidet: »Führung ist mehr als Einfluß, sie ist bestimmender Einfluß. Und sie ist umgekehrt keine Herrschaft. Im Gegenteil: Führung ist der ›Gegenpol‹ der Herrschaft. [...] Herrschaft hat in aller Regel ihren Ursprung in nackter Gewalt, und sie bedeutet die ständige Drohung mit Anwendung von Gewalt. Sie ist als solche vollkommen unabhängig von der Anerkennung des Unterworfenen. [...] Wir werden uns damit begnügen müssen, die Führung als diejenige Macht zu bezeichnen, die ein starkes Maß von Energie des Willens, aber nicht den Willen zur Herrschaft enthält. Führung ist energische, aber gebändigte Macht.« (1963: 40)

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, kein Hinweis auf eine Übernahme. Referenzen werden mitübernommen.


[39.] Cbr/Fragment 031 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 31, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Masala 1999
Seite(n): 902, 903, Zeilen: 902: 16 ff.; 903: 1 ff.
[Im] Verständnis der liberalen Institutionalisten ist Kooperation nicht nur aus der Machtverteilung im internationalen System zu erklären. Neben gegensätzlichen Interessen zwischen Staaten, die aus der Machtverteilung im internationalen System zu erklären sind, existieren auch gemeinsame Interessen, die unabhängig von dieser sind und zu dauerhaften Kooperationsbeziehungen führen. Internationale Institutionen sind aus dieser Perspektive Verregelungsprozesse des staatlichen Verhaltens, welche die strukturell begründete Unsicherheit abbauen.95 Sie fördern Kooperation, wenn sie Erwartungssicherheit über das zukünftige Verhalten der Kooperationspartner schaffen – was durchaus im eigenen Interesse von Staaten liegen kann96- und wenn die Kosten einer ‚Nicht-Zusammenarbeit’ höher sind als die Vorteile, die einem Staat aus der Kooperation erwachsen.

Auf den ersten Blick scheint für die Analyse der Europäischen Union der liberale Institutionalismus am geeigneten zu sein. Der Integrationsverbund der Europäischen Union vermindert das Macht- und Sicherheitsdilemma zwischen den Mitgliedstaaten im Binnenverhältnis. Die durch institutionelle Verregelung geschaffene Sozialkonstellation zwischen den Mitgliedstaaten ist nicht anarchisch.97 Dadurch wird die Problematik von Hegemonie und Gleichgewicht in einem Integrationsverbund nicht aufgehoben. Latent vorhanden ist darüber hinaus auch die Schwierigkeit der Gewinnverteilung: Integrationsverbünde zwischen ungleichen Staaten können von dem dominierenden Staat missbraucht und als Instrument seiner Hegemonialambitionen eingesetzt werden. In einem zweiten Schritt würde dies dazu führen, dass die vermeintlich schwächeren Staaten sowie die konkurrierenden Führungsmächte innerhalb des Integrationsverbundes Gegenmachtbildung [kooperativ und nicht antagonistisch] gegen den oder die überlegenen Staaten betreiben. Durch flexible Koalitionsbildungen innerhalb des Integrationsverbundes erfolgt diese Gegenpolbildung. Ausdruck dieser ist in informellen Balance-Strategien [z.B. Strukturhilfen] oder in institutionellen Balance-Vorkehrungen [z.B. Stimmengewichtungen] zu finden. „Indem die Kooperation durch integrative Elemente der Vergemeinschaftung intensiviert wird, kann von einem integrativen Gleichgewicht gesprochen werden“.98

In Ergänzung zu neorealistischen Annahmen lässt sich die anschließende Hypothese wie folgt ergänzen: Wenn neben den gemeinsamen Interessen von Staaten an der Integration auch für die Machtverteilung im institutionellen Rahmen eine ausgewogene, symmetrische Verteilung der Kooperationsgewinne garantiert wird, dann ist eine Integration wahrscheinlich. Erfolgt keine symmetrische Verteilung der Kooperationsgewinne zwischen den Mitgliedern des Kooperationsverbundes, wird der Prozess der [Gegenmachtbildung in Gang gesetzt, um eine mögliche Hegemonie abzuwehren, die im Rahmen des Integrationsverbundes von einer oder mehreren Mächten initiiert werden könnten.99]


95 Vgl. Roloff, R., Auf dem Weg zur Neuordnung Europas. Die Regierung Kohl/Genscher und die KSZE-Politik der Bundesrepublik Deutschland von 1986 bis 1992, Vierow 1995, S. 32.

96 Vgl. Keohane, R., O., Correspondence: Back to the Futurer Part III, in: International Security, 15, Nr.2/1990, p. 193.

97 Vgl. Link, W., Der Ost-West-Konflikt. Die Organisation der internationalen Beziehungen im 20. Jahrhundert, Stuttgart u.a., 2. überarbeitete Aufl. 1988.

98 Link, W., Die europäische Neuordnung und das Machtgleichgewicht, in: Jäger, T. und Piepenschneider, M., [Hrsg.], Europa 2020, Szenarien politischer Entwicklung, Leverkusen 1997, S. 14.

Doch im Gegensatz zu Neorealisten lehnen die liberalen Institutionalisten die Annahme ab, daß Kooperation lediglich aus der Machtverteilung im internationalen System zu erklären sei. Vielmehr gebe es neben gegensätzlichen Interessen zwischen Staaten, die aus der Machtverteilung im internationalen System zu erklären sind, auch gemeinsame Interessen, die unabhängig von der Machtverteilung existieren. Diese gemeinsamen Interessen können zu dauerhaften Kooperationsbeziehungen führen. Internationale Institutionen sind in dieser Sichtweise Verregelungsprozesse des staatlichen Verhaltens, welche die strukturell begründete Unsicherheit abbauen (Roloff 1995: 32). Sie fördern Kooperation, wenn sie Erwartungssicherheit über das zukünftige Verhalten der Kooperationspartner schaffen - was durchaus im eigenen Interesse von Staaten liegen kann (Keohane 1990: 193) - und wenn die Kosten einer möglichen Defektion höher sind als die Vorteile, die einem Staat aus der Kooperation erwachsen.

Für die Analyse der Europäischen Union scheint der liberale Institutionalismus auf den ersten Blick der heuristisch fruchtbarere Ansatz zu sein. Der Integrationsverbund der Europäischen Union mindert das Macht- und Sicherheitsdilemma zwischen den Mitgliedern im Binnenverhältnis. Die durch institutionelle Verregelung geschaffene Sozialkonstellation zwischen den Mitglie-

[Sete 903]

dern ist nicht anarchisch. Werner Link hat jedoch darauf aufmerksam gemacht, daß die Problematik von Hegemonie und Gleichgewicht in einem Integrationsverbund dadurch nicht aufgehoben wird und die Problematik der relativen Gewinnverteilung - wenngleich abgemildert - noch immer existent ist. Erstens können Integrationsverbünde zwischen ungleichen Staaten dazu führen, daß der präponderierende Staat versucht, den Integrationsverbund als Instrument seiner Hegemonialambitionen zu nutzen. Dies würde zweitens dazu führen, daß die schwächeren Staaten sowie die konkurrierenden Führungsmächte innerhalb des Integrationsverbundes Gegenmachtbildung (kooperativ und nicht antagonistisch) gegen den oder die präponderierenden Staaten betreiben - vorausgesetzt, sie haben ein vitales Interesse an seinem Erhalt. Diese Gegenmachtbildung erfolgt primär durch flexible Koalitionsbildungen innerhalb des Integrationsverbunds. Sie kann dabei ihren Ausdruck in informellen Balance-Strategien (Transferzahlungen, Strukturhilfen oder politische Zusagen) oder in institutionellen Balance-Vorkehrungen finden (Stimmgewichtungen). »Indem die Kooperation durch integrative Elemente der Vergemeinschaftung intensiviert wird, kann von einem integrativen Gleichgewicht gesprochen werden« (Link 1997: 14).

[...] In Ergänzung zu neorealistischen Annahmen könnte folgende Hypothese formuliert werden: Dauerhafte Integration ist wahrscheinlich, wenn neben den gemeinsamen Interessen von Staaten an der Integration auch die Machtverteilung im institutionellen Rahmen so gestaltet ist, daß eine ausgewogene, d. h. symmetrische Verteilung der Kooperationsgewinne garantiert wird. Wenn zwischen den Mitgliedern des Integrationsverbundes jedoch keine symmetrische Verteilung der Kooperationsgewinne erfolgt, kommt es zu Prozessen der Gegenmachtbildung, um einer möglichen Hegemonie einer oder mehrerer Mächte im Rahmen des Integrationsverbundes vorzubeugen (Meimeth 1992).

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, kein Hinweis auf die Übernahme. Referenzen werden mitübernommen.


[40.] Cbr/Fragment 032 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 32, Zeilen: 1-5
Quelle: Masala 1999
Seite(n): 903, 904, Zeilen: 903: 22 ff.; 904: 1
[Erfolgt keine symmetrische Verteilung der Kooperationsgewinne zwischen den Mitgliedern des Kooperationsverbundes, wird der Prozess der] Gegenmachtbildung in Gang gesetzt, um eine mögliche Hegemonie abzuwehren, die im Rahmen des Integrationsverbundes von einer oder mehreren Mächten initiiert werden könnten.99 Für die empirische Analyse diese Arbeit ergibt sich daraus folgende Konsequenz: Im Vordergrund steht die Betrachtungsweise der Positionen einzelner Akteure gegenüber zentralen Themenkomplexen.

99 Meimeth, M., Die Theorie des Neorealismus nach dem Ende des Ost-West-Konflikts. Eine Antwort an Ernst-Otto Czempiel, in: JfP 2/1992, S. 81-88.

Dauerhafte Integration ist wahrscheinlich, wenn neben den gemeinsamen Interessen von Staaten an der Integration auch die Machtverteilung im institutionellen Rahmen so gestaltet ist, daß eine ausgewogene, d. h. symmetrische Verteilung der Kooperationsgewinne garantiert wird. Wenn zwischen den Mitgliedern des Integrationsverbundes jedoch keine symmetrische Verteilung der Kooperationsgewinne erfolgt, kommt es zu Prozessen der Gegenmachtbildung, um einer möglichen Hegemonie einer oder mehrerer Mächte im Rahmen des Integrationsverbundes vorzubeugen (Meimeth 1992).

Aus diesen Vorüberlegungen ergeben sich Konsequenzen für die empirische Analyse. Anstelle eines am Vertragstext orientierten Vorgehens steht die Betrachtungsweise der Positionen einzelner Akteure gegenüber zentralen

[Seite 904]

Themenkomplexen der Revisionskonferenz im Vordergrund.


Meimeth, Michael, 1992: Die Theorie des Neorealismus nach dem Ende des Ost-West-Konflikts. Eine Antwort an Ernst-Otto Czempiel, in: JfP 2, 81-88.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[41.] Cbr/Fragment 033 22

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 33, Zeilen: 22-28
Quelle: Erbe 1994
Seite(n): 36, Zeilen: 1. Textabsatz
Regionale Identität ist sicherlich nicht zuletzt dadurch bestimmt, dass neben das Bewusstsein, in einem geographisch und ökonomisch wie sprachlich und kulturell mehr oder minder klar abgrenzbaren Raum zu leben, auch die Erkenntnis tritt, mit den übrigen Bewohnern des betreffenden Gebiets eine gemeinsame, besondere Vergangenheit zu besitzen. Dass sich regionale Identität gerade auch historisch definieren lässt ist eine Selbstverständlichkeit, die nicht eigens hinterfragt zu werden braucht. Regionale Identität ist sicherlich nicht zuletzt dadurch bestimmt und definierbar, daß neben das Bewußtsein, in einem geographisch und ökonomisch wie sprachlich und kulturell mehr oder minder klar abgrenzbaren Raum zu leben, auch die Erkenntnis tritt, mit den übrigen Bewohnern des betreffenden Gebiets eine gemeinsame, besondere Vergangenheit zu besitzen. Daß sich Regionale Identität gerade auch historisch definieren läßt, scheint ein Gemeinplatz zu sein, eine schiere Selbstverständlichkeit, die nicht eigens hinterfragt zu werden braucht.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[42.] Cbr/Fragment 034 05

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 34, Zeilen: 5-9
Quelle: Schulz 1998
Seite(n): 145, Zeilen: 17 ff.
Die Einrichtung des Ausschusses der Regionen im EU-Vertrag von Maastricht [Art. 198] und im Vertrag von Amsterdam [Art. 263] bietet eine weitere Definitionsmöglichkeit für Region: Sie lässt sich darauf konzentrieren, dass unter Region diejenigen regionalen Gebietskörperschaften verstanden werden, die sich unmittelbar unterhalb der nationalen Ebene befinden. Gleichwohl ist mit der Verabschiedung der „Gemeinschaftscharta des Regionalismus“ durch das Europäische Parlament (1988) und die Einrichtung des „Ausschuß der Regionen“ im EU-Vertrag von Maastricht (1992) eine hinreichend flexible Definition für die Vielfalt regionaler Gebietskörperschaften in Europa gefunden worden. Sie läßt sich darauf konzentrieren, daß unter Regionen diejenigen regionalen Gebietskörperschaften verstanden werden, die sich unmittelbar unterhalb der nationalen Ebene befinden.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[43.] Cbr/Fragment 036 23

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 36, Zeilen: 23-33, 105-110
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 50, 51, Zeilen: 50: vorletzter Absatz; 51: 2 ff.
Eine wissenschaftliche Betrachtung ohne Bestimmung des Basiskonzeptes Region bleibt deskriptiv im Einzelfall verhaftet und der Gegenstand vieldeutig und kaum opernationalisierbar [sic], geschweige denn vergleichbar. Ein entscheidendes Defizit bisheriger Ansätze zum Regionskonzept scheint darin zu liegen, dass es nicht gelungen ist, die Systemeigenschaften der Region von ihrer Raumnatur herzuleiten: Vereinfacht gesagt die holistisch orientierte Geographie klammerte sich an den als eigenständige Entität gefassten Raum, während die Regionalsoziologie [analog zu der Simmelschen Grenzdefinition] das Regionskonzept als Verräumlichung nicht-räumlicher Phänomene interpretiert. Sozialwissenschaftlich orientierte Regionalforscher versuchen daher die Raumkategorie mit einer von außen eingeführten „Theorie sozialer Systeme“108 zu vernetzen, oder sich mit Theorien kurzen Ausmaßes zu begnügen.109 Diese Positionen sind nachzu[vollziehen, wenn man beobachtet, wie vielfältig die Phänomene sind, die als Region bezeichnet werden und wie sehr sich sowohl die politischen Erscheinungsformen110 als auch wissenschaftlichen Konzepte unterscheiden.111]

108 Eine der [erkenntnistheoretisch] anspruchsvollsten Versionen dieses Erklärungsmodells in der Regionalforschung vertritt Weichart, P., Die Region-Chimäre, Artefakt oder Strukturprinzip sozialer Systeme?, in: Brunn, G. [Hrsg.], Region und Regionsbildung in Europa. Konzeption [sic] der Forschung und empirische Befunde [Schriftenreihe des Instituts für Europäische Regionalforschung, Bd.1.] Baden-Baden 1996, S. 25-43.

109 Dass diese Ansätze ihre methodologische Berechtigung haben, wird nicht bestritten. Die empirischen [sic] Fülle eines operationalisierten Regionsbegriffs mittlerer Reichweite belegt das unter der Federführung von Beate


Kohler-Koch durchgeführte „Rege-Projekt“; siehe dies, u.a. [Hrsg.], Interaktive Politik in Europa. Regionen im Netzwerk der Integration, Opladen 1998, S. 125ff.

110 Ein Beispiel für den oben schon erwähnten ‚praktischen’ Zusammenhang zum Regionsbegriff bietet die Definition der VRE: „Die Region ist die unmittelbar unter der Ebene des Staates angeordnete Gebietskörperschaft des öffentlichen Rechts mit politischer Selbstregierung“ [VRE, Erklärung zum Regionalismus in Europa vom 4. Dezember 1996 in Basel, Art.1].

111 Siehe Brunn, Region und Regionsbildung, a.a.O. und Schmitt-Egner, Die „Europäische Kompetenz“ von Regionen, a.a.O. S. 19ff.

[Seite 50]

Wenn wir also annehmen, die Grenzregion fungiere als Subjekt dieser Zusammenarbeit dann bleibt eine wissenschaftliche Betrachtung ohne Bestimmung des Basiskonzeptes „Region“ deskriptiv im Einzelfall verhaftet und der Gegenstand vieldeutig und kaum operationalisierbar geschweige denn vergleichbar.

Eine [sic] entscheidendes Manko bisheriger Ansätze zum Regionskonzept scheint mir darin zu liegen, daß es nicht gelungen ist, die Systemeigenschaften der Region von ihrer Raumnatur herzuleiten: Vereinfacht gesagt die holistisch orientierte Geographie klammerte sich an den als eigenständige Entität gefaßten Raum (Bausinger) während die Regionalsoziologie (analog zu der oben zitierten Simmelschen Grenzdefinition) das Regionskonzept als Verräumlichung nicht-räumlicher Phänomene interpretiert. Sozialwissenschaftlich orientierte Regionalforscher versuchen daher die Raumkategorie mit einer von außen eingeführten „Theorie sozialer Systeme“ zu vernetzen49, oder sich mit Theorien kurzer Reichweite zu begnügen.50


48 siehe den strategischen Teil dieses Beitrags

49 Eine der (erkenntnistheoretisch) anspruchsvollsten Versionen dieses Erklärungsmodells in der Regionalforschung vertritt Peter Weichart (ders., Die Region-Chimäre, Artefakt oder Strukturprinzip sozialer Systeme?, in: Gerhard Brunn (Hrsg.), Region und Regionsbildung in Europa. Konzeptionen der Forschung und empirische Befunde (Schriftenreihe des Instituts für Europäische Regionalforschung, Bd.1) Baden-Baden 1996, S.25-43. Für die weitere Diskussion ebenso wie für die im folgenden entwickelte Argumentation vgl. Schmitt-Egner, Die „Europäische Kompetenz“ von Regionen, a.a.O., S.l6ff.

50 Daß diese Ansätze ihre methodologische Berechtigung haben, wird hier nicht bestritten. Von der empirischen Fruchtbarkeit eines operationalisierten Regionsbegriffs mittlerer Reichweite zeugt das

[Seite 51]

Regionsdefinition

Diese Positionen sind nachzuvollziehen, wenn man beobachtet, wie vielfältig die Phänomene sind, die als „Region“ bezeichnet werden und wie sehr sich, sowohl die politischen Erscheinungsformen51 als auch wissenschaftlichen Konzepte unterscheiden.52


unter der Federführung von Beate Kohler-Koch durchgeführte „Rege-Projekt" (siehe dies. u.a. (Hrsg.), Interaktive Politik in Europa. Regionen im Netzwerk der Integration, Opladen 1998, S.125f., sowie die einzelnen Teilbeiträge des Bandes.

51 Ein Beispiel für den oben schon erwähnten „praktischen“ Zugang zum Regionsbegriff bietet die Definition der VRE: „Die Region ist die unmittelbar unter der Ebene des Staates angeordnete Gebietskörperschaft des öffentlichen Rechts mit politischer Selbstregierung“ (VRE, Erklärung zum Regionalismus in Europa vom 4. Dezember 1996 in Basel, Art. 1).

52 siehe Brunn (Hrsg.), Region und Regionsbildung, a.a.O. passim, und Schmitt-Egner, Die „Europäische Kompetenz“ von Regionen, a.a.O., S.19ff.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[44.] Cbr/Fragment 037 01

BauernOpfer
Untersuchte Arbeit:
Seite: 37, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 51, 52, Zeilen: 51: 2 ff.; 52: 1 ff.
[Diese Positionen sind nachzu-]vollziehen, wenn man beobachtet, wie vielfältig die Phänomene sind, die als Region bezeichnet werden und wie sehr sich sowohl die politischen Erscheinungsformen110 als auch wissenschaftlichen Konzepte unterscheiden.111 So haben einige Forscher empfohlen, auf eine allgemeine Definition zu verzichten und allenfalls theoretische Konzepte mittlerer Reichweite zuzulassen.112

Wie oben schon erwähnt, scheint es noch chaotischer bei dem Sondertypus Grenzregionen zuzugehen, denn hier agieren scheinbar die verschiedensten Ansammlungen von subnationalen Gebietskörperschaften bis zu privatrechtlichen Organisationen, Vereinen und Arbeitsgemeinschaften, die sich von niederländischen ‚Provincies’, bis zu englischen ‚counties’ erstrecken. Dies mag in der Praxis durch Pragmatismus überwunden werden, in der Wissenschaft müssen jedoch einheitliche Maßstäbe, Definitionen und Methoden gefunden werden, die eine Vergleichbarkeit der Einzelfälle zulassen. Denn jene setzt eine Übertragbarkeit von Modellen in der Praxis voraus. Erkenntnistheoretisch naiv wäre es, Realdefinition liefern zu wollen. An dieser Stelle wird von einer einfachen Nominaldefinition ausgegangen, um einige Elemente ihrer [system]theoretischen Verortung mit dem Ziel zu entwickeln, operationalisierbare Kategorien der empirischen Forschung zu gewinnen. Folgende Merkmale sollten in dieser Begriffsbestimmung Region enthalten sein:113

• die Größenordnung ist so zu wählen, dass die Existenz noch kleinerer Einheiten [subregionale Einheiten] möglich ist;

• der funktionale Bezug ‚intermediär’ weist auf die Vermittlung zwischen den größeren und den kleineren Einheiten hin;

• die territoriale Lage: Diese Abgrenzung verweist auf eine Einheit und damit auf ein vertikales Referenzsystem [vertikal nach ‚oben’], andererseits aber auch auf ein horizontales Referenzsystem mit anderen Teileinheiten;

• dagegen impliziert der Sach- und Objektbezug ‚Territorium’, dass es sich hier um kein natürliches, sondern in unterschiedlicher Hinsicht um ein historisches Produkt politischer und sozialer Interaktionen handelt.

a) die Periode, d.h. Regionen entstehen und verschwinden wieder,

110 Ein Beispiel für den oben schon erwähnten ‚praktischen’ Zusammenhang zum Regionsbegriff bietet die Definition der VRE: „Die Region ist die unmittelbar unter der Ebene des Staates angeordnete Gebietskörperschaft des öffentlichen Rechts mit politischer Selbstregierung“ [VRE, Erklärung zum Regionalismus in Europa vom 4. Dezember 1996 in Basel, Art.1].

111 Siehe Brunn, Region und Regionsbildung, a.a.O. und Schmitt-Egner, Die „Europäische Kompetenz“ von Regionen, a.a.O. S. 19ff.

112 Es scheint kein Zufall zu sein, dass vor allem angelsächsische Regionalismusforscher diese Position vertreten. Typisch dafür Rees, N., „Defining what is a region, beyond determining that is a territorial entity, is like determining how long ist [sic] a piece of string“; siehe ders. [Ed.], Interregional Co-operation: an effective means towards sustained economic development, in: Interregional co-operation for European Development, Limerick 1996, p. 14.

113 Vgl. für das Nachfolgende: Schmitt-Eger [sic], „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit“ in Europa als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und Strategie transnationaler Praxis. Anmerkungen zur Theorie, Empirie und Praxis des Transnationalen Regionalismus, in: Brunn, G. und Schmitt-Egner, P. [Hrsg.], Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Europa, Baden-Baden 1998, S. 52.

Diese Positionen sind nachzuvollziehen, wenn man beobachtet, wie vielfältig die Phänomene sind, die als „Region“ bezeichnet werden und wie sehr sich, sowohl die politischen Erscheinungsformen51 als auch wissenschaftlichen Konzepte unterscheiden.52 So haben einige Forscher vorgeschlagen auf eine allgemeine Definition zu verzichten und allenfalls theoretische Konzepte mittlerer Reichweite zuzulassen.53 Wie eingangs schon erwähnt, scheint es noch chaotischer bei dem Sondertypus „Grenzregionen“ zuzugehen, denn hier agieren scheinbar die verschiedensten Konglomerate und Aggregate von subnationalen Gebietskörperschaften bis zu privatrechtlichen Organisationen, Vereinen und Arbeitsgemeinschaften54, die sich von niederländischen „Provincies“, Autonomen Gemeinschaften und deutschen Landkreisen, französischen Departements und „régions“, englischen „counties“ und britischen „nations“ bis zu griechischen Kommunen erstrecken. Dies mag in der Praxis durch Pragmatismus überwunden werden, in der Wissenschaft müssen jedoch einheitliche Maßstäbe, Definitionen und Methoden gefunden werden, die eine Vergleichbarkeit der Einzelfallbeispiele zulassen, denn jene setzt eine Übertragbarkeit von Modellen in der Praxis voraus. Selbstredend wäre es erkenntnistheoretisch naiv, Realdefinitionen liefern zu wollen. Wir gehen hier von einer einfachen Nominaldefinition aus, um einige Elemente ihrer (system)theoretischen Verortung mit dem Ziel zu entwickeln, operationalisierbare Kategorien der empirischen Forschung zu gewinnen.

51 Ein Beispiel für den oben schon erwähnten „praktischen“ Zugang zum Regionsbegriff bietet die Definition der VRE: „Die Region ist die unmittelbar unter der Ebene des Staates angeordnete Gebietskörperschaft des öffentlichen Rechts mit politischer Selbstregierung“ (VRE, Erklärung zum Regionalismus in Europa vom 4. Dezember 1996 in Basel, Art. 1).

52 siehe Brunn (Hrsg.), Region und Regionsbildung, a.a.O. passim, und Schmitt-Egner, Die „Europäische Kompetenz“ von Regionen, a.a.O., S.19ff.

53 Es scheint mir kein Zufall zu sein, daß vor allem angelsächsische Regionalismusforscher diese Position vertreten. Typisch dafür Nicholas Rees: „Defining what is a region, beyond determining that is a territorial entity, is like determining how long is a piece of string“ (siehe ders., Inter-Regional Co-operation: an effective means towards sustained economic development, in: Interregional co-operation for European Development, Limerick 1996, p.14; siehe ebenso Keating/Loughlin, a.a.O., S.2f und Malcolm Andersons Beitrag in diesem Band. Dagegen die Beiträge von Weichart a.a.O., S.28ff. und Hans-Heinrich Blotevogel, Auf dem Weg zu einer Theorie der Regionalität in Brunn (Hrsg.) Region und Regionsbildung, a.a.O., S.44-64 und meine Auseinandersetzung damit (Schmitt-Egner, Die „Europäische Kompetenz" von Regionen, a.a.O., S.19).

54 siehe Groß/Schmitt-Egner a.a.O., S.74ff; Grom a.a.O., S.54f.

[Seite 52]

• Der Lage- oder Raumbezug: Die Teilraumnatur verweist einerseits auf eine Ganzheit und damit auf ein vertikales Referenzsystem (Vertikale nach „oben“), andererseits aber auch auf ein horizontales Referenzsystem mit anderen Teileinheiten.

• Der Maßstabsbezug „mittlere Größe“ enthüllt die Existenz noch kleinerer Einheiten (verlängert also die Vertikale nach „unten“), d.h. subregionale Einheiten.

• Der funktionale Bezug „intermediär“ weist auf die Vermittlung zwischen den größeren und den kleineren Einheiten hin.

• Dagegen impliziert der Sach- oder Objektbezug „Territorium“, daß es sich hier um kein natürliches, sondern in dreierlei Hinsicht um ein historisches Produkt politischer und sozialer Interaktionen handelt:

a) den Zeitbezug, d.h. Regionen entstehen und verschwinden wieder,
Anmerkungen

Die Referenzen werden mitübernommen; Schmitt-Egner ist daher mehrfach genannt. Umfang und Wörtlichkeit der Übernahme gehen daraus aber nicht hervor.


[45.] Cbr/Fragment 038 01

BauernOpfer
Untersuchte Arbeit:
Seite: 38, Zeilen: 1-5
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 52, Zeilen: 12 ff.
b) den Subjektbezug, d.h. Regionen sind Ergebnis sozialer und politischer Interaktionen und ihre Akteure sind die Konstrukteure ihrer Grenzen sowie
c) den Qualitätsbezug, d.h. Territorien sind rechtlich-politische Konstrukte, die in einem sozialen, ökonomischen und kulturellen Kontext stehen, der prinzipiell transzendierbar ist.
b) den Subjektbezug, d.h. Regionen sind Resultate sozialer und politischer Interaktionen und ihre Akteure sind die Konstrukteure ihrer Grenzen und
c) den Qualitätsbezug, d.h. Territorien sind rechtlich-politische Konstrukte, die in einem sozialen, ökonomischen und kulturellen Kontext stehen, der prinzipiell transzendierbar ist.
Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite.

Die Quelle ist in Fn. 113 auf S. 37 genannt. Die Wörtlichkeit der Übernahme geht daraus jedoch nicht hervor.


[46.] Cbr/Fragment 038 11

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 38, Zeilen: 11-13, 23
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 80, Zeilen: letzter Absatz
Für die Ausrichtung und Artikulation von politischen Interessen ist, der Einflusslogik folgend, zunächst entscheidend, wo die für sie relevanten Entscheidungen getroffen werden. Welche Zugänge bieten sich zu diesen Entscheidungsprozessen an? [...]

2.2.1 Entscheidungsprozesse im politischen System

3.1.1 Entscheidungsprozesse im politischen System

Für die Ausrichtung und Artikulation von Unternehmerinteressen ist, der Einflußlogik folgend, zunächst entscheidend, wo die für sie relevanten Entscheidungen getroffen werden und welche Zugänge sich zu diesen Entscheidungsprozessen bieten.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[47.] Cbr/Fragment 039 24

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 39, Zeilen: 24-36
Quelle: Student 2000
Seite(n): 111, Zeilen: 4 ff., 14 ff.
Bei der Ausführung der Gesetze gestaltet sich das Bund-Länder-Verhältnis gegensätzlich. Den Ländern wird die Ausführung zugewiesen, „soweit dieses Grundgesetz nichts anderes bestimmt oder zuläßt“ [Art. 83 GG], ohne indes dem Bund weitreichende eigene Verwaltungsaufgaben zuzuweisen. Die eigentliche staatliche Verwaltung ist folglich die Verwaltung der Länder. „Diese Regelung kann als der Kern des Institutionengefüges und als wichtigste Erscheinung deutscher Länder-Staatlichkeit bezeichnet werden.“119 Die Kontakte zwischen Bund und Ländern beschränken sich nicht auf den Bereich der Gesetzgebung und Verwaltung. Die ‚Politikverflechtung’ umfasst daneben auch eine bürokratische [beispielsweise Bund-Länder-Ausschüsse unterhalb der Ministerebenen], parteipolitische und institutionelle Verflechtung [z.B. ständige Konferenz der Kultusminister] sowie eine Verbindung im Regierungsbereich [z.B. Regierungschefs der Länder und Bundeskanzler] und eine Planungsverflechtung durch sog. Planungsräte [z.B. Wissenschaftsrat].

119 Kilper, H. und Lhotta, R., Föderalismus in der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 1996, S. 102.

Bei der Ausführung der Gesetze gestaltet sich das Bund-Länder-Verhältnis umgekehrt. Wiederum wird den Ländern die Ausführung zugewiesen, „soweit dieses Grundgesetz nichts anderes bestimmt oder zuläßt” (Art. 83 GG), ohne indes dem Bund weitreichende eigene Verwaltungsaufgaben zuzuweisen.36 Die eigentliche staatliche Verwaltung ist folglich die Verwaltung der Länder. „Diese Regelung kann als der Kern des Institutionengefüges und als wichtigste Erscheinung deutscher Länder-Staatlichkeit bezeichnet werden.”37 [...] Die Kontakte zwischen Bund und Ländern beschränken sich indes nicht auf den Bereich der Gesetzgebung und Verwaltung. Die „Politikverflechtung“ umfaßt daneben auch eine bürokratische (beispielsweise Bund-Länder-Ausschüsse unterhalb der Ministerebene), parteipolitische und institutionelle Verflechtung (z.B. Ständige Konferenz der Kultusminister) sowie eine Verflechtung im Regierungsbereich (z.B. Regierungschefs der Länder und Bundeskanzler) und eine Planungsverflechtung durch sogenannte Planungsräte (z.B. Wissenschaftsrat).38

36 Diese beschränken sich vor allem auf den Auswärtigen Dienst, die Bundesfinanzverwaltung, die Verwaltung der Bundeswasserstraßen und der Schiffahrt (Art. 87 Abs. 1), der Bundeswehr- und Verteidigungsverwaltung (Art. 87b) sowie der Luftverkehrsverwaltung (Art. 87d).

37 Kilper / Lhotta, a.a.O., S. 102.

38 Vgl. hierzu insbesondere die Schriften aus den 70er Jahren von Fritz W. Scharpf u.a.: Scharpf, F.W. u.a.: Politikverflechtung. Theorie und Empirie des kooperativen Föderalismus in der Bundesrepublik, Kronberg/Ts. 1976. Sowie Scharpf, F.W. u.a.: Politikverflechtung II. Kritik und Berichte aus der Praxis, Kronberg/Ts. 1977. Vgl. auch Kapitel I.2.b): Die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Referenz wird mitübernommen.


[48.] Cbr/Fragment 040 32

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 40, Zeilen: 32-36
Quelle: Student 2000
Seite(n): 111, Zeilen: 21 ff.
Im föderalen System der Bundesrepublik besitzen zwar sowohl der Bund als auch die Länder Staatsqualität, nicht jedoch die dritte Ebene, die der Gemeinden. Staatsrechtlich gehören sie zur Ebene der Länder mit einer im Grundgesetz garantierten Selbstverwaltung. „Den Gemeinden muß das Recht gewährleistet sein, alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln“ [Art. [28 Abs. 2 GG].] Im föderalistischen System der Bundesrepublik besitzen zwar sowohl der Bund als auch die Länder Staatsqualität, nicht jedoch die dritte Ebene der Gemeinden.39 Staatsrechtlich gehören sie zur Ebene der Länder mit einer im Grundgesetz garantierten Selbstverwaltung. „Den Gemeinden muß das Recht gewährleistet sein, alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln (...)“ (Art. 28 Abs. 2 GG).

39 Die Länder sind außerdem in Regierungsbezirke unterteilt, die als mittlere regional abgegrenzte Landesbehörde die Funktion einer allgemeinen Verwaltungsbehörde haben, mit einer Aufsichts-, Koordinierungs- und Lenkungsfunktion gegenüber den nachgeordneten Behörden.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.


[49.] Cbr/Fragment 041 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 41, Zeilen: 1-11, 22-32
Quelle: Student 2000
Seite(n): 111, 112, 113, 114, Zeilen: 111: letzte Zeilen; 112: 1 ff.; 113: letzter Absatz; 114: 1 ff.
Hierzu zählt die Personalhoheit, die Organisationshoheit, die Satzungsautonomie, die Finanzhoheit und die Befugnis zur Festlegung des Gemeindenamens. Einige Aufgaben der kommunalen Selbstverwaltung sind freiwillige Aufgaben, die von den Kommunen übernommen werden können [z.B. Büchereien] und andere sind Pflichtaufgaben, die erfüllt werden müssen [z.B. Durchführung von Kommunalwahlen]. In beiden Fällen unterliegen die Kommunen lediglich einer staatlichen Aufsicht, die Verstöße gegen geltendes Recht ausschließen soll. Wesentlich weitreichender gestaltet sich die staatliche Einflussnahme auf die Kommunen bei der Ausführung von Bundes- und Landesgesetzen [z.B. Bundessozialhilfegesetz]: Hier unterliegen sie strengen staatlichen Weisungen in Zweckmäßigkeits- und Ermessensfragen, ohne eine rechtliche Mitsprachemöglichkeit zu besitzen.

[...]

Das Königreich der Niederlande zählt weder zu den föderativen oder regionalisierten Staaten der Europäischen Union, noch ist es ein klassischer Einheitsstaat. Dem Staatsaufbau liegt das Prinzip des dezentralisierten Einheitsstaates zugrunde, das auf „deutlich calvinistischen Grundstruktur[en]“125 basiert. Dieses zunächst paradox anmutende Prinzip kennzeichnet einen starken Zentralstaat bei einer gleichzeitig sehr weitreichenden Dezentralisierung staatlicher Aufgaben.126 Das Einheitsstaatsprinzip findet seinen Ausdruck vor allem in einer lediglich dem Zentralstaat vorbehaltenen Staatsqualität und einer einzigen Verfassung dem ‚grondwet’. Die politische Identität der substaatlichen Ebenen [Provinzen und Gemeinden] wird durch die Verfassung zwar geschützt, und sie verfügen auch über eigene repräsentativ-demokratische Vertretungskörperschaften, eine Staatsqualität wie beispielsweise den deutschen Bundesländern kommt ihnen nicht zu.


124 Anteile am Gesamtsteueraufkommen erhalten die Ländern [sic] bei der Einkommenssteuer [42,5%], Körperschaftsteuer [50%], Kapitalertragsteuer [50%], Umsatzsteuer [z.Z. 35%], sowie der Gewerbesteuerumlage [50%].

125 Lademacher, H., Deutschland und die Niederlande. Über den Wandel und Kontinuität des Bildes vom anderen, in: Süßmuth, H. [Hrsg.], Deutschlandbilder in Dänemark und England, in Frankreich und den Niederlanden, Baden-Baden 1996, S. 384.

126 Vgl. Kleinfeld, R. und Hesse, J., J., Die Provinzen im politischen System der Niederlande, Opladen 1990, S. 54ff.

[Seite 111]

Hierzu gehört die Personalhoheit, die Organisationshoheit, die Satzungsautonomie, die Finanzhoheit und die Befugnis zur Festlegung des Gemeindenamens.40


40 Vgl. Blank u.a., a.a.O., S. 180 f.

[Seite 112]

Einige Aufgaben der kommunalen Selbstverwaltung sind freiwillige Aufgaben, die von den Kommunen übernommen werden können (Jugendheime, Büchereien usw.), und andere sind Pflichtaufgaben, die erfüllt werden müssen (Durchführung von Kommunalwahlen usw.). In beiden Fällen unterliegen die Kommunen lediglich einer staatlichen Aufsicht, die Verstöße gegen geltendes Recht ausschließen soll. Wesentlich weitreichender gestaltet sich die staatliche Einflußnahme auf die Kommunen bei der Ausführung von Bundes- und Landesgesetzen (beispielsweise des Bundessozialhilfegesetzes): Hier unterliegen sie strengen staatlichen Weisungen in Zweckmäßigkeits- und Ermessensfragen, ohne im übrigen eine rechtliche Mitsprachemöglichkeit zu besitzen.41


41 Vgl. beispielsweise Rudzio, W.: Das politische System der Bundesrepublik Deutschland, 2.Aufl., Opladen 1987, S. 338 ff. Sowie Naßmacher, H. und K.-H.: Kommunalpolitik in der Bundesrepublik, Opladen 1979, S. 30 f,, S.39 und S. 50 ff.

[Seite 113]

Das Königreich der Niederlande zählt weder zu den föderativen oder regionalisierten Staaten der Europäischen Union noch ist es ein klassischer Einheitsstaat. Seinem Staatsaufbau liegt das Prinzip des „dezentralisierten Einheitsstaates“ zugrunde. Dieses

[Seite 114]

zunächst paradox anmutende Prinzip kennzeichnet einen starken Zentralstaat bei einer gleichzeitig sehr weitreichenden Dezentralisierung staatlicher Aufgaben.49 Das Einheitsstaatsprinzip findet seinen Ausdruck vor allem in einer lediglich dem Zentralstaat vorbehaltenen Staatsqualität und einer einzigen Verfassung, dem „grondwet“. Die politische Identität der Provinzen und Gemeinden als den substaatlichen Ebenen50 wird durch die Verfassung zwar geschützt, und sie verfügen auch über eigene repräsentativ-demokratische Vertretungskörperschaften, eine Staatsqualität wie beispielsweise den deutschen Ländern kommt den ihnen indes nicht zu.51


49 Vgl. u.a. Hesse, J.J. / Kleinfeld, R.R.: Die Provinzen im politischen System der Niederlande, Opladen 1990, S. 54 ff.

50 Neben den Provinzen und Gemeinden gibt es in den Niederlanden vor allem zwei weitere regionale Untergliederung. Zum einen sind dies die im Jahre 1972 vom Koordinierungsausschuß für die Planung regionaler Erhebungen (COROP- Coördinate-commissie Regionale Onderzoeks Programmering) gebildeten COROP-Regionen. Die etwa 40 COROP-Regionen sind keine administrativen Einheiten sondern lediglich Maßeinheiten für die Beschaffung statistischer Informationen. Sie umfassen mehrere Gemeinden und reichen nicht über die Provinzgrenzen hinaus. Die COROP-Regionen entsprechen in den Niederlanden der NUTS III-Ebene. (Vgl. Europäische Kommission, Portrait, a.a.O., S. 195.) Und zum anderen sind dies die aus dem Gesetz über gemeinschaftliche Regelungen („Wet gemeenschappelijke regelingen“, WGR) hervorgegangenen WGR-Zusammenarbeitsgebiete. Hierbei handelt es sich um eine gebietskörperschaftliche Zusammenarbeit auf kooperativer Basis zwischen Gemeinden, zwischen Provinzen und zwischen Gemeinden und Provinzen. Die Provinzen haben ihr Gebiet in WGR-Zusammenarbeitsgebiete aufgeteilt (in denen sie weisungsbefugt sind) und dort Kommunalverbände stimuliert. Die zentralen Reichsbehörden haben bestimmte Aufgaben an diese Kommunalverbände delegiert (z.B. Vollzug kommunaler Umweltaufgaben, Rettungsdienstzentralen). Daneben haben die WGR-Gebiete bestimmte Aufgaben von den Gemeinden übernommen (z.B. gemeinsamer Gesundheitsdienst). Vg. Hesse / Kleinfeld, a.a.O., S. 137 ff.

51 Vgl. Ruiter, D.W.P.: Centralisatie en decentralisatie, in: Hoogerwerf, A. (Hrsg.): Overheidsbeleid, Alphen a.d. Rijn 1980, S. 344-362, hier: S. 356.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[50.] Cbr/Fragment 041 32

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 41, Zeilen: 32-34
Quelle: Kleinfeld 1997
Seite(n): 314, Zeilen: 8 ff., 17 f.
Dieser Einheitsstaat stellt im internationalen Vergleich einen interessanten Sonderfall zwischen föderalen Systemen und Einheitsstaaten dar: Typisch für den Einheitsstaat ist die Kom-[bination von Hierarchie und Konzentration.] Der „dezentralisierte Einheitsstaat“ stellt im internationalen Vergleich einen interessanten Sonderfall zwischen föderalen Systemen und Einheitsstaaten dar.

[...]

Typisch für einen Einheitsstaat ist die Kombination von Hierarchie und Konzentration.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[51.] Cbr/Fragment 042 01

KomplettPlagiat
Untersuchte Arbeit:
Seite: 42, Zeilen: 1-4
Quelle: Student 2000
Seite(n): 115, Zeilen: 9 ff.
Das Prinzip des dezentralisierten Einheitsstaates zeigt sich vor allem an der innerstaatlichen Kompetenzverteilung. Den nachgeordneten politischen Ebenen stehen dabei grundsätzlich alle Befugnisse zu, die nicht ausdrücklich einer höheren Gebietskörperschaft vorbehalten sind. Das Prinzip des dezentralisierten Einheitsstaates zeigt sich vor allem an der innerstaatlichen Kompetenzverteilung. Den nachgeordneten politischen Ebenen stehen dabei grundsätzlich alle Befugnisse zu, die nicht ausdrücklich einer höheren Gebietskörperschaft Vorbehalten sind.57

57 Vgl. Hesse / Kleinfeld, a.a.O., S. 55.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.


[52.] Cbr/Fragment 043 10

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 43, Zeilen: 10-14
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 82, Zeilen: 20 ff.
2.2.2 Territoriale Untergliederung und Kompetenzverteilung

Der für die zugrundeliegende Fragestellung wesentliche Unterschied zwischen dem Königreich der Niederlande und der Bundesrepublik Deutschland besteht in der territorialen politischen Untergliederung. In beiden Staaten kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Dezentralisierung, die in den Niederlanden aber rein administrativ war.

3.1.2 Territoriale Untergliederung und Kompetenzverteilung

Der für die hier zugrundeliegende Fragestellung wesentliche Unterschied zwischen beiden Staaten besteht in der territorialen politischen Untergliederung. In beiden kam es in den vergangenen Jahrzehnten zu Dezentralisierungen, die in Großbritannien aber eine rein administrative war und zudem nur die nicht-englischen Gebiete betraf.2


2 In Nordirland handelte es sich dagegen um einen wechselhaften Prozeß: Das dort bereits seit 1921 bestehende Parlament wurde 1972 wieder abgeschafft, 1982 eine Versammlung ins Leben gerufen, die aber ebenfalls 1986 wieder abgeschafft wurde.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[53.] Cbr/Fragment 043 101

BauernOpfer
Untersuchte Arbeit:
Seite: 43, Zeilen: 101-124
Quelle: Raich 1995
Seite(n): 158, 160, 161, Zeilen: 158: 18 ff.; 160: 20 ff.; 161: 1 f.

127 Isselburger-Übereinkommen in Tractatenblad 1991, Nr. 102, Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt, Gesetz zu dem Abkommen zwischen dem Land Niedersachsen, dem Land Nordrhein-Westfalen, der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich der Niederlande über grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften und anderen öffentlichen Stellen, Hannover 18.3.1992.

Wichtige Vorarbeiten zur Realisierung dieses Staatsvertrages wurden u.a. innerhalb der Arbeitsgemeinschaft EUREGIO geleistet. Durch dieses Abkommen soll die bestehende rechtliche Lücke geschlossen und den kommunalen Gebietskörperschaften beiderseits der Grenze die Möglichkeit eröffnet werden, künftig auf rechtlich verbindlicher Basis grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten.

Zur Entstehungsgeschichte des deutsch-niederländischen Staatsvertrages selbst: Dieses Abkommen wurde auf Initiative der Niederlande mit Einwilligung der deutschen Bundesregierung von Vertretern der Landesregierungen Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens zusammen mit Vertretern der Regierung der Niederlande ausgehandelt; die deutsche Bundesregierung war in dieser Zeit lediglich bei einer Verhandlungsrunde präsent. Als das Verhandlungsergebnis nahezu feststand, sprach die Bundesregierung den beiden beteiligten Bundesländern die Kompetenz zum Abschluss des Abkommens ab, mit dem Verweis auf die ausschließliche Kompetenz des Bundes im Bereich der „auswärtigen Beziehungen“ [Art. 32 Abs. 1 GG] und verweigerte dem von den Ländern abgeschlossenen Vertrag die Zustimmung. Dagegen signalisierte die Bundesregierung ihre Bereitschaft, den Vertrag ohne jede Änderung selbst abzuschließen. Aus Sicht der Bundesländer wiederum handelt es sich im Falle dieses Abkommens um einen völkerrechtlichen Vertrag, zu dessen Abschluss die Länder - mit Zustimmung der Bundesregierung - gemäß Art. 32 Abs. 3 GG berechtigt sind, da die durch das Abkommen zu regelnde Materie [Kommunalrecht] nach der innerstaatlichen Kompetenzaufteilung zur Gesetzgebungskompetenz der Länder gehört. Um die auf langjährige Tradition mit gewachsenen Strukturen basierende grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit dem Königreich der Niederlande nicht zu gefährden, einigte man sich schließlich auf eine Kompromisslösung: der Staatsvertrag wurde sowohl vom Bund als auch von den beiden Ländern unterzeichnet. Vgl. Raich, Grenzüberschreitende und interregionale Zusammenarbeit a.a.O., S. 158f.

[Seite 158]

Am Ende dieser Bemühungen stand der deutsch-niederländische Staatsvertrag mit dem Titel Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland, dem Land Niedersachsen, dem Land Nordrhein-Westfalen und dem Königreich der Niederlande über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften und anderen öffentlichen Stellen571, der am 21. Mai 1991 von den Außenministern Deutschlands und der Niederlande, der niederländischen Innenministerin sowie den Ministerpräsidenten der Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen auf Schloß Isselburg in Anholt unterzeichnet wurde.572 Wichtige Vorarbeiten zur Realisierung dieses Staatsvertrages wurden u. a. innerhalb der Arbeitsgemeinschaft EUREGIO geleistet.

Durch dieses Abkommen soll die bestehende rechtliche Lücke geschlossen und den kommunalen Gebietskörperschaften beiderseits der Grenze die Möglichkeit eröffnet werden, künftig auf rechtlich verbindlicher Basis grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten.573


571 Abgedruckt in Landtag Nordrhein-Westfalen, Drs. 11/1970 vom 26.06.1991.

572 Als Modell für dieses zwischenstaatliche Abkommen diente der im Anhang des Europäischen Rahmenübereinkommens enthaltene "Mustervertrag einer zwischenstaatlichen Vereinbarung über die Organe der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen örtlichen Behörden".

573 Vgl. Bauer (1991), a.a.O.

[Seite 160]

Noch ein Wort zur Entstehungsgeschichte des deutsch-niederländischen Staatsvertrages selbst: Dieses Abkommen wurde auf Initiative der Niederlande mit Einwilligung der deutschen Bundesregierung von Vertretern der Landesregierungen Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens zusammen mit Vertretern der Regierung der Niederlande ausgehandelt; die deutsche Bundesregierung war in dieser Zeit lediglich bei einer Verhandlungsrunde präsent. Als das Verhandlungsergebnis dann praktisch feststand, sprach sie jedoch den beiden beteiligten Bundesländern die Kompetenz zum Abschluß des Abkommens ab, mit dem Verweis auf die ausschließliche Kompetenz des Bundes im Bereich der "auswärtigen Beziehungen" (Art. 32 Abs. 1 GG) und verweigerte dem von den Ländern abgeschlossenen Vertrag ihre Zustimmung. Dagegen signalisierte sie ihre Bereitschaft, den Vertrag ohne jede Änderung selbst abzuschließen.

Aus der Sicht der Bundesländer wiederum handelt es sich im Falle dieses Abkommens um einen völkerrechtlichen Vertrag, zu dessen Abschluß die Länder - mit Zustimmung der Bundesregierung - gemäß Art. 32 Abs. 3 GG berechtigt sind, da die durch das Abkommen zu regelnde Materie, das Kommunalrecht, nach der innerstaatlichen Kompetenzaufteilung zur Gesetzgebungskompetenz der Länder gehört (vgl. Teil C, Rahmenbedingung 1, Kap. II. 1).

Um die auf einer langjährigen Tradition mit gewachsenen Strukturen beruhende grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit dem Königreich der Niederlande nicht zu

[Seite 161]

gefährden, einigte man sich schließlich auf eine Kompromißlösung: der Staatsvertrag wurde sowohl vom Bund als auch von den beiden Ländern unterzeichnet.580


579 Vgl. Bauer (1991), a.a.O.

580 Vgl. ebda.

Anmerkungen

Die Quelle ist mit Vgl. genannt. Eine umfangreiche wörtliche Übernahme lässt das nicht vermuten.


[54.] Cbr/Fragment 043 14

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 43, Zeilen: 14-23
Quelle: Kleinfeld 1997
Seite(n): 314, Zeilen: letzter Absatz
Die Begrenzung des Einheitsstaat-Prinzips durch das Dezentralisationsprinzip ist in den Niederlanden verfassungsmäßig ebenfalls festgeschrieben. Dezentralisation hat eine Doppelbedeutung: Einerseits als räumliche Maßstabsverkleinerung und anderseits als räumliche [Um-]Verteilung von Einfluss. Staatsrechtler unterscheiden zwischen Formen territorialer und funktionaler Dezentralisierung, Mischformen territorialer Dezentralisation sowie schließlich Formen territorial-funktionaler Dekonzentration.128 Provinzen und Gemeinden kommen im Bereich ihres Wirkungskreises alle Befugnisse zu, die übergeordneten Gebietskörperschaften nicht vorbehalten sind. Beide [Provinzen und Gemeinden] wurden in ihren Dezentralisierungsforderungen vorsichtiger, nachdem sie erkannten, [dass ihnen seit den 80er Jahren neue Aufgaben und Kompetenzen von der Zentralregierung meist ohne die entsprechenden Finanzmittel übertragen wurden.]

128 Vgl. Hupe, P. und Toonen, T., A., J., Die Gemeinde als Co-Staat. Dezentralisierung in den Niederlanden, in: Blanke, B. [Hrsg.], Staat und Stadt, PVS-Sonderheft 22/1991, S. 337-354.

Dezentralisationsprinzip: Die Begrenzung des Einheitsstaat-Prinzips durch das Dezentralisationsprinzip ist in den Niederlanden verfassungsmäßig ebenfalls festgeschrieben. Dezentralisation hat eine Doppelbedeutung als räumliche Maßstabsverkleinerung einerseits und als räumliche (Um-)Verteilung von Einfluß andererseits. Niederländische Staatsrechtler unterscheiden zwischen Formen territorialer und funktionaler Dezentralisierung, Mischformen territorialfunktionaler Dezentralisation sowie schließlich Formen territorial-funktionaler Dekonzentration. Provinzen und Gemeinden kommen im Bereich ihres Wirkungskreises im Prinzip alle Befugnisse zu, die nicht übergeordneten Gebietskörperschaften Vorbehalten sind. Beide wurden in ihren Dezentralisierungsforderungen vorsichtiger, nachdem sie merkten, daß seit den 80er Jahren neue Aufgaben und Kompetenzen vom Reich meist ohne die entsprechenden Finanzmittel übertragen wurden.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[55.] Cbr/Fragment 044 01

BauernOpfer
Untersuchte Arbeit:
Seite: 44, Zeilen: 1-8, 19-28
Quelle: Kleinfeld 1997
Seite(n): 314, 315, 323, Zeilen: 314: 42 ff.; 315: 1 f.; 323: 4 ff.
[Provinzen und Gemeinden kommen im Bereich ihres Wirkungskreises alle Befugnisse zu, die übergeordneten Gebietskörperschaften nicht vorbehalten sind. Beide [Provinzen und Gemeinden] wurden in ihren Dezentralisierungsforderungen vorsichtiger, nachdem sie erkannten,] dass ihnen seit den 80er Jahren neue Aufgaben und Kompetenzen von der Zentralregierung meist ohne die entsprechenden Finanzmittel übertragen wurden. Finanzierungsfragen und Finanzausgleichsfragen wurden seither zum überragenden Thema in den Beziehungen des Reiches zu Provinzen und Gemeinden.129 Immer stärker wird seitdem auch der Verhandlungscharakter in den Beziehungen dieser drei gebietskörperschaftlichen Akteure deutlich. Sichtbarer Ausdruck dieser Entwicklung ist seit Anfang der 80er Jahre der regelmäßige Abschluss von förmlichen Verträgen zwischen Innenministerium und den Spitzenverbänden von Gemeinden und Provinzen.130

[...]

Die Mitglieder des Deputiertenausschusses in den Niederlanden werden auf vier Jahre von den Provinzlandtagen [Provinzialstaaten] aus ihrer Mitte gewählt. Die Deputierten behalten dort auch weiterhin ihr Abgeordnetenmandat und Stimmrecht. Das Deputiertenkollegium umfasst mindestens sechs Mitglieder, deren Zahl auf maximal neun erhöht werden kann. In seinen Zuständigkeitsbereich fallen zunächst die Vorbereitung der Sitzungen des Provinzlandtages sowie die Vorbereitung und Durchführung der dort gefassten Beschlüsse. Das Kollegium verwaltet die Finanzen der Provinz. Darüber hinaus sind ihm explizit die meisten Aufsichtsbefugnisse gegenüber den Gemeinden übertragen worden. Eine förmliche Einschaltung des Deputiertenausschusses erfolgt vor allem im Rahmen der Fachgesetzgebung des Reiches. Hier fungiert der Ausschuss häufig als [Genehmigungsbehörde sowie als Berufungs- und Schlichtungsinstanz.]


129 Obwohl die Provinzen für zahlreiche unterschiedliche Bereiche zuständig sind, hält sich der Umfang der provinzialen Aufgaben und folglich auch deren Budget in engen Grenzen. Die Einnahmen der Provinzen bestehen lediglich zu einem kleinen Teil [zehn Prozent] aus provinzialen Steuern, vor allem der Kraftfahrzeugsteuer und dem Zuschlag auf die Radio- und Fernsehgebühren sowie sonstigen Gebühren [beispielsweise für die Benutzung provinzeigener Einrichtungen und administrativer Dienste]. Die restlichen 90 Prozent sind Finanzzuschüsse des Reiches, zum einen die Überweisungen aus dem Provinzfonds, in den jährlich ein bestimmter Prozentsatz der Steuererhebungen des Reiches eingeht, und die nach einem bestimmten Zuteilungsschlüssel auf die Provinzen verteilt werden, und zum anderen an konkrete Aufgaben gekoppelte Zuweisungen. Im Gegensatz zu den Provinzen sind die Gemeinden in den Niederlanden für sehr umfangreiche Aufgaben zuständig. Sie bauen und unterhalten soziale Einrichtungen [Gesundheitsämter, Sozialämter], sind in der Sport- und Freizeitgestaltung tätig [Hallenbäder, Sportplätze] und zudem wichtige Träger im Bildungsbereich. Die Einnahmen der Gemeinden bestehen ebenso wie bei den Provinzen zu 90 Prozent aus Zuweisungen des Reiches. Neben den allgemeinen Zuschüssen aus dem Gemeindefonds, dem ähnlich wie beim Provinzfonds jährlich ein bestimmter Prozentsatz der Steuereinnahmen des Reiches fließt, zahlt das Reich spezifische Zuschüsse für die Erledigung bestimmter kommunaler Aufgaben. Lediglich 10 Prozent der Einnahmen resultieren aus eigenen Gemeindesteuern [Grundsteuer, Baugrundsteuer], Gebühren sowie Erträgen aus den kommunalen Eigenbetrieben [z.B. Müllabfuhr]. Vgl. hierzu Rochon, The Netherlands, Negotiating Sovereignty in an Interdependent Word, Boulder 1999, p. 144.

130 Vgl. Kleinfeld, Regionen und Provinzen, a.a.O., S. 315.

[Seite 314]

Provinzen und Gemeinden kommen im Bereich ihres Wirkungskreises im Prinzip alle Befugnisse zu, die nicht übergeordneten Gebietskörperschaften Vorbehalten sind. Beide wurden in ihren Dezentralisierungsforderungen vorsichtiger, nachdem sie merkten, daß seit den 80er Jahren neue Aufgaben und Kompetenzen vom Reich meist ohne die entsprechenden Finanzmittel übertragen wurden. Finanzierungsfragen und Finanzausgleichsfragen wurden seither zum überragenden Thema in den Beziehungen des Reiches zu Provinzen und Gemeinden. Immer stärker wird seither auch der Verhandlungscharakter in den Beziehungen dieser drei gebietskörperschaftlichen Akteure deutlich. Sichtbarer Ausdruck dieser Entwicklung ist seit Anfang der 80er Jahre der regelmä-

[Seite 315]

ßige Abschluß von förmlichen Verträgen (convenanten) zwischen Innenministerium sowie den Spitzenverbänden von Gemeinden und Provinzen.

[Seite 323]

2.4.2 Deputiertenausschüsse (Gedeputeerde Staten)

Der Deputiertenausschuß fungiert als eine Art provinziale Exekutive. Seine Mitglieder werden auf vier Jahre von den Provinzlandtagen aus ihrer Mitte gewählt. Die Deputierten behalten dort auch weiterhin ihr Abgeordnetenmandat und Stimmrecht. Das Deputiertenkollegium umfaßt mindestens sechs Mitglieder, deren Zahl auf maximal neun erhöht werden kann. In seinen Zuständigkeitsbereich fallen zunächst die Vorbereitung der Sitzungen des Provinzlandtages sowie die Vorbereitung und Durchführung der dort gefaßten Beschlüsse. Das Kollegium verwaltet die Finanzen der Provinz. Darüber hinaus sind ihm explizit die meisten Aufsichtsbefugnisse gegenüber den Gemeinden und Wassergenossenschaften übertragen worden. Eine förmliche Einschaltung des Deputiertenausschusses erfolgt vor allem im Rahmen der Fachgesetzgebung des Reiches. Hier fungiert der Ausschuß häufig als Genehmigungsbehörde sowie als Berufungs- und Schlichtungsinstanz.

Anmerkungen

Die Quelle ist zwar in Fn. 130 genannt, doch bleibt die Wörtlichkeit der Übernahme ungekennzeichnet, die sich zudem auch nach der Referenz fortsetzt.

Siehe auch:


[56.] Cbr/Fragment 044 09

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 44, Zeilen: 9-18
Quelle: Lepzsy 1999
Seite(n): 358, 359, Zeilen: 358: 15 ff.; 359: 8 ff.
Wie oben schon dargestellt, gliedern sich die Niederlande seit 1992 in 12 Provinzen, die sich nach geographischer Ausdehnung und Einwohnerzahl stark unterscheiden. Dieser Aufbau darf jedoch nicht mit einer föderativen ‘deutschen Struktur’ verwechselt werden, denn im Wesentlichen führen Provinzen nur Verwaltungsfunktionen aus. Die Niederlande kennen auch keine Mitwirkung der Provinzen an der gesamtstaatlichen Gesetzgebung. Die Mitglieder der Ersten Kammer werden zwar von den Provinzparlamenten gewählt, müssen aber nicht aus der jeweiligen Provinz stammen, noch fühlen sie sich als direkte Interessenvertreter ihrer Provinzen. Trotz der erheblichen Unterschiede in der Größe, die auch nach einer in den 70er Jahren durchgeführten Kommunalreform weiterbestehen, existieren 642 niederländische Gemeinden [1996]131.

131 Vgl. Boden, Europa, a.a.O., S. 150.


Boden, M., Europa, 2. Aufl. Bonn 1995.

[Seite 358]

12. Regional- und Kommunalpolitik

12.1 Provinzen

Die Niederlande gliedern sich seit 1992 in zwölf Provinzen, die sich nach Größe und Einwohnerzahl stark unterscheiden. Diese Gliederung darf jedoch nicht mit einer föderativen Struktur verwechselt werden. Im wesentlichen obliegen den Provinzen nur Verwaltungs- und Durchführungsfunktionen. Ihnen sind keine autonomen Gesetzgebungskompetenzen zugewiesen. Auch kennen die Niederlande keine Mitwirkung der Provinzen an der gesamtstaatlichen Gesetzgebung; die Mitglieder der Ersten Kammer werden zwar von den Provinzparlamenten gewählt, müssen aber nicht aus der jeweiligen Provinz stammen, noch fühlen sie sich als direkte Interessenvertreter ihrer Provinzen.

[Seite 359]

12.2 Gemeinden

Trotz erheblicher Unterschiede in der Größe, die auch nach einer in den 70er Jahren durchgeführten Kommunalreform weiterbestehen, werden die 642 niederländischen Gemeinden (1996) in der gleichen Weise regiert, oder besser: verwaltet.

Anmerkungen

Die eigentliche Quelle wird nicht genannt.


[57.] Cbr/Fragment 044 101

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 44, Zeilen: 101-116
Quelle: Student 2000
Seite(n): 116, Zeilen: 8 ff.

129 Obwohl die Provinzen für zahlreiche unterschiedliche Bereiche zuständig sind, hält sich der Umfang der provinzialen Aufgaben und folglich auch deren Budget in engen Grenzen. Die Einnahmen der Provinzen bestehen lediglich zu einem kleinen Teil [zehn Prozent] aus provinzialen Steuern, vor allem der Kraftfahrzeugsteuer und dem Zuschlag auf die Radio- und Fernsehgebühren sowie sonstigen Gebühren [beispielsweise für die Benutzung provinzeigener Einrichtungen und administrativer Dienste]. Die restlichen 90 Prozent sind Finanzzuschüsse des Reiches, zum einen die Überweisungen aus dem Provinzfonds, in den jährlich ein bestimmter Prozentsatz der Steuererhebungen des Reiches eingeht, und die nach einem bestimmten Zuteilungsschlüssel auf die Provinzen verteilt werden, und zum anderen an konkrete Aufgaben gekoppelte Zuweisungen. Im Gegensatz zu den Provinzen sind die Gemeinden in den Niederlanden für sehr umfangreiche Aufgaben zuständig. Sie bauen und unterhalten soziale Einrichtungen [Gesundheitsämter, Sozialämter], sind in der Sport- und Freizeitgestaltung tätig [Hallenbäder, Sportplätze] und zudem wichtige Träger im Bildungsbereich. Die Einnahmen der Gemeinden bestehen ebenso wie bei den Provinzen zu 90 Prozent aus Zuweisungen des Reiches. Neben den allgemeinen Zuschüssen aus dem Gemeindefonds, dem ähnlich wie beim Provinzfonds jährlich ein bestimmter Prozentsatz der Steuereinnahmen des Reiches fließt, zahlt das Reich spezifische Zuschüsse für die Erledigung bestimmter kommunaler Aufgaben. Lediglich 10 Prozent der Einnahmen resultieren aus eigenen Gemeindesteuern [Grundsteuer, Baugrundsteuer], Gebühren sowie Erträgen aus den kommunalen Eigenbetrieben [z.B. Müllabfuhr]. Vgl. hierzu Rochon, The Netherlands, Negotiating Sovereignty in an Interdependent Word, Boulder 1999, p. 144.

Obwohl die Provinzen für zahlreiche unterschiedliche Bereiche zuständig sind, hält sich der Umfang der provinzialen Aufgaben und folglich auch deren Budget in engen Grenzen. Die Einnahmen der Provinzen bestehen lediglich zu einem kleineren Teil (ca. 10 Prozent) aus provinzialen Steuern, vor allem der Kraftfahrzeugsteuer und dem Zuschlag auf die Radio- und Fernsehgebühren sowie sonstigen Gebühren, beispielsweise für die Benutzung provinzeigener Einrichtungen und administrativer Dienste. Die restlichen 90 Prozent sind Finanzzuschüsse des Reiches, zum einen die Überweisungen aus dem Provinzfonds, in den jährlich ein bestimmter Prozentsatz der Steuererhebungen des Reiches eingeht, und die nach einem bestimmten Zuteilungsschlüssel auf die Provinzen verteilt werden, und zum anderen an konkrete Aufgaben gekoppelte Zuweisungen.63

Im Gegensatz zu den Provinzen sind die Gemeinden in den Niederlanden für sehr umfangreiche Aufgaben zuständig. Sie bauen und unterhalten soziale Einrichtungen (z.B. Gesundheitsämter, Sozialämter), sind in der Sport- und Freizeitgestaltung tätig (z.B. Hallenbäder, Sportplätze, Spielplätze) und zudem wichtige Träger im Bildungs- (z.B. Grund- und weiterführende Schulen, Fachhochschulen, Bibliotheken) und Kulturbereich (z.B. Konzertsäle, Theater, Museen).64 Die Einnahmen der Gemeinden bestehen ebenso wie bei den Provinzen zu 90 Prozent aus Zuweisungen des Reiches. Neben den allgemeinen Zuschüssen aus dem Gemeindefonds, dem ähnlich wie beim Provinzfonds jährlich ein bestimmter Prozentsatz der Steuereinnahmen des Reiches fließt, zahlt das Reich spezifische Zuschüsse für die Erledigung bestimmter kommunaler Aufgaben. Lediglich 10 Prozent der Einnahmen resultieren aus eigenen Gemeindesteuern (Grundsteuer, Baugrundsteuer, Hundesteuer etc.), Gebühren sowie Erträgen aus den kommunalen Eigenbetrieben (Müllabfuhr, Stadtwerke etc.).65


63 Vgl. Everink, a.a.O., S. 35 f.

64 Ebd., S. 48 ff.

65 Ebd., S. 47.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[58.] Cbr/Fragment 045 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 45, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Kleinfeld 1997
Seite(n): 323, 327, 328, 329, Zeilen: 323: 12 ff., 20 ff.; 327: letzter Absatz; 328: 1 ff.; 329: 3 ff.
[Hier fungiert der Ausschuss häufig als] Genehmigungsbehörde sowie als Berufungs- und Schlichtungsinstanz. Zusammen mit dem Kommissar der Königin als Vorsitzenden des Kollegiums gilt der Deputiertenausschuss als das mit Abstand stärkste Verfassungsorgan in der Provinzpolitik. Er unterliegt jedoch der politischen Kontrolle des Provinzlandtages. Die Arbeitsweise des Deputiertenausschusses erfolgt nach dem Kollegialprinzip. Allerdings hat sich auf Provinzebene eine faktische Arbeitsteilung ergeben. Die Ausübung des Deputiertensamts [sic] geschieht inzwischen als Vollzeit-Amt und wird entsprechend durch ein Gehalt honoriert. Der Ausschuss tagt durchschnittlich einmal wöchentlich.

Schon allein aufgrund des landeseinheitlichen Provinzgesetzes vollzieht sich der politische Willensbildungs- und Entscheidungsprozess in allen Provinzen formal gesehen relativ gleichförmig: Die förmliche Beschlussfassung im Landtag erfolgt in Plenarsitzungen, nachdem zuvor einer der ständigen Ausschüsse, als dessen Vorsitzender zumeist der fachlich zuständige Deputierte auftritt, die eigentliche politische Vorbereitungsarbeit geleistet hat. Bei der Zusammensetzung der Landtage haben Abgeordnete, die als Mandatsträger in Gemeinden, interkommunalen Zweckverbänden oder auf zentralstaatlicher Ebene tätig sind, noch immer ein Übergewicht. Dies ist einer jener Faktoren, warum die provinzialen Mandatsträger nicht selbst an einer stärkeren ‘Provinzialisierung’ der Politik im Sinne einer Akzentuierung eigenständiger regionalpolitischer Funktionen interessiert sind. Denn hier liegt ein potentieller Konfliktfaktor zwischen einem gemeindefreundlichen Provinzlandtag und einem selbstbewussten Deputiertenausschuss, der sich stärker als provinziales Management und als regionalpolitischer Akteur begreift: Der Deputiertenausschuss nimmt innerhalb der Provinzpolitik eine zentrale Stellung ein. Die Abwesenheit stärkerer parteipolitischer Bindungen erlaubt es den einzelnen Deputierten, eigenständig aufzutreten. Andererseits wird das traditionelle Kollegialprinzip auf der Provinzebene faktisch immer stärker von einer koalitionspolitisch ausgehandelten Ressortzuweisung und einem arbeitsteiligen Entscheidungsstil geprägt.

Historisch wurde den Provinzen lange Zeit wenig Platz für die Entfaltung autonomer Aufgaben gelassen. Außerdem wurde in der Vergangenheit der von der Verfassung geschützte selbstbestimmte Entscheidungsraum von den Provinzen nur selten genutzt. Eine stärkere autonome Aufgabenwahrnehmung stößt überdies rasch an die engen Grenzen des Finanzbudgets der Provinzen. Eine weitere Begrenzung des autonomen Handlungsbereichs ergibt sich durch die zentralstaatliche Rechts- und Fachaufsicht. Außerdem hat die rasante Ausdehnung des Mitverwaltungsbereichs die wenigen bestehenden Formen autonomer Aufgabenwahrnehmung noch weiter eingeschränkt. Aufgabenübertragung durch das Reich auf die Provinzen findet so gut wie immer als Übertragung von ‘Mitverwaltungs-Pflichtaufgaben’ statt. Der autonome Handlungsbereich prägt weder die bisherigen Kernaufgaben der Provinzen noch nimmt er einen substantiell großen Raum ein. Die Bedeutung des Autonomieprinzips von Provinzen [und Gemeinden] nach Art. 124 der niederländischen Verfassung liegt darin, dass ohne förmliche Verfassungsänderung Fach- oder Rahmengesetze das Prinzip der Universalität des [Wirkungskreises der dezentralen Gebietskörperschaften nicht substantiell einschränken oder gar aufheben dürfen.]

[Seite 323]

Hier fungiert der Ausschuß häufig als Genehmigungsbehörde sowie als Berufungs- und Schlichtungsinstanz. Zusammen mit dem Kommissar der Königin als Vorsitzenden des Kollegiums gilt der Deputiertenausschuß als das mit Abstand stärkste Verfassungsorgan in der Provinzpolitik. Er unterliegt jedoch der politischen Kontrolle des Provinzlandtages, d.h. seine Mitglieder müssen sich in ihrer Doppelfunktion als Abgeordnete und Deputierte quasi selbst kontrollieren. [...] Die Arbeitsweise des Deputiertenausschusses erfolgt nach dem Kollegialprinzip, allerdings hat sich auf Provinzebene eine faktische Arbeitsteilung und Portefeuille-Zuweisung ergeben. Die Ausübung des Deputiertenamts geschieht inzwischen als Vollzeit-Amt und wird entsprechend durch ein Gehalt honoriert. Der Ausschuß tagt durchschnittlich einmal wöchentlich.

[Seite 327]

2.8 Eigenheiten des provinzialen Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse

Schon allein aufgrund des landeseinheitlichen Provinzgesetzes vollzieht sich der politische Willensbildungs- und Entscheidungsprozeß in allen Provinzen formal gesehen relativ gleichförmig. Die förmliche Beschlußfassung im Landtag erfolgt in Plenarsitzungen, nachdem zuvor einer der ständigen Ausschüsse, als dessen Vorsitzender zumeist der fachlich zuständige Deputierte auftritt. die eigentliche politische Vorbereitungsarbeit geleistet hat (GOUDSWAARD 1981). Bei der Zusammensetzung der Landtage haben Abgeordnete, die als Mandatsträger oder Beamte in Gemeinden, interkommunalen Zweckverbänden oder auf zentralstaatlicher Ebene tätig sind, noch immer ein Übergewicht. Hier liegt einer jener Faktoren, warum die provinzialen Mandatsträger nicht selbst an einer stärkeren „Provinzialisierung“ der Politik im Sinne einer Akzentuierung eigenständiger regionalpolitischer Funktionen interessiert sind. Hier liegt auch ein potentieller Kon-

[Seite 328]

fliktfaktor zwischen einem „gemeindefreundlichen“ Provinzlandtag und einem selbstbewußten Deputiertenausschuß, der sich stärker als provinziales Management und als regionalpolitischen Akteur begreift. Der Deputiertenausschuß nimmt innerhalb der Provinzpolitik die zentrale Stellung ein. Die Abwesenheit stärkerer parteipolitischer Bindungen erlaubt es den einzelnen Deputierten, sehr eigenständig aufzutreten. Andererseits wird das traditionelle Kollegialprinzip auf der Provinzebene faktisch immer stärker von einer koalitionspolitisch ausgehandelten Ressortzuweisung und einem arbeitsteiligen Entscheidungsstil geprägt.

[Seite 329]

3. Aufgabenprofil der Provinzen im Wandel

3.1 Der autonome Wirkungskreis der Provinzen

Historisch wurde den Provinzen lange Zeit wenig Raum für die Entfaltung autonomer Aufgaben gelassen. Zudem wurde in der Vergangenheit der von der Verfassung geschützte selbstbestimmte Entscheidungsraum von den Provinzen selbst nur selten genutzt. Eine stärkere autonome Aufgabenwahrnehmung stößt überdies rasch an die engen Grenzen des Finanzbudgets der Provinzen. Eine weitere Begrenzung des autonomen Handlungsbereichs ergibt sich durch die zentralstaatliche Rechts- und Fachaufsicht. Zudem hat die rasante Ausdehnung des Mitverwaltungsbereichs die wenigen bestehenden Formen autonomer Aufgabenwahrnehmung noch weiter eingeschränkt. Aufgabenübertragung durch das Reich auf die Provinzen findet so gut wie immer als Übertragung von Mitverwaltungs-Pflichtaufgaben statt.

Zwar prägt der autonome Handlungsbereich also weder die bisherigen Kernaufgaben der Provinzen noch nimmt er einen substantiell großen Raum ein. Die Bedeutung des Autonomieprinzips von Provinzen (und Gemeinden) nach Art. 124 der niederländischen Verfassung liegt darin, daß ohne förmliche Verfassungsänderung Fach- oder Rahmengesetze das Prinzip der Universalität des Wirkungskreises der dezentralen Gebietskörperschaften nicht substantiell einschränken oder gar aufheben dürfen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[59.] Cbr/Fragment 046 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 46, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Kleinfeld 1997
Seite(n): 315, 316, 329, Zeilen: 329: 13 ff.; 315: letzter Absatz; 316: 1 ff.
[Die Bedeutung des Autonomieprinzips von Provinzen [und Gemeinden] nach Art. 124 der niederländischen Verfassung liegt darin, dass ohne förmliche Verfassungsänderung Fach- oder Rahmengesetze das Prinzip der Universalität des] Wirkungskreises der dezentralen Gebietskörperschaften nicht substantiell einschränken oder gar aufheben dürfen. Folglich bildet der autonome Wirkungskreis der Provinzen eine Art ‘konstitutionelle Schranke’ gegen Versuche, die einheitsstaatliche Komponente übermäßig auszudehnen oder gar die Provinzen als selbständige Politik- und Verwaltungsebene aufzulösen. Das Autonomieprinzip bildet auch die staatsrechtliche Grundlage für die Provinzen, um in eigener Verantwortung eine Diskussion über die Veränderung ihres Aufgabenaspektes und ihrer Kompetenzen zu führen:
  • Auf Provinzebene im Rahmen der Diskussion um eine Neubestimmung provinzialer Kernaufgaben und um die daraus folgende Veränderung des Leitbildes provinzialer Politik.
  • Auf zentralstaatlicher Ebene zum einen im Rahmen der mit Reich und Gemeinden geführten Beratungen über die konkrete Umsetzung des Verfassungsziels der Dezentralisation sowie zum anderen im Rahmen der Beratungen über die vertikale Neuverteilung öffentlicher Aufgaben in den städtischen Verdichtungsräumen.

Wichtig erscheint in diesem Kontext die veränderte Rollenauffassung der Provinzen: Stärker als in der Vergangenheit wird von Provinzen die Ausführung regionalpolitischer Steuerungsfunktionen gefordert. Dies geschieht allerdings weiterhin in enger Anlehnung an tradierte Intermediärfunktionen. Die vom Innenminister verordneten ‘Wechselbäder’ aus schleppender Behandlung und brüskem Kurswechsel der [in Den Haag] formulierten Pläne zur Reform der öffentlichen Verwaltung und die damit verbunden Bestandsunsicherheiten haben die Provinzen dazu gezwungen, ihre eigenen Aufgaben und ihre eigene Rolle im politischen Prozess nachdrücklicher nach außen zu vertreten.

2.2.3 Kompetenzen regionaler Institutionen

Die Rolle der Mittelinstanzen im politischen System der Niederlande ist weder staatsrechtlich noch politisch eindeutig organisiert. Innerhalb des dynamischen Modells des dezentralisierten Einheitsstaates kommt den Provinzen eine besondere Rolle zu: Reich, Provinzen und Gemeinden sollen sich in ihrer Aufgabenerfüllung ergänzen und wechselseitig beschränken. So lassen sich die Aufgaben der Provinzen als Mesoebene der öffentlichen Verwaltung als Initiativ- und Leitungsfunktion, Legitimationsfunktion und Mitverwaltungsfunktion umschreiben. Auf dieser Basis lassen sich folgende spezifische Provinzfunktionen unterscheiden:

1. Aufsicht über nachgeordneten [supra-]lokalen Einheiten,

2. Vermittlung und Integration von strittigen [supra-]lokalen Standpunkten und Interessen,

3. Realisierung von [supra-]nationalen Fach- und Querschnittspolitiken,

4. Regionalpolitische Steuerungsfunktionen an der Schnittstelle zwischen [supra-]nationalen und [supra-] lokalen Einheiten,

5. Interessenvertretung bei [supra-]nationalen Institutionen.

[Seite 329]

Die Bedeutung des Autonomieprinzips von Provinzen (und Gemeinden) nach Art. 124 der niederländischen Verfassung liegt darin, daß ohne förmliche Verfassungsänderung Fach- oder Rahmengesetze das Prinzip der Universalität des Wirkungskreises der dezentralen Gebietskörperschaften nicht substantiell einschränken oder gar aufheben dürfen. Somit bildet der autonome Wirkungskreis der Provinzen eine Art konstitutionellen „Schutzwall“ gegen Versuche, die einheitsstaatliche Komponente über Gebühr auszudehnen oder gar die Provinzen als selbständige Politik- und Verwaltungsebene aufzulösen.

Das Autonomieprinzip bildet auch die staatsrechtliche Grundlage für die Provinzen, um in eigener Verantwortung eine Diskussion über die Veränderung ihres Aufgabenpaketes und ihrer Kompetenzen zu führen. Dies geschieht zur Zeit

  • auf Provinzebene im Rahmen der Diskussion um eine Neubestimmung provinzialer Kernaufgaben (kerntaken) und um die daraus folgende Veränderung des Leitbildes provinzialer Politik sowie
  • auf zentralstaatlicher Ebene zum einen im Rahmen der mit Reich und Gemeinden geführten Beratungen über die konkrete Umsetzung des Verfassungszieles der Dezentralisation sowie zum anderen im Rahmen der Beratungen über die vertikale Neuverteilung öffentlicher Aufgaben in den städtischen Verdichtungsräumen.

Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang die veränderte Rollenauffassung der Provinzen. Stärker als in der Vergangenheit wird von den Provinzen die Wahrnehmung regionalpolitischer Steuerungsfunktionen betont. Die geschieht allerdings weiterhin in enger Anlehnung an tradierte Intermediärfunktionen. [...] Vielmehr haben die vom Innenministerium verordneten „Wechselbäder“ aus schleppender Behandlung und brüsken Kurswechsel der (in Den Haag formulierten) Pläne zur Reform der öffentlichen Verwaltung und die damit verbundenen Bestandsunsicherheiten die Provinzen dazu gezwungen, ihre eigenen Aufgaben und ihre eigene Rolle im politischen Prozeß nachdrücklicher nach außen zu vertreten.

[Seite 315]

Die Rolle der Mittelinstanzen im politischen System der Niederlande ist weder staatsrechtlich noch politisch eindeutig festgeschrieben. Innerhalb des dynamischen Modells des dezentralisierten Einheitsstaates, wie es von dem liberalen Verfassungsreformer und Ministerpräsidenten Rudolph Thorbecke Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde, kam den Provinzen eine vollwertige Rolle zu: Reich, Provinzen und Gemeinden sollen sich in ihrer Aufgabenerfüllung ergänzen und wechselseitig begrenzen.

[Seite 316]

Die Aufgaben der Provinzen als Mesoebene der öffentlichen Verwaltung können umschrieben werden als

  • Initiativ- und Leitungsfunktion,
  • Legitimationsfunktion,
  • Mitverwaltungsfunktion.

Auf der Basis dieser Aufgaben lassen sich folgende spezifische Provinzfunktionen unterscheiden:

1) Aufsichtsfunktionen über nachgeordnete (supra-)lokalen Einheiten,

2) Vermittlung zwischen und Integration von konfligierenden (supra-)lokalen Standpunkten und Interessen,

3) Mitwirkung und Ausführung von (supra-)nationalen Fach- und Querschnittspolitiken,

4) Regionalpolitische Steuerungsfunktionen an der Schnittstelle zwischen (supra-) nationalen und (supra-)lokalen Einheiten sowie die

5) Interessenvertretung bei (supra-)nationalen Institutionen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[60.] Cbr/Fragment 047 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 47, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Kleinfeld 1997
Seite(n): 316, 329, 330, Zeilen: 316: 14 ff.; 329: letzter Absatz; 330: 1 ff., 14 ff., 24 ff.
Die ersten beiden Funktionen sind klassische Intermediärfunktionen, die den Provinzen aus ihrer staatsrechtlich herausragenden Stellung gegenüber Gemeinden zukommen. Sie werden wesentlich im binnenadministrativen Bereich wahrgenommen und tragen häufig verwaltungsjuristischen Charakter. Gleichzeitig sind sie für die meisten Bürger nur selten sichtbar, obwohl sie für das Funktionieren eines mehrstufigen Staatsverbundes unverzichtbar sind.

Die dritte Funktion beinhaltet die spezifische niederländische Variante der Einbeziehung der Mesoebene in die gesamtstaatliche Problemverarbeitung. Bei den in Frage kommenden Politikfeldern handelt es sich um vertikal verflochtene Bereiche, die im Allgemeinen für den Bürger auch gut sichtbar sind.132 Die Provinzen übernehmen dabei vor allem eine regionale Bündelungs- und Integrationsfunktion, die auf der Ebene des Zentralstaates kaum leistbar ist. Häufig schließt diese Funktion die Übernahme einer interregionalen Verteilung der vom Zentralstaat bereitgestellten Mittel ein. Erst bei der vierten Funktion handelt es sich um eine explizite Wahrnehmung selbstdefinierter regionalpolitischer Interessen und Aufgaben der Provinzen. Ihre spezifische Form bleibt jedoch durch die Aufgaben und Kompetenzen, die die drei erstgenannten Funktionen beinhalten, geprägt. D.h. die Provinzen haben bis heute kaum Aufgaben und Kompetenzen in der eigentlichen Umsetzungs- und Ausführungsphase wahrnehmen können. Die provinziale Kompetenz beschränkt sich auf Vermittlung, Koordination, Planung sowie Verhandlungen im regionalpolitischen Bereich. Die Ausübung von Intermediärfunktionen durch die Provinzen setzt Unabhängigkeit voraus. Die Provinzen sollten auf die Wahrnehmung eigener Interessen möglichst verzichten.

Anstelle der ‘Vermittler-Metapher’ sind die Provinzen im Rahmen der neuen Leitbild- Diskussion als aktive Regisseure in einem Netz von staatlichen und privaten Akteuren auf der Mesoebene zu bezeichnen. Dies setzt eine aktive regionalpolitische Zielbestimmung voraus: Zu den klassischen Aufgaben als Mittelinstanz zählt die Wahrnehmung verwaltungsgerichtlicher Funktionen durch den Deputiertenausschuss im Sinne eines Berufungsorgans von Bürgern gegen die Entscheidungen von Gemeinden. Einem tiefgreifenden Wandel unterliegt gegenwärtig das System vertikaler Aufsichtsbeziehungen: Entsprechend dem in den Niederlanden derzeit vorherrschenden verwaltungspolitischen Paradigma von Entdifferenzierung, Entflechtung und Dezentralisierung vertikaler gebietskörperschaftlicher Beziehungen133 sehen sowohl das neue Provinz- als auch das neue Gemeindegesetz seit Mitte der 90er Jahre leichtere Aufsichtskonstruktionen vor. Damit soll verhindert werden, dass die Aufsicht über die Gemeindefinanzen von den Provinzen durch das Fehlen anderer Instrumente als Ansatzhebel zur Durchsetzung eigener politischer Ziele genutzt wird. Auf der anderen Seite gibt es aber auch den Trend, der auf eine stärkere Betonung von Effektuierung sowie Implementation nationaler und provinzialer Politik gerichtet ist. So wird heute von Anweisungen Gebrauch gemacht, um [eine nachgeordnete Gebietskörperschaft auf die Politik einer ‚höherinstanzlichten [sic] Einheit’ festzulegen.]


132 Bestandteile dieses middle management sind die Raumordnung, Infrastruktur, Wasserwirtschaft und Umwelt.

133 Vgl. Kleinfeld und Toonen, a.a.O., p. 91.

[Seite 316]

Die ersten beiden Funktionen sind klassische Intermediärfunktionen, die den Provinzen aus ihrer staatsrechtlich herausgehobenen Stellung gegenüber Gemeinden und Wasserverbänden Einheiten zukommen. Sie werden wesentlich im binnenadministrativen Bereich wahrgenommen und tragen häufig verwaltungsjuristischen Charakter. Gleichzeitig sind sie für die meisten Bürger nur selten sichtbar, obwohl sie für das Funktionieren eines mehrstufigen Staatsverbundes unverzichtbar sind.

Die dritte Funktion beinhaltet - in Kombination mit den beiden vorgenannten Funktionen - die spezifisch niederländische Variante der Einbeziehung der Mesoebene in die gesamtstaatliche Problemverarbeitung und zwar als planendes, koordinierendes und integrierendes middle management. [...] Bei den in Frage kommenden Politikfeldern handelt es sich um vertikal verflochtene Bereiche, die im allgemeinen für den Bürger auch gut sichtbar sind (Raumordnung, Infrastruktur, Wasserwirtschaft, Umwelt). Die Provinzen übernehmen dabei vor allem eine regionale Bündelungs- und Integrationsfunktion, die auf der Ebene des Zentralstaats kaum mehr leistbar ist, vom räumlichen Problemlösungsmaßstab jedoch eine weitergehende Dezentralisierung auf (inter-)kommunaler Ebene ausschließt (z.B. Öffentlicher Personennahverkehr, Altenpolitik, ländliches Schulwesen). Häufig schließt diese Funktion die Übernahme einer interregionale Verteilung der vom Zentralstaat bereit gestellten Mittel ein, z.B. im Bereich der Stadt- und Dorfereuerung. [...]

Erst bei der vierten Funktion handelt es sich um eine explizite Wahrnehmung selbstdefinierter regionalpolitischer Interessen und Aufgaben der Provinzen. Ihre spezifische Form bleibt jedoch durch die Aufgaben und Kompetenzen, die die drei erstgenannten Funktionen beinhalten, geprägt. Dies bedeutet vor allem, daß die Provinzen bis heute kaum Aufgaben und Kompetenzen in der eigentlichen Umsetzungs- und Ausführungsphase wahrnehmen können. Von daher prägen Aufsicht, Vermittlung und Schlichtung, Koordination, Planung sowie Verhandlungen auch im regionalpolitischen Bereich das Bild provinzialer Kompetenzen.

[Seite 329]

3.2 Neubestimmung provinzialer Intermediär- und Scharnierfunktionen

Die Ausübung von Intermediärfunktionen durch die Provinzen setzt im Sinne der klassischen Schiedsrichterrolle Unabhängigkeit voraus. Die Provinzen sollten von der Wahrnehmung eigener Interessen möglichst absehen. [...] Anstelle der Schiedsrichter-Metapher bezeichnen

[Seite 330]

sich im Rahmen der neuen Leitbild-Diskussion die Provinzen selbst als aktive „Regisseure“ in einem Netz von staatlichen und privaten Akteuren auf der Mesoebene. Dies setzt eine aktive regionalpolitische Zielbestimmung voraus. [...]

Zu den klassischen Funktionen als Mittelinstanz zählt die Wahrnehmung verwaltungsgerichtlicher Funktionen durch den Deputiertenaussschuß [sic] im Sinne eines Berufungsorganes von Bürgern gegen die Entscheidungen von Gemeinden und Wassergenossenschaften. [...]

Einem tiefgreifenden Wandel unterliegt derzeit das System vertikaler Aufsichtsbeziehungen. Entsprechend dem in den Niederlanden derzeit vorherrschenden verwaltungspolitischen Paradigma von Entdifferenzierung, Entflechtung und Dezentralisierung vertikaler gebietskörperschaftlicher Beziehungen sehen sowohl das neue Provinz- als auch das neue Gemeindegesetz seit Mitte der 90er Jahre „leichtere“ Aufsichtskonstruktionen vor. Damit soll verhindert werden, daß die Aufsicht über die Gemeindefinanzen von den Provinzen in Ermangelung anderer Instrumente als Ansatzhebel zur Durchsetzung eigener politischer Ziele genutzt wird. Auf der anderen Seite gibt es aber auch einen Trend, der auf eine stärkere Betonung von Effektuierung und Implementation nationaler und provinzialer Politik gerichtet ist. So wird heute häufiger von sog. Anweisungskompetenzen Gebrauch gemacht, um eine nachgeordnete Gebietskörperschaft auf die Politik einer höherinstanzlichen Einheit festzulegen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[61.] Cbr/Fragment 048 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 48, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Kleinfeld 1997
Seite(n): 316, 317, 326, 327, 330, Zeilen: 316: letzter Absatz; 317: 1 ff.; 326: letzter Absatz; 327: 1 ff.; 330: 26 ff.
[So wird heute von Anweisungen Gebrauch gemacht, um] eine nachgeordnete Gebietskörperschaft auf die Politik einer ‚höherinstanzlichten [sic] Einheit’ festzulegen. Zur Vermeidung dadurch drohender langjähriger Patt-Situationen greifen Provinzen bei der Ausgestaltung ihrer ohnehin traditionell engen Beziehungen zu Gemeinden verstärkt zu Instrumenten eines mangement [sic] by consensus.

Die Interessenvertretungsfunktion beinhaltet eine politisch selbstbestimmte Form der Wahrnehmung eigener bzw. für die eigene Region definierter Interessen. Die Realisation dieser Lobbyfunktion gegenüber der niederländischen Zentralregierung bezieht sich hauptsächlich auf die nationale Politik. Die Provinzen in den Niederlanden haben erst Ende der 80er Jahre begonnen, ihre Kräfte auf Reichsebene zu bündeln und dabei festgestellt, dass ihr politisches Potential größer ist als allgemein angenommen.134 Zunehmendes Gewicht hat in den letzten Jahren die Funktion der Interessenvertretung auf der europäischen Ebene erlangt, wo die meisten niederländischen Provinzen inzwischen eigene Vertretungen unterhalten.135 Gerade das Europa der Regionen136 könnte für die niederländischen Provinzen in Konkurrenz zur Interessenvertretung der lokalen Ebene ein wichtiger Aspekt für die Akzentuierung eigener regionalpolitischer Funktionen werden. Im Gegensatz zur Bundesrepublik dominierte in den Niederlanden lange Zeit der kommunale Spitzenverband137, der alle niederländischen Gemeinden vertritt. Darüber hinaus nimmt dieser die subnationalen niederländischen Interessen auf europäischer Ebene wahr. Zu den Einrichtungen, die auf dem Dekonzentrationsprinzip beruhen, zählen insbesondere die Fachämter des Reichs138 in den Regionen. Typisch ist ihr regionalräumlicher Zuschnitt, der bislang im Ermessen des jeweiligen Ressorts erfolgt.139 In den meisten Fällen deckte sich dieser Zuschnitt nicht mit dem der Provinzen: Sie haben vielmehr einen räumlichen Zuständigkeitsbereich, der zwischen der interkommunalen und der interprovinzialen Ebene anzusiedeln ist. Die technisch-administrative Umsetzung und Kontrolle liegt bei den dekonzentrierten Außenbehörden. Mit der Zunahme des Bedürfnisses nach regionalpolitischer Steuerung durch die meisten Ministerien sind neue regionale [Zusammenarbeitsgebiete gebildet worden.]


134 Vgl. Rochon, The Netherlands, a.a.O., p. 189ff.

135 Ebenda.

136 In diesem Kontext zielt dieses Konzept auf die Wünschbarkeit Staatsgrenzen übergreifender Formen der Zusammenarbeit zwischen subnationalen Gebietskörperschaften in Europa.

137 Der Interprovinciaal Overleg [IPO] ist eine Art Spitzenorganisation der Provinzen. Sein Gegenstück auf kommunaler Ebene ist die Vereinigung Nederlandse Gemeenten, die als Spitzenverband die Interessen aller Gemeinden [und in der Vergangenheit über die Provinzialen Abteilungen zudem die regionalpolitischen Interessen der Provinzen] wahrnimmt. Der IPO bündelt Kenntnisse und Erfahrungen aus Bürokratie und Verwaltung der Provinzen und nutzt diese zur gemeinsamen provinzialen Interessenvertretung bei Parlament und Regierung, aber auch gegenüber der Öffentlichkeit und gesellschaftlichen Organisationen. Der Rechtsform nach handelt es sich um eine Körperschaft des öffentlichen Rechts gebildet auf der Grundlage des Gesetzes über Gemeinschaftseinrichtungen. Als Teil der Lobbyfunktion unterhält das IPO-Sekretariat regelmäßig Kontakte zu Mitgliedern beider Kammern des Parlaments, den Fachressorts, gesellschaftlichen Organisationen und Interessenverbänden sowie den Spitzenorganisationen von Gemeinden und Wasserverbänden und EG. So wurde beim IPO das Sekretariat der Niederländischen Delegation für den neugeschaffenen Regionalausschuss bei der EG eingerichtet. Die niederländischen Mitglieder setzen sich im übrigen paritätisch aus Vertretern von Gemeinden und Provinzen zusammen. Ein Problem ist die Teilnahme von Bürgermeistern und Königlichen Kommissaren, die aufgrund ihres Ernennungsverfahren keine Wahlbeamten sind, wie dies für die Mitgliedschaft im Ausschuss der Regionen vorgeschrieben wird.

138 Diese Fachbehörden einzelner Ministerien sind Ausführungsorgane der Ministerialbürokratie mit einem eigenen regionalen Unterbau.

139 Vgl. Rochon, The Netherlands, a.a.O., p. 118-119.

9[Seite 330]

So wird heute häufiger von sog. Anweisungskompetenzen Gebrauch gemacht, um eine nachgeordnete Gebietskörperschaft auf die Politik einer höherinstanzlichen Einheit festzulegen. Zur Vermeidung dadurch drohender langjähriger Patt-Situationen und Blockadepolitiken greifen einzelne Provinzen bei der Ausgestaltung ihrer ohnehin traditionell engen Beziehungen zu den Gemeinden verstärkt zu Instrumenten eines management by consensus (wie prototypisch in Gelderland).

[Seite 316]

Die Interessenvertretungsfunktion beinhaltet ebenfalls eine politisch selbst-bestimmte Form der Wahrnehmung eigener bzw. für die eigene Region definierter Interessen. Die Wahrnehmung dieser Funktion bezieht sich zunächst und noch immer hauptsächlich auf die nationale Politik (Lobbyfunktion gegenüber dem Reich). Die Provinzen haben erst Ende der 80er Jahre ernsthaft begonnen, ihre Kräfte auf Reichsebene zu bündeln und dabei - vielleicht für sie selbst überraschend - festgestellt, daß ihr politisches Potential größer ist als allgemein unterstellt. Zunehmendes Gewicht hat daneben in den letzten Jahren die Funktion der Interessenvertretung auf der europäischen Ebene erlangt, wo die meisten niederländischen Provinzen inzwischen eigene Vertretun-

[Seite 317]

gen unterhalten (Eurolobbying). Gerade das „Europa der Regionen“ könnte für die niederländischen Provinzen in Konkurrenz zur Interessenvertretung der lokalen Ebene ein wichtiges Einfalltor für die Akzentuierung eigener regionalpolitischer Funktionen werden. Im Gegensatz zur Bundesrepublik dominierte in den Niederlanden lange Zeit der kommunale Spitzenverband, der alle niederländischen Gemeinden vertritt (Vereniging Nederlandse Gemeenten, VNG) die Wahrnehmung subnationaler niederländischer Interessen auf europäischer Ebene.

1.2 Regionale Fachämter der Ministerien und sektorale Fachregionen als Formen funktionaler Dekonzentration

Zu den Einrichtungen, die auf dem Dekonzentrationsprinzip beruhen, zählen insbesondere die rund 100 Fachämter des Reichs in den Regionen (gedeconcentreerde rijksdiensten). Diese Fachbehörden einzelner Ministerien sind Ausführungsorgane der Ministerialbürokratie mit einem eigenen regionalen Unterbau. Typisch ist ihr regional-räumlicher Zuschnitt, der bislang im freien Ermessen des jeweiligen Ressorts erfolgte. In den meisten Fällen deckte sich dieser Zuschnitt nicht mit dem der Provinzen: Sie haben vielmehr einen räumlichen Zuständigkeitsbereich, der zwischen der interkommunalen und der interprovinzialen Ebene angesiedelt ist. [...]

Liegt der Akzent bei den „dekonzentrierten Außenbehörden“ primär auf dem Aspekt technisch-administrativer Umsetzung und Kontrolle, so sind mit Zunahme des Bedürfnisses nach regionalpolitischer Steuerung durch die meisten Ministerien neue sog. sektorale Fachregionen bzw. regionale Zusammenarbeitsgebiete gebildet worden.

[Seite 326]

2.7 Interprovinziale Kooperation im nationalen und internationalen Rahmen

Der Interprovinciaal Overleg (IPO) ist eine Art Spitzenorganisation der zwölf Provinzen. Sein Gegenstück auf kommunaler Ebene ist die Vereniging Nederlandse Gemeenten, die als Spitzen-

[Seite 327]

verband die Interessen aller Gemeinden (und in der Vergangenheit über die provinzialen Abteilungen zudem die regionalpolitischen Interessen der Provinzen) wahrnimmt. Der IPO bündelt primär Kenntnisse und Erfahrungen aus Bürokratie und Verwaltung der Provinzen und nutzt diese zur gemeinsamen provinzialen Interessenvertretung bei Parlament, Regierung, aber auch gegenüber der Öffentlichkeit und gesellschaftlichen Organisationen. [...]

Der Rechtsform nach handelt es sich um eine Körperschaft des öffentlichen Rechts (openbaar lichaam) gebildet auf der Grundlage des Gesetzes über Gemeinschaftseinrichtungen (wgr).

[...]

Als Teil der Lobbyfunktion unterhält das IPO-Sekretariat regelmäßige Kontakte zu den Mitgliedern beider Kammern des Parlamentes, den Fachressorts, gesellschaftlichen Organisationen und Interessenverbänden sowie den Spitzenorganisationen von Gemeinden und Wasserverbänden und schließlich auch mit Einrichtungen der Europäischen Gemeinschaft. So wurde beim IPO das Sekretariat der Niederländischen Delegation für den neugeschaffenen Regionalausschuß bei der EG eingerichtet. Die niederländischen Mitglieder setzen sich im übrigen paritätisch aus Vertretern von Gemeinden und Provinzen zusammen. Nicht unproblematisch ist die Teilnahme von Bürgermeistern und Königlichen Kommissaren, die aufgrund ihres Ernennungsverfahren im engeren Sinne keine Wahlbeamten sind, wie dies für die Mitgliedschaft im Ausschuß der Regionen vorgeschrieben wird.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[62.] Cbr/Fragment 049 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 49, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Kleinfeld 1997
Seite(n): 317, 318, 320, 321, Zeilen: 317: 21 ff.; 318: 5 ff., 16 ff., 25 ff., 39 ff.; 320: 29 ff., 36 ff.; 321: 1
[Mit der Zunahme des Bedürfnisses nach regionalpolitischer Steuerung durch die meisten Ministerien sind neue regionale] Zusammenarbeitsgebiete gebildet worden. Sie sollen zentralstaatlich vorgegebene Rahmenbedingungen und Ressourcen in einem vertikalen Politikverbund zwischen Reich, Provinzen, Regionen, Großstädten, Gemeinden sowie wichtigen privatwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteuren regional abstimmen.

2.2.4 Spezifika der regionalen politischen Kultur

Je kleiner der räumliche Maßstab einer Verwaltungsebene, um so größer ist der Bedarf an Zusammenarbeitsformen. Daher findet dies in den Niederlanden auf der Ebene der Gemeinden sehr viel häufiger Anwendung als auf der Ebene der Provinzen. Interkommunale Kooperation und regionale Problemverarbeitung [und damit das Verhältnis von Provinzen und Gemeinden] sind in den Niederlanden immer in einem engen Zusammenhang gesehen worden, wiederholt sogar synonym verwendet worden. Einen weiteren Aspekt zur Lösung des zu kleinen oder nicht optimal zugeschnittenen Maßstabs der kommunalen Ebene bilden kommunale Gebietsreformen. Diese müssen als förmliches Gesetz vom niederländischen Parlament beschlossen werden. Bei den meisten Gebietsreformverfahren kommt den Provinzen eine initiierende und koordinierende Funktion zu. Einen weiteren Gesichtspunkt zur Lösung kommunaler Maßstabprozesse bilden supra- und interkommunale Formen einer funktional begrenzten Zusammenarbeit vor allem bei der Erstellung und Bereithaltung von Dienstleistungen und Infrastruktureinrichtungen.

Als Beitrag zur Lösung der regionalen Frage wurden Formen interkommunaler Zusammenarbeit jedoch schon bald wieder als unzureichend angesehen - obgleich empirisch aussagekräftige Analysen über ihre Arbeit bis heute immer noch selten sind. Im Rahmen der allgemeinen verwaltungspolitischen Reformdiskussion Mitte der 60er Jahre wurden anstelle vieler funktionaler Zweckverbände die Gründung von „gewesten“140 initiiert. Der schmale Aufgaben- und Zuständigkeitsbereich der Provinzen ließ bis in die Nachkriegszeit hinein Fragen der räumlichen Ausdehnung der Provinzen als ein eher untergeordnetes Problem erscheinen. Gegen die bestehenden Provinzen lassen sich drei Argumente auflisten:

  • Als räumlich zu klein gelten die bestehende Provinzen, wenn es um die mögliche Übertragung größer dimensionierter regionalpolitischer Strukturprojekte geht. So verweisen fast alle wissenschaftlichen Abhandlungen aus Sicht einzelner Fachpolitiken auf die Notwendigkeit, den räumlichen Maßstab der Provinzen zu vergrößern. Die Provinzen heutigen Zuschnitts sollten zu mehreren großräumigen Verwaltungsbezirken zusammengelegt werden.141 Während die nördlichen Provinzen schon seit den 70er Jahren im Rahmen des integrierten Strukturplans für den Norden des Landes zusammenarbeiteten, intensivierten die Randstad-Provinzen im Westen des [Landes ihre Kooperation erst seit Mitte der 80er Jahre.]

140 Mit ihnen sollte eine neue territoriale Verwaltungsstruktur geschaffen werden, welche die Siedlungskerne mit ihrem jeweiligen Umland bzw. Versorgungsgebiet zur Grundlage haben sollte. Zitiert nach Kleinfeld und Toonen, The Netherlands, a.a.O., p. 92.

141 Ebenda p. 145.

[Seite 317]

Liegt der Akzent bei den „dekonzentrierten Außenbehörden“ primär auf dem Aspekt technisch-administrativer Umsetzung und Kontrolle, so sind mit Zunahme des Bedürfnisses nach regionalpolitischer Steuerung durch die meisten Ministerien neue sog. sektorale Fachregionen bzw. regionale Zusammenarbeitsgebiete gebildet worden. Sie sollen zentralstaatlich vorgegebene Rahmenbedingungen und Ressourcen in einem vertikalen Politikverbund zwischen Reich, Provinzen, Regionen, Großstädten, Gemeinden sowie wichtigen privatwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteuren regional abstimmen.

[Seite 318]

1.4 Interkommunale Zusammenarbeitsformen als Formen funktionaler Dezentralisation

Je kleiner der räumliche Maßstab einer Verwaltungsebene, um so größer wird in aller Regel der Bedarf an Zusammenarbeitsformen ausfallen. Von daher macht man von ihnen in den Niederlanden auf der Ebene der Gemeinden sehr viel häufigeren Gebrauch als auf der Ebene der Provinzen (zudem sind hier die Muster der Zusammenarbeit räumlich gebündelter). Interkommunale Kooperation und regionale Problemverarbeitung (und damit das Verhältnis von Provinzen und Gemeinden) sind in den Niederlanden immer in einem engen Zusammenhang gesehen worden, zeitweilig sogar in eins gesetzt worden.

[...]

Eine weitere Form zur Lösung des zu kleinen oder nicht optimal zugeschnittenen Maßstab der kommunalen Ebene bildeten kommunale Gebietsreformen. Diese müssen als förmliches Gesetz vom niederländischen Parlament beschlossen werden. Bei denen meisten Gebietsreformverfahren kommt den Provinzen eine initiierende und koordinierende Funktion zu. [...]

Eine dritte Form zur Lösung kommunaler Maßstabsprobleme bilden supra- und interkommunale Formen einer funktional begrenzten Zusammenarbeit vor allem bei der Erstellung und Bereithaltung von Dienstleistungen und Infrastruktureinrichtungen. [...]

Als Beitrag zur Lösung der „regionalen Frage“ wurden Formen interkommunaler Zusammenarbeit jedoch schon bald wieder als unzureichend betrachtet - obgleich empirisch gehaltvolle Analysen über ihre Arbeit bis heute noch immer selten sind. Im Rahmen der allgemeinen verwaltungspolitischen Reformdiskussion Mitte der 60er Jahre wurden anstelle der vielen funktionalen Zweckverbände die Schaffung von gewesten in die Diskussion eingeführt. Mit ihnen sollte eine neue territoriale Verwaltungsstruktur geschaffen werden, welche die Siedlungskerne mit ihrem jeweiligen Umland bzw. Versorgungsgebiet zur Grundlage haben sollte.

[Seite 320]

2.2 Räumlicher Maßstab der Provinzen

Der schmale Aufgaben- und Zuständigkeitsbereich der Provinzen ließ bis in die Nachkriegszeit hinein Fragen des räumlichen Zuschnitts der Provinzen als ein eher untergeordnetes Problem erscheinen. Gegen die bestehenden Provinzen werden im wesentlichen drei Argumente angeführt:

[...]

  • Die bestehenden Provinzen gelten räumlich als zu klein, wenn es um die mögliche Übertragung größer dimensionierter regionalpolitischer Strukturprojekte geht. So verweisen fast alle Beiträge aus Sicht einzelner Fachpolitiken auf die Notwendigkeit, den räumlichen Maßstab der Provinzen zu vergrößern. Die Provinzen heutigen Zuschnitts sollten zu drei, vier oder fünf großräumigeren Landesteilen zusammengelegt werden (etwa wie die derzeitige Einteilung der niederländischen NUTS-I-Gebiete im Rahmen der europäischen Statistik). Während die nördlichen Provinzen schon seit den 70er Jahren im Rahmen des „Integrierten Strukturplans für den Norden des Landes“ zusammenarbeiteten, intensivierten die drei Randstad-Provinzen im

[Seite 321]

Westen des Landes ihre Zusammenarbeit erst seit Mitte der 80er Jahre.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[63.] Cbr/Fragment 050 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 50, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Kleinfeld 1997
Seite(n): 320, 321, 328, Zeilen: 320: 32 ff., 48 ff.; 321: 1 ff.; 328: 10 ff., 15 ff.
&#8203
[Während die nördlichen Provinzen schon seit den 70er Jahren im Rahmen des integrierten Strukturplans für den Norden des Landes zusammenarbeiteten, intensivierten die Randstad-Provinzen im Westen des] Landes ihre Kooperation erst seit Mitte der 80er Jahre. Dies erfolgte vor dem Hintergrund des europäischen Binnenmarktes sowie einer verstärkten Konkurrenz zwischen den europäischen Verdichtungsräumen.142 Diese Diskussion wurde aber bald durch die hitzige Stadtprovinz-Debatte in den Regionen Rotterdam, Amsterdam und Den Haag fast völlig ins Abseits gedrängt. Die Entstehung des europäischen Binnenmarktes bewirkte bei den Provinzen an der Grenze zur Bundesrepublik Deutschland im Osten und Norden eine Verstärkung ihrer Zusammenarbeit.143
  • Die Provinzgrenzen, die sich an vorindustriellen Maßstäben ausrichten, bieten keinen adäquaten räumlichen Bezugsrahmen für die regionalen Politiken. Sie durchtrennen sozialräumliche Strukturen, die im Ablauf von Industrialisierungs- und Verstädterungsprozessen entstanden sind.
  • Die bestehenden Provinzen gelten in der verwaltungspolitischen Diskussion als räumlich zu groß, da hier interkommunale Zusammenarbeitsformen sowie die großstädtischen Verdichtungsräume als regionalräumliche Bezugsgröße anzusehen sind. Ein Plädoyer für die Bildung neuer Regionalkörperschaften, die faktisch eine Verkleinerung des Gebiets der bestehenden Provinzen bedeuten, findet sich in der modernen Reformdiskussion um die Einrichtung sog. Stadtprovinzen, die ihren Antrieb aus den Problemlagen der Großstädte im Westen der Niederlande beziehen.

Das charakteristische Aufgabenprofil der Provinzen sowie der vergleichsweise geringe Demokratisierungs- und Politisierungsdruck, der von außen an die Provinzen herangetragen wird, erklärt, dass die Verwaltungsstruktur der Provinzen auch heute noch weniger zugänglich ist als sonst für die Niederlande typisch. Diese Ausgewogenheit kann als Voraussetzung dafür betrachtet werden, dass die zahlreichen vertikalen Interaktionen mit anderen staatlichen Akteuren auf informeller Basis erfolgen. Die Funktionalität einer derartigen Verwaltungsstruktur liegt darin, dass trotz der politisch geringen Machtposition die Provinzen eine nicht unbedeutende verwaltungsinterne Vermittlerrolle spielen. Ihr politischer Einfluss ist daher höher zu kalkulieren als dies im öffentlichen Bewusstsein getan wird. Es existieren auch Politikbereiche, in denen die Sichtbarkeit der Provinzen inzwischen deutlich angestiegen ist. Insbesondere die Raumordnungspolitik forcierte Partizipationsformen einzelner Bürger und organisierter Interessen. Allgemein bleibt aber in der Beziehung zwischen Bürgern und Provinzen eine unübersehbare Distanz bestehen, die vor allem in der geringen Wahlbeteiligung und auch in relativ geringem Wissen über die Provinzen deutlich wird. Bis in die heutige Zeit spielten politische Parteien im Bereich der Provinzpolitik eine untergeordnete Rolle innerhalb des provinzialen Willensbildungs- und Entscheidungsprozesses. Ihre wichtigste Funktion ist [die Nominierung der Abgeordneten für die Provinzlandtage sowie den Deputiertenausschuss.]


142 Vgl. Stadt Münster [Hrsg.], Das Städtedreieck, Chancen der Gemeinsamkeit im vereinten Europa, Münster 1996, S. 7 und S. 13.

143 Vgl. Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen [Hrsg.], NRW im Europäischen Binnenmark, EUREGIO, Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Europa, Düsseldorf 12/1993, S. 6ff.

[Seite 320]
  • Die sich an vorindustriellen Bezügen ausrichtenden Provinzgrenzen bieten keinen adäquaten räumlichen Bezugsrahmen für regionale Politiken, da sie sozialräumliche Strukturen durchschneiden, die im Gefolge von Industrialisierungs- und Verstädterungsprozessen entstanden sind.
  • Die bestehenden Provinzen gelten in der verwaltungspolitischen Diskussion als räumlich zu große Gebilde, da hier die interkommunalen Zusammenarbeitsformen sowie die großstädtischen Verdichtungsräume als regional-räumliche Bezugsgröße gelten. Ein Plädoyer für die Bildung neuer Regionalkörperschaften, die faktisch eine Verkleinerung des Grundgebiets der bestehenden Provinzen bedeuten, findet sich in der aktuellen Reformdiskussion um die Einrichtung sog. Stadtprovinzen, die ihren wichtigsten Impuls aus den Problemlagen der Großstädte im Westen der Niederlande bezieht.
  • [...] Während die nördlichen Provinzen schon seit den 70er Jahren im Rahmen des „Integrierten Strukturplans für den Norden des Landes“ zusammenarbeiteten, intensivierten die drei Randstad-Provinzen im

[Seite 321]

Westen des Landes ihre Zusammenarbeit erst seit Mitte der 80er Jahre. Dies geschah vor dem Hintergrund des kommenden europäischen Binnenmarktes und einer verstärkten Konkurrenz zwischen den europäischen Verdichtungsräumen. Diese Diskussion wurde aber schon sehr bald durch die hitzige Stadtprovinz-Debatte in den Regionen Rotterdam, Amsterdam und Den Haag fast völlig in den Hintergrund gedrängt. Demgegenüber übte die Entstehung des europäischen Binnenmarktes bei den Provinzen an der Grenze zur Bundesrepublik im Osten und Norden einen deutlichen Impuls zur Verstärkung ihrer Zusammenarbeit aus.

[Seite 328]

Das spezifische Aufgabenprofil der Provinzen sowie der vergleichsweise geringe Demokratisierungs- und Politisierungsdruck, der extern an die Provinzen herangetragen wird, erklärt, daß die Verwaltungskultur der Provinzen auch heute noch vergleichsweise weniger offen ist als sonst für die Niederlande inzwischen typisch. [...] Diese „Geschlossenheit“ kann als Voraussetzung dafür betrachtet werden, daß die zahlreichen vertikalen Interaktionen mit anderen staatlichen Akteuren (vor allem zu Reich und Gemeinden) auf informeller Basis erfolgen. Die Funktionalität einer derartigen Verwaltungskultur liegt darin, daß trotz der politisch eher geringen Machtposition die Provinzen eine nicht unbedeutende verwaltungsinterne Vermittlerrolle spielen. Ihr politischer Einfluß ist daher eher höher zu veranschlagen als dies im öffentlichen Bewußtsein vermutet wird. Allerdings gibt es auch Politikbereiche, in denen die „Sichtbarkeit“ der Provinzen inzwischen deutlich angestiegen ist. So wirkte insbesondere die Raumordnungspolitik als „Einfallstor“ für Partizipationsformen einzelner Bürger und organisierter Interessen. [...] Allgemein bleibt aber gerade in der Beziehung zwischen Bürgern und Provinzen eine unübersehbare Distanz bestehen, die vor allem in der geringen Wahlbeteiligung und auch im vergleichsweise geringen Wissen über die Provinzen zum Ausdruck kommt.

Bis in die jüngste Zeit hinein spielten politische Parteien im Bereich der Provinzpolitik eine eher untergeordnete Rolle innerhalb des provinzialen Willensbildungs- und Entscheidungsprozesses. Ihre wichtigste Funktion ist die Nominierung der Abgeordneten für die Provinzlandtage und den Deputiertenausschuß.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[64.] Cbr/Fragment 051 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 51, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Kleinfeld 1997
Seite(n): 328, 330, 331, Zeilen: 328: 32 ff.; 330: 39 ff.; 331: 1 ff.
[Ihre wichtigste Funktion ist] die Nominierung der Abgeordneten für die Provinzlandtage sowie den Deputiertenausschuss. Der Einfluss der Parteien ist vor allem darauf gerichtet, geeignete Kandidaten zu nominieren und bei der Bildung der Deputiertenausschüsse möglichst attraktive ‚Parteifeuilles’ [sic] zu erlangen. Sucht man nach weiteren Erklärungen für den relativ geringen Grad an ‘Aufklärung’ für die Bürger, muss erwähnt werden, dass provinziale Aufgaben und Zuständigkeiten lange Zeit in Bereichen außerhalb parteipolitischer Kontroversen blieben. Dies hat sich in letzter Zeit durch die zunehmende öffentliche Thematisierung von Umwelt- und Infrastrukturfragen geändert. Parteien und Medien befassen sich viel intensiver mit Fragen der nationalen und lokalen Politik. Außerdem werden Beschlüsse im Deputiertenausschuss auf Grund der Kombination aus Kollegial- und Proporzprinzip von den Vertretern aller großen Parteien getragen. Eine eigenständige Oppositionsrolle kommt nur den kleinen und nicht im Deputiertenausschuss vertretenen Parteien zu. Diese verfügen im Normalfall kaum über effektive Informationen aus der Verwaltung. Von einer effektiven Wahrnehmung einer aus dem Gegensatz von Legislative und Exekutive herrührenden Kontrollfunktion des Provinzparlaments kann daher kaum die Rede sein. Angesichts dieser Situation muss ein Loyalitätsentzug in Ausnahmefällen aber um so effektiver wirken, da dies auf eine ernsthafte Störung des Vertrauensverhältnisses hindeutet.

Trotz der gesetzlich einheitlichen Regelung der Provinz- und Gemeindeebene und der noch immer dominanten einheitsstaatlichen Komponente zeigt sich in der Praxis des niederländischen dezentralisierten Einheitsstaates ein unerwartet pluralistisches Bild der Realisierung der Beziehungen zwischen Reich, Provinzen und Gemeinden einerseits sowie der Zusammensetzung der Mesoebene von Staat und Verwaltung andererseits.144 Aufgaben und Rolle der Provinzen sowie deren Dynamik können mit zwei unterschiedlichen Mustern umschrieben werden:

  • In einer ersten historischen Entwicklungsphase, die von der Konstituierung der Niederlande im frühen 19. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit reicht, wird das Provinz-Leitbild primär durch die Wahrnehmung von Aufsichtsfunktionen geprägt. Es korrespondiert mit der Betonung der unitarisch-zentralstaatlichen Komponente im dezentralisierten Einheitsstaat.145
  • Die Provinzen wurden in den 60er Jahren als eigenständige Verwaltungsebene wieder aktiv, obwohl das Übergewicht binnenadministrativer Intermediärfunktionen weiterhin Bestand hatte. So waren es vor allem Planungs- und politische Lenkungsfunktion in den Bereichen Raumordnung, Verkehr und Sozialwesen, die nunmehr das Aufgabenspektrum der Provinzen prägten.

Vertikale gebietskörperschaftliche Interaktionen, an denen die Provinzen beteiligt werden, haben in letzter Zeit eine enorme Ausdehnung erfahren. Als Grenze provinzialer [Politik im dezentralisierten Einheitsstaat gilt, dass Provinzen keine selbständigen Gesetzgebungsbereiche, sondern neue Aufsichts-, Planungs- und Vermittlungsfunktionen zugewiesen werden.]


144 Vgl. Kleinfeld und Hesse, Die Provinzen, a.a.O.

145 Vgl. Rochon, The Netherlands, a.a.O., p. 22f.

[Seite 328]

Ihre wichtigste Funktion ist die Nominierung der Abgeordneten für die Provinzlandtage und den Deputiertenausschuß. Der Einfluß der Parteien ist vor allem darauf gerichtet, geeignete Kandidaten zu nominieren und bei der Bildung der Deputiertenausschüsse möglichst attraktive Portefeuilles zu erlangen. Sucht man nach weiteren Erklärungen für den relativ geringen Grad an „Sichtbarkeit“ für den Bürger, muß auch erwähnt werden, daß provinziale Aufgaben und Zuständigkeiten lange Zeit in Bereichen außerhalb parteipolitischer Kontroversen blieben. Dies hat sich in letzter Zeit durch die zunehmende öffentliche Thematisierung von Umwelt- und Infrastrukturfragen geändert. [...] In aller Regel beschäftigen sich aber vor allem die Parteien und Medien viel intensiver mit Fragen der nationalen und lokalen Politik. Außerdem werden fast alle Beschlüsse im Deputiertenausschuß auf Grund der Kombination aus Kollegial- und Proporzprinzip von den Vertretern aller großen Parteien getragen. Eine eigenständige Oppositionsrolle kommt nur den kleinen und daher nicht im Deputiertenausschuß vertretenen Parteien zu, die im Normalfall kaum über effektive Informationen aus der Verwaltung verfügen. [...] Von einer effektiven Wahrnehmung einer aus dem Dualismus von Legislative und Exekutive herrührenden Kontrollfunktion des Provinzparlaments kann daher kaum die Rede sein. Angesichts dieser Situation muß ein Loyalitätsentzug in Ausnahmefällen aber umso effektiver wirken (wie z.B. in Groningen Anfang der achtziger Jahre), da dies auf eine ernsthafte Störung des Vertrauensverhältnisses verweist.

[Seite 330]

3.3 Einbeziehung der Provinzen in die staatliche Problemverarbeitung

Trotz der weitgehend unitaristischen gesetzlichen Regelung der Provinz- und Gemeindeebene und trotz der noch immer dominanten einheitsstaatlichen Komponente zeigt sich in der Praxis des niederländischen dezentralisierten Einheitsstaates ein eher unerwartet pluriformes Bild der Ausgestaltung der Beziehungen zwischen Reich, Provinzen und Gemeinden einerseits und der Zusammensetzung der Mesoebene von Staat und Verwaltung andererseits. [...] Aufgaben und Rolle der Provinzen sowie deren Dynamik können mit zwei unterschiedlichen Leitbildern umschrieben werden:

  • In der ersten historischen Entwicklungsetappe, die von der Konstituierung des Königreiches der Niederlande im frühen 19. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit reicht, wird das Provin-

[Seite 331]

zen-Leitbild primär durch die Wahrnehmung von Aufsichtsfunktionen geprägt. Es korrespondiert mit der Betonung der unitarisch-zentralstaatlichen Komponente im dezentralisierten Einheitsstaat.

  • In den 60er Jahren wurden Provinzen als eigenständige Verwaltungsebene wieder aktiv, wenngleich das Übergewicht binnenadministrativer Intermediär- und Scharnierfunktionen bestehen blieb. Vor allem waren es Planungs- und politische Lenkungsfunktionen in den Bereichen Raumordnung, Verkehr, Sozialwesen, Freizeit, Erholung sowie Natur- und Umweltschutz, die nunmehr das Aufgabenpaket der Provinzen prägten. [...]

Vertikale gebietskörperschaftliche Interaktionen, an denen die Provinzen beteiligt werden, haben im Laufe der zurückliegenden Jahrzehnte eine beträchtliche Ausweitung erfahren. Als Grenze provinzialer Politik im dezentralisierten Einheitsstaat gilt, daß den Provinzen keine autonomen Gesetzgebungsbereiche, sondern neue Aufsichts-, Planungs- und Vermittlungsfunktionen zugewiesen werden.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[65.] Cbr/Fragment 052 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 52, Zeilen: 1-26
Quelle: Kleinfeld 1997
Seite(n): 331, 332, Zeilen: 331: 20 ff.; 332: 10 ff.
[Als Grenze provinzialer] Politik im dezentralisierten Einheitsstaat gilt, dass Provinzen keine selbständigen Gesetzgebungsbereiche, sondern neue Aufsichts-, Planungs- und Vermittlungsfunktionen zugewiesen werden.

Trotz der über die Provinzlandtage erfolgenden Wahl der 75 Mitglieder zur Ersten Kammer sind die Provinzen auch nicht an der Gesetzgebung auf Reichsebene beteiligt. Die Niederlande sind kein föderalistischer Staat, und die Erste Kammer ist kein ‘Bundesrat’. Niederländische Senatoren sind in erster Linie Parteivertreter und weniger Interessenvertreter ihrer Provinz. Die Beteiligung der Provinzen an der staatlichen Problemverarbeitung steht in engem Zusammenhang mit politischen Aufgaben, die auf staatlicher Ebene das Koordinationsvermögen einzelner Ministerien übersteigen und zugleich externe Effekte mit einer ausgeprägt räumlich-territorialen Komponente haben. Dieses wird durch die Strukturen der zentralstaatlichen Ministerialbürokratie und in der relativ starken Position der Gemeinden sowie vor allem der Gruppe der Großstädte deutlich. Daher erfolgte das Engagement der Provinzen zunächst in neuen Politikbereichen [Raumordnung, Umwelt], die durch weniger starre Machtstrukturen und Klientelbeziehungen geprägt sind.

Die derzeitige Stellung der Provinzen in der staatlichen Struktur und politischen Problemverarbeitung resultiert aus der kumulativen Wirkung bestehender und neuer Kompetenzen und Zuständigkeiten. Es ist die Kombination aus Planungs-, Koordinations-, Aufsichts-, Ressourcenallokations- und ‚Schiedsrichterfunktion’, die den Provinzen ein wenig spektakuläres, potentiell aber nicht zu unterschätzendes Machtpotential verschaffen. Politischen Gestaltungswillen vorausgesetzt, ließe sich dieses Instrumentarium auch im Sinne regionalpolitischer Steuerung nutzen. Es legt aber einer eigenständigen Regionalpolitik der Provinzen gleichzeitig strukturelle Grenzen auf, da die Provinzen in der Politikgestaltung in hohem Maße von der Zusammenarbeit mit anderen politischen Akteuren abhängig bleiben.

[Seite 331]

Als Grenze provinzialer Politik im dezentralisierten Einheitsstaat gilt, daß den Provinzen keine autonomen Gesetzgebungsbereiche, sondern neue Aufsichts-, Planungs- und Vermittlungsfunktionen zugewiesen werden.

Trotz der über die Provinzlandtage erfolgenden Wahl der 75 Mitglieder zur Ersten Kammer (dies ist die kleinere und nachgeordnete der beiden Kammern des niederländischen parlamentarischen Systems, in dem die von der Bevölkerung direkt gewählte „Zweite Kammer“ die tonangebende Rolle spielt) sind die Provinzen auch nicht förmlich an der Gesetzgebung auf Reichsebene beteiligt. Die Niederlande sind kein föderalistischer Staat, die Erste Kammer ist keine Art „Bundesrat“. Ihre Vertreter müssen nicht in der Provinz wohnen, aus der sie gewählt werden. Auch fühlen sich die „Senatoren“, in erster Linie als Parteivertreter und weniger als Lobbyist „ihrer“ Provinz.

[Seite 332]

Die Einschaltung der Provinzen in die staatliche Problemverarbeitung steht in engem Zusammenhang mit politischen Aufgaben, die auf staatlicher Ebene das Koordinationsvermögen einzelner Ministerien übersteigen und zugleich externe Effekte mit einer ausgeprägt räumlich-territorialen Komponente haben Dies fand und findet seine Schranken in den Strukturen der zentralstaatlichen Ministerialbürokratie und in der relativ starken Position der Gemeinden und vor allem der Gruppe der Großstädte. Von daher erfolgte die Einschaltung der Provinzen zunächst und vor allem in neuen Politikbereichen (Raumordnung, Umwelt), die zumindest anfangs durch weniger starre Machtstrukturen und Klientelbeziehungen geprägt sind.

Die heutige Stellung der Provinzen in der staatlichen Aufbauorganisation und politischen Problemverarbeitung resultiert aus der kumulativen Wirkung bestehender und neuer Kompetenzen und Zuständigkeiten Es ist die Kombination aus Planungs-, Koordinations-, Aufsichts-, Ressourcenallokations- und Schlichtungsfunktionen, die den Provinzen ein zwar wenig spektakuläres, potentiell aber nicht unerhebliches Machtpotential verschaffen. Entsprechenden politischen Gestaltungswillen vorausgesetzt, ließe sich dieses Instrumentarium auch im Sinne regionalpolitischer Steuerung nutzen. Es legt aber einer eigenständigen Regionalpolitik der Provinzen gleichzeitig strukturelle Grenzen auf, da die Provinzen in der Politikgestaltung in hohem Maße von der Zusammenarbeit mit anderen politischen Akteuren abhängig bleiben.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[66.] Cbr/Fragment 052 101

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 52, Zeilen: 101-106, 110-111
Quelle: Dekker Aspeslagh 1999
Seite(n): 26, 27, Zeilen: 26: 15 ff.; 27: 1

146 Für diese negativen Einstellungen hinsichtlich Deutschlands in den Niederlanden sind verschiedenen Erklärungen zu finden: Zunächst kann das historische Trauma deutscher Eroberung, der Besatzung und Unterdrückung während des Zweiten Weltkriegs angeführt werden. Die Gegenseite ist grundsätzlich schlechter, gewissenloser und gefährlicher als die eigene Seite. Der Gegenseite wird auch die historische Schuld zugewiesen, die spätere Generationen als eine Erbsünde mit sich herumzutragen. Eine weitere Erklärung ist der Gegensatz zwischen einem kleineren und einem größeren Land. [...] Diese letzte Erklärung beruht auf psychologischen Gesetzmäßigkeiten; im Allgemeinen entwickeln Nachbarländer durch historische Erfahrungen oft ein negatives Bild untereinander.

Für eine negative Attitüde hinsichtlich Deutschlands in den Niederlanden sind in der einschlägigen Literatur verschiedene Erklärungen zu finden.90 Zunächst kann das historische Schocktrauma deutscher Eroberung und der darauf folgenden Zeit von Besatzung und Unterdrückung während des Zweiten Weltkriegs genannt werden. [...] Die Gegenseite ist grundsätzlich schlechter, gewissenloser und gefährlicher als die eigene Seite. Der Gegenseite wird auch die historische Schuld zugewiesen, die spätere Generationen als eine Erbsünde mit sich herumtragen.91 Die zweite Auslegung ist der Gegensatz zwischen einem kleinen und einem großen Land. [...] Eine vierte Erklärung beruht auf der »psychologischen Gesetzmäßigkeit«, daß Nachbarländer im allgemeinen durch historische Erfahrungen oft ein negatives Bild untereinander entwik-

90 Siehe zum Beispiel: Heldring (1978), Hess & Wielenga (1982) und Masuch (1993).

91 Schnabel (1980, 219).

[Seite 27]

keln.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[67.] Cbr/Fragment 053 02

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 53, Zeilen: 2-28
Quelle: te Velde 1999
Seite(n): 304, 305, 308, Zeilen: 304: 12 ff.; 305: 2 ff.; 308: 5 ff., 20 ff.
Es ist schwierig, Wahrnehmungen von Wirklichkeit zu unterscheiden und manchmal ist die Existenz eines regionalen Nationalismus und einer nationalen Identität zu bezweifeln. Diese Unsicherheit dokumentiert sich auch in der Wortwahl. Anstelle von nationaler Identität wird von nationalem Charakter gesprochen. Anderson zufolge ist Identität kein „objektives Konzept wie Charakter, sondern ein Relationales, es bedient eine gewisse Selbstbewusstwerdung und ist sowohl tiefgehender als auch zerbrechlicher als Charakter“.148 Eine Möglichkeit, die Fehler der älteren Forschung zu vermeiden ist, mit einer Untersuchung von nationaler Identität zu eröffnen und die historische Entwicklung der entsprechenden Konzepte zu analysieren:149 Die vorhandene Literatur zum Nationalismus legt übereinstimmend das Ende des 18. Jahrhunderts als den Beginn moderner Konzeptionen von Nation fest. Die Mischung sozialer und moralisch-kultureller Kategorien war typisch für die Literatur über den nationalen Charakter in den Niederlanden. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese Ambiguität zum Problem: Die Demokratisierung und politische Polarisierung dieser Zeit brachten eine heftige Diskussion über das Wesen der Nation mit sich.150 Die dominanten Liberalen hielten das tolerant eingestellte Bürgertum für das Rückgrat der Nation und die Verkörperung ihres Geistes. Die neugegründete calvinistische Partei vertrat die gleiche Einstellung im Hinblick auf das calvinistische Bürgertum.151 Nach der Ansicht der Sozialisten ist die Arbeiterklasse als produktive soziale Gruppe das Herz der Nation. Um friedlich nebeneinander leben zu können, ist es notwendig, jeden Kreis als integralen Teil der Nation zu akzeptieren. Während dieser Prozesse veränderte sich die Konzeption von Nation: Das soziale Element geriet in den Blickwinkel. In den 30er Jahren versuchte der Historiker Huizinga liberale Werte zu schützen; er zeigte nicht auf die liberale Bourgeoisie als die Lösung der Nation, sondern äußerte: „Wether [sic] we like it or not, we Dutchmen are all bourgeois – lawer [sic] and poet, baron and labourer alike. Our national culture is bourgois [sic] in every sense that you can legitimately attach to that word“.152 Ihm zufolge waren alle Niederländer bürgerlich [geworden.]

148 Vgl. Anderson, P., Fernand Braudel and National Identity, in: ders., A Zone of Engagement, Londen 1992, p. 267f.

149 Vgl. Frijhoff, W., T., M., Cultuur op termijn. Een verkenning van identiteit in de tijd, in: Bouw, C. und Kruithof, B. [Hrsg.], De kern van het verschil. Culturen en identiteiten, Amsterdam 1993, S. 17-40.

150 Vgl. für diesen historischen Abschnitt: Kuitenbrouwer, M., The Netherlands and the Rise of Modern Imperialism. Colonies and Foreign Policy, 1870-1902, New York 1991.

151 Diese konfessionelle Richtung vertrat die Meinung, dass die ‚Verchristlichung’ des alltäglichen Lebens unabhängig von der Unterstützung weltlicher Obrigkeit zu unterstützen ist. Das Zentrum der calvinistischen Aktivitäten in den Niederlanden lag zunächst in der Provinz Flandern. Die neue religiöse Ideologie fand hier ihre Anhängerschaft sowohl unter der ländlichen Lohnarbeiterschaft als auch unter der kaufmännischen Führungselite in den Städten

152 Huizinga, J., The Spirit of the Netherlands, in: ders., Dutch Civilisation in the Seventeenth Century, and other essays, London 1968, S,112. sowie vgl. Velde te, H., How Did the Dutch Fly? Remarks on Stereotypes of Burger mentality, in: Galema, A. u.a. [Hrsg.], Images of the Nation, Amsterdam 1993, p. 59-79

Wir haben begriffen, daß es schwierig ist, Wahrnehmung von Wirklichkeit zu unterscheiden, und manchmal bezweifeln wir sogar die Existenz einer greifbaren nationalen Identität überhaupt. Unsere Unsicherheiten und Reflexionen spiegeln sich in den Worten wider, die wir verwenden. Wir sprechen von nationaler Identität anstelle von nationalem ›Charakter‹. Perry Anderson zufolge ist Identität kein ›objektives‹ Konzept wie Charakter, sondern ein ›relationales‹, es bedingt eine gewisse ›Selbstbewußtwerdung‹ und ist ›sowohl tiefgehender als auch zerbrechlicher‹ als Charakter (Anderson 1992, S. 267 f.). Es ist deshalb schwierig geworden, die ältere Literatur zum nationalen Charakter für bare Münze zu nehmen, da ihr dieses reflexive Element fehlt und sie sich ihrer Aussagen deshalb zu sicher ist. Eine Möglichkeit, die Fehler der älteren Forschung zu vermeiden, ist es, mit einer Untersuchung von nationaler Identität dadurch zu beginnen, daß man die Geschichte der entsprechenden Konzepte analysiert (Frijhoff 1992; 1993).1

1 Van Sas hat viele Artikel über holländischen Nationalismus verfaßt, sonders über die Zeit von 1800. In englischer Sprache vgl. N. C. F. van Sas, »Varieties of Dutchness«, in: A. Galema, B. Henkes, und H. Velde (Hg.), Images of the Nation. Different Meanings of Dutchness 1870-1940, Amsterdam, Atlanta 1993, S. 5-16.

[Seite 305]

Die internationale Literatur zum Nationalismus legt übereinstimmend das Ende des 18. Jahrhunderts als den Beginn moderner Konzeptionen von Nation fest.

[Seite 308]

Die Mischung sozialer und moralisch-kultureller Kategorien war typisch für Literatur über den nationalen Charakter in den Niederlanden. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese Ambiguität zum Problem. Die Demokratisierung und politische Polarisierung dieser Zeit brachten eine heftige Diskussion über das Wesen der Nation mit sich.4 Die dominanten Liberalen hielten das liberal eingestellte Bürgertum für das Rückgrat der Nation und die Verkörperung ihres Geistes, die neue calvinistische Partei dachte das gleiche über das calvinistische Kleinbürgertum, und die Sozialisten hielten daran fest, daß die Arbeiterklasse die einzig wirklich produktive soziale Gruppe und daher das Herz der Nation sei. [...] Jede Gruppe sollte als ein ›volksdeel‹, d. h. als ein integraler Teil der Nation, akzeptiert werden.

Während dieses Prozesses veränderte sich die Konzeption von Nation. Das soziale Element geriet ins Blickfeld. In einer parlamentarischen Demokratie, wie es die Niederlande zum Ende des Ersten Weltkriegs geworden waren, zählten Zahlen. Die meisten Kommentatoren neigten nun dazu, Nationalcharakter weniger als die Essenz der Nation denn als ihren kleinsten gemeinsamen Nenner zu betrachten. Als in den dreißiger Jahren der berühmte Historiker Huizinga liberale Werte schützen wollte, zeigte er nicht auf die liberale Bourgeoisie als die Essenz der Nation, sondern sagte: »Whether we like it or not, we Dutchmen are all bourgeois - lawyer and poet, baron and labourer alike. Our national culture is bourgeois in every sense that you can legitimately attach to that word« (Huizinga 1968, S. 112; vgl. te Velde 1993). Ihm zufolge waren alle Holländer bürgerlich geworden.


4 Vgl. für diese Zeit etwa Kuitenbrouwer (1991) und das entsprechende Kapitel in Kossmann (1978).

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[68.] Cbr/Fragment 054 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 54, Zeilen: 1-22, 24-26
Quelle: te Velde 1999
Seite(n): 308, 309, 311, Zeilen: 308: letzte 2 Zeilen; 309: 1, 6 f., 13 ff.; 311: 5 ff.
Huizinga interessierte sich für das, was er als den ‚Geist’ der holländischen Zivilisation und Geschichte bezeichnete.153

In den 30er Jahren versuchten vor allem Soziologen den ‚typisch niederländischen Charakter’ zu analysieren.154 Die Wissenschaftler analysierten unterschiedliche Arten von regionalen Charakteren und hofften, dass eine Addition dieser ‚Eigenschaften’ zu einem Verständnis oder sogar zu einem klaren Bild des niederländischen Nationalcharakters führen würde. Hinsichtlich ihrer Forschungsansätze und ihrer Auswirkungen kamen den Forschern Zweifel. Deshalb wurde nur noch der ländlichen Bevölkerung entlegener Gebiete ein ursprünglicher Nationalcharakter zugeschrieben.155 Der Zweite Weltkrieg machte die Gefahren dieser Art von ‚Volkskunde’ deutlich, aber Literatur über den Nationalcharakter erschien bis in die frühen sechziger Jahre. In den sechziger Jahren verlor der Begriff ‚Nationalcharakter’ an Popularität: Der verbal revolutionäre Autor Harry Mulisch drückte das folgendermaßen aus: „Ich interessiere mich nicht für den Nationalcharakter, denn nationale Charaktere gibt es nicht.“156

Nach Anderson ist Identität als Konzept tiefgründiger und zerbrechlicher als Charakter. In den 60er und 70er Jahren schien dann auch die Haupteigenschaft von Gruppenidentität die ‚Zerbrechlichkeit’ zu sein. Denn dieser Begriff wurde zur Beschreibung all dessen benutzt, was sich veränderte, was unsicher war oder was sogar ganz verschwand: Die ‚Suche’ nach Identität war ein weit verbreiteter Ausdruck dieses Gefühls.157 Andererseits sind – seitdem – nationale, regionale und kulturelle Identitäten heute tiefgründig, sie werden jedenfalls häufig präsentiert als die ureigenste Eigenschaft einer Person oder einer Gruppe.158 [So versuchte schon Mead nachzuweisen, dass Identität Ergebnis eines sozialen Prozesses ist und das [sic] Sprache in Form der vokalen Geste den grundlegenden Mechanismus für das Auftreten diese [sic] Phänomens liefert.159] D.h. jedoch nicht, dass es leichter geworden wäre, Identität im Allgemeinen und nationale Identität im Besonderen zu definieren oder sogar zu beschreiben.


153 Ebenda.

154 Vgl. Heerikhuizen van, B., What ist Typically Dutch? Sociologist in the 1930s and 1940s on the Dutch National Character, in: The Netherlands Journal of Sociology 18/1982, p. 103-125.

155 Vgl. Vries, de J., Volk van Nederland, Amsterdam 1937.

156 Mulisch, Harry, Bericht aan de rattenkoning, Amstderam 1981, S. 45.

157 Vgl. Gleason, P., Identifying Identity: a Semantic History, in: The Journal of American History 69/1983, p. 912.

158 Die Einstellung des einzelnen Bürgers bzw. der gesamten Gesellschaft ist so wichtig, weil sie den Umgang mit Deutschland und den Deutschen beeinflussen können. Eine einmal entwickelte Einstellung zu Deutschland kann die nachfolgende Informationsaufnahme beeinflussen, bei Entscheidungen, in denen Deutschland zur Debatte steht, mitspielen und die Meinung sowie Haltung hinsichtlich anderer Angelegenheiten, in denen Deutschland einbezogen ist, beeinflussen. Eine einmal entwickelte Sichtweise kann die Informationsaufnahme über Deutschland verzerren. Eine negative Haltung kann dazu führen, dass jemand bestimmtes – in seinen Augen negative Informationen eher annimmt als positive und diese sich auch besser einprägt. Eine negative Haltung könnte auch zu mangelndem Interesse führen und einen Informationserwerb völlig lahm legen. Darüber hinaus kann der Negativismus hinsichtlich Deutschlands die Haltung in bezug auf die Europäische Union, in der die Bundesrepublik eine führende Rolle spielt, beeinflussen.

[159 Vgl. Mead, G., H., Geist, Identität und Gesellschaft. Aus der Sicht des Sozialbehaviorismus, Frankfurt/M. 1968.]

Huizinga interessierte sich für das, was er als den ›Geist‹ der holländischen Zivilisation

[Seite 309]

und Geschichte bezeichnete.

[...] In den dreißiger Jahren schrieben vor allem Soziologen über holländischen Charakter (Heerikhuizen 1982). [...] Sie entdeckten alle möglichen Arten von regionalen Charakteren und hofften, daß eine Addition dieser »Merkmale« zu einem Verständnis oder sogar zu einem klaren Bild des holländischen Nationalcharakters führen würde. Hinsichtlich der Modernität und ihrer Auswirkungen hatten sie ihre Zweifel, und manchmal behaupteten sie deshalb lieber, daß nur die ländliche Bevölkerung entlegener Gebiete noch den ursprünglichen Nationalcharakter besitze (de Vries 1937).

Der Zweite Weltkrieg machte die Gefahren dieser Art von Volkskunde deutlich5, aber Bücher und Artikel über den Nationalcharakter erschienen bis in die frühen sechziger Jahre. [...]

In den sechziger Jahren verlor der Begriff ›Nationalcharakter‹ jedoch an Popularität. Der verbal revolutionäre Schriftsteller Harry Mulisch drückte das folgendermaßen aus: Ich interessiere mich nicht für den Nationalcharakter, »denn nationale Charaktere gibt es nicht« (Mulisch 1981, S. 45).


5 De Vries schloß sich den Nationalsozialisten an.

[Seite 311]

Die zweite ist die folgende: Nach den Worten von Perry Anderson, den ich schon zu Beginn zitiert habe, ist Identität als Konzept tiefgründiger und zerbrechlicher als Charakter. In den sechziger und siebziger Jahren schien denn auch die Haupteigenschaft von Gruppenidentität Zerbrechlichkeit zu sein. Dieser Begriff wurde zur Beschreibung all dessen benutzt, was sich veränderte, was unsicher war oder was sogar ganz verschwand: die ›Suche nach Identität‹ war ein weit verbreiteter Ausdruck dieses Gefühls (vgl. Gleason 1983, S. 912). Andererseits sind - seitdem - nationale und kulturelle Identitäten heute anscheinend vor allem tiefgründig, sie werden jedenfalls häufig präsentiert als die ureigenste Eigenschaft einer Person oder einer Gruppe. Das heißt jedoch nicht, daß es leichter geworden wäre, Identität im allgemeinen und nationale Identität im besonderen zu definieren oder sogar zu beschreiben.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[69.] Cbr/Fragment 054 107

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 54, Zeilen: 107-116
Quelle: Dekker Aspeslagh 1999
Seite(n): 17, 19, Zeilen: 17: 17 ff.; 19: 3 f.

158 Die Einstellung des einzelnen Bürgers bzw. der gesamten Gesellschaft ist so wichtig, weil sie den Umgang mit Deutschland und den Deutschen beeinflussen können. Eine einmal entwickelte Einstellung zu Deutschland kann die nachfolgende Informationsaufnahme beeinflussen, bei Entscheidungen, in denen Deutschland zur Debatte steht, mitspielen und die Meinung sowie Haltung hinsichtlich anderer Angelegenheiten, in denen Deutschland einbezogen ist, beeinflussen. Eine einmal entwickelte Sichtweise kann die Informationsaufnahme über Deutschland verzerren. Eine negative Haltung kann dazu führen, dass jemand bestimmtes – in seinen Augen negative Informationen eher annimmt als positive und diese sich auch besser einprägt. Eine negative Haltung könnte auch zu mangelndem Interesse führen und einen Informationserwerb völlig lahm legen. Darüber hinaus kann der Negativismus hinsichtlich Deutschlands die Haltung in bezug auf die Europäische Union, in der die Bundesrepublik eine führende Rolle spielt, beeinflussen.

Die Attitüde des einzelnen Bürgers ist außerdem so wichtig, weil sie den Umgang mit Deutschland und den Deutschen beeinflussen kann. Eine einmal entwickelte Attitüde zu Deutschland kann die nachfolgende Informationsaufnahme beeinflussen, bei Entscheidungen, in denen Deutschland zur Debatte steht, mitspielen und die Meinung sowie Haltung hinsichtlich anderer Angelegenheiten, in denen Deutschland einbezogen ist, beeinflussen. Die Attitüde kann auch das Verhalten gegenüber Deutschland und den Deutschen in Deutschland und in den Niederlanden beeinflussen. Im Jahre 1995 wohnten mehr als 53.000 Deutsche in den Niederlanden. Deutsche sind die zweitgrößte Ausländergruppe in den Niederlanden (nach den Türken und den Marokkanern).33

Eine einmal entwickelte Attitüde kann die Informationsaufnahme über Deutschland und die Deutschen verzerren. Eine negative Haltung kann dazu führen, daß jemand bestimmte - in seinen Augen negative Informationen - eher annimmt als positive und diese sich auch besser einprägt. Eine negative Haltung könnte auch zu mangelndem Interesse führen und ein Informationserwerb völlig lahmlegen.


33 Am 1. Januar 1995 lebten 53.363 Deutsche in den Niederlanden (27.617 Männer und 25.746 Frauen) Die zwei größten Gruppen in den Niederlanden sind Türken (182.089 Personen) und Marokkaner (158.653 Personen). Die vierte Gruppe sind die Briten (43.008 Personen). Quelle: Zentralamt für Statistik, Sektor Bevölkerung (1995), Nicht-Niederländer am 1. Januar 1995, Voorburg: Zentralamt für Statistik, Seite 53.

[Seite 19]

Der Negativismus hinsichtlich Deutschlands kann die Haltung in bezug auf die Europäische Union, in der die Bundesrepublik eine führende Rolle spielt, beeinflussen.39


39 Aus einer Umfrage unter Einwohnern von vier Dörfern nahe der niederländisch-deutschen Grenze wurde deutlich, daß es einen - wenn auch schwachen - Zusammenhang gibt zwischen den Deutschland-Attitüden und der Einstellung zu dem niederländischen-deutschen Zusammenarbeitsverband Euregio und der EU (Weerdenburg (1993).

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[70.] Cbr/Fragment 055 07

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Untersuchte Arbeit:
Seite: 55, Zeilen: 7-35
Quelle: te Velde 1999
Seite(n): 311, 312, 315, Zeilen: 311: 25 ff.; 312: 10 ff.; 315: 8 ff.
Seit den 60er Jahren bis in aktuelle Gegenwart war es nicht notwendig, sich der schwierigen Aufgabe einer Definition von niederländischer Identität zu stellen. In der Vergangenheit wurden die Beiträge zu nationaler Identität in Phasen von internationalen, d.h. europäischen Krisen geschrieben.160 Seit dem Zweiten Weltkrieg garantierten die EU und zahlreiche andere Formen internationaler Konsultationen die niederländische Unabhängigkeit. Abgesehen davon musste sich die niederländische politische und kulturelle Elite, als in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutlich geworden war, dass die Niederlande nicht länger eine starke politische Macht darstellten, nach einer Mission umsehen, die einem kleinen Land entsprach. Hatten kleinere Länder das gleich Recht auf Existenz wie Großmächte? Die Niederländer ließen keine Gelegenheit aus, zu zeigen, dass ihr Land zumindest über eine raison d’être verfügte. Im Verlauf eines Jahrhunderts wurden mehrere Argumente vorgebracht, um diese Sicht zu unterstützen: Die Niederlande besitzen ihre eigene Integrität zwischen der von Großbritannien und Deutschland.161 Das war nicht ausschließlich geographisch, sondern auch regionalpolitisch zu verstehen. Die niederländische Kultur vermied die Extreme der abstrakten Deutschen und der utilitaristischen Engländer. Man könnte sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten, dass diese Position und die Kenntnisse der Niederländer in den entsprechenden Sprachen das Land zu einem idealen Ort des Kulturtransfers machten: die Niederländer als Mittler zwischen den großen europäischen Kulturen.162

Dass ich ein niederländischer oder deutscher Staatsbürger bin und dass mein Nachbar wenige Kilometer weiter zu einer anderen Nation gehört, ist eine Frage von Staatsgrenzen. Wenn aber die Rolle des Staates so wichtig ist für das Nationalgefühl und die regional-kulturelle Identität, dann führt der angebliche Wegfall des Nationalstaates und der Wegfall von Grenzen innerhalb Europas zum Nachdenken über die Konsequenzen, die das für die nationale und die kulturelle Identität hat. Die Arbeit von Paul Scheffer und Jos de Beus zur neuen Diskussion über niederländische regionale Identität muss vor diesem Hintergrund gesehen werden.163 Die beiden Autoren beschreiben die Niederlande zuerst als ein Land der Toleranz, des Konsenses und des Egalitarismus, und sie fragen sich erst danach, ob diese Traditionen die europäische Vereinigung überleben werden. Gegen das [Bild eines kalten, international operierenden, berechnenden Menschen und gegen wachsende Ausländerfeindlichkeit in den Niederlanden versuchen sie, einen neuen Maßstab wahren ‚Niederländertums’ zu initiieren.]


160 Vgl. Heerikhuizen, What is Typically Dutch?, a.a.O., p. 103-125.

161 Vgl. Thorbecke, J., R., Onze betrekking tot Duitsland, in: ders., Historische schetsen, Den Haag 1872, S. 21.

162 Vgl. Huizinga, J., Die Mittlerstellung der Niederlande zwischen West- und Mitteleuropa, in: ders., Verzamelde Werken Bd. II, Haarlem1948, S. 284-303.

163 Vgl. als Überblick zu den Beiträgen der Diskussion: Scheffner, P. und Koch, K. [Hrsg.], Het nut van Nederland, Amsterdam 1996.

Von den sechziger Jahren an bis in unsere aktuelle Gegenwart war es anscheinend nicht notwendig, sich der schwierigen Aufgabe einer Definition von niederländischer Identität zu widmen. In der Vergangenheit wurden die meisten Beiträge zu nationaler Identität in Phasen von internationalen, d. h. europäischen Krisen geschrieben (vgl. Heerikhuizen 1982), aber seit dem Zweiten Weltkrieg garantieren die Europäische Gemeinschaft und zahlreiche andere Formen internationaler Konsultation die holländische Unabhängigkeit.

[Seite 312]

Abgesehen davon jedoch mußte sich die holländische politische und kulturelle Elite, als in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutlich geworden war, daß die Niederlande nicht länger eine starke politische Macht darstellten, nach einer Mission umsehen, die einem kleinen Land entsprach. Hatten kleinere Länder das gleiche Recht auf Existenz wie Großmächte? Das war nicht auf den ersten Blick offensichtlich, da der Kleinstaat des 19. Jahrhundert etwas Neues war (Tamse 1973). Die Holländer ließen keine Gelegenheit aus zu zeigen, daß ihr Land zumindest eine raison d'être hatte. Im Verlauf eines Jahrhunderts überlegten sie sich mehrere Argumente, um diese Sicht abzustützen. Sie argumentierten, daß die Niederlande ihre eigene Integrität zwischen der von Großbritannien und Deutschland besaßen (Thorbecke 1872, S. 21). Das war nicht nur geographisch, sondern auch kulturell gemeint: Die niederländische Kultur vermied die Extreme der abstrakten Deutschen und der utilitaristischen Engländer. Man könnte sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten, daß diese Position und die Kenntnisse der Niederländer in den entsprechenden Sprachen das Land zu einem idealen Ort des Kulturtransfers machten: die Niederländer als Mittler zwischen den großen europäischen Kulturen (Huizinga 1933/1948).

[Seite 315]

Daß ich ein Holländer oder Deutscher bin und daß mein Nachbar wenige Kilometer weiter zu einer anderen Nation gehört, ist eine Frage von Staatsgrenzen. Wenn aber die Rolle des Staates so wichtig ist für das Nationalgefühl und die kulturelle Identität, dann führt einen die angebliche Vernichtung des Nationalstaates und das Verschwinden von Grenzen innerhalb Europas zum Nachdenken über die Konsequenzen, die das für nationale und kulturelle Identität hat.

Der Beitrag von Paul Scheffer und Jos de Beus, zweier bekannter Sozialdemokraten, zur neuen Diskussion über niederländische Identität muß vor diesem Hintergrund betrachtet werden.8 Sie beschreiben die Niederlande zuerst als ein Land der Toleranz, des Konsenses und des Egalitarismus, und sie fragen sich dann, ob diese Traditionen die europäische Vereinigung überleben werden. Gegen das Bild eines kalten, international operierenden, berechnenden Menschen und gegen wachsende Ausländerfeindlichkeit in den Niederlanden versuchen sie, einen neuen Maßstab wahren Holländertums ins Leben zu rufen.


8 Vgl. als Überblick zu den Beiträgen der Diskussion: Scheffer und Koch (1996).

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[71.] Cbr/Fragment 056 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 56, Zeilen: 1-5, 6-26
Quelle: te Velde 1999
Seite(n): 315, 316, 317, Zeilen: 315: 22 ff.; 316: 1 ff.; 317: 1 ff.
[Gegen das] Bild eines kalten, international operierenden, berechnenden Menschen und gegen wachsende Ausländerfeindlichkeit in den Niederlanden versuchen sie, einen neuen Maßstab wahren ‚Niederländertums’ zu initiieren. Vielleicht sind sie sogar stolz darauf, Niederländer zu sein, aber das ist nicht der bestimmende Punkt: Die Niederländer reden nie viel über ihre nationale Identität, sondern setzen sie einfach voraus. [Dies wurde auch in den Gesprächen immer wieder deutlich.] Die Autoren haben versucht, eine Diskussion darüber in Gang zu bringen, welche niederländischen Traditionen und Institutionen es wert sind, dass man an ihnen festhält. Wenn dieser Ansatz mit einer historischen Analyse kombiniert wird, bietet er möglicherweise einen interessanten Weg, nationale und regional-kulturelle Identität zu erforschen.

Seit den 60er Jahren werden hauptsächlich zwei Sichtweisen bezüglich der niederländischen regional-nationalen Identität vertreten: Einige Autoren haben die Existenz niederländischer Eigenschaften deswegen verneint, weil Nationalcharakter eine rein ideologische Konstruktion ist, deren empirischen Gehalt nicht mit wissenschaftlichen Methoden zu bestimmen ist. Andere haben implizit die Existenz einer niederländischen Identität vorausgesetzt, lehnten aber die gegenwärtige Fassung dieser Identität ab.164 Eine Diskussion über nationale Identität setzt einen kritischen Umgang mit der Geschichte voraus. Ein Großteil der Toleranz, des Konsenses und Egalitarismus in den Niederlanden verdeckt bei näherer Betrachtung etwas ganz anderes: D.h. der Begriff ‚Toleranz’ ist in verschiedenen Zeiten mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt worden165 und hat sehr weitreichende soziale Unterscheidungen nicht ausgeschlossen. Letztendlich enthält die Diskussion über nationale Identität in den Niederlanden jedoch auch immer ein politisches Element. Diese Diskussion ist eine klassische Mischung dessen, was ist [wie die Niederlande sind] und was sie sein sollte [wie die Niederlande sein sollten]; dies sollte nicht selbstverständlich sein, sondern kann nur Resultat einer politischen Diskussion sein.


164 „Das unbekannte Holland. Regenten, Rebellen und Reformatoren“ von Ernest Zahn [1984] ist eins von vielen Beispielen.

165 Vgl. Kossmann, E., H., Tolerantie toen en nu, in: ders., Politieke theorie en geschiedenis. Verspreide opstellen en voordrachten, Amsterdam 1987.

[Seite 315]

Gegen das Bild eines kalten, international operierenden, berechnenden Menschen und gegen wachsende Ausländerfeindlichkeit in den Niederlanden versuchen sie, einen neuen Maßstab wahren Holländertums ins Leben zu rufen. Vielleicht sind sie sogar stolz darauf, Niederländer zu sein, aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Die Niederländer reden fast nie viel über ihre nationale Identität, sondern setzen sie einfach voraus. Die beiden Sozialdemokraten haben versucht, eine Diskussion darüber in Gang zu bringen, welche niederländischen Traditionen und Institutionen es wert sind, daß man an ihnen festhält. Wenn dieser Ansatz mit einer historischen Analyse kombiniert wird, bietet er möglicherweise einen interessanten Weg, nationale und kulturelle Identität zu erforschen.

Seit den sechziger Jahren gibt es hauptsächlich zwei Sichtweisen auf niederländische nationale Identität. Einige Autoren haben die Existenz niederländischer Eigenschaften deswegen verneint, weil

[Seite 316]

Nationalcharakter eine rein ideologische Konstruktion sei, deren empirischen Gehalt man unmöglich mit wissenschaftlichen Methoden finden und bestimmen könne. Andere haben implizit die Existenz einer niederländischen Identität vorausgesetzt, lehnten aber die gegenwärtige Fassung dieser Identität ab. Das unbekannte Holland. Regenten, Rebellen und Reformatoren von Ernest Zahn (1984) ist eins von vielen Beispielen. [...]

Es scheint mir, daß eine Diskussion über nationale Identität damit beginnen sollte, historisch und kritisch zu werden. Man sollte zugeben, daß ein Großteil der Toleranz, des Konsenses und Egalitarismus in Holland bei näherer Betrachtung etwas ganz anderes verbirgt, nämlich die historische Erfahrung, daß Toleranz zu verschiedenen Zeiten verschiedene Dinge gemeint hat (Kossmann 1987) - heute manchmal nur Gleichgültiges - und daß in der Vergangenheit der bürgerliche und bourgeoise Sinn für Ausgleich und Gleichheit sehr weitreichende soziale Unterscheidungen nicht ausgeschlossen hat.

[Seite 317]

Letztendlich enthält die Diskussion über nationale Identität in den Niederlanden jedoch auch immer ein politisches Element. Diese Diskussion ist eine klassische Mischung dessen, was ist (wie die Niederlande sind) und was sein sollte (wie die Niederlande sein sollten); das sollte ist nicht selbstverständlich, sondern kann nur das Resultat einer mehr oder weniger politischen Diskussion sein.


Kossmann, E. H. (1987), »Tolerantie toen en nu«, in: ders., Politieke theorie en geschiedenis. Verspreide opstellen en voordrachten, Amsterdam: Bert Bakker.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[72.] Cbr/Fragment 056 27

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 56, Zeilen: 27-35
Quelle: Dekker Aspeslagh 1999
Seite(n): 15, 16, Zeilen: 15: 20 ff.; letzte 2 Zeilen, 16: 1 ff., letzter Absatz
Auch eine Erhebung unter Parlamentariern im Jahre 1997 zeigte mehr positive als negative Auffassungen bezüglich des Deutschlandbildes.166 Eine Mehrheit der befragten Parlamentarier war der Ansicht, Deutschland betreibe im europäischen Integrationsprozess gute Politik und sei ein wichtiger Partner in der EU. Fasst man diese Eindrücke über die Haltung politischer Eliten in den Niederlanden zu Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten zusammen, so kommt das Bild eines ‚tiefen Spagats’ [ein unbequemer Spreizstand, bei dem die Beine in verschiedene Richtungen zeigen] der Realität am nächsten. Daraus folgt, dass die Beziehungen zu Deutschland zeitweise sehr gespannt waren. Es lässt sich noch nicht abschätzen, welche Haltung die heutige [niederländische Regierung, die niederländischen Parlamentarier und weitere Spitzenpolitiker gegenüber Deutschland einnehmen.]

166 Vgl. Schiweck, I., Zur Haltung der niederländischen Parlamentarier zum wiedervereinigten Deutschland in einem sich einigenden Europa. Magisterarbeit Neuere Geschichte, Vol. I. TC 46, Düsseldorf, Heinrich-Heine-Universität, 1997.

Auch eine Erhebung unter Parlamentariern im Jahre 1997 zeigte mehr positive als negative Meinungen.23 Eine Mehrheit der befragten Parlamentarier war der Ansicht, Deutschland gestalte im europäischen Integrationsprozeß gute Politik und sei ein wichtiger Partner in der EU. [...]

Faßt man all diese Eindrücke über die Haltung politischer Eliten in den Niederlanden zu Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten zusammen, so kommt das Bild eines tiefen


23 Schiweck(1997).

[Seite 16]

Spagats (ein unbehaglicher Spreizstand, bei dem die Beine in verschiedene Richtungen zeigen) der Realität am nächsten. Daraus folgt, daß die Beziehungen zu Deutschland ab und zu sehr gespannt waren. [...]

Man kann noch nicht sagen, welche Haltung die heutige niederländische Regierung, die niederländischen Parlamentarier und weitere Spitzenpolitiker gegenüber Deutschland einnehmen.


Schiweck, Ingo (1997). Zur Haltung der niederländischen Parlamentarier zum wiedervereinigten Deutschland in einem sich einigenden Europa. Magisterarbeit Neuere Geschichte. Vol. I, TC 46. Düsseldorf: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Referenz wird mitübernommen.

Schön: Die Verf.in und ihre Quelle erklären dieselbe Metapher mit denselben Worten.


[73.] Cbr/Fragment 057 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 57, Zeilen: 1-6, 101-103
Quelle: Dekker Aspeslagh 1999
Seite(n): 16, 17, Zeilen: 16: letzter Absatz, 17: 1, 101 ff.
[Es lässt sich noch nicht abschätzen, welche Haltung die heutige] niederländische Regierung, die niederländischen Parlamentarier und weitere Spitzenpolitiker gegenüber Deutschland einnehmen. Wenn auch sie mit einem gewissen ‚geistigen Bruch’ hinsichtlich Deutschlands leben, Verfechter guter Beziehungen sind, aber gleichzeitig Misstrauen gegenüber Deutschland hegen und am guten Willen Deutschlands zweifeln, liegt hier ein gewisses Risiko. Das ist sicher der Fall, wenn die geistige Spaltung mit einem Wissensdefizit einhergeht.167

167 Von der Bedeutung der deutsch-niederländischen Beziehungen wissen niederländische Politiker zu wenig, meint Brands in seiner Ansprache zur Eröffnung des Deutschland-Instituts in Amsterdam. Die Rede ist zum Teil veröffentlicht in NRC Handelsblatt [sic] vom 28.5.1996, S. 8.

Man kann noch nicht sagen, welche Haltung die heutige niederländische Regierung, die niederländischen Parlamentarier und weitere Spitzenpolitiker gegenüber Deutschland einnehmen. Wenn auch sie mit einer gewissen geistigen Spaltung hinsichtlich Deutschlands leben, Verfechter guter Beziehungen sind, aber gleichzeitig Mißtrauen gegenüber Deutschland hegen und am guten Willen Deutschlands zweifeln, liegt hier ein gewisses Risiko. Das ist sicher der Fall, wenn die geistige Spaltung mit einem Wissensdefizit ein-

[Seite 17]

hergeht.30


30 Von der Bedeutung der deutsch-französischen Achse und den deutsch-russischen Beziehungen wissen niederländische Politiker zu wenig, meint Brands in seiner Ansprache zur Eröffnung des Deutschland-Instituts in Amsterdam. Die Rede ist zum Teil veröffentlicht im NRC Handelsblad vom 28. Mai 1996, Seite 8.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Aus den "deutsch-russischen" Beziehungen werden "deutsch-niederländische". Macht doch keinen Unterschied ...!


[74.] Cbr/Fragment 058 19

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 58, Zeilen: 19-23
Quelle: Boden 1994
Seite(n): 149, Zeilen: 2 ff.
Die Niederlande fügen sich in die Territorialgeschichte des Mittelalters mit ihren wechselhaften Grenzverläufen ein. Teile des heutigen Staatsgebiets gehörten im 10. Jahrhundert zum Herzogtum Lothringen. Die geographische Bezeichnung ‚Niederlande’ [terra inferior] stammt aus dem 11. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert wuchsen die Niederlande zur führenden See- und Handelsmacht heran. Die Niederlande fügen sich in die Territorialgeschichte des frühen Mittelalters mit ihren wechselnden Grenzverläufen ein. Teile des heutigen Staatsgebiets gehörten im 10. Jahrhundert zum Herzogtum Lothringen. Die geographische Bezeichnung „Niederlande“ (terra inferior) kam im 11. Jahrhundert auf. [...] Im 17. Jahrhundert wuchsen die Niederlande zur führenden See- und Handelsmacht heran.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[75.] Cbr/Fragment 059 32

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 59, Zeilen: 32-34
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 122, 123, Zeilen: 122: letzte Zeile; 123: 1 ff.
Besonders im Vergleich stellt sich die Frage, inwieweit die gegenläufigen Tendenzen im territorial mangement [sic] - hier verbesserter Zugang, dort Abbau bisheriger Vergünstigungen - die Bindung regionaler Akteure an das Zentrum unterschiedlich beeinflussen. Besonders im Vergleich stellt sich die

[Seite 123]

Frage, inwieweit die gegenläufigen Tendenzen im territorial management - hier verbesserter Zugang, dort Abbau bisheriger Vergünstigungen - die Bindung regionaler Wirtschaftseliten an das Zentrum unterschiedlich beeinflussen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[76.] Cbr/Fragment 060 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 60, Zeilen: 1, 36-37
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 123, Zeilen: 4 ff.
2.3.2 Regionale Identität

[...]

Die Existenz einer von der gesamtstaatlichen Identität begrenzten regionalen Identität ist eine, wenn auch nicht allein hinreichende Bedingung für regionalistische Mobilisierung.

3.4.2 Regionale Identität

Die Existenz einer von der gesamtstaatlichen Identität abgegrenzte regionale Identität ist eine, wenn auch nicht allein hinreichende, Bedingung für regionalistische Mobilisierung.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[77.] Cbr/Fragment 060 02

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 60, Zeilen: 2-35
Quelle: Weidenfeld 1999
Seite(n): 20, 21, 22, Zeilen: 20: letzter Absatz; 21: 5 ff.; 22: 1 ff.
Mit der Frage nach der Identität ist das elementare Konstruktionsprinzip moderner Gesellschaften thematisiert176. Die Vormoderne hat durch Wirkungskreise geschlossene Weltbilder eine kollektive Identität vorgegeben. Um existenzfähig zu sein, muss die moderne Gesellschaft diese kollektive Identität selbst aufbauen.

Mit der Auflösung etablierter Interpretationsordnungen für die Lebenswelt wird der Bedarf an Orientierung, an allgemeinen Umweltbeschreibungen, an gemeinsamen Zuordnungen zunehmen – als Ordnungsrahmen für die eingehenden Informationen und als Instrument zur Lokalisierung sozialer Objekte. Identitätsdefekte führen entsprechend zu Gefahren – individuell sowie kollektiv. Identität und Orientierung sind zwei Seiten einer Medaille. Mit dem hohen Maß an Mobilität, Pluralität und Differenzierung sind auch Identifikationsmöglichkeiten zerplatzt. Um mögliche Missverständnisse zu vermeiden, ist eine präzise Verortung der Ebenen von Identität notwendig. Jede Form von Identität kennt unterschiedliche Komponenten, die logischerweise auch die Frage nach Europa konstituieren:

Regionale Identität ist nichts anderes als die Herkunftseinheit aus gemeinsamer Geschichte: Herkunftsbewusstsein als konstituierendes Element von Identität. Die regionale Gegenwartskunde ist eine vom historischen Bewusstsein geprägte Kultur. Die markante Zuwendung der Menschen der Region zu ihrer Geschichte in den letzten Jahren signalisiert zugleich die Dramatik des heutigen Wandels, der im historischen Bewusstsein den Vertrautheitsschwund mit der Gegenwart kompensieren möchte. Dabei wird eine wesentliche Erfahrung vermittelt: In Krisen ging es nicht nur um die Durchsetzung neuer Lebens- und Denkformen, neuer Produktions- und Staatsordnungen, sondern auch um deren Gelingen in der Kontinuität der regionalen Identität.

Regionale Identität konstituiert sich auch aus der Erfahrung der Gegenwart. Die Spaltung der Region und ihre Überwindung ist ebenso relevant wie das Ringen und die Einbindung in ein gemeinsames Integrationssystem. Die Menschen ordnen die Welt, in der sie leben. Sie verbinden isolierte Fakten und konstruieren so ihre soziale Umwelt. Soziale und politische Ortsbestimmungen in der Gegenwart stiften Identität. Die Menschen antizipieren künftiges Handeln und beziehen so die Zukunft in die Gegenwart ein. Die Projektion der Absichten und Ziele wird zur Entscheidungshilfe und zum Auswahlkriterium für die Gegenwart. Zukunftserwartungen prägen die Identität der Region. Auf die EUREGIO angewendet bedeutet dies, der Frage nachzugehen, inwieweit es Elemente eines gemeinsamen Herkunftsbewusstseins, einer gegenwärtigen Ortsbestimmung und gemeinsamer Zielprojektionen der Menschen in der Region gibt.


176 Vgl. ausführlich dazu: Weidenfeld, W. [Hrsg.], Die Identität Europas. Fragen, Positionen, Perspektiven, München 1985.

[Seite 20]

1. Die europäische Identität

Mit der Frage nach der Identität ist das elementare Konstruktionsprinzip moderner Gesellschaften thematisiert.3 Die Vormoderne hat durch Milieu, geschlossene Weltbilder und Transzendenzbezug eine kollektive Identität vorgegeben. Um existenzfähig zu sein, muß die moderne Gesellschaft diese kollektive Identität selbst entwerfen.

[Seite 21]

Mit der Auflösung vorgefundener Interpretationsordnungen für die Lebenswelt wird der Bedarf an Orientierung, an allgemeinen Umweltbeschreibungen, an gemeinsamen Zuordnungen besonders groß - als Ordnungsrahmen für die eingehenden Informationen, als Instrument zur Lokalisierung sozialer Objekte. Identitätsdefekte führen entsprechend zu pathologischen Gefährdungen - individuell und kollektiv. Identität und Orientierung sind also zwei Seiten derselben Medaille. [...] Mit dem hohen Maß an Mobilität, Pluralität und Differenzierung sind auch Identifikationsmöglichkeiten zerbrochen. [...]

Um mögliche Mißverständnisse zu vermeiden, ist eine präzise Verortung der Schichten europäischer Identität notwendig. [...] Jede Form von Identität kennt drei unterschiedliche Komponenten, die logischerweise auch die Frage nach Europa konstituieren:

Europäische Identität ist zunächst nichts anderes als die Herkunftseinheit Europas aus gemeinsamer Geschichte: Herkunftsbewußtsein als konstituierendes Element von Identität. Die europäische Gegenwartskultur ist eine vom historischen Bewußtsein geprägte Kultur. Die markante Zuwendung der Europäer zu ihrer Geschichte in den letzten Jahren signalisiert zugleich die Dramatik des heutigen Wandels, der im historischen Bewußtsein den Vertrautheitsschwund mit der Gegenwart kompensieren möchte. Dabei wird eine wesentliche Erfahrung vermittelt: In den Krisen Europas ging es nicht nur um die Durchsetzung neuer Lebens- und Denkformen, neuer Produktions- und Staatsordnungen, sondern auch um deren Gelingen in der Kontinuität der europäischen Identität.

Europäische Identität konstituiert sich auch aus der Erfahrung der Gegenwart. Die Spaltung Europas und ihre Überwindung ist ebenso relevant wie das Ringen um die Einbindung West- und Osteuropas in ein gemeinsames Integrationssystem. Die Menschen ordnen die Welt, in der sie leben. Sie verbinden isolierte Fakten und konstruieren so ihre soziale Umwelt. Soziale und politische Ortsbestimmungen in der Gegenwart stiften Identität.

Die Menschen antizipieren künftiges Handeln und beziehen so Zukunft in die Gegenwart ein. Die Projektion der Absichten und Ziele wird zur Entscheidungshil-

[Seite 22]

fe und zum Auswahlkriterium für die Gegenwart. Zukunftserwartungen prägen die Identität Europas. [...]

Auf Europa angewendet bedeutet dies, der Frage nachzugehen, inwieweit es Elemente eines gemeinsamen Herkunftsbewußtseins, einer gegenwärtigen Ortsbestimmung und gemeinsamer Zielprojektionen der Europäer gibt.

[Seite 47]

3 Vgl. dazu ausführlich Weidenfeld, Werner (Hrsg.): Die Identität Europas. Fragen, Positionen, Perspektiven, München 1985, mit zahlreichen Literaturhinweisen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[78.] Cbr/Fragment 061 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 61, Zeilen: 1-13, 16-17
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 123, Zeilen: 7 ff.
Für diese Untersuchung sind zwei Blickwinkel relevant: Zum einen ist zu fragen, wie weit das subjektive Abgrenzungsbedürfnis der regionalen Bevölkerung gegenüber der nationalen Mehrheit geht und welche Grundlage es für eine zukünftige Entwicklung bietet. Zum anderen ist für die Interessenwahrnehmung politischer Akteure wichtig, welche konkreten Inhalte mit einer solchen Identität verbunden werden. ‘Objektive’ Kriterien für Differenzen zwischen der kollektiven Identität der nationalen Mehrheit und der regionalen Bevölkerung lassen sich kaum finden. Kollektive, nationale, ethnische oder regionale Identität sind immer über einen langen Zeitraum entwickelte soziale Konstruktionen.177 Unterschiede können in spezifisch ausgeprägten, abweichenden Wertmustern, die z.B. auf religiösen Traditionen beruhen, oder in eigenen kulturellen Stilen, etwa in der Literatur oder Musik, liegen. Ethnische Abstammung hat dagegen heute nur noch symbolische Bedeutung, die aber durchaus zur Konstruktion solcher Identitäten herangezogen wird. [...]

Der Gebrauch der eigenen Sprache ist überhaupt das sichtbarste Abgrenzungskriterium.179


177 Linz, J., J., State Building and Nation Building, in: European Review, Jg. 1/1990 Nr. 4, p. 360.

[...]

179 Vgl. Abbildung 18 im Anhang der Arbeit: Niveau der Sprachkenntnisse von Niederländern und Deutschen.

Für diese Untersuchung sind zwei Gesichtspunkte relevant: Zum einen ist zu fragen, wie weit das subjektive Abgrenzungsbedürfnis der regionalen Bevölkerung gegenüber der nationalen Mehrheit geht und welche Grundlage es für Autonomiebestrebungen bietet. Zum anderen ist für die Interessenperzeption privatwirtschaftlicher Akteure wichtig, welche konkreten Inhalte mit einer solchen Identität verbunden werden. "Objektive" Kriterien für Differenzen zwischen der kollektiven Identität der nationalen Mehrheit und der regionalen Bevölkerung lassen sich kaum festmachen. Kollektive, nationale, ethnische oder regionale Identitäten sind immer über einen langen Zeitraum entwickelte soziale Konstrukte (Linz 1993: 360; Schmidtke 1996: 52).

Unterschiede können in spezifisch ausgeprägten, abweichenden Wertmustern, die z.B. auf religiösen Traditionen beruhen, oder in eigenen kulturellen Stilen, etwa in der Literatur oder Musik, liegen. Ethnische Abstammung hat dagegen heute nur noch symbolische Bedeutung, die aber durchaus zur Konstruktion solcher Identitäten herangezogen wird. [...]

Der Gebrauch einer eigenen Sprache ist überhaupt das sichtbarste Abgrenzungskriterium.


Linz, Juan J. (1993): State Building and Nation Building, in: European Review, Jg. 1, Nr. 4, 355-369.

Schmidtke, Oliver (1996): Politics of Identity. Ethnicity, Territories, and the Political Opportunity Structure in Modern Italian Society, Sinzheim.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Referenz wird mitübernommen.


[79.] Cbr/Fragment 063 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 63, Zeilen: 1-24
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 104, 143, 144, 145, Zeilen: 104: 5 ff.; 143: 1 ff.; 144: 27 ff.; 145: letzter Absatz
2.3.3 Der europäische Bezug in der regionalistischen Argumentation

Während der europäische Integrationsprozess in der Argumentation für politische Dezentralisierung im Königreich der Niederlande eine immer zentralere Stellung einnimmt, beeinflusst er in der Bundesrepublik Deutschland die Position der regionalen Akteure in der Auseinandersetzung mit dem Zentralstaat auf verschiedene Weise. Als Chance, die eigene regionale Position auszubauen, wird der europäische Kontext jedoch in erster Linie in den Niederlanden wahrgenommen. Die niederländische Regierung unterstützt den Integrationsprozess.

In den Niederlanden hat der positive Bezug zu Europa eine lange Tradition. Die niederländischen Eliten192 haben Europa seit langem als Synonym für Fortschritt und Modernität und damit als Gegensatz zur traditionellen niederländischen Introvertiertheit angesehen. Der Protektionismus der Nationalisten am Anfang dieses Jahrhunderts ist einer uneingeschränkten Unterstützung des Binnenmarktes gewichen, die von allen relevanten politischen Kräften getragen wird.193 Angesichts des europäischen Integrationsprozesses wird von verschiedenen Kräften mit einem gewachsenen Bedarf an einer eigenen Präsenz auf europäischer Ebene argumentiert. Eine ‚europäische Dimension’ beinhaltet der regionalistische Diskurs, wobei der europäische Integrationsprozess sowohl als Chance als auch als zusätzlicher Grund für politische Dezentralisierung herangezogen wird.

2.4 Regionale Interessenvertretung auf europäischer Ebene

Im niederländischen und deutschen Teilgebiet der EUREGIO stehen organisierte Interessen seit einiger Zeit neben nationalen auch regionale Wege der Interessenvertretung auf europäischer Ebene zur Verfügung. Sowohl in den Territorialministerien als auch in den autonomen Regierungen existieren mit europäischen Angelegenheiten beauftragte Abteilungen.


192 Politische Eliten bauen ihre Politik und ihr Verhalten in bezug auf Deutschland auf ihrer subjektiven Einstellung zu diesem Land auf.

193 Vgl. Keating, M., Nations against the State. The New Politics of Nationalism in Québec, Catalonia and Scotland, Houndsmills u.a.1996, p. 156.

[Seite 104]

3.2.3 Regionale Interessenvertretung auf europäischer Ebene

In allen vier Regionen stehen organisierten Interessen seit einiger Zeit neben nationalen auch regionale Kanäle der Interessenvertretung auf europäischer Ebene zur Verfügung. Sowohl in den Territorialministerien als auch in den autonomen Regierungen existieren mit europäischen Angelegenheiten befaßte Abteilungen, und alle vier Regionen verfügen über Verbindungsbüros in Brüssel.

[Seite 143]

3.4.5 Der europäische Bezug in der regionalistischen Argumentation

Während der europäische Integrationsprozeß in der Argumentation für politische Dezentralisierung im Vereinigten Königreich eine immer zentralere Stellung einnimmt, beeinflußt er in Spanien die Positionen der regionalen Akteure in der Auseinandersetzung mit dem Zentralstaat auf verschiedene Weise und vor allem in unterschiedlichem Maße. [...] Als Chance, die eigene Autonomie auszubauen, wird der europäische Kontext jedoch in erster Linie in Katalonien wahrgenommen. [...] Die autonome Regierung unterstützt den Integrationsprozeß, stellt sich aber z.B. im Fischereistreit auch gegen die europäische Politik (PP de Galicia 1994: 45). [...]

In Katalonien hat der positive Bezug zu Europa dagegen eine lange Tradition. Die katalanischen Eliten haben Europa seit langem als Synonym für Fortschritt und Modernität und damit als Gegensatz zur traditionellen spanischen Introvertiertheit angesehen (Loughlin et al. 1997). Der Protektionismus der Nationalisten am Anfang dieses Jahrhunderts ist einer uneingeschränkten Unterstützung des Binnenmarktes gewichen, die von allen relevanten politischen Kräften getragen wird (Keating 1996: 156).

[Seite 144]

Angesichts des europäischen Integrationsprozesses wird von verschiedenen Kräften mit einem gewachsenen Bedarf an einer eigenen Präsenz auf europäischer Ebene argumentiert.

[Seite 145]

Eine "europäische Dimension" beinhaltet der regionalistische Diskurs in allen Fällen, wobei in dreien der europäische Integrationsprozeß sowohl als Chance als auch als zusätzlicher Grund für politische Dezentralisierung herangezogen wird.


Keating, Michael (1996): Nations against the State. The New Politics of Nationalism in Québec, Catalonia and Scotland, Houndsmills/London/New York.

Loughlin, John/Morata, Francesc/Etherington, John/Gomez-Mataran, Neus/Mathias, Jörg (1997): Regionale Mobilisierung in Wales und Katalonien: eine vergleichende Analyse, in: Kohler-Koch, Beate (Hg.), Interaktive Politik in Europa: Regionen im Netzwerk der Integration, Opladen, i.E.

Partido Popular de Galicia (1994): Galicia Avanza. É Popular. Programa de Goberno para Galicia 1994-1997, Santiago de Compostela.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Referenz wird mitübernommen.


[80.] Cbr/Fragment 063 101

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 63, Zeilen: 101-102
Quelle: Dekker Aspeslagh 1999
Seite(n): 9, Zeilen: letzter Absatz

192 Politische Eliten bauen ihre Politik und ihr Verhalten in bezug auf Deutschland auf ihrer subjektiven Einstellung zu diesem Land auf.

Eliten

Politische Eliten bauen ihre Politik und ihr Verhalten in bezug auf Deutschland auf ihre Einstellung zu diesem Land auf.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

"Kollagenteilchen", siehe Fragment 063 01.


[81.] Cbr/Fragment 064 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 64, Zeilen: 1-11
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 104, 105, Zeilen: 104: 17 f., 20 ff.; 105: 11 f., 26 ff.
[Obwohl sich die regionalen Büros in ihrer Größe und Mitgliedschaft] unterscheiden, ähneln sich ihre Funktionen. Nirgendwo sind es reine Regierungsinstitutionen, vielmehr bieten sie auch regionalen Interessengruppen eine Operationsbasis in Brüssel. Außer in Brüssel selbst sind die regionalen Institutionen in verschiedenen interregionalen europäischen Zusammenschlüssen aktiv [z.B. ‚Vier Motoren-Initiative’]. Bisher kann weder für solche interregionalen Initiativen noch für die regionalen Verbindungsbüros gesagt werden, welchen Stellenwert sie für regionalpolitische Interessen haben. Für die empirische Untersuchung stellt sich die Frage, inwieweit die auf regionaler Ebene bestehenden Zugänge tatsächlich von ihnen genutzt werden und ob sie eine Alternative zu nationalstaatlichen darstellen. In diesem Fall könnte eine Erweiterung der Handlungsfähigkeit regionaler Institutionen auf europäischer Ebene durchaus in ihrem Interesse liegen. Obwohl sich die regionalen Büros in ihrer Größe und Mitgliedschaft unterscheiden, ähneln sich ihre Funktionen. [...] Nirgendwo sind es reine Regierungsinstitutionen, vielmehr bieten sie auch regionalen Interessengruppen eine Operationsbasis in Brüssel.

[Seite 105]

Außer in Brüssel selbst sind die regionalen Institutionen in verschiedenen interregionalen europäischen Zusammenschlüssen aktiv. [...]

Bisher kann weder für solche interregionalen Initiativen noch für die regionalen Verbindungsbüros gesagt werden, welchen Stellenwert sie für organisierte Wirtschaftsinteressen haben. Für die empirische Untersuchung stellt sich die Frage, inwieweit die auf regionaler Ebene bestehenden Zugänge tatsächlich von ihnen genutzt werden und ob sie eine Alternative zu nationalstaatlichen darstellen. In diesem Fall könnte eine Erweiterung der Handlungsfähigkeit regionaler Institutionen auf europäischer Ebene durchaus in ihrem Interesse liegen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[82.] Cbr/Fragment 064 14

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 64, Zeilen: 14-19
Quelle: Raich 1995
Seite(n): 31, Zeilen: 5 ff.
2.4.1 Europarat

Der Europarat hat sich von allen internationalen Organisationen am intensivsten mit der möglichen Rolle der Regionen und der Bedeutung ihrer grenzüberschreitenden Kontakte als Faktoren im Europäischen Integrationsprozess auseinandergesetzt.194 Im Gegensatz zur EG bemühte sich der Europarat von Anfang an besonders um die Integrationskräfte an der Basis seiner Mitgliedstaaten.


194 Vgl. die Rede der Generalsekretärin des Europarates, Cathérine Lalumière, anlässlich der Jahreshauptversammlung der Versammlung der Regionen Europas [VRE] am 5. und 6. Dezember 1990, in: VRE [Hrsg.], Protokoll der ordentlichen und außerordentlichen Hauptversammlung, Straßburg 5./6.12.1990.

1. Europarat

Der Europarat hat sich von allen internationalen Organisationen am intensivsten mit der möglichen Rolle der Regionen und Kommunen und der Bedeutung ihrer grenzüberschreitenden Kontakte als Faktoren im Europäischen Integrationsprozeß auseinandergesetzt.56 Im Gegensatz zur EG, die die anvisierten Ziele der Errichtung eines Gemeinsamen Binnenmarktes sowie die Schaffung einer Politischen Union zusammen mit einer Wirtschafts- und Währungsunion zunächst primär in einem Einigungsprozeß auf höchster politischer Ebene zu verwirklichen suchte, bemühte sich der Europarat von Anfang an besonders um die Integrationskräfte an der Basis seiner Mitgliedstaaten.57


56 Vgl. die Rede der Generalsekretärin des Europarats, Cathérine Lalumière, anläßlich der Jahreshauptversammlung der Versammlung der Regionen Europas (VRE) am 5. und 6. Dezember 1990 in Straßburg, in: VRE (Hrsg.): Protokoll der ordentlichen und außerordentlichen Hauptversammlung, Straßburg 5./6.12.1990.

57 Vgl. Beyerlin (1988), a.a.O.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Referenz wird mitübernommen.


[83.] Cbr/Fragment 065 01

KomplettPlagiat
Untersuchte Arbeit:
Seite: 65, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Raich 1995
Seite(n): 31, 32, 33, Zeilen: 31: 21 ff.; 32: 1 ff.; 33: 1 ff.
Der Erfolg des Integrationsprozesses hängt zu einem Großteil davon ab, ob und auf welche Weise er von den europäischen Bürgern selbst – mittels demokratisch legitimierter Vertreter – aktiv mitgetragen wird. Dem [sic] Europarat, dem die Verbesserung der Lebensverhältnisse an Grenzen sowie eine wirtschaftliche Entwicklung in den Grenzregionen seit seiner Gründung ein besonderes Anliegen war, setzte sich daher bereits frühzeitig für die grenzüberschreitenden Regionen und deren die Staatsgrenzen übergreifende Kooperationsbemühungen ein.195 Schon bald erkannte er grenzüberschreitende Kooperationsformen als integrationsfördernde Instrumente an und setzte sich deren Unterstützung und Intensivierung zum Ziel. Außerdem gaben die Erörterung von Problemen der subnationalen Gebietskörperschaften in den Grenzgebieten den Ausschlag für seine Entscheidung, diesen dezentralen Einheiten schon in den 50er Jahren ein Mitspracherecht auf supranationaler Ebene196 zu gewähren. Mit der Ausarbeitung und Verabschiedung eines europäischen Rahmenübereinkommens über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften Anfang der 80er Jahre sowie einer Europäischen Charta der kommunalen Selbstverwaltung Ende der 80er Jahre ist man diesem Ziel nähergekommen. Beide Vertragswerke sollen deshalb im Folgenden Eingang in die Betrachtung finden.

2.4.1.1 Das Europäische Rahmenübereinkommen über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften

Den bisherigen Höhepunkt der Aktivitäten des Europarates auf dem Gebiet der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bildet das Rahmenübereinkommen, welches am 21. Mai 1980 anlässlich der vierten europäischen Kommunalministerkonferenz in Madrid unterzeichnet wurde sowie dessen Ergänzung durch ein Zusatzabkommen aus dem Jahre 1991.197 Dieses Rahmenübereinkommen ist das Ergebnis eines langjährigen Entstehungsprozesses, der bereits Mitte der 60er Jahre seinen Ausgangspunkt nahm:198 Damals wurde auf Initiative der parlamentarischen Versammlung des Europarates ein Entwurf einer „Konvention über die europäische Zusammenarbeit lokaler Körperschaften“ erarbeitet, demzufolge Kommunen u.a. die Möglichkeit haben sollten, grenzüberschreitend Abstimmungsgruppen zu bilden, Verträge abzuschließen sowie Vereinigungen und [Verbände gründen zu können.199]


195 Vgl. Ahrend, K., Europa von innen entwickeln. Konvention des Europarates zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, in: Das Parlament vom 21./28.1.1984, S. 2.

196 Zur Verdeutlichung: Innerhalb des Europarates vollzieht sich die Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen: Auf der parlamentarischen Ebene [Parlamentarische Versammlung und ihre Ausschüsse], auf Regierungsebene [Ministerkomitee und seine Ausschüsse], auf Ministerebene [europäische Konferenz der Raumordnungsminister und Konferenz der europäischen Minister für kommunale Fragen] sowie auf regionaler und kommunaler Ebene [Europakonferenz der Gemeinden und Regionen].

197 Vgl. Conseil de L’Europe [Hrsg.]: Convention – Cadre Européene sur la coopération transfrontalière ou territoriales. Texte de la Convention et documents complemémentaires, Strasbourg 1991. Sowie Decaux, E., La Convention-cadre européene sur la coopération transfrontalière des collectivités ou des autorités locales, dans: Revue Générale de Droit International Public, tome LXXXVIII/1984, p. 557-615.

198 Zur Entstehungsgeschichte des Rahmenübereinkommens siehe ausführlich Beyerlin, U., Rechtsprobleme der lokalen und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, Berlin u.a. 1988.

199 Vgl. Oehm, M., Rechtsprobleme Staatsgrenzen überschreitender interkommunaler Zusammenarbeit, Münster 1982.

[Seite 31]

Der Erfolg des Integrationsprozesses hängt demnach einerseits zu einem Großteil davon ab, ob und auf welche Weise er von den europäischen Bürgern selbst - mittels demokratisch legitimierter Vertreter - aktiv mitgetragen wird. [...]

Der Eu-

[Seite 32]

roparat, dem die Verbesserung der Lebensverhältnisse an diesen Grenzen sowie eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung in den Grenzregionen seit seiner Gründung ein besonderes Anliegen war, setzte sich daher bereits frühzeitig für die grenzüberschreitenden Regionen und deren Staatsgrenzen übergreifende Kooperationsbemühungen ein.59 Schon bald erkannte er grenzüberschreitende Kooperationsformen als integrationsfördernde Instrumente an und setzte sich deren Unterstützung und Intensivierung zum Ziel. Des weiteren gaben die Erörterung von Problemen der subnationalen Gebietskörperschaften in den Grenzgebieten den Ausschlag für seine Entscheidung, diesen dezentralen Einheiten schon in den 50er Jahren ein Mitspracherecht auf supranationaler Ebene60 zu gewähren.61

[...]

Mit der Ausarbeitung und Verabschiedung eines Europäischen Rahmenübereinkommens über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften Anfang der 80er Jahre sowie einer Europäischen Charta der kommunalen Selbstverwaltung Ende der 80er Jahre ist man diesem Ziel ein beachtliches Stück nähergekommen. Beide Vertragswerke sollen deshalb im folgenden Eingang in die Betrachtung finden.


59 Vgl. Ahrens, Karl: Europa von innen entwickeln. Konvention des Europarates zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, in: Das Parlament vom 21./28.01.1984, S. 2.

60 Zur Verdeutlichung: Innerhalb des Europarates vollzieht sich die Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen: Auf der parlamentarischen Ebene (Parlamentarische Versammlung und ihre Ausschüsse), auf Regierungsebene (Ministerkomitee und seine Ausschüsse), auf Ministerebene (Europäische Konferenz der Raumordnungsminister und Konferenz der europäischen Minister für kommunale Fragen) sowie auf regionaler und kommunaler Ebene (Europakonferenz der Gemeinden und Regionen). Vgl. Bleicher, a.a.O.

61 Vgl. Locatelli, Rinaldo: La décentralisation de la coopération transfrontalière en Europe. La mise en oeuvre de la Convention cadre européenne sur la coopération transfrontalière des collectivités ou autorités territoriales, dans: Pouvoirs, no 19/1981, pp. 59-66.

[Seite 33]

1.1 Das Europäische Rahmenübereinkommen über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften

Den bisherigen Höhepunkt der Aktivitäten des Europarates auf dem Gebiet der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen regionalen und lokalen Gebietskörperschaften bildet das Rahmenübereinkommen, welches am 21. Mai 1980 anläßlich der vierten Europäischen Kommunalministerkonferenz in Madrid unterzeichnet wurde. Dieses Rahmenübereinkommen ist das Ergebnis eines langjährigen Entstehungsprozesses, der bereits Mitte der 60er Jahre seinen Anfang nahm:63 Damals wurde auf Initiative der Parlamentarischen Versammlung des Europarates ein Entwurf einer "Konvention über die europäische Zusammenarbeit lokaler Körperschaften" erarbeitet, demzufolge Kommunen u. a. die Möglichkeit haben sollten, grenzüberschreitend Abstimmungsgruppen zu bilden, Verträge abzuschließen sowie Vereinigungen und Verbände gründen zu können.64


63 Zur Entstehungsgeschichte des Rahmenübereinkommens siehe ausführlich Beyerlin (1988), a.a.O.; Decaux, Emmanuel: La Convention-cadre européenne sur la coopération transfrontalière des collectivités ou des autorités locales, dans: Revue Générale de Droit International Public, Tome LXXXVIII 1984, pp. 557-615.

64 Vgl. Oehm, a.a.O.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Referenzen werden mitübernommen.


[84.] Cbr/Fragment 066 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 66, Zeilen: 1-2, 23-33
Quelle: Raich 1995
Seite(n): 33, 34, 37, Zeilen: 33: 13 ff.; 34: 4 ff.; 37: 4 ff.
Dieser Entwurf fand jedoch aufgrund verfassungsrechtlicher Bedenken einiger Mitgliedstaaten im Ministerkomitee keine Zustimmung.

[...]

2.4.1.2 Die Europäische Charta der kommunalen Selbstverwaltung

Die Europäische Charta der kommunalen Selbstverwaltung [EKC] geht auf eine Empfehlung der Ständigen Konferenz der Gemeinden und Regionen aus dem Jahr 1981 zurück. Erste Initiativen zu ihrer Entstehung wurden jedoch bereits in den 50er Jahren seitens des Rates der Gemeinden Europas [RGE] ergriffen. Im Vergleich zur Entstehungsgeschichte des Europäische [sic] Rahmenübereinkommens führten auch im Falle der EKC gegensätzliche Meinungen im Ministerkomitee des Europarates, welche aus den beträchtlichen Unterschieden in den verfassungsrechtlichen und administrativen Strukturen der einzelnen Mitgliedstaaten beruhten, zu einem langjährigen Verhandlungsprozess.202 Erst Ende der 70er Jahre konnte nach umfangreichen Vorarbeiten ein allgemein flexibel formulierter und in ‚kompromissermöglichender’ Form konzipierter Entwurf einer EKC [vorgelegt werden.]


202 Vgl. zur Entstehungsgeschichte der EKC, Knemeyer, F.-J., Die Europäische Charta der kommunalen Selbstverwaltung, in: DÖV, Heft 23/1988, S. 997-1002.

[Seite 33]

Dieser Entwurf fand jedoch aufgrund verfassungsrechtlicher Bedenken einiger Mitgliedstaaten im Ministerkomitee keine Zustimmung.

[Seite 34]

1.1.1 Inhalt

Das Europäische Vertragswerk setzt sich aus zwei Teilen zusammen:67

Teil I der Konvention, der das eigentliche Rahmenübereinkommen darstellt, nennt als Ziel, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf dezentraler Ebene so weit wie möglich zu fördern und "zum wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt der Grenzgebiete und zum Zusammengehörigkeitsgefühl der Völker Europas beizutragen" (Präambel).


67 Der gesamte Vertragstext samt Anhang ist abgedruckt bei Beyerlin, a.a.O., S. 474-500.

[Seite 37]

1.2 Die Europäische Charta der kommunalen Selbstverwaltung

Die Europäische Charta der kommunalen Selbstverwaltung (EKC) geht auf eine Empfehlung der Ständigen Konferenz der Gemeinden und Regionen von 1981 zurück. Erste Initiativen zu ihrer Entstehung wurden jedoch bereits in den 50er Jahren seitens des Rates der Gemeinden Europas (RGE)78 ergriffen. Im Vergleich zur Entstehungsgeschichte des Europäischen Rahmenübereinkommens führten auch im Falle der EKC gegensätzliche Meinungen im Ministerkomitee des Europarates, welche aus den beträchtlichen Unterschieden in den verfassungsrechtlichen und administrativen Strukturen der einzelnen Mitgliedstaaten herrührten, zu einem langjährigen Verhandlungsprozeß.79

Erst Ende der 70er Jahre konnte nach umfangreichen Vorarbeiten ein allgemein flexibel formulierter und in kompromißermöglichender Form konzipierter Entwurf einer EKC vorgelegt werden.


78 Der RGE wurde 1951 als übernationaler Verband der Kommunen ins Leben gerufen und 1984 in Rat der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) umbenannt. Als Dachorganisation der europäischen Kommunen gehören zu seinen Aufgaben u. a. die Förderung der europäischen Städtepartnerschaften, die Sicherung des kommunalen Dialogs mit den europäischen Institutionen sowie die Koordination des europäischen kommunalen Erfahrungsaustausches. Vgl. Mombaur, Peter Michael/Lennep, Hans Gerd von: Deutsche kommunale Selbstverwaltung und die Europäischen Gemeinschaften, in: Städte- und Gemeindebund, 5/1988, S. 167-174.

79 Vgl. zur Entstehungsgeschichte der EKC Knemeyer, Franz-Ludwig: Die Europäische Charta der kommunalen Selbstverwaltung, in: DÖV, Heft 23/1988, S. 997-1002.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[85.] Cbr/Fragment 066 02

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 66, Zeilen: 2-26
Quelle: Student 2000
Seite(n): 91, 92, Zeilen: 91: 7 ff.; 92: 1 ff.
Das Rahmenübereinkommen nennt in seiner Präambel als Ziel, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der substaatlichen Ebenen zu fördern sowie zum wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt der Grenzgebiete und zum Zusammengehörigkeitsgefühl der Völker Europas beizutragen. Hintergrund der Konvention waren die bereits beschriebenen rechtlichen Probleme bei der Schaffung eines organisierten Rahmens für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die eine auf beiden Seiten der Grenze gültige Rechtspersönlichkeit verhinderten.

Durch das Rahmenübereinkommen selbst werden keine neuen Kompetenzen für die regionalen und lokalen Gebietskörperschaften und auch keine Rechtsgrundlagen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit geschaffen, sondern lediglich ein rechtlicher und organisatorischer Bezugsrahmen bereitgestellt, der von den einzelnen Mitgliedstaaten ausgefüllt werden kann. Das 1991 abgeschlossenen Zusatzabkommen versucht den Anwendungsbereich des Abkommens zu erweitern und die Anerkennung der Rechtspersönlichkeit der grenzüberschreitenden Institutionen im innerstaatlichen Recht zu erleichtern. Viele Europaratsstaaten haben mittlerweile das Rahmenübereinkommen ratifiziert. Die damit verbundenen Hoffnungen für die grenzüberschreitende Kooperation konnten sich indes nur zum Teil erfüllen. Die Schwäche des Abkommens resultiert vor allem aus den geringen und zudem sehr allgemein formulierten rechtlichen Verpflichtungen der Unterzeichnerstaaten200 sowie aus der ausdrücklichen Anerkennung des innerstaatlichen Verfassungsrechts.201

2.4.1.2 Die Europäische Charta der kommunalen Selbstverwaltung

Die Europäische Charta der kommunalen Selbstverwaltung [EKC] geht auf eine Empfehlung der Ständigen Konferenz der Gemeinden und Regionen aus dem Jahr 1981 zurück.


200 So enthält der Vertrag diverse Vorbehaltsklauseln als Zugeständnisse an die zentralistischen Staaten. Vgl. hierzu Beyerlin, Rechtsprobleme, a.a.O., S. 474-500.

201 Vgl. Hummer, W. und Bohr, S., Die Rolle der Regionen im Europa der Zukunft, in: Eisenmann, P. und Rill, B., [Hrsg.], Das Europa der Zukunft, Regensburg 1992, S. 65-101.

Das Rahmenabkommen nennt in seiner Präambel als Ziel, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der substaatlichen Ebenen zu fördern sowie zum wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt der Grenzgebiete und zum Zusammengehörigkeitsgefühl der Völker Europas beizutragen. Hintergrund der Konvention waren die bereits beschriebenen rechtlichen Probleme bei der Schaffung eines organisatorischen Rahmens für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die eine auf beiden Seiten der Grenze gültige Rechtspersönlichkeit verhinderten. [...]

Durch das Rahmenabkommen selbst werden keine neuen Kompetenzen für die regionalen und lokalen Gebietskörperschaften und auch keine Rechtsgrundlagen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit geschaffen, sondern lediglich ein rechtlicher und organisatorischer Bezugsrahmen bereitgestellt, der von den einzelnen Mitgliedstaaten ausgefüllt werden kann. Das 1991 abgeschlossene Zusatzabkommen versucht den Anwendungsbereich des Abkommens noch zu erweitern und die Anerkennung der Rechtspersönlichkeit der grenzüberschreitenden Institutionen im innerstaatlichen Recht zu erleichtern. Viele Europaratsstaaten haben mittlerweile das Rahmenabkommen ratifiziert.

[Seite 92]

Die damit verbundenen Hoffnungen für die grenzüberschreitende Kooperation konnten sich indes nur zum Teil erfüllen. Die Schwäche des Abkommens resultiert vor allem aus den geringen und zudem sehr allgemein formulierten rechtlichen Verpflichtungen der Unterzeichnerstaaten89 sowie der ausdrücklichen Anerkennung des innerstaatlichen Verfassungsrechts.90

[...]

c) Die Europäische Charta der lokalen Selbstverwaltung

Eine weitere wichtige Initiative des Europarats zur Förderung der grenzüberschreitenden (kommunalen) Zusammenarbeit stellt die „Europäische Charta der kommunalen Selbstverwaltung“ (EKC) dar. Die EKC, auf eine Empfehlung der Ständigen Konferenz der Gemeinden und Regionen aus dem Jahr 1981 zurückgehend und seit dem 1. September 1988 in Kraft, versucht vor allem die Rechtsstellung kommunaler Gebietskörperschaften im innerstaatlichen Bereich zu normieren und die kommunale Selbstverwaltung sicherzustellen.92


89 So enthält der Vertrag diverse Vorbehaltsklauseln als Zugeständnisse an die zentralistischen Staaten. Vgl. hierzu Beyerlin, U.: Rechtsprobleme der lokalen und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, Berlin u.a. 1988, S. 474-500.

90 Vgl. Hummer / Bohr, a.a.O.

92 Die Charta wurde bis Ende 1991 von 15 der 21 Europaratsstaaten unterzeichnet, jedoch nur von sechs Staaten ratifiziert. Vgl. hierzu Faber, A.: Die Zukunft kommunaler Sebstverwaltung [sic] und der Gedanke der Subsidiarität in den Europäischen Gemeinschaften, in: Deutsches Verwaltungsblatt, 15.10.91, S. 1126-1135.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Referenzen werden mitübernommen.


[86.] Cbr/Fragment 067 01

KomplettPlagiat
Untersuchte Arbeit:
Seite: 67, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Raich 1995
Seite(n): 37, 38, 39, 40, Zeilen: 37: 16 ff.; 38: 1 ff.; 39: 16 ff.; 40: 11 ff.
Dieser wurde auf Beschluss der fünften Europäischen Kommunalministerkonferenz 1982 in Lugano gebilligt, vom Lenkungsausschuss für kommunale und regionale Angelegenheiten des Europarates weiter ausgearbeitet und 1985 auf Beschluss des Ministerkomitees den Europaratsstaaten zur Unterzeichnung vorgelegt. 1987 wurde die EKC dann von den ersten Staaten ratifiziert und trat daraufhin am 1.9.1988 in Kraft. Sie stellt den ersten völkerrechtlichen Vertrag zwischen europäischen Staaten dar, der das Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung in Form einer Konvention absichert. Zudem wird sie heute von ihrer politischen Bedeutung her neben der Europäischen Menschenrechtskonvention, der Europäischen Sozialcharta und dem Europäischen Kulturabkommen als vierten Pfeiler des Europarates betrachtet.

In ihrer Präambel bezeichnet die EKC kommunale Gebietskörperschaften als „eine der wesentlichen Grundlagen jeder demokratischen Staatsform“, da auf kommunaler Ebene das allen Europaratsstaaten gemeinsame Recht der Bürger auf Mitwirkung an den öffentlichen Angelegenheiten als demokratisches Prinzip am unmittelbarsten ausgeübt werden kann. Zudem hebt sie die Bedeutung der kommunalen Selbstverwaltung für eine „wirkungsvolle und bürgernahe Verwaltung“ hervor, deren Schutz und Stärkung „in den verschiedenen europäischen Staaten einen wichtigen Beitrag zum Aufbau eines Europas darstellen, das sich auf die Grundsätze der Demokratie und der Dezentralisierung der Macht gründet.“ Der Wortlaut der Präambel ist demnach geprägt von der Idee eines ‚Europa der Bürger’ sowie des Aufbaus der Demokratie bottom-up.

Neben den Normierungen zur Rechtstellung [sic] kommunaler Gebietskörperschaften im innerstaatlichen Bereich sowie zur Sicherung der kommunalen Selbstverwaltung in Europa, welche den inhaltlichen Schwerpunkt der EKC bilden, stellt dieser Vertragstext eine Fortsetzung der Bemühungen des Europarates um eine Aufwertung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit regionaler und lokaler Gebietskörperschaften in Europa dar. Eine EG-weit einheitlich verbindliche Regelung zur Förderung und Intensivierung der grenzüberschreitenden Kooperation – wie in Art. 10 EKC enthalten – lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Bislang ist die EKC lediglich für die Vertragsstaaten des Europarates verbindlich, nicht jedoch für alle Mitgliedstaaten der EG.203 Unter integrationspolitischen Gesichtspunkten sind die Ausarbeitung und Ratifizierung des Europäischen Rahmenübereinkommens und der Europäischen Kommunalcharta in dreierlei Hinsicht für die Stellung der Regionen und Kommunen in Europa sowie deren grenzüberschreitende Kooperationsformen im Integrationsprozess von Bedeutung:

• Es waren bei der Ausarbeitung beider Vertragswerke Vertreter der regionalen und lokalen Gebietskörperschaften mittels eigens für sie geschaffener Organe bereits frühzeitig direkt am Prozess der Politikformulierung beteiligt.204


203 Völkerrechtliche Verträge – zu denen, wie bereits erwähnt, die EKC zählt - binden grundsätzlich nur die Unterzeichnerstaaten.

204 So hat beispielsweise bei der Erarbeitung der Rahmenkonvention der Bundesinnenminister die deutschen Interessen vertreten und in allen Verhandlungsphasen die Innenminister der Bundesländer, die kommunalen [Spitzenverbände und die deutschen Sektionen der internationalen Kommunalverbände beteiligt. Alle haben dabei der Konvention zugestimmt.]

Dieser wurde auf Beschluß der fünften Europäischen Kommunalministerkonferenz 1982 in Lugano gebilligt, vom Lenkungsausschuß für kommunale und regionale Angelegenheiten des Europarates weiter ausgearbeitet und 1985 auf Beschluß des Ministerkomitees den Europaratsstaaten zur Unterzeichnung vorgelegt. 1987 wurde die EKC dann von den ersten Staaten ratifiziert und trat daraufhin am 1. September 1988 in Kraft.80 Sie stellt den ersten völkerrechtlichen Vertrag zwischen europäischen Staaten dar, der das Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung in Form einer Konvention absichert.81 Zudem wird sie heute von ihrer politischen Bedeutung her neben der Europäischen Menschenrechtskonvention, der Europäischen

80 Bis Ende 1991 wurde die Charta von 15 der 21 Europaratsstaaten unterzeichnet, jedoch lediglich von 6 Staaten ratifiziert, darunter Deutschland, Luxemburg und Spanien. Vgl. Faber, Angela: Die Zukunft kommunaler Selbstverwaltung und der Gedanke der Subsidiarität in den Europäischen Gemeinschaften, in: DVBl. vom 15.10.1991, S. 1126-1135.

81 Vgl. ebda.

[Seite 38]

Sozialcharta und dem Europäischen Kulturabkommen als der vierte Pfeiler des Europarates betrachtet.82

1.2.1 Inhalt

In ihrer Präambel bezeichnet die EKC83 kommunale Gebietskörperschaften als "eine der wesentlichen Grundlagen jeder demokratischen Staatsform", da auf kommunaler Ebene das allen Europaratsstaaten gemeinsame Recht der Bürger auf Mitwirkung an den öffentlichen Angelegenheiten als demokratisches Prinzip am unmittelbarsten ausgeübt werden kann. Zudem hebt sie die Bedeutung der kommunalen Selbstverwaltung für eine "wirkungsvolle und bürgernahe Verwaltung" hervor, deren Schutz und Stärkung "in den verschiedenen europäischen Staaten einen wichtigen Beitrag zum Aufbau eines Europas darstellen, das sich auf die Grundsätze der Demokratie und der Dezentralisierung der Macht gründet." Der Wortlaut der Präambel ist demnach geprägt von der Idee eines "Europa der Bürger" sowie des Aufbaus der Demokratie "von unten nach oben".84


82 Vgl. Spautz, Jean: Die Stellung der Kommunen im europäischen Einigungswerk, in: Knemeyer, Franz-Ludwig (Hrsg.): Die Europäische Charta der kommunalen Selbstverwaltung. Entstehung und Bedeutung. Länderberichte und Analysen, Baden-Baden 1989, S. 11-21.

83 Abgedruckt in BR-Drs. 343/86, S. 5-15.

84 Vgl. Blanke, Hermann-Josef: Die kommunale Selbstverwaltung im Zuge fortschreitender Integration. Aspekte nationaler und supranationaler Verfassungsentwicklung, in: DVBl., Heft 8/1993, S. 819-832, hier S. 819.

[Seite 39]

1.2.2 Bedeutung für die grenzüberschreitende Praxis

Neben den Normierungen zur Rechtsstellung kommunaler Gebietskörperschaften im innerstaatlichen Bereich sowie zur Sicherung der kommunalen Selbstverwaltung in Europa, welche den inhaltlichen Schwerpunkt der EKC bilden, stellt dieser Vertragstext eine Fortsetzung der Bemühungen des Europarates um eine Aufwertung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit regionaler und lokaler Gebietskörperschaften in Europa dar. Eine EG-weit einheitliche verbindliche Regelung zur Förderung und Intensivierung der grenzüberschreitenden Kooperation - wie in Art. 10 EKC enthalten - läßt sich daraus jedoch nicht ableiten. Denn: Bislang ist die EKC lediglich für die Vertragsstaaten des Europarates verbindlich, nicht jedoch für alle zwölf Mitgliedstaaten der EG.89


89 Völkerrechtliche Verträge - zu denen, wie bereits erwähnt, die EKC zählt - binden grundsätzlich nur die Unterzeichnerstaaten. Vgl. Faber, a.a.O.

[Seite 40]

Unter integrationspolitischen Gesichtspunkten sind die Ausarbeitung und Ratifizierung des Europäischen Rahmenübereinkommens und der Europäischen Kommunalcharta in dreierlei Hinsicht für die Stellung der Regionen und Kommunen in Europa sowie deren grenzüberschreitende Kooperationsformen im Integrationsprozeß von Bedeutung: Erstens waren bei der Ausarbeitung beider Vertragswerke Vertreter der regionalen und lokalen Gebietskörperschaften mittels eigens für sie geschaffener Organe bereits frühzeitig direkt am Prozeß der Politikformulierung beteiligt.94


94 So hat beispielsweise bei der Erarbeitung der Rahmenkonvention der Bundesinnenminister die deutschen Interessen vertreten und in allen Verhandlungsphasen die Innenminister der Bundesländer, die kommunalen Spitzenverbände und die deutschen Sektionen der internationalen Kommunalverbände beteiligt. Alle haben dabei der Konvention zugestimmt. Vgl. Bosenius, Udo: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Europäisches Rahmenübereinkommen über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften, in: der landkreis 2/1981, S. 112-114.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[87.] Cbr/Fragment 068 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 68, Zeilen: 1-20
Quelle: Raich 1995
Seite(n): 40, 41, Zeilen: 40, 18 ff.; 41: 1 ff.
• In beiden Fällen ermöglichten auf Konsens ausgerichtete Formulierungen, die dennoch einen gewissen rechtlichen Gestaltungs- und Handlungsrahmen vorgaben, die aktive Miteinbeziehung auch von zentralistisch strukturierten Europaratsstaaten in den Verhandlungsprozess.

• Von besonderer Bedeutung ist, dass beide Konventionen der anvisierten Förderung und Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von regionalen und lokalen Gebietskörperschaften wichtige Impulse gaben. So diente die Madrider Konvention als Modell für Veränderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen in mehreren Unterzeichnerstaaten, speziell für die Ausarbeitung des Staatsvertrages über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Niederlanden, welcher wiederum für andere grenzüberschreitende Kooperationsformen als Vorbild fungiert.

Insofern bedeuten das Rahmenübereinkommen sowie die EKC einen Fortschritt in Richtung auf das Ziel der Aufwertung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Regionen und Kommunen im Europäischen Integrationsprozess. Der lange Weg zu diesem Ziel verdeutlicht jedoch auch hier: Ergebnisse können nur langsam erzielt werden. Jetzt kommt es darauf an, die in den Vertragswerken enthaltenen Verbesserungen und Anregungen zu nutzen. Diese Aufgabe kommt hauptsächlich den Regionen und Kommunen zu und wird in vielfältiger Weise bereits heute innerhalb der bestehenden grenzüberschreitenden und interregionalen Kooperationsformen wahrgenommen.

Dabei ermöglichten zweitens in beiden Fällen auf Konsens ausgerichtete Formulierungen, die dennoch einen gewissen rechtlichen Gestaltungs- und Handlungsrahmen Vorgaben, die aktive Miteinbeziehung auch von zentralistisch strukturierten Europaratsstaaten in den Verhandlungsprozeß.

Von besonderer Bedeutung aber ist drittens, daß beide Konventionen der anvisierten Förderung und Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von regionalen und lokalen Gebietskörperschaften wichtige Impulse gaben. So diente die Madrider Konvention als Modell für eine Reihe von Veränderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen in mehreren Unterzeichnerstaaten, namentlich für die Ausarbeitung des Staatsvertrages über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Niederlanden, welcher wiederum für andere grenzüberschreitende Kooperationsformen als Vorbild fungiert (vgl. Teil D, Fallbeispiel 2, Kap. 7).

[Seite 41]

Insofern bedeuten das Rahmenübereinkommen wie die EKC einen Fortschritt in Richtung auf das Ziel der Aufwertung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Regionen und Kommunen im Europäischen Integrationsprozeß. Der lange Weg zu diesem Ziel verdeutlicht jedoch auch hier: Ergebnisse können nur langsam, in "kleinen Schritten" erzielt werden. Jetzt kommt es darauf an, die in den Vertragswerken enthaltenen Verbesserungen und Anregungen zu nutzen. Diese Aufgabe kommt hauptsächlich den Regionen und Kommunen zu und wird in vielfältiger Weise bereits heute innerhalb der bestehenden grenzüberschreitenden und interregionalen Kooperationsformen wahrgenommen (vgl. Teil D).

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[88.] Cbr/Fragment 068 22

KomplettPlagiat
Untersuchte Arbeit:
Seite: 68, Zeilen: 22-35
Quelle: Student 2000
Seite(n): 93, Zeilen: 12 ff.
[2.4.2 Europäische Union und Europäisches Parlament]

Während der Europarat bereits frühzeitig wichtige Impulse für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Regionen geben konnte, gelang dies der EG erst in den späten 80er Jahren.205 Entscheidend für das späte Engagement der Gemeinschaft bzw. Union war deren ‚Regionenblindheit’ und damit die Wahrnehmung der regionalen und lokalen Ebene lediglich als dezentrale Planungsgröße und nicht, wie beim Europarat, als aktive Akteure im politischen Prozess. Die Kommission beschränkte sich zudem nicht nur auf ihre eigene Tatenlosigkeit, sie verhinderte in den 70er und 80er Jahren auch zahlreiche durch das Europäische Parlament entwickelte Initiativen zugunsten der öffentlich-rechtlichen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Die prägnantesten Beispiele sind der Gerlach-Bericht von 1976, in dem die Kommission aufgefordert wird, die Bildung sogenannter Euroverbände zu ermöglichen, der Boot-Bericht aus dem Jahre 1983, der Vorschläge für die Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit unterbreitet [u.a. Beitritt der EG zum Rahmenabkommen des Europarates] sowie der Poetschki-Bericht von 1986, der eine Richtlinie über den gleichen Zugang aller Regionen zu Informationen und [Einspruchsverfahren bezüglich grenzüberschreitender Zusammenarbeit forderte.206]


205 Vgl. Sänger, R., Interregionale Zusammenarbeit in der Europäischen Union. Aussagen und Stellungnahmen der bedeutendsten Europäischen Institutionen und Organe, in: Interregiones, 6/1997 S. 56f.

206 Vgl. Gabbe, J., Institutionelle Aspekte der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, in: Akademie für Raumforschung und Landesplanung [Hrsg.]: Grenzüberschreitende Raumplanung, [Forschungs- und Sitzungsberichte 1988], Hannover 1992, S. 182f.

Während der Europarat bereits frühzeitig wichtige Impulse für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Regionen geben konnte, gelang dies der EG erst in den späten 80er Jahren.95 Entscheidend für das sehr späte Engagement der Gemeinschaft war deren „Regionenblindheit“ und damit die Wahrnehmung der regionalen und lokalen Ebene lediglich als dezentrale Planungsgröße und nicht, wie beim Europarat, als aktive Akteure im politischen Prozeß. Die Kommission beschränkte sich zudem nicht nur auf ihre eigene Tatenlosigkeit, sie verhinderte in den 70er und 80er Jahren auch zahlreiche durch das Europäische Parlament entwickelte Initiativen zugunsten der öffentlich-rechtlichen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Die prägnantesten Beispiele sind der Gerlach-Bericht von 1976, in dem die Kommission aufgefordert wird, die Bildung sogenannter Euroverbände zu ermöglichen, der Boot-Bericht aus dem Jahr 1983, der Vorschläge für die Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit unterbreitet (u.a. Beitritt der EG zum Rahmenabkommen des Europarats) sowie der Poetschki-Bericht von 1986, der eine Richtlinie über den gleichen Zugang aller Regionen zu Informationen und Einspruchsverfahren bezüglich grenzüberschreitender Zusammenarbeit forderte.96

95 Eine allgemeine Förderung der Grenzregionen durch die EG fand allerdings schon vorher statt. Hier sei insbesondere an die bis in die 60er Jahre zurückreichende und 1975 mit der Schaffung des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung endgültig etablierte gemeinschaftliche Regionalpolitik verwiesen. Vgl. hierzu auch Kapitel 1.3.: Die supranationale Regionalpolitik der EU.

96 Vgl. Gabbe 1992, a.a.O., S. 182 f.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Referenzen werden mitübernommen.


[89.] Cbr/Fragment 069 01

KomplettPlagiat
Untersuchte Arbeit:
Seite: 69, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Student 2000
Seite(n): 93, 94, Zeilen: 93: letzter Absatz; 94: 1 ff.
Dem Europäischen Parlament gelang es deshalb erst mit der 1988 im Anhang der Gemeinschaftscharta der Regionalisierung verabschiedeten „Entschließung zur Regionalpolitik der Gemeinschaft und zur Rolle der Regionen“,207 einen konkreten Beitrag für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu leisten. Das primäre Ziel der Charta ist die Unterstützung bereits bestehender Regionalisierungstendenzen sowie die Förderung weiterer Dezentralisierungsbestrebungen. Für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist die Entschließung insbesondere deshalb bedeutsam, da sie die EG-Mitgliedstaaten zur Unterstützung der Kooperation zwischen regionalen Behörden verpflichtet und die Institutionalisierung eines eigenständigen Instrumentariums Information, Planung und Durchführung fordert.208 Die Kommission hingegen änderte ihre ‚regionenfeindliche Haltung’ erst im Zuge der Implementation einer gemeinschaftlichen Regionalpolitik. Ein wichtiger Schritt war der 1988 geschaffenen [sic] „Beirat der regionalen und lokalen Gebietskörperschaften“, der Vorläufer des heutigen Ausschusses der Regionen.209 Dieser Beirat, bestehend aus den regionalen und kommunalen Körperschaften der Mitgliedstaaten [insgesamt 42 gewählte Repräsentanten], war innerhalb der Gemeinschaft das erste eigenständige Repräsentationsorgan substaatlicher Akteure auf der europäischen Ebene.

Am Ende der 80er Jahre begann die Kommission schließlich, die grenzüberschreitende Kooperation als einen strategischen Baustein in Europa anzusehen. „Die Strategie der EG-Kommission bei der Eroberung des neuen Politikfeldes Raumordnung ist unschwer zu erkennen. Da eine formale Kompetenz für Raumordnungspolitik auf EG-Ebene bisher fehlt, knüpft die Kommission an bestehende raumrelevante Zuständigkeitsbereiche wie die Regionalpolitik, die Umweltpolitik oder die Verkehrspolitik an und argumentiert, dass die dort bestehenden Aufgaben nur durch grenzüberschreitende, europaweite räumliche Koordination befriedigend zu lösen sind. [...] Stets wird jedoch darauf geachtet, dass die Probleme und ihre räumlichen Wirkungsfelder Staatsgrenzen überschreiten, womit eine ‚natürliche’ Zuständigkeit der EG-Kommission gegeben ist.“210

Der ehemalige Kommissar für Regionalpolitik, Bruce Millan, beschreibt das Interesse der Kommission an der grenzüberschreitenden Kooperation im Wesentlichen wie folgt: “Firstly, interregional cooperation can help to achieve the Community’s cohesion objective; secondly the cooperation has a clear interest in ensuring that the regions purpuse [sic] their economic development objectives as effectively and efficiently as possible; [thirdly, the Community has a responsibility to support Member States and regions in implementing other Community policies with significant regional impacts“.211]


207 Abgedruckt in Abl.EG Nr. C 326 vom 18.11.1988, S. 296-301.

208 Nicht näher behandelt werden an dieser Stelle die Konferenzen des Europäischen Parlaments mit den Regionen der Gemeinschaft. Vgl. hierzu: Bruns-Klöß, C. und Semmelroggen, B., Die Länder in Zusammenschlüssen der Europäischen Regionen, in: Borkenhagen, F., H., U. [Hrsg.], Die deutschen Länder in Europa. Politische Union und Wirtschafts- und Währungsunion, Baden-Baden 1992, S. 199-214.

209 Vgl. Schneider, K.-H., Beirat der Kommunen und Regionen bei der Europäischen Kommission, in: Europa kommunal 1/1988, S. 6-8.

210 Sinz, M., Raumordnung in Europa. Zwischen Geodesign und Politikformulierung, in: RaumPlanung 60/1993, S. 24f.

211 Zitiert in: European Commission, Interergional and cross-border cooperation in Europe, [Regional development studies 10], Brüssel/Luxemburg 1994, p. 21.

Dem Europäischen Parlament gelang es deshalb erst mit der 1988 im Anhang der Gemeinschaftscharta der Regionalisierung verabschiedeten „Entschließung zur Regionalpolitik der Gemeinschaft und zur Rolle der Regionen“,97 einen konkreten Beitrag für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu leisten. Das primäre Ziel der Charta ist die Unterstützung bereits bestehender Regionalisierungstendenzen sowie die Förderung weiterer Dezentralisierungsbestrebungen. Für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist die Entschließung insbesondere deshalb bedeutsam, da sie die EG-Mitgliedstaaten zur Unterstützung der Kooperation zwischen regionalen Behörden verpflichtet und die

97 Abgedruckt in ABl.EG Nr. C 326 vom 18.11.1988, S. 296-301.

[Seite 94]

Institutionalisierung eines ständigen Instrumentariums der gemeinsamen Information, Planung und Durchführung fordert.98

Die Kommission hingegen änderte ihre regionenfeindliche Haltung erst im Zuge der Implementation einer gemeinschaftlichen Regionalpolitik. Ein wichtiger Schritt war der 1988 geschaffene „Beirat der regionalen und lokalen Gebietskörperschaften“, der Vorläufer des heutigen Ausschusses der Regionen.99 Dieser Beirat, bestehend aus den regionalen und kommunalen Körperschaften der Mitgliedstaaten (insgesamt 42 gewählte Repräsentanten), war innerhalb der Gemeinschaft das erste eigenständige Repräsentationsorgan substaatlicher Akteure auf der europäischen Ebene.

Am Ende der 80er Jahre begann die Kommission schließlich, die grenzüberschreitende Kooperation als einen strategischen Baustein zur Besetzung des Politikfeldes Raumordnung in Europa anzusehen. „Die Strategie der EG-Kommission bei der Eroberung des neuen Politikfeldes Raumordnung ist unschwer zu erkennen. Da eine formale Kompetenz für Raumordnungspolitik auf EG-Ebene bisher fehlt, knüpft die Kommission an bestehende raumrelevante Zuständigkeitsbereiche wie die Regionalpolitik, die Umweltpolitik oder die Verkehrspolitik an und argumentiert, daß die dort bestehenden Aufgaben nur durch grenzüberschreitende, europaweite räumliche Koordination befriedigend zu lösen sind. (...) Stets wird jedoch darauf geachtet, daß die Probleme und ihre räumlichen Wirkungsfelder Staatsgrenzen überschreiten, womit eine ,natürliche’ Zuständigkeit der EG-Kommission gegeben ist.“100

Für den ehemaligen Kommissar für Regionalpolitik, Bruce Millan, bestand das Interesse der Kommission an der grenzüberschreitenden Kooperation darüber hinaus im wesentlichen aus drei Zielen: „firstly, interregional cooperation can help to achieve the Community’s cohesion objective; secondly the cooperation has a clear interest in ensuring that the regions pursue their economic development objectives as effectively and efficiently as possible; thirdly, the Community has a responsibility to support Member States and regions in implementing other Community policies with significant regional impacts“.101


98 Nicht näher behandelt werden an dieser Stelle die Konferenzen des Europäischen Parlaments mit den Regionen der Gemeinschaft. Vgl. hierzu: Bruns-Klöss / Semmelroggen, a.a.O.

99 Vgl. Schneider, K.-H.: Beirat der Kommunen und Regionen bei der Europäischen Kommission, in: Europa kommunal, 1988/1, S. 6-8.

100 Sinz, M.: Raumordnung in Europa. Zwischen Geodesign und Politikformulierung, in: Raumplanung, 1993/60, S. 20-34, hier: S. 24 f.

101 Zitiert in: European Commission 1994, a.a.O., S. 21.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Referenzen und Zitate werden mitübernommen.


[90.] Cbr/Fragment 070 01

KomplettPlagiat
Untersuchte Arbeit:
Seite: 70, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Student 2000
Seite(n): 94, 95, Zeilen: 94: 21 ff.; 95: 1 ff.
[Der ehemalige Kommissar für Regionalpolitik, Bruce Millan, beschreibt das Interesse der Kommission an der grenzüberschreitenden Kooperation im Wesentlichen wie folgt: “Firstly, interregional cooperation can help to achieve the Community’s cohesion objective; secondly the cooperation has a clear interest in ensuring that the regions purpuse [sic] their economic development objectives as effectively and efficiently as possible;] thirdly, the Community has a responsibility to support Member States and regions in implementing other Community policies with significant regional impacts“.211

Von entscheidender Bedeutung für die grenzüberschreitende Kooperation ist schließlich die 1990 beschlossene Gemeinschaftsinitiative INTERREG.212 Dieses Programm wurde entwickelt, nachdem die Probleme der Grenzregionen im „Dritten periodischen Bericht der Kommission über die sozio-ökonomische Lage und Entwicklung der Regionen der Gemeinschaft“213 von der Kommission dargestellt und sowohl der Beratende Ausschuss als auch die AGEG angehört wurden. Die INTERREG-Initiaive [sic] verfolgt aus Sicht der Kommission drei Ziele: „to help the internal border regions of the Community to tackle the problems of economic under development associated with their border status, and especially with the trasition [sic] to the single market; to encourage cross-border cooperative actions between the internal border regions; to prepare the external border regions of the Community for their new role at the edge of the single market“.214 Das INTERREG-Programm stellte insofern ein Novum dar, als die Kommission die Mitgliedstaaten zur Ausarbeitung einzelner Programme aufforderte, die Gebietskörperschaften auf beiden Seiten der Grenze betreffen. Zu diesem Zweck sollten die beteiligten Staaten eine gemeinsame Institution sowie einen Begleitausschuss215 benennen, die auf beiden Seiten der Grenze die Verantwortung für alle Projekte tragen und die finanzielle Abwicklung übernehmen. Die Kommission wollte damit gezielt die Einrichtung und den Ausbau von grenzüberschreitenden Kooperationen und besonders die Schaffung gemeinsamer institutioneller und administrativer Strukturen zur Planung und Durchführung der Programme fördern.216 Die Akquirierung von Fördermitteln wird von der Erstellung grenzüberschreitender Entwicklungs- und Handlungskonzepte abhängig gemacht, die einem von der EU vorgegebenen Schema entsprechen und in enger Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten sowie den regionalen und lokalen Gebietskörperschaften entwickelt werden müssen.217 Diese Konzepte werden von der Kommission insbesondere unter Berücksichtigung folgender Elemente bewertet: „Existenz einer kohärenten Strategie für die betreffende grenzübergreifende Einheit, die mit einer geeigneten Kombination von Strukturmaßnahmen und Maßnahmen zur Entwicklung der Humanressourcen einhergeht; im Fall der internen Grenzgebiete die voraussichtlich [sic] Auswirkung der vorgeschlagnen [sic] [Maßnahmen auf die Entwicklung beiderseits der Grenze; im Fall der externen Grenzgebiete der Beitrag dieser Maßnahme zur Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit in möglichst vielen Bereichen; der zusätzliche Charakter des Finanzierungsbeitrags der Gemeinschaft und der nationalen und regionalen Beiträge; die voraussichtliche Effizienz des Verfahrens für die Durchführung, Begleitung und Bewertung“.218]


211 Zitiert in: European Commission, Interergional and cross-border cooperation in Europe, [Regional development studies 10], Brüssel/Luxemburg 1994, p. 21.

212 Vgl. hierzu European Commission: Regional-Report of Interregional and Cross-Border Cooperation: Summary of structural policies 1993-1994, Brüssel/Luxemburg 1993, sowie European Commission 1994, a.a.O.

213 Vgl. Malchus, von V., Perspektiven an den EG-Binnengrenzen, in: Raumforschung und Raumordnung 4/1991, S. 250.

214 Millan, B. zitiert in: European Commission 1994, a.a.O., S. 21.

215 Nach Art. 35 der Allgemeinen Verordnung, Ziffer 25 und 28 der Leitlinien der Europäischen Kommission zu INTERREG IIIA sowie der fortzusetzenden INTERREG-Vereinbarung gehören zu den Aufgaben des Beleitausschusses [sic] u.a.: Begleitung und Bewertung des Gesamtprogramms, Prüfung und Billigung der jährlichen Durchführungsberichte, Grundsatzfragen des INTERREG IIIA-Programms; vgl. EUREGIO [Hrsg.], Operationelles Programm für die EUREGIO 2000-2006 im Rahmen von INTERREG IIIA, Gronau 2000 [Stand 9.8.2000] S. 128.

216 Zu den Kriterien für die Auswahl und Qualität der grenzüberschreitenden Projekte zählen u.a.: Bewirkung von nachhaltigen positiven Effekten in der EUREGIO, positive Auswirkungen für die Bürger bzw. Akzeptanz beim Bürger, Synergieeffekte mit anderen Projekten, grenzübergreifender Mehrwert des Projektes, vgl. ebenda S. 134.

217 Vgl. Malchus, von V., Entwurf: Sachstandsbericht [LACE ISUE PAPER] über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen „Deutschland – Polen“, o.O., 10.8.1992, S. 1.

218 Europäische Kommission: Leitfaden der Gemeinschaftsinitiativen 1994-1999, 1. Ausgabe, Luxemburg 1994, S. 16f.

Für den ehemaligen Kommissar für Regionalpolitik, Bruce Millan, bestand das Interesse der Kommission an der grenzüberschreitenden Kooperation darüber hinaus im wesentlichen aus drei Zielen: „firstly, interregional cooperation can help to achieve the Community’s cohesion objective; secondly the cooperation has a clear interest in ensuring that the regions pursue their economic development objectives as effectively and efficiently as possible; thirdly, the Community has a responsibility to support Member States and regions in implementing other Community policies with significant regional impacts“.101

b) Das Interreg-Programm

Von entscheidender Bedeutung für die grenzüberschreitende Kooperation ist schließlich die 1990 beschlossene Gemeinschaftsinitiative Interreg.102 Dieses Programm wurde entwickelt nachdem die Probleme der Grenzregionen im „Dritten Periodischen Bericht der Kommission über die sozio-ökonomische Lage und Entwicklung der Regionen der Gemeinschaft“ von der Kommission dargestellt und sowohl der Beratende Ausschuß als


100 Sinz, M.: Raumordnung in Europa. Zwischen Geodesign und Politikformulierung, in: Raumplanung, 1993/60, S. 20-34, hier: S. 24 f.

101 Zitiert in: European Commission 1994, a.a.O., S. 21.

102 Vgl. hierzu European Commission: Regional-Report on Interregional and Cross-Border Cooperation: Summary of structural policies 1993-1994, Brüssel/Luxemburg 1993. Sowie European Commission 1994, a.a.O.

[Seite 95]

auch die AGEG angehört wurden.103 Die Interreg-Initiative verfolgt aus Sicht der Kommission drei Ziele: „to help the internal border regions of the Community to tackle the problems of economic underdevelopment associated with their border status, and especially with the transition to the single market; to encourage cross-border cooperative actions between the internal border regions; to prepare the external border regions of the Community for their new role at the edge of the single market“.104

Das Interreg-Programm stellte insofern ein Novum dar, als die Kommission die Mitgliedstaaten zur Ausarbeitung einzelner Programme aufforderte, die Gebietskörperschaften auf beiden Seiten der Grenze betreffen. Zu diesem Zweck sollten die beteiligten Staaten eine gemeinsame Institution sowie einen Begleitausschuß benennen, die auf beiden Seiten der Grenze die Verantwortung für alle Projekte tragen und die finanzielle Abwicklung übernehmen. Die Kommission wollte damit gezielt die Einrichtung und den Ausbau von grenzüberschreitenden Kooperationen und besonders die Schaffung gemeinsamer institutioneller und administrativer Strukturen zur Planung und Durchführung der Programme fördern. Die Akquirierung von Fördermitteln wird von der Erstellung grenzüberschreitender Entwicklungs- und Handlungskonzepte abhängig gemacht, die einem von der EG vorgegebenen Schema entsprechen und in enger Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten sowie den regionalen und lokalen Gebietskörperschaften entwickelt werden müssen.105 Diese Konzepte werden von der Kommission insbesondere unter Berücksichtigung folgender Elemente bewertet: „Existenz einer kohärenten Strategie für die betreffende grenzübergreifende Einheit, die mit einer geeigneten Kombination von Strukturmaßnahmen und Maßnahmen zur Entwicklung der Humanressourcen einhergeht; im Fall der internen Grenzgebiete die voraussichtliche Auswirkung der vorgeschlagenen Maßnahmen auf die Entwicklung beiderseits der Grenze; im Fall der externen Grenzgebiete der Beitrag dieser Maßnahmen zur Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit in möglichst vielen Bereichen; der zusätzliche Charakter des Finanzierungsbeitrags der Gemeinschaft und der nationalen und regionalen Beiträge; die voraussichtliche Effizienz des Verfahrens für die Durchführung, Begleitung und Bewertung“.106


103 Vgl. Malchus, V. Frhr. v.: Perspektiven für Regionen an den EG-Binnengrenzen, in: Raumforschung und Raumordnung, 1991/4, S. 247-251, hier: S. 250.

104 Bruce Millan, zitiert in: European Commission 1994, a.a.O., S. 21.

105 Vgl. Malchus, V. Frhr. v.: Entwurf: Sachstandsbericht (LACE ISSUE PAPER) über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen „Deutschland - Polen“, o.O., 10.08.1992, S. 1.

106 Europäische Kommission: Leitfaden der Gemeinschaftsinitiativen 1994-1999, 1. Ausgabe, Luxemburg 1994, S. 16 f.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Referenzen und Zitate werden mitübernommen.


[91.] Cbr/Fragment 071 01

KomplettPlagiat
Untersuchte Arbeit:
Seite: 71, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Student 2000
Seite(n): 95, 96, Zeilen: 95: 19 ff.; 96: 1 ff.
[Diese Konzepte werden von der Kommission insbesondere unter Berücksichtigung folgender Elemente bewertet: „Existenz einer kohärenten Strategie für die betreffende grenzübergreifende Einheit, die mit einer geeigneten Kombination von Strukturmaßnahmen und Maßnahmen zur Entwicklung der Humanressourcen einhergeht; im Fall der internen Grenzgebiete die voraussichtlich [sic] Auswirkung der vorgeschlagnen [sic] ] Maßnahmen auf die Entwicklung beiderseits der Grenze; im Fall der externen Grenzgebiete der Beitrag dieser Maßnahme zur Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit in möglichst vielen Bereichen; der zusätzliche Charakter des Finanzierungsbeitrags der Gemeinschaft und der nationalen und regionalen Beiträge; die voraussichtliche Effizienz des Verfahrens für die Durchführung, Begleitung und Bewertung“.218 Innerhalb des INTERREG-Programms sind nahezu alle wirtschaftlich bedeutsamen Maßnahmen förderwürdig, „insbesondere gemeinsame Entwicklungspläne, Hilfen für kleine und mittlere Unternehmen [KMU], Fremdenverkehr, Verkehrs- und Telekommunikationsnetze, vorbeugender Umweltschutz, Beseitigung von Umweltschäden, ländliche Entwicklung, Ausbildung und Beschäftigung“.219 Das INTERREG-Programm ist allerdings vor allem eine Hilfe zur Selbsthilfe für die Grenzregionen, da die Kommission nur dann eine finanzielle Unterstützung gewährt, wenn die Regionen bereit sind, eigene Ressourcen für die Zusammenarbeit einzusetzen. Im Rahmen von INTERREG I stellte die EU ca. 915 Mio. EURO für den Zeitraum 1990 bis 1993 aus den Mitteln der Strukturfonds bereit, 824 Mio. aus dem EFRE, 30 Mio. aus dem Sozialfond und 61 Mio. aus dem EAGFL.220

Die EU leistete damit einen wesentlichen Beitrag für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, der sich nicht zuletzt am sprunghaften Anstieg der politisch-planerischen grenzüberschreitenden Aktivitäten seit dem Jahr 1990 ablesen lässt. Auf dem Edinburgh-Gipfel der Staats- und Regierungschefs 1992 wurden schließlich alle Gemeinschaftsinitiativen der Kommission kritisch bewertet und lediglich das INTERREG-Programm als vorbildlich herausgestellt.221 Folgerichtig entschied man sich, dieser Initiative in Zukunft ein besonderes Gewicht zu geben. Das Nachfolgeprogramm INTERREG II besteht im Gegensatz zu seinem Vorläufer aus zwei getrennten Teilen.222 Inhaltlich wird INTERREG I im Wesentlichen fortgesetzt und lediglich durch einige neue Maßnahmen, wie die Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Kultur, Sondermaßnahmen bei unterschiedlichen Sprachen, Verwaltungsverfahren und Rechtssystemen sowie die Durchführung grenzüberscheitender Raumplanung und die Entwicklung des Städtesystems in Grenzregionen ergänzt.223 Daneben wird in INTERREG II auch die ‚Technische Hilfe durch die Kommission’ finanziell unterstützt, um den Regionen eine Hilfestellung bei der Vorbereitung und Durchführung von Programmen, beim Informations- und Erfahrungsaustausch sowie der Organisation von Zusammenkünften zu ermöglichen. Bei der Beurteilung der Programmqualität gleichsam als Maßstab für die Finanzierung durch die Gemeinschaft wird im Gegensatz zu INTERREG I auch „der Grad der Beteiligung der [regionalen und lokalen Behörden an der Durchführung der Programme“224 berücksichtigt.]


218 Europäische Kommission: Leitfaden der Gemeinschaftsinitiativen 1994-1999, 1. Ausgabe, Luxemburg 1994, S. 16f.

219 Kommission der Europäischen Gemeinschaften [Hrsg.], info background, B532.92, o.O., o.J., S. 3.

220 Vgl. Schabhüser, B., Grenzregionen in Europa – Zu ihrer derzeitigen Bedeutung in Raumforschung und Raumordnungspolitik, in: Informationen zur Raumentwicklung 9/10/1993, .a.a.O., S. 662.

221 Vgl. Gabbe, Probleme und Förderung, a.a.O. S. 149.

222 Die Initiative Regen wurde ebenfalls 1990 gestartet und sollte zur Fertigstellung einiger fehlender Verbindungen des transeuropäischen Energietransport- und Versorgungsnetzes in den Ziel-1-Regionen beitragen. Vgl. Europäische Kommission, 1994, Leitfaden, a.a.O., S. 16.

223 Vgl. ebd., S. 38.

Diese Konzepte werden von der Kommission insbesondere unter Berücksichtigung folgender Elemente bewertet: „Existenz einer kohärenten Strategie für die betreffende grenzübergreifende Einheit, die mit einer geeigneten Kombination von Strukturmaßnahmen und Maßnahmen zur Entwicklung der Humanressourcen einhergeht; im Fall der internen Grenzgebiete die voraussichtliche Auswirkung der vorgeschlagenen Maßnahmen auf die Entwicklung beiderseits der Grenze; im Fall der externen Grenzgebiete der Beitrag dieser Maßnahmen zur Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit in möglichst vielen Bereichen; der zusätzliche Charakter des Finanzierungsbeitrags der Gemeinschaft und der nationalen und regionalen Beiträge; die voraussichtliche Effizienz des Verfahrens für die Durchführung, Begleitung und Bewertung“.106

Innerhalb des Interreg-Programms sind nahezu alle wirtschaftlich bedeutsamen Maßnahmen förderungswürdig, „insbesondere gemeinsame Entwicklungspläne, Hilfen für kleine und mittlere Unternehmen, Fremdenverkehr, Verkehrs- und Telekommunikationsnetze, vorbeugender Umweltschutz, Beseitigung von Umweltschäden, ländliche Entwicklung, Ausbildung und Beschäftigung“.107 Das Interreg-Programm ist allerdings vor allem eine Hilfe zur Selbsthilfe für die Grenzregionen, da die Kommission nur dann eine finanzielle Unterstützung gewährt, wenn die Regionen bereit sind, eigene Ressour-


103 Vgl. Malchus, V. Frhr. v.: Perspektiven für Regionen an den EG-Binnengrenzen, in: Raumforschung und Raumordnung, 1991/4, S. 247-251, hier: S. 250.

104 Bruce Millan, zitiert in: European Commission 1994, a.a.O., S. 21.

105 Vgl. Malchus, V. Frhr. v.: Entwurf: Sachstandsbericht (LACE ISSUE PAPER) über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen „Deutschland - Polen“, o.O., 10.08.1992, S. 1.

106 Europäische Kommission: Leitfaden der Gemeinschaftsinitiativen 1994-1999, 1. Ausgabe, Luxemburg 1994, S. 16 f.

107 Kommission der Europäischen Gemeinschaften (Hrsg.): info background, B-532.92, o.O., o.J., S. 3.

[Seite 96]

cen für die Zusammenarbeit einzusetzen. Im Rahmen von Interreg I stellte die EG ca. 915 Mio. ECU für den Zeitraum 1990 bis 1993 aus den Mitteln der Strukturfonds bereit, 824 Mio. aus dem EFRE, 30 Mio. aus dem Sozialfonds und 61 Mio. aus dem EAGFL.108

Die EG leistete damit einen wesentlichen Beitrag für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, der sich nicht zuletzt am sprunghaften Anstieg der politisch-planerischen grenzüberschreitenden Aktivitäten seit 1990 ablesen läßt. Auf dem Edinburgher Gipfel der Staats- und Regierungschefs 1992 wurden schließlich auch fast alle Gemeinschaftsinitiativen der Kommission kritisch bewertet und lediglich das Interreg-Programm als vorbildlich herausgestellt.109 Folgerichtig entschied man sich, dieser Initiative in Zukunft ein besonderes Gewicht zu geben. Das Nachfolgeprogramm Interreg II besteht im Gegensatz zu seinem Vorläufer aus zwei getrennten Teilen, da es die Funktionen der EU-Initiativen Interreg I und Regen zusammenfaßt.110 Inhaltlich wird Interreg I im wesentlichen fortgesetzt und lediglich durch einige neue Maßnahmen, wie die Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Kultur, Sondermaßnahmen bei unterschiedlichen Sprachen, Verwaltungsverfahren und Rechtssystemen sowie die Durchführung grenzüberschreitender Raumplanung und die Entwicklung des Städtesystems in Grenzregionen ergänzt.111 Daneben wird in Interreg II auch die „Technische Hilfe durch die Kommission“ finanziell unterstützt, um den Regionen eine Hilfestellung bei der Vorbereitung und Durchführung von Programmen, beim Informations- und Erfahrungsaustausch sowie der Organisation von Zusammenkünften zu geben. Bei der Beurteilung der Programmqualität, gleichsam als Maßstab für die Finanzierung durch die Gemeinschaft, wird im Gegensatz zu Interreg I auch „der Grad der Beteiligung der regionalen und lokalen Behörden an der Durchführung der Programme“112 berücksichtigt.


108 Vgl. Schabhüser, a.a.O., S. 662.

109 Vgl. Gabbe, Probleme und Förderung, a.a.O., S. 149.

110 Die Initiative Regen wurde ebenfalls 1990 gestartet und sollte zur Fertigstellung einiger fehlender Verbindungen des transeuropäischen Energietransport- und Versorgungsnetzes in den Ziel-1-Regionen beitragen. Vgl. Europäische Kommission 1994, Leitfaden, a.a.O., S. 16.

111 Vgl. ebd., S. 38.

112 Ebd., S. 40.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Zitate und Referenzen werden mitübernommen.


[92.] Cbr/Fragment 072 01

KomplettPlagiat
Untersuchte Arbeit:
Seite: 72, Zeilen: 1-6
Quelle: Student 2000
Seite(n): 96, Zeilen: 21 ff.
[Bei der Beurteilung der Programmqualität gleichsam als Maßstab für die Finanzierung durch die Gemeinschaft wird im Gegensatz zu INTERREG I auch „der Grad der Beteiligung der] regionalen und lokalen Behörden an der Durchführung der Programme“224 berücksichtigt. Die Kommission möchte auch über INTERREG eine stärkere Mobilisierung und Einbindung der subnationalen Akteure erreichen. Für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sind innerhalb von INTERREG II für den Zeitraum 1994 bis 1999 ca. 2,4 Mrd. EURO vorgesehen. Damit wurde INTERREG II nicht nur gegenüber seinem Vorläufer kräftig aufgestockt, es stellt auch die finanziell bestausgestattete Gemeinschaftsinitiative dar.

224 Ebenda, S. 40.

Bei der Beurteilung der Programmqualität, gleichsam als Maßstab für die Finanzierung durch die Gemeinschaft, wird im Gegensatz zu Interreg I auch „der Grad der Beteiligung der regionalen und lokalen Behörden an der Durchführung der Programme“112 berücksichtigt. Die Kommission möchte folglich auch über Interreg eine stärkere Mobilisierung und Einbindung der subnationalen Akteure erreichen. Für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sind innerhalb von Interreg II für den Zeitraum 1994 bis 1999 ca. 2,4 Mrd. ECU vorgesehen, davon 1,8 Mrd. für die Ziel-1-Regionen. Damit wurde Interreg II nicht nur gegenüber seinem Vorläufer kräftig aufgestockt, es stellt auch die finanziell bestausgestattete Gemeinschaftsinitiative dar.113

112 Ebd., S. 40.

113 Vgl. Kapitel I.3.: Die supranationale Regionalpolitik der EU und vor allem Tabelle 2.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Referenz wird mitübernommen.

Immerhin: Aus "ECU" wird "EURO".


[93.] Cbr/Fragment 074 10

KomplettPlagiat
Untersuchte Arbeit:
Seite: 74, Zeilen: 10-13
Quelle: Student 2000
Seite(n): 96, 97, Zeilen: 96: letzter Absatz; 97: 1
Die INTERREG-Initiative ist das wichtigste, jedoch nicht das einzige Instrument zur Förderung grenzüberschreitender Zusammenarbeit durch die Union. Aus Sicht der Kommission ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit „ein ganz wesentliches Element aller einschlägigen Politikbereiche der Europäischen Union“.234

234 Klein, R., Grenzüberschreitende Arbeit als wesentliches Merkmal europäischer Integration, in: Deutscher Gewerkschaftsbund [Hrsg.], Die Arbeit der Interregionalen Gewerkschaftsräte: Vom Papier in die Realität, [Tagung am 24.1.1996 in Luxemburg], Düsseldorf 1996, S. 12.

Die Interreg-Initiative ist indes nur das wichtigste, jedoch nicht das einzige Instrument zur Förderung grenzüberschreitender Zusammenarbeit durch die Union. Aus Sicht der Kommission ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit „ein ganz wesentliches Ele-

[Seite 97]

ment aller einschlägigen Politikbereiche der Europäischen Union“.114


114 Klein, R.: Grenzüberschreitende Arbeit als wesentliches Merkmal europäischer Integration, in: Deutscher Gewerkschaftsbund (Hrsg.): Die Arbeit der Interregionalen Gewerkschaftsräte: Vom Papier in die Realität, (Tagung am 24. Januar 1996 in Luxemburg), Düsseldorf 1996, S. 11-15, hier: S. 12.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle; Referenz und Zitat werden mitübernommen.


[94.] Cbr/Fragment 074 13

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 74, Zeilen: 13-20
Quelle: Raich 1995
Seite(n): 59, Zeilen: 11 ff.
Darüber hinaus hat sich auch in diesem Zusammenhang gezeigt, dass grenzüberschreitende Kooperationsformen mit einer längeren Tradition, mit gemeinsam gewachsenen Strukturen und geregelter grenzüberschreitender Finanzierung wie im deutsch-niederländischen Grenzgebiet [EUREGIO] diese Schwierigkeiten am ehesten gemeistert und die von der EU-Kommission geforderte Partnerschaft weitestgehend verwirklicht haben. Sie können daher auch unter dem Aspekt der Zusammenarbeit grenzüberschreitender subnationaler Akteurseinheiten mit der supranationalen Ebene als Modell gewertet werden. Darüber hinaus hat sich auch in diesem Zusammenhang gezeigt, daß grenzüberschreitende Kooperationsformen mit einer längeren Tradition, mit gemeinsamen gewachsenen Strukturen und geregelter grenzüberschreitender Finanzierung wie im deutsch-niederländischen Grenzgebiet (EUREGIO) sowie im Großraum Saar-Lor-Lux diese Schwierigkeiten am ehesten gemeistert und die von der EG-Kommission geforderte Partnerschaft weitestgehend verwirklicht haben. Sie können daher auch unter dem Aspekt der Zusammenarbeit grenzüberschreitender subnationaler Akteurseinheiten mit der supranationalen Ebene als Modell gewertet werden.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[95.] Cbr/Fragment 075 19

BauernOpfer
Untersuchte Arbeit:
Seite: 75, Zeilen: 19-30
Quelle: Battisti 1987
Seite(n): 205, 209, Zeilen: 205: letzter Absatz; 209: 14 ff.
Er ist nicht nur in einem negativ-abgrenzenden Sinne als Nichteinmischung der größeren Gemeinschaft in die Belange der kleineren Gemeinschaften und Individuen zu verstehen, sondern auch in einem positiv-auffordernden Sinne241, nämlich, der ursprünglichen Bedeutung von subsidium entsprechend, als Beistand zur Bewältigung solcher Aufgaben, die vom kleineren Gemeinwesen auf sich allein gestellt nicht effektiv erfüllt werden können.

2.4.3.2 Die Substanz des Subsidiaritätsprinzips

Bei einer differenzierteren Untersuchung hat Subsidiarität einen dreifachen Aspekt:242 Orientiert am Recht des Individuums auf Selbstbestimmung ergibt sich als erster Aspekt des Subsidiaritätsgedankens, dass der Staat nicht beliebig in dessen Sphäre eingreifen darf.


241 Kritisch insoweit Isensee, J., Subsidiaritätsprinzip und Verfassungsrecht, Eine Studie über das Regulativ des Verhältnisses von Staat und Gesellschaft, Berlin 1968, S. 30, der bemängelt, dass durch eine solche ‚positive’ Subsidiarität der begriffliche Umfang des Subsidiaritätsprinzips unscharf werde, indem Voraussetzungen der Subsidiarität [die Solidarität der Gesellschaftsglieder] in den Inhalt einbezogen würden.

242 Vgl. Battisti, Freiheit und Bindung, a.a.O., S. 206ff.

[Seite 205]

Damit ist auch schon angedeutet, daß das Subsidiaritätsprinzip nicht nur in einem negativ-abgrenzenden Sinne als Nichteinmischung der größeren Gemeinschaft (Gesellschaft, des Staates) in die Belange der kleineren Gemeinschaften und Individuen angesehen werden darf, sondern auch in einem positiv-auffordernden Sinne zu interpretieren ist, nämlich — der ursprünglichen Bedeutung von subsidium entsprechend - als Hilfe zur Bewältigung jener Aufgaben, die vom einzelnen und von den „kleineren Gemeinwesen“, auf sich allein gestellt, nicht oder nur mangelhaft erfüllt werden können.

[Seite 209]

Aus dem Recht auf Selbstbestimmung des Individuums (Person) als „Zweck an sich“ ergibt sich als erster Aspekt des Subsidiaritätsprinzips, daß der Staat nicht beliebig in dessen Bereiche eingreifen darf.

Anmerkungen

Die Quelle ist zwar genannt, doch bleibt unklar, dass sich die Übernahmen auch bereits - zudem großteils wörtlich - auf das Ende des vorangegangenen Kapitels erstrecken.


[96.] Cbr/Fragment 076 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 76, Zeilen: 1-13
Quelle: Battisti 1987
Seite(n): 210, Zeilen: 4 ff.
Der zweite Aspekt des Subsidiaritätsgedankens nimmt gleichzeitig die Interessen des Staates bzw. der größeren Einheit wahr. Letztere werden daher auf ihren Aufgabenbereich beschränkt, als allein die Aufgaben, die nur auf jener Ebene durchgeführt werden können, in ihre Kompetenzen fallen. Insofern wirkt Subsidiarität ‚staatsentlastend’244, richtet sich aber nicht gegen den Staat oder zielt auf seine Schwächung ab. In diesem Rahmen soll Subsidiarität im Gegenteil den Staat bzw. die zentrale Ebene davor bewahren, mit Aufgaben belastet zu werden, denen sie letztlich unter Effektivitätsgesichtspunkten nicht gewachsen sind. Dieser Aspekt lässt sich als ‚Entlastungsprinzip’ bezeichnen. Der dritte Aspekt der Subsidiarität basiert auf dem aus Grundrechten abgeleiteten Anspruchsrecht des Individuums gegenüber dem Staat. Dieses bedeutet nicht nur eine Respektierung seiner Freiheiten, sondern auch Unterstützung für die Erfüllung der Aufgaben, die die Kräfte des Individuums und der kleineren Gemeinschaften übersteigen.

244 Vgl. Gretschmann, K., The Subsidiarity Principle: Who is to Do What in an Integrated Europe, Presentation to the First Jaques Delors Colooquium, Maastricht March 22 1991, Manuskript, abgedruckt in Subsidiarité: défi du changement, Institut Européen d’Administration Publique, Maastricht 1991, S. 45.

Der zweite Aspekt des Subsidiaritätsprinzips, der von den meisten Autoren übersehen oder zuwenig berücksichtigt wird, auch wenn sie von einem „doppelten inhaltlichen Gehalt“24 oder von „zwei Seiten“25 dieses Prinzips sprechen, nimmt die Interessen des Staates wahr. So ist es ein großes Mißverständnis zu meinen, daß sich das Subsidiaritätsprinzip gegen den Staat richtet oder auf seine Schwächung abzielt, insofern es die Rechte der Individuen und der „kleineren Gemeinwesen“ vertritt. Im Gegenteil, indem es den Staat auf seinen Aufgabenbereich einschränkt, d. h. auf jene Aufgaben verweist, die nur von ihm durchgeführt werden können, wie z. B. „Leitung, Überwachung, Nachdruck und [sogar] Zügelung“26 und des weiteren verlangt, „Angelegenheiten von untergeordneter Bedeutung, die nur zur Abhaltung von wichtigeren Aufgaben führen müßten“27, den Individuen und „kleineren Gemeinwesen“ zu überlassen, anerkennt es voll und ganz den Staat in seiner Wirksamkeit und Notwendigkeit. Eine Schwächung des Staates käme vielmehr dadurch zustande, wenn er mit Aufgaben belastet würde, denen er nicht mehr gewachsen wäre. Das Subsidiaritätsprinzip bewahrt den Staat davor, sich in Angelegenheiten zu verlieren, die eine Vernachlässigung wichtiger Aufgaben mit sich bringen. Eine dem Staat durch das Subsidiaritätsprinzip auferlegte Beschränkung seiner Wirksamkeit bedeutet kein „Absterben des Staates“, sondern ist Bedingung der Möglichkeit, daß der Staat seinen eigentlichen Zweck, nämlich im Dienste der Menschen zu stehen, erfüllen kann. Andernfalls verliert der Staat seine sittliche Legitimität, wenn er sich zum Selbstzweck erhebt. Denn Staatlichkeit ist nach dem Subsidiaritätsprinzip nur insofern legitim, als sie subsidiär ist. Das ist eine deutliche Absage an alle Theorien, die den Staat um seiner selbst willen bejahen.

Ein dritter Aspekt des Subsidiaritätsprinzips ergibt sich daraus, daß das aus den Grundrechten (Menschenrechten) abgeleitete Anspruchsrecht des Individuums gegenüber dem Staat nicht nur eine Respektierung von Gewissensfreiheit, Religionsfreiheit, Berufswahlfreiheit, freie Meinungsäußerung usw. bedeutet, sondern auch Unterstützung („Hilfe“) für die Erfüllung jener Aufgaben, die die Kräfte des Individuums und der „kleineren Gemeinwesen“ übersteigen. In seinem ganzen Habitus ist der Mensch ein soziales Wesen, d. h. auf die Gemeinschaft, Gesellschaft (den Staat) hingeordnet.


24 K. Glaser, Das Subsidiaritätsprinzip und die Frage seiner Verbindlichkeit nach Verfassungs- und Naturrecht. Jur. Diss. Berlin 1965, 19.

25 Nell-Breuning (s. Anm. 3) 93.

26 „Quadragesimo anno“, Abs. 80.

27 Ebd.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die trotz (für die Arbeit ungewöhnlich stärkerer) Umformulierungen und -stellungen im Vergleich erkennbar bleibt.


[97.] Cbr/Fragment 077 03

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 77, Zeilen: 3-8
Quelle: Calliess 1997
Seite(n): 891, Zeilen: li. Sp., letzter Absatz
Wie im ersten Kapitel schon dargestellt, lassen sich in Westeuropa gegenwärtig zwei entgegengesetzte Trends feststellen: Der eine begünstigt supranationale Strukturen, um in Zeiten wachsender Verflechtung und Abhängigkeiten eine problemadäquate Politikebene zu etablieren. Der andere bevorzugt dezentrale Strukturen unterhalb der Ebene des überkommenen Nationalstaates.248 Zum Schlagwort ist insofern das ‘Europa der Regionen’ geworden.

248 Robinson, A., H., Regional identity in Tomorrow’s EG and the Case of the North of England, European Trends, The Economist Intelligence Unit N°2 1990, p. 68; sowie Delhousse, R., Centralization and Dezentralisation in the European Community, in Hailbronner, K., Europa der Zukunft - Zentrale und dezentrale Lösungsansätze, Köln u.a. 1994, p. 33 ff.

In Westeuropa lassen sich gegenwärtig zwei unterschiedliche Entwicklungen feststellen. Deren eine begünstigt supranationale Strukturen, um in Zeiten wachsender Verflechtung und Abhängigkeiten (Globalisierung) eine problemadäquate Politikebene zu etablieren. Deren andere begünstigt dezentrale Strukturen unterhalb der nationalstaatlichen. Zum Stichwort ist hier das „Europa der Regionen“ geworden19.

19 T. Stammen, Das Phänomen des europäischen Regionalismus, in: H. A. Kremer, Die Landesparlamente im Spannungsfeld zwischen europäischer Integration und europäischem Regionalismus; Bayerischer Landtag, Bd. 2, 1988, S. 163 ff.; F.L. Knemeyer, Subsidiarität, Föderalismus, Dezentralisation, DVBl. 1990, S. 449 ff.; P. Häberle, Der Regionalismus als werdendes Strukturprinzip des Verfassungsstaates und als europarechtspolitische Maxime, AöR 118 (1993), S. 1 ff.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[98.] Cbr/Fragment 077 11

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 77, Zeilen: 11-32
Quelle: Calliess 1996
Seite(n): 523, 524, Zeilen: 523: 6 ff.; 524: 1 ff.
Vor dem beschriebenen Hintergrund lassen sich Konturen eines dreistufigen Aufbaus der Gemeinschaft feststellen. Dementsprechend soll nach den Vorstellungen der deutschen Bundesländer eine nach föderativen Grundsätzen errichtete Europäische Union dreistufig aufgebaut sein und drei Ebenen klar unterscheiden: Die europäische Ebene als Feld einer künftigen europäischen Ordnungs- und Strukturpolitik zur Lösung übergreifender Aufgaben, die nationalstaatliche Ebene als Bereich der nationalen Gesetzgebung und Ordnung sowie die regionale Ebene als Bereich für die Gestaltung der vielfältigen und differenzierten Lebensbedingungen der Bürger.250 Dieses Konzept des „doppelten Föderalismus“251 entspricht der Initiative zu einem Europa der Regionen, wie sie von verschiedenen Organisationen der Regionen in die Diskussion über die Europäische Union eingebracht wurden.252 In diese Richtung dachte offenbar auch Kommissions-Präsident Delors, als er ausführte, dass die Organisationsstrukturen eines geeinigten Europas durch das Subsidiaritätsprinzip geprägt seien und sich auf diese Weise „[..]. die Regionen als dritte europäische Ebene nach der Gemeinschaft und den Nationalstaaten etablieren“ könnten.253 Unter Hinweis auf Kelsens Ausführungen zum ‚dreistöckigen Bundesstaat’, wonach ein „[...] Bundesstaat im Bundesstaat [...] organisationstechnisch eine heillose Komplikation“ bedeute, bringen manche Stimmen in der Literatur dem Konzept eines doppelten Föderalismus allerdings Bedenken entgegen und befürworten für den deutschen Föderalismus eine Kompensation der Bundesländer für integrationsbedingte Kompetenzverluste durch Mitwirkung.254 Allerdings ist jedoch zu bedenken, dass sich ein doppelter Föderalismus, jedenfalls eine dreistufige Organisation der zukünftigen Union, [nunmehr deutlich herauskristallisiert hat und auf dem Weg zu einer zukünftigen Verfassung der Union auch konzeptionell immer klarer, auch verfassungsrechtliche Konturen entwickeln wird255: Wie aus obigen Ausführungen deutlich wird, kann das vergangene Jahrzehnt im Hinblick auf die EU-Mitgliedstaaten überzeugend als ein Jahrzehnt der Dezentralisierung und Regionalisierung beschrieben werden.256]

248 Robinson, A., H., Regional identity in Tomorrow’s EG and the Case of the North of England, European Trends, The Economist Intelligence Unit N°2 1990, p. 68; sowie Delhousse, R., Centralization and Dezentralisation in the European Community, in Hailbronner, K., Europa der Zukunft - Zentrale und dezentrale Lösungsansätze, Köln u.a. 1994, p. 33ff.

249 Vgl. Kühnhardt, L., Föderalismus und Subsidiarität, in ApuZ B 45/91, S. 37ff.

250 Vgl. Borchmann, M., Doppelter Föderalismus in Europa. Die Forderungen der deutschen Länder zur Politischen Union in: Europa Archiv, 1991, S. 340f.

251 Ebenda.

252 Hierzu Knemeyer, Subsidiarität- Föderalismus, a.a.O., S. 451ff.

253 EG- Nachrichten [sic] vom 22.1.1990, S. 23, zitiert auch bei Blanke, H.-J., Das Subsidiaritätsprinzip als Schranke des Europäischen Gemeinschaftsrechts? in: ZG 1991, S. 133.

254 Ress, G., Der Föderalismus in den Europäischen Gemeinschaften in: EuGRZ 1986, S. 549.

255 So auch Scholz, R., Europäische Union und deutscher Bundesstaat in: NVwZ 1993, S. 817.

256 Engel, C., Regionen in der europäischen Gemeinschaft: Eine integrationspolitische Rollensuche in: Integration 1/1991, S. 9.

Vor dem so beschriebenen Hintergrund lassen sich Konturen eines dreistufigen Aufbaus der Gemeinschaft feststellen. Dementsprechend soll nach den erwähnten Vorstellungen der deutschen Bundesländer eine nach föderativen Grundsätzen errichtete Europäische Union dreistufig aufgebaut sein und drei Ebenen klar unterscheiden: Die europäische Ebene als Feld einer künftigen europäischen Ordnungs- und Strukturpolitik zur Lösung übergreifender Aufgaben, die nationalstaatliche Ebene als Bereich der nationalen Gesetzgebung und Ordnung sowie die regionale Ebene als Bereich für die Gestaltung der vielfältigen und differenzierten Lebensbedingungen der Bürger87. Dieses Konzept des „doppelten Föderalismus“ entspricht den Initiativen zu einem „Europa der Regionen“, wie sie von verschiedenen Organisationen der Regionen in die Diskussion über die Europäische Union eingebracht wurden88. In dieser Richtung dachte offenbar auch der ehemalige Kommissionspräsident Delors, als er ausführte, daß die Organisationsstrukturen eines geeinigten Europas durch das Subsidiaritätsprinzip geprägt seien und sich auf diese Weise „... die Regionen als dritte europäische Ebene nach der Gemeinschaft und den Nationalstaaten etablieren“ könnten89.

Unter Hinweis auf Kelsens Ausführungen zum „dreistöckigen Bundesstaat“, wonach ein „...Bundesstaat im Bundesstaat ...organisationstechnisch eine heillose Komplikation“ bedeute, bringen manche Stimmen in der Literatur dem Konzept eines „doppelten Föderalismus“ allerdings Bedenken entgegen und befürworten für den deutschen Föderalismus eine Kompensa-


87 Vgl. Borchmann, EA 1991, S. 341 f.

88 Hierzu Knemeyer, DVBl 1990, S. 451 ff., Blanke (Fn. 9), Rn. 3 ff.

89 EG-Nachrichten vom 22. 1. 1990, S. 23, zitiert auch bei Blanke, ZG 1991, S. 133 (137 f.).

[Seite 524]

tion der Bundesländer für integrationsbedingte Kompetenzverluste durch Mitwirkung90. Demgegenüber ist jedoch zu bedenken, daß sich ein „doppelter Föderalismus“, jedenfalls eine dreistufige Organisation der zukünftigen Union, nunmehr deutlich herauskristallisiert hat und auf dem Weg zu einer zukünftigen Verfassung der Union auch konzeptionell immer klarere, auch verfassungrechtliche Konturen entwickeln wird91: Wie aus obigen Ausführungen deutlich wird, kann das vergangene Jahrzehnt im Hinblick auf die EU-Mitgliedstaaten überzeugend als ein Jahrzehnt der Dezentralisierung und Regionalisierung beschrieben werden92.


90 Z. B. Ress, EuGRZ 1986, S. 549 und S. 555; kritisch hinsichtlich eines dreistufigen Aufbaus der EU auch Badura (Fn. 52), S. 24 ff.

91 So auch Scholz, NVwZ 1993, S. 817 (819); wohl auch Blanke (Fn. 9), Rn. 4 ff.

92 Engel, integration 1/1991, S. 9.

Anmerkungen

In Fn. 260 auf S. 79 ist die eigentliche Quelle genannt. Eine flächige weitgehend wörtliche Übernahme lässt sich daraus nicht ansatzweise erschließen. Referenzen werden mitübernommen.


[99.] Cbr/Fragment 078 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 78, Zeilen: 1-5, 12-20, 23-34
Quelle: Calliess 1996
Seite(n): 524, 525, 542, Zeilen: 524: 2 ff., 21 ff.; 525: 1 ff.; 542: 14 ff.
[Allerdings ist jedoch zu bedenken, dass sich ein doppelter Föderalismus, jedenfalls eine dreistufige Organisation der zukünftigen Union,] nunmehr deutlich herauskristallisiert hat und auf dem Weg zu einer zukünftigen Verfassung der Union auch konzeptionell immer klarer, auch verfassungsrechtliche Konturen entwickeln wird255: Wie aus obigen Ausführungen deutlich wird, kann das vergangene Jahrzehnt im Hinblick auf die EU-Mitgliedstaaten überzeugend als ein Jahrzehnt der Dezentralisierung und Regionalisierung beschrieben werden.256 [...] Vor dem Hintergrund der oben skizzierten Regionalisierungstendenzen in den Mitgliedstaaten und der korrespondierenden Entwicklung auf EG-Ebene wird in der Literatur ein „[...] allgemeines Prinzip des politischen Regionalismus im Sinne dezentralen autonomen „policy making“ auf regionaler selbstbebstimmungsrechtlicher [sic] Grundlage [...]“257 konstatiert. Aufgrund der durch wertende Rechtsvergleichung festgestellten einheitlichen Tendenz in den Rechtsordnungen der überwiegenden Mehrzahl der EG-Mitgliedstaaten seien sogar die Voraussetzungen für einen dementsprechenden allgemeinen Rechtsgrundsatz, der Inhalt des materiellen europäischen Verfassungsrechts sei, erfüllt. Vielleicht geht diese Auffassung im Ergebnis zu weit: [Sie kennzeichnet jedoch in anschaulicher Formulierung einen rechtspolitischen Entwicklungstrend, der auch bei der Interpretation des Subsidiaritätsprinzips gem. Art. 5 [ex-Art. 3b] EGV nicht unberücksichtigt bleiben darf.] Die festgestellte Tendenz zur Regionalisierung ist zwar [noch] nicht so hinreichend verdichtet, als dass sie es rechtfertigte, von einem entsprechenden allgemeinen Rechtsgrundsatz258 zu sprechen. Überdies wurden allgemeine Rechtsgrundsätze vom EuGH bisher nur im Hinblick auf Rechtsstaatsprinzipien und zum Schutz der subjektiven Rechte einzelner entwickelt.259 Ein [mittelbarer] Eingriff in das nationale Verfassungsrecht und in die darin verankerte innerstaatliche Organisationsstruktur kann aber nicht auf dieselben Kriterien für einen allgemeinen Rechtsgrundsatz und somit auf eine Tendenz zur Regionalisierung in der überwiegenden Zahl der Mitgliedstaaten gestützt werden.

Spätestens mit dem EUV hat sich ein dreigliedriger Aufbau der Gemeinschaft [Union – Mitgliedstaaten – Regionen] herausgebildet. Damit wird den Ländern und Regionen eine Anerkennung gewährt, der auch gemeinschaftsrechtlich, insbesondere bei der Inter[pretation des Subsidiaritätsprinzips, Rechnung zu tragen ist.]


255 So auch Scholz, R., Europäische Union und deutscher Bundesstaat in: NVwZ 1993, S. 817.

256 Engel, C., Regionen in der europäischen Gemeinschaft: Eine integrationspolitische Rollensuche in: Integration 1/1991, S. 9.

257 Voß, D., H., Regionen und Regionalismus im Recht der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft: Strukturelemente einer Europäischen Verfassungsordnung, Frankfurt/M. u.a. 1989, S. 478ff.

258 Zu diesem Begriff und seinen Voraussetzungen ausführlicher Oppermann, T., Europarecht, München 1991, S. 158ff und Ipsen, H., P., Europäisches Gemeinschaftsrecht, Tübingen 1972, S. 112ff.

259 Vgl. Pernice, I. in: Grabitz, E. und Hilf, M., Kommentar zum EWG-Vertrag, Bände I und II, München 1994, Art. 164, Rn. 46ff.

Demgegenüber ist jedoch zu bedenken, daß sich ein „doppelter Föderalismus“, jedenfalls eine dreistufige Organisation der zukünftigen Union, nunmehr deutlich herauskristallisiert hat und auf dem Weg zu einer zukünftigen Verfassung der Union auch konzeptionell immer klarere, auch verfassungrechtliche Konturen entwickeln wird91: Wie aus obigen Ausführungen deutlich wird, kann das vergangene Jahrzehnt im Hinblick auf die EU-Mitgliedstaaten überzeugend als ein Jahrzehnt der Dezentralisierung und Regionalisierung beschrieben werden92.

[...]

Vor dem Hintergrund der oben skizzierten Regionalisierungstendenzen in den Mitgliedstaaten und der korrespondierenden Entwicklung auf EU-Ebene wird in der Literatur ein „... allgemeines Prinzip des politischen Regionalismus im Sinne dezentralen autonomen „policy making“ auf regionaler selbstbestimmungsrechtlicher Grundlage..." konstatiert. Aufgrund der durch wertende Rechtsvergleichung festgestellten einheitlichen Tendenz in den Rechtsordnungen der überwiegenden Mehrzahl der EU-Mitgliedstaaten seien sogar die Voraussetzungen für einen dementsprechenden allgemeinen Rechtsgrundsatz, der Inhalt des materiellen europäischen Verfassungsrechts sei, erfüllt93. Zumindest im Ergebnis geht diese Auffassung allerdings zu weit. So ist zu bedenken, daß allgemeine Rechtsgrundsätze von EuGH bisher nur zum Schutze der subjektiven Rechte einzelner, insbesondere im Bereich des Grundrechts-


91 So auch Scholz, NVwZ 1993, S. 817 (819); wohl auch Blanke (Fn. 9), Rn. 4 ff.

92 Engel, integration 1/1991, S. 9.

93 So Voß (Fn. 37), S. 478 ff. (481 f.).

[Seite 525]

schutzes, entwickelt wurden94, so daß Bedenken bestehen, den in der Anerkennung eines allgemeinen Rechtsgrundsatzes des Regionalismus liegenden (mittelbaren) Eingriff in das nationale Verfassungsrecht und in die darin verankerte innerstaatliche Organisationsstruktur der Mitgliedstaaten auf die für den Grundrechtsschutz - und damit die für einen kaum vergleichbaren Sachverhalt - entwickelten Kriterien zu stützen. [...] Mit Blick auf diese Voraussetzungen erscheint die oben festgestellte Tendenz zur Regionalisierung noch nicht so hinreichend verdichtet, als daß sie es rechtfertigte, von einem entsprechenden allgemeinen Rechtsgrundsatz99 zu sprechen100.


94 Vgl. etwa Pernice in Grabitz/Hilf, Kommentar zum EU-Vertrag, 1995, Art. 164, Rn. 46 ff.

[...]

99 Zu diesem Begriff und seinen Voraussetzungen ausführlicher: Oppermann (Fn. 69), S. 158 ff.; Ipsen, EG-Recht, 1972, S. 112 ff.

100 So auch Ress, EuGRZ 1986, S. 549 (550 f.); Stein, VVDStRL 53, S. 27 (37); Epiney, EuR 1994, S. 301 (307 f.) im Hinblick auf einen etwaigen allgemeinen Rechtsgrundsatz des Föderalismus. Epiney meint immerhin, daß „allenfalls ein recht unscharfes und weites Prinzip einer gewissen Regionalisierungstendenz einen allgemeinen Rechtsgrundsatz bilden könnte.“ Dieser böte aber keinen Schutz gegen spezifische Einbrüche in die föderale Struktur eines bestimmten Mitgliedstaates.

[Seite 542]

Spätestens mit dem EUV hat sich ein dreigliedriger Aufbau der Gemeinschaft (Union - Mitgliedstaaten - Regionen) herausgebildet. Damit wird den Ländern und Regionen eine Aufwertung zuteil, der auch gemeinschaftsrechtlich, insbesondere bei der Interpretation des Subsidiaritätsprinzips, Rechnung zu tragen ist.

Anmerkungen

Einen Hinweis auf die Quelle enthält erst Fn. 260 auf der folgenden Seite. Referenzen werden mitübernommen.


[100.] Cbr/Fragment 078 05

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 78, Zeilen: 5-12
Quelle: Calliess 1994
Seite(n): 177, Zeilen: 10 ff.
Nachdem der moderne Staat mit seinen vielfältigen Aufgaben eine starke Tendenz zur Zentralisierung von Entscheidungsprozeßen mit sich gebracht hatte, die in der Regel mit dem Prinzip der Effizienz begründet wurde, setzte sich in den letzten zehn Jahren aufgrund der Erfahrung von Bürokratisierung, Anonymität, Entfremdung und neuer Ineffizienz zunehmend eine Tendenz zum Nahen und Überschaubaren, zur Dezentralisation, zur Demokratie vor Ort durch erfahrbare Partizipation, zu Sachnähe der Entscheidungsträger und zu vertikaler Gewaltenteilung durch. Nachdem der moderne Staat mit seinen vielfältigen Aufgaben eine starke Tendenz zur Zentralisierung von Entscheidungsprozessen mit sich brachte, die grundsätzlich mit dem Prinzip der Effizienz begründet wurde, setzte sich in den letzten zehn Jahren aufgrund der Erfahrung von Bürokratisierung, Anonymität, Entfremdung und neuer Ineffizienz zunehmend eine Tendenz zum Nahen und Überschaubaren, zur Dezentralisation, Demokratie vor Ort durch erfahrbare Partizipation, Sachnähe der Entscheidungsträger und vertikaler Gewaltenteilung durch.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[101.] Cbr/Fragment 079 01

BauernOpfer
Untersuchte Arbeit:
Seite: 79, Zeilen: 1-12
Quelle: Calliess 1996
Seite(n): 542, Zeilen: 18 ff.
Das Subsidiaritätsprinzip des Art. 5 [ex-Art. 3b] EGV verfestigt sich in diesem Kontext zu einem Grundsatz der größtmöglichen Berücksichtigung der Regionen. Dieser Grundsatz entfaltet unmittelbar die Wirkung, dass den Regionen gem. Art. 5 [ex-Art. 3b Abs.3] EGV im Rahmen einer Gemeinschaftsmaßnahme ein größtmöglicher Handlungsspielraum zugestanden werden muss und ihre größtmögliche Einbeziehung sichergestellt wird. Gleichzeitig müssen bestehende regionale Handlungsspielräume so weit wie möglich erhalten und geschützt werden. Mittelbar erlangt der Grundsatz der größtmöglichen Berücksichtigung der Regionen über die Mitgliedstaaten, vermittelt durch Art. 6 Abs.3 [ex- Art. F Abs.1] EUV, Art. 10 [ex- Art.5] EGV und daraus fließende – eng mit dem Subsidiaritätsprinzip verflochtene – Gebot der Rücksichtnahme auf nationale Verfassungsstrukturen seine Bedeutung.260

260 Ausführlicher Calliess, C., Das gemeinschaftsrechtliche Subsidiaritätsprinzip [Art. 3b EGV] als „Grundsatz der größtmöglichen Berücksichtigung der Regionen“ in: AöR 121/ 1996, S. 509ff.

Das Subsidiaritätsprinzip des Art. 3b EGV verfestigt sich in Zusammenschau mit den Art. 4 II und 198a ff. EGV sowie Art. A II EUV zu einem „Grundsatz der größtmöglichen Berücksichtigung der Regionen“. Dieser Grundsatz entfaltet unmittelbar die Wirkung, daß den Regionen gem. Art. 3b III EGV im Rahmen einer Gemeinschaftsmaßnahme ein größtmöglicher Handlungsspielraum zugestanden werden muß und ihre größtmögliche Einbeziehung sichergestellt werden muß. Gleichzeitig müssen bestehende regionale Handlungsspielräume so weit wie möglich erhalten und geschützt werden. Mittelbar erlangt der „Grundsatz der größtmöglichen Berücksichtigung der Regionen“ über die Mitgliedstaaten, vermittelt durch Art. 5 EGV i. V. m. Art. F I EUV und das daraus fließende - eng mit dem Subsidiaritätsprinzip verflochtene — Gebot der Rücksichtnahme auf nationale Verfassungsstrukturen seine Bedeutung.
Anmerkungen

Die Quelle ist zwar in der abschließenden Fußnote 260 genannt. Eine zweieinhalbseitige weitgehend wörtliche Übernahme lässt sich diesem weiterführenden Hinweis indes schwerlich entnehmen.


[102.] Cbr/Fragment 079 13

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Untersuchte Arbeit:
Seite: 79, Zeilen: 13 ff. (bis Seitenende)
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 65, Zeilen: 12 ff.
2.5 Zwischenfazit: Bedeutungsgewinn der Region?

Pauschal lässt sich weder aus den globalen Veränderungen der Bedingungen regionalpolitischen Handelns noch aus dem Kontext der europäischen Integration bzw. europäischen Politik eine gestiegene Funktionalität kleinräumiger Regulierung oder Bedeutung regionaler Institutionen ableiten. Die Diskussion der Aspekte hat jedoch gezeigt, dass je nach spezifischer Interessenlage und institutionellem Kontext die Opportunitätsstrukturen für regionalpolitische Akteure sich in diesem Sinne ändern können. Dadurch können Konstellationen entstehen, in denen eine Stärkung der regionalen Ebene für sie funktional sinnvoll ist. Unter den Gesichtspunkten im Zuge der Verschiebung des Schwerpunktes hin auf den europäischen Kontext als ‚window of opportunity’, hängt dies von der spezifischen Situation der Akteure ab. Die allgemeine Funktionalität regionaler Institutionen muss daher in Beziehung zur Abhängigkeit von bzw. den Nutzen regionalpolitischer Instrumente gesehen werden. Dabei ist entscheidend, wie regionalspezifisch die Erfordernisse an einzelnen Instrumenten sind: Ob beispielsweise in der Aus- und Fortbildung, der Unterstützung technologischer Entwicklung, aber auch der Infrastrukturplanung regionales Know-how erforderlich ist. Gleiches gilt für den europäischen Kontext. Auch hier kann z.B. die Betroffenheit regionaler Institutionen von europäischer Regulierung eine gestärkte regionale Interessenvertretung notwendig erscheinen lassen. Die Einbeziehung regionaler Institutionen in europäische Strukturpolitik macht diese zudem zu relevanten Ansprechpartnern, wenn es um die Verbesserung der Bedingungen regionalpolitischen Handelns geht. Die gängige Hypothese von der allgemein gestiegenen Funktionalität kleinräumiger Regulierung bzw. der gewachsenen Bedeutung der regionalen Ebene muss deutlich relativiert werden. Es sind aber durchaus spezifische Interessenlagen vorstellbar, in welchen die Regionen zu einem relevanten Bezugspunkt [für politische Interessen werden.]

2.4 Zwischenfazit: Bedeutungsgewinn der Region für privatwirtschaftliche Interessen?

Pauschal läßt sich weder aus den globalen Veränderungen der Bedingungen wirtschaftlichen Handelns noch aus dem Kontext der europäischen Integration bzw. europäischer Politik eine gestiegene Funktionalität kleinräumiger Regulierung oder Bedeutung regionaler Institutionen ableiten. [...] Die Diskussion beider Aspekte hat jedoch gezeigt, daß je nach spezifischer wirtschaftlicher Interessenlage und institutionellem Kontext sich die Opportunitätsstrukturen für privatwirtschaftliche Akteure in diesem Sinne ändern können. Dadurch können Konstellationen entstehen, in denen eine Stärkung der regionalen Ebene für sie funktional sinnvoll ist.

Unter beiden Gesichtspunkten, sowohl im Zuge der Verschiebung des Schwerpunktes staatlicher Wirtschaftspolitik zu angebotsseitigen Maßnahmen als auch in bezug auf den europäischen Kontext als "window of opportunity", hängt dies von der spezifischen Situation der Akteure ab. Die "allgemeine" Funktionalität regionaler Institutionen muß daher in Beziehung zur Abhängigkeit von bzw. den Nutzen strukturpolitischer Instrumente gesehen werden. Dabei ist entscheidend, wie regionalspezifisch die Erfordernisse an einzelne Instrumente sind, ob beispielsweise in der Aus- und Fortbildung, der Unterstützung technologischer Entwicklung, aber auch der Infrastrukturplanung regionales Know-how erforderlich ist.

Gleiches gilt für den europäischen Kontext. Auch hier kann z.B. die Betroffenheit einer regional konzentrierten Branche von europäischer Regulierung eine gestärkte regionale Interessenvertretung notwendig erscheinen lassen. Die Einbeziehung regionaler Institutionen in europäische Strukturpolitik macht diese zudem zu relevanten Ansprechpartnern, wenn es um die Verbesserung der Bedingungen wirtschaftlichen Handelns geht. Die gängige Hypothese von der allgemein gestiegenen Funktionalität kleinräumiger Regulierung bzw. der gewachsenen Bedeutung der regionalen Ebene muß zwar deutlich relativiert werden. Es sind aber durchaus spezifische Interessenlagen vorstellbar, in welchen die Region zu einem relevanten Bezugspunkt für privatwirt-

[Seite 66]

schaftliche Interessen wird.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[103.] Cbr/Fragment 080 01

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Untersuchte Arbeit:
Seite: 80, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 66, 67, Zeilen: 66: 1 ff.; 67: 1 ff.; 1 ff.
Ihre Handlungsfähigkeit ist demgegenüber in den meisten Fällen von der institutionellen Struktur, vor allem der Verteilung der Kompetenzen und Ressourcen in den jeweiligen Nationalstaaten, abhängig. Die Nationalstaaten geben einerseits wesentliche Teile ihrer traditionellen Aufgaben an supranationale Institutionen ab. Wenn sie andererseits weniger in der Lage sind, ihre Politik an die Bedürfnisse der lokalen und regionalen Ebene anzupassen, die Ressourcen und Kompetenzen regionaler Regierungsebenen aber eingeschränkt sind, kann aus solchen funktionalen Interessenlagen heraus ein Bedarf an einer Aufwertung der Regionen abgeleitet werden.

2.5.1 Veränderung der Logiken regionalpolitischer Interessenvertretung

In der Perspektive der noch einzuführenden Determinanten der Interessenbildung bei regionalen politischen Akteuren [vgl. Kap. 4] lassen sich aus dem Gesagten einige Veränderungen von Prämissen der zugrundeliegenden ‘Gesetzmäßigkeiten’ ableiten: Wie die bisherige Diskussion gezeigt hat, gelten die Veränderungen nicht notwendigerweise für die Gesamtheit regionalpolitischer Akteure, sondern variieren in ihren Auswirkungen regional und national.

Die Aufwertung der Regionen auf europäischer Ebene betrifft sowohl die Problem- als auch die Einflusslogik. Zum einen können sich Regionen einem bisher nie da gewesenen Konkurrenzdruck um Fördermittel ausgesetzt sehen, zum anderen lässt sich ein umfassender Schutz davor nicht mehr bei den nationalstaatlichen Institutionen erreichen. Diese verlieren im Zuge der Aufgabe oder Übertragung politischer Steuerungsfunktionen zudem an Attraktivität als Verhandlungspartner für jene, die ein Interesse haben, diese Rahmenbedingungen zu beeinflussen. Globalisierung und technologischer Wandel können zudem Probleme erzeugen, die regionale Akteure auf stärkere staatliche Unterstützung angewiesen sein lassen. Diese ist gleichzeitig europäischen Standards unterworfen, was die Implementationslogik modifiziert. Die Verschiebung staatlicher Unterstützung schafft im Rahmen der Einflusslogik gleichzeitig neue Anreize bzw. Ziele, die durch Einflussnahme auf öffentliche Institutionen anzustreben sind. Während die regulativen Kompetenzen und die Mittelvergabe in der Forschungs- und Technologiepolitik die europäische Ebene zu einem relevanten Ziel der Einflussnahme machen, kann die Entwicklung der Strukturpolitik zudem die Bedeutung regionaler Institutionen steigern. Ausgehend von den funktionalen Interessen der Akteure können auf dieser Basis einige Faktoren identifiziert werden, die ein Interesse an der Stärkung der subnationalen Ebene hervorrufen:

• Einschränkungen der Handlungsfähigkeit nationaler Institutionen in einem für die Akteure relevanten Politikfeld aufgrund des Verzichts auf bestimmte Steuerungsmittel oder der Übertragung von Funktionen an europäische Institutionen;

Ihre Handlungsfähigkeit ist demgegenüber in den meisten Fällen von der institutionellen Struktur, vor allem der Verteilung von Kompetenzen und Ressourcen in den jeweiligen Nationalstaaten, abhängig. Die Nationalstaaten geben einerseits wesentliche Teile ihrer traditionellen Aufgaben, z.B. der Garantie von Vertragssicherheit oder der Standardisierung der Währung (vgl. Murray 1971), an supranationale Institutionen ab. Wenn sie andererseits im Bereich der angebotsseitigen Regulierung weniger in der Lage sind, ihre Politik den Bedürfnissen der lokalen Ökonomie anzupassen (Leonardi/Garmise 1992: 267), die Ressourcen und Kompetenzen regionaler Regierungsebenen aber eingeschränkt sind, kann aus solchen funktionalen Interessenlagen heraus ein Bedarf an einer Aufwertung der Regionen abgeleitet werden.

2.4.1 Veränderung der Logiken privatwirtschaftlicher Interessenvertretung

In der Perspektive der eingangs eingeführten Determinanten der Interessenbildung bei Unternehmerverbänden lassen sich aus dem Gesagten einige Veränderungen der zugrundeliegenden "Logiken" ableiten. Wie die Diskussion gezeigt hat, gelten die Veränderungen nicht notwendigerweise für die Gesamtheit privatwirtschaftlicher Akteure, sondern variieren in ihren Auswirkungen regional-, national- oder sektorspezifisch.

Die Öffnung der Märkte betrifft sowohl die Problem- als auch die Einflußlogik. Zum einen können sich Unternehmen einem bisher nie dagewesenen Konkurrenzdruck ausgesetzt sehen, zum anderen läßt sich ein umfassender Schutz davor nicht mehr bei den nationalstaatlichen Institutionen erreichen. Diese verlieren im Zuge der Aufgabe oder Übertragung makroökonomischer Steuerungsfunktionen zudem an Attraktivität als Verhandlungspartner für jene, die ein Interesse haben, diese Rahmenbedingungen zu beeinflussen. Die anhaltende Wirtschaftskrise und der technologische Wandel, der die Investitionskosten erhöht, können zudem Problemlagen erzeugen, die Unternehmen auf stärkere staatliche Unterstützung angewiesen sein lassen. Diese ist gleichzeitig europäischen Standards unterworfen, was die Implementationslogik modifiziert. Die Verschiebung staatlicher Unterstützung hin zu angebotsseitiger Politik schafft gleichzeitig im Rahmen der Einflußlogik neue Anreize bzw. Ziele, die durch Einflußnahme auf öffentliche Institutionen anzustreben sind.

[...] Während die regulativen Kompetenzen und die Mittelvergabe in der Forschungs- und Technologiepolitik die europäische Ebene zu

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einem relevanteren Ziel der Einflußnahme machen, kann die Entwicklung der Strukturpolitik zudem die Bedeutung regionaler Institutionen steigern.

Ausgehend von den funktionalen Interessen der Akteure können auf dieser Basis einige Faktoren identifiziert werden, die ein Interesse an der Stärkung der subnationalen Ebene hervorrufen:

[...]

• Einschränkungen der Handlungsfähigkeit nationaler Institutionen in einem für die Akteure relevanten Politikfeld aufgrund des Verzichts auf bestimmte Steuerungsmittel oder der Übertragung von Funktionen an europäische Institutionen;


Leonardi, Robert/Garmise, Shari (1992): Conclusions: Sub-National Elites and the European Community, in: Regional Politics and Policy, Jg. 2, Nr. 1&2, 247-274.

Murray, Robin (1971): The Internationalization of Capital and the Nation State, in: New Left Review, Nr. 67, 84-108.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[104.] Cbr/Fragment 081 01

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Untersuchte Arbeit:
Seite: 81, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 67, 68, Zeilen: 67: 13 ff.; 68: 1 ff.
• eine starke Abhängigkeit von regionalen ‘Standortfaktoren’ aufgrund räumlicher Gebundenheit und spezifischen Instrumenten [Infrastruktur-, Bildungs-, Forschungspolitik etc.], die regional besser abgestimmt werden können;

• die Einbindung in europäische Strukturpolitik, speziell wenn die regionale Ebene involviert ist und insofern eine effiziente Bedienung der regionalen Interessen ermöglichen kann.

2.5.2 Interessen und Institutionen im spezifischen Kontext

Diesen Veränderungen der funktionalen Interessen steht die Beharrungskraft etablierter Institutionen, eingespielter Interaktionsmuster und verfestigter Wahrnehmungen gegenüber. Institutionelle Arrangemente im weiteren Sinne sind ebenfalls als Ergebnisse vorangegangener Konflikte, als „institutionalisierte Friedensverträge früherer Schlachten“261 zu verstehen, die nur durch neue Auseinandersetzungen verändert werden können. In solchen Fällen stehen diese Gruppen innerhalb und außerhalb der Institutionen, die von bestehenden Strukturen profitieren und insofern ein Interesse an ihrem Erhalt haben, den Veränderungsbestrebungen gegenüber. Auf die Schwäche neoinstitutionalistischer Ansätze in Hinblick auf solche Veränderungen wurde bereits verwiesen [vgl. Kap. 2]. Zumindest aber zeigen sie auf, dass die Interessenwahrnehmung je nach spezifischem Kontext variiert. Insofern kann eine solche Perspektive der Identifikation von Faktoren dienen, die als intervenierende Variablen den Eingang der oben skizzierten Veränderungen in die Interessenperzeption organisierter Interessen regionalpolitischer Akteure beeinflussen.

Wenn es um die Position regionaler Akteure zu politischer Dezentralisierung, also die Übertragung politischer Macht von der nationalen auf die subnationale Ebene, geht, muss zunächst die historische Entwicklung des „territorial management“262 im existierenden Nationalstaat berücksichtigt werden.263 Ihre Beobachtung vor allem der zentralstaatlichen Politik hängt davon ab, wie sie im Zuge des nation building in das zentrale System eingebunden bzw. inwieweit ihre Interessen berücksichtigt wurden. Die Absicherung ihrer Stellung durch Einbindung in den ‘hegemonialen Block’ verbindet sie mit dem zentralstaatlichen System. Andererseits hat schon Poulantzas darauf verwiesen, dass die Integration des nationalen in das internationale System die Basis seiner Einheit auf nationaler Ebene aufweichen und Unzufriedenheit bei regionalen Akteuren hervorrufen kann.264


261 Vgl. Jeremy J., R. [Ed.], Pressure Groups and Government, Oxford 1993, Introduction, p. 3.

262 Für territorial management gibt es nach meinem Verständnis keine adäquate deutsche Übersetzung. Darunter wird die Einbeziehung der territorialen Dimension in die Politik durch die nationalen Eliten verstanden. Sie zielt darauf ab, territorial begründete Gefährdungen der zentralen Machtstrukturen z.B. durch die Einbindung der politischen und ökonomischen Eliten der Peripherie einzudämmen; vgl. Keating, M., The New Regionalism in Western Europe, Territorial Restructing and Political Change, Cheltenham 1998, p. 1.

263 Keating, M., Minority Nationalism and the State: The European Case, in: Watson, M. [Ed.], Contemporary Minority Nationalism, London/New York 1990, p. 180.

264 Vgl. Panitch, L., Globalisation and the State, in: Socialist Register 1994, p. 88.

• eine starke Abhängigkeit von regionalen "Standortfaktoren" aufgrund räumlicher Gebundenheit und spezifischen angebotsseitigen Instrumenten (Infrastruktur-, Bildungs-, Forschungspolitik etc.), die regional besser abgestimmt werden können;

• [...]

• die Einbindung in europäische Strukturpolitik, speziell wenn die regionale Ebene involviert ist und insofern eine effiziente Bedienung der regionalen Interessen ermöglichen kann;

• [...]

2.4.2 Interessen und Institutionen im spezifischen Kontext

Diesen Veränderungen der funktionalen Interessen steht die Beharrungskraft etablierter Institutionen, eingespielter Interaktionsmuster und verfestigter Perzeptionen gegenüber. Institutionelle Arrangements im weiteren Sinne sind ebenfalls als Ergebnisse vorangegangener Konflikte, als "institutionalisierte Friedensverträge früherer Schlachten" (Richardson 1993b: 3) zu verstehen, die nur durch neue Auseinandersetzungen verändert werden können. In solchen Fällen stehen jene Gruppen innerhalb und außerhalb der Institutionen, die von bestehenden Strukturen profitieren und insofern ein Interesse an ihrem Erhalt haben, den Veränderungsbestrebungen gegenüber. Auf die Schwäche neoinstitutionalistischer Ansätze in Hinblick auf solche Veränderungen wurde bereits verwiesen (vgl. Abschnitt 2.1.2). Zumindest aber zeigen sie auf, daß die Interessenwahrnehmung je nach spezifischem Kontext variiert. Insofern kann eine solche Perspektive der Identifikation von Faktoren dienen, die als intervenierende Variablen den Eingang der oben skizzierten Veränderungen in die Interessenperzeption organisierter Wirtschaftsinteressen beeinflussen.

Wenn es um die Position regionaler Wirtschaftseliten zu politischer Dezentralisierung, also die Übertragung politischer Macht von der nationalen auf die subnationale

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Ebene, geht, muß zunächst die historische Entwicklung des territorial managements32 im existierenden Nationalstaat berücksichtigt werden (vgl. Keating 1988: 20f; 1990: 180). Ihre Perzeption vor allem der zentralstaatlichen Politik hängt davon ab, wie sie im Zuge des nation building in das zentrale System eingebunden bzw. inwieweit ihre Interessen berücksichtigt wurden. Die Absicherung ihrer Stellung durch Einbindung in den "hegemonialen Block", um Gramscis Ausdruck zu verwenden, verbindet sie mit dem zentralstaatlichen System. Andererseits hat schon Poulantzas darauf verwiesen, daß die Integration des nationalen in das internationale Kapital die Basis seiner Einheit auf nationaler Ebene unterminieren und Unzufriedenheit bei regionalen Kapitalfraktionen hervorrufen kann (vgl. Panitch 1994: 88).


32 Unter territorial management, für das es m.E. keine adäquate deutsche Übersetzung gibt, wird die Einbeziehung der territorialen Dimension in die Politik durch die nationalen Eliten verstanden. Sie zielt darauf ab, territorial begründete Gefährdungen der zentralen Machtstrukturen z.B. durch Einbindung der politischen und ökonomischen Eliten der Peripherie einzudämmen (vgl. Keating 1988: 18).


Keating, Michael (1988): State and Regional Nationalism. Territorial Politics and the European State, Hemel Hempsted.

Keating, Michael (1990): Minority Nationalism and the State: The European Case, in: Watson, Michael (Hg.), Contemporary Minority Nationalism, London/New York, 174-194.

Panitch, Leo (1994): Globalisation and the State, in: Socialist Register 1994, 60-93.

Richardson, Jeremy J. (1993b): Introduction: Pressure Groups and Government, in: ders. (Hg.), Pressure Groups, Oxford, 1-15.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Referenzen werden mitübernommen.

Aus "m.E." wird "nach meinem Verständnis".


[105.] Cbr/Fragment 082 01

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Untersuchte Arbeit:
Seite: 82, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 68, 69, Zeilen: 68: 10 ff.; 69: 1 ff.
Daher wird die Position zu politischer Dezentralisierung davon abhängen, wie weit die regionalen politischen Akteure insgesamt in die nationale Elite eingebunden werden.

Im Rahmen der formalen Kompetenz- und Ressourcenverteilung zwischen den Institutionen und verschiedenen politischen Ebenen werden Strukturen der Interessenvermittlung etabliert. Sie sind ebenfalls nicht als statisch zu betrachten, sondern wandeln sich mit der Herausbildung neuer Aufgaben oder institutionellen Entwicklungen. Interessenkonflikte sowohl um politische Zielsetzungen als auch eventuelle Umverteilungen von Funktionen und Ressourcen finden jedoch innerhalb der bestehenden Strukturen statt.265 Diese bilden hier einen Filter der Interessenwahrnehmung. In bezug auf politische Dezentralisierung ist also davon auszugehen, dass die Position der Akteure durch Erfahrungen im Umgang mit öffentlichen Institutionen auf verschiedenen Ebenen beeinflusst wird. Je besser und effektiver die Verfolgung eigener Interessen gegenüber und mit Hilfe nationaler Institutionen funktioniert, desto skeptischer werden regionalpolitische Akteure institutionellen Veränderungen gegenüberstehen. Umgekehrt werden positive Erfahrungen mit regionalen Institutionen ein Interesse an ihrer Stärkung hervorrufen. Für die regionalen Institutionen ist dabei nicht nur der institutionelle Aufbau des Staates, sondern auch ihre eigene Organisationsstruktur entscheidend. Je enger sie in den subnationalen Verband eingebunden und von dessen Ressourcen abhängig sind, desto weniger Handlungsspielraum haben sie im Umgang mit dem Nationalstaat. Von politischer Dezentralisierung würden sie bei unveränderten Strukturen nur wenig profitieren, könnten sie aber, besonders im Fall abweichender Interessen in der Region, zum Ausbau ihrer Handlungsautonomie nutzen. Umgekehrt kann eine von nationalen Strukturen weitgehend unabhängige regionale Institution ein Interesse am Ausbau der Ressourcen derjenigen politischen Ebene haben, zu der sie den besten Zugang hat. Dies sollte im Allgemeinen die regionale Ebene sein. Die Erwartungshaltung gegenüber bestimmten Regierungsebenen ist jedoch zunächst einmal davon abhängig, was grundsätzlich von öffentlichen Institutionen erwartet wird. Insofern wird sie nicht nur durch die Kompetenzverteilung zwischen den Institutionen geprägt. Im jeweiligen Kontext, national oder regional, haben sich spezifische Politikbeziehungen herausgebildet, die auf einem Kontinuum zwischen den Idealtypen des liberalistischen bzw. pluralistischen und des korporatistischen Modells angesiedelt werden können. Während sie in pluralistischen Modellen der Interessenvermittlung lockerer, informeller und horizontal ausgerichtet sind, Interessengruppen dabei in Konkurrenz zueinander stehen können, sind sie in korporatistischen Modellen hierarchisch von staatlichen Institutionen dominiert, institutionalisiert und wesentlich enger.266 Vor allem die Intensität der bisherigen Interaktion und das Ausmaß der früherer [sic] Abhängigkeit von staatlicher Regulierung bzw. Unter[stützung müssen als institutionelle Einflussfaktoren betrachtet werden, die aktuelle Erwartungen an staatliche Intervention und damit die Perzeption ihrer Funktionalität prägen.]


265 Thelen, K. and Steinmo, S., Historical Institutionalism in Comparative Politics, in: Steinmo, Sven, et al [Hrsg.], Structuring Politics. Historical Institutionalism in Comparative Analysis, Cambridge 1992, p. 17.

266 Schneider, V., Corporatist and Pluralist Patterns of Policy-Making for Chemicals Control: A Comparison Between West Germany and the USA, in: Cawson, A. [Hrsg.], Organized Interests and the State. Studies in Meso-Corporatism, London et al 1985, p. 175f

Insofern wird die Position zu politischer Dezentralisierung davon abhängen, wie weit die regionale Unternehmerschaft insgesamt oder eines bestimmten Sektors in die nationale Elite eingebunden wurde.

Im Rahmen der formalen Kompetenz- und Ressourcenverteilung zwischen den Institutionen und verschiedenen politischen Ebenen werden Strukturen der Interessenvermittlung etabliert. Sie sind zwar ebenfalls keineswegs als statisch zu betrachten, sondern wandeln sich mit der Herausbildung neuer Aufgaben oder institutionellen Entwicklungen. Interessenkonflikte sowohl um politische Zielsetzungen als auch eventuelle Umverteilungen von Funktionen und Ressourcen finden jedoch innerhalb der bestehenden Strukturen statt (Thelen/Steinmo 1992: 17). Diese bilden hier einen Filter der Interessenwahrnehmung; in bezug auf politische Dezentralisierung ist also davon auszugehen, daß die Position der Akteure durch Erfahrungen im Umgang mit öffentlichen Institutionen auf verschiedenen Ebenen beeinflußt wird. Je besser und effektiver also die Verfolgung eigener Interessen gegenüber und mit Hilfe nationaler Institutionen funktioniert, desto skeptischer werden die Unternehmer institutionellen Veränderungen gegenüberstehen; umgekehrt werden positive Erfahrungen mit regionalen Institutionen ein Interesse an ihrer Stärkung hervorrufen.

Für die regionalen Verbände ist dabei nicht nur der institutionelle Aufbau des Staates, sondern auch ihre eigene Organisationsstruktur ausschlaggebend. Je enger sie in den nationalen Verband eingebunden und von dessen Ressourcen abhängig sind, desto weniger Handlungsspielraum haben sie im Umgang mit regionalen politischen Institutionen. Von politischer Dezentralisierung würden sie bei unveränderten Verbandsstrukturen nur wenig profitieren, könnten sie aber, besonders im Fall abweichender Interessen in der Region, zum Ausbau ihrer Handlungsautonomie nutzen. Umgekehrt kann ein von nationalen Strukturen weitgehend unabhängiger regionaler Verband ein Interesse am Ausbau der Ressourcen derjenigen politischen Ebene haben, zu der er den besten Zugang hat. Dies sollte im allgemeinen die regionalen [sic] Ebene sein.

Die Erwartungshaltung gegenüber bestimmten Regierungsebenen ist jedoch zunächst einmal abhängig davon, was grundsätzlich von öffentlichen Institutionen erwartet wird. Insofern wird sie nicht nur durch die Kompetenzverteilung zwischen den

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Institutionen geprägt. Im jeweiligen Kontext, national oder regional, haben sich spezifische Staat-Wirtschaftsbeziehungen herausgebildet, die auf einem Kontinuum zwischen den Idealtypen des liberalistischen bzw. pluralistischen und des korporatistischen Modells angesiedelt werden können. Während sie in pluralistischen Modellen der Interessenvermittlung lockerer, informeller und horizontal ausgerichtet sind, Interessengruppen dabei in Konkurrenz zueinander stehen können, sind sie in korporatistischen Modellen hierarchisch von staatlichen Institutionen dominiert, institutionalisiert und wesentlich enger (Schneider 1985: 175f). Vor allem die Intensität der bisherigen Interaktion und das Ausmaß der bisherigen Abhängigkeit von staatlicher Regulierung bzw. Unterstützung müssen als institutionelle Einflußfaktoren betrachtet werden, die aktuelle Erwartungen an staatliche Intervention und damit die Perzeption ihrer Funktionalität prägen.


Thelen, Kathleen/Steinmo, Sven (1992): Historical Institutionalism in Comparative Politics, in: Steinmo, Sven/Thelen, Kathleen/Longstreth, Frank (Hg.), Structuring Politics. Historical Institutionalism in Comparative Analysis, Cambridge, 1-32.

Schneider, Volker (1985): Corporatist and Pluralist Patterns of Policy-Making for Chemicals Control: A Comparison Between West Germany and the USA, in: Cawson, Alan (Hg.), Organized Interests and the State. Studies in Meso-Corporatism, London et al., 174-191.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Referenzen werden mitübernommen.


[106.] Cbr/Fragment 083 01

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Untersuchte Arbeit:
Seite: 83, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 69, 70, Zeilen: 69: 8 ff.; 70: 1 ff.
[Vor allem die Intensität der bisherigen Interaktion und das Ausmaß der früherer [sic] Abhängigkeit von staatlicher Regulierung bzw. Unter]stützung müssen als institutionelle Einflussfaktoren betrachtet werden, die aktuelle Erwartungen an staatliche Intervention und damit die Perzeption ihrer Funktionalität prägen. Die angenommene Funktionalität regionaler Institutionen wird daher nur dann als Argument für politische Dezentralisierung Bedeutung erlangen, wenn grundsätzlich eine Erwartungshaltung gegenüber staatlichen Akteuren vorliegt.

Auffassungen über die Rolle des Staates in Wirtschaft und Politik sind darüber hinaus Teil ordnungspolitischer Grundüberzeugungen. Grob kann hier zwischen den Aspekten der sozialen Umverteilung und der staatlichen Intervention in wirtschaftliche Entwicklungen unterschieden werden. Standpunkte zu ersterem werden traditionell auf einer ‚Links-Rechts-Achse’ eingeordnet, während letzteres vereinfacht wiederum dem Kontinuum zwischen Korporatismus und Liberalismus bzw. Pluralismus in bezug auf die Tradition der ‚Staat-Subnationalbeziehungen’ entspricht. In neoinstitutionalistischen Ansätzen werden auch normative Denkmuster mittlerweile zu den institutionellen Rahmenbedingungen gezählt, welche die Interessen und Strategien der jeweiligen Akteure prägen.267 Sie haben im jeweiligen Kontext ihre historischen Wurzeln und Entwicklungsdynamiken, wobei bestimmte ideologische Vorstellungen hegemonial werden und ihren Ausdruck in institutionellen Strukturen wie beispielweise [sic] den spezifischen Politikbeziehungen finden. In diesem Prozess schlagen sich durchaus auch Veränderungen der global-hegemonialen Denkmuster nieder, werden aber, wie sich u.a. an der unterschiedlichen Durchsetzung neoliberaler Ideologie268 gezeigt hat, durch etablierte Weltbilder stark gefiltert. Für die Wahrnehmung des ‘Funktionalitätsarguments’ gilt hier das gleiche wie in bezug auf die Muster der ‚Staat-Subnationalbeziehungen’: Nur wer staatliche Eingriffe in die politische und wirtschaftliche Entwicklung insgesamt für notwendig hält, wird in der Funktionalität regionaler Institutionen einen Grund für politische Dezentralisierung sehen.

Dabei sind nicht nur die ordnungspolitischen Überzeugungen der zu untersuchenden Akteure selbst relevant. Bei der Berücksichtigung von Interessen und der Positionsbildung in bezug auf institutionelle Arrangements spielen auch die im politischen Umfeld vorherrschenden wirtschaftspolitischen Vorstellungen eine Rolle. Eine Konsequenz politischer Dezentralisierung kann in der Durchsetzung alternativer Konzeptionen bestehen, wenn unter den dominanten politischen Kräften bzw. der politischen Mehrheit in der Region andere Vorstellungen vorherrschen als auf nationaler Ebene. Insofern sollte die Haltung organisierter politischer Interessen zu politischer Dezentralisierung eng mit den in Verbindung damit erwarteten wirtschaftspolitischen Folgen zusammenhängen. Der entscheidende Faktor ist dabei die konzeptionelle Nähe zu den politischen Akteuren: Bestehen starke Differenzen zur Politik der zentralstaatlichen bzw. übergeordneten Regierung, während eine [potentielle] regionale Regierungsebene eine Politik betreibt oder erwarten lässt, die den eigenen Vorstellungen näher kommt, sollte dies die Option politischer Dezentralisierung attraktiver erscheinen lassen. Umgekehrt werden in der re[gionalen Politik dominante sozioökonomische Weltbilder, die eine weniger freundliche Wirtschaftspolitik erwarten lassen, eher eine Ablehnung der Stärkung regionaler Institutionen hervorrufen.]


267 Vgl. Thelen and Steinmo, Historical Institutionalism, a.a.O., p. 2.

268 Vgl. Gill, S., Globalisation, Market Civilisation, and Disciplinary Liberalism, in: Millenium: Journal of International Studies, Jg. 24, 3/1995, p. 399-423.

Vor allem die Intensität der bisherigen Interaktion und das Ausmaß der bisherigen Abhängigkeit von staatlicher Regulierung bzw. Unterstützung müssen als institutionelle Einflußfaktoren betrachtet werden, die aktuelle Erwartungen an staatliche Intervention und damit die Perzeption ihrer Funktionalität prägen. Die angenommene Funktionalität regionaler Institutionen wird daher nur dann als Argument für politische Dezentralisierung Bedeutung erlangen, wenn grundsätzlich eine Erwartungshaltung gegenüber staatlichen Akteuren vorliegt.

Ansichten über die Rolle des Staates in der Ökonomie sind darüber hinaus Teil ordnungspolitischer Grundüberzeugungen. Grob kann hier zwischen den Aspekten der sozialen Umverteilung und der staatlichen Intervention in wirtschaftliche Entwicklungen unterschieden werden. Standpunkte zu ersterem werden traditionell auf einer Links- Rechts-Achse eingeordnet, während letzteres vereinfacht wiederum dem Kontinuum zwischen Korporatismus und Liberalismus/Pluralismus in bezug auf die Tradition der Staat-Wirtschaftsbeziehungen entspricht. In neoinstitutionalistischen Ansätzen werden auch normative Denkmuster mittlerweile zu den institutionellen Rahmenbedingungen gezählt, welche die Interessen und Strategien der jeweiligen Akteure prägen (Thelen/Steinmo 1992: 2). Sie haben im jeweiligen Kontext ihre historischen Wurzeln und Entwicklungsdynamiken, wobei bestimmte ideologische Vorstellungen hegemonial werden und ihren Ausdruck in institutionellen Strukturen wie beispielsweise den spezifischen Staat-Wirtschaftsbeziehungen finden. In diesem Prozeß schlagen sich durchaus auch Veränderungen der global hegemonialen Denkmuster nieder, werden aber, wie sich u.a. an der unterschiedlichen Durchsetzung keynesianischer Konzeptionen (Hall 1989, 1992; Weir 1992) und neoliberaler Ideologie (Gill 1995) gezeigt hat, durch etablierte Weltbilder stark gefiltert. Für die Perzeption des "Funktionalitätsarguments" gilt hier das gleiche wie in bezug auf die Muster der Staat-Wirtschaftsbeziehungen: Nur wer staatliche Eingriffe in die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt für notwendig hält, wird in der Funktionalität regionaler Institutionen einen Grund für politische Dezentralisierung sehen.

Dabei sind nicht nur die ordnungspolitischen Überzeugungen der zu untersuchenden Akteure selbst relevant. Bei der Perzeption von Interessen und der Positionsbildung in bezug auf institutionelle Arrangements spielen auch die im politischen Umfeld vorherrschenden wirtschaftspolitischen Vorstellungen eine Rolle. Eine Konsequenz politischer Dezentralisierung kann in der Durchsetzung alternativer Konzeptionen bestehen, wenn unter den dominanten politischen Kräften bzw. der politischen Mehrheit in der Region andere Vorstellungen vorherrschen als auf nationaler Ebene. Insofern sollte die Haltung organisierter Unternehmerinteressen zu politischer Dezentralisierung eng mit den in Verbindung damit erwarteten wirtschaftspolitischen Folgen zusammenhängen. Der ent-

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scheidende Faktor ist dabei die konzeptionelle Nähe zu den politischen Akteuren: Bestehen starke Differenzen zur Politik der zentralstaatlichen Regierung, während eine (potentielle) regionale Regierungsebene eine Politik betreibt oder erwarten läßt, die den eigenen Vorstellungen näher kommt, sollte dies die Option politischer Dezentralisierung attraktiver erscheinen lassen. Umgekehrt werden in der regionalen Politik dominante sozioökonomische Weltbilder, die eine wenig "unternehmerfreundliche" Wirtschaftspolitik erwarten lassen, eher eine Ablehnung der Stärkung regionaler Institutionen hervorrufen.


Gill, Stephen (1995): Globalisation, Market Civilisation, and Disciplinary Liberalism, in: Millenium: Journal of International Studies, Jg. 24, Nr. 3, 399-423.

Hall, Peter A. (1989): Conclusion: The Politics of Keynesian Ideas, in: ders. (Hg.), The Political Power of Economic Ideas, Princeton, 361-391.

Hall, Peter A. (1992): The Movement from Keynesianism to Monetarism: Institutional Analysis and British Economic Policy in the 1970s, in: Steinmo, Sven/Thelen, Kathleen/Longstreth, Frank (Hg.), Structuring Politics. Historical Institutionalism in Comparative Analysis, Cambridge, 114-153.

Thelen, Kathleen/Steinmo, Sven (1992): Historical Institutionalism in Comparative Politics, in: Steinmo, Sven/Thelen, Kathleen/Longstreth, Frank (Hg.), Structuring Politics. Historical Institutionalism in Comparative Analysis, Cambridge, 1-32.

Weir, Margaret (1992): Ideas and the Politics of Bounded Innovation, in: Steinmo, Sven/Thelen, Kathleen/Longstreth, Frank (Hg.), Structuring Politics. Historical Institutionalism in Comparative Analysis, Cambridge, 188-216.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[107.] Cbr/Fragment 084 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 84, Zeilen: 1-34
Quelle: Lange 1998
Seite(n): 70, 71, Zeilen: 70: 5 ff.; 71: 1 ff.
[Umgekehrt werden in der re-]gionalen Politik dominante sozioökonomische Weltbilder, die eine weniger freundliche Wirtschaftspolitik erwarten lassen, eher eine Ablehnung der Stärkung regionaler Institutionen hervorrufen. Abgesehen von politischen Mehrheiten können auch die sozialen Kräfteverhältnisse zwischen Region und Nationalstaat differieren. Schließlich ist entscheidend, welche konkreten Dezentralisierungskonzepte in der Diskussion stehen: Dabei geht es sowohl um das Ausmaß der Kompetenzen und Ressourcen, die von der zentralstaatlichen auf die regionale Ebene übertragen werden sollen, als auch um die Frage, wie umfassend institutionelle Veränderungen sind. Grundsätzlich rufen weitgehende institutionelle Veränderungen ein großes Maß an Handlungsunsicherheit hervor. Der Etablierung ganz neuer Regierungsebenen wird daher mit größerer Skepsis begegnet als der Umverteilung von Kompetenzen zwischen existierenden Institutionen. Insofern sollte die Bereitschaft zur Unterstützung politischer Dezentralisierung proportional zum Grad der damit verbundenen institutionellen Veränderungen abnehmen. Darüber hinaus werden Regionalisierungsforderungen und -konzepte nicht losgelöst von anderen politischen Fragen diskutiert. Normativ werden sie neben kultureller Selbstbestimmung z.T. mit demokratietheoretischen Argumenten oder mit angestrebter sozialer Umverteilung begründet. Das dadurch entstehende Bild von regionalistischen Zielsetzungen wird sowohl von aktuellen Debatten als auch von der historischen Entwicklung und ideologischen Ausrichtung der jeweiligen regionalistischen Bewegungen bestimmt. Neben der Radikalität der angestrebten institutionellen Veränderungen sind hierbei vor allem die inhaltliche Positionierung der Bewegung entlang sozioökonomischen Konfliktlinien und ihrer sozialen Zusammensetzung relevant.

Die historischen Hintergründe der regionalistischen Bestrebungen sind für die Positionsbildung aber auch unabhängig von der Einbettung in andere gesellschaftliche Auseinandersetzungen von Bedeutung. Zum einen trägt eine starke Polarisierung des territorialen Konflikts dazu bei, dass mit Regionalismus ein höherer Grad an Unsicherheit verbunden wird, so dass die Skepsis gegenüber seinen Zielsetzungen wächst. Auf der anderen Seite bestimmt eine ausgeprägte regionalspezifisch kulturelle bzw. nationale Identität politische Loyalitäten und die Wahrnehmung der Legitimität politischer Herrschaft. Insofern ist davon auszugehen, dass die regionale Verwurzelung der politischen Akteure nicht nur aufgrund der Abhängigkeit von regionalen Standortfaktoren eine positive Haltung zu politischer Dezentralisierung fördert. Unabhängig von ihrem Status als politische Elite sollten auch sie bei entsprechender Identifikation mit der Region Forderungen nach kultureller Selbstbestimmung gegenüber aufgeschlossen sein.

Umgekehrt werden in der regionalen Politik dominante sozioökonomische Weltbilder, die eine wenig "unternehmerfreundliche" Wirtschaftspolitik erwarten lassen, eher eine Ablehnung der Stärkung regionaler Institutionen hervorrufen. Abgesehen von politischen Mehrheiten können auch die sozialen Kräfteverhältnisse zwischen Region und Nationalstaat differieren. [...]

Schließlich ist entscheidend, welche konkreten Dezentralisierungskonzepte in der Diskussion sind. Dabei geht es sowohl um das Ausmaß der Kompetenzen und Ressourcen, die von der zentralstaatlichen auf die regionale Ebene übertragen werden sollen, als auch um die Frage, wie umfassend die angestrebten institutionellen Veränderungen sind. Grundsätzlich rufen weitgehende institutionelle Veränderungen ein großes Maß an Handlungsunsicherheit hervor. Der Etablierung ganz neuer Regierungsebenen, besonders aber eines neuen Nationalstaates, wird daher mit größerer Skepsis begegnet als der Umverteilung von Kompetenzen zwischen existierenden Institutionen. Insofern sollte die Bereitschaft der Unternehmer zur Unterstützung politischer Dezentralisierung proportional zum Grad der damit verbundenen institutionellen Veränderungen abnehmen.

Darüber hinaus werden Regionalisierungsforderungen und -konzepte nicht losgelöst von anderen politischen Fragen diskutiert. Normativ werden sie neben kultureller Selbstbestimmung z.T. mit demokratietheoretischen Argumenten oder mit angestrebter sozialer Umverteilung begründet. Das dadurch entstehende Bild von regionalistischen Zielsetzungen wird sowohl von aktuellen Debatten als auch von der historischen Entwicklung und ideologischen Ausrichtung der jeweiligen regionalistischen Bewegung bestimmt. Neben der Radikalität der angestrebten institutionellen Veränderungen sind hierbei vor allem die inhaltliche Positionierung der Bewegung entlang sozioökonomischer Konfliktlinien und ihre soziale Zusammensetzung relevant.

Die historischen Hintergründe der regionalistischen Bestrebungen sind für die Positionsbildung aber auch unabhängig von der Einbettung in andere gesellschaftliche Auseinandersetzungen von Bedeutung. Zum einen trägt eine starke Polarisierung des territorialen Konflikts dazu bei, daß mit Regionalismus ein höherer Grad an Unsicherheit verbunden wird, so daß die Skepsis gegenüber seinen Zielsetzungen wächst. Auf der anderen Seite bestimmt eine ausgeprägte regionalspezifische kulturelle bzw. nationale Identität politische Loyalitäten und die Perzeption der Legitimität politischer Herr-

[Seite 71]

schaft. Insofern ist davon auszugehen, daß die regionale Verwurzelung der Unternehmer nicht nur aufgrund der Abhängigkeit von regionalen Standortfaktoren eine positive Haltung zu politischer Dezentralisierung fördert. Unabhängig von ihrem Status als wirtschaftliche Elite sollten auch sie bei entsprechender Identifikation mit der Region Forderungen nach kultureller Selbstbestimmung gegenüber aufgeschlossen sein.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.


[108.] Cbr/Fragment 085 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 85, Zeilen: 1-28
Quelle: Student 2000
Seite(n): 77, 80, Zeilen: 77: 13 ff.; 80: 6 ff.
[Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wie auch viele andere Kooperationen zwischen Regionen zielen als “Kern einer zielorientierten und effektiven Planungs]kooperation”269 vor allem auf eine bessere Nutzung der endogenen Potentiale sowie eine Ausweitung des eigenständigen regionalen Handlungsspielraums gegenüber der nationalen und supranationalen Ebene. „Local and regional authorities along the border become aware that their individual efforts will not be very effectve [sic]. They realize that a cooperative approach would better fit the situation.”270 Die mit einer engeren Kooperation verfolgten Ziele bei den zahlreichen Zusammenarbeiten basieren auf gemeinsamen grenzbedingten Nachteilen:271

1. Grenzregionen liegen häufig geographisch weit von den wichtigsten nationalen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungszentren entfernt, da sich Wirtschaft, Verkehr, Kultur und Bevölkerung in der Region [sic] von den Zentren eines Staates zu seinen Grenzen hin abschwächen.

2. Viele Grenzregionen sind bedingt durch ihre Randlage bei den innerstaatlichen Verkehrs- und Kommunikationsnetzen und den unzureichenden grenzüberschreitenden Verbindungen durch eine mangelhafte Infrastrukturausstattung gekennzeichnet. Daneben gibt es auch solche Grenzgebiete, die zwar heute großräumig infrastrukturell angebunden sind, jedoch immer noch unter der jahrzehntelangen Missachtung leiden.

3. Zahlreiche Grenzregionen sind von den kommerziellen Zentren und ihrem natürlichen Hinterland getrennt, mit der Folge zum Teil gravierender Verzerrungen ihrer Handels- und Dienstleistungsstruktur. So fehlen beispielsweise den kleinen und mittleren Unternehmen [KMU] häufig die historisch gewachsenen grenzüberschreitenden Zuliefer- und Absatzmärkte.

4. Die Kommunikation über die nationalen Grenzen hinweg wird durch verschiedene Rechts-, Verwaltungs- und Sozialsysteme sowie durch unterschiedliche Sprachen und kulturelle Traditionen beiderseits der nationalen Grenzen erschwert.

5. Grenzregionen verfügen in der Regel über eine niedrigere Produktivität in der Landwirtschaft, ein relativ niedriges wirtschaftliche Leistungsniveau, wenig Bodenschätze, einseitige Wirtschaftsstrukturen [Textil, Kohle, Stahl usw.] und einen schwachen Dienstleistungssektor.272


269 Roch, I. und Ziegler, A., Grenzraumentwicklung und kooperatives Handeln in Europa, in: WSI-Miteilungen, 3/1998, S. 188.

270 Cappellin, R., Regional Development, Federalism and Interregional Co-operation, in: Eskelinen, H. und Snickars, F. [Hrsg.], Competitive European Peripheries, Heidelberg 1995, p. 44.

271 Vgl. Arbeitsgemeinschaft der Europäischen Grenzregionen [AGEG], [Hrsg.], Europäische Charta der Grenz- und grenzüberschreitenden Regionen vom 20.11.1981, geändert am 1.12.1995 in Szczecin [Euregio Pomeriana], Gronau 1996, S. 2; sowie Mantey, G., Möglichkeiten der gemeinschaftlichen Regionalpolitik für die Entwicklung der Grenzregionen, in: Akademie für Raumforschung und Landesplanung [Hrsg.], Grenzübergreifende Raumplanung, Hannover 1992, S. 31-44.

272 Vgl. auch Europäische Kommission: Europa 2000 – Perspektiven der künftigen Raumordnung der Gemeinschaft, Luxemburg 1991.

Die Euroregionen wie auch die meisten anderen Kooperationen zwischen Regionen zielen als „Kern einer zielorientierten und effektiven Planungskooperation“20 vor allem auf eine bessere Nutzung der endogenen Potentiale sowie eine Ausweitung des eigenständigen regionalen Handlungsspielraums gegenüber der nationalen und supranationalen Ebene. „Local and regional authorities along the border become aware that their individual efforts will not be very effective. They realise that a co-operative approach would better fit the situation.“21 Obgleich die mit einer engeren Kooperation verfolgten Ziele bei den zahlreichen Euroregionen sehr ähnlich sind, differiert doch deren praktische Ausgestaltung.

20 Roch, I. / Ziegler, A.: Grenzraumentwicklung und kooperatives Handeln in Europa, in: WSI-Miteilungen, 1998/3, S. 186-194, hier: S. 188.

21 Cappellin, R.: Regional Development, Federalism and Interregional Co-operation, in: Eskelinen, H. / Snickars, F. (Hrsg.): Competitive European Peripheries, Heidelberg 1995, S. 41-58, hier: S. 44.

[Seite 80]

• Grenzregionen liegen häufig geographisch weit von den wichtigsten nationalen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungszentren entfernt, da sich Wirtschaft, Verkehr, Kultur und Bevölkerung in der Regel von den Zentren eines Staates zu seinen Grenzen hin abschwächen.29

• Viele Grenzregionen sind bedingt durch ihre Randlage bei den innerstaatlichen Verkehrs- und Kommunikationsnetzen und den unzureichenden grenzüberschreitenden Verbindungen durch eine mangelhafte Infrastrukturausstattung gekennzeichnet. Daneben gibt es auch solche Grenzgebiete, die zwar heute großräumig infrastrukturell angebunden sind, jedoch immer noch unter der jahrzehntelangen Vernachlässigung leiden.

• Eng damit zusammenhängend sind zahlreiche Grenzregionen von den kommerziellen Zentren und ihrem natürlichen Hinterland getrennt, mit der Folge zum Teil gravierender Verzerrungen ihrer Handels- und Dienstleistungsstruktur. So fehlen beispielsweise den kleinen und mittleren Unternehmen häufig die historisch gewachsenen grenzüberschreitenden Zuliefer- und Absatzmärkte.

• Die Kommunikation über die nationalen Grenzen hinweg wird durch verschiedene Rechts-, Verwaltungs- und Sozialsysteme sowie durch unterschiedliche Sprachen und kulturelle Traditionen beiderseits der nationalen Grenzen erschwert.

• Grenzregionen verfügen in der Regel über eine niedrigere Produktivität in der Landwirtschaft, ein relativ niedriges wirtschaftliches Leistungsniveau, wenig Bodenschätze, einseitige Wirtschaftsstrukturen (Textil, Kohle, Stahl usw.) und einen schwachen Dienstleistungssektor.30


28 Vgl. Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen (AGEG): Europäische Charta der grenz- und grenzübergreifenden Regionen, Gronau o.J., S. 2 ff. Sowie Mantey, G.: Möglichkeiten der gemeinschaftlichen Regionalpolitik für die Entwicklung der Grenzregionen, in: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Hrsg.): Grenzübergreifende Raumplanung, Hannover 1992, S. 31-44.

29 Vgl. Rietveld, P.: Transport and Communication Barriers in Europe, in: Cappellin, R. / Batey, P.W.J. (Hrsg.): Regional Networks, Border Regions and European Integration, London 1993, S. 62-81.

30 Vgl. auch Europäische Kommission: Europa 2000 - Perspektiven der künftigen Raumordnung der Gemeinschaft, Luxemburg 1991

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Referenzen werden mitübernommen.


[109.] Cbr/Fragment 086 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 86, Zeilen: 1-2, 4-27, 29-32
Quelle: Brunn Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 8, 9, 10, Zeilen: 8: 23 ff.; 9: 1 ff.; 10: 1 ff.
3.1 Entstehung und Entwicklung

3.1.1 Die Anfänge

[Ziel und Grundlage jeder grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist die Überwindung der staatlichen Grenze sowie die Bündelung gesellschaftlicher Interessen nach innen.] Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Europa begann vor mehr als 30 Jahren. Zu einem Element der europäischen Politik wurde sie erst, als die Europäischen Institutionen und Organisationen anfingen, ihr eine tragende Funktion im Prozess der europäischen Einigung zuzuschreiben. Innerhalb des Aufstiegs der grenzübergreifenden Zusammenarbeit bis zu ihrer heutigen Bedeutung lassen sich vier Abschnitte identifizieren:

1. Eine ‘Pionier-Phase’ in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren. Sie wurde von den Grenzregionen selbst eingeleitet [EUREGIO]273, andererseits aber auch von staatlichen Interessen an einer grenzüberschreitenden Raumplanungspolitik dominiert.

2. In den späten sechziger Jahren folgte ein zweiter Zeitraum, indem sich der Europarat zunehmend dieser Thematik zuwandte [„Ständige Konferenz der Gemeinden und Regionen Europas“]274.

3. Anfang der siebziger Jahre schlossen sich die ersten Grenzregionen zur „Arbeitsgemeinschaft der Europäischen Grenzregionen“ [AGEG] zusammen. In der Folge integrierten sie sich in anderen Europäischen Regionalorganisationen [z.B. „Versammlung der Regionen Europas“, [VRE]].

4. Eine weitere Dynamisierung trat in den späten achtziger Jahren ein, als die EG das Thema für sich entdeckte.

Im ersten Zeitabschnitt leisteten die EUREGIOs an der deutsch-niederländischen Grenze Aufbauarbeit. In dieser Phase dominierten nicht die Regionen, sondern zwei Akteure ober- und unterhalb der regionalen Ebene: Einerseits die Grenzkommunen und Kommunalverbände, die bei den EUREGIOs den Ton angaben und andererseits zwischenstaatliche Kommissionen. [Da sich viele Probleme Europas an seinen Binnen- und Außengrenzen wie in einem Brennglas spiegeln, sind die Bürger in den Grenzgebieten als erste betroffen.] So gingen die EUREGIOs schon in der Entstehung von Problemen vor Ort beiderseits der Grenzen aus und versuchten sie grenzüberschreitend zum Wohl der Bürger zu lösen.275 In den siebziger Jahren begann der Europarat kontinuierlich mit der 1971 gegründeten AGEG zusammenzuarbeiten. Diese Arbeit führte zur Madrider [Rahmenkonvention über grenzüberschreitenden Zusammenarbeit vom Mai 1980276, von deren rechtlichen Lösungsvarianten die grenzübergreifende Koproduktion noch heute zehrt.]


273 Vgl. EUREGIO, Das alltägliche Europa in der Praxis, Gronau 1995, S. 18-26. Ausgangspunkt dieser Zusammenarbeit war bereits im Jahre 1954 die Gründung der Interessengemeinschaft Rhein-Ems; siehe Malchus, von V., Partnerschaft an europäischen Grenzen. Integration durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Bonn 1975.

274 Vgl. Malchus, Partnerschaft an europäischen Grenzen, a.a.O., S. 173f.

275 Zur Entstehung siehe Malchus, von V., Strukturen und Arbeitsweisen grenzüberschreitender regionaler Kooperation in Mitteleuropa in: Jurczek, P., [Hrsg.], Regionale Entwicklung über Staatsgrenzen, Kronach u.a. 1996, S. 28-30. Siehe auch: Gabbe, J., EUREGIO - grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Praxis, in: INTERREGIO 6/1997, S. 13-19.

276 Abgedruckt in: Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1981, Teil II, Bonn, den 6. November 1981, S. 965-997.

2. „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Europa“: Entstehung und Entwicklung

2.1 Die Anfänge

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Europa nach 1945 begann vor mehr als 30 Jahren, doch wurde sie erst zu einem Bestandteil der europäischen Politik, als die Europäischen Institutionen und Organisationen begannen, ihr eine tragende Funktion im Prozeß der europäischen Einigung beizumessen. Es lassen sich vier Etappen des Aufstiegs der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bis zu ihrer heutigen Bedeutung identifizieren:

1. Eine „Pionier- und take off-Phase“ in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren. Sie wurde zwar von den Grenzregionen selbst eingeleitet (EUREGIO)3, aber andererseits noch von staatlichen Interessen an einer grenzüberschreitenden Raumplanungspolitik dominiert. (Saar-Lor-Lux, Oberrhein-Kooperation).


3 Siehe Euregio, Das alltägliche Europa in der Praxis, Gronau 1995, S.18-26. Eine Vorstufe dieser Zusammenarbeit begann bereits im Jahre 1954 mit der Gründung der „Interessengemeinschaft Rhein- Ems'; siehe: Viktor von Malchus, a.a.O., S. 173f.

[Seite 9]

2. In den späten sechziger Jahren folgte eine zweite Phase, als sich der Europarat zunehmend dieser Thematik zuwandte (Ständige Konferenz der Gemeinden und Regionen Europas).

3. Kurze Zeit darauf schlossen sich die ersten Grenzregionen zur AGEG zusammen und integrierten sich in der Folge in andere Europäische Regionalorganisationen (z.B. in der „Versammlung der Regionen Europas“, VRE).

4. Eine weitere Dynamisierung trat in den späten achtziger Jahren ein, als die Europäische Gemeinschaft das Thema für sich entdeckte.

In der ersten Phase leisteten die EUREGIOs an der deutsch-niederländischen Grenze Pionierarbeit, aber auch die Regio Basilensis im oberrheinischen Dreiländereck und die Regionalkommission des Saarlandes, Lothringens und Luxemburgs (Saar-Lor-Lux). D.h. in der Pionier- und take off-Phase dominierten nicht die Regionen, sondern zunächst zwei Akteure ober- und unterhalb der regionalen Ebene: Es waren dies einerseits die Grenzkommunen und Kommunalverbände, die bei den EUREGIOs den Ton angaben und andererseits zwischenstaatliche Kommissionen, die deutsch-französisch-luxemburgische Regierungskommission mit ihrer „Arbeitsebene“, der Regionalkommission „Saar-Lor-Lux“4 sowie die „Commission tripartite“ am Oberrhein5 oder die an den südöstlichen Außengrenzen der EG liegende Arbeitsgemeinschaft Alpen (Arge Alp). Von Beginn an gingen die EUREGIOs von Problemen vor Ort beiderseits der Grenzen aus und versuchten sie grenzüberschreitend zu lösen.6

In den siebziger Jahren begann der Europarat kontinuierlich mit der 1971 gegründeten AGEG zusammenzuarbeiten, und diese Zusammenarbeit führte zur Madrider Rahmen-


4 Ein Überblick bei Peter Moll, Kooperation an der EU-Binnengrenze. Das Beispiel Saar-Lor-Lux, Rückblick und Perspektiven, in: IÖR-Schriften 9 (1994), bes. S.71-76; allerdings ist in diesem Raum ein traditioneller Verflechtungsgrad nachzuweisen, der nicht-staatliche Interaktionen schon immer erforderlich machte. Siehe Francois Reitel, Krise und Zukunft des Montandreicks Saar-Lor-Lux, Frankfurt am Main/Berlin/München 1980, passim; sowie ders., Veränderungen der politischen Grenzen im Saar-Lor-Lux-Raum und ihre wirtschaftlichen und regionalen Konsequenzen, in: Dietrich Soyez et.al. (Hrsg.), Das Saarland, Bd. I: Beharrung und Wandel in einem peripheren Grenzraum (Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität des Saarlandes 36) Saarbrücken 1989, S.127-138; zuletzt: Christian Schulz, Saar-Lor-Lux - Die Bedeutung der lokalen grenzüberschreitenden Kooperation für den europäischen Integrationsprozeß, in: Europa regional, 2 (1997), S. 35-43.

5 Diese deutsch-französisch-schweizerische Regierungskommission konstituierte sich am 3. November 1975 in Basel. Siehe Bernd Groß/Peter Schmitt-Egner, Europas kooperierende Regionen, Rahmenbedingungen und Praxis grenzüberschreitender Zusammenarbeit deutscher Grenzregionen in Europa, Baden-Baden 1994, S.62ff; Ingrid Grom, Regional-grenzüberschreitende Zusammenarbeit als Beitrag zur Förderung der Europäischen Integration, Berlin 1995, S. 168-240.

6 Zur Entstehung siehe jetzt Viktor von Malchus, Strukturen und Arbeitsweisen grenzüberschreitender regionaler Kooperation in Mitteleuropa in: P. Jurczek (Hrsg.), Regionale Entwicklung über Staatsgrenzen, Kronach/München/Bonn 1996, S.28-30, sowie Groß/Schmitt-Egner, ebd., S.47-56. Siehe auch: Jens Gabbe: EUREGIO - grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Praxis, in: INTERREGIONES, 6 (1997), S. 13-19.

[Seite 10]

konvention zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit vom Mai 1980.7 Von deren rechtlichen Lösungsvarianten zehrt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit noch heute.8


7 Zur Rahmenkonvention des Europarates siehe Council of Europe, Explanatory report on the European Outline Convention on Transfrontier Co-operation between Territorial Communities or Authorities, Strasbourg 1980; wichtig ist hier auch das Zusatzprotokoll vom 9. November 1995; siehe Council of Europe, Additional Protocol to the European Outline Convention on Transfrontier Co-operation between Territorial Communities or Authorities, ETS No. 159, Strasbourg 1995. Diesem Protokoll stimmte das Ministerkomitee auf seiner Sitzung vom 17.3.1998 zu (siehe Council of Europe, Press Release vom 17.3.1998). Zur Vorgeschichte siehe: Europarat, Parlamentarische Versammlung (Hrsg.), Europäisches Symposium der Grenzregionen, Strasbourg, 29.6.-1.7.1972, Strasbourg 1972, S.l-3; ders., Recommendation 784 on the conclusion of the 2nd European Symposium on frontiers regions in Europe, Strasbourg 1976.

8 Siehe den Vertrag „Isselburg-Anhold“ zwischen NRW, Niedersachsen der BRD und den Niederlanden, der am 1.1.1993 in Kraft trat, sowie die sog. „Karlsruher“ und „Mainzer“ Abkommen (siehe hierzu generell den Beitrag von Ulrich Beyerlin in diesem Band).

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, die in der Arbeit nirgends genannt ist. Referenzen werden mitübernommen.


[110.] Cbr/Fragment 087 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 87, Zeilen: 1-28
Quelle: Brunn Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 9, 10, 11, 20, 21, Zeilen: 9: letzte 2 Zeilen; 10: 1 ff.; 11: 8 f.; 20: letzter Absatz; 21: 1 ff.
[Diese Arbeit führte zur Madrider] Rahmenkonvention über grenzüberschreitenden Zusammenarbeit vom Mai 1980276, von deren rechtlichen Lösungsvarianten die grenzübergreifende Koproduktion noch heute zehrt.

Die 1971 gegründete AGEG, die inzwischen 62 europäische Grenzregionen und grenzüberschreitende Kooperationen umfasst,277 ist ein horizontales Kommunikationsinstrument zwischen den Regionen einerseits und eine vertikale Lobby-Agentur gegenüber den Europäischen Institutionen andererseits.278 Die beiderseitige Annäherung von EU und AGEG erfolgte vor dem Hintergrund eines grundlegenden Wandels des europäischen Kontextes. Die Einheitliche Europäische Akte [EEA], d.h. die Konzipierung und Umsetzung des Binnenmarktprojektes, schuf neue Rahmenbedingungen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit [GZA].279 Der EU wurde immer stärker die integrationspolitische Funktion der Grenzregionen bewusst. Im Rahmen der Regionalisierung der Strukturfonds wurden diese großzügig mit Fördermitteln unterstützt. Damit verschoben sich die politischen Akzente in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von der Kultur und den allgemein demokratischen Zielsetzungen hin zur Wirtschaft. Die Arbeit wurde tendenziell ‘ökonomisiert’. Die AGEG sprang auf diesen ‘Integrationszug’ auf, für den die Weichen mit dem Binnenmarktprojekt gestellt und über dessen regionalpolitische Fahrtrichtung mit der Regionalisierung der Strukturfonds in der zweiten Hälfte der 80er Jahren entschieden worden war.

3.1.2 Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im theoretischen Kontext

An dieser Stelle ist nun Entstehung, Theorie und Praxis der grenzübergreifenden Zusammenarbeit als Beziehung zwischen politischem Entstehungskontext und ihrem wissenschaftlichen Begründungszusammenhang zu thematisieren: Wie ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit als wissenschaftlicher Forschungsgegenstand begründbar? Wie lassen sich daraus operationale Definitionen, empirischer Fragestellungen und Hypothesen ableiten, die wiederum eine Vergleichbarkeit der Resultate ermöglichen? Eine Voraussetzung zur Beantwortung dieser Frage ist die Bestimmung des Verhältnisses von Wissenschaft und Praxis der grenzübergreifenden Zusammenarbeit.


276 Abgedruckt in: Bundesgesetzblatt, Jahrgang 1981, Teil II, Bonn, den 6. November 1981, S. 965-997.

277 Sie versteht sich als Vertreter des Gesamtinteresses der europäischen Grenzregionen. Vgl. „Arbeitsgemeinschaft der Europäischen Grenzregionen“ [AGEG], Europäische Charta, a.a.O.

278 Zur Organisation und geographischen Ausdehnung der Institution siehe die Abbildung 19, 20, die Darstellung 2 und Karte 3 im Anhang.

279 Die Beschreibung ‚grenzüberschreitende bzw. grenzübergreifende Zusammenarbeit’ werden im Folgenden synonym verwendet.

In den siebziger Jahren begann der Europarat kontinuierlich mit der 1971 gegründeten AGEG zusammenzuarbeiten, und diese Zusammenarbeit führte zur Madrider Rahmen-

[Seite 10]

konvention zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit vom Mai 1980.7 Von deren rechtlichen Lösungsvarianten zehrt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit noch heute.8

Die im Jahre 1971 gegründete AGEG, die inzwischen 62 europäische Grenzregionen und grenzüberschreitende Kooperationen umfaßt, versteht sich als Vertreter des Gesamtinteresses der europäischen Grenzregionen9, d.h. als horizontales Kommunikationsinstrument zwischen den Regionen einerseits und als vertikale Lobby-Agentur gegenüber den Europäischen Institutionen andererseits. [...] Die beiderseitige Annäherung von EU und AGEG erfolgte vor dem Hintergrund eines grundlegenden Wandels des europäischen Kontextes. Die Einheitliche Europäische Akte (EEA), d.h. die Konzipierung und Umsetzung des Binnenmarktprojektes, schuf neue Rahmenbedingungen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Die EU wurde sich immer stärker der integrationspolitischen Funktion der Grenzregionen bewußt und bedachte sie im Rahmen der Regionalisierung der Strukturfonds großzügig mit Fördermitteln. Damit verschoben sich die politischen Akzente in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von der Kultur und allgemein demokratischen Zielsetzungen zur Wirtschaft. Die Zusammenarbeit wurde tendenziell „ökonomisiert“ und die AGEG sprang auf einen „Integrationszug“ auf, für den die Weichen mit dem Binnenmarktprojekt gestellt und über dessen regionalpolitische Fahrtrichtung mit der Regionalisierung der Strukturfonds in der zweiten Hälfte der 80er Jahre entschieden worden war.


8 Siehe den Vertrag „Isselburg-Anhold“ zwischen NRW, Niedersachsen der BRD und den Niederlanden, der am 1.1.1993 in Kraft trat, sowie die sog. „Karlsruher“ und „Mainzer“ Abkommen (siehe hierzu generell den Beitrag von Ulrich Beyerlin in diesem Band).

9 Siehe Arbeitsgemeinschaft der Europäischen Grenzregionen (AGEG), Europäische Charta der Grenz- und grenzüberschreitenden Regionen vom 20.11.1981, geändert am 1.12.1995 in Szczecin (Euregio Pomeriana), Gronau 1996 und dies., 25 Jahre Gemeinschaftsarbeit, Basel 1996, passim.

[Seite 11]

2.2 Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Spiegel des neuen europäischen Kontextes

[Seite 20]

Schmitt-Egner faßt die Fragestellung von Theorie, Empirie und Praxis der GZA zusammen als Beziehung zwischen dem politischen Entstehungszusammenhang, ihrem wissenschaftlichen Begründungs— und strategischen Verwendungszusammenhang. Der wissenschaftliche Begründungszusammenhang wird dabei in der folgenden Fragestellung thematisiert: Wie ist die GZA als wissenschaftlicher Forschungsgegenstand begründbar, aus dem sich operationale Definitionen,

[Seite 21]

empirische Fragestellungen und Hypothesen herleiten lassen, die wiederum eine Vergleichbarkeit der Resultate ermöglichen? Eine Voraussetzung zur Beantwortung dieser Frage sei die Bestimmung des Verhältnisses von Wissenschaft und Praxis der GZA.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[111.] Cbr/Fragment 087 28

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 87, Zeilen: 28-33
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 27, Zeilen: 1. Textabsatz
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Thematik der GZA kann über drei Ausgangsfragestellungen geschehen:

1. Die Frage einer wissenschaftssystematischen interdisziplinären Bestimmung.

2. Die Frage nach einer theoretischen Erklärung und der empirischen Analyse dieses Phänomens.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Phänomen der „Grenzüberschreitenden Zusammenarbeit“ in Europa (im folgenden GZA genannt) kann über drei Ausgangsfragestellungen thematisiert werden: Erstens die Frage nach der theoretischen Erklärung und der empirischen Analyse dieses Phänomens, zweitens das Problem seiner wissenschaftssystematischen Verortung in den jeweiligen Fachdisziplinen (Interdisziplinarität) und drittens am Verhältnis von Wissenschaft und Praxis.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Fortsetzung in Fragment 088 01.


[112.] Cbr/Fragment 088 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 88, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 27, 28, Zeilen: 27: 9 ff.; 28: 1 ff.
3. Die Frage nach dem Sachverhalt von Wissenschaft und Praxis.

Die letzte Frage impliziert zwei Folgefragen: Worin unterscheidet sich die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Thematik von einer ausschließlichen Beschreibung der Praxis? Welchen Auftrag kann [nicht muss] eine wissenschaftliche Auseinandersetzung für die Praxis der GZA haben?

Die Basis für das weitere Vorgehen bildet hier die zweite Ausgangsfrage, denn ihre Beantwortung ist Grundlage für die Beantwortung der ersten: Die grenzübergreifende Zusammenarbeit ist als Gegenstand angewandter Forschung Thema der Regionalforschung im weitesten Sinn.280 Sie kann aber auch der Integrationsforschung zugeordnet werden. Beide Forschungszweige basieren auf den entsprechenden Fächern [Politikwissenschaft, Geographie, Geschichte, Ökonomie etc.]. Und hier ergibt sich das erste Problem: Wenn diese Bereiche gemäß ihrer verschiedenen Problemstellungen und Methoden unterschiedliche Gegenstandsbestimmungen verwenden, wie ist dann noch eine interdisziplinäre Kommunikation über Forschungsresultate möglich? Wie ist der Gefahr zu begegnen, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden? Kann das Problem über deskriptive Analysen einzelner Fallbeispiele und logischer Ansätze gelöst werden? Hieraus lässt sich die erste These ableiten: Eine einheitliche Definition, die den wissenschaftlichen Kriterien281 der Ableitungsrichtigkeit und der logischen Widerspruchsfreiheit genügen sowie der intersubjektiven Überprüfbarkeit zugänglich sein soll, ist notwendig, um die analytische Vergleichbarkeit der Forschungsergebnisse verschiedener Disziplinen herzustellen. Nur so ist eine fachübergreifende Verständigung möglich. Diese erste Feststellung bildet die Überleitung zu den nächsten Fragen: Wie ist die GZA als wissenschaftlicher Forschungsgegenstand begründbar, und in welchem Zusammenhang stehen hier Wissenschaft und Praxis? Das Verhältnis von Praxis und Wissenschaft lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die Wissenschaft hat die zentrale Aufgabe, die systematische Erfassung, Beschreibung, Erklärung und Evaluierung der Praxis durch wissenschaftliche Methoden zu leisten. Mittel ist hier die theoriegeleitete empirische Analyse. Die zuletzt gestellte Frage bildet die Überleitung zur Praxis, d.h. die Frage nach der strategischen Verwendungsmöglichkeit der Resultate einer theoretisch-empirischen Analyse: Können wissenschaftliche Erkenntnisse und Resultate Grundlagen und Impulse für praktische Strategien sein? Die Analyse der Gemeinsamkeiten und Unterschiede einzelner Fallbeispiele der grenzübergreifenden Zusammenarbeit auf einer einheitlichen theoretischen Basis erlaubt Hinweise auf die grundsätzliche Übertragbarkeit [bzw. Nichtübertragarkeit [sic]] von praktischen Modellen der Kooperation. Hier können Evaluationsstudien282 mit ihren [Stärke-Schwächen-Analysen dann letztlich entscheiden, ob eine Transplantation erwünscht ist [Lernen und Erfolg], wie Schwächen zu minimieren und Stärken zu maximieren sind [Lernen am Modell].]


280 D.h. von der Raumplanung und Regionalökonomie über die regionale Kulturforschung bis zur Regionalismusforschung.

281 Siehe Konegen, N. und Sondergeld, K., Wissenschaftstheorie für Sozialwissenschaftlicher [sic], Opladen 1985, S. 46ff.

282 Die Ergebnisse dieser Studien bieten die Möglichkeiten, bisher noch vereinzelt vorhandene Informationsdefizite bzw. Unsicherheiten im Umgang der Kooperationen untereinander abzubauen und die Priorität auf eine verbesserte Standortbestimmung der Grenzregion zu richten. Siehe Casteigts, M. und Eisenberg, E., Evaluierung im grenzüberschreitenden Kontext, in: Brunn, G. und Schmitt-Egner, P., Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Europa: Theorie - Empirie – Praxis, Baden-Baden 1998, S. 241-249.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Phänomen der „Grenzüberschreitenden Zusammenarbeit“ in Europa (im folgenden GZA genannt) kann über drei Ausgangsfragestellungen thematisiert werden: Erstens die Frage nach der theoretischen Erklärung und der empirischen Analyse dieses Phänomens, zweitens das Problem seiner wissenschaftssystematischen Verortung in den jeweiligen Fachdisziplinen (Interdisziplinarität) und drittens am Verhältnis von Wissenschaft und Praxis. Letztere impliziert zwei Folgefragen, nämlich a) worin sich die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Thematik von einer bloßen Beschreibung der Praxis unterscheidet und b) welche Funktion eine wissenschaftliche Auseinandersetzung für die Praxis der GZA haben kann (nicht muß).

Wir beginnen mit der zweiten Ausgangsfrage, denn ihre Beantwortung scheint noch am einfachsten und eignet sich zudem als Ausgangsbasis für die Erörterung der ersten: die GZA als Gegenstand angewandter Forschung ist einerseits Thema der Regionalforschung im weitesten Sinn (d.h. von der Raumplanung und Regionalökonomie über die regionale Kulturforschung bis zur Regionalismusforschung) andererseits kann sie auch - als europäisches Phänomen - als Teil der Integrationsforschung angesehen werden. Beiden Forschungszweigen liegen die entsprechenden Disziplinen (Politikwissenschaft, Geographie, Geschichte, Ökonomie etc.) zugrunde. Und hier stellt sich schon das erste Kardinalproblem: nämlich wenn diese Disziplinen gemäß ihrer divergierenden Problemstellungen und Methoden verschiedene Gegenstandsbestimmungen verwenden, wie ist dann noch eine interdisziplinäre Kommunikation über die Forschungsresultate möglich und wie ist der Gefahr zu begegnen, daß hier Äpfel mit Birnen verglichen werden? Kann das Problem über deskriptive Analysen einzelner Fallbeispiele und theoretische Ansätze kurzer Reichweite gelöst werden?

[Seite 28]

Dies führt zu meiner ersten Hypothese: Eine einheitliche Definition bzw. Gegenstandsbestimmung, die den wissenschaftlichen Kriterien1 der Ableitungsrichtigkeit sowie logischen Widerspruchsfreiheit genügen und der intersubjektiven Überprüfbarkeit zugänglich sein soll, ist nötig, um die analytische Vergleichbarkeit der Forschungsergebnisse verschiedener Disziplinen herzustellen und damit auch die interdisziplinäre Kommunikation zu ermöglichen.

Diese Hypothese führt uns direkt zu den nächsten beiden Fragen: Wie ist die GZA als wissenschaftlicher Forschungsgegenstand begründbar, und in welchem Zusammenhang stehen hier Wissenschaft und Praxis?

Ausgehend vom politischen Entstehungszusammenhang der GZA, wie in der Einleitung skizziert, kann das Verhältnis von Praxis und Wissenschaft dahingehend zusammengefaßt werden, daß letztere die zentrale Aufgabe hat, die systematische Erfassung, Beschreibung, Erklärung und Evaluierung dieser Praxis mittels valider und zuverlässiger Methoden zu leisten. Als wissenschaftliches Medium dient dabei die theoriegeleitete empirische Analyse.

Unsere letzte Frage führt uns wieder zur Praxis zurück: können die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Resultate wiederum Grundlage und Impuls für praktische Strategien sein? Dies ist die Frage nach der strategischen Verwendbarkeit der Resultate einer theoretisch-empirischen Analyse.

Hier schließt sich der Kreis von wissenschaftlicher Begründung eines konsensualen Gegenstandes und seiner praktischen Relevanz. Denn die Analyse der Gemeinsamkeiten und Unterschiede von einzelnen Fallbeispielen der GZA auf einer einheitlichen theoretischen Basis erlaubt Hinweise über die grundsätzliche Übertragbarkeit (oder Nicht-Übertragbarkeit) von praktischen Modellen der Kooperation (z.B. von Binnengrenzregionen oder Außengrenzregionen).

Evaluationsstudien2 mit ihren Stärke-Schwäche-Analysen können dann letztlich entscheiden, ob eine Übertragung erwünscht ist (Lernen am Erfolg) und wie Schwä­chen zu minimieren und Stärken zu maximieren sind (Lernen am Modell).


1 siehe hierzu Norbert Konegen, Klaus Sondergeld, Wissenschaftstheorie für Sozialwissenschaftler, Opladen 1985, S.46ff.

2 siehe den Beitrag von Michel Casteigts/Ewald Eisenberg in diesem Band.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[113.] Cbr/Fragment 089 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 89, Zeilen: 1-5, 17-25, 101-108, 114-117, 120-123
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 28, 29, 30, Zeilen: 28: 26 ff.; 29: 1 ff.; 30: 3 ff.
[Hier können Evaluationsstudien282 mit ihren] Stärke-Schwächen-Analysen dann letztlich entscheiden, ob eine Transplantation erwünscht ist [Lernen und Erfolg], wie Schwächen zu minimieren und Stärken zu maximieren sind [Lernen am Modell]. Alle Fragestellungen von der wissenschaftlichen Erklärung bis zur strategischen Verwendung bauen aufeinander auf und sind bisher in der Forschung kontrovers diskutiert283 oder ‘als nicht-erklärbar’ bewertet worden.284

[Wissenschaftliche Argumentation und strategische Eignung sind zwei Seiten der Medaille des Forschungsgegenstandes GZA. Damit sind die weiteren Arbeitsschritte vorgegeben: Anschließend werden ausgewählte Forschungsansätze dargestellt, die in der vorhandenen Literatur und in der wissenschaftlichen Debatte als erkenntnisleitend gelten.285 Basierend auf einer Stärken-Schwächen-Analyse der Forschung, die sich mit der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit befasst, soll in einem weiteren Schritt ein Analyserahmen entwickelt werden. Ausgehend von der Definition der Konzepte ‘Grenze’ und ‘Region’ [Kapitel 2] wird die GZA in den Kontext des ‘Transnationalen Regionalismus’286 gestellt. An den Ausführungen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit soll schließlich die Hypothese überprüft werden, ob und inwieweit diese horizontale Integration voranschreitet bzw. welche Probleme und Chancen damit verbunden sind. Inwieweit ist eine Übertragbarkeit der Modelle auf die EUREGIO möglich?] Bei den unterschiedlichen Definitionsversuchen grenzüberschreitender Zusammenarbeit sind zwei Ansätze, in denen sich die unterschiedliche Arbeitsweise von Wissenschaft und Praxis dokumentiert, zu finden:

a) In der Wissenschaft wird oft auf eine allgemeine zugunsten einer operationalen Erklärung verzichtet.287 D.h. die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wird nach Interesse und Aufgabenstellung definiert.288

b) Geht man von dem oben dargestellten politischen Entstehungszusammenhang und den bisherigen wissenschaftlichen Feststellungen zur grenzübergreifenden Zu[sammenarbeit in der Praxis aus, so lassen sich für den Forschungsgegenstand GZA folgende Bausteine darstellen:]


[282 Die Ergebnisse dieser Studien bieten die Möglichkeiten, bisher noch vereinzelt vorhandene Informationsdefizite bzw. Unsicherheiten im Umgang der Kooperationen untereinander abzubauen und die Priorität auf eine verbesserte Standortbestimmung der Grenzregion zu richten. Siehe Casteigts, M. und Eisenberg, E., Evaluierung im grenzüberschreitenden Kontext, in: Brunn, G. und Schmitt-Egner, P., Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Europa: Theorie - Empirie – Praxis, Baden-Baden 1998, S. 241-249.]

283 Unter ‘kontrovers’ ist hier nicht der kritische Diskurs innerhalb einer Disziplin zu verstehen, sondern wie der einzeldisziplinäre Zugriff zur theoretischen Grundlage des Gesamtphänomens gemacht wird. Dieses Herangehen spiegelt sich nicht nur in der Wissenschaft, sondern selbst in der entsprechenden Literatur der EU und des Europarates wider. Siehe Council of Europe, Handbook on transfrontier co-operation for local and regional authorities in Europe, 3rd Edition Strasbourg 1996. Für die wissenschaftliche Auseinandersetzung siehe Martinez, O., J., The Dynamic of Border Interaction, New approaches to border analysis, in: Blake, G., [Ed.], World Boundaries, Vol. I, London 1994, p. 1-15; Anderson, M. und Bort, E., [Eds.], The Frontiers of Europe, forthcoming London 1998; Ganster, P., A., et al [Eds.], Border and Border Regions in Europe and North America, Berlin 1995.

[284 Siehe Andersen, M., Transfrontier Cooperation - History and Theory, in: Brunn und Schmitt-Egner, Grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Europa, a.a.O., S. 78-97.

285 Siehe hierzu die Zusammenfassung von Cappelin, R., The ‘Network-Concept’ A Theoretical Approach and Analytical Instrument for Research on Transnational Regionalism, in: Brunn und Schmitt-Egner [sic] Grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Europa, a.a. O., S. 98-109.]

286 Hierunter verstehe ich in Anlehnung an die Definition von Schmitt-Egner: „grenzüberschreitende Interaktionen zwischen benachbarten oder nicht-benachbarten Regionen und ihren Akteuren ohne Zwischenschaltung der jeweiligen Nationalstaaten“, in: Schmitt-Egner, P., Die „Europäische Kompetenz“ von Regionen - ein Paradigma des Transnationalen Regionalismus?, in: INTERREGIONES 5/1996, S. 16.

[287 Siehe hierzu: Kohler-Koch, B. et al [Hrsg.], Interaktive Politik in Europa. Regionen im Netzwerk der Integration, Opladen 1998.]

288 Siehe hierzu die Definition des Generalsekretärs der AGEG, Gabbe, J.,: „nachbarschaftliche Zusammenarbeit in allen Lebensbereichen zwischen aneinanderliegenden Gebieten, regionalen und/oder kommunalen Gebietskörperschaften oder sonstiger Körperschaften in Grenzgebieten“ zitiert nach: ders., Europäische Modelle interregionaler und grenzüberschreitender Kooperation, in: INTERREGIONES 6/1997, S. 7.

Evaluationsstudien2 mit ihren Stärke-Schwäche-Analysen können dann letztlich entscheiden, ob eine Übertragung erwünscht ist (Lernen am Erfolg) und wie Schwächen zu minimieren und Stärken zu maximieren sind (Lernen am Modell).

Alle Fragestellungen von der wissenschaftlichen Begründbarkeit bis zur strategischen Verwendung bauen aufeinander auf und sind bisher in der Forschung kontrovers diskutiert3 oder als nicht zu klären bewertet worden.4


2 siehe den Beitrag von Michel Casteigts/Ewald Eisenberg in diesem Band.

3 Unter „kontrovers“ ist hier nicht nur der kritische Diskurs innerhalb einer Disziplin zu verstehen, sondern wie der einzeldisziplinäre Zugriff zur theoretischen Grundlage des Gesamtphänomens gemacht wird. Diese Verfahrensweise spiegelt sich nicht nur in der Wissenschaft, sondern selbst in den entsprechenden „Handbüchern“ von Europarat und Europäischer Union wider. Siehe Council of Europe. Handbook on transfrontier co-operation for local and regional authorities in Europe (prepared by Charles Rique), 3rd edition Strasbourg 1996 und UE/ARFE/LACE, Guide pratique de la coopération transfrontalière, 2ième édition Brussel/Gronau 1997. Für die wissenschaftliche Kontroverse siehe Oscar J. Martinez, The Dynamics of Border Interaction, New approaches to border analysis, in: Gerald Blake (Ed.), World Boundaries, Vol. I, London 1994, pp. 1-15; Malcolm Anderson/Eberhard Bort (Eds.), The Frontiers of Europe, forthcoming London 1998, (alle Zitate stammen aus der MS-Fassung, Edinburgh 1997); James Scott/Wolf-Dieter Eberwein (Eds), The Future of Borders and Border Regions in Europe and North America, Berlin 1995; Silvia Raich,

[Seite 29]

Wissenschaftliche Begründbarkeit und strategische Verwendbarkeit sind also zwei Pole des Forschungsgegenstandes (GZA). Demgemäß gliedert sich der Beitrag in drei Arbeitsschritte:

Eingangs werde ich sehr kurz auf die Grobdimensionierung des Gegenstandes eingehen und einige Forschungsansätze skizzieren, die bisher „erkenntnisleitend“ in der wissenschaftlichen Debatte gewirkt haben.5

Ausgehend von einigen Desiderata und Einwänden gegen die Forschung, soweit sie sich mit der GZA befaßt, versuche ich in einem zweiten Schritt einen Analyserahmen zu entwickeln, der von der Definition und Kategorisierung der Basiskonzepte „Grenze“ und „Region“ ausgeht und die GZA in den Kontext des „Transnationalen Regionalismus“6 stellt.


Grenzüberschreitende Zusammenarbeit und interregionale Zusammenarbeit in einem „Europa der Regionen“, Baden-Baden 1995; [...]

6 Hierunter verstehe ich die „grenzüberschreitende Interaktion zwischen benachbarten oder nicht-benachbarten Regionen und ihren Akteuren ohne Zwischenschaltung der jeweiligen Nationalstaaten“ (Peter Schmitt-Egner, Die „Europäische Kompetenz“ von Regionen - ein Paradigma des Transnationalen Regionalismus?, in: INTERREGIONES 5 (1996), S.16.

[Seite 30]

Sucht man nach Definitionen von GZA, so stößt man auf zwei Perspektiven, in denen sich die unterschiedliche Arbeitsweise von Wissenschaft und Praxis dokumentiert. Während letztere die GZA je nach Interesse und Aufgabenstellung definiert7, wird in der Wissenschaft mangels logischer Widerspruchsfreiheit und Ableitungsrichtigkeit zumeist auf eine allgemeine zugunsten einer operationalen Definition mittlerer und kurzer Reichweite verzichtet.8 Geht man von dem in der Einleitung skizzierten politischen Entstehungszusammenhang9 und den bisherigen wissenschaftlichen Befunden zur grenzüberschreitenden Praxis aus, so lassen sich auf den ersten Blick für den Forschungsgegenstand GZA folgende Bausteine seiner Dimensionierung rekonstruieren:


7 Stellvertretend sei die vom Generalsekretär der AGEG, Jens Gabbe, verwendete EU-Definition zitiert: „nachbarschaftliche Zusammenarbeit in allen Lebensbereichen zwischen aneinanderliegenden Gebieten, regionalen und/oder kommunalen Gebietskörperschaften oder sonstiger Körperschaften in Grenzgebieten“ (ders., Europäische Modelle interregionaler und grenzüberschreitender Kooperation, in: INTERREGIONES 6 (1997), S.7. Eine weitere praktische Variante leitet sich zum Beispiel aus der Programmlogik der EU ab. Demnach soll bei der Bestimmung und Abgrenzung eines gemeinsamen „Programmraumes zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit“ die räumlich-funktionale Verflechtung im Vordergrund stehen, siehe Reinhard Klein, Zusammenarbeit zur nachhaltigen Entwicklung in grenzübergreifenden Regionen, in: SIR (Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen) Mitteilungen und Berichte, 27 (1997), S.66.

8 Dies trifft vor allem auf die unter dem „bottom up regionalism“—Ansatz zitierte Literatur (siehe die Einleitung zu diesem Band und Anm. 3) zu.

9 siehe Brunn/Schmitt-Egner, Einleitung zu diesem Band.

Anmerkungen

Genannt werden lediglich der Sammelband von 1998 bzw. andere Beiträge sowie weitere Beiträge Schmitt-Egners aus anderen Jahren - die eigentliche Quelle bleibt ungenannt.

Der Text auf den Zeilen 6-17, der sich trotz erkennbarer Parallelen etwas stärker von der Quelle entfernt, wird hier mitdokumentiert, geht jedoch konservativ nicht mit in die Zeilenzählung ein.


[114.] Cbr/Fragment 090 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 90, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 30, 31, Zeilen: 30: 8 ff.; 31: 1 ff.
[b) Geht man von dem oben dargestellten politischen Entstehungszusammenhang und den bisherigen wissenschaftlichen Feststellungen zur grenzübergreifenden Zu-]sammenarbeit in der Praxis aus, so lassen sich für den Forschungsgegenstand GZA folgende Bausteine darstellen:

Abbildung 3: Bausteine der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit

Cbr 090 diss.png

Quelle: Eigene Darstellung

Aus diesem Blickwinkel lassen sich die nachfolgenden Forschungsrichtungen ableiten:

1. Die internationale Grenzforschung im engeren Sinn: Grenze als Gegenstand des Völkerrechts und der internationalen Politik bzw. als Angelegenheit nationalstaatlicher Konflikte [„frontier view“ oder „boundary view“, Andersen289],

2. Die Auswirkungen der Grenze auf den grenznahen Bereich: Regionalisierungsforschung, Grenzraumforschung, Entwicklung von Grenzräumen [„border area view“, Ratti290 und Martinez291],

3. Grenzregionen im grenzüberschreitenden Zusammenhang, grenzüberschreitende Netzwerkbildung [„bottom up-regionalism view“, Raich292 sowie Groß und Schmitt-Egner293]

4. Durch Kritik wird die Bestimmung der GZA im transnationalen Kontext möglich [„transnational regionalism view“, Klein294].

Verkürzt lassen sich diese Forschungsrichtungen wie folgt zusammenfassen: Die beiden ersten Ansätze argumentieren aus dem Blickwinkel der Grenze. Der dritte Ansatz ist aus der Perspektive der Region zu sehen und der vierte versucht über Kritik die GZA in den Zusammenhang des ‘Transnationalen Regionalismus’ als einer neuen Dimension europäischer Politik zu stellen.


289 Vgl. Andersen, M., Frontiers: Territory and State Formation in the Modern World, Cambridge, 1996 sowie Andersen, M. et al Ed. Policing across national boundaries, St. Martins Press New York 1994.

290 Vgl. Ratti und Reichmann, Theory and Practice, a.a.O.

291 Vgl. Martinez, O., J.,The Dynamic of Border interaction, in: Blake, G. [Ed.], World Boundaries, Vol I-V, London 1994.

292 Vgl. Raich, Grenzüberschreitende und interregionale Zusammenarbeit, a.a.O.

293 Vgl. Groß, B. und Schmitt-Egner, P., Europas kooperierende Regionen. Rahmenbedingungen und Praxis transnationaler Zusammenarbeit deutscher Grenzregionen in Europa, Baden-Baden 1994.

294 Vgl. Kelin, R., Grenzüberschreitende regionalpolitische Zusammenarbeit im Rahmen von INTERREG und PHARE, in: EUREG 2/1995 S. 48-52.

[Seite 30]

Geht man von dem in der Einleitung skizzierten politischen Entstehungszusammenhang9 und den bisherigen wissenschaftlichen Befunden zur grenzüberschreitenden Praxis aus, so lassen sich auf den ersten Blick für den Forschungsgegenstand GZA folgende Bausteine seiner Dimensionierung rekonstruieren:

• die Grenze als internationale Institution und Gegenstand nationalstaatlicher Konflikte,

• die Auswirkungen der Grenze auf den grenznahen Raum,

• die sozioökonomische Struktur und Entwicklung von Grenzregionen,

• die GZA von Regionen und Kommunen,

• die Grenzüberschreitende Netzwerkbildung (informelle Kommunikationssysteme) und

• die grenzübergreifenden Regionen

Wir unterscheiden vier Forschungsrichtungen, die sich mit dieser Dimensionalisierung befassen:

1. Internationale Grenzforschung im engeren Sinn: Grenze als Gegenstand des Völkerrechts und der internationalen Politik bzw. als Gegenstand nationalstaatlicher Konflikte („boundary-“ oder „frontier view“),

2. Auswirkungen der Grenze auf den grenznahen Raum: Regionalisierungforschung, Grenzraumforschung, Entwicklung von Grenzräumen („border area view“),


9 siehe Brunn/Schmitt-Egner, Einleitung zu diesem Band.

[Seite 31]

3. Grenzregionen im grenzüberschreitenden Kontext, grenzüberschreitende Netzwerkbildung („bottom up-regionalism view“) und „cross-border-governance“10

4. GZA im transnationalen Kontext („transnational regionalism view“).

Stark vereinfachend könnte man resümieren: die beiden ersten Ansätze argumentieren von der Grenze her, der dritte Ansatz geht von der Region aus und der vierte Ansatz versucht über eine Kritik an den bisherigen Ansätzen den Gegenstand GZA in den Kontext des „Transnationalen Regionalismus“ als einer neuen Dimension europäischer Politik zu stellen.


10 Auf diesen politikwissenschaftlichen Ansatz wird ebenfalls nur implizit eingegangen (siehe den Beitrag von Anne van der Veen et al. in diesem Band und Perkmann, a.a.O., Anm. 3).

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[115.] Cbr/Fragment 091 05

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 91, Zeilen: 5-35
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 31, 32, Zeilen: 31: 15 ff.; 32: 1 ff.
[3.1.3 Grenzüberschreitenden [sic] Zusammenarbeit aus dem boundary view

Aus der Literaturlage ergaben sich eine Vielzahl von Problemen, die eine einfache Übertragung der Konzepte ‘Grenze’ und ‘Region’ erschweren. Gegen die ersten drei Forschungsrichtungen als Basiskonzepte der GZA lassen sich folgende Argumente anführen:] Im Kontext der internationalen Politik befassen sich der ‘frontier’ oder ‘boundary view’ mit Grenzkonflikten einzelner Staaten. In diesem Zusammenhang thematisieren sie beispielsweise den Gegensatz von [völkerrechtlicher] Legalität bzw. Illegalität und [nationalstaatlicher] Legitimität bzw. Illegitimität von Grenzen. Grenzüberschreitende Beziehungen subnationaler Einheiten werden dabei in der Regel ausgeklammert. Grenzregionen und grenznahe Räume treten nur als Verdichtungsräume binationaler oder internationaler Konflikte auf.295 Dies gehört auch in den Problemkontext von Grenzregionen, erfasst aber nicht das gesamte Forschungsfeld, geschweige denn die allgemeine Begriffsbestimmung der GZA. Die Genese und Funktion von Staatsgrenzen spiegeln in diesem Forschungsblickwinkel die latent vorhandene ‘Staatsfixiertheit’ wieder [sic]. Die Analyse des Funktionswandels der internationalen Grenzen kann wichtige Grundlagenerkenntnisse über Entwicklungen vermitteln, von denen die Grenzregionen direkt betroffen sind. So hat Malcom [sic] Anderson für den europäischen Kontext fünf „Headings“296 herausgearbeitet, die programmatisch für diesen Forschungszweig sind:

1. The administration and policing of frontiers;

2. The attitudes towards and perceptions of frontiers, particularly as instruments of ‘cultural defence’;

3. The development of institutions and practice of transfrontier co-operation;

4. Conflicts of interests over frontiers or created by frontiers;

5. The exploitation of frontier or territorial anomalies.

Diese Problemstellungen finden Eingang in das oben dargestellte Grenzkonzept.

3.1.4 Grenzüberschreitenden [sic] Zusammenarbeit aus dem border area view

Der boundary- oder frontier view zielt auf die Analyse makropolitischer Prozesse. Dagegen richtet sich der erkenntnisleitende Fokus des border area view auf die Interaktionen im grenznahen Gebiet, soweit sie von der Grenze her dominiert werden. Im Rahmen dieses Ansatzes kann zwischen einer abhängigen und interdependenten Forschungsrichtung unterschieden werden: Der abhängige Ansatz erklärt die Auswirkungen der Grenze auf den grenznahen Raum, bzw. auf die Abhängigkeit der regionalen Entwicklung oder Unterentwicklung von der Grenze. Im Gegensatz dazu schließt der interdependente Ansatz auch die grenzüberschreitende Interaktion der benachbarten Grenzräume und ihrer Bewohner mit ein. Im Kontext des border area view [hat Remigio Ratti297 versucht, die Funktionen der Grenze für den grenznahen Raum zu bewerten.]


295 Andersen, M., Frontiers in Theory and History, London 1996.

296 Vgl. Anderson, M. and Bort, E., Boundaries and Identities: The Eastern Frontier of the European Union, Edinburgh 1996, p. 10f.


297 Ratti und Reichmann,Theory and Practice, a.a.O.

Der „boundary-“ oder „frontier view“ beschäftigt sich mit Grenzen und Grenzkonflikten von Nationalstaaten im Kontext der internationalen Politik, so z.B. mit dem Widerspruch von (völkerrechtlicher) Legalität/Illegalität und (nationalstaatlicher) Legitimität/Illegitimität von Grenzen. Grenzüberschreitende Beziehungen subnationaler Einheiten werden dabei in der Regel ausgeklammert. Grenzregionen und grenznahe Räume fungieren hier nur als Verdichtungsräume binationaler oder internationaler Konflikte.11 Dies gehört zwar auch in den Problemkontext von Grenzregionen, erfaßt aber bei weitem nicht das gesamte Forschungsfeld, geschweige denn die Determinanten der GAZ. Die Genese und Funktion von Staatsgrenzen spiegeln in diesem Forschungsblickwinkel die staatlichen Interessenkonflikte wider.12 Allerdings kann die Analyse des Funktionswandels der internationalen Grenzen sehr wohl wichtige Grundlagenerkenntnisse über Entwicklungen vermitteln, von denen die Grenzregionen direkt betroffen sind. So hat Malcolm Anderson für den „Europäischen Kontext“ fünf „Headings“ herausgearbeitet, die uns programmatisch für diesen Forschungszweig zu sein scheinen: 13

10 Auf diesen politikwissenschaftlichen Ansatz wird ebenfalls nur implizit eingegangen (siehe den Beitrag von Anne van der Veen et al. in diesem Band und Perkmann, a.a.O., Anm. 3).

11 siehe Gerald Blake (Ed.), World Boundaries, Vol. I-V, London 1994, Malcolm Anderson, Frontiers in Theory and History, London 1996 sowie Anderson/Bort (Eds.), a.a.O. passim. Von diesen Forschungsrichtungen erfaßt der Ansatz von Anderson am dichtesten den hier skizzierten Gegenstand.

12 Diese „Staatsfixiertheit“ der Grenzforschung wird auch von Bach/Leresche kritisiert:(siehe dies., A nouveau espaces, nouvelles segmentation, in: Revue Internationale de Politique Comparée 2, No. 5, a.a.O., p.444.

13 Siehe Malcolm.Anderson [sic], European frontiers at the End of the Twentieth Century: An Introduction, in: Anderson/Bort (Eds.) a.a.O., p.10.

[Seite 32]

„i. The administration and policing of frontiers;

ii. The attitudes towards and perceptions of frontiers, particularly as instruments of ‘cultural defence’;

iii. The development of institutions and practice of transfrontier co-operation;

iv. Conflicts of interests over frontiers or created by frontiers;

v. The exploitation of frontier or territorial anomalies.“

Wir werden sehen, daß diese Problemstellungen Eingang in unser Grenzkonzept finden werden.

Während der „boundary-“ oder „frontier view“ auf die Analyse makropolitischer Prozesse zielt, richtet sich der erkenntnisleitende Focus des „border area view“ ganz auf die Interaktionen im grenznahen Raum, soweit sie von der Grenze dominiert werden.

Im Rahmen dieses Ansatzes kann zwischen einer „dependenten“ (Ratti) und „interdependente“ Forschungsrichtung (Martinez) unterschieden werden. Der dependente Ansatz befaßt sich mit den Auswirkungen der Grenze auf den grenznahen Raum, bzw. auf die Abhängigkeit der regionalen Entwicklung oder Unterentwicklung von der Grenze. Dagegen schließt der interdependente Ansatz auch die grenzüberschreitende Interaktion der benachbarten Grenzräume und ihrer Bewohner mit ein.

Im Kontext des „border area view“ hat Remigio Ratti14 als einer der neueren Vertreter der ersten Richtung nochmals versucht, die Funktionen der Grenze für den grenznahen Raum zu klassifizieren und die verschiedenen Forschungsrichtungen wie den „Core-Periphery Approach“ (Zentralitätsproblematik) oder den „Regional System Approach“ (Regionalentwicklung als räumliche Antwort auf ein dynamisches aber widersprüchliches ökonomischen System)15 im Anschluß an die grundlegenden Arbeiten von Niles Hansen16 in einen neofunktionalistischen Ansatz zu integrieren.


14 Remigio Ratti, Spatial and Economic Effects of Frontiers: Overview of Traditional and New Approaches and Theories of Border Area Development, in: Ratti/Reichman (Eds.), a.a.O., pp.23-53

15 ebd., p.29.

16 Niles Hansen, Border Regions: a critique of spatial theory and a European case study, in: Annals of Regional Science 11 (1977), pp.1-14. Alle diese Ansätze gehen auf die „Theorie der zentralen Orte“ zurück, die der Wirtschaftsgeograph Cristaller schon in den 30er Jahren entwickelt hat.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[116.] Cbr/Fragment 092 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 92, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 32, 33, Zeilen: 32: 18 ff.; 33: 1 ff.
[Im Kontext des border area view] hat Remigio Ratti297 versucht, die Funktionen der Grenze für den grenznahen Raum zu bewerten. Die verschiedenen Forschungsrichtungen wie die Zentralitätsproblematik oder die Regionalentwicklung als räumliche Antwort auf ein dynamisches, aber widersprüchliches ökonomisches System298 sollen im Anschluss an die grundlegenden Arbeiten von Niles Hansen299 in einen neofunktionalistischen Ansatz integriert werden. Dieser bezieht sich auf drei Basiseffekte grenznaher Raumentwicklung:

1. den „filter-effect“, der zu einer Teilung von politischen und ökonomischen Systemen führt,

2. den „border-barrier-effect“, bei dem die finanzielle und juristische Kontrollfunktion der Grenze voll ausgebaut ist, mit entsprechenden Behinderungen des Transaktionsflusses und entscheidender Risiken für die grenznahe Raumentwicklung,

3. die „open border“ als Kontaktzone und Voraussetzung für die GZA.300

Im Mittelpunkt von Rattis Analysen stehen die sozioökonomischen Auswirkungen der Grenze auf den grenznahen Bereich. Die Grenze als Beschränkung verursacht Unsicherheit und Transaktionskosten. Eine Analyse derselben ist die Voraussetzung zu ihrer Überwindung: „Within the new context of an open border, the theoretical analysis advocates that the economic development of the border areas will not be determined by the political-institutional differential and therefore by the differentiated position of profits, positive and negative, due to the effect of belonging to one or other nation, but more likely, by the compared real advantages of both border areas.“301 Ratti arbeitet hier eine Grundkonstellation der Grenzlage heraus: Der Grenzraum als Verdichtungsraum binationaler Konkurrenz und ökonomischer Standortvorteile einerseits und die komparativen Vorteile für die Grenzregionen durch Grenzöffnungen andererseits. In seinem neoliberalen Modell wird kein Platz sichtbar, der einen Übergang von der grenzüberschreitenden Konkurrenz zur Kooperation zulässt. Denn Transaktionsströme sind Teil grenzüberschreitender Interaktionen, sie basieren in der Regel jedoch allein auf der marktwirtschaftlichen Konkurrenz von Partikularinteressen. Kooperation als konsequente Realisierung gemeinsamer Interessen liegt hier nicht vor. Demzufolge wird nach dem sozioökonomischen Ansatz der grenznahe Raum vorwiegend als Produktionsraum eines Betriebes, Marktraum und als Unterstützungsraum von Wettbewerbsbeziehungen verstanden.302 Kulturelle und politische Zusammenarbeit fungieren als Rahmenbedingungen [und spielen dabei lediglich eine unterstützende Rolle.303]


297 Ratti und Reichmann,Theory and Practice, a.a.O.

298 Ratti, R., Spatial and Economic Effects of Frontiers: Overview of Traditional and New Approaches and Theories of Border Area Development, in: Ratti und Reichmann, Theory and Practice, a.a.O., p. 23-53.

299 Hansen, N., Border Regions: a critique of spatial theory and a European case study, in: Annals of Regional Science 11/1977, p. 1-14. Zu den ersten Theorien der Regionalforschung zählen die sog. Landschaftsstrukturmodelle, deren Ziel es war, die Entstehung der räumlich differenzierten Produktions- und Standortstrukturen ökonomisch zu erklären. Alle diese Partialanalysen gehen auf die „Theorie der zentralen Orte“ zurück, die der Wirtschaftsgeograf Christaller schon in den 30er Jahren entwickelt hat. Vgl. Christaller, W., Die zentralen Orte in Süddeutschland. Eine ökonomisch-geographische Untersuchung über die Gesetzmäßigkeit der Verbreitung und Entwicklung der Siedlungen mit städtischen Funktionen, Jena 1933 [Nachdruck Darmstadt 1968].

300 Ratti, Spatial and Economic Effects, a.a.O., p. 27f.

301 Ebenda p. 45.

302 Ebenda p. 45f.

Im Kontext des „border area view“ hat Remigio Ratti14 als einer der neueren Vertreter der ersten Richtung nochmals versucht, die Funktionen der Grenze für den grenznahen Raum zu klassifizieren und die verschiedenen Forschungsrichtungen wie den „Core-Periphery Approach“ (Zentralitätsproblematik) oder den „Regional System Approach“ (Regionalentwicklung als räumliche Antwort auf ein dynamisches aber widersprüchliches ökonomischen System)15 im Anschluß an die grundlegenden Arbeiten von Niles Hansen16 in einen neofunktionalistischen Ansatz zu integrieren. Dieser „Functional Activity Approach“ bezieht sich auf drei Basiseffekte grenznaher Raumentwicklung:

1. Den „border-barrier effect“, bei dem die fiskalische und juristische Kontrollfunktion der Grenze voll ausgebaut ist, mit entsprechenden Behinderungen des Transaktionsflusses und entscheidender Risiken für die grenznahe Raumentwicklung,

2. den „filter-effect“, der zu einer Trennung von politischen und ökonomischen Systemen führt und

3. der „open border“ als Kontaktzone und Voraussetzung für die GZA.17


14 Remigio Ratti, Spatial and Economic Effects of Frontiers: Overview of Traditional and New Approaches and Theories of Border Area Development, in: Ratti/Reichman (Eds.), a.a.O., pp.23-53

15 ebd., p.29.

16 Niles Hansen, Border Regions: a critique of spatial theory and a European case study, in: Annals of Regional Science 11 (1977), pp.1-14. Alle diese Ansätze gehen auf die „Theorie der zentralen Orte“ zurück, die der Wirtschaftsgeograph Cristaller schon in den 30er Jahren entwickelt hat.

17 Ratti, Spatial and Economic Effects of Frontiers, a.a.O., p.27f.

[Seite 33]

Im Mittelpunkt von Rattis Analysen stehen die sozioökonomischen Wirkungen der Grenze auf den grenznahen Raum.

Die Grenze als Barriere erzeugt Unsicherheit und Transaktionskosten. Eine Analyse derselben ist die Voraussetzung zu ihrer Überwindung durch die Etablierung einer medialen Organisation vom Typ Netzwerk: „within the new context of an open border, the theoretical analysis advocates that the economic development of the border areas will not be determined by the political-institutional differential and therefore by the differentiated position of profits, positive and negative, due to the effect of belonging to one or the other nation, but more likely, by the compared real advantages of both border areas.“18

Ratti arbeitet hier eine Grundsituation der Grenzlage heraus, nämlich den Grenzraum als Verdichtungsraum binationaler Konkurrenz um ökonomische Standortvorteile einerseits und die komparativen Vorteile für die Grenzregionen durch Grenzöffnungen andererseits. In seinem neoliberalen Modell wird aber keine Bruchstelle sichtbar, die einen Übergang von der grenzüberschreitenden Konkurrenz zur Kooperation zuläßt. Denn Transaktionsströme sind zwar Teil grenzüberschreitender Interaktionen, sie basieren jedoch in der Regel allein auf der marktwirtschaftlichen Konkurrenz von Partikularinteressen und eben nicht auf der Kooperation als planmäßige Wahrnehmung gemeinsamer Interessen. Folglich wird nach diesem sozioökonomischen Ansatz der grenznahe Raum hauptsächlich als a) Produktionsraum eines Betriebs, b) Marktraum, und c) als Unterstützungsraum von Wettbewerbsbeziehungen begriffen.19 Kulturelle und politische Zusammenarbeit fungieren als Rahmenbedingungen und spielen dabei lediglich eine unterstützende Rolle.20


18 ebd., p.45.

19 ebd. p.45f.

20 ebd., p.46.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Referenzen werden mitübernommen.


[117.] Cbr/Fragment 093 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 93, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 33, 34, Zeilen: 33: 21 ff.; 34: 1 ff.
[Kulturelle und politische Zusammenarbeit fungieren als Rahmenbedingungen] und spielen dabei lediglich eine unterstützende Rolle.303 Wie und wer die grenzüberschreitende Standortkonkurrenz zu einem kooperativen Verhalten veranlassen soll, bleibt bei einem neoliberalen Ansatz unbeantwortet. Bei einem ökonomisch verstandenen Grenzkonzept können Grenzregionen nur als funktionalistische Räume verstanden werden, die eine nicht ausreichende Voraussetzung für die GZA bilden. Werden die Transaktionskosten als Basisparameter verwendet [Ratti], so werden nicht nur alle entscheidenden anderen Faktoren [z.B. Kultur, historisches Gedächtnis, Mentalitätsstrukturen] unterrepräsentiert, sondern vor allem auch der Gegenstand der GZA. Der Bereich wird nur als Handlungsraum an der Grenze behandelt nicht jedoch als Handlungseinheit, geschweige denn als Handlungseinheiten [z.B. Gebietskörperschaften]. Die Akteure werden lediglich von partikularen Interessen gelenkt. Kollektive Akteure tauchen hier - ganz im Sinne des Neoliberalismus - nur als Rahmenbedingungen auf. Ebenso ist die Rolle von Policy-Netzwerken304 und kollektiven regionalen Akteuren als zweitrangig anzusehen. So präzise dieser analytische Ansatz die ökonomische Situation und Entwicklung von Grenzräumen erfasst, so ungeeignet zeigt er sich für die Analyse grenzüberschreitender Zusammenarbeit.

Unter diesem Aspekt geht das interdependente Konstrukt des border area view weiter: Oscar J. Martinez305 vertritt einen Ansatz, bei dem nicht nur ein einzelner Grenzraum untersucht wird. Er untersucht benachbarte Grenzräume und ihre Interaktionsbeziehungen [ökonomisch, sozial und kulturell] und setzt sie analytisch in Bezug zueinander. Am Beispiel der Grenzen zwischen den USA und Mexiko hat Martinez ein typologisches Stufenmodell des grenznahen Raumes und der grenzüberschreitenden Beziehungen entwickelt. Als theoretische Basis für empirische Einzelstudien über europäische Grenzregionen findet dieses zunehmend Gebrauch.306 Martinez unterscheidet vier Typen von Grenzregionen:

1. „Alienated borderlands“; aufgrund der undurchlässigen Wirkung der Grenze existieren nur wenig grenzüberschreitende Kontakte.

2. „Coexistent borderlands“; Nationalstaaten reduzieren Grenzkonflikte auf ein beherrschbares Maß; eine soziale und wirtschaftliche Entwicklung findet kaum statt.

3. „Independent borderlands“; grenzüberschreitende Strukturverflechtungen erzwingen Kooperation zum gegenseitigen Vorteil.


303 Ebenda p. 46.

304 Héritier, A., Policy-Netzwerkanalyse als Untersuchungsinstrument im europäischen Kontext: Folgerungen aus einer empirischen Studie regulativer Politik, in: dies [Hrsg.], Policy-Analyse, PVS 24/1993. S. 432f. Einen gut strukturierten Überblick zur transnationalen Netzwerkbildung in Europa bildet die Arbeit von Füchtner, N., Netzwerke europäischer Räume, Bochum 1997.

305 Martinez, O., J., The Dynamic of Border interaction, in: Blake, World Boundaries, a.a.O., p. 1-15; sowie Martinez, O., J., Border People: Life and Society in the U.S.-Mexico Borderland, Tucson, University of Arizona Press 1994.

306 Anwendung findet dieses Modell in Osteuropa: siehe hierzu: Grimm, F.-D., Veränderte Grenzen und Grenzregionen, in Deutschland und Europa, in: Beiträge zur Regionalen Geographie, Bd. 38, S. 6f und Bort, E., The „Difficult Frontier“: Functional Change and Cross-border co-operation at the Eastern Frontier of the European Union, in: Anderson and Bort, Boundaries and Identities, a.a.O., p. 101f.

Kulturelle und politische Zusammenarbeit fungieren als Rahmenbedingungen und spielen dabei lediglich eine unterstützende Rolle.20

[...]

Wie und wer die grenzüberschreitende Standortkonkurrenz in ein (kollektiv-) kooperatives Verhalten transformieren soll, bleibt also bei diesem neoliberalen Ansatz ausgeblendet.

Verharrt man bei einem ökonomistisch verstandenen Grenzkonzept, dann können Grenzregionen nur als funktionalistische Räume verstanden werden, die allenfalls eine, in jedem Fall aber nicht hinreichende Voraussetzung für die GZA bilden. Werden z.B. wie bei Ratti die Transaktionskosten als Basisparameter verwendet, so bleiben nicht nur alle anderen entscheidenden Faktoren (Kultur, historisches Gedächtnis und Mentalitätsstrukturen) unterbelichtet, sondern vor allem das Subjekt der GZA. Die Grenzregion wird nur als Handlungsraum an der Grenze thematisiert nicht jedoch als Handlungseinheit, geschweige denn als transnationale Interaktion zwischen Regionen als


18 ebd., p.45.

19 ebd. p.45f.

20 ebd., p.46.

21 ebd., p.38.

[Seite 34]

Handlungseinheiten (z.B. Gebietskörperschaften). Folglich werden die Akteure lediglich von partikularen Interessen gesteuert, kollektive Akteure tauchen hier - ganz im Sinne des Neoliberalismus - nur als Rahmenbedingungen („support“) auf. Ebenso bleibt die Rolle von Policy-Netzwerken22 und kollektiven regionalen Akteuren unterbelichtet. So präzise dieser analytische Ansatz die ökonomische Situation und Entwicklung von Grenzräumen zu erfassen vermag, so beschränkt zeigt er sich für die Analyse grenzüberschreitender Zusammenarbeit.

Hier scheint uns die interdependente Variante des „border area view“ einen Schritt weiter zu bringen. Denn bei diesem von Oscar Martinez23 vertretenen Ansatz wird nicht nur ein Grenzraum untersucht, sondern die benachbarten Grenzräume und ihre vielfältigen (ökonomischen, sozialen, kulturellen) Interaktionsbewegungen analytisch in Beziehung gesetzt. Am Beispiel der Grenzen zwischen den USA und Mexiko hat Martinez ein typologisches Stufenmodell des grenznahen Raums und der grenzüberschreitenden Beziehungen entworfen, das zunehmend auch als theoretische Basis für empirische Einzelstudien über europäische Grenzregionen dient.24

Martinez unterscheidet vier Grundtypen von Grenzregionen:

1. „Alienated borderlands“, bei denen ein grenzüberschreitender Austausch aufgrund der hermetischen Wirkung der Grenze so gut wie nicht vorkommt,

2. „Coexistent borderlands“, bei denen die Nationalstaaten Grenzkonflikte auf ein beherrschbares Maß reduzieren und ein wenn auch spärlicher Austausch, jedoch kaum eine soziale und wirtschaftliche Entwicklung stattfindet.

3. „Independent borderlands“, wenn grenzüberschreitende Strukturverflechtungen zur Kooperation zum gegenseitigen Nutzen zwingen


22 siehe Dorothea Jansen/Klaus Schubert (Hrsg.) Netzwerkanalyse, Netzwerkforschung und Politikproduktion: Konzepte, Methoden, Perspektiven, Marburg 1995 und Adrienne Heritier, Policy-Netzwerkanalyse als Untersuchungsinstrument im europäischen Kontext: Folgerungen aus einer empirischen Studie regulativer Politik, in: dies (Hrsg.), Policy-Analyse, PVS 24 (1993), S.432ff. Einen gut strukturierten Überblick zur transnationalen Netzwerkbildung in Europa bietet die Arbeit von Natascha Füchtner, Netzwerke europäischer Räume, Bochum 1997.

23 siehe Martinez, The Dynamics of Border interaction, in: G. Blake (Ed.): World Bounderies, a.a.O. (Anm. 3), Vol. 1, p. 1-15.

24 So ist es sicher kein Zufall, daß mehrere Autoren dieses Modell für Osteuropa übernommen haben: siehe z.B. Frank—Dieter Grimm, Veränderte Grenzen und Grenzregionen, veränderte Grenzen in Deutschland und Europa, in: Beiträge zur Regionalen Geographie. Bd. 38, S.6f und Eberhart Bort, The „Difficult Frontier1: Funktional Change and Cross-border co-operation at the Eastern Frontier of the European Union, in Anderson/Bort (Eds.), a.a.O., p. 101f.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.


[118.] Cbr/Fragment 094 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 94, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 34, 35, 36, Zeilen: 34: letzter Absatz; 35: 1 ff.; 36: 1
4. „Integrated borderlands“; politische, ökonomische und soziale Behinderungen werden abgeschafft und die Grenzbevölkerung ‚verschmilzt’ miteinander.307

Wesentlich, in der Literatur aber vernachlässigt, ist die Darstellung der „borderland society“.308 Diese besteht aus folgenden Untergruppen: den „national borderlands“ [sic] und den „transnational borderlands“ [sic]. Unter den erstgenannten versteht Martinez: „people who, while subject to foreign economic and cultural influences, have low-level or superficial contact with the opposite side of the border owing to their indifference to their next door neighbours or their unwillingness or inability to function in any substantive way in another society.“ „Transnational borderlanders“ sind Leute, „who maintain significant ties with the neighbouring nation; they seek to overcome abstacles [sic] that impede such contact and they take advantage of every opportunity to visit, shop, work, study, or live intermittently on the ‘other side’.“ Diese Gestalt tritt dabei als subjektives Gegenstück der „integrated borderlands“ 309 auf.

So notwendig und differenziert hier der grenznahe Raum als Interaktionsraum entwickelt wird, so wenig reicht dieser Ansatz zur Analyse des gesamten Erscheinungsbilds aus. Während Ratti die regionalökonomische Wirkung der Staatsgrenze für den grenznahen Bereich in den Mittelpunkt seines Ansatzes stellt, geht Martinez einen Schritt weiter und bezieht die transnationalen und interkulturellen Bestandteile mit ein. Beide erfassen jedoch den Raum selbst nicht als Handlungseinheit. Deshalb kann eine Übersetzung von ‘area’ und ‘borderland’ mit ‘Region’ nicht befriedigen. Welche ‘Qualitäten’ der borderlander hat, von welchen Interessen diese grenzüberschreitenden Interaktionen gesteuert werden, die zur Integration führen sollen, bleibt bei Martinez unklar. Selbst wenn die ‘national’ und ‘transnational borderlanders’ nach ihren Einstellungen handeln, bleibt zu fragen: Wie lassen sich diese widersprüchlichen Ansichten erklären? Worauf basieren ihre Motivationen und Interessen? Sind sie veränderbar bzw. durch welche Faktoren sind sie variabel? Vor allem letzteres wird nicht thematisiert310, obwohl es geradezu entscheidend für die Bedeutung eines Stufenmodells ist, welches auf eine Wandlungsdynamik abzielt. Wer soll warum diese Transformationen bewältigen? Kurz: Die Motivstrukturen, Interessenlagen und Akteurskonstellationen werden nicht hinreichend identifiziert, sondern lediglich typologisiert.311 Deshalb wird weder bei Martinez noch bei Ratti die Stelle sichtbar, an dem die grenzüberschreitende Konkurrenz sich in Kooperation ändern soll.

Grenzregionen werden auf den grenznahen Raum reduziert und GZA nur als Interaktionen privater [bzw. individueller] Akteure in einem grenznahen [Ratti] oder transnationalen [Martinez] Handlungsraum verstanden. Der kollektive Akteur oder eine institutionalisierte Zusammenarbeit, die von gemeinschaftlichen Interessen der jeweiligen [Handlungseinheiten [Regionen] gesteuert wird, spielen lediglich eine untergeordnet [sic] Rolle.]


307 Martinez, The Dynamic, a.a.O., p. 24.

308 Ebenda p. 6ff.

309 Ebenda p. 10.

310 Martinez identifiziert sog. „subgroups“ wie „uniculturalists“, „biculturalists“, „binational consumers“ und „migrants“, [ebd., p. 8]; diese erhalten beim grenzüberschreitenden Verhältnis eine besondere Bedeutung. Es wird aber nicht ersichtlich, wo, wann und aus welchen Motiven sie zu Akteuren einer Kooperation oder gar einer grenzüberschreitenden Entwicklung und Integration werden.

311 Vgl. Martinez, The Dynamic, a.a.O., p. 10.

4. „Integrated borderlands“, wenn alle politischen, ökonomischen und sozialen Barrieren beseitigt sind und die Grenzbevölkerung miteinander verschmilzt.25

Mindestens ebenso relevant, aber in der Literatur weniger beachtet, scheint mir seine Skizze der „borderland society“26 zu sein, die sich aus zwei sozialen Grundtypen zusammensetzt: den „national borderlanders“ und den „transnational borderlanders“.


25 Martinez, a.a.O., p.4f.

26 ebd., p.6ff.

[Seite 35]

Unter dem ersten Typ versteht er „people who, while subject to foreign economic and cultural influences, have low-level or superficial contact with the opposite side of the border owing to their indifference to their next door neighbours or their unwillingness or inability to function in any substantive way in another society.“ Dagegen sind „transnational borderlanders“ Leute, „who maintain significant ties with the neighbouring nation; they seek to overcome obstacles that impede such contact and they take advantage of every opportunity to visit, shop, work, study, or live intermittently on the ‘other side’.“ Dieser Typus fungiert dabei folgerichtig als subjektives Korrelat der „integrated borderlands“.27

So notwendig und differenziert hier der grenznahe Raum als Interaktionsraum entwickelt wird, so wenig reicht dieser Ansatz zur Analyse des gesamten Phänomens aus. Während Ratti die regionalökonomische Wirkung der Staatsgrenze für den grenznahen Raum in den Mittelpunkt seines Ansatzes stellt, geht Martinez zwar einen Schritt weiter und bezieht die transnationale und interkulturelle Komponente mit ein. Beide erfassen jedoch den Raum selbst nicht als Handlungseinheit und deshalb kann eine Übersetzung von „area“ und „borderland“ mit „Region“ nicht befriedigen. Welche „Akteursqualitäten“ der „borderlander“ hat, von welchen Interessen diese grenzüberschreitenen Interaktionen gesteuert werden, die ja nicht nur zur Kooperation, sondern zur Integration führen sollen, bleibt bei Martinez nebulös. Selbst wenn die „national“ und „transnational borderlanders“ nach ihren Einstellungen handeln - was nicht automatisch angenommen werden kann -, bleibt zu fragen: wie diese widersprüchlichen Einstellungen zustande kommen, welche Motivationen und Interessen ihnen zugrunde liegen, ob und durch welche Faktoren sie veränderbar und wandelbar sind. Vor allem letzteres wird nicht thematisiert28, obwohl es geradezu entscheidend für die praktische Relevanz eines Stufenmodells ist, welches auf eine Wandlungsdynamik abzielt. Wer soll warum diese Transformationen bewerkstelligen? Kurz, die Motivstrukturen, Interessenlagen und Akteurskonstellationen werden nicht hinreichend identifiziert, sondern lediglich typologisiert.29

Deshalb wird weder bei Martinez noch bei Ratti der „break even point“ sichtbar, an dem die grenzüberschreitende Konkurrenz in Kooperation umschlagen soll.

Grenzregionen werden auf den grenznahen Raum reduziert und GZA nur als Interaktionen privater (bzw. individueller) Akteure in einem grenznahen (Ratti)oder [sic] transnationalen (Martinez) Handlungsraum begriffen, d.h. der kollektive Akteur oder eine institutionalisierte Zusammenarbeit, die von kollektiven Interessen der jeweiligen Handlungseinheiten (Regionen) gesteuert wird, spielt lediglich eine unterstützende,


27 ebd., p.10.

28 Martinez identifiziert hier zwar sog. „subgroups“ wie „uniculturalists“, „biculturalists“, „binational consumers“ und „migrants“, (ebd., p.8.), die zweifelsfrei eine tragende Rolle bei der grenzüberschreitenden Interaktion spielen, es wird aber nicht ersichtlich, wo, wann und aus welchen Motiven sie zu Akteuren einer Kooperation oder gar einer grenzüberschreitenden Entwicklung und Integration werden.

29 ebd.

[Seite 36]

periphere Rolle.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Zitate und Referenzen werden mitübernommen.


[119.] Cbr/Fragment 095 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 95, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 36, 37, Zeilen: 36: 1 ff.; 37: 1 ff.
Verbindungen zwischen individuellen und kollektiven Akteuren, die für die Praxis durchweg typisch sind312, existieren in diesen Modellen nicht. Es zeigt sich, dass diese Darstellung nur bedingt auf die europäische Sachlage anwendbar ist [Martinez]. Von ihrer Fragestellung und theoretischen Reichweite her [ökonomischer Ansatz, Konkurrenzprinzip, individueller Akteur] kann dieses nicht als ein hinreichendes Basiskonzept für die wissenschaftliche Erfassung des Phänomens GZA dienen [kollektiver Akteur, Kooperation, grenzüberschreitende Entwicklung und Integration].

3.1.5 Grenzüberschreitende Zusammenarbeit aus dem bottom-up regionalism view

Dagegen berücksichtigt die dritte Forschungsrichtung - bottom up-regionalism view - die Region als Handlungseinheit und identifiziert die Struktur der Kooperation als Netzwerk von kollektivem Akteur und individueller Akteursvielfalt.313 Schwäche dieses Modells ist, dass sich die Subjektstruktur nicht aus dem Regionenbegriff ableiten lässt. Empirische Analysen geraten daher angesichts des Kontrasts von Reichweite, Stärke, Umfang und Kompetenz der europäischen Regionen in methodische Schwierigkeiten.314 Diese werden größer, wenn man die ‚subnationalen Gebilde’ betrachtet, die als ‘Grenzregionen’ wirken: Hier spannt sich ein Gemenge von regionalen und lokalen Gebietskörperschaften bis zu privatrechtlichen Zusammenschlüssen, Organisationen, Vereinen und Arbeitsgemeinschaften, das in der Praxis kaum mehr zu überblicken ist, geschweige denn für eine wissenschaftliche Betrachtung geeignet zu sein scheint.315

Konsequenterweise verzichten einige Autoren [z.B. Malcolm Anderson] bewusst auf eine Begriffsbestimmung mit dem Hinweis, dass es weder eine allgemein akzeptierte Definition von GZA, noch einen einheitlichen Analyserahmen gibt, der diese Vielfalt empirisch-systematisch analysieren kann.316 An dieser Stelle wird nicht die Schlussfolgerung gezogen, eine solche Definition und ihre Operationalisierung sei prinzipiell unmöglich. Begriffsbestimmungen und Definitionen haben in der angewandten Forschung die Funktion, ein gemeinsames transdisziplinäres Fundament für eine inter- und pluridisziplinäre Bearbeitung des Themas zu schaffen. Operationalisierbare Typologien, empirische Problemstellungen und Hypothesen verschiedener Disziplinen können von einer gemeinsamen Basis abgeleitet und in den einzeldisziplinären Kontext eingeordnet [werden.]


312 Groß und Schmitt-Enger [sic], Europas kooperierende Regionen, a.a.O.

313 Vgl. Malchus, Strukturen und Arbeitsweisen, a.a.O.

314 Eine der ersten politikwissenschaftlichen Arbeiten zu dieser Vielfalt stammt von Engel, C., Regionen in der EG, Rechtliche Vielfalt und integrationspolitische Rollensuche, Bonn 1993.

315 Vgl. Groß und Schmitt-Enger [sic], Europas kooperierende Regionen, a.a.O.

316 Was für die Definition von GZA zutrifft, gilt noch mehr für ihren Akteur, die Region. In der Regel wird der Regionenbegriff eben nicht definiert, sondern typologisiert. Selbst profilierte Kenner der Thematik, wie Keating, M. und Loughlin, J. weichen einer eindeutigen Begriffsbestimmung aus und greifen auf Typologien zurück. Z.B. Introduction, in dies. [Eds.], The Political Economy of Regionalism, London 1997, p. 2f. Eine überzeugende Darstellung, jedoch keine Begriffsbestimmung liefert Bullmann, U., Regionen im Integrationsprozeß der Europäischen Union; in ders. [Hrsg.], Die Politik der dritten Ebene, Baden-Baden 1995, S. 18.

Koalitionen zwischen individuellen und kollektiven Akteuren, die für die Praxis zumeist typisch sind30, kommen daher in diesen Modellen nicht vor.

Fazit: Es zeigt sich, daß einige dieser Modelle nur bedingt auf die europäische Situation anwendbar sind (Martinez) und von ihrer Fragestellung und theoretischen Reichweite her (ökonomistischer Ansatz, Konkurrenzprinzip, individueller Akteur) keineswegs als ein hinreichendes Basiskonzept für die wissenschaftliche Erfassung des Phänomens GZA dienen können (kollektiver Akteur, Kooperation, grenzüberschreitende Entwicklung und Integration).

Dagegen berücksichtigt der „bottom up-regionalism view“ die Region als Handlungseinheit und identifiziert die Subjektstruktur der Kooperation als Geflecht von kollektivem Akteur und individueller Akteursvielfalt.31

Diese Subjektstruktur [sic] und das ist die Schwäche dieses Ansatzes, kann jedoch nicht aus dem Regionsbegriff ableitet [sic] werden. Empirischen Analysen geraten daher angesichts der Verschiedenheit von Reichweite, Stärke, Umfang und Kompetenz der europäischen Regionen in große methodische Schwierigkeiten32, die noch größer werden, wenn man die subnationalen Gebilde betrachtet, die unter „Grenzregionen“ firmieren: Hier spannt sich ein Konglomerat von regionalen und lokalen Gebietskörperschaften bis zu privatrechtlichen Zusammenschlüssen, Organisationen, Vereinen und Arbeitsgemeinschaften, das in der Praxis kaum mehr zu überblicken ist, geschweige denn für eine wissenschaftliche Betrachtung zugänglich zu sein scheinen.33

Konsequenterweise verzichten einige Autoren (Malcolm Anderson) bewußt auf eine Gegenstandsbestimmung mit dem Hinweis, daß es weder eine allgemein akzeptierte Definition von GZA, noch einen einheitlichen Analyserahmen gibt, der geeignet scheint, diese phänomenale Vielfalt empirisch-systematisch zu erfassen und zu analysieren.34

Im Gegensatz zu den Skeptikern wird hier nicht die Schlußfolgerung gezogen, eine solche Definition und ihre Operationalisierung sei prinzipiell unmöglich.


30 Vgl. Groß/Schmitt-Egner, a.a.O., passim.

31 Vgl. die Einleitung Brunn/Schmitt-Egner und die dort zitierte Literatur sowie Anm. 3.

32 Eine der ersten politikwissenschaftlichen Arbeiten zu dieser Vielfalt stammt von Christian Engel, Regionen in der EG, Rechtliche Vielfalt und integrationspolitische Rollensuche, Bonn 1993.
Einen aktuellen Überblick gibt die synoptische Tabelle der VRE (siehe ARE, Synoptic Tables on the Progress of the Regionalism in Europe, Paper of the General Assemply, Montpellier 3.-5. December 1997). Zur weiteren Diskussion siehe das Kapitel zum Regionskonzept.

33 siehe Groß/Schmitt-Egner, a.a.O., passim.

34 Was für die Definition von GZA zutrifft, gilt noch mehr für ihren Akteur, die Region. In der Regel wird der Regionsbegriff eben nicht definiert, sondern typologisiert. Selbst profilierte Kenner der Materie, wie Michael Keating und John Loughlin, weichen einer Begriffsbestimmung aus und greifen auf Typologien zurück, (siehe dies., Introduction, in dies. (Eds.), The Political Economy of Regionalism, London 1997, p.2f. Eine sinnvolle Taxinomie, jedoch keine Begriffsbestimmung liefert Udo Bullmann, Regionen im Integrationsprozeß der Europäischen Union; in' ders. (Hrsg.), Die Politik der dritten Ebene, Baden-Baden 1995, S.18. Weitere Hinweise folgen im Kontext der Auseinandersetzung mit dem Regionskonzept.

[Seite 36]

Begriffsbestimmungen und Definitionen haben in der angewandten Forschung die Funktion, ein gemeinsames transdisziplinäres Fundament für eine inter- und pluridisziplinäre Bearbeitung des Themas zu schaffen, d.h. operationalisierbare Typologien, empirische Problemstellungen und Hypothesen verschiedener Disziplinen können von einer gemeinsamen Grundlage abgeleitet und in den einzeldiziplinären [sic] Kontext eingeordnet werden.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Referenzen werden mitübernommen.


[120.] Cbr/Fragment 096 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 96, Zeilen: 1-30, 33-34
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 37, 38, Zeilen: 37: 7 ff.; 38: 3 ff.
Eine Erklärung der beiden Basiskonzepte ‘Grenze’ und ‘Region’ bleibt für den wissenschaftlichen Begründungszusammenhang des Gegenstandes GZA in jedem Fall unverzichtbar.

3.1.6 Begriffsbestimmung von ‚Grenze’ und GZA

Ausgangspunkt der Überlegungen sind deskriptiv-sachliche Arbeitsdefinitionen, wie sie in der Praxis verwendet werden. Es wird sich jedoch zeigen, dass sie analytisch unzulänglich und daher wissenschaftlich nur begrenzt überzeugend sind. Unter ‘Grenzregion’ werden zunächst alle subnationalen Strukturen verstanden. Das sind z.B. die regionalen und lokalen Gebietskörperschaften, die an den nationalstaatlichen Grenzen zu Lande und am Wasser liegen.317 Diese Begriffsbestimmung gibt einen ersten Hinweis auf den Gegenstand der GZA.

Grenzübergreifende Zusammenarbeit ist vielmehr die transnationale Kooperation von Regionen, Kommunen, sowie privatrechtlichen Zusammenschlüssen innerhalb eines gemeinsamen durch Staatsgrenzen getrennten Lebensraumes. Ziel dieser Gemeinschaftsarbeit ist es, auftretende Probleme kooperativ zu erklären und zu lösen. Grenzüberschreitende Beziehungen sind immer auch transnational. Dies gilt für die interregionalen Beziehungen so nicht, denn sie können sich auch auf eine Interaktion zwischen zwei Regionen innerhalb eines Nationalstaates beziehen. GZA beschränkt sich im Unterschied zur interregionalen Kooperation nicht nur auf Regionen, sondern schließt lokale Gebietskörperschaften, öffentlich-rechtliche Körperschaften, private Vereine, Verbände sowie zwischenstaatliche Zusammenarbeit mit ein. Während sich die praktische Zusammenarbeit mit dieser Definition begnügen kann, ist sie für eine wissenschaftliche Bearbeitung nicht ausreichend. Wie die Praxis zeigt, verbergen sich unter dem Etikett ‘Grenzregion’ sehr unterschiedliche subnationale Räume und Einheiten. Diese können sowohl einen öffentlichen wie auch privaten Charakter haben und mit unterschiedlichen Zielen, Motivationsstrukturen und Problemlagen ausgestattet sein. Auf der anderen Seite wird nicht näher bestimmt, welche Form, Funktion, Quantität und Qualität die jeweilige Grenze als Hindernis kennzeichnen. Legt man die Ergebnisse der Forschung zugrunde, dann wird klar, dass hier mit unterschiedlichen Regions- und Grenzkonzepten unterschiedlichen Umfanges gearbeitet wird. [Analytisch können diese allerdings nicht befriedigen, wenn im interdisziplinären Kontext versucht wird, diese Definition anzuwenden.]

Die Erforschung von ‘Grenze’ beginnt mit der naiven Frage: Was ist eine Grenze? „Die Grenze ist nicht eine räumliche Tatsache mit soziologischen Wirkungen, sondern eine [soziologische Tatsache, die sich räumlich formt“.318]


317 Vgl. die Definition des Europarates: „A transfrontier region ist [sic] a potential region, inherent in geography, history, ethnic groups, economic possibilites [sic] and so on, but disrupted by the sovereignty of the governments ruling on each side of the frontier“ [Council of Europe p. 9].

318 Simmel, G., zitiert nach Lezzi, M., Raumordnungspolitik in europäischen Grenzregionen zwischen Konkurrenz und Zusammenarbeit, Zürich 1994, S. 4, sowie Schnitzer, A., Staat und Gebietshoheit, Zürich u.a. 1935, S. 194.

Fazit: eine Begriffsbestimmung der beiden Basiskonzepte „Grenze“ und „Region“ bleibt für den wissenschaftlichen Begründungs- und Verwendungszusammenhang des Gegenstandes GZA in jedem Fall unverzichtbar.

Ausgangspunkt unserer Überlegungen sind einfache, deskriptive und pragmatische Arbeitsdefinitionen, wie sie auch in der Praxis verwendet werden. Es wird sich jedoch zeigen, daß sie analytisch unzulänglich und daher wissenschaftlich nur begrenzt brauchbar sind. Zweifelsfrei stellen sie jedoch einen ersten Schritt zur Erfassung des Gegenstandes dar.

Ausgangsdefinitionen

Unter „Grenzregion“ verstehen wir zunächst alle subnationalen Einheiten, das sind z.B. die regionalen und lokalen Gebietskörperschaften, die an den nationalstaatlichen Grenzen zu Lande und am Wasser (Meer) liegen.35

Haben wir hier einen ersten Hinweis auf das Subjekt der GZA, so gilt es in einem weiteren Schritt ihren Gegenstand zu erfassen.

Sie ist vielmehr die transnationale Kooperation von Regionen, Kommunen, sowie privatrechtlichen Zusammenschlüssen innerhalb eines gemeinsamen durch Staatsgrenzen getrennten Lebensraums.

Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, auftretende Probleme gemeinsam zu definieren und zu lösen, sowie darüber hinaus, die Voraussetzungen für gemeinsame Entwicklungen zu schaffen. Grenzüberschreitende Beziehungen sind ihrer Natur nach immer auch transnational, was für die interregionalen Beziehungen so nicht gilt, denn sie können sich auch auf eine Interaktion zwischen zwei Regionen innerhalb eines Nationalstaates beziehen.

GZA beschränkt sich im Unterschied zur interregionalen Kooperation nicht nur auf Regionen, sondern schließt lokale Gebietskörperschaften, öffentlich-rechtliche Körperschaften, private Vereine, Verbände und sogar zwischenstaatliche Zusammenarbeit (z.B. staatliche Raumordnungskommissionen) mit ein.


35 Vgl. die Definition des Europarates: „A transfrontier region is a potential region, inherent in geography, history, ecology, ethnic groups, economic possibilities and so on, but disrupted by the sovereignty of the governments ruling on each side of the frontier“ (Council of Europe, a.a.O., p.9).

[Seite 38]

Während die praktische Zusammenarbeit sich mit diesen Definitionen begnügen kann, greifen sie für eine wissenschaftliche Bearbeitung zu kurz. Denn wie die Praxis zeigt, verbergen sich unter dem Etikett „Grenzregion“ zum einen sehr unterschiedliche subnationale Räume und Einheiten, die sowohl öffentlicher wie privater Natur sein können mit unterschiedlichen Zielen, Motivationsstrukturen und Problemlagen. Zum anderen wird nicht näher bestimmt, welche Form, Funktion, Quantität und Qualität die jeweilige Grenze als Barriere kennzeichnen. Legen wir die Ergebnisse der Forschung zugrunde, wie oben skizziert, dann wird klar, daß hier mit unterschiedlichen Regions- und Grenzkonzepten kurzer und mittlerer Reichweite gearbeitet wird, die zwar in der Lage sind, empirische Phänomene im einzeldisziplinären Kontext zu erfassen.

[...]

Jeder wissenschaftliche Zugriff auf den Untersuchungsgegenstand „Grenze“ hat mit einer naiven Frage zu beginnen, nämlich: was ist eine Grenze?

„Die Grenze ist nicht eine räumliche Tatsache mit soziologischen Wirkungen, sondern eine soziologische Tatsache, die sich räumlich formt“ (Georg Simmel).36


36 zit. n. Lezzi, a.a.O. (Anm. 3), S.4.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Referenzen und Zitate werden mitübernommen.


[121.] Cbr/Fragment 097 01

BauernOpfer
Untersuchte Arbeit:
Seite: 97, Zeilen: 1-4, 7-34
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 38, 39, 40, Zeilen: 38: 30 ff.; 39: 1 ff.; 40: 8 ff.
[„Die Grenze ist nicht eine räumliche Tatsache mit soziologischen Wirkungen, sondern eine] soziologische Tatsache, die sich räumlich formt“.318 Soziologische und geographische Definitionen sagen nichts darüber aus, was die Grenze aus- bzw. einschließt, geschweige denn wie dieselbe zu bewältigen ist. Nur eine interdisziplinäre Definition, [sic] lässt diese als theoretische Grundlage für die GZA nutzen. [Daher ist der Definition von Schmitt-Egner zuzustimmen. Er versteht unter ‘Grenze’ „[...] eine konstruierte Barriere [Linie, Saum], die Raumeinheiten sowie Systeme ebenso umfaßt wie trennt [einschließt wie ausschließt] und nur unter bestimmten Bedingungen überwunden werden kann“.319]

Die Beantwortung der Fragen liefert zusammenfassend eine Begriffsbildung von Grenze.

Welche Formen der Grenze existieren und wie sind sie zu klassifizieren? Die allgemeinen Formen der Grenze lassen sich in folgenden Gegensatzpaare gliedern:320

1. Natürliche Grenzen: durch die Natur geschaffene Abgrenzungen [z.B. Berge und Flüsse], denen eine ab- und eingrenzende Bedeutung beigemessen wird.

2. Künstliche Barrieren: durch Menschen geschaffene, materielle und immaterielle, Barrieren [Mauern, Stacheldraht, Todesstreifen, Grenzgesetze], die ihre Überschreitung physisch verhindern sollen.

3. Manifeste Grenzen: direkt vorfindbare und wahrnehmbare Hindernisse [z.B. Schlagbäumen, Zöllnern, Kontrollen etc.].

4. Latente Grenzen: indirekt, erst durch Interaktionen wahrnehmbare Barrieren wie Sprachgrenzen, Kulturgrenzen, Systemgrenzen etc.

5. Materielle Grenzen: physikalische Barrieren, physischer [natürlicher], und technischer [künstlicher] Art.

6. Immaterielle Grenzen: nicht-physikalische Begrenzungen ökonomischer, fiskalischer, mentaler und symbolischer Natur.

7. Statische Grenzen: manifeste Schranken, die mit natürlichen Barrieren zusammenfallen.


318 Simmel, G., zitiert nach Lezzi, M., Raumordnungspolitik in europäischen Grenzregionen zwischen Konkurrenz und Zusammenarbeit, Zürich 1994, S. 4, sowie Schnitzer, A., Staat und Gebietshoheit, Zürich u.a. 1935, S. 194.

319 Schmitt-Egner, P., „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit“ [GZA] in Europa als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und Strategie transnationaler Praxis. Anmerkungen zur Theorie, Empirie und Praxis des Transnationalen Regionalismus, in: Brunn, G. und Schmitt-Egner, P. [Hrsg.], Grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Europa, a.a.O., S. 67.

320 Vgl. für das Nachfolgende: Schmitt-Egner, P., „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, a.a.O., S. 40.

„Die Grenze ist nicht eine räumliche Tatsache mit soziologischen Wirkungen, sondern eine soziologische Tatsache, die sich räumlich formt“ (Georg Simmel).36

„La frontière est une instrument géographique de différenciation et par conséquent, en fin de compte, d'organisation de l'espace.“37 Beide Definitionen, die eine aus soziologischer, die andere aus geographischer Sicht sind nicht falsch, sie lassen sich für die GZA nur schwer operationalisieren. Denn sie sagen nichts darüber aus, was die Grenze aus— oder einschließt, geschweige denn wie dieselbe zu überwinden sei. Nur wenn


36 zit. n. Lezzi, a.a.O. (Anm. 3), S.4.

37 Pierre Guichonnet/Charles Raffestin, Géographie des frontières, Paris 1974, S.7.

[Seite 39]

diese beiden Elemente Bestandteile der Definition werden, läßt sich jene als theoretische Ausgangsbasis für die GAZ nutzen. Allerdings weist die Simmelsche Definition in die richtige Richtung, nämlich auf den (sozialen) Konstruktionscharakter der Grenze [sic] Ich verstehe daher unter „Grenze“ eine konstruierte Barriere (Linie, Saum), die Raumeinheiten sowie Systeme ebenso umfaßt wie trennt (einschließt wie ausschließt) und nur unter bestimmten Bedingungen überwunden werden kann.

[Seite 40]

1. Formbezug der Grenze: Welche Formen der Grenze gibt es und wie sind sie zu klassifizieren?

[...]

1.1 Allgemeine Formen der Grenze (acht Objektklassen)

a) Manifeste Grenzen: direkt vorfindbare und wahrnehmbare Barrieren in der Form von Schlagbäumen, Zöllnern, Kontrollen etc.

b) Latente Grenzen: indirekt, erst durch Interaktionen wahrnehmbare Barrieren wie Sprachgrenzen, Kulturgrenzen, Systemgrenzen etc.

c) Materielle Grenzen: physikalische Barrieren physischer („natürlicher“), und technischer („künstlicher“) Art.

d) Immaterielle Grenzen: nicht-physikalische Barrieren ökonomischer, fiskalischer, mentaler und symbolischer Natur.

e) „Natürliche“ Grenzen: durch die Natur geschaffene Barrieren (Berge, Flüsse, Meere), denen eine ab- und eingrenzende Bedeutung zugeschrieben wird.

f) „Künstliche“ Barrieren: durch Menschen geschaffene, materielle und immaterielle, manifeste und latente Barrieren (wie Mauern, Stacheldraht, Todesstreifen, Grenzgesetze), die ihre Überschreitung physisch verhindern sollen.

g) Statische Grenzen: manifeste Barrieren, die mit natürlichen Barrieren zusammenfallen.

Anmerkungen

Die Quelle ist zwar in Fn. 319 und 320 sowie im Text genannt. Umfang und Wörtlichkeit der Übernahme werden jedoch nicht ganz ersichtlich.


[122.] Cbr/Fragment 098 03

BauernOpfer
Untersuchte Arbeit:
Seite: 98, Zeilen: 3-6, 8-17, 19-23, 25-33
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 42, 43, 45, Zeilen: 42: letzter Absatz; 43: 3 ff.; 44: 16 ff.; 45: 1 ff.
Diese allgemeinen Formen sind für einen Entwurf der GZA elementar. Durch sie können die Bedingungen ermittelt werden, unter denen die Grenze zu überschreiten ist. Je nach Form der Barriere kann sie z.B. nur mit einer behördlichen Bescheinigung überwunden werden. [Darauf aufbauend gelangt man zu einem weiteren Gesichtspunkt von Grenze: Was schließt eine Grenze ein? Hier lassen sich drei Themenkomplexe unterscheiden:321]

1. Systeme, die sich gegenüber ihrer Systemumwelt hermetisch oder durchlässig abgrenzen. Das Abgrenzungskriterium ist funktional definiert [Selbstreproduktion des Systems] und in der Regel durch latente Barrieren materieller und immaterieller Natur bestimmt.

2. Gebiete mit juristisch-politischen Grenzen, die seit dem Erscheinen der Nationalstaaten auf der weltpolitischen Bühne in der Regel linear definiert und durch manifeste Barrieren materieller [Schlagbäume etc.] wie immaterieller Art [Grenzverordnungen und -gesetze] gekennzeichnet sind.

3. Handlungsräume, deren Grenzen allein durch den Akteur im Rahmen der Mittel-Zweckrelation bestimmt werden. [D.h. es handelt sich um analytische Unterscheidungen.]

Ein weiterer Aspekt der Definition von Grenze bildet die Frage: Wer definiert die Grenze? Entscheidend ist hier der Zusammenhang von Entstehung und Auswirkung der Territorialgrenze, ihrer Gültigkeit und Legalität. Danach war die Grenze im klassischen System der Nationalstaaten Entstehungsgrund und ‘raison d’être’ des Völkerrechts sowie die Verbindung zum innerstaatlichen Recht. [Den Grenzen von Nationalstaaten werden folgende Funktionen zugeschrieben:322]

1. Eine Schutzfunktion, als Garant staatlicher Integrität und Unverletzbarkeit des Territoriums.

2. Eine identitätsstiftende Funktion als Definitionsgrenze nationaler Identität.

3. Eine Ordnungsfunktion, d.h. eine Trennfunktion, denn sie grenzt Souveränitätsbereiche und Kompetenzen diesseits und jenseits der juristischen Trennungslinie ab.

4. Eine Kontrollfunktion als Instrument der Regelung der Ein- und Ausfuhr von Waren, Kapital, Personen und Dienstleistungen.

5. Eine Friedensfunktion, d.h. innerhalb ihres Raumes herrscht das Gewaltverbot auf Basis des staatlichen Gewaltmonopols.


321 Ebenda S. 43.

322 Vgl. Schmitt-Enger [sic], P., Die Entwicklung von Grenzregionen und der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Integrationsprozeß: Analytische und prospektive Elemente, Strasbourg 1994, S. 8f.

Für ein Basiskonzept der GZA sind diese allgemeinen Formen und ihre empirischen Manifestationen insofern grundlegend als durch sie in einer ersten Stufe die Bedingungen ermittelt werden können, unter denen die Grenze zu überschreiten ist, d.h. je nach der Form der Barriere kann sie z.B. nur durch einen Paß, einen bestimmten sozialen und ökonomischen Status oder durch Sprachkompetenz (ohne Nachteil) überwunden werden.

[Seite 43]

Wir unterscheiden hier drei Hauptklassen:

1. Territorien mit juristisch-politischen Grenzen, die seit dem Erscheinen der Nationalstaaten auf der weltpolitischen Bühne in der Regel linear definiert und durch manifeste Barrieren materieller (Schlagbäume etc.) wie immaterieller Art (Grenzverordnungen und -gesetze) gekennzeichnet sind.

2. Systeme, die sich, je nachdem ob sie eher geschlossen oder offen sind, gegenüber ihrer Systemumwelt hermetisch oder durchlässig abgrenzen. Das Abgrenzungskriterium ist funktional definiert (Selbstreproduktion des Systems) und in der Regel durch latente Barrieren materieller und immaterieller Natur bestimmt.

3. Handlungsräume, deren Grenzen allein durch den Akteur im Rahmen der Mittel-Zweck-Relation bestimmt werden.

[page 44]

3. Subjekt- oder Akteursbezug: Wer konstruiert die Barriere, wer definiert die Grenze und wer setzt diese Definition durch?

Entscheidend ist hier der Zusammenhang von Genesis und Geltung der Terrritorialgrenze, ihrer Legitimität und Legalität oder das Verhältnis von politischer und rechtlicher Legitimierung der Grenze.

[Seite 45]

4.1 Normative Funktionen der Grenze

Die Grenze war im klassischen System der Nationalstaaten Entstehungsgrund und „raison d'être“ des Völkerrechts, sowie die Verbindungslinie zum innerstaatlichen Recht. Fünf normative Funktionen wurden und werden der Grenze von den Nationalstaaten zugeschrieben42:

4.1.1 Eine Ordnungsfunktion, d.h. eine Trennfunktion, denn sie grenzen Souveränitätsbereiche und Kompetenzen diesseits und jenseits der juristischen Trennungslinie ab.

4.1.2 Eine Kontrollfunktion als Instrument der Regulierung der Ein- und Ausfuhr von Waren, Kapital, Personen und Dienstleistungen.

4.1.3 Eine Schutzfunktion, als Garant staatlicher Integrität und Unverletzbarkeit des Territoriums

4.1.4 Eine identitätsstiftende Funktion als Definitionsgrenze nationaler Identität.

4.1.5 Eine Friedensfunktion, d.h. innerhalb ihres Raums herrscht das Gewaltverbot auf Basis des staatlichen Gewaltmonopols.


42 vgl. Peter Schmitt-Egner, Die Entwicklung von Grenzregionen und der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Integrationsprozeß: Analytische und prospektive Elemente, Strasbourg (franz. Fassung) 1994, S.8f. sowie Ingrid Grom, Regional Grenzüberschreitende Zusammenarbeit, S.40ff.

Anmerkungen

Die Quelle ist in beiden Fn. genannt, aber Umfang und Wörtlichkeit der Übernahme werden nicht ersichtlich.


[123.] Cbr/Fragment 099 11

BauernOpfer
Untersuchte Arbeit:
Seite: 99, Zeilen: Abb. 4, 11-23
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 44, 52, 54, Zeilen: 44: 24 ff.; 52: 23 ff.; 54: 1 ff.
Abbildung 4: Entstehung und Gültigkeit von Grenze

Cbr 099 diss.png

Quelle: Eigene Darstellung

[...]

Die Bestimmung der Region als territorialer Teileinheit enthält die Grenze nicht nur als [historisches und soziales] Produkt. Denn aus diesem Prozess ist das regionale System mit seinen Systemelementen Struktur, Programm und Akteur abzuleiten. Generell lässt sich das regionale System über folgende theoretisch-empirischen Grundfragen erschließen:323 324

a) Format: Wie grenzt sich diese Teileinheit extern ab? Die aus der horizontalen und vertikalen Begrenzung [nach ‘oben’ und ‘außen’] erschlossene Art der Einheit gibt einen ersten Hinweis auf das regionale System und seine Systemumwelt. Die Gestalt muss von außen und innen erkennbar sein. Diese Übereinstimmung bildet die formale Grundlage ihrer Identität. Die Teilraumnatur bestimmt, dass diese Einheit in einem bestimmten Koordinatensystem angesiedelt ist. In diesem ist sie einerseits nur ein Teil eines größeren Ganzen [vertikal], vermag andererseits aber auch horizontale Beziehungen zu anderen Teileinheiten einzugehen. Diese Formbestimmung von außen [klärt die Beziehungen des regionalen Systems zu seiner Umwelt.]


323 Siehe für ein konkretes Fragenraster, wie diese Determinanten zu ermitteln sind Kohler-Koch, B. u.a. [Hrsg.], Interaktive Politik in Europa. Regionen im Netzwerk der Integration, Opladen 1998, S. 28ff. Siehe für einen ausführlichen Fragenkatalog zur systemischen, politischen, ökonomischen und kulturellen Kompetenz einer Region, ebenda, S. 28ff.

324 Vgl. für das Nachfolgende: Schmitt-Egner, P., „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, a.a.O., S. 52ff.

[Seite 44]

Diese „Subjektstruktur“ der Grenze läßt sich vertikal wie folgt aufschlüsseln:

3.1 Völkerrecht, Internationale Organisationen, Supranationale Organisationen

3.2 Nationalstaaten (Nationalstaatsbildung, Bi- und Multilaterale Verträge, basierend auf dem Souveränitäts- und Territorialitätsprinzip)

3.3 Autonome subnationale Einheiten (Regionen mit Autonomierechten, Teilsouveränitätsrechten),

3.4 Kollektive und individuelle Akteure als Produzenten eines Systems oder Konstrukteure eines Handlungsraums.

[Seite 52]

Die Bestimmung der Region als territorialer Teileinheit enthält die Grenzsetzung nicht nur als (historisches und soziales) Produkt, sondern auch als Prozeß. Denn aus diesem Grenzsetzungsprozeß läßt sich das regionale System mit seinen Systemelementen Struktur, Programm und Akteur herleiten.

Generell läßt sich das regionale System über folgende theoretisch-empirische Grundfragen erschließen:57

a) Form: Wie grenzt sich diese Teileinheit nach außen (horizontal und vertikal) ab?

Die Antwort erschließt uns die Form der Region. Die aus der horizontalen und vertikalen Begrenzung (nach „oben“ und „außen“) erschlossene Form der Teilraumeinheit gibt einen ersten Hinweis auf das regionale System und seine Systemumwelt. Die Form muß von außen und innen identifizierbar sein, um als „Einheit“ wahrnehmbar zu werden, denn diese Identifizierbarkeit bildet die formale Grundlage ihrer Identität.

Dagegen verrät uns die Teilraumnatur, daß diese Einheit in einem bestimmten Koordinatensystem angesiedelt ist, in dem sie einerseits nur Teil eines größeren Ganzen


57 siehe für ein ausführliches Frageraster zur systemischen, politischen, ökonomischen und kulturellen Kompetenz einer Region, ebd., S.28ff.

[Seite 54]

(vertikal) ist, andererseits aber auch prinzipiell horizontale Beziehungen zu anderen Teileinheiten einzugehen vermag. Diese Formbestimmung von außen klärt die Beziehungen des regionalen Systems zu seiner Umwelt, sagt aber noch nichts über den „Inhalt“ bzw. die inneren Systemeigenschaften aus.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 324 genannt. Umfang und Wörtlichkeit der Übernahme werden jedoch nicht ersichtlich.


[124.] Cbr/Fragment 100 01

BauernOpfer
Untersuchte Arbeit:
Seite: 100, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 54, 55, Zeilen: 54: 2 ff.; 55: 1 ff.
[Diese Formbestimmung von außen] klärt die Beziehungen des regionalen Systems zu seiner Umwelt. Es sagt aber noch nichts über den Inhalt bzw. die inneren Systemeigenschaften aus.

b) Inhalt: Was wird nach ‘innen’ abgegrenzt? D.h. inhaltliche Bestimmung durch die Frage, welche sachlichen Attribute diese Teileinheit anordnen. Diese Hilfsmittel bilden bzw. definieren den ersten [inneren] Baustein des regionalen Systems: Die Region als Handlungsraum.

c) Richtung: Wozu wird sie eingegrenzt? Die Absicht ist die materielle und immaterielle [symbolische] Kopie des regionalen Systems durch Erhaltung, Steuerung und Entwicklung der in b) genannten Potentiale, Ressourcen und Kompetenzen. Ergebnis ist das regionale Programm.

d) Mittel: Mit welchen Mitteln wird ab- und eingegrenzt? Das ist die Frage nach ihrem politischen, ökonomischen und kulturellen Autonomiegrad325 nach außen und ihrer formellen und materiellen Kompetenz nach innen. Wenn die Kombination von beiden Komponenten ein zweckadäquates Mittel zur erfolgreichen Umsetzung des regionalen Programms verkörpert, wird von regionaler Kompetenz gesprochen.

e) Subjekt: Wer grenzt nach außen [und oben] ab und nach innen ein? Wer setzt das regionale Programm um? Je nachdem, ob dieser Prozess nur von außen oder auch von innen kommt, erschließt sich Folgendes: Der jeweilige Autonomie- oder Kompetenzgrad und der Regionstyp. Handelt es sich nur um eine Struktur- oder Planungsregion, die [systemisch] von außen gesteuert wird und damit lediglich Handlungsraum bleibt, oder um eine ‘administrative Aktivitätsregion’, die auch eine Handlungseinheit darstellt.326

An dieser Stelle ergibt sich die Frage nach dem regionalen Akteur. Neben dem Handlungsraum, aus dem sich die Vielfalt der regionalen Akteure rekrutiert, lässt sich der zweite Strukturbaustein identifizieren: Die regionale Einheit und der kollektive Akteur des regionalen Systems. Aus den bisherigen Ausführungen ergeben sich folgende Schlussfolgerungen: Die regionale Struktur besteht aus den Teilen Handlungseinheit und Handlungsraum. Der Akteur konstruiert einerseits diese Merkmale von innen [z.B. als Kulturregion] bzw. von außen [z.B. als Planungsregion], andererseits konstituiert er sich über diese Grundsätze als kollektiver Akteur.

Das Programm definiert das Ziel: die Reproduktion des regionalen Systems durch die Mittel Erhaltung, Steuerung und Entwicklung. Der formelle Autonomiegrad grenzt die Möglichkeiten des Handelns gegenüber der größeren Raumeinheit ab. Der materielle Autonomiegrad spiegelt das tatsächliche Handeln wieder [sic] als Erhaltung, Steuerung, Nutzung und Entwicklung des regionalen Handlungsspielraums. Der Autonomiegrad lässt [sich also über drei grundlegenden Akteurselemente sichtbar machen, die auf die Realisierung des regionalen Programms abzielen:327]


325 Vgl. Kohler-Koch, Interaktive Politik in Europa, a.a.O., S. 27ff.

326 Werden Handlungsraum und Handlungseinheit von außen [top down] konstituiert und gesteuert, so wird von Regionalisierung gesprochen. Agiert die Handlungseinheit [bottom up] vertikal oder horizontal von ‘innen’ nach ‘außen’, so wird es als Regionalismus definiert, vgl. Schmitt-Egner, P., „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, a.a.O., S. 54.

Diese Formbestimmung von außen klärt die Beziehungen des regionalen Systems zu seiner Umwelt, sagt aber noch nichts über den „Inhalt“ bzw. die inneren Systemeigenschaften aus. Diese erschließen sich durch die Frage:

b) Inhalt: Was wird nach „innen“ eingegrenzt?

Ihre inhaltliche Bestimmung erhält die Form durch die Frage, welche sachlichen Attribute diese Teileinheit bestimmen, also die rechtlichen, sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Determinanten58 dieser Teileinheit [sic] Diese Determinanten bilden, bzw. definieren den ersten (inneren) Strukturbaustein des regionalen Systems: die Region als Handlungsraum.

c) Zweck: Wozu wird sie eingegrenzt?

Der Zweck ist die materielle und immaterielle (symbolische) Reproduktion des regionalen Systems durch Erhaltung, Steuerung und Entwicklung der in b) genannten Potentiale, Ressourcen und Kompetenzen. Hiermit haben wir das regionale Programm.

d) Mittel: Wie, mit welchen Mitteln, wird ab- und eingegrenzt?

Das ist die Frage nach ihrem politischen, ökonomischen und kulturellen Autonomiegrad59 nach außen und ihrer formellen und materiellen Kompetenz nach innen. Insofern die Kombination von beiden Komponenten ein zweckadäquates Mittel zur erfolgreichen Umsetzung des regionalen Programms verkörpert, spreche ich von regionaler Kompetenz.

e) Subjekt: Wer grenzt nach außen (und oben) ab und nach innen ein und wer setzt das Regionale Programm um?

Je nachdem, ob dieser Prozeß nur von außen oder auch von innen kommt, erschließt sich zweierlei: der jeweilige Autonomie- oder Kompetenzgrad und der Regionstyp. Handelt es sich nur um eine Struktur- oder Planungsregion, die (systemisch) von außen gesteuert wird und damit lediglich Handlungsraum bleibt, oder um eine „administrative Aktivitäts-“ oder „Identitätsregion“ (Blotevogel), die auch eine Handlungseinheit darstellt. Werden Handlungsraum und Handlungseinheit von außen (top down) konstitutiert und gesteuert, so sprechen wir von „Regionalisierung“. Agiert die Handlungseinheit (bottom up) vertikal oder horizontal von „innen“ nach „außen“, so sprechen wir von „Regionalismus“. Und hier stellt sich die Frage nach dem regionalen


58 siehe für ein konkretes Frageraster, wie diese Determinanten zu ermitteln sind, ebd., S.29-34.

59 ebd., S.27ff.

[Seite 55]

Akteur. Neben dem Handlungsraum, aus dem sich die Vielfalt der individuellen Akteure rekrutiert, läßt sich der zweite Strukturbaustein identifizieren: die Handlungseinheit und der kollektive Akteur des regionalen Systems. Beide bilden zusammen die Subjektstruktur der Region.

Die regionale Interaktionsstruktur

Aus den bisherigen Ausführungen ergeben sich folgende Schlußfolgerungen: die Struktur besteht aus den Bausteinen „Handlungseinheit“ und „Handlungsraum“, der Akteur konstruiert einerseits diese Bausteine von innen (z B. als Kulturregion) und/oder von außen (z.B. als Planungsregion) andererseits konstituiert er sich über diese Bausteine als kollektiver60 und individueller Akteur. Das Konstruktions- und Rekonstruktionsprogramm definiert das Ziel, die Reproduktion des regionalen System durch die Mittel Erhaltung, Steuerung und Entwicklung. Ich unterscheide hier zwischen formellem und materiellem Autonomiegrad. Ersterer grenzt die Möglichkeiten des Handelns gegenüber der größeren Raumeinheit ab, in letzterem spiegelt sich das tatsächliche Handeln wider, als Erhaltung, Steuerung, Nutzung und Entwicklung des regionalen Handlungsspielraums. Der Autonomiegrad läßt sich also über drei grundlegende Interaktionselemente sichtbar machen, die auf die Realisierung des „regionale Programms“ abzielen:

a) als Handlungsraum nach innen: Erhaltung, Steuerung und Entwicklung (materielle Kompetenz),


60 Im Französischen wird dieser kollektive Akteur sprachlich und rechtlich faßbar durch die „Collectivitées Territoriales“.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 326 genannt. Umfang und Wörtlichkeit der Übernahme lassen sich daraus nicht erschließen.


[125.] Cbr/Fragment 101 01

BauernOpfer
Untersuchte Arbeit:
Seite: 101, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 55, 56, 57, Zeilen: 55: 16 ff.; 56: 1 ff.; 57: 1 f., 6 ff.
[Der Autonomiegrad lässt] sich also über drei grundlegenden Akteurselemente sichtbar machen, die auf die Realisierung des regionalen Programms abzielen:327

• als Aktionsraum nach innen: Erhaltung, Steuerung und Entwicklung [materielle Ermächtigung];

• als Aktionseinheit nach außen [vertikal und horizontal] definiert durch die formelle Kompetenz [d.h. den jeweiligen Autonomiegrad];

• als Interaktion zwischen innen und außen, zwischen internen und externen Handlungseinheiten und Handlungsräumen, d.h. ihren kollektiven und individuellen Akteuren bzw. externer Kooperation und interner Entwicklung mittels formeller und materieller Kompetenz.

Von der abstrakten systemtheoretischen Darstellung soll nun die Konkretisierung und Operationalisierung der oben dargestellten Begriffe erfolgen. Die Region als Handlungsraum und Handlungseinheit ist nicht automatisch identisch mit der Region als subnationaler Einheit. Eine genauere Bestimmung des regionalen Akteurs, der sich aus den Strukturbausteinen Handlungseinheit und Handlungsraum rekrutiert ist notwendig. Dieser setzt sich aus individuellen und kollektiven subregionalen Akteuren sowie dem kollektiven regionalen Akteur zusammen.328 Die Abwicklung des regionalen Programms ist Aufgabe des regionalen Akteurs. Der kollektive regionale Akteur konstituiert sich über die Region als Handlungseinheit. Diese Kollektivität basiert auf folgenden Prinzipien:329

• das Repräsentationsprinzip, d.h. der Akteur vertritt das regionale Programm nach innen und außen,

• das Delegationsprinzip, d.h. stellvertretend für die, die er repräsentiert, handelt der Akteur,

• das Entscheidungsprinzip, d.h. Akteur entscheidet und handelt stellvertretend für Menschen innerhalb der Körperschaft, die durch die Grenzen eines Territoriums oder eines kollektiven Zwecks definiert ist.

Die rechtlich-politische Kompetenz nach außen sowie die Rahmenbedingungen nach innen vertritt der kollektive regionale Akteur [beispielsweise lokale Gebietskörperschaften]. Diese vertreten die Region als Handlungseinheit nach außen und können über Akteurskoalitionen neue Handlungseinheiten bilden. So handeln z.B. Kammern als Körperschaften des öffentlichen Rechts auch stellvertretend, sie sind aber nur für einen Teil zuständig. Die Zuständigkeit des Akteurs zeigt sich daran, inwieweit er diese zur Erhaltung, Steuerung und Entwicklung des regionalen Systems erfolgreich nutzt. Empirisch sind diese Begrifflichkeiten über folgende Interaktionsebenen zu operationalisieren:330

• Potentielle Akteursebene: Wer kann individuell [und kollektiv] handeln? D.h. wer besitzt die Ressourcen sowie die fachliche Kompetenz zweckadäquat zu handeln [materielle Kompetenz der individuellen und kollektiven Akteure]?


327 Vgl. Schmitt-Egner, P., „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, a.a.O., S. 55.

328 Für das Folgende siehe Schmitt-Egner, Die „Europäische Kompetenz“ von Regeln, a.a.O., S. 29ff.

329 Für das Nachfolgende siehe Schmitt-Egner, P., „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, a.a.O., S. 56.

330 Ebenda S., 57.

Der Autonomiegrad läßt sich also über drei grundlegende Interaktionselemente sichtbar machen, die auf die Realisierung des „regionale Programms“ abzielen:

a) als Handlungsraum nach innen: Erhaltung, Steuerung und Entwicklung (materielle Kompetenz),

b) als Handlungseinheit nach außen (vertikal und horizontal) definiert durch die formelle Kompetenz (d.h. den jeweiligen Autonomiegrad) und

c) als Interaktion zwischen innen und außen, zwischen internen und externen Handlungseinheiten und Handlungsräumen, d.h. ihren kollektiven und individuellen Akteuren, bzw. externer Kooperation und interner Entwicklung mittels formeller und materieller Kompetenz.

[...]

Kommen wir nun von den abstrakten systemtheoretischen Betrachtungen zur Konkretisierung und Operationalisierung der bisher entwickelten Begriffe.

[Seite 56]

Der Regionale Akteur

Die Region als Handlungsraum und Handlungseinheit ist nicht automatisch identisch mit der Region als subnationaler Einheit, sondern je nachdem welche Determinanten vorherrschen (rechtlich-politische, ökonomische oder kulturelle) können sich unterschiedliche Handlungseinheiten mit unterschiedlichen Akteuren konstituieren, die wiederum unterschiedliche Interaktionsbeziehungen eingehen. Deshalb bedarf es einer genaueren Bestimmung des regionalen Akteurs, der sich aus den Strukturbausteinen Handlungseinheit und Handlungsraum rekrutiert.

Er setzt sich aus individuellen und kollektiven subregionalen Akteuren sowie dem kollektiven regionalen Akteur zusammen.61 [...] Der kollektive regionale Akteur (z.B. regionale Gebietskörperschaften) konstituiert sich über die Region als Handlungseinheit. Dieser „Kollektivität“ liegen folgende Konstitutionsprinzipien zugrunde:

- das Repräsentationsprinzip, d.h. er vertritt das regionale Programm nach innen und außen,

- das Delegationsprinzip, d.h. er handelt stellvertretend für die, die er repräsentiert und

- das Entscheidungsprinzip, d.h. er entscheidet und handelt stellvertretend für die Menschen innerhalb der Körperschaft, die durch die Grenzen eines Territoriums oder eines kollektiven Zwecks definiert ist.

Der kollektive regionale Akteur ist Träger der formellen (rechtlich-politischen) Kompetenz nach außen und der systemischen Kompetenz (Rahmenbedingungen) nach innen. Strategisch schließt dies auch subregionale kollektive Akteure, wie die lokalen Gebietskörperschaften ein, welche die Region als Handlungseinheit nach außen vertreten und über Akteurskoalitionen neue Handlungseinheiten bilden können. Andere Körperschaften des öffentlichen Rechts handeln zwar auch stellvertretend, sind aber nicht für das regionale Kollektiv insgesamt, sondern nur für einen Teil zuständig (z.B. Kammern), können also keine bindenden Entscheidungen für das Gesamtkollektiv treffen. Eine Mischform zwischen den kollektiven und individuellen Akteuren bilden die öffentlich-rechtlichen Körperschaften (Kammern) und Verbände, während mit der Vielfalt individueller Akteure alle Personen, Gruppen und Organisationen gemeint sind, die die materielle Kompetenz besitzen, zur Reproduktion des regionalen Systems beizutragen (private Unternehmen, Organisationen, Vereine, Einzelpersonen). Der Kompetenzgrad (oder Inkompetenzgrad) des Akteurs ist also daran zu messen, inwieweit er jene zur Erhaltung, Steuerung und Entwicklung des regionalen Systems erfolgreich nutzt.


61 für das folgende siehe Schmitt-Egner, Die „Europäische Kompetenz“ von Regionen, a.a.O., S.29ff.

[Seite 57]

Empirisch sind diese Begrifflichkeiten über folgende Interaktionsebenen zu operationalisieren:

[...]

Potentielle Akteursebene: wer kann individuell (und kollektiv) handeln? D.h., wer besitzt die Ressourcen sowie die fachliche Kompetenz zweckadäquat zu handeln (materielle Kompetenz der individuellen und kollektiven Akteure)?

Anmerkungen

Die Quelle ist in allen vier Fußnoten genannt. Die Wörtlichkeit der Übernahme geht daraus jedoch nicht hervor.


[126.] Cbr/Fragment 102 01

BauernOpfer
Untersuchte Arbeit:
Seite: 102, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 57, 58, Zeilen: 57: 3 ff.; 58: 1 ff.;
• Normative Akteursebene: Wer darf kollektiv handeln [rechtliche Zuständigkeit; politische, ökonomische oder kulturelle Autonomie]? D.h. Gibt es einen kollektiven Akteur und mit welchen formellen Kompetenzen ist er ausgestattet?

• Empirische Akteursebene: Wer handelt tatsächlich? D.h. setzen die kollektiven und individuellen Akteure ihre formelle und materielle Kompetenz tatsächlich ein, um das regionale Programm zu realisieren?

• Bewertende Akteursebene: Wie sind die Resultate der Handlungen zu bewerten und inwiefern haben sie zur Realisierung des regionalen Programms beigetragen oder nicht? An der Antwort lässt sich die Kompetenz, aber auch die Inkompetenz des regionalen Akteurs evaluieren.

• Strategische Akteursebene: Wie wird gehandelt, d.h. in welchem strategischen Kontext bewegt sich der Akteur? Handelt es sich um unterschiedliche individuelle Akteure, mit ähnlichen Teilzielen, die direkt individuelle Ziele [z.B. wirtschaftlicher Erfolg des Unternehmens] verfolgen, aber indirekt zur Erhaltung des regionalen Systems beitragen [Schaffung oder Sicherung von Arbeitsplätzen].

3.1.7 Von der Region zur Grenzregion

Es wurde gezeigt, in welchem Verhältnis das regionale System zu seiner Umwelt steht.331 Dieses betrifft sowohl die Region als Handlungsraum sowie als Handlungseinheit. Das regionale Programm, Erhaltung, Steuerung sowie die Entwicklung wird nach innen durch die individuellen und kollektiven Akteure gesteuert. Nach außen lässt sich über das senkrechte Referenzsystem der vertikale ‘Regionstyp’ bestimmen. Bei Interaktionen auf der horizontalen Ebene stellt sich die Frage, ob die Region eine Handlungseinheit [administrativ] oder ob sie nur einen Handlungsraum repräsentiert [Struktur- und Planungsregion]. Diese Frage nach den Handlungskompetenzen nach außen ist auch für die GZA entscheidend.

Horizontale Teileinheiten sind administrative Aktivitätsregionen, Struktur- oder Planungsregionen sowie Wahrnehmungs- und Identitätsregionen. Entscheidend dabei ist, ob diese Teilkomponenten lediglich von außen gesteuerte Aktivitätsräume oder von innen sich selbst steuernde Handlungseinheiten darstellen. Diese sind zugleich in der Lage, nach außen mit anderen Teileinheiten zu interagieren. Der Rahmen dieser horizontalen Außenbeziehungen, das horizontale Referenzsystem, konstruiert sich durch innerregionale und transnationale Netze:332

1. Das vertikale Referenzsystem ist auf das ‘oben’ und ‘unten’ ausgerichtet. Hier ist die Region als subnationale Einheit einzustufen, die wiederum subregionale Einheiten nach unten eingrenzt und deren senkrechte, direkte Folgerung nach oben der Nationalstaat darstellt.


331 Die Umwelt wird hier als vertikales und horizontales Referenzsystem bezeichnet.

332 Für das Nachfolgende siehe Schmitt-Egner, P., „Grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, a.a.O., S. 58.

Normative Akteursebene : wer darf kollektiv handeln (rechtliche Zuständigkeit; politische, ökonomische oder kulturelle Autonomie)? D.h.: Gibt es einen kollektiven Akteur und mit welchen formellen Kompetenzen ist er augestattet [sic] ?

• [...]

Empirische Akteursebene: wer handelt tatsächlich? D.h., setzen die kollektiven und individuellen Akteure ihre formelle und materielle Kompetenz tatsächlich ein, um das regionale Programm zu realisieren?

Strategische Akteursebene: wie wird gehandelt? D.h., in welchem strategischen Kontext bewegt sich der Akteur? Handelt es sich um unterschiedliche individuelle Akteure, mit ähnlichen Teilzielen (z.B. regionale Unternehmen einer Branche), die direkt individuelle Ziele (z.B. wirtschaftlicher Erfolg des Unternehmens) verfolgen, aber indirekt zur Erhaltung des regionalen Systems beitragen (z.B. durch Schaffung oder Sicherung von Arbeitsplätzen vor Ort), so spreche ich von „Akteursaggregaten“. [...]

Evaluative Akteursebene. Wie sind die Resultate der Handlungen zu bewerten und inwiefern haben sie zur Realisierung des regionalen Programms beigetragen oder nicht? An der Antwort bemißt sich die Kompetenz, aber auch die Inkompetenz des regionalen Akteurs.

Von der Region zur Grenzregion

Typologie der Region im Kontext ihrer „Außenbeziehungen“

Wir haben nun gesehen, in welchem Verhältnis das regionale System zu seiner Umwelt steht. Die Umwelt bezeichne ich als vertikales und horizontales Referenzsystem. Dieses betrifft sowohl die Region als Handlungsraum als auch als Handlungseinheit. Nach innen vollzieht sich das regionale Programm, Erhaltung Steuerung und Entwicklung mittels der individuellen und kollektiven Akteure. Nach außen läßt über das verti-


62 Es handelt es sich z.B. bei den EUREGIOs um transnationale Akteurskoalitionen oder strategische Handlungseinheiten von rechtlich sehr unterschiedlicher Zusammensetzung, die jedoch gemeinsame Ziele verfolgen.

[Seite 58]

kale Referenzsystem der vertikale „Regionstyp“ bestimmen: handelt es sich um eine subnationale, subeuropäische oder internationale Einheit?. [sic] Bei Interaktionen auf der horizontalen Ebene stellt sich die Frage, ob die Region eine Handlungseinheit, (administrative Aktivitätsregionen) oder ob sie nur einen Handlungsraum repräsentiert (Struktur- und Planungsregionen). Diese Frage nach den Handlungskompetenzen „nach außen“, die zur transnationalen Zusammenarbeit befähigen, ist auch für die GZA entscheidend.

[...]

Horizontale Teileinheiten als Basistypen sind die von Blotevogel63 klassifizierten „administrativen Aktivitätsregionen“, Struktur- oder Planungsregionen und Wahrnehmungs- und Identitätsregionen. Entscheidend dabei ist, ob diese Teileinheiten lediglich von außen gesteuerte Handlungsräume oder von innen sich selbst steuernde Handlungseinheiten darstellen, die zugleich in der Lage sind, nach außen mit anderen Teileinheiten zu interagieren. Der Rahmen dieser „horizontalen Außenbeziehungen“, das horizontale Referenzsystem, konstruiert sich durch interregionale und transnationale Netze.

Dagegen ist das vertikale Referenzsystem auf das „Oben“ und „Unten“ ausgerichtet und hier ist die Region als subnationale Einheit einzuordnen, die wiederum subregionale Einheiten nach unten eingrenzt und deren vertikales, direktes Bezugsystem nach oben der Nationalstaat darstellt.


63 siehe Blotevogel sowie Weichart in Brunn (Hrsg.), a.a.O., 1996.

Anmerkungen

Die Quelle ist zwar - in Fn. 332. - benannt. Eine wörtliche Übernahme lässt das aber nicht vermuten. Recht unbestimmt fällt auch die Kennzeichnung des Umfangs der übernommenen Überlegungen aus ("das Nachfolgende").


[127.] Cbr/Fragment 103 01

BauernOpfer
Untersuchte Arbeit:
Seite: 103, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 58, 59, 60, Zeilen: 58: 24 ff.; 59: 22 ff.; 60: 3 ff.
2. Eine weitere Stufe stellen die meso- oder subeuropäischen Regionen, z.B. grenzüberschreitende Handlungseinheiten [z.B. Arge Alp] oder Handlungsräume dar, deren Bezugssystem nach oben von den europäischen Institutionen als supranationale und internationale Einheiten und nach unten durch kleinere Raumeinheiten gebildet wird [subnationale Einheiten].

3. Als eine letzte Stufe der vertikalen Typologie sind die internationalen Regionen als geopolitische Handlungsräume zu nennen, deren Bezugsystem die internationale Politik und das globale System darstellen. Die Akteure selbst sind jedoch keine Regionen, sondern Staaten und internationale Organisationen bzw. Regime oder auch INGOS. Im Schnittpunkt von vertikaler Integration und horizontaler Kooperation ist die transnationale Region anzuordnen. Der grenzüberschreitende Aktionsraum ist unmittelbar auf die europäische Ebene [top down policies] zu beziehen. Er weist nach innen die gleichen Merkmale wie die Region [Erhaltung, Steuerung und Entwicklung eines gemeinsamen Lebensraums] auf. Als Handlungseinheit [hier EUREGIO] bezieht er sich vertikal nicht mehr auf den Nationalstaat, sondern auf die supranationale, europäische Ebene und horizontal auf andere transnationale Regionen.

Die bisherige Forschung [border area view, vgl. Kap. 3.1.4] ging vom Erscheinungsbild Grenzregion aus. Dieser Forschungsansatz konnte zeigen, welche Eigenschaften der Grenze ihren Strukturbaustein als Handlungsraum dominieren. Von der jeweiligen Forschungsperspektive der Disziplin hängt es ab, welche Eigenschaften der Grenze zugeschrieben wurden. Kriterium für das analytische Vorgehen ist die Anwendung aller relevanten Komponenten [Form, Inhalt, Lage, Quantität und Qualität der Grenzen] die das Grenzkonzept bestimmen. Denn diese formen den Handlungsraum im Unterschied zur [nationalen] Binnenregion zusätzlich.

Für die GZA ist der Teil der Grenzdefinition relevant, der sich auf die Bedingungen bezieht, die eine Überwindung dieser Hindernisse ermöglichen. Es ist vielmehr erforderlich, einen Schritt weiterzugehen: Gemessen am Integrationsgrad zeichnen sich zwei neue Typen von Handlungsräumen ab, die durch zwei Grenzqualitäten gekennzeichnet sind: Binnen- und Außengrenzen der Europäischen Union. Wie im analytischen Grenzkonzept schon angedeutet, werden den Binnengrenzregionen einerseits als Ausgangsort kleinräumiger transnationaler Integration ‘Übergangsfunktionen’ zugeschrieben. ‘Offen’ sind nur die territorialen Barrieren, nicht jedoch die Systembarrieren [Bildungssysteme, Sprachbarrieren, Steuersysteme etc.] oder ökonomischen Barrieren [Disparitäten]. Andererseits bieten sie aber die Chance, eben diese Systembarrieren zu überwinden.

Die entscheidende Frage bei der Überwindung der Barrieren bezieht sich auf die Bedingung von Konkurrenz und Kooperation diesseits und jenseits der Grenze. Führt der letzte Aspekt zu einer verschärften Standortkonkurrenz oder zu einer Kooperation, die [auf Synergien abzielt?]

[Seite 58]

Eine zweite Stufe stellen die meso- oder subeuropäischen Regionen, z.B. grenzüberschreitende Handlungseinheiten (z.B. Arge Alp) oder Handlungsräume (z.B. Ostseekooperation) dar, deren Bezugsystem nach oben von den europäischen Institutionen als supranationale und internationale Einheiten und nach unten durch kleinere Raumeinheiten gebildet wird (subnationale Einheiten).

Eine dritte Stufe der vertikalen Typologie sind die internationalen Regionen als geopolitische Handlungsräume zu nennen, deren Bezugsystem die internationale Politik und das globale System darstellen, als deren Akteure jedoch keine Regionen, sondern Staaten und internationale Organisationen bzw. Regime oder auch INGOS operieren.

Die transnationale Region befindet sich im Fadenkreuz vertikaler Integration und horizontaler Kooperation. Der grenzüberschreitende Handlungsraum bezieht sich vertikal unmittelbar auf die europäische Ebene (top down policies) und weist nach innen die gleichen Merkmale wie die Region auf (Erhaltung, Steuerung und Entwicklung eines gemeinsamen Lebensraums). Als Handlungseinheit (EUREGIO) bezieht sie sich vertikal nicht mehr auf den Nationalstaat, sondern auf die supranationale, europäische Ebene und horizontal auf andere transnationale Regionen.

[Seite 59]

Die Grenzregion als Handlungsraum

Die bisherige Forschung („border area view“) ging in der Regel vom Phänotyp „Grenzregion“ aus und konnte zeigen, welche Eigenschaften der Grenze ihren Strukturbaustein „Handlungsraum“ dominieren. Welche Merkmale der Grenze zugeschrieben wurden, hängt dabei von der jeweiligen Forschungsperspektive der Disziplin ab. Der Schritt vom phänotypischen zum analytischen Vorgehen wird dann vollzogen, wenn von alle relevanten Komponenten ausgegangen wird, die das jeweilige Grenzkonzept bestimmen, d.h. Form, Inhalt, Lage, Quantität und Qualität der Grenzen, denn sie formen diesen Handlungsraum im Unterschied zur (nationalen) Binnenregion zusätzlich.

Für die GZA ist der zweite Teil unserer Grenzdefinition relevant, der sich auf die Bedingungen bezieht, die eine Überwindung dieser Barriere ermöglichen. Handelt es sich bei diesem Phänotyp z.B. um eine Region innerhalb der Europäischen Union, so genügt es also nicht beim klassischen binationalen Grenzmodell stehen zu bleiben. Es ist vielmehr erforderlich, einen Schritt im vertikalen Bezugssystem, (d.h. vom nationalen zum supranationalen System) weiterzugehen. Gemessen am Integrationsgrad zeichnen sich zwei neue Typen von Handlungsräumen ab, die durch zwei Grenzqualitäten gekennzeichnet sind: Binnen- und Außengrenzen.

[Seite 60]

Wie in unserem analytischen Grenzkonzept schon angedeutet, werden den Binnengrenzregionen einerseits als Ausgangsort kleinräumiger transnationaler Integration „Netzübergangsfunktionen“ zugeschrieben. Gleichwohl stellen die oben qualifizierten „soft borders“ aber immer noch Grenzen dar. „Offen“ sind nur die territorialen Barrieren, nicht jedoch die Systembarrieren (Bildungssysteme, Sprachbarrieren, Steuersysteme etc.) oder ökonomischen Barrieren (Disparitäten). Andererseits bieten sie aber die Chance, eben diese Systembarrieren leichter zu überwinden.

Die entscheidende Frage bei der Überwindung der Barriere bezieht sich auf das Verhältnis von Konkurrenz und Kooperation diesseits und jenseits der Grenze. Führt letztere zu einer verschärften Standortkonkurrenz oder zu einer Kooperation, die auf Synergien abzielt?

Anmerkungen

Die Quelle ist auf der Vorseite in Fn. 332 benannt. Der Umfang und die Wörtlichkeit der Übernahme gehen aus dem Hinweis aber nicht hervor.


[128.] Cbr/Fragment 104 01

Verschleierung
Untersuchte Arbeit:
Seite: 104, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Schmitt-Egner 1998
Seite(n): 60, 61, Zeilen: 60: 11 ff.; 61: 12 ff.
[Führt der letzte Aspekt zu einer verschärften Standortkonkurrenz oder zu einer Kooperation, die] auf Synergien abzielt? Ist der Abbau des Hindernisses überhaupt erwünscht, wenn der Grenze von einer Seite eine kulturelle Schutzfunktion zugeschrieben wird? Hier ist die Komplementarität von top down und bottom up-policies zu betonen. Wie wirken sich diese z.B. bei der Eignung des Handlungsraums einer Binnengrenzregion der EU aus?

• Zunächst ist strukturpolitisch zwischen Grenzregionen, die in Ziel-1, Ziel-2/5b oder Ziel-6-Gebieten liegen und den übrigen Binnengrenzregionen zu unterscheiden.333

• Diese strukturpolitische Eingrenzung wird durch förderpolitische Dimensionen von Grenzregionen [INTERREG-Programm] ergänzt.334

• Diese Unterscheidung führt zum standortpolitischen Kriterium zwischen peripheren und EU-zentralen Binnengrenzregionen [Randgebiet vs. Zentralität].

• Beide Gesichtspunkte verweisen auf die Konkurrenz zwischen den Europäischen Regionen innerhalb der EU, die ihre Bindekraft und Strukturpolitik auch auf grenzbedingte Nachteile ausrichtet [Kohäsion].

• Eine zusätzliche wirtschaftsgeographische Dimension bietet die Unterscheidung zwischen Land- und Seegrenzregionen [Inseln], die wiederum entsprechende Maßnahmen erfordern [z.B. Fischereipolitik vs. Agrarsubventionen].

Alle diese empirischen Dimensionen bilden Hilfsmittel bzw. Grenzkriterien, die der Akteur für die grenzüberschreitende Arbeit findet. Er sieht sich nicht nur mit geteilten Gebieten gegenüberstellt [sic], sondern auch mit den sie umfassenden Systemen, die zu überwinden sind oder mit denen interagiert werden muss. Um zu analytisch befriedigenden Ergebnissen zu kommen, sind diese in unterschiedlichen Ausprägungen mit den oben entwickelten Rastern Grenze und Region zu untersuchen. Integrationspolitisch zielt die Zusammenarbeit von Binnengrenzregionen dabei auf grenzüberschreitende Integration oder binationale Netzübergangsfunktion ab.

Bei der Darstellung der Grenzregion als Handlungseinheit werden die Grenzbestimmungen auf die Region als Handlungseinheit bzw. den Akteur angewendet. Diese können sich wiederum aus unterschiedlichen Akteurstypen zusammensetzen. Für diesen Typ von Akteur kann ein Phänomen herausgegriffen und die Grenzanalyse mit der regionalen Systemanalyse verbunden werden: Ist die Grenzregion als Handlungseinheit nach innen und nach außen identisch?

Nimmt man das klassische Beispiel der EUREGIOs als transnationale Regionen, die durch Grenzregionen gebildet werden, so können diese regionale Gebietskörperschaften sein. Ebenso können sie jedoch als Ergebnis einer Akteurskoalition subregionaler Einheiten [z.B. von Kommunen und Kommunalverbänden] fungieren, die sich zu einer strategischen Einheit zusammengeschlossen haben. In beiden Fällen handelt es sich um ‘Regios’ im Sinnen von grenzüberschreitend agierenden Handlungseinheiten, die sich wieder mit anderen Regios zu einer transnationalen Region zusammenschließen. Das oben ent-[wickelte Akteursschema kann hier seine ‘Gültigkeit beweisen’: Wer hat die formelle, wer die materielle Kompetenz zu handeln? Wer handelt tatsächlich und wie ist dieses Handeln zu bewerten?]


333 Vgl. AGEG [Hrsg.], Praktisches Handbuch zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit, 2. Auflage, Gronau 1997, Kap. A 2 Bisherige Erfahrungen S. 1.

334 Ebenda, S. 11.

Führt letztere zu einer verschärften Standortkonkurrenz oder zu einer Kooperation, die auf Synergien abzielt? Ist der Abbau der Barriere überhaupt erwünscht, wenn der Grenze von einer Seite eine kulturelle Schutzfunktion (z.B. der deutsch-dänische Grenzkonflikt) zugeschrieben wird? Hier ist die Komplementarität von „top down“ und „bottom up-policies“ zu betonen. Wie wirken sich diese z.B. bei der Qualifizierung des Handlungsraums einer Binnengrenzregion der EU aus?65

• Zunächst ist strukturpolitisch zwischen Grenzregionen, die in Ziel—1, Ziel—2/5b oder Ziel-6-Gebieten liegen und den übrigen Binnengrenzregionen zu unterscheiden.

• Diese strukturpolitische Eingrenzung wird durch förderpolitische Dimensionen von Grenzregionen (INTERREG-Programm) ergänzt.66

• Diese Unterscheidung führt zum standortpolitischen Kriterium zwischen peripheren und EU-zentralen Binnengrenzregionen (Peripherie vs. Zentralität).

• Beide Aspekte verweisen auf die Konkurrenz zwischen den Europäischen Regionen innerhalb der EU hin, die ihre Struktur- und Kohäsionspolitik auch auf grenzbedingte Nachteile ausrichtet (Kohäsion).

• Eine zusätzliche wirtschaftsgeographische Dimension bietet die Unterscheidung zwischen Land- und Seegrenzregionen (Inseln), die wiederum angepaßte Maßnahmen erfordern (z.B. Fischereipolitik vs. Agrarsubventionen).

Alle diese empirischen Dimensionen bilden die Determinanten bzw. die Grenzqualitäten, die der Akteur für die grenzüberschreitenden Beziehungen vorfindet. Er ist nicht nur mit getrennten Räume konfrontiert, sondern auch mit den sie umfassenden Systemen, die zu überwinden sind oder mit denen interagiert werden muß.


65 siehe UE/